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Im Kaff der guten HoffnungIm Kaff der guten Hoffnung

Im Kaff der guten Hoffnung

Eine Liebeserklärung an die Provinz

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Im Kaff der guten Hoffnung — Inhalt

#42553 Neviges: »Hier kann man billig leben. Denn wo es nichts gibt, kann man nichts ausgeben«

»In Neviges kann man billig leben. Wo es nichts gibt, kann man nichts ausgeben.« Norbert Molitor ist ein brillanter Beobachter der Kleinstadttristesse. Einer Welt, jenseits unbegrenzter Möglichkeiten: Während die Großstädter zwischen 120 verschiedenen Joghurtsorten wählen müssen und zwischen Selbstverwirklichung und Gruppenhäkeln schwanken, hat der durchschnittliche Provinzler es da sehr viel einfacher. Typischerweise findet sich in so einem Provinznest neben einer Kirche, einem Bäcker, einem Bürgerbüro und einer Kneipe mit Kegelbahn – eigentlich nix. Von diesem »Nix«, das doch so viel mehr ist, weiß Molitor charmant-ironisch zu berichten. »Im Kaff der guten Hoffnung« ist ein Panoptikum des deutschen Kleinstadtlebens.

 

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 01.03.2016
208 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30792-5
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 01.03.2016
208 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97155-3

Leseprobe zu »Im Kaff der guten Hoffnung«

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Das Leben im Kaff ist einfach. Kein Kino, kein Museum, kein Theater, keine Oper, keine Bar, keine U-Bahn, kein Krankenhaus, kein Handyladen, kein Ikea, kein Bordell, keine Jobs, keine Künstler, Tänzer, Musiker, Unternehmensberater, Kuratoren – dafür Schützen- und Bürgervereine, Karnevals- und Hundevereine, Seniorengymnastik und frische Luft. Wer damit klarkommt, ist gut aufgehoben. Und lebt billiger. Es gibt nix. Und was nicht da ist, kann nix kosten.
Wer neu dazukommt, braucht Jahrzehnte fürs Klarkommen, wer wegzieht, sehnt sich jahrzehntelang [...]

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Das Leben im Kaff ist einfach. Kein Kino, kein Museum, kein Theater, keine Oper, keine Bar, keine U-Bahn, kein Krankenhaus, kein Handyladen, kein Ikea, kein Bordell, keine Jobs, keine Künstler, Tänzer, Musiker, Unternehmensberater, Kuratoren – dafür Schützen- und Bürgervereine, Karnevals- und Hundevereine, Seniorengymnastik und frische Luft. Wer damit klarkommt, ist gut aufgehoben. Und lebt billiger. Es gibt nix. Und was nicht da ist, kann nix kosten.
Wer neu dazukommt, braucht Jahrzehnte fürs Klarkommen, wer wegzieht, sehnt sich jahrzehntelang zurück, kann aber nicht sagen, warum.
Die Alten bleiben unter sich. Nicht die alten Alten, die ­sowieso, sondern die im Kaff Geborenen. Die Ureinwohner. Die sind, kein Witz, nicht durch Hausgeburten ins Dorf gekommen, sondern durch Geburten im Krankenhaus, das zehn oder mehr Kilometer entfernt in einer anderen Stadt liegt. Es gibt also weniger Ureinwohner, als die Ureinwohner denken. Egal. Wer dazukommt, hat für alle Zeiten einen nicht unerheblichen Migrationshintergrund.
Was hilft, ist ein Ehrenamt oder Spenden oder beides. Oder Lokalrunden. Oder ein Hund. Und gute Kontakte zu Leuten, die im Kaff etwas zu sagen haben und davon reichlich Gebrauch machen. Zum Beispiel zur Gemüsefrau, zum Metzger, zum Apotheker oder Frisör, weil man als Stammkunde aus der Schusslinie ist, sich aber nie sicher sein kann, wie lange. Wer fremdgeht, zum Beispiel zum Gemüsemann, wird einfach nicht mehr gegrüßt.
Hund ist gut. Hund mit Traumata ist besser, weil die Hundeschule im Dorf eine gute Gelegenheit ist, andere traumatisierte Hunde und ihre Besitzer kennenzulernen. Kinder ­gehen auch, machen allerdings viel Arbeit, und wenn sie groß sind, sind sie weg.
Der Durchschnittsbewohner ist vierundfünfzig. Geschieden oder sehr unglücklich, was Liebesangelegenheiten betrifft, schlecht gekleidet (die Beigephase beginnt), etwas krank, was wichtig ist fürs Mitreden, etwas religiös (die Sterbephase beginnt) und etwas neben der Spur: Der Sex ist nicht mehr das, was er mal war, und der Job, sofern vorhanden, macht auch keinen Spaß mehr. Der Fernseher ist riesig, die Wohnung picobello, der Freundeskreis hingegen inzwischen langweilig, weil die Party vorbei ist. Wer hat, hat eine Bleibe irgendwo im Süden, wer nichts hat, hat RTL oder Arte – oder ein Hobby, das keine Unordnung macht.
Viele Frauen kochen neuerdings vegan; viele Männer grillen das Gegenteil. Und trinken zu viel. Nicht jeden Tag, aber freitags und samstags und selten sonntags. Denn montags beginnt die Woche im Kaff mit Fahrerei. In die nächste größere Stadt oder ins nächste Kaff. Die Älteren sitzen im Café und freuen sich. Sie haben es geschafft. Nie wieder arbeiten.

 

42 553 Neviges. Kunden, die Nachthemden und Tischeimerchen kaufen, kaufen auch Bratpfannen und Heftzwecken. Oder Reisetaschen, Büstenhalter, Feinstrumpfhosen, Kabel. Oder Glühbirnen. Das klitzekleine Kaufhaus Gassmann, nicht mal ein Viertel so groß wie eine kleine Karstadt-Etage, ist längst kein Geheimtipp mehr, seit sich rumgesprochen hat, dass das Kaufhaus in Neviges alles hat. Wer zwei Gabeln, einen Bogen Plakatkarton, ein Weinglas oder eine Leiter, Vogelfutter, Herrenkniestrümpfe, Bewerbungsmappen oder Schuhcreme braucht, findet das.
Es gibt zwei Kassen. Gegenüber eine Gondelansammlung mit aktuellen Sachen, zum Beispiel Karnevalskrempel oder Weihnachtsschmuck, und im Eingangsbereich Arztromane, Liebesromane und Teelichter. Vor dem Laden stehen die Dinge, die jeder irgendwann mal gekauft hat, jedoch nicht mehr findet. Paketkordel zum Beispiel oder Luftschlangen.
Getrickst wird nicht oder so, dass man es nicht merkt. Keine Musik, keine Durchsagen, keine billigen Sachen in Bodennähe und teure im Griffbereich. Keine Kinderquengelartikel vor der Kasse (die Spielsachen, Stifte, Hefte, Kinderbücher sind ganz hinten im Laden) und keine Sachen ohne lesbare Preisangabe. Sonderangebote heißen Sonderangebote und nicht »Sale«. Und man kann sich darauf verlassen, dass Sonderangebote vorher mal teurer waren. Gut so. Gut auch: Das Personal ist hilfsbereit. Wer etwas nicht findet, wird nicht irgendwo hingeschickt, sondern begleitet.
Wenn nix los ist in Neviges, also immer außer donnerstags, am Markttag, oder wenn es regnet, gehen viele Einwohner in den Laden. Nicht zum Einkaufen, sondern zum Gucken. Irgendwas, das stellt sich schnell heraus, braucht man immer. Man weiß es aber erst, wenn man im Laden ist.
Wenn man Glück hat, trifft man die Arbeitskollegin aus Wuppertal samstags bei der Wolle. Und ihren Mann, der zwei linke Hände hat, mit der RAL-Farbkarte in der Hand vor den Lackröllchen. Die kommen nach Neviges, weil es solche ­Läden in Wuppertal nicht mehr gibt. (Das Wupper­taler Schauspielhaus ist übrigens auch dicht, und das Opernhaus – kein Witz – hat kein eigenes Ensemble mehr.)
Besonders beliebt ist der Laden bei den Düsseldorferinnen, die bekanntlich das Shoppen und Geldausgeben erfunden haben. Die kommen, weil sie für den Preis einer guten Damenhandtasche auf der Kö bei Gassmann die komplette Frotteeabteilung einschließlich aller Waschlappen kaufen können.

Norbert Molitor

Über Norbert Molitor

Biografie

Norbert Molitor lebt und bloggt in Velbert-Neviges. 2014 bekam er für 42553 Neviges den Grimme Online Award verliehen.

Veranstaltung
Lesung mit Musik
Donnerstag, 15. November 2018 in Wuppertal
Zeit:19:00 Uhr
Ort:Kontakthof Wuppertal,
Genügsamkeitstraße 11
42105 Wuppertal
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Pressestimmen

Frau von Heute

»Brillant beobachtet!«

Süddeutsche Zeitung

»Norbert Molitor versammelt in ›Im Kaff der guten Hoffnung‹ bebilderte Beobachtungen aus seiner Heimatstadt mit einem aufmerksamen, sehr persönlichen Blick für die versteckten Details.«

Velberter Stadtanzeiger

»Mit viel trockenem Humor und immer authentisch«

coolibri.de

»eine liebevolle Hommage an Neviges und seine Bewohner.«

Westdeutsche Zeitung

» Ungeschönt und mit viel Ironie. Norbert Molitors literarisches Erstlingswerk ist eine Liebeserklärung an Neviges. (...) eine sehr unterhaltsame Beleuchtung der Provinz und ihrer Menschen, mit allen Macken und Skurrilitäten.«

Inhaltsangabe

Inhalt


1 Das Leben im Kaff ist einfach
2 Wer in einem Kaff wohnt, braucht ein Auto
3 Fenster sauber? Hausflur gewischt?
4 Weil sich die Leute aus der Großstadt gerne lustig machen
5 Der Einzelhandel in deutschen Kleinstädten hat Probleme
6 »Draußen nur Kännchen«
7 Bürgertelefon 115
8 In Wuppertal-Barmen hat man den Carnaper Platz an die Stadtwerke verkauft.
9 Ein Hemd bitte
10 Früher spielte man Tennis
11 »Bin ich in Mannheim? Oder ist das hier schon Münster?«
12 Die Suche nach einem guten Anstreicher
13 Rundgang in der Düsseldorfer Kunstakademie
14 Wer richtig viel Geld verdienen will, macht irgendwas mit alten Menschen
15 Keine bezahlbare Wohnung
16 Blöde Zeiten für den Einzelhandel
17 Schon seltsam
18 Bei schlechtem Wetter
19 Je oller, desto doller gilt für alles, was ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat
20 Wenn die Liebe geht, kommen die Menschen auf komische Gedanken
21 Im Sommer 2015 fiel in Australien eine kerngesunde Frau um
22 Im Juli gab Frank Appel ein Interview
23 Neulich in Amsterdam
24 Jean, knapp achtzig, ist Rentner
25 Es war einmal ein leitender Angestellter
Dank

Kommentare zum Buch

Vorfreude!
Anna am 01.02.2016

Dieses Buch steht bei mir ganz oben auf meiner Wunschliste.

Vor-le-sung!!!
Martin Scott am 03.09.2015

Schließe mich Vorrednern an: Wünsche mir eine Vorlesung und freue mich aufs Buch (lebe sehr gerne in Neviges, man kann alles kaufen, fällt aber nicht auf, schon gar nicht außerhalb Neviges'...).

Freu mich drauf :-)
Marco @ Spandooly.de am 26.05.2015

Lieber Herr Molitor, Ihr Blog ist schon genial. (http://nevigeser.blogspot.de/) Als Nevigeser freue ich mich deshalb auch schon riesig auf Ihr Buch. Eventuell schreiben Sie ja ein wenig schneller, damit ich nicht so lange warten muss!? ;-) Buchvorstellung im Kaff? Da simmer dabei... Viele Grüße. Marco B.

Kaff
Tiog am 24.05.2015

Schade, dass wir noch so lange auf das Buch warten müssen.

Von Kaff zu Kaff
El gato negro am 14.05.2015

Lieber Herr Molitor,   ich hoffe sie machen eine Buchvorstellung im Kaff, vielleicht klappt es ja im Laden schräg gegenüber vom Café des Monsieur M. Würd mich auf mein Kommen freuen.   Grüße aus Novaesium

Norberts blog & Grimme Award bei wikipedia
M. aus Aachen am 17.04.2015

de.wikipedia.org/wiki/Neviges   Ich freue mich darauf.

Im Kaff der guten Hoffnung
Don Elefante am 17.04.2015

Ein gelungener Titel! Nix ist spannender, als das Kaff in 2016 neu mit nochmehr nix zu entdecken.

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