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I'll push you

I'll push you

Der Jakobsweg, zwei beste Freunde und ein Rollstuhl

Taschenbuch
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I'll push you — Inhalt

Für Fans von Hape Kerkeling und der Kinoerfolge „Ziemlich beste Freunde“ und „Dieses bescheuerte Herz“

Mit fünfzehn erleidet Justin einen Verkehrsunfall, der eine voranschreitende Autoimmunerkrankung auslöst. Als er seine Arme und Beine nicht mehr bewegen kann, ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Sein großer Traum: eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg in Nordspanien. Als er Patrick, seinem Freund seit Kindertagen, davon erzählt, zögert dieser keinen Moment, sich mit ihm auf das Abenteuer einzulassen. Die Reise bringt beide an ihre Grenzen, doch gemeinsam bewältigen sie die 800 Kilometer lange Strecke. Ein ungewöhnlich starkes Zeugnis von Mut, Glauben, wahrer Freundschaft und unbedingtem Vertrauen, das anregt, zu wagen, was man nie für möglich hielt.

€ 16,00 [D], € 16,50 [A]
Erschienen am 02.11.2018
Übersetzt von: Regina Berger, Annemarie Pumpernig, Eva Pumpernig
320 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-40628-4

Leseprobe zu „I'll push you“

Inhaltsverzeichnis
Vorwort von Donald Miller
Prolog

TEIL I
WIE ALLES ANFING
1. Die Diagnose
2. Telefongespräche
3. Der Beschluss

TEIL II
VORBEREITUNGEN
4. Unter einer Bedingung
5. Bereit wie nie
6. Aufbruch

TEIL III
AUF DEM JAKOBSWEG
7. Das Unmögliche ist möglich
8. Radprobleme
9. Schluss mit den Abkürzungen!
10. Paddy und Skeez
11. Den Stier bei den Hörnern packen
12. Leben mit dem Unerwarteten
13. Wie wir uns selbst betrügen
14. Warum Umbros und Boxershorts keine gute Kombination sind
15. Sabbat – Zeit zum Ausruhen
16. Durch die Meseta
17. Countdown
18. Was sind wir doch für [...]

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Inhaltsverzeichnis
Vorwort von Donald Miller
Prolog

TEIL I
WIE ALLES ANFING
1. Die Diagnose
2. Telefongespräche
3. Der Beschluss

TEIL II
VORBEREITUNGEN
4. Unter einer Bedingung
5. Bereit wie nie
6. Aufbruch

TEIL III
AUF DEM JAKOBSWEG
7. Das Unmögliche ist möglich
8. Radprobleme
9. Schluss mit den Abkürzungen!
10. Paddy und Skeez
11. Den Stier bei den Hörnern packen
12. Leben mit dem Unerwarteten
13. Wie wir uns selbst betrügen
14. Warum Umbros und Boxershorts keine gute Kombination sind
15. Sabbat – Zeit zum Ausruhen
16. Durch die Meseta
17. Countdown
18. Was sind wir doch für Glückspilze!
19. Achtung: Fledermaus!
20. Was Vatersein ausmacht
21. Die Dunkelheit hinter sich lassen
22. Mit vereinten Kräften
23. Das Unmögliche ist möglich geworden
24. Ende und Neubeginn
Dank
Denkanstöße


VORWORT
– Von Donald Miller –

Als Autor habe ich mich fast mein ganzes Erwachsenenleben hindurch mit Geschichten befasst – wie sie entstehen, wie sie aufgebaut sind und wie man sie am besten erzählt. In all den vielen Jahren, in denen ich Geschichten auf den Grund ging, sie schrieb und erzählte, verliebte ich mich in viele von ihnen. Einige meiner Lieblingsgeschichten handeln von Opfern, die aus ihrer Opferrolle heraustreten und zu Helden werden, von Menschen, die Kraft aus ihrem Leiden schöpfen, und von unglaublichen Wegen, die Menschen gemeinsam gehen. Viele dieser Geschichten zwingen mich zu einem neuen Blick auf mich und die Welt, die mich umgibt. Doch allzu oft entspringen diese Geschichten der Vorstellungskraft, der Sehnsucht des Herzens und dem Verlangen der Seele. Nur selten bin ich auf eine Geschichte gestoßen, die im Alltag gelebt wurde, eine Geschichte, deren Held – oder in diesem Fall deren Helden – auch Sie oder ich sein könnten, einfache Menschen, die ein außergewöhnliches Leben wagen.
Als ich Justin Skeesuck und Patrick Gray kennen lernte, wusste ich sofort, dass sie anders waren. Diese beiden Männer waren erfüllt von einer Leidenschaft für das Leben und dem Wunsch, eine wunderbare Hoffnung mit allen Menschen auf ihrem Weg zu teilen. Doch erst als ich ihre Geschichte gehört hatte, konnte ich die Bedeutung ihrer Freundschaft ermessen und verstehen, wie viel Hoffnung und Kraft wir alle aus Beziehungen schöpfen können.
Auf die Geschichte, die in I’ll Push You erzählt wird, stieß ich im Oktober 2015, etwa ein Jahr nachdem diese beiden Männer etwas bewerkstelligt hatten, das vielen unmöglich erschienen war. So unglaublich ihr 800 Kilometer langer Weg durch Spanien mit dem Rollstuhl ist, am meisten beeindruckt an ihrem Abenteuer die immerwährende, unablässige Liebe, die sie füreinander empfinden.
Männer schrecken vor Intimität allzu oft zurück und laufen davon, wenn andere sich verwundbar zeigen. Doch die beiden Protagonisten dieses Buches geben dem Begriff Freundschaft eine neue Bedeutung. Sie stellen herkömmliche Sichtweisen dessen, was eine Beziehung sein kann, und damit viele traditionelle Vorstellungen infrage. Ihre tiefe Freundschaft lässt sie nie in eine Opferrolle abgleiten, sondern sie aus ihrem Leiden Kraft schöpfen. So können sie zulassen, dass sich ein wunderbares Abenteuer des Lebens entfaltet.
Die Geschichte auf diesen Seiten erinnert uns an das Wort Gottes: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Er wollte uns nie einsam sehen. I’ll Push You zeigt, was es bedeutet, Gemeinschaft zu leben, und welche Türen sich öffnen können, wenn wir die Bürde des anderen schultern. Justin und Patrick führen uns die Schönheit unserer Bestimmung vor Augen, die Hände und Füße unseres Nächsten zu sein. An ihrem Beispiel sehen wir, welche Kraft wir daraus schöpfen, wenn wir es anderen erlauben, uns zu lieben wie wir sind, mit all unseren Fehlern und Unvollkommenheiten.
Aber Vorsicht! Wenn Sie sich entscheiden, dieses unglaubliche Zeugnis des Lebens, der Freundschaft und des Glaubens zu lesen, könnte es sein, dass Sie Ihr bisheriges Leben infrage stellen und beginnen, nach jenen Abenteuern Ausschau zu halten, die nur auf Sie warten, denen Sie sich aber nie gestellt haben. Keine Reise von 800 Kilometern durch fremde Länder, sondern einfach das unbändige Leben, das wir alle spüren können, wenn wir unsere Beziehungen so sein lassen, wie sie sein sollten.
Willkommen bei I’ll Push You.

PROLOG

Endloser blauer Himmel, soweit mein Auge reicht. In der Ferne am Horizont in vielfältige Grün- und Goldtöne getauchte Hügel. Ein paar Bäume, die lange Schatten auf den Boden und die herumliegenden Steine werfen, und die schrillen Töne von Singvögeln auf den Ästen, die das Schweigen mit ihrem Zwitschern durchbrechen. Ihr Gesang führt mich zurück zu der Stimme in meinem Kopf.
So viel Schönheit, und doch so viel Schmerz.
Mein Körper ist schweißgebadet, und obwohl sich meine Hände schwach anfühlen, ist das meine geringste Sorge. Was kann mein Körper noch aushalten? … War es das? …
Bin ich an die Grenzen meiner Möglichkeiten gestoßen?
Mit jedem Schritt werden meine Beine schwerer. Der Schmerz in meinen Waden pocht. Ich möchte nur, dass er aufhört … Bitte, er soll aufhören.
Mehr Zeit. Ich dachte, mir bliebe noch mehr Zeit.
Ich habe gefürchtet, dass so etwas passieren könnte, aber doch erst ganz zum Schluss. Jetzt schaffe ich höchstens noch zehn Schritte, bevor ich gezwungen bin, mich auszuruhen.
Versuche einfach das Gleichgewicht zu halten und ignoriere den Schmerz.
Die Qual breitet sich in meine Oberschenkel aus, und meine Waden beginnen zu zittern. Acht Schritte schaffe ich noch.
Ausruhen … nur ein paar Minuten ausruhen.
Ich entschließe mich weiterzugehen, doch nach fünf weiteren Schritten wird der Schmerz fast unerträglich, und die Schwäche ergreift von meinem Körper Besitz. Ich strecke mein rechtes Bein nach hinten durch, um meine Wadenmuskeln zu dehnen. Das verschafft mir einen Augenblick Erleichterung. Die kurze Linderung beim Strecken des linken Beins lässt mich glauben, ich könne noch weitergehen. Doch schon nach drei Schritten merke ich, wie falsch ich liege. Das war es also – meine Beine tragen mich nicht mehr.
Warum ausgerechnet jetzt?
Ich suche mir einen Platz, um mich zu setzen, doch der Schmerz hält an. Ich presse die Kiefer zusammen, um meine Verzweiflung nicht laut hinauszuschreien. Ich balle die Hände zu Fäusten, während Wut in mir aufsteigt. Vollkommen erledigt, verspüre ich nur den Wunsch, die Erschöpfung, Frustration und den Schmerz loszulassen.
Mein Körper versagt mir den Dienst. Noch schlimmer ist, dass ich meine Frau, meine Kinder und meine Freunde im Stich lasse. Immer hatte ich alles fest im Griff. Jetzt … entgleitet mir die Kontrolle.


– TEIL 1 –
WIE ALLES ANFING

1 DIE DIAGNOSE
– JUSTIN –

Wie viele Stunden habe ich in den letzten dreizehn Jahren im Wartezimmer von Ärzten zugebracht? Ich zähle sie gar nicht mehr. In dieser Zeit habe ich eine endlose Reihe von Muskelbiopsien, Magnetresonanztomografien, Blutabnahmen und jede Menge andere Stiche, Probenentnahmen und Eingriffe über mich ergehen lassen. Und immer noch habe ich keine sichere Diagnose.
In meiner Highschoolzeit begleitete mich mein bester Freund, Patrick Gray, zu vielen meiner Termine, doch die Entfernung zwischen seinem Haus in Idaho und meinem in Südkalifornien macht das jetzt eher schwierig. Seit meinem Umzug nach San Diego sitze ich hier oft allein und warte auf Antworten. Gerade heute bin ich dankbar, dass meine Frau Kirstin bei mir sein kann.
Die Tür, die zu den Untersuchungszimmern führt, öffnet sich, und Jennifer, die Arzthelferin, lässt ihren Blick über den vollbesetzten Warteraum schweifen. Unsere Blicke treffen sich, obwohl sie Kirsten und mich gut kennt, ruft sie mich formell mit meinem Namen auf.
„Justin Skeesuck, bitte zurück ins Sprechzimmer.“
Als ich mich mit meinen Beinschienen und meinem Stock endlich aufgerichtet habe, ist Kirstin bereits an der Tür. Sie weiß, dass ich allein gehen will, auch wenn ich länger brauche. Auf dem Weg durch den Flur verlangsamen Kirstin und Jennifer ihren Gang, damit ich Schritt halten kann. „Du hast einen schönen Stock, Justin“, sagt Jennifer, als wir uns dem Untersuchungszimmer nähern. „Ist der neu?“
Mein Blick wandert hinunter zu dem dunkelvioletten Holz. „Ja, mein bester Freund hat ihn für mich gemacht.“
„Er ist wirklich schön.“
Als sich die Schwäche von meinem linken auf mein rechtes Bein ausbreitete, kaufte Patrick einen 1,20 Meter langen Block aus Amaranthholz und fabrizierte daraus in seiner Garage in stundenlanger Arbeit mit Säge und Schleifwerkzeugen einen wunderschönen Gehstock. Er ist für mich ein lieb gewonnenes Symbol unserer lebenslangen Freundschaft.
„Der Arzt wird in ein paar Minuten da sein“, sagt Jennifer, als meine Frau und ich uns setzen. Lächelnd schließt sie leise die Tür. Kirstin ist auf die Wartezeit vorbereitet. Sie zieht eine Zeitschrift aus ihrer Handtasche und beginnt sie zum Zeitvertreib durchzublättern. Ich lasse mich in meinen Stuhl sinken, lehne mich mit dem Kopf gegen die Wand und schließe die Augen. Die Zeit scheint stillzustehen.
„Es dauert heute länger als sonst“, sagt Kirstin nach einer Zeit und steckt ihre Zeitschrift wieder in die Tasche.
„Es waren viele Leute im Wartezimmer“, sage ich. „Ich hoffe nur, dass er dieses Mal Antworten hat, wenn wir an der Reihe sind.“
Seit Jahren bemüht sich mein Team von Neurologen herauszufinden, was genau in meinen Körper vor sich geht. Obwohl meine Symptome jenen so bekannter Krankheiten wie amyotrophischer Lateralsklerose ähneln, stimmen sie doch nicht vollständig mit ihnen überein. Wir hoffen, dass diese letzte Runde von Untersuchungen, Bluttests und Muskelbiopsienden Durchbruch bringen wird – einfach einige Hinweise darauf, was die Zukunft für mich bereithalten könnte.
Ich wäre ja schon zufrieden, wenn ich endlich einen Namen für meine Krankheit hätte. Mein Ärzteteam stellte bis jetzt vier Diagnosen, und jede einzelne erwies sich als falsch. Was immer ich habe, es ist offenbar so selten, dass es nicht einmal sicher ist, ob es überhaupt eine Bezeichnung dafür gibt.
Schließlich betritt der Arzt den Raum und nimmt auf seinem Stuhl mit den Rollen Platz. Sein weißer Ärztekittel hängt lose über einem Sportshirt aus Tweed, und sein grau meliertes Haar ist ordentlich gekämmt. Er wirft einen Blick auf meine Krankenakte in seinen Händen und blickt Kirstin und mich durch seine großen Brillengläser mit Metallrahmen an.
„Hallo, ihr beiden, wie geht es euch heute?“ fragt er mit der leisen Andeutung eines Lächelns.
„Wir hoffen auf Antworten“, erwidere ich und lache
kurz auf, „aber ich nehme an, dass sich wohl weitere Fragen auftun werden.“
„Verstehe. Hmm, ich glaube, heute ist von beidem etwas dabei.“
Er war noch nie einer, der große Worte macht, und so beginnt er schnell mit der Untersuchung. Er arbeitet sich durch, von Kopf bis Fuß, sieht sich meine Augen an, hört mein Herz und meine Lungen ab, kontrolliert meinen Blutdruck, prüft meine Reflexe und fragt nach Schmerzen in den Gelenken. Zum Abschluss prüft er die Kraft in meiner Hand, um sicherzugehen, dass sich die Krankheit nicht ausgebreitet hat.
Er scheint sich bestätigt zu fühlen und sagt: „Gehen wir mal rüber.“
Wir folgen ihm, wie wir es Dutzende Male davor getan haben, um die Untersuchung in der Abgeschiedenheit seines Sprechzimmers abzuschließen. Es ist ein überraschend kleiner Raum mit einem großen Schreibtisch in der Mitte, umgeben von Wänden mit Bücherregalen voller medizinischer Journale und Büchern mit Namen, die ich nicht aussprechen kann. Sein Harvard-Diplom und mehrere gerahmte Auszeichnungen zieren gut sichtbar die Wand.
„Wir waren uns, was die Diagnose betrifft, noch nie so
sicher“, sagt er, als er sich uns gegenüber setzt.
„Aha“, sage ich. „Hat das Kind jetzt einen Namen?“ Das Gesicht des Arztes spannt sich fast unmerklich an.
„Wir glauben mit einiger Sicherheit, dass das, was Sie haben, multifokale erworbene motorische Axonopathie genannt wird, kurz MAMA.“
„Und was genau ist das?“, fragt Kirstin.
„Es ähnelt in vielerlei Hinsicht ALS. Deshalb hat Justin beim ersten Mal eine falsche Diagnose erhalten.“
Dann dreht er sich zu mir um und fährt fort: »Ihr Immunsystem greift Ihr Nervensystem an, und deshalb fallen Ihre motorischen Nerven aus. Diese Krankheit hat keinen Einfluss auf Ihre sensorischen Nerven, sondern nur auf Ihre Bewegungsfähigkeit. Normalerweise behindert sie nur begrenzte Areale im Körper, aber in Ihrem Fall betrifft sie alle Körperbereiche unterhalb der Körpermitte. Das ist einer der Gründe, warum die Diagnose so schwierig war. MAMA beginnt normalerweise in den Händen. Einen so großen Teil des Körpers betrifft die Krankheit relativ selten.«
Meine Frau beugt sich vor und ergreift meine Hand.
„Wird es schlimmer werden? Wissen wir, wie lange wir noch haben?“
„Ich habe Ihnen gesagt, dass wir heute Antworten und Fragen bekommen …“ Er hält einen Moment inne, bevor er fortfährt. „Ihr Zustand wird sich im Laufe der Zeit verschlechtern. Wie sehr, wissen wir noch nicht.“
„Was habe ich also zu erwarten?“, frage ich.
„Aller Voraussicht nach bringt diese Krankheit Komplikationen mit sich, die zum Tod führen.“
Kirstin nimmt einen langsamen, tiefen Atemzug, und Tränen steigen ihr in die Augen.
Dass ich sterben werde, höre ich nicht zum ersten Mal. Als bei mir ursprünglich ALS diagnostiziert wurde, sagte mir der Arzt, dass ich noch vier Jahre zu leben hätte. Das war vor fast neun Jahren. Dieses Mal nennt er mir keine bestimmte Lebenserwartung, doch die Prognose fühlt sich anders an. Realer.
„Weiß man, wodurch die Krankheit verursacht wird?“, frage ich.
„Nun, genau kennen wir Ursache und Wirkung nicht, aber manchmal können traumatische Ereignisse bestimmte Krankheiten auslösen.“
Er legt eine neuerliche Pause ein, um seine Gedanken zu ordnen, und fährt dann fort. „Wir gehen davon aus, dass die Krankheit bereits in Ihrer Kindheit latent da war und dass sie durch Ihren Autounfall ausgelöst wurde.“
„Wie bitte?“
Dieser Unfall liegt 13 Jahre zurück.

Es war ein kühler, klarer Morgen im April 1991, aber ich erinnere mich daran, als ob es gestern gewesen wäre. Der leuchtend blaue Himmel über meiner Heimatstadt Ontario, Oregon, war wolkenlos. Die Sonne war gerade über dem Horizont im Osten aufgegangen und ließ die BergeSchatten werfen, als ich aus der Tür meines Hauses trat. Ich wollte auf meinen Freund Jason warten, um mit ihm zu einem Basketballmatch zu fahren, das in weniger als einer Stunde beginnen sollte.
„Wo steckt er denn nur?“, fragte ich mich laut. „Wir werden zu spät kommen.“ Als ob er es gehört hätte, bog Jason in seinem kleinen, dunkelroten Toyota Pick-up, Baujahr 1987, um die Ecke. Ich steckte meinen Kopf noch einmal durch die Tür, um meinen Eltern Auf Wiedersehen zu sagen, bevor ich zur Einfahrt ging, wo Jason jetzt wartete.
Da mein sechzehnter Geburtstag noch einige Monate vor mir lag, war ich zu jung zum Fahren, aber Jason hatte vor Kurzem den Führerschein gemacht. Jetzt freute er sich darauf, seinen betagten Pick-up auf der Autobahn zu erproben. Während ich mich anschnallte, warf ich einen Blick hinüber zu Jason. Sein Beckengurt saß fest, aber sein Schultergurt hing durch.
„Du solltest das lieber reparieren lassen“, sagte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. Jason lachte nur und legte den ersten Gang ein.
Nach wenigen Minuten waren wir unterwegs auf der I-84 Richtung Osten zum Northwest Nazarene College im nahegelegenen Nampa, Idaho. Obwohl wir Sonnenbrillen trugen, blinzelten wir in der gleißenden Sonne, die zwischen der Sonnenblende des Pick-ups und den entfernten Bergen ins Auto drang. Da wir spät dran waren, drückte Jason aufs Gas.
Die Sonne stieg höher, und das gleißende Licht aus dem Osten wurde stärker. Mit fast 130 Sachen tat Jason sein Bestes, um es rechtzeitig zum Spiel zu schaffen. Aber je schneller erfuhr, desto weniger ließ sich der Pick-up beherrschen.
Als ich mich nach vorn beugte, um gute Musik im Radio zu finden, wurde das Knacken des Sendersuchknopfes plötzlich durch ein lautes Klopfgeräusch unterbrochen, das vom Unterboden herkam.
Als ich aufsah, bemerkte ich, dass wir stark nach rechts drifteten und dass beide Räder auf der Passagierseite vom Asphalt abgerutscht waren. Der Wagen holperte rasend schnell auf dem kaum befestigten Bankett über Erde, Kies und Grasbüschel. Jason versuchte verzweifelt, das Auto in den Griff zu bekommen, und ich sah, dass wir uns mit großer Geschwindigkeit dem Betonpfosten einer Überführung näherten.
„Jason, pass auf!“
Er verriss das Lenkrad stark nach rechts, um das Auto zurück auf den Fahrstreifen zu zwingen. Dabei übersteuerte er aber, und der Pick-up drehte sich um 180 Grad. Plötzlich standen wir für den Bruchteil einer Sekunde in Richtung Westen, und der Verkehr raste auf uns zu. Dann schlitterten wir auf den Mittelstreifen und begannen zu rollen. Das explosive Geräusch von Metall auf Kies dröhnte mir in den Ohren, während der Pick-up auf dem Boden aufprallte. Alles ging so schnell, dass ich, als wir über den Mittelstreifen rollten und durch die Luft geschleudert wurden, die Orientierung verlor.
Ein kurzer Augenblick, doch die Zeit stand still.
Die Gedanken rasten durch meinen Kopf, während mir der Boden vor meinem Fenster in Zeitlupe entgegenkam. Beim letzten Aufschlagen der Passagierseite des Pick-ups auf dem Boden war das Geräusch ohrenbetäubend, und der Aufprall hallte in meinem gesamten Körper wider.
Endet so mein Leben?
Wie werden es die Sanitäter meiner Familie beibringen?
Was werden meine Eltern zu Patrick sagen?
Als der Pick-up schließlich zum Stillstand kam, hing ich in meinem Sitzgurt. Jason lag unter mir. Sein Oberkörper unter dem Türrahmen ragte teilweise aus dem Fenster der Fahrertür. Eine kleine Kuhle im Boden war das Einzige, was den Pick-up davon abgehalten hatte, ihn zu zermalmen.
Durch die zerbrochene Windschutzscheibe konnte ich in der Ferne sehen, wie viele Fahrzeuge anhielten und hilfsbereite Menschen auf uns zu liefen.
„Jason, bist du am Leben?“
„Ja“, gab er mühsam zurück, denn sein Oberkörper war zwischen Pick-up und Boden eingeklemmt.
„Ich muss hier raus!“, schrie ich und trat gegen die Windschutzscheibe, aber nichts rührte sich.
Verzweifelt bemüht, meinem Freund zu helfen, löste ich meinen Sitzgurt und purzelte auf ihn hinunter. Ich hörte, wie er vor Schmerzen aufstöhnte.
„Runter von mir!“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Ich verlagerte meine Füße und kam rittlings auf seinem Körper zu sitzen, während ich gegen die Beifahrertür über mir drückte. Sie bewegte sich nicht. Doch irgendwie gelang es mir, mich durch das rückwärtige Schiebefenster aus dem Fahrzeug zu winden.
Als meine Füße den Boden berührten, kamen auch schon die ersten Leute. Ich schrie: „Mein Freund ist da drinnen eingeklemmt! Er braucht Hilfe!“
Jemand brüllte: „Versuchen wir den Pick-up umzudrehen!“
Gemeinsam gelang es der versammelten Menge, den Wagen so weit hochzuhieven, dass Jason sich in die Fahrerkabine zurückmanövrieren und seinen Sitzgurt lösen konnte. Die Helfer hielten den Pick-up weiter in der Luft, und so konnte Jason durch das Fenster auf der Beifahrerseite ins Freie kriechen.
Ich weiß nicht, wie es zuging, aber ich trug von diesem Unfall nur ein paar Kratzer und Schürfwunden davon.
Jason hatte hatte weniger Glück. Er verletzte sich mehrere Bandscheiben. Doch angesichts der Schwere des Unfalls hätten seine Verletzungen weit schlimmer ausfallen können. Monate später, zu Beginn meines Junior-Jahres, lief ich während eines Fußballspiels über den Platz. Da bemerkte ich, dass mein linker Fuß sich nicht normal bewegte. Ich konnte ihn zwar aufsetzen und auch wieder vom Boden wegfedern, aber ein neuerliches Anheben schien unmöglich. Wie sehr ich mich auch bemühte, meinen Fuß zu kontrollieren, er wollte mir nicht gehorchen. Mehrmals verfing sich der Zehenteil meiner Fußballschuhe während des Laufens im Boden, und ich stolperte.
Als ich meinen Eltern davon erzählte, begannen wir erstmals nach den Ursachen zu forschen. Da sich das Problem auf meinen Fuß zu beschränken schien, wendeten wir uns an einen Podologen. Er konnte sich die Sache nicht erklären und verwies uns an einen Neurologen. Auch der war ratlos, aber er machte einen Abdruck von meinem linken Fuß, nach dem er eine spezielle Orthese aus leichtem Kunststoff für mich anfertigte. Diese neue Stütze war eine leichte Einlage für meine Schuhe und legte sich um meine Ferse und meine Wade. Sie bot mir genügend Halt, sodass ich in meinen körperlichen Aktivitäten kaum eingeschränkt war.
Zu einem der Anpassungstermine begleitete mich Patrick. Als ich aufstand und ein paar Schritte mit der Stütze, die mit einem Klettband sicher über dem Vorfuß meines linken Beines befestigt war, einige Schritte machte, quietschten die Aluminiumscharniere an beiden Seiten meines Knöchels.
„Mann! Mit dem Ding kannst du bei den Weibern voll die Mitleidstour fahren!“, sagte Patrick lachend.
Die Augenbrauen hochziehend, antwortete ich: „Keine schlechte Idee!“
„Wie fühlt es sich an?“, fragte er, als wir um die Arztpraxis herumgingen.
„Besser als den Fuß nachzuziehen.“
„Irgendwie gefällt es mir, wie du deinen Fuß nachziehst“, sagte er, in sich hineinkichernd. „Lässt mich besser aussehen!“
„Du bist ein Vollidiot“, platzte ich lachend heraus.
„Nein, im Ernst. Du bewegst dich ziemlich gut. Man erkennt kaum, dass du hinkst.“
Nachdem ich ein paar Schritte gelaufen war, spürte ich mein Selbstbewusstsein steigen. „Yeah! Fühlt sich großartig an. Ich glaube, ich kann damit problemlos Tennis spielen.“
Mit dem neuen Stützsystem begann ich tatsächlich wieder Tennis zu spielen und blieb während meiner gesamten Junior- und Senior-Jahre bei diesem Sport. Ich achtete genau auf die Schwäche in meinem Fuß, hatte aber das Gefühl, das Schlimmste sei nun vorbei. Dann, nicht lange nach meinem Abschluss, spürte ich, wie die Kraftlosigkeit auf weitere Muskeln in meiner Wade übergriff.

Ich hatte noch nie einen Zusammenhang zwischen der Schwäche in meinen Beinen und dem Unfall hergestellt – bis zu diesem Augenblick. Kirstin sitzt immer noch still neben mir und hält fest meine Hand. Ich drücke die ihre so stark, dass ich ihren Puls in meiner Handfläche spüre. So viele Gedanken rasen mir durch den Kopf.
Meine Frau sieht mich an und sagt: »Du musst Patrick anrufen

Patrick Gray

Über Patrick Gray

Biografie

Patrick Gray und Justin Skeesuck, beide geboren 1975 in Ontario an der Grenze zu Idaho, besuchten dieselbe Schule und spielten im selben Football-Team. Auch als sie nach Schulabschluss auf verschiedenen Universitäten studierten, blieb ihre Freundschaft erhalten. Skeesuck war ein begabter...

Justin Skeesuck

Über Justin Skeesuck

Biografie

Justin Skeesuck und Patrick Gray, beide geboren 1975 in Ontario an der Grenze zu Idaho, besuchten dieselbe Schule und spielten im selben Football-Team. Auch als sie nach Schulabschluss auf verschiedenen Universitäten studierten, blieb ihre Freundschaft erhalten. Skeesuck war ein begabter...

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