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Ich will dich nicht töten

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Thriller

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Ich will dich nicht töten — Inhalt

Meine wichtigsten Regeln lauten: Sieh Mädchen nicht an. Sprich nicht länger mit ihnen als nötig. Und, um Gottes willen, verlieb dich nicht in sie! Doch nun ist da Marci, und sie ist unwiderstehlich. Ich
möchte mit ihr zusammen sein. Ich möchte sie berühren. Ich möchte einfach ein normaler sechzehnjähriger Junge sein. Doch ich bin alles andere als das – ich bin ein Serienkiller. Ich weiß, dass es dort draußen Dämonen gibt. Ich träume von ihnen, jede Nacht. Und ich fürchte, dass das Dunkle in mir erneut die Oberhand gewinnt. Ja, ich liebe Marci. Und ich will sie nicht töten. Aber alle Regeln sind gebrochen, und wie kann ich das Schlimmste jetzt noch verhindern?

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 13.09.2010
Übersetzt von: Jürgen Langowski
448 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-95040-4

Leseprobe zu »Ich will dich nicht töten«

O Menschenkind, komm nun mit mir
ins Wasser und ins wilde Land.
Geh mit einer Elfe Hand in Hand,
denn tränenvoll und wirr ist diese Erde hier.

 

Das gestohlene Kind
William Butler Yeats

 

Dieses Buch widme ich allen,
die mir das Lesen beigebracht haben:
meinen Lehrern für das Wie
und meinen Eltern für das Warum.


Prolog

Ich kannte Jenny Zeller nicht sehr gut. Eigentlich kannte sie niemand so richtig. Wahrscheinlich brachte sie sich genau deshalb um.
Klar, sie hatte Freunde und nahm an vielen Aktivitäten in der Schule teil. Als Kind spielte sie mit ihrer [...]

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O Menschenkind, komm nun mit mir
ins Wasser und ins wilde Land.
Geh mit einer Elfe Hand in Hand,
denn tränenvoll und wirr ist diese Erde hier.

 

Das gestohlene Kind
William Butler Yeats

 

Dieses Buch widme ich allen,
die mir das Lesen beigebracht haben:
meinen Lehrern für das Wie
und meinen Eltern für das Warum.


Prolog

Ich kannte Jenny Zeller nicht sehr gut. Eigentlich kannte sie niemand so richtig. Wahrscheinlich brachte sie sich genau deshalb um.
Klar, sie hatte Freunde und nahm an vielen Aktivitäten in der Schule teil. Als Kind spielte sie mit ihrer Freundin in den Pausen Einhorn. Daran erinnere ich mich aber nur deshalb, weil ich ihre Freundin süß fand. Als sie in die Junior Highschool kam, zog die Freundin weg, und Jenny kandidierte für die Schülervertretung – nicht als Vorsitzende, sondern für den bescheideneren Posten als Schriftführerin, Schatzmeisterin oder so etwas. Auf ihren Wahlplakaten waren Katzen zu sehen, vermutlich mochte sie Katzen. Sie wurde nicht gewählt. Auf der Highschool verlor ich sie endgültig aus den Augen. Dem Nachruf war zu entnehmen, dass sie die amerikanische Zeichensprache fließend beherrschte, aber so etwas ist kein Grund, sich lange an einen Menschen zu erinnern. Das liest man und sagt: »Oh – ach ja?«
Anfang Juli schockierte der Selbstmord alle, die davon erfuhren. Jenny hatte keinen Abschiedsbrief hinterlassen, sondern ging einfach eines Abends zu Bett, vielleicht ein bisschen melancholischer als sonst, und am nächsten Morgen fand ihre Mutter sie im Bad auf dem Boden. Sie hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. Ich habe schon eine ganze Reihe von Todesfällen miterlebt. Im letzten Jahr konnte ich beobachten, wie mein Nachbar sich Krallen wachsen ließ und drei Leute zerfetzte. Ich habe meinen nahezu geköpften Therapeuten aus einem Auto gezerrt (die Ironie entgeht mir keineswegs) und drei Tage angekettet im Keller eines Verrückten verbracht, der unterdessen mehrere hilflose Frauen folterte und tötete. Ich habe eine Menge Übles und Widerliches gesehen und manchmal auch selbst getan. Um es ganz einfach auszudrücken: Ich habe viel durchgemacht, doch Jenny Zellers Tod war etwas anderes. Obwohl ich ein halbes Dutzend brutaler Morde beobachtet hatte, war dieser einfache Selbstmord, dessen Zeuge ich nicht einmal gewesen war, viel schwerer zu ertragen.
Sie müssen wissen, dass ich die Menschen nicht umbringen wollte. Ich tat es nur, um meine Heimatstadt vor zwei bösartigen Killern zu beschützen. Dabei musste ich allerdings alle Regeln brechen, die ich für mich selbst aufgestellt hatte. In gewisser Weise habe ich für Jenny Zeller mein Leben riskiert, auch wenn ich sie gar nicht persönlich kannte.
Aber was nutzt es, einem Mädchen das Leben zu retten, wenn es sich dann selbst umbringt?


Eins

Das Telefon klingelte viermal, ehe jemand abhob. »Hallo?« Eine Frau. Perfekt.
»Hallo.« Ich sprach besonders deutlich, denn ich hielt einen Pullover vor den Hörer, um meine Stimme zu verzerren, und die Frau sollte mich trotzdem gut verstehen. »Ist da Mrs Jane Andelin?«
»Entschuldigen Sie, wer sind Sie?«
Ich lächelte. Sie kam sofort zur Sache. Manche plapperten so aufgeregt drauflos, dass ich Mühe hatte, auch nur ein Wort einzuwerfen. Viele Mütter verhielten sich so, wie ich inzwischen wusste. Sie waren den ganzen Tag allein zu Hause und sehnten sich nach jemandem zum Reden. Sie sehnten sich nach der Gesellschaft eines Menschen, der älter als drei Jahre war. Die letzte Frau, die ich angerufen hatte, hatte sich eingebildet, ich würde zur Elternpflegschaft gehören, und hatte fast eine Minute lang geredet, bis ich etwas Schockierendes dazwischengerufen hatte, um sie zu bremsen. Diese hier spielte wunderbar mit.
Natürlich würde ich gleich auch etwas recht Unerwartetes sagen.
»Ich habe gestern Ihren Sohn gesehen.« Ich hielt kurz inne. »Ein glückliches Kind.«
Schweigen.
Was würde sie darauf antworten?
»Was wollen Sie?« Sie ließ sich nicht ablenken. Vielleicht reagierte sie ein wenig zu nüchtern. Ob sie Angst hatte? Oder nahm sie es auf die leichte Schulter? Ich musste noch mehr Druck ausüben.
»Es freut Sie sicher, dass der kleine Jordan nach der Kindergruppe gleich nach Hause marschiert ist – am Drugstore vorbei, die Straße entlang bis zu dem alten roten Gebäude, dann um die Ecke, am Wohnblock vorbei und geradewegs zu Ihrem Haus. Er hat sich an jeder Kreuzung in beide Richtungen umgesehen und mit keinem Fremden gesprochen.«
»Wer sind Sie?« Ihr Atem ging schneller. Sie bekam es mit der Angst zu tun und war zugleich zornig. Am Telefon konnte ich nicht besonders gut heraushören, was in anderen Menschen vorging, doch Mrs Andelin war so freundlich gewesen, das Gespräch im Wohnzimmer entgegenzunehmen, und so beobachtete ich sie durch das Fenster. Sie blickte umher, starrte mit weit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit hinaus und zog rasch die Vorhänge vor. Lächelnd nahm ich wahr, wie sie durch die Nase atmete, ein und aus, ein und aus. »Wer sind Sie?«, fragte sie noch einmal.
Die Angst war echt, sie verstellte sich nicht. Sie machte sich ernstlich Sorgen um ihren Sohn. Hieß das nun, dass sie unschuldig war? Oder log sie nur geschickt?
Julie Andelin hatte fast fünfzehn Jahre lang, also praktisch seit dem Schulabschluss, bei der Bank gearbeitet und letzte Woche gekündigt. So etwas war für sich genommen keineswegs verdächtig und hatte meistens nichts weiter zu bedeuten, als dass jemand den Arbeitsplatz wechseln wollte. Allerdings konnte ich es mir nicht erlauben, auch nur den kleinsten Hinweis zu übersehen. Ich wusste nicht genau, wozu Dämonen fähig waren, aber ich hatte bereits einen Dämon beobachtet, der einen Menschen getötet und dessen Platz eingenommen hatte, und es war nicht auszuschließen, dass dieser hier ebenfalls dazu fähig war. Vielleicht war die Arbeit hinter dem Bankschalter für Julie Andelin auf einmal langweilig geworden, aber vielleicht war sie auch tot und verscharrt, und etwas anderes, das mit dem bisherigen Alltagsleben nicht so gut zurechtkam, hatte ihren Platz eingenommen. Die plötzliche Veränderung des Lebensstils war aus einem gewissen Blickwinkel das Verdächtigste schlechthin.
»Was haben Sie mit meinem Sohn zu schaffen?«
Sie klang so aufrichtig wie jede andere Mutter, mit der ich in den letzten zwei Monaten gesprochen hatte. Dreiundsechzig Tage, und ich hatte immer noch nichts erreicht. Ich wusste, dass eine Dämonin im Anmarsch war, weil ich sie selbst angelockt hatte. Ich hatte sie mit einem Handy buchstäblich herbestellt. Ihr Name war Niemand. Ich hatte ihr erzählt, dass ich ihre Freunde getötet hatte, nachdem diese meine Heimatstadt terrorisiert hatten, und jetzt würde ich sie aktiv bekämpfen. Mein Plan sah vor, sie der Reihe nach alle zu erledigen, bis wir wieder Frieden hatten. Niemand sollte mehr in Angst leben müssen.
»Lassen Sie uns in Ruhe!«, kreischte die Frau.
Ich senkte die Stimme ein wenig. »Ich habe einen Schlüssel zu Ihrem Haus.« Das entsprach nicht der Wahrheit, klang am Telefon aber großartig. »Sehr hübsch, was Sie aus Jordans Zimmer gemacht haben.«
Sie legte auf, und ich schaltete das Handy ab. Keine Ahnung, wem es einmal gehört hatte. Es ist erstaunlich, was die Leute alles im Kino liegen lassen. Dieses hatte ich bisher für fünf Anrufe benutzt, also war es wohl an der Zeit, es wegzuwerfen. Ich entfernte mich, überquerte den Parkplatz eines Wohnblocks und öffnete unterwegs das Gehäuse, um den Akku und die SIM-Karte zu entsorgen. Jedes Einzelteil warf ich in eine andere Mülltonne, dann streifte ich die Handschuhe ab und verzog mich durch eine Lücke im rückwärtigen Zaun. Mein Fahrrad stand einen halben Block entfernt hinter einem Müllcontainer. Im Gehen überflog ich die Liste, die ich mir eingeprägt hatte, und strich Julie Andelin. Sie war eindeutig eine echte Mutter und keine dämonische Hochstaplerin. Es war ohnehin nur ein Schuss ins Blaue gewesen. Ich hatte ihren Sohn kaum mehr als fünf Minuten lang beobachtet, aber mehr braucht man auch nicht, wenn man weiß, wie man es anfangen muss. Sagen Sie einer Mutter etwas Unheimliches wie Ihre Tochter sieht in dem blauen Kleid wirklich reizend aus, und sofort springen die Mutterinstinkte an. Sie befürchtet ganz von selbst das Allerschlimmste, man muss ihr nicht einmal drohen. Es spielt auch keine Rolle, dass die Tochter nie im Leben ein blaues Kleid getragen hat. Sobald diese starke, urtümliche Angst aufkommt, ist sie Antwort genug, und Sie können sich die nächste Frau mit einem Geheimnis vorknöpfen.
Inzwischen dämmerte mir, dass anscheinend jeder etwas zu verbergen hatte. Im Lauf von dreiundsechzig Tagen war ich dem Geheimnis, das ich aufspüren wollte, keinen Schritt näher gekommen.
Ich holte das Fahrrad aus dem Versteck, stopfte mir die Handschuhe in die Tasche und fuhr auf die Straße hinaus. Es war schon spät, doch im August war die Abendluft noch warm. Bald würde die Schule wieder beginnen, und ich wurde allmählich nervös. Wo war Niemand ? Warum hatte sie noch nichts unternommen? Es ist leicht, einen Killer ausfindig zu machen. Abgesehen von den physischen Spuren, die er hinterlässt – Fingerabdrücken, Fußabdrücken und DNA –, gibt es eine Unzahl von psychologischen Hinweisen. Warum hat er gerade diesen und keinen anderen Menschen getötet? Warum an diesem und nicht an jenem Ort? Warum jetzt und nicht früher oder später? Welche Waffe hat er benutzt, falls überhaupt, und wie hat er sie geführt? Fügen Sie alles zusammen, und Sie erhalten ein psychologisches Profil, das Ihnen wie ein impressionistisches Gemälde den Mörder zeigt. Wenn Niemand doch endlich jemanden getötet hätte, damit ich ihr das Handwerk legen konnte!
Einen Killer aufzuspüren ist einfach. Einen Täter ausfindig zu machen, bevor er tötet, ist so gut wie unmöglich. Am schlimmsten war die Tatsache, dass ich selbst viel stärker auffiel, als es die Dämonen taten. Zwei von ihnen hatte ich bereits getötet – Bill Crowley und Clark Forman, zwei Monster in Menschengestalt. Wenn Niemand wusste, wo sie suchen musste, und sich genügend Zeit ließ, würde sie mich viel leichter entdecken als ich sie. Mit jedem Tag wuchs die Anspannung, ich war beinahe schon verzweifelt. Sie konnte hinter jeder Ecke lauern.
Ich musste sie finden, bevor sie mich fand.
So radelte ich nach Hause und hakte in Gedanken die Häuser ab, die ich bereits überprüft hatte. Die dort hatte einen Geliebten. Jene war Alkoholikerin. Diese da hatte hohe Spielschulden, sie hat im Internet gepokert. Soweit ich wusste, hatte sie ihrer Familie noch nicht erzählt, dass die Ersparnisse verloren waren. Seit einer Weile beobachtete ich Menschen, durchwühlte ihren Müll, erfasste, wer spät ausging, wer sich mit wem traf und wer etwas zu verbergen hatte. Schockiert stellte ich fest, dass fast jeder irgendein Geheimnis mit sich herumtrug. Es war, als gehe die ganze Stadt in Korruption unter und zersetze sich selbst, bevor die Dämonen überhaupt Gelegenheit bekamen, ein Opfer zu finden. Verdienten es Menschen wie diese eigentlich, gerettet zu werden? Wollten sie überhaupt gerettet werden? Wenn sie wirklich so selbstzerstörerisch waren, dann hatten ihnen die Dämonen viel mehr zu bieten als ich, denn die Dämonen beschleunigten nur den endgültigen Untergang, den die Menschen sowieso ansteuerten. Eine ganze Stadt, die ganze Welt hatten sich das Handgelenk aufgeschlitzt und verbluteten, und das Universum kümmerte sich nicht darum.
Nein. Ich schüttelte den Kopf. So etwas durfte ich nicht denken. Ich musste weitermachen.
Ich musste die Dämonin finden und aufhalten.
Das war in der Praxis viel schwieriger als vermutet. Sherlock Holmes pflegte die Quintessenz seiner Ermittlungen elegant zusammenzufassen: Wenn Sie das Unmögliche ausschließen, muss das, was übrig bleibt, so unwahrscheinlich es auch anmutet, die Wahrheit sein. Wirklich ein guter Rat, Sherlock, aber du musstest nie einen Dämon aufspüren. Ich hatte zwei gesehen und mit einem dritten gesprochen, und alles, was sie getan hatten, war im Grunde unmöglich. Sie hatten sich die eigenen Organe aus dem Leib gerissen, waren nach einem Dutzend Schusswunden einfach aufgestanden, hatten sich fremde Körperteile einverleibt und die Gefühle anderer Menschen erspürt. Sie hatten Identitäten, Gesichter und das Leben von Menschen gestohlen. Soweit ich es beurteilen konnte, vermochten sie so gut wie alles zu tun. Wie sollte ich sie da entdecken? Wenn Niemand doch endlich jemanden getötet hätte, dann wäre ich auf eine greifbare Spur gekommen !
Als ich fast zu Hause war, blieb ich vor einem hohen beigefarbenen Haus stehen. Dort wohnte Brooke. Wir hatten zwei Dates gehabt, die beide durch Todesfälle gestört worden waren, und ich – ja, was denn eigentlich? Hatte ich sie wirklich gemocht? Keine Ahnung, ob so etwas möglich war, denn ich war ein Soziopath. Sollte heißen, ich litt an einer psychischen Störung, die unter anderem jegliche Empathie ausschaltete. Ich konnte keine echte Beziehung zu Brooke aufbauen. Ob ich mich über ihre Gesellschaft freute? Ja. Ob ich nachts von ihr träumte? Abermals ja. Doch meine Träume waren morbid, und meine Gesellschaft tat ihr alles andere als gut. Also war es ganz in Ordnung, dass sie mir seit einer Weile aus dem Weg ging. Es war keine Trennung gewesen, weil wir eigentlich nie zusammen gewesen waren, aber immerhin das platonische Gegenstück einer Trennung, auch wenn es dafür kein passendes Wort gab. Ein Satz wie Du machst mir Angst, und ich will dich nicht wiedersehen war jedenfalls kaum misszuverstehen.
Irgendwie konnte ich es sogar nachvollziehen. Schließlich war ich mit einem Messer auf sie losgegangen. So etwas überwindet man nicht so leicht, selbst wenn es dafür einen guten Grund gibt. Retten Sie einem Mädchen das Leben, indem sie es bedrohen, dann nimmt es sich gerade genug Zeit, um sich zu bedanken, ehe es Lebewohl sagt.
Trotzdem fuhr ich langsamer oder hielt manchmal sogar an, wenn ich an ihrem Haus vorbeikam, und fragte mich, was sie wohl gerade tat. Nun gut, sie hatte mich verlassen. Kein Problem. Das hatten alle anderen auch schon getan. Niemand war die Einzige, die mir noch wichtig war, und die wollte ich töten.
War ich nicht ein toller Typ?
Ich stieß mich vom Bordstein ab und fuhr zwei Türen weiter zum Bestattungsunternehmen am Ende der Straße. Es war ein weitläufiges Haus mit einer eigenen Kapelle, Büros und einem Einbalsamierungsraum im Anbau. Im ersten Stock darüber wohnte ich mit meiner Mom in einer kleinen Wohnung. Die Leichenhalle war unser Familienunternehmen, allerdings behielten wir es für uns, dass ich oft beim Einbalsamieren half. Das wäre nicht gut fürs Geschäft gewesen. Würden Sie einem Sechzehnjährigen gestatten, Ihre Oma einzubalsamieren? Das will niemand.
Auf dem Parkplatz lehnte ich das Fahrrad an die Hauswand, schloss die Seitentür auf und betrat das kleine Treppenhaus, von dem zwei Türen abgingen. Die untere führte zur Leichenhalle, die obere zu unserer Wohnung. Die Birne im Flur war durchgebrannt, deshalb stieg ich im Dunkeln die Treppe hoch. Der Fernseher lief, also war Mom noch auf. Müde rieb ich mir die Augen. Ich hatte nicht die geringste Lust, mit ihr zu reden, und blieb für einen Moment schweigend im Flur stehen, um mich zu sammeln.
Da schnappte ich auf, was der Nachrichtensprecher gerade sagte: »… wurde tot aufgefunden …«
Lächelnd riss ich die Tür auf. Ein neuer Todesfall – Niemand hatte endlich zugeschlagen. Nach dreiundsechzig Tagen ging es schließlich los.
Tag eins.

Über Dan Wells

Biografie

Dan Wells studierte Englisch an der Brigham Young University in Provo, Utah, und war Redakteur beim Science-Fiction-Magazin »The Leading Edge«. Mit »Ich bin kein Serienkiller« erschuf er das kontroverseste und ungewöhnlichste Thrillerdebüt der letzten Jahre. Nach seinen futuristischen Thrillern um...

Pressestimmen

Märkischer Sonntag

»Lesenswert, spannend, unterhaltsam, informativ und interessant.«

TV Movie

Einfach Dämonisch!

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