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Ich versteh die Welt nicht mehr

Die wichtigsten Nachrichten verständlich erklärt

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Ich versteh die Welt nicht mehr — Inhalt

Der Islamische Staat verbreitet weltweit Angst und Terror, in den USA wird ein Außenseiter zum Präsident gewählt, aus der Türkei vernimmt man ständig neue Schreckensmeldungen über Präsident Erdoğan und die AfD gewinnt dauernd Wählerstimmen hinzu – die Welt der Nachrichten dreht sich immer schneller, dabei sind viele Themen ohne fundiertes Hintergrundwissen kaum zu verstehen. Zugleich konsumieren viele Menschen diese Meldungen vor allem bruchstückhaft über die sozialen Medien. Hier setzt »Ich versteh die Welt nicht mehr« an und bietet auf verständliche und unterhaltsame Art Hintergründe zu den 24 wichtigsten Nachrichtenthemen unserer Zeit.

Erschienen am 01.09.2017
304 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-492-06097-4
Erscheint am 02.11.2018
304 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31427-5
Erschienen am 01.09.2017
304 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97819-4

Leseprobe zu »Ich versteh die Welt nicht mehr«

Vorwort

Kein Nachrichtenthema ist so kompliziert, dass man es nicht einfach, verständlich und unterhaltsam erklären kann. Das wissen wir, weil wir seit Jahren nichts anderes tun. Wir beide moderieren Nachrichtensendungen und reisen als Reporter um die Welt, um über Themen aus allen möglichen Ländern zu berichten. Das machen viele Journalisten. Was bei uns besonders ist: Wir arbeiten für eine Kindernachrichtensendung und versuchen Tag für Tag, die komplizierte Welt der Nachrichten für jemanden verständlich zu machen, der kaum Vorwissen mitbringt. Bei [...]

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Vorwort

Kein Nachrichtenthema ist so kompliziert, dass man es nicht einfach, verständlich und unterhaltsam erklären kann. Das wissen wir, weil wir seit Jahren nichts anderes tun. Wir beide moderieren Nachrichtensendungen und reisen als Reporter um die Welt, um über Themen aus allen möglichen Ländern zu berichten. Das machen viele Journalisten. Was bei uns besonders ist: Wir arbeiten für eine Kindernachrichtensendung und versuchen Tag für Tag, die komplizierte Welt der Nachrichten für jemanden verständlich zu machen, der kaum Vorwissen mitbringt. Bei einer Nachrichtensendung für ein erwachseneres Publikum, das vom jugendlichen Nachrichtenneuling bis hin zum pensionierten Geschichtsprofessor reicht, ist es extrem schwierig zu entscheiden, welches Vorwissen man voraussetzen kann. Erklärt man zu viel, langweilt man den einen, erklärt man zu wenig, überfordert man den anderen. Die meisten Nachrichtenredaktionen entscheiden sich dazu, viel Wissen vorauszusetzen – vor allem, weil in der tagesaktuellen Berichterstattung häufig die Zeit fehlt, um Hintergründe ausführlich zu erklären. Bei 15 Minuten Sendezeit und dem Anspruch, alles Wichtige zu zeigen, was an einem Tag auf der Welt passiert, wäre das schlichtweg unmöglich. So kann es dazu kommen, dass viele Menschen jeden Tag Nachrichten im Fernsehen gucken, im Radio hören oder in der Zeitung lesen und am Ende nur die Hälfte verstehen. Noch schlimmer ist es, wenn sie irgendwann aus Frust gar keine Nachrichten mehr schauen. Deshalb freuen wir uns besonders, wenn wir Familien treffen, die unsere Sendung schauen. Wir werden dann häufig auch von den Eltern für unsere Berichterstattung gelobt und hören etwas wie: »Ich bin so froh, dass meine Kinder Ihre Sendung gucken – da verstehe dann auch ich endlich mal die Nachrichten!« So entstand die Idee für dieses Buch. Ich versteh die Welt nicht mehr soll dafür sorgen, dass Sie beim nächsten Mal, wenn Sie Nachrichten schauen, mehr verstehen. Wir wollen genau die Hintergründe und Zusammenhänge erklären, für die in der tagesaktuellen Berichterstattung meist kein Platz ist. Dieses Buch richtet sich also an jeden, der neugierig ist und die Welt der Nachrichten ein bisschen besser verstehen will – egal, ob jung oder alt. Wir haben versucht, die Themen so aufzuarbeiten, dass das Lesen dabei auch Spaß macht. Die größte Herausforderung für uns war, dass jedes Thema für sich genommen schon genug Stoff bietet, um darüber ganze Bücher zu schreiben. Deshalb ist unser Anspruch keineswegs, jedes Thema vollständig abzubilden und jeden einzelnen Aspekt daran zu beleuchten. Vielmehr ist es unser Ziel, die Hintergründe und Zusammenhänge zu erklären, die zum Verständnis der aktuellen Situation notwendig sind. Wenn das nächste Mal die Rede ist von der Eurokrise, dem Krieg in Syrien oder dem Brexit, werden Sie hoffentlich nicht nur besser wissen, worum es geht, sondern auch verstehen, wie es dazu gekommen ist. Ebenso wie die einzelnen Kapitel keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, tut es auch das Buch als Ganzes nicht. Natürlich gibt es noch viel mehr Nachrichtenthemen als die, die wir hier behandelt haben. Aber das Buch konnte ja nicht so dick werden, dass es nicht mehr in den Rucksack oder die Strandtasche passt. Wir haben versucht, die Themen auszuwählen, die in den vergangenen Jahren am relevantesten waren und von denen wir glauben, dass sie auch in Zukunft das Nachrichtengeschehen bestimmen werden. Alles, was nach Redaktionsschluss im Mai 2017 passiert ist, hat es nicht mehr in dieses Buch geschafft. Das macht aber nichts, denn wenn unser Plan aufgeht, sind Sie nach der Lektüre so gut gewappnet, dass Sie die allerneuesten Wendungen auch so verstehen. Beim Schreiben war es uns wichtig, dass alle 24 Kapitel auch für sich allein funktionieren. So kann jeder Leser mit den Themen beginnen, die für ihn oder sie am spannendsten sind. Bei der Anordnung der Texte sind wir geografisch vorgegangen und haben räumlich – und somit meist auch inhaltlich – verknüpfte Themen zusammengestellt. Zu guter Letzt möchten wir uns bei vielen Journalisten, Freunden und unseren Redaktionen bedanken, die uns bei der Umsetzung dieses Projekts unterstützt haben und ohne die wir dieses Buch nicht hätten schreiben können. All diese wundervollen Menschen sind ganz am Ende des Buches ausführlich genannt. Bevor Sie nun beginnen zu lesen, möchten wir Ihnen etwas mit auf den Weg geben, was uns auch beim Schreiben dieses Buches immer wieder aufgefallen ist: Kein Nachrichtenthema ist in sich geschlossen und kann für sich allein betrachtet werden – oder andersherum: Alles hängt mit allem zusammen!

Jennifer Sieglar & Tim Schreder

 

Nordkorea

Nordkorea ist eines der umstrittensten Länder der Welt und nahezu vollständig vom Rest der Welt abgeschnitten. Regiert wird das Land von dem Diktator Kim Jong-un, der weltweit immer wieder mit Raketen- und Atomtests für Provokation sorgt. Entstanden ist Nordkorea, als das ehemalige Korea nach dem Zweiten Weltkrieg in Nord und Süd aufgeteilt wurde.

Nordkorea – das ist das Land mit den skurrilen Herrschern, die seit Jahrzehnten für Aufregung sorgen. Da war Kim Il-sung von 1948 bis 1994, dann kam sein Sohn Kim Jong-il bis 2011, und seitdem ist dessen Sohn Kim Jong-un an der Macht. Kim Jong-il war der immer gleich und etwas grimmig guckende Mann, für den man deshalb die Internetseite »Kim Jong-il looking at things« eingerichtet hat, auf der man sehen kann, wie Kim Jong-il von Wassermelonen bis hin zu Fabriken alles gleich teilnahmslos begutachtet. Dabei trägt er meist eine dicke, schwarze Heino-Sonnenbrille. Sein auf ihn folgender Sohn Kim Jong-un ist dagegen schon fast witzig. Mit der eigenartigen Frisur, die aussieht wie eine Kombination aus Undercut, Elvis-Locke und Topfschnitt, guckt er auf der Internetseite »Kim Jong-un looking at things« gerne kräftig lachend auf die Dinge. 2012 löste Kim Jong-un weltweit Gelächter aus, als er bekannt gab, seine Archäologen hätten ein Einhornnest entdeckt. Doch Nordkorea sorgt nicht nur mit Skurrilität für Aufsehen, es ist auch das Land, das Atomraketen testet, deren Reichweite so groß ist, dass sie die USA erreichen könnten. Seit Jahrzehnten mahnen Menschenrechtsorganisationen, dass die Diktatoren in Nordkorea massiv Menschenrechte verletzten. Und was sagt Nordkorea selbst zu all dem? Nicht viel. Nordkorea sieht sich als letzte sozialistische Festung, die es vor dem Gift des Kapitalismus zu verteidigen gilt. Wie kein anderes Land auf der Welt schottet es sich deshalb ab. Bringen wir etwas Licht ins Dunkel.   Um zu verstehen, was heute in Nordkorea vor sich geht, sollten wir einen kurzen Ausflug in die Entstehungsgeschichte des Landes unternehmen und zunächst ein paar Fakten klären. Also von vorne: Offiziell heißt Nordkorea »Demokratische Volksrepublik Korea«, obwohl das Land diktatorisch regiert wird. In Nordkorea leben etwa 24 Millionen Menschen und es gilt als das derzeit restriktivste politische System der Welt. Um es mit den einfachen Worten der Bild-Zeitung zu sagen: Nordkorea ist ein politischer »Steinzeit-Staat«, entfernt vergleichbar mit der ehemaligen DDR. Dass Nordkorea zu einer derart isolierten Festung wurde, liegt in der Entstehungsgeschichte des Landes begründet. Werfen wir also einen Blick zurück in die Vergangenheit. Im Jahr 1910 geriet Korea unter japanische Herrschaft. Japan annektierte das Land und nannte es »Chosen«. So blieb Korea 35 Jahre lang eine Art Kolonie. Dann verlor Japan im Zweiten Weltkrieg und musste schließlich kapitulieren. Was das nun wieder mit Korea zu tun hat? Die Sowjetunion und die USA, Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, besetzten nach der Kapitulation nicht nur Japan, sondern auch die Kolonie Korea. Eine Weile wurde überlegt, was man mit Korea machen sollte. Schließlich entschieden die USA und die Sowjetunion, das Land entlang des 38. Breitengrades aufzuteilen. Der Norden unterstand nun der Sowjetunion, der Süden den Vereinigten Staaten von Amerika. 1948 wurden in Nord- und Südkorea unabhängige Staaten errichtet, welche jeweils die Interessen ihrer Schutzmächte vertreten sollten. Durch die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion verschärften sich auch die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea. Beide Staaten strebten die Kontrolle über das gesamte Land an. Man könnte es – mal wieder – eine recht schwierige Ausgangslage nennen. 1950 wollte Nordkorea seinen Anspruch auf das gesamte Land mit Gewalt durchsetzen und überfiel den Süden. Anschließend herrschte in Korea drei Jahre lang ein brutaler Krieg, in dessen Verlauf fast eine Million Soldaten und etwa drei Millionen Zivilisten getötet wurden. Erst im Juli 1953 einigte man sich auf eine Waffenruhe und das Land wurde erneut entlang des 38. Breitengrades geteilt. Seitdem stehen sich dort zwei verfeindete Nationen gegenüber. Immer wieder kommt es zu Konfrontationen und Provokationen zwischen Nord- und Südkorea und beide Länder investieren viel Geld in ihr Militär, um sich zu verteidigen. Einige Male kam es zu bewaffneten Zwischenfällen an der Grenze, welche Korea nah an einen neuen Krieg brachten. Bis heute wird Südkorea von den USA unterstützt. Auf der anderen Seite hat sich das Verhältnis zwischen der Sowjetunion, später Russland, und Nordkorea verschlechtert. Im Gegensatz zum sozialistischen und autokratischen Nordkorea ist Südkorea heute kapitalistisch, demokratisch und westlich orientiert – es verkörpert all das, was Nordkorea fürchtet. So stehen sich am 38. Breitengrad nicht mehr nur verfeindete Nationen gegenüber, sondern zwei Systeme wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.   Mit der Waffenruhe von 1953 begann die politische Entwicklung hin zu dem Nordkorea, das wir heute kennen. Damals war Kim Il-sung an der Macht, und der nutzte die 1950er Jahre, um seine Führungsposition im Land auszubauen. Politische Gegner wurden systematisch geschwächt und Feinde in sogenannten »Säuberungen« bekämpft oder hingerichtet. Gleichzeitig isolierte sich Nordkorea immer mehr und führte die Chuch’e-Ideologie ein, an deren Erklärung selbst internationale Experten scheitern. Sie sind sich mittlerweile recht einig, dass Chuch’e im Großen und Ganzen ziemlich großer Unsinn ist, um die Autarkie als erklärtes Staatsziel zu rechtfertigen. Um die Stabilität im Land zu wahren und um seine Machtposition auszubauen, arbeitete Kim Il-sung an einem Kult um seine Person. So wurde er von nordkoreanischen Medien nur noch »Großer Führer« genannt – eine Bezeichnung, die in der kommunistischen Bewegung bis dato nur Lenin und Stalin vorbehalten war. Kim Il-sung weitete den Personenkult wie in einer Monarchie auf seine Familie aus, vor allem auch auf seinen Sohn und Nachfolger Kim Jong-il. Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass Kim Il-sung und seine Nachfolger in Nordkorea wie Gottheiten einer Religion verehrt werden. Nach Kim Il-sungs Tod am 8. Juli 1994 wurde eine dreijährige Staatstrauer angeordnet und der Verstorbene zum ewigen Präsidenten erklärt – das Amt soll nie wieder nachbesetzt werden –, und bis heute wird Kim Il-sung in Nordkorea als eine Art vergöttlichte Vaterfigur des Landes verehrt. Das Herrscheramt übernahm sein Sohn Kim Jong-il, und als der starb, übernahm wiederum dessen Sohn Kim Jong-un. Nordkoreas politisches System gleicht demnach einer Art absolutistischer Monarchie. Gleichzeitig ist Nordkorea ein hochmilitarisierter Staat, der riesige Mengen Geld in den Ausbau seiner Streitkräfte steckt – schließlich muss man sich nach eigener Auffassung gegen Südkorea, die USA, Japan und den Rest der kapitalistischen Welt verteidigen.   Wie sieht das Leben der Menschen in Nordkorea aus? Nun, Bildung gibt es für alle und das umsonst! Aber das Ganze hat auch einen Haken. Kinder müssen sich einer Art Gehirnwäsche unterziehen, die sie zu treuen Untergebenen des Führers erzieht und sie auf den Kampf gegen den Rest der Welt vorbereitet. Einem jeden Bürger stehen Nahrungsmittel von den Behörden zu. Allerdings ist Nordkorea durch die Politik der Isolation wirtschaftlich am Boden und auf Hilfe angewiesen. Die knappen Lebensmittel müssen gut verteilt werden, was mal besser und mal schlechter klappt. Immer wieder sind durch Hungersnöte viele Menschen gestorben. Außerdem steht jedem Koreaner eine staatliche Wohnung zu – der Haken: Die Regierung bestimmt wo. Wurde eine Wohnung erst mal zugeteilt, muss man dort sein Leben lang bleiben. Darüber hinaus versucht der Staat, alles einzuschränken, was man irgendwie einschränken kann. Nordkoreaner dürfen das Land nicht verlassen, Medien sind vollständig vom Staat kontrolliert, unangemeldete Demonstrationen und Versammlungen sind natürlich verboten. In Nordkorea ist es nahezu unmöglich, an Informationen aus dem Ausland zu kommen – auf der Rangliste der Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen landete Nordkorea bisher meistens auf dem letzten Platz. Auf dem Papier gibt es die Religionsfreiheit zwar, in der Praxis aber nicht. Auch das nordkoreanische Internet ist vom Rest der Welt weitestgehend abgeschnitten. Innerhalb des Landes kann man nur von der Regierung ausgewählte Websites aufrufen. Wer gegen diese Regeln verstößt, wird hart bestraft, womöglich sogar öffentlich hingerichtet. Außerdem berichten Menschenrechtsorganisationen von Konzentrations-, Arbeits- und Umerziehungslagern, in denen politische Gegner oder Menschen mit anderer Meinung festgehalten werden. Es kursieren Gerüchte, dass Viren und Waffen an Gefangenen getestet werden. Der Staat teilt die Menschen in Nordkorea in drei Gruppen ein: Diejenigen, die zur Führungsriege zählen, diejenigen, die der Führung freundlich gesinnt sind, und diejenigen, die als Skeptiker oder Gegner der Führung gelten. Wer die vergangenen Abschnitte gelesen hat, kann sich selbst denken, dass man es als Mitglied der letzten Gruppe in Nordkorea mit Sicherheit nicht leicht hat.   Nun könnte man zu dem Schluss gelangen, dass die Nordkoreaner todunglücklich sein müssen. Sieht man sich allerdings Fotos oder Videos aus dem Land an, wundert man sich umso mehr. Die Nordkoreaner wirken meistens glücklich, verehren ihre Führer und wenn ein Machthaber stirbt, wird tagelang geweint, als wäre die eigene Mutter gestorben. Das liegt zum Teil sicherlich an den Einschränkungen und Umständen, unter denen diese Bilder entstehen, und sicherlich auch daran, dass die Menschen in Nordkorea eingeschüchtert sind und sich davor fürchten, das System zu kritisieren. Nur wenige Menschen trauen sich, aus Nordkorea zu flüchten. Doch es zeigt vor allem, wie gut Propaganda, Isolation und Gehirnwäsche funktionieren, so gut, dass Menschen daran glauben, in einem großartigen Land mit verehrungswürdigen, gottgleichen Führern zu leben. Vieles über das Land bleibt allerdings Spekulation. So hieß es zum Beispiel eine Zeit lang, die Menschen in Nordkorea müssten alle die gleiche Frisur tragen, bis sich herausstellte, dass das schlicht Quatsch ist.   Auf der Weltbühne sorgt Nordkorea vor allem für Aufsehen, weil es verbotenerweise Atomwaffen baut, testet und damit aller Welt offen droht. Beispiel gefällig? Kim Jong-un ließ einen nuklearen Angriff auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul simulieren und verkündete in einem Video zu den Tests stolz: »Nichts und niemand würde überleben!« Ganz offen droht Kim Jong-un mit einer »nuklearen Katastrophe«, sollte es zu einem Krieg mit Südkorea kommen. Nordkorea ist eine Atommacht und besitzt wahrscheinlich mehrere einsatzbereite Kernwaffen und entsprechende Trägersysteme, um diese auch abzuschießen. Damit nicht genug: Nach eigenen Angaben entwickelt Nordkorea im Moment ein Trägersystem, das in der Lage sein soll, Atombomben bis an die Westküste der USA zu schießen. Was zunächst klingt wie purer Wahnsinn, nehmen Experten zunehmend ernst. Gerade erst in den vergangenen Monaten testete Nordkorea immer wieder verbotenerweise Raketen und drohte US-Präsident Donald Trump. Der stationierte zeitweise einen Flugzeugträge nahe Nordkorea, um Kim Jong-un einzuschüchtern – doch den interessierte das wenig. Donald Trump warnte im Anschluss vor einer ernsthaften Bedrohung durch Nordkorea.   Verhandlungen über das Atomwaffenprogramm schließt Nordkorea kategorisch aus. Wenig überraschend hagelt es dafür aus aller Welt Kritik. Nach jedem neuen Test verwarnen die Vereinten Nationen Nordkorea, aber das interessiert Kim Jong-un herzlich wenig. Der macht einfach weiter, was er will, provoziert und behauptet, auf Atomwaffen angewiesen zu sein, um sich gegen die USA und Südkorea zu verteidigen. Die USA wollen das nicht auf sich sitzen lassen und Nordkorea zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. Deshalb führen sie immer wieder gemeinsam mit Südkorea Militärübungen in der Region durch und rüsten Südkorea auf, um das Land vor einem möglichen Angriff Nordkoreas zu schützen. Im Jahr 2016 ließen die USA einen Bomber über Nordkorea fliegen, um Kim Jong-un einzuschüchtern. Nach einer weiteren Eskalation im Jahr 2017 schickten die USA kurzerhand einen Flugzeugträger in die Region, um Nordkorea zu drohen. Und selbst China, Nordkoreas letzter strategischer Partner, hat mittlerweile die wirtschaftlichen Verbindungen zu dem Land auf ein Minimum heruntergefahren. Doch auch das hat zu nichts geführt. Nach eigenen Angaben testet Nordkorea im Moment eine Wasserstoffbombe.   Warum niemand das kleine Nordkorea und seine irren Führer stoppt? Nun, die bisherigen Versuche haben gezeigt, dass sich Nordkorea mit diplomatischen Mitteln nicht stoppen lässt. Das Land ignoriert alle Warnungen, und wirtschaftliche Sanktionen, die das Land unter Druck setzen und zum Einlenken bringen sollten, liefen ins Leere. Bliebe zuletzt nur noch die Möglichkeit, die Führung in Nordkorea gewaltsam zu stürzen. Doch so einfach ist das nicht. Zum einen sind da Nordkoreas Atomwaffen, die im Falle eines Kriegs eine unberechenbare Gefahr wären. Man stelle sich nur mal die Konsequenzen vor, wenn man Kim Jong-un in die Enge drängen würde und er aus Verzweiflung tatsächlich eine Atomrakete auf Seoul abschösse. Zum anderen befindet sich Nordkorea in einer geopolitisch schwierigen Lage. Die Nachbarländer Nordkoreas sind nicht gerade beste Freunde. In der gesamten Region gibt es Feindschaften, eine Menge Waffen und wenig Vertrauen. Ein Krieg in Korea könnte deshalb schnell eskalieren, sich ausweiten und zu Kämpfen zwischen den Nachbarländern führen. Und vergessen wir nicht China und die USA, zwei Länder, die nicht gerade die allerbesten Freunde sind. Während die USA Südkorea weiter unterstützen und dort mehrere Militärbasen betreiben, fährt China seine Unterstützung für Nordkorea zurück. Trotzdem ist das Land bis heute eine Art Puffer zwischen Südkorea und den USA auf der einen und China auf der anderen Seite. Würde Nordkorea fallen, käme es wohl zu einer Wiedervereinigung Gesamtkoreas, und möglicherweise würden die USA dann auch im Norden Militärbasen bauen. Dadurch stünden die USA direkt vor Chinas Haustür – nicht gerade eine chinesische Wunschvorstellung und wohl ein Grund, warum China Nordkorea so lange unterstützt hat und das auch heute noch eingeschränkt tut. Weil am Ende niemand ein Interesse an einem Krieg in der Region hat, weniger noch an einem Konflikt zwischen China und den USA, bleibt alles so, wie es ist. Und genau dieses Vakuum nutzt Kim Jong-un aus und spielt weiter mit dem Feuer, bis es irgendwann brennt oder sich die internationale Gemeinschaft doch darüber einig wird, wie man ihm die Streichhölzer wegnehmen kann.

Tim Schreder

Über Tim Schreder

Biografie

Tim Schreder, geboren 1991, moderiert seit 2010 die Nachrichtensendung logo! und ist als Reporter für das ZDF weltweit im Einsatz. Er berichtete u.a. von den US-Präsidentschaftswahlen und der Fußball-WM in Brasilien. Für seine Reportage zur Flüchtlingskrise wurde er 2016 für den Grimme-Preis...

Jennifer Sieglar

Über Jennifer Sieglar

Biografie

Jennifer Sieglar, Jahrgang 1983, absolvierte ein Volontariat beim Hessischen Rundfunk, wo sie derzeit Moderatorin für die Hessenschau ist. Seit 2008 ist sie für die ZDF-Nachrichtensendung logo! tätig, die sie seit August 2012 moderiert.

Medien zu »Ich versteh die Welt nicht mehr«


Pressestimmen

Brigitte "Bücher Spezial"

»Fundiert und verständlich beleuchten sie die Hintergründe der Themen, die wir täglich in den Nachrichten hören.«

wanjasite.wordpress.com

»Ich bin froh, das Buch gefunden zu haben und werde es jedem weiter empfehlen, der sich nur ansatzweise dafür interessiert, was gerade so alles in der Weltgeschichte los ist – sei es in anderen Ländern wo Krieg herrscht, oder im eigenen Land, wo der braune Sumpf sich wieder verstärkt zeigt. Ein Muss für jeden!!!«

Bild.de

»Da die beiden Autoren u.a. eine Nachrichtensendung für Kinder moderieren, gelingt es ihnen, auch komplexe Zusammenhänge so zu erläutern, dass wenig Vorwissen genügt, um sie zu verstehen.«

Südwest Presse

»Das Buch ist ein Anker für neugierige junge Menschen genauso wie für ältere, deren politisches Bewusstsein in Krisenzeiten (wieder)erwacht ist.«

rtiesler.de

»Wer dieses Buch gelesen hat, der ist tatsächlich klüger als vorher.«

Kuckuck!

»Wer sich in Zukunft nicht nur bruchstückhaft über die sozialen Medien informieren möchte, sondern Lust hat, etwas über die Hintergründe der 33 wichtigsten Nachrichtenthemen unserer Zeit zu erfahren, der kann nach der Buchlektüre bestimmt eines sagen: ›Ich verstehe die Welt jetzt ein klitzekleines bisschen besser‹.«

kimapa.de

»Das Buch eignet sich hervorragend für alle, die zu einigen Themen mehr wissen wollen, als fünfzehn- oder zwanzigminütige Nachrichtensendungen an Erklärungen zulassen.«

Inhaltsangabe

Vorwort 

Nordkorea

Die Taliban

Der »Islamische Staat«

Krieg in Syrien

Der Kurdenkonflikt in der Türkei

Erdoğan und die Türkei

Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten

Der Nahostkonflikt

Flüchtlingskrise in Deutschland

Terror in Europa 

Die AfD

Der Abgasskandal

Die Eurokrise 

Der Brexit 

Die Zinspolitik der EZB 

Das Freihandelsabkommen TTIP 

Edward Snowden und der NSA-Skandal 

Donald Trump und die USA 

Die UN-Klimakonferenz 

Wladimir Putin und Russland 

Der Ukrainekrieg 

Boko Haram 

Die Situation im Südsudan 

Huthi-Rebellen im Jemen 

Dank 

Kommentare zum Buch

Endlich!
Sigrid Müller am 13.09.2017

Darauf habe ich schon lange gewartet: Ein Buch, das mir hilft, die Nachrichten halbwegs zu verstehen!

Norbert PAUL am 13.09.2017

Insgesamt sicher empfehlenswert, jedoch einige Einschränkungen, z. B. im Artikel über Korea heißt es: "1948 wurden in Nord- und Südkorea unabhängige Staaten errichtet, welche jeweils die Interessen ihrer Schutzmächte vertreten sollten. " Genauer gesagt sollte hier doch statt von "unabhängigen Staaten" wohl eher von "Marionettenregimes" die Rede sein. Auch handelt es sich seit dem Koreakrieg nicht um, wie es weiter heißt, verfeindete "Nationen', sondern um verfeindete Regimes, denn viele Koreaner haben auf beiden Seiten der willkürlichen Grenze Verwandte, mit denen sie sehnlichst Kontakt aufnehmen würden. Des Weiteren wäre ein Hinweis auf General McArthur, den Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen im Koreakrieg und seine Erwägung, Atomwaffen im Koreakrieg einzusetzen hilfreich, um das Streben Nordkoreas nach Atomwaffen und Interkontinentalraketen nachvollziehbar zu machen. Dass und wie der groteske Personenkult um Kim Il -sung, seinen Sohn und nun seinen Enkel und diese quasi absolute Monarchie - und das ausgerechnet in einem angeblich kommunistischem Staat, in dem ja bekanntlich das Proletariat als Herrschaft der überwältigenden Mehrheit der Gesellschaft im Interesse eben dieser Mehrheit herrschen sollte - bis heute wirksam sein kann, insbesondere seit der Witzfigur Kim Jong-un, und wie diese Herrschaftsstrukturen aufrecht erhalten werden, bleibt leider auch unerklärt.

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