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Invaders

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Roman

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Invaders — Inhalt

Die Invasoren kamen aus der Vergangenheit. Aus der Zukunft kehrten sie zurück, um uns endgültig zu unterwerfen. In der Gegenwart trafen sie auf einen Mann, mit dem sie nicht gerechnet hatten: Geoff Stamp. Er hatte gerade seinen neuen Job angetreten. Und sah es gar nicht ein, sich dies durch ein paar außerirdische Reptilien zunichte machen zu lassen ... Peter Wards gefeiertes Debüt ist ein episches Abenteuer zwischen den Zeiten - irrwitzige Verwicklungen und gigantische Weltraumschlachten inklusive.

Erschienen am 15.10.2013
Übersetzer: Michael Koseler
384 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96383-1

Leseprobe zu »Invaders«

1

Im Großen und Ganzen war das Wohnzimmer des Hauses Woodview Gardens 23 genauso beschaffen wie alle anderen Wohnzimmer in der Straße. Es hatte Wände, einen Fußboden und zwei Nischen, die zu klein waren, um irgendetwas Vernünftiges darin unterzubringen. Es hatte ein Erkerfenster, eine Tür, die zum Flur führte, und eine Deckenlampe – mit anderen Worten, es verfügte über all das, was man bei einem Wohnzimmer erwarten durfte. Im Gegensatz zu den anderen Wohnzimmern in der Straße war dieses hier jedoch der reinste Saustall. Auf dem Teppich lagen [...]

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1

Im Großen und Ganzen war das Wohnzimmer des Hauses Woodview Gardens 23 genauso beschaffen wie alle anderen Wohnzimmer in der Straße. Es hatte Wände, einen Fußboden und zwei Nischen, die zu klein waren, um irgendetwas Vernünftiges darin unterzubringen. Es hatte ein Erkerfenster, eine Tür, die zum Flur führte, und eine Deckenlampe – mit anderen Worten, es verfügte über all das, was man bei einem Wohnzimmer erwarten durfte. Im Gegensatz zu den anderen Wohnzimmern in der Straße war dieses hier jedoch der reinste Saustall. Auf dem Teppich lagen zertretene Chips, das Sofa war mit Zeitungen übersät, der Fernseher diente als Wäscheständer – eine Installation, die einen äußerst muffigen Geruch verströmte. Die Tapete löste sich allmählich von den Fußleisten, und wenn man den Lichtschalter anfasste (sogar wenn man es nicht tat), lief man Gefahr, sich einen Schlag einzufangen, während in den Ecken ein seltsamer Dunst hing, der irgendwie gespenstisch wirkte. Wären die Vorhänge nicht ständig zugezogen gewesen, so hätte jemand, der am Haus vorüberging und ins Zimmer spähte, auf den Gedanken kommen können, in die Höhle eines Tieres zu blicken.

In gewisser Weise handelte es sich tatsächlich um die Höhle eines Tiers, bloß dass das Tier, das hier hauste, ein Mensch war – ein Mensch namens Geoffrey Stamp. Geoffrey war mittelgroß, sah durchschnittlich aus und hatte blasse Haut, ein rundes Gesicht und olivgrüne Augen. Er war von magerer Statur, mit schmalen Schultern und Armen, die unverhältnismäßig dünn wirkten. Auf den ersten Blick war es schwer, sein Alter zu schätzen. Mit seinem dunklen Siebentagebart und den strähnigen kastanienbraunen Haaren, die ihm wie Gestrüpp in die Stirn hingen, hätte er ebenso gut fünfundzwanzig wie vierzig Jahre alt sein können.

Tatsache war aber, dass Geoff vor ein paar Wochen siebenundzwanzig geworden war, was ihn jedoch nicht veranlasst hatte, eine große Geburtstagsparty zu schmeißen oder auch nur ein paar Freunde auf einen Drink einzuladen. Stattdessen war der Tag so ereignislos verlaufen wie eine Folge aus der Serie Ice Road Truckers. Immerhin hatte er ein paar Geburtstagskarten bekommen. Einige stammten von alten Freunden, mit denen er den Kontakt zu verlieren drohte, andere von entfernten Verwandten, die er zum letzten Mal in der Pubertät gesehen hatte, und eine kam von einer Versicherungsgesellschaft, die irgendwie sein Geburtstagsdatum herausgefunden hatte. »Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Stamp«, hieß es in zwei verschiedenen Schriftarten auf dem unpersönlichen Vordruck. »Man wird bekanntlich nicht jünger. Haben Sie schon einmal daran gedacht, eine unserer supergünstigen Lebensversicherungen abzuschließen?« Er hoffte, dass diejenigen, die solche Schreiben verschickten, selber eine Lebensversicherung hatten – das hatten sie offenbar bitter nötig.

Seine Eltern hatten ihm ebenfalls eine Geburtstagskarte geschickt, aus dem fernen Amerika. Vor ein paar Jahren hatten sie ihr Haus verkauft und waren aus London weggezogen, weil sich seinem Vater eine einmalige berufliche Chance bot – er machte irgendwas Langweiliges, das mit Informationstechnologie zu tun hatte –, die er einfach nicht ungenutzt lassen durfte. Deshalb waren sie nach Amerika übergesiedelt und hatten Geoff zurückgelassen. Schließlich sei er jetzt alt genug, um allein zurechtzukommen, hatten sie gesagt. Das würde ihm nur guttun. Geoff besuchte sie einmal im Jahr und telefonierte ab und zu mit seiner Mutter, obwohl die Gespräche immer gleich verliefen: Hatte er sich schon entschieden, was er mit seinem Leben anfangen wollte? Hatte er einen Job gefunden? Und hatte er endlich eine Freundin?

Dass sich seine Mutter Sorgen machte, war verständlich. In Geoffs Alter hatten die meisten beruflich schon längst ihren Weg gefunden. Hatten vielleicht sogar eine feste Beziehung und fingen allmählich an, übers Heiraten nachzudenken. Hatten eine Hypothek aufgenommen, um ein Haus zu kaufen. Dinge dieser Art. Aber bei Geoff war das anders. Er war immer noch Single. Und arbeitslos. Der einzige Job, den er je über längere Zeit gehabt hatte, war der eines Zeitungsausträgers gewesen (zehn Jahre), und den hatte er verloren, weil man der Ansicht gewesen war, dass er zu alt dafür sei. Warum er so lange Zeitungsausträger geblieben war, wusste er selbst nicht. Vielleicht aus demselben Grund, aus dem er seitdem keine ernsthaften Anstrengungen unternommen hatte, einen anderen Job zu finden. Was ihn davon abhielt, war nicht Mangel an Ehrgeiz – nein, ihm fehlte nur ein konkretes Ziel, ganz abgesehen davon, dass er keinerlei Fertigkeiten oder Qualifikationen aufzuweisen hatte. Eines war allerdings sicher – er konnte sich nicht vorstellen, in einem Büro zu arbeiten, den ganzen Tag am Schreibtisch zu hocken, einen Computer mit Daten zu füttern und ab und zu einem Kollegen den Tacker zu reichen. Das war nicht sein Ding. Er wusste zwar, dass er mehr konnte, aber bis er herausgefunden hatte, was das sein mochte, wollte er sich nicht unnötig mit einem Job belasten. Einstweilen zog er es vor, ein Leben zu führen, das ihn zufriedenstellte und hauptsächlich darin bestand, Computerspiele zu machen.

Unmengen von Computerspielen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt spielte Geoff jedoch nicht, sondern lag schlafend auf dem Sofa, die Beine über der Armlehne, den Kopf auf einen Stapel alter Zeitschriften gebettet. Auf seiner Brust hob und senkte sich bei jedem Atemzug eine leere Cornflakespackung. Sein linker Arm hing schlaff nach unten und war kurz davor, eine Tasse mit kalt gewordenem Tee umzustoßen, die auf dem Fußboden stand. Von Zeit zu Zeit murmelte er etwas Unverständliches vor sich hin oder fuhr sich mit dem Handrücken übers Gesicht. Er träumte, allerdings von nichts, das mit einem Job zu tun hatte. Um die Wahrheit zu sagen, er träumte vom Angeln.

Davon träumte er immer wieder, obwohl ihm schleierhaft war, warum. Er war kein begeisterter Angler, kannte niemanden, der angeln ging, und war selbst in jüngeren Jahren nicht angeln gegangen. Seine Kindheit hatte er damit verbracht, auf den Schaukeln von zementierten Spielplätzen zu sitzen, mit seinen Freunden auf dem Fahrrad durch die Straßen von Ost-London zu rasen oder in seinem Zimmer zu hocken, um Sonic the Hedgehog zu spielen. Er vermutete zwar, dass es in Sonic the Hedgehog eine Unterwassersequenz gab, die ihm Albträume beschert hatte, aber das war die einzige Verbindung, die ihm einfiel. Ansonsten hatte er nicht den geringsten Grund, vom Angeln zu träumen. Außerdem mochte er Fisch überhaupt nicht.

Und trotzdem saß er in seinem Traum wieder einmal an einem See, in der einen Hand die Angelrute, in der andern ein Sandwich, während ihm in der kühlen Morgenluft die Zähne klapperten. Wie gewöhnlich kauerte er auf einer Bank, die Füße in dem grauen Matsch, der sich unter ihm ausbreitete. Der See war ziemlich ausgedehnt und hatte ungefähr die Größe eines Fußballplatzes. In der Mitte lag eine kleine, dicht bewachsene Insel mit hohen Bäumen. Das Wasser, in dem sich der bedeckte Himmel widerspiegelte, war still und ruhig, und am Ufer standen spärliche Gruppen von Schilf, was so aussah, als hätte man dem See eine Haartransplantation verpasst, die nicht ganz geglückt war.

Was Geoff seit einiger Zeit beunruhigte, war die Tatsache, dass er wusste, dass er träumte. Möglicherweise lag das daran, dass er so oft schlief und sich mittlerweile an diesen Zustand gewöhnt hatte, vielleicht aber … Da! Eben hatte etwas angebissen! Geoffrey ließ sein Sandwich fallen und packte die Angel mit beiden Händen, was eine Überreaktion war, da das, was er gefangen hatte, kaum Widerstand leistete. Während er seinen Fang einholte, überlegte er, welches Symbol des Scheiterns wohl heute aus dem Wasser auftauchen werde. Vielleicht ein alter Schuh? Ein Autoreifen? Oder ein Rucksack? Wenn er vom Angeln träumte, endete das immer damit, dass er irgendwelchen Plunder aus dem Wasser zog. Man kann sich also seine Überraschung vorstellen, als er feststellte, dass er einen Fisch am Haken hatte.

Geoff betrachtete den Fisch, der sich verzweifelt am Haken hin und her wand und ins Wasser zurückzugelangen versuchte. Was hatte das zu bedeuten? Sollte es heißen, dass ihm heute tatsächlich mal was gelang? Dass sein Leben in der nahen Zukunft von etwas beeinflusst werden würde, das mit Fischen zusammenhing? Oder hatte er einfach nur einen Fisch gefangen? Jetzt sprach der Fisch.

»Geoff?«

Das fand Geoff überhaupt nicht befremdlich, denn in seinen Träumen geschahen immer die seltsamsten Dinge.

»Geoff?« Die Stimme kam ihm bekannt vor. Eigentlich klang sie wie die von Tim.

Als er noch Zeitungsausträger gewesen war, hatte Geoff dem Haus Woodview Gardens 23 sieben Jahre lang gewissenhaft die Times zugestellt – oder eher der Person, die dort wohnte, einem Mann namens Tim, der ein größeres Interesse an der Zeitungslektüre hatte als das Haus. Tim war es zu verdanken, dass Geoff so lange hatte arbeitslos bleiben können, denn er hatte ihm eine Unterkunft angeboten, nachdem er gefeuert worden war. Tim war ein bisschen älter und ein bisschen größer als Geoff und hatte außerdem einen Job. Letzteres nahm Geoff zumindest an, da sie nie darüber sprachen, womit sich Tim seinen Lebensunterhalt verdiente. Geoff wusste lediglich, dass Tim meistens zu Hause arbeitete und am Computer Daten analysierte. Die Wände seines kleinen Arbeitszimmers im ersten Stock waren mit Liniencharts bepflastert, sein Schreibtisch mit Diagrammen und komplizierten, handgeschriebenen Gleichungen übersät. Von alldem verstand Geoff überhaupt nichts. Tim ging sehr oft auf Reisen, was offenbar mit seinem Job zusammenhing. Nie sagte er, wohin er fuhr – er verschwand einfach und kam ein paar Tage später wieder zurück. Für Geoff war diese Situation ganz wunderbar – es interessierte ihn nicht, was Tim für einen Beruf hatte, und Tim machte keinerlei Anstalten, es ihm zu erzählen.

Bereits im ersten Jahr von Geoffs Tätigkeit als Zeitungsausträger hatten sich die beiden angefreundet. Tim hatte Geoff nämlich dabei erwischt, wie er von draußen zum Wohnzimmerfenster hereinstarrte. Tim saß gerade an einem Computerspiel, und Geoff war stehen geblieben, um ihm zuzusehen. Zunächst war das Ganze ein bisschen peinlich gewesen, weil Geoff erklären musste, warum er vor Tims Haus herumlungerte, doch dann hatten sie schnell festgestellt, dass sie zahlreiche gemeinsame Interessen hatten – die vor allem darin bestanden, dass sie beide gern Computerspiele machten und anderen gern dabei zusahen.

Über Tim als Hauswirt konnte Geoff sich wahrlich nicht beklagen. Er tolerierte Geoffs Abneigung gegen jegliche Form von Arbeit im Haushalt, fragte ihn nie, ob er nach einem Job suche, und brachte das Thema »Miete« – mit der Geoff schon zwei Jahre im Rückstand war – nur selten zur Sprache. Wenn Tim nicht gewesen wäre, hätte Geoff gar keine andere Wahl gehabt, als sich beruflich mit dem abzufinden, wovor er den größten Horror hatte, nämlich in einem grauen Anzug in einem grauen Büro zu sitzen, um graue Gedanken zu denken. Es war wirklich ein toller Zufall, dass er in diesem Haus gelandet war und hier wohnen durfte, ohne irgendetwas dafür tun zu müssen. Manchmal konnte er sein Glück einfach nicht fassen.

Doch im Moment verdross es ihn, dass er geweckt worden war.

»Was gibt’s denn?«, fragte Geoffrey den Fisch. Er nahm an, dass Tim in der Realität mit ihm sprach und seine Stimme in seinem Traum zur Stimme des Fischs wurde.

»Steh auf, Geoff. Nun mach schon …«

Geoff rieb sich die Augen. Jetzt hatte der Fisch Haare.

»Du bist ein Fisch.«

»Klar bin ich ein Fisch. Aufwachen!«

Plötzlich wurde Geoffrey von einem geradezu unerträglichen Licht geblendet. Offenbar hatte Tim die Vorhänge zurückgezogen. Geoff spürte, wie jemand an seinem Fuß zerrte.

»Du musst aufwachen, Geoff«, sagte der Fisch.

Geoffrey stieß ein Murren aus, öffnete widerstrebend die Augen und schirmte sie sofort mit der Hand gegen das grelle Sonnenlicht ab. Der pittoreske See verwandelte sich allmählich in das ästhetisch nicht ganz so ansprechende Wohnzimmer, und der sprechende Fisch nahm die Gestalt von Tim an, den Geoff aber noch nicht deutlich sehen konnte. Er nahm lediglich seine verschwommenen Umrisse wahr sowie den braunen Haarschopf und die schwarz geränderte Brille. Geoff schloss die Augen und öffnete sie wieder, als müsste er sein Gehirn rebooten. Das war schon besser. Jetzt vermochte er auch Details zu erkennen: Tims unerbittlichen Gesichtsausdruck, den Spruch auf seinem T-Shirt, der für diese frühe Morgenstunde viel zu witzig war, und – vor allem! – die Tasse Tee in seiner Hand.

»Ist der Tee für mich?«, fragte Geoffrey in hoffnungsvollem Ton, schob die Cornflakespackung von seiner Brust und setzte sich auf.

»Was ist denn mit deinem?«, erwiderte Tim, indem er auf die Tasse vor dem Sofa zeigte.

»Der ist inzwischen gefroren.«

»Verstehe«, sagte Tim und reichte ihm die eigene Tasse.

Tim drehte sich in Richtung Fernseher und nahm die Kleidungsstücke herunter, die Geoff darüber ausgebreitet hatte.

»Du musst wirklich aufhören, den Fernseher als Wäschetrockner zu benutzen«, sagte er. »Sonst erhitzt er sich wieder.«

Unter fünf T-Shirts und einer Jeans kam ein staubiger Bildschirm zum Vorschein, auf dem die Worte standen:

GAME OVER
Continue? Y/N

»Oh, ich hatte ganz vergessen, dass ich das spiele«, sagte Geoff. Er kramte zwischen den Sofakissen herum, bis er ein Joypad zutage förderte. »Bis wohin bin ich eigentlich gekommen?«

»Was ist denn das für ein Spiel?«, erkundigte sich Tim, nachdem er Geoffs Kleidungsstücke in eine Ecke geworfen hatte.

»Space Commando«, erklärte Geoff, schob sich ein Kissen hinter den Rücken und trank einen Schluck von Tims Tee.

»Aha. Und worum geht’s da?«

»Darum, die Welt zu retten.« Geoff griff nach einem Headset und stöpselte sich den Ohrhörer ins Ohr. »Du bist ein Typ, der zu einem Kommandotrupp gehört und vor allem damit beschäftigt ist, Außerirdische abzuknallen.«

»Und was hast du da aufgesetzt?«, fragte Tim. »Hast du neuerdings einen Job in einem Call Center oder was?«

»Das?«, erwiderte Geoff, indem er das Mikrofon des Headsets vor seinem Mund in Position brachte. »Damit kann man über das Internet mit den anderen Spielern reden.«

»Klingt faszinierend«, sagte Tim, schnappte sich einen Stapel benutzter Teller und trug ihn in die Küche.

»Ich weiß ja nicht, ob dich das interessiert«, rief er aus der Küche, »aber in der Zeitung ist ein Job inseriert. Ich finde, da solltest du dich bewerben.«

»Weg da!«, schrie Geoffrey ins Mikrofon. »Wenn du im Weg stehst, kann ich nicht schießen!«

»Was?«, erwiderte Tim.

»Nichts«, sagte Geoff, »hab nur mit diesem Idioten gesprochen, der gerade online ist.«

»Ich verstehe nicht, warum du dich so aufregst«, meinte Tim. »Ist doch nur ein Spiel.«

Aber ob nun Spiel oder nicht, Geoff regte sich auch weiterhin auf. So kurz nach dem Aufwachen haperte es bei ihm immer mit der Hand-Auge-Koordination, außerdem bereitete es ihm einige Mühe, den Außerirdischen mit der ultimativen Waffe seiner Figur, dem Todesbringer, an seiner Schwachstelle zu treffen.

»Also, was hältst du davon?«, fragte Tim.

»Wovon?«

»Von dem Job.«

»Welchem Job?«

»Dem, der in der Zeitung inseriert ist!«

Geoffrey hörte kaum zu, weil er gerade versuchte, einen besonders großen Außerirdischen ins Visier zu nehmen. Doch ehe er sichs versah, wurde er von feindlichen Schüssen getötet, und der Bildschirm zeigte erneut »Game Over« an. Nachdem er das Joypad frustriert auf den Fußboden geworfen hatte, dachte er über das nach, was Tim gerade gesagt hatte.

»In der Zeitung ist also ein Job inseriert?«, sagte er. Seltsam. Tim hatte noch nie über Jobsuche mit ihm gesprochen. Warum fing er dann ausgerechnet heute damit an?

»Ja«, erwiderte Tim. »Weiß zwar nicht genau, worum es sich handelt, aber jedenfalls braucht man keine Qualifikationen. Und du hast doch keine, stimmt’s?«

Da er bei den meisten Schulprüfungen durchgefallen war, weil ihn keines der Fächer interessiert hatte, bestanden die einzigen Qualifikationen, die Geoff vorweisen konnte, darin, dass er bei den Pfadfindern ein Abzeichen fürs Knotenbinden erhalten, bei einer Talentshow den dritten Preis gewonnen und ein T-Shirt mit der Aufschrift »Sieger bei Doom« bekommen hatte.

»Stimmt«, gestand Geoff.

Tim kam wieder ins Zimmer. »Ich habe das Inserat rot angestrichen«, sagte er und warf Geoff eine Zeitung zu. »Warum spielst du nicht mehr?«

»Ich glaube, ich muss erst mal richtig wach werden«, antwortete Geoff und nahm das Headset ab. »Ich drücke dauernd die falschen Tasten.« Er warf einen Blick auf die Zeitung und las die Anzeige laut vor.

»Renommiertes Touristikunternehmen sucht Reiseführer für die Betreuung einer vielfältigen Klientel. Erfahrungen oder Qualifikationen nicht erforderlich.«

»Na?«, sagte Tim.

»Also, ich weiß nicht. Reiseführer?«

»Dass in einer Stellenanzeige Erfahrungen oder Qualifikationen nicht erforderlich steht, kommt jedenfalls nicht allzu oft vor.« Er streckte die Hand aus, weil er seinen Tee zurückhaben wollte.

Statt die Tasse Tim zu reichen, hielt Geoff sie der Kleidung hin, die Tim in die Ecke geworfen hatte.

»Wegen dieser Probleme mit der Visuomotorik solltest du wirklich mal zum Arzt gehen«, meinte Tim, während er Geoffreys Arm in seine Richtung drehte und ihm die Tasse abnahm. »Wie lange dauert es denn meistens, bis sich das wieder gibt?«

»Keine Ahnung«, erwiderte Geoffrey. »Ich hab es noch nie geschafft, dabei auf die Armbanduhr zu blicken.«

Das gefiel Geoffrey überhaupt nicht. Er wollte keinen Job. Er war vollauf damit zufrieden, den ganzen Tag zu schlafen und die Nacht mit Computerspielen zu verbringen. Dieser anspruchslose Lebensstil sagte ihm rundum zu, zumindest so lange, bis er herausfand, was er mit seinem Leben anfangen wollte. Doch im Laufe des Vormittags raffte er sich tatsächlich dazu auf, einen Bewerbungsbrief an dieses Touristikunternehmen zu schreiben. Wenn er seinen guten Willen zeigte, würde das Tim hoffentlich davon abhalten, mit ihm über das Thema »Miete« zu sprechen – ein Thema, das Geoff immer Schuldgefühle einjagte.

»Der Brief ist fertig«, rief er die Treppe hoch.

»Gut«, erwiderte Tim, der offenbar gerade in seinem Arbeitszimmer war. »Dann geh und steck ihn in den Briefkasten, ja?«

»Was denn? Soll ich ihn dir gar nicht vorlesen?«

»Nicht nötig. Umschläge liegen auf dem Tisch im Flur.«

Da Geoff immer noch Koordinationsschwierigkeiten hatte, brauchte er einige Minuten, um eine Briefmarke auf den Umschlag zu kleben und den Brief einzutüten.

Als er auf der untersten Treppenstufe saß und seine Turnschuhe anzog, sah er durch das geriffelte Glas der Haustür die Silhouette einer Frau näher kommen. Auf der Schwelle machte sie halt, kramte kurz in einer großen Schultertasche herum und schob einen Brief durch den Briefschlitz.

Für diese Silhouette hatte Geoff sehr viel übrig. Es war die von Zoë, der Postbotin, die er schon seit Jahren kannte, noch aus seiner Zeit als Zeitungsausträger. Damals hatten sie sich oft Gesellschaft geleistet, wenn sie ihre morgendliche Runde durch die Straßen machten – Geoff, um Zeitungen auszutragen, Zoë, um Post zuzustellen. Zoë war ziemlich jungenhaft. Sie trug ständig ausgebeulte Jeans, schmuddlige Turnschuhe und weite Pullover, die ihre schlanke Gestalt verbargen. Nie hatte sie ein Kleid oder einen Rock an, benutzte selten Make-up und ließ sich die dunklen Haare extrem kurz schneiden. Ihre Stimme war tiefer, als man es erwartet hätte, wenn man sie ansah. Im linken Ohr hatte sie vier Piercings, auf der rechten Schulter das Tattoo einer kleinen Eule. In ihrer Freizeit spielte sie in einer Band Gitarre. Ihre großen Augen und der breite Mund machten sie nicht gerade zur klassischen Schönheit, aber Geoff fand sie trotzdem außerordentlich attraktiv. Und es fiel ihm leicht, sich mit ihr zu unterhalten. Die Gespräche waren immer völlig ungezwungen. Er schaffte es mühelos, sie zum Lachen zu bringen, und sie war immer gern bereit, ihm Ratschläge zu erteilen oder ihm ermunternd zuzureden. Irgendwie kam er sich in ihrer Gegenwart wie jemand ganz anderes vor, als wäre sie in der Lage, in seinem Innern auf einen Schalter zu drücken und ihm Selbstvertrauen einzuflößen. Er hatte schon oft mit dem Gedanken gespielt, sie um ein Date zu bitten, aber nie den Mut dazu aufbringen können.

Geoff sprang hoch und riss lächelnd die Haustür auf. Zoë stand direkt vor ihm. Sie waren sich einige Wochen lang nicht begegnet, und die Wiedersehensfreude ließ ihn derart aus dem Häuschen geraten, dass er gar nicht mitbekam, dass er sie gerade zu Tode erschreckt hatte.

Peter Ward

Über Peter Ward

Biografie

Peter Ward, geboren 1980 in Essex, studierte Englische Literatur an der University of Southampton und arbeitete danach als Einkäufer bei Sainsbury's. Heute lebt er in London und schreibt phantastische Romane in der Tradition von Douglas Adams.

Pressestimmen

robots-and-dragons.de

»Eine unterhaltsame, britisch lustige Geschichte, zusammengesetzt aus vielen Bekannten, kräftig gewürzt und deswegen gut zu goutieren.«

splashbooks.de

»Peter Ward braucht den Vergleich mit Douglas Adams nicht zu scheuen. Voll feinem und spitzzüngigen Humors, sodass man manchmal nicht aus dem Lachen herauskommen kann.«

agm - Das Medienmagazin

»›Invaders‹ ist ein Science-Fiction-Buch der unterhaltsamen Art, das großen Spaß macht und sich nicht überzogen ernst nimmt. (...) Als Rezept gegen den Novemberblues empfiehlt sich das Buch in jedem Fall!«

Phantastiknews

»Ein herrlich abgedrehter Spaß mit Muskelkater-Gefahr für die Lachmuskeln (wenn man den köstlich bescheuerten Humor Peter Wards mag). Wer Phantastik nicht immer allzu bierernst nimmt, der kommt bei ›Invaders‹ voll auf seine Kosten.«

VIRUS

»Das Zeitreisethema mit dem der Alien-Invasion zu verbinden klappt erstaunlich gut und bietet durchgängig Angriffsfläche für humoristische Beschreibungen und Situationen. (...) Macht Spaß!«

Geek!

»Kurzweilig, sympathisch und im richtigen Moment immer wieder mal ein bisschen british.«

Der phantastische Bücherbrief

»Gelungene humorvolle Geschichte.«

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