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Im Angesicht des ManasluIm Angesicht des Manaslu

Im Angesicht des Manaslu

Speedbergsteigen in der Todeszone

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Im Angesicht des Manaslu — Inhalt

Am 23. September 2012 ereignete sich eines der schwersten Unglücke an einem Achttausender: Eine Lawine begrub am Manaslu an die vierzig Menschen. Auch Benedikt Böhm, der eine Speedbegehung des Gipfels plante, war vor Ort. Sein Lager hatten die Schneemassen verschont, und gemeinsam mit seinen Freunden machte er sich auf die Suche nach Überlebenden. Offen spricht der Skibergsteiger über die Tragödie und warum er wenige Tage später trotzdem in Rekordzeit den Manaslu bestieg. Er hält Rückschau auf seine persönliche Entwicklung und die Hinwendung zum Extremsport. Und erklärt, warum der Gipfel nicht immer die größte Leistung ist.

€ 14,99 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 09.11.2015
272 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-492-40556-0
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 14.04.2014
272 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96641-2

Leseprobe zu »Im Angesicht des Manaslu«

Vorwort

Mir ist durchaus bewusst, dass mein Sport nicht nur Freunde hat. Was die einen beeindruckt, ist für andere ein sinnloser und eitler Egotrip, der billigend den Verlust des eigenen Lebens in Kauf nimmt. Ich bin allerdings weder lebensmüde, noch fühle ich mich als bewundernswerter Held oder als rücksichtsloser Egoist.

 

Seit ich denken kann, war ich in Bewegung. Mit elf Jahren entflammte meine Leidenschaft für den Leistungssport. Ich entdeckte meine Begabung und habe sie als großes Geschenk empfunden. In den folgenden Jahren habe ich erfahren, [...]

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Vorwort

Mir ist durchaus bewusst, dass mein Sport nicht nur Freunde hat. Was die einen beeindruckt, ist für andere ein sinnloser und eitler Egotrip, der billigend den Verlust des eigenen Lebens in Kauf nimmt. Ich bin allerdings weder lebensmüde, noch fühle ich mich als bewundernswerter Held oder als rücksichtsloser Egoist.

 

Seit ich denken kann, war ich in Bewegung. Mit elf Jahren entflammte meine Leidenschaft für den Leistungssport. Ich entdeckte meine Begabung und habe sie als großes Geschenk empfunden. In den folgenden Jahren habe ich erfahren, dass es Willen und viel Disziplin erfordert, aus seinen Anlagen etwas zu machen. Ich habe gelernt, mich auf das zu konzentrieren, was ich habe (statt das zu wollen, was ich nicht habe), und meinen eigenen Weg zu gehen (statt den von jemand anderem). Mich treibt nicht Ehrgeiz an, es ist vielmehr die Liebe zu diesem Sport und die Sehnsucht nach Bewegung in einer Welt der Ruhe, Ausgeglichenheit und Einsamkeit. Ich bin sehr dankbar für mein Talent und möchte gern das Beste daraus machen.

 

Die Befriedigung und das Glück, das die Berge und mein sportliches Weiterkommen in mir auslösen, wünsche ich jedem Menschen. Ich glaube, es ist nie zu spät, sich auf den eigenen Weg zu begeben.

 

Manaslu, 23. September 2012, 4.45 Uhr

Ich glaube, jeder von uns hatte Angst vor dem, was uns hier auf 6500 Meter Höhe erwarten würde, und die noch herrschende morgendliche Dunkelheit verunsicherte uns zusätzlich. Das Einzige, was wir sahen, waren einige hektisch flackernde Taschenlampenlichter auf der Höhe von Lager 2 unter uns und von Lager 3 über uns. Als wir am Fuße der berüchtigten Hangflanke ankamen, auf der die Lager aufgeschlagen waren, war das Erste, was im Lichtkegel unserer Stirnlampen auftauchte, ein einzelner Schuh, so ein Daunenüberschuh, wie man ihn nur im Zelt zum Wärmen der Füße trägt. Das war der Moment, in dem jedem von uns klar wurde, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.

 

Start

Daheim, Frühjahr 2012

Es ist fünf Uhr morgens. Die Sonne hat gerade den Horizont überschritten und schickt mir ihre wärmenden Strahlen als Morgengruß ins Gesicht. Ich stehe ausgepowert, aber sehr zufrieden auf dem Gipfel der Alpspitze. Um mich herum schimmert das Panorama meiner geliebten Alpen in unschuldigem, zartem Rosa. Ich genieße den Moment in vollen Zügen und bin einfach nur glücklich.

Wenn mein Tag so beginnt, kann mich kaum noch etwas aufregen, selbst einen Einkaufsbummel am Samstag ertrage ich danach gelassen! Und unter der Woche schaffe ich es locker bis um neun Uhr zurück nach München in mein Büro, oder ich bin ohnehin auf der Durchreise, da ich beruflich viel in den Alpen unterwegs bin.

Sooft es mir möglich ist, absolviere ich dieses Trainingsprogramm: Frühmorgens – oder auch spätnachts – schleiche ich mich leise aus der Münchner Wohnung, um Frau und Sohn nicht zu wecken, und fahre in die nahe gelegenen Alpen. Für die lange Runde mit 2600 Höhenmetern auf die Alpspitze brauche ich 3,5 Stunden. Vor großen Expeditionen mache ich diese Runde oft zweimal hintereinander. Auch aus diesem Grund gehe ich lieber zu Zeiten, wo außer mir niemand unterwegs ist, denn begegne ich einem anderen Skitourengeher, kann es passieren, dass ich dem gleich viermal über den Weg laufe. Das erste Mal überhole ich ihn beim ersten Hochgehen, das zweite Mal komme ich ihm abfahrend entgegen, das dritte Mal überhole ich ihn beim zweiten Hochgehen und das vierte Mal wieder abfahrend. Da bleibt ein ungläubiges »Ja, des gibt’s doch net! Du warst doch grad ebn scho amoi do!« oder »Ja, servus, des wiavuite Moi is’n heit scho, Bene?« nicht aus. Ich schätze diese anerkennende bayerische Kontaktaufnahme, aber meist bin ich bei diesen Trainingseinheiten so in mich und meinen Rhythmus versunken, dass ich auf Gespräche keine Lust habe.

 

Um das, was ich mir vorgenommen habe, zu schaffen, werde ich in den nächsten Monaten Zigtausende an Höhenmetern bergauf und bergab zurücklegen. Ich werde Gipfel besteigen, die mir alles abverlangen, und von Hängen abfahren, bei deren Anblick mein Herz bis zum Hals schlägt – mal vor Freude, mal vor Aufregung und Angst. Vor mir liegt die größte sportliche Herausforderung meines Lebens.

 

An einem dieser Frühlingsabende sitzen meine Frau Veronika und ich gemütlich vor dem Fernseher. Beim Zappen stoßen wir auf eine Dokumentation über den Versuch, den 8080 Meter hohen Gasherbrum I im Winter zu besteigen. Das Unternehmen endete tödlich. Am Morgen des 9. März 2012, die drei Bergsteiger hatten eine Nacht auf 7700 Meter bei über 50 Grad minus hinter sich, riss die Funkverbindung ab. Stunden später wurden sie mit dem Fernglas gesichtet. Sie befanden sich im Aufstieg in einem Eisfeld etwa 250 Meter unterhalb des Gipfels. Just in diesem Moment kam ein Sturm auf, der sich in Windeseile zu einem Orkan auswuchs. Vor den Augen des Freundes wurden die drei von den dichten Wolken verschluckt – und nie wieder gesehen. Cedric Hählen, Gerfried Göschl und Nisar Hussain sind bis heute verschollen.

Ich kannte Cedric. Kurz bevor er im Januar auf diese Expedition ging, telefonierten wir noch miteinander, auch Teile seiner Ausrüstung hat er von mir bekommen. Ein paar Wochen später erreichte mich die Nachricht von seinem tragischen Tod. Cedric war ein angenehm ruhiger und bescheidener Typ und mit seinen 30 Jahren ein exzellenter, sehr erfahrener und besonnener Bergsteiger. Wir lernten uns 2009 auf dramatische Weise an einem anderen Achttausender kennen, dem Broad Peak. Ohne Cedrics Hilfe hätte diese Expedition auch ganz anders ausgehen können. Seit damals standen wir in regelmäßigem Kontakt. Meine Frau kannte Cedric nicht, aber sie schaut den Film »Der letzte Weg« sehr aufmerksam an. In ein paar Wochen werde ich auf dem Weg ins Himalajagebirge sein …

 

München, Kindergarten- und Schulzeit

Die Liebe zu den Bergen wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Mein Elternhaus war eher künstlerisch geprägt. Mein Vater und meine Mutter interessieren sich für alles, was mit Kunst, Literatur und Musik zu tun hat, und genießen die vielfältigen Möglichkeiten, die eine Großstadt in dieser Hinsicht bietet. Dabei sind sie ebenso naturverbunden, unternehmungslustig und bewegungsfreudig. Als das fünfte von sechs Kindern wuchs ich in einer umtriebigen Familie auf, die Tür unseres Hauses stand immer offen, und es war immer etwas los.

Die Abenteuer meiner Kindheit spielten sich vor allem in unmittelbarer Umgebung – im Perlacher Forst oder an der Isar – ab. Oft paddelten wir mit dem Schlauchboot den Fluss hinunter, aber selten unter »normalen« Umständen. Für meinen abenteuerlustigen Vater musste schon Hochwasser oder mindestens schlechtes Wetter sein. Die Sonntagsausflüge gingen oft ins Voralpenland, aber auch dort marschierten wir natürlich nicht auf den vorgeschriebenen Wegen, sondern querfeldein.

Einmal landeten wir mitten in einem Moorgebiet – ich erinnere mich, wie meine Mutter bis zur Hüfte in einem Sumpfloch verschwand –, ein anderes Mal blieb unser Schlauchboot an einem entwurzelten Baum, der mit dem Hochwasser in der Isar abgetrieben war, hängen und wurde zerrissen. In letzter Sekunde wurden wir Kinder am Schlafittchen gepackt und auf die Äste gesetzt – wo wir dann bei Nieselregen in unseren pitschnassen Kleidern ausharrten, bis bei Einbruch der Dunkelheit endlich Rettung nahte. Die Soldaten einer amerikanischen Militärübungspatrouille waren die Einzigen außer uns, die bei diesem Sauwetter unterwegs waren. Mit ihren Kajaks setzten sie uns ans Ufer über.

Der Großteil meiner Kindheit fand in unserem Garten statt. Dort erschuf ich mir meine eigene Welt. In der einen Hand ein Köfferchen, in der anderen eine Lupe, streifte ich, als Detektiv verkleidet, unheilwitternd durch das Gestrüpp, um Beweise für ein Verbrechen – oder gar eine Leiche! – zu finden. Als Ritter zog ich in den Kampf gegen meine nächstältere Schwester, die mich erst unermüdlich attackieren ließ, um mich dann mit einem gezielten Schlag zu Boden zu strecken. Als junger Prinz führte ich meine Truppen, bestehend aus meiner jüngeren Schwester und ihren Freundinnen, in die Schlacht. Als ich älter wurde, lösten waghalsigere Unternehmungen die Rollenspiele ab. Der Garten wurde zu einem Radl-Parcours umgebaut, mit dem Skateboard sprang ich vom Garagendach der Nachbarn, und im Winter spielten wir im Garten Eishockey. Damals waren die Winter auch in der Stadt noch so kalt, dass mein Vater mit täglichem Spritzen aus dem Rasen einen Eisplatz machen konnte. Ich war ein Draufgänger und ständig in Aktion – allerdings nur solange ich mich in vertrauter Atmosphäre bewegte. Kaum war ich fort von zu Hause, verließ mich schnell der Mut. Da verwandelte sich der unerschrockene Kämpfer in einen sehr sensiblen und unsicheren Buben. Meine Ängste hatten teilweise ganz konkrete Ursachen. Durch meine über zehn Jahre älteren Geschwister bekam ich mehr mit, als mir guttat. Kindertypische Ängste vor Dunkelheit, Räubern und Mördern wurden durch viel zu frühes Schauen von Sendungen wie »Aktenzeichen XY … ungelöst« bedrohlich real. In meiner Einbildung sah ich in fremden Menschen alle möglichen Verbrecher. Das nahm zeitweise derart überhand, dass ich nicht einmal auf die Geburtstagsfeier eines Kindergartenfreundes gehen wollte. Ich konnte schlecht allein sein, vor allem nachts. Meine jüngere Schwester war in der Beziehung ganz unbeschwert. Nicht nur einmal musste ich sie demütig anbetteln, mich bei ihr im Zimmer schlafen zu lassen. Da wir uns tagsüber oft bekriegten, kostete mich die Bitte um nächtliches Asyl große Überwindung und Überredungskünste. Wenn meine Mutter nicht zu Hause war, bekam ich jedes Mal Angst, dass ihr etwas zugestoßen sein könnte und sie nie mehr heimkäme. Wenn ich selbst unterwegs war, beobachtete ich die Umgebung um mich herum ganz genau, weil ich fürchtete, entführt zu werden. Ich empfand diese Ängste als eine einzige Blockade, hinderten sie mich doch daran, mich frei zu bewegen.

Irgendwann hatte ich es satt. Ich war schätzungsweise acht Jahre alt, als ich beschloss, diese lästigen Hindernisse aus dem Weg zu räumen. In kleinen Schritten stellte ich mich ganz gezielt immer größeren Mutproben. Zum Beispiel wagte ich mich nachts allein in den Keller oder – nächste Stufe – versuchte, allein im Dunkeln nach Hause zu gehen. Mit jedem Teilerfolg wuchs mein Selbstvertrauen, und meine Ängste schrumpften, bis sie sich weitgehend aufgelöst hatten.

In der Schule sah ich mich vor einer neuen, diesmal wirklich fast unüberwindbaren Hürde. Dass meine Schwester mir am ersten Schultag den Inhalt meiner Schultüte streitig machte und diese bei unserem Kampf vollkommen zerstört wurde, war nur ein Vorgeschmack auf das, was mich in den folgenden 13 Jahren an Niederlagen erwarten sollte. Kaum ein Tag, an dem ich nicht in irgendeiner Form versagte, kein Zwischenzeugnis, in dem mir nicht »Vorrücken gefährdet« attestiert wurde. Mit enormem Kraftaufwand schaffte ich es zwar doch immer, meine »Leistungen im 2. Halbjahr erfreulich zu steigern« und mich »auch nach Rückschlägen nicht entmutigen« zu lassen, aber in mir drinnen sah es ganz anders aus. Ich litt unter Versagensängsten, war völlig verunsichert, traute mir nichts zu und ließ es dann auch schleifen. Den Gipfel in dieser Hinsicht hatte ich in der 8. Klasse mit sechs 5ern und einem 6er erreicht. Das war der absolute Tiefpunkt meiner schulischen Karriere. Kurz nach diesem desaströsen Zwischenzeugnis streckte mich eine schwere Lungenentzündung endgültig nieder. Ich war derartig schwach, dass ich ernsthaft glaubte, sterben zu müssen. Ich wollte und konnte niemanden mehr sehen, fühlte mich nur noch wie tot. Gleichzeitig sah ich in dieser Krankheit ein Zeichen, dass ich mein Leben ändern musste. Das war der Wendepunkt. Ein halbes Jahr später zierte nur noch ein 5er im Fach »Wirtschaft und Recht« mein Jahreszeugnis. Ich hatte das Klassenziel erreicht!

Nicht mehr ganz so dramatisch, aber doch ähnlich verlief der Rest meiner Schulzeit. (In Sport bekam ich übrigens nur einmal eine 1 im Zeugnis. Für die geordneten Verhältnisse eines Schulsportunterrichts schoss meine Energie zu überschäumend und unkontrolliert aus mir heraus – und der Ball traf mit entsprechender Wucht nicht immer dahin, wo er sollte.)

Ohne Helfer hätte ich die Schulzeit nicht durchgestanden. Am eigenen Leib machte ich die Erfahrung, wie wohltuend und existenziell notwendig es sein kann, einen Mentor zu haben. Einen Menschen, der an einen glaubt, der einen unterstützt und motiviert. In meiner Grundschulzeit war das meine Lehrerin in der 3. und 4. Klasse. Einmal gab sie mir einen Brief für meine Mutter mit, in dem das Diktat für den nächsten Tag steckte, mit der Bemerkung: »Ich glaube, Benedikt braucht mal wieder ein Erfolgserlebnis.« Mit mir zettelte sie eine kleine Brieffreundschaft an – wir schrieben uns Zettelchen während des Unterrichts –, damit ich die Angst vor dem Schreiben verlor. Ich liebte diese Lehrerin und wollte sie nur ungern enttäuschen.

Am Gymnasium bedurfte es da schon tatkräftigerer Unterstützung. Meine Freunde hatten zwar auch ihre Probleme in der Schule, taten sich aber insgesamt alle leichter. Dass ich die 10. Klasse überstand, verdanke ich meinem Klassenlehrer. Er sah mehr in mir als nur einen schlechten und unruhigen Schüler. Während die meisten anderen Lehrer eher genervt von mir waren, verstanden wir uns sehr gut. Er handelte mit mir und einer besonders ungnädigen Lehrerin einen Deal aus: Wenn ich versprach, nach Ablauf des Schuljahrs auf eine andere Schule zu wechseln, sollte ich die Chance bekommen, mich bei ihr zu verbessern und damit die 10. Klasse zu bestehen. Natürlich willigte ich ein.

Der Schulwechsel von München nach Bad Tölz läuterte mich. Ich hatte das Gefühl, aus meiner Heimatstadt verbannt worden zu sein. Getrennt von den Freunden, mit denen ich seit meiner Kindheit zusammen war, konzentrierte ich mich jetzt voll und ganz auf den Lernstoff. Mir war mittlerweile vollkommen bewusst, dass ich das Abitur irgendwie schaffen musste, um frei und ohne Einschränkungen einen Beruf wählen zu können.

Ein Vorbild war für mich in dieser Beziehung mein Großvater. Über meinem Bett hing ein Foto von ihm als olympischer Fackelläufer. Er war sehr sportlich gewesen und hatte als Zehnkämpfer an den Olympischen Spielen teilgenommen. Mit Willen, Fleiß und Durchhaltevermögen schaffte er aber auch den vermutlich noch viel härteren Weg vom Lehrling zum Abitur (wobei er zweimal durch die Prüfungen flog) und bis zum Doktor der Philosophie.

Ich wünsche jedem Kind und jedem Heranwachsenden jemanden, der ihn fördert und an ihn glaubt. Heute bin ich in der Position, jungen Menschen eine Perspektive geben zu können, indem ich sie in ihren Fähigkeiten bestärke – beruflich wie sportlich. Dabei messe ich den Zeugnisnoten wenig Bedeutung bei, für mich zählen das Potenzial und die soziale Intelligenz eines Menschen.

Meine Fähigkeiten sah ich damals ganz eindeutig in einem Beruf aufgehoben, für den ich mir die Quälerei zum Abitur allerdings hätte sparen können: Ich wollte Stuntman werden. Da gebe es immer »Action«, da wäre Mut gefordert, aber auch die Fähigkeit, das Risiko zu kalkulieren. (Zu der Zeit sprang ich mit Vorliebe von Hausdach zu Hausdach.) Meine hochfliegenden Berufsträume zerschellten jedoch jäh auf dem Boden der Realität, nachdem ich mir eine Stuntman-Schule angeschaut hatte. Vielleicht lernte ich dort ja die falschen Stuntmen kennen, aber der Job erschien mir in Wirklichkeit viel langweiliger, als ich das von »the unknown stuntman« Colt Seavers aus dem Fernsehen kannte.

Benedikt Böhm

Über Benedikt Böhm

Biografie

Benedikt Böhm, 1977 in München geboren, bezwingt Achttausender so kompromisslos wie kaum ein anderer. Er wuchs mit fünf Geschwistern auf und ist seit seinem zehnten Lebensjahr Leistungssportler. 2003 bis 2006 war er Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft im Skibergsteigen. Er hat in...

Medien zu »Im Angesicht des Manaslu«

Pressestimmen

Sächsische Zeitung

»Es ist die Chronik einer ungewöhnlichen Besteigung, das Porträt eines besonderen Menschen.«

Stern

»Ein Buch nicht nur für Alpinisten.«

Kommentare zum Buch

Schneller als die Naturgewalten
Bergfex am 17.04.2014

Ein Buch wie kein anderes. Ein Berg Krimi. Fesselnd, lehrreich und bewegend.   Die Vergangenheit von Benedikt Böhm ist nicht aussergewöhnlich und dennoch immer zielgerichtet und schnell wie im Zeitraffer.   Richtig spannend wird es dann im 2. Teil. Die Naturgewalten der Lawine kommen blitzschnell und unberechenbar. Aber genauso schnell ist Bene zur Stelle. Er rettet und hilft wo er kann. Die Gefahren der Todeszone verdeutlichen sich schockierend und die emotionale Sprache trifft mitten in mein Herz.   Aber Bene wäre nicht dort wo er ist wenn er an dieser Stelle aufgeben würde. Er sammelt nochmals alle Kräfte, motiviert sich und schaft das übermenschliche. Die Speedbegehung des Manuslu.   Speedbergsteigen muss schon wie eine Droge sein. Dem Rauch kann sich Bene offensichtlich nicht entziehen. Trotzdem behält er aber immer den Blick für das Wesentliche und den Rest der Welt.   Absolut lesenswert.

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