Lieferung innerhalb 1-3 Werktage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Kostenloser Versand*
Blick ins Buch
Hattie Brown und das Verlorene Siegel

Hattie Brown und das Verlorene Siegel

Hardcover
€ 13,00
€ 13,00 inkl. MwSt.
Vorbestellung möglich
In den Warenkorb Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
Gratis-Lieferung ab 9,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Hattie Brown und das Verlorene Siegel — Inhalt

Die elfjährige Hattie Brown und ihr Freund Arthur haben ihr erstes Abenteuer in dem magischen Reich Irgendwo-Nirgendwo überstanden und sind nach England zu ihren Familien zurückgekehrt. Doch dann erscheint der gutmütige Elefant Victor in Hatties Küche und nimmt sie erneut mit nach Irgendwo-Nirgendwo. Zeitgleich taucht Victor auch in Arthurs Haus auf – doch wie ist es möglich, dass sich der Elefant an zwei Orten gleichzeitig aufhält? Arthur beschleicht eine düstere Vorahnung. Er folgt Hattie, um sie zu warnen. Und tatsächlich hat sich das magische Reich verändert. Hattie, Arthur und die Gilde der Ritterdrachen müssen das Rätsel um die zwei Victors lösen und das sagenumwobene Verlorene Siegel finden, bevor es Lord Mortimer in die Hände fällt.

€ 13,00 [D], € 13,40 [A]
Erscheint am 06.04.2020
Übersetzt von: Karen Gerwig
240 Seiten, Hardcover
EAN 978-3-492-70462-5

Leseprobe zu „Hattie Brown und das Verlorene Siegel“

Kapitel 1

Als Hattie Brown das zweite Mal durch den Kühlschrank gezogen wurde, war das Wetter gerade schlechter geworden. Viel, viel schlechter.

Der Wind war das Problem. Sobald Hattie das Haus verließ, kam er von hinten und gab ihr einen bösen Schubs. Er ließ ihre Mantelzipfel flattern wie einen Vogel, der verzweifelt wegfliegen wollte. Er schnappte sich Blätter, Zweige, Papierchen und alte Zeitungen vom Boden und schleuderte sie ihr ins Gesicht. Und er schrie ihr in die Ohren und tanzte um sie herum, wohin sie auch ging. Ständig dachte sie, bald [...]

weiterlesen

Kapitel 1

Als Hattie Brown das zweite Mal durch den Kühlschrank gezogen wurde, war das Wetter gerade schlechter geworden. Viel, viel schlechter.

Der Wind war das Problem. Sobald Hattie das Haus verließ, kam er von hinten und gab ihr einen bösen Schubs. Er ließ ihre Mantelzipfel flattern wie einen Vogel, der verzweifelt wegfliegen wollte. Er schnappte sich Blätter, Zweige, Papierchen und alte Zeitungen vom Boden und schleuderte sie ihr ins Gesicht. Und er schrie ihr in die Ohren und tanzte um sie herum, wohin sie auch ging. Ständig dachte sie, bald würde alles ruhiger werden. Doch wenn sie aus dem Fenster schaute, hatte sich nichts verändert. Der Wind war immer noch wütend.

Es war Morgen, und Hatties Mutter war auf und starrte aus dem Küchenfenster auf die Scharen von Sachen, die unerlaubt durch die Luft flogen. Pappbecher, Chips- und Plastiktüten sausten am Haus vorbei, als wäre ihnen plötzlich eingefallen, dass sie noch irgendwo hinmussten. Und jedes Mal schnalzte Hatties Mutter missbilligend mit der Zunge.

Hattie schaute auf die Uhr. Ihre Mutter musste sich beeilen. Wenn sie nicht bald aus dem Haus kam, würde sie es nicht rechtzeitig zu ihrer Schicht im Supermarkt schaffen. Und sie konnte es sich nicht leisten, schon wieder zu spät zu kommen. Beim nächsten Mal würde Mr Jackson seine Drohung vielleicht wahr machen und sie ein für alle Mal nach Hause schicken. In solchen Momenten wünschte sich Hattie, sie wären nicht allein. Wenn sie einen Vater, einen Bruder oder eine Schwester hätte, könnte ihr jemand helfen, wenn es ihrer Mutter nicht gut ging.

„Solltest du nicht langsam gehen, Mum?“ Hattie versuchte, nicht so besorgt zu klingen, wie sie war, nur für den Fall, dass ihre Mutter davon noch langsamer wurde.

„Ich weiß nicht, was in das Wetter gefahren ist“, sagte ihre Mutter, klang aber nicht so, als würde sie mit jemand Bestimmtem reden. „Es hört einfach nicht auf.“

Nicht, seit ich aus Irgendwo-Nirgendwo zurückgekommen bin, dachte Hattie. So teilte sie inzwischen alles ein – in ein Vor und in ein Nach ihrem Ausflug nach Irgendwo-Nirgendwo. Und seit sie von diesem merkwürdigen Ort zurück war, der irgendwo hinter dem Kühlschrank in ihrer Küche lag, benahm sich der Wind so. In allen Wettervorhersagen im Fernsehen sah der Ansager verwirrt aus, während Bilder von entwurzelten Bäumen und umgestürzten Mülltonnen über den Bildschirm flimmerten. Niemand konnte es sich erklären. So windig dürfte es eigentlich nicht sein. Und weil es nicht so sein dürfte, wusste keiner, wann es aufhören würde.

„Du musst zur Arbeit. Du willst doch nicht wieder zu spät kommen.“ Hattie stellte sich neben ihre Mutter und hoffte, das würde sie dazu bringen zu gehen.

„Hast du bemerkt, dass da keine Wolken sind?“ Hatties Mutter hatte sich nicht gerührt, aber wenigstens sprach sie direkt mit Hattie. „So viel Wind und keine Wolken. Das ist sehr seltsam.“

Hattie blickte in den Himmel vor dem Fenster. Ihre Mutter hatte recht. Er war völlig wolkenlos.

„Sie sagen, in Worcester und Manchester sei es am schlimmsten. Am schlimmsten im ganzen Land.“

Manchester? Hattie erstarrte. Dort wohnte Arthur. Irgendwo in Manchester sah er wahrscheinlich aus dem Fenster und sprach mit seinen Eltern über das Chaos, das der Wind anrichtete, genau wie sie hier.

„Hier bei uns und in Manchester?“, fragte sie. „Wann hast du das gehört?“

„Es war heute Morgen in den Nachrichten. Sie sagten, an beiden Orten würden seltsame Dinge passieren.“ Die Augenbrauen von Hatties Mutter zuckten. „Vielleicht sollte ich nicht rausgehen.“

„Doch, du musst.“ Hattie legte ihrer Mutter die Hand auf den Arm. „Denk daran, was Mr Jackson gesagt hat, was passieren würde, wenn du noch mal zu spät kommst. Du willst doch deine Arbeit nicht verlieren.“

Ihre Mutter antwortete nicht.

„Mum.“ Hattie spürte, wie ihre Kehle enger wurde. Es war furchtbar, wenn Die Düsternis ihre Mutter im Griff hatte. Wenn es ihr so schlecht ging, drang anscheinend nichts zu ihr durch. Und es konnte Tage, sogar Wochen dauern, bis sich ihre Stimmung wieder hob. Vorhersehen konnte man es nicht, und sie glaubte auch nicht, dass ihre Mutter es selbst vorhersehen konnte. Wenn die Düsternis sie im Griff hatte, konnte sie nicht kontrollieren, wie sie sich fühlte. Hattie dachte sich, sie sollte froh sein, dass heute wenigstens nicht einer der Tage war, an dem man ihre Mutter überhaupt nicht aus dem Bett bekam. Immerhin war sie heute aufgestanden und hatte sich angezogen.

„Hast du dein Mittagessen eingepackt?“, fragte Hattie. „Es ist im Kühlschrank. Ich habe es gestern Abend für dich gemacht.“

Aber sie kannte die Antwort schon. Natürlich hatte ihre Mutter es nicht eingepackt.

„Ich hole es dir, dann kannst du zur Arbeit gehen.“ Hattie betonte die letzten Wörter, während sie zum Kühlschrank ging. Sie öffnete die Tür und machte dann schnell einen Schritt rückwärts. Im zweiten Fach, genau über der Stelle, wo sie immer die Joghurts stapelte, saß ein winziger Elefant.

„Vict…“, begann Hattie, unterbrach sich aber rasch. Sie musste sich normal verhalten. Ihre Mutter durfte nicht wissen, dass etwas Seltsames vor sich ging.

In Hatties Kopf purzelten die Gedanken durcheinander, während sie vorsichtig die Brotdose herausnahm und die Kühlschranktür wieder schloss. Victor war hier. Das konnte nur bedeuten, dass er gekommen war, um sie wieder nach Irgendwo-Nirgendwo mitzunehmen. Aber warum? Letztes Mal, als sie mit ihm in Irgendwo-Nirgendwo gewesen war, hatte er gewollt, dass sie wieder ging, denn er hatte gesagt, sie sei dort in Gefahr. Warum sollte er seine Meinung ändern? Hattie hoffte, ihre Mutter würde nicht merken, wie laut ihr Herz klopfte, während sie ihr die Brotdose hinhielt. „Es ist Nudelsalat“, sagte sie und versuchte, ruhig zu sprechen.

Ihre Mutter nahm die Brotdose entgegen, bewegte sich aber nicht. „Du solltest mal die ganzen Sachen aus deinen Taschen räumen. Du hast da viel zu viel drin. Ich könnte dir helfen, sie zu sortieren“, sagte sie.

Das erklärte sie ständig, aber es gab jetzt keinen Grund, darüber zu sprechen. Ihre Mutter suchte mal wieder eine Ausrede, um das Haus nicht verlassen zu müssen. „Du musst los. Du darfst nicht zu spät kommen“, sagte Hattie freundlich, auch wenn sie am liebsten geschrien hätte: „Geh schon! Sofort! Ich will mit Victor reden!“

Ihre Mutter blinzelte langsam, dann setzte sie sich in Bewegung. Wenigstens würde sie wirklich gehen.

„Tschüss!“, rief Hattie von der Tür aus, als ihre Mutter das Haus verließ. Sie sah ihr nach, während sie sich schräg gegen den Wind stemmte, wie die lange Kante eines Dreiecks. Schneller, warum gehst du nicht schneller?, dachte Hattie, während sie jeden mühsamen Schritt beobachtete. Ihre Mutter kam nur langsam voran. Noch ein Schritt. Dann noch einer. Bis sie schließlich nicht mehr zu sehen war. Endlich konnte sie gefahrlos die Kühlschranktür öffnen. Jetzt würde Hattie herausfinden, warum Victor zurückgekommen war.



Kapitel 2

Als Hattie die Haustür schloss, vibrierte das Handy in ihrer Tasche.

Der Wind hier ist schrecklich. Dad wurde schon dreimal umgepustet.

Hattie lächelte, als sie Arthurs Nachricht las.

Hier auch, tippte sie. Mum sagt, in Worcester und Manchester ist das Wetter am schlimmsten im ganzen Land.

Arthur schrieb ihr, seit sie aus Irgendwo-Nirgendwo zurückgekommen waren. Dieser eigenartige Ort war ihr Geheimnis. Selbst wenn sie Freunde in der Schule hätte – was nicht der Fall war –, dann hätte sie ihnen trotzdem nicht davon erzählen können. Sie hätten niemals geglaubt, dass sie durch einen Kühlschrank in eine andere Welt gezogen worden war. Sie hätten sie für verrückt erklärt. Aber sie wusste, sie war nicht verrückt, und Arthur wusste es auch, denn ihm war das Gleiche passiert. Er war genauso wie sie von einem winzigen Elefanten durch seinen Kühlschrank gezogen worden. Irgendwo-Nirgendwo hatte sie zusammengebracht. Er war an ihrer Seite gewesen, als sie gemeinsam eine Armee von entführten Kindern gerettet hatten, und er war dabei gewesen, als sie die gestohlenen Wolken freigelassen hatte, damit alle Einwohner von Irgendwo-Nirgendwo Wasser bekamen. An diesem Ort hatten sie eine Verbindung geschmiedet, die niemand brechen konnte.

Wir sind Stadt-Zwillinge. Lächelnd tippte sie auf „Senden“ und ging in die Küche zurück. Aber als sie eintrat, brachte irgendetwas sie dazu, stehen zu bleiben. Sie war sich sicher, dass sie das Buch mit dem Gesicht nach unten auf dem Tisch hatte liegen lassen, damit sie sich merken konnte, wo sie war. Jetzt jedoch lehnte es aufrecht seitlich an der Mikrowelle.

Bevor sie länger darüber nachdenken konnte, vibrierte ihr Handy. Eine neue Nachricht von Arthur blinkte auf. Hab dir so viel zu erzählen!!!!

Ich auch, tippte sie. Du glaubst nie, wen ich gerade gesehen habe.

Sobald sie es abgeschickt hatte, begann sie eine neue Nachricht. Rate.

Ohne vom Display aufzublicken, streckte sie die Hand aus, um ihre Wasserflasche zu nehmen, aber sie war nicht da. Das war seltsam. Sie war sich sicher, sie neben den Herd gestellt zu haben. Hattie runzelte die Stirn. Das und das Buch. Sie wurde hoffentlich nicht so vergesslich wie ihre Mutter.

Hattie begann eine neue Nachricht. Habe beschlossen, ich kann nicht warten, bis du irgendwas rätst. Victor ist zurückgekommen!!! Mum war da, deshalb konnte ich nichts sagen. Sie ist jetzt weg. Gehe zu ihm. Kannst du das fassen? Victor! Ich sollte mal besser mehr Butter kaufen gehen. Du weißt ja, dass er davon tonnenweise verdrücken kann.

Warte, bis er das liest!, dachte sie, während sie es abschickte und die Kühlschranktür öffnete.

»Hallo, Victor …«, begann sie. Doch sie bekam nicht die Gelegenheit, noch mehr zu sagen, denn sie wurde von den Füßen gerissen. Ihr Handy flog ihr in hohem Bogen aus der Hand, als sie durch den Kühlschrank gezogen wurde. Auf dem Bildschirm leuchtete genau in dem Moment, als es auf dem Boden aufschlug, eine Nachricht auf.

Aber Victor ist doch hier!

Claire Harcup

Über Claire Harcup

Biografie

Claire Harcup begann ihre Karriere in einem Sachbuchverlag, bevor die digitale Welt sie auf andere Wege lenkte. Fünf Jahre lang beauftragte sie Kunst- und Kulturprojekte, die neue Technologien verwenden. Dann rief sie für die Royal Botanic Gardens in Kew, Großbritannien, ein Projekt ins Leben,...

Kommentare zum Buch
Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden