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Goulds Buch der FischeGoulds Buch der Fische

Goulds Buch der Fische

Ein Roman in zwölf Fischen

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Goulds Buch der Fische — Inhalt

»Dieses Buch ist schön. Unglaublich schön... Magie!« Die Welt

Sally Island, eine entlegene Gefängnisinsel vor der Küste Tasmaniens. Dort wartet William Gould in einer Zelle auf seine Hinrichtung. Und während der verurteilte Dieb und Fälscher wartet, schreibt er mit der Tinte eines Tintenfischs und einer Mixtur als Seeigelstacheln und eigenem Blut seine Erinnerungen auf. Der Gefängnisarzt erkennt sein Talent und beauftragt ihn, alle Fische Tasmaniens zu malen. Doch Gould verliebt sich dort in die Mätresse des Gefängniskommandanten und stürzt in Verwicklungen, die für das Ende seiner künstlerischen Tätigkeit sorgen ... Ein gewaltiger Roman von Melville'schem Format.

Erschienen am 07.12.2015
Übersetzer: Peter Knecht
464 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30839-7
Erschienen am 07.12.2015
Übersetzer: Peter Knecht
464 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97116-4

Leseprobe zu »Goulds Buch der Fische«

Das dickbäuchige Seepferd
Entdeckung des Buchs der Fische –
Antiquitätenschwindel und heilender Glaube –
Die Conga – Mr. Hung und Moby Dick –
Victor Hugo und Gott – Ein Schneesturm –
Warum Geschichte und Geschichten zweierlei sind –
Das Buch verschwindet –
Der Tod von Großtante Maisie – Meine Verführung –
Ein männliches Seepferd kommt nieder – Der Sturz.


I
Das Staunen, das ich empfand, als ich das Buch der Fische entdeckte, ist mir geblieben, licht wie das schillernde Marmormuster, das meinen Blick an jenem sonderbaren Morgen
auf sich zog; glitzernd wie diese [...]

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Das dickbäuchige Seepferd
Entdeckung des Buchs der Fische –
Antiquitätenschwindel und heilender Glaube –
Die Conga – Mr. Hung und Moby Dick –
Victor Hugo und Gott – Ein Schneesturm –
Warum Geschichte und Geschichten zweierlei sind –
Das Buch verschwindet –
Der Tod von Großtante Maisie – Meine Verführung –
Ein männliches Seepferd kommt nieder – Der Sturz.


I
Das Staunen, das ich empfand, als ich das Buch der Fische entdeckte, ist mir geblieben, licht wie das schillernde Marmormuster, das meinen Blick an jenem sonderbaren Morgen
auf sich zog; glitzernd wie diese unheimlichen Strudel, die meinen Geist mit Farben erfüllten und meine Seele in ihren Bann schlugen – worauf mein Herz, ja, schlimmer noch
mein Leben von diesem Wirbel erfasst und aufgerollt wurden zu dem armseligen, struppigen Garn dieser Geschichte, die Sie gleich lesen werden.
Was hatte es mit jenem sanften Strahlen auf sich, das mir, als wäre ich irgendein Hindu-Mystiker, gefangen im Großen Rad der Erscheinungen, den Gedanken aufzwang, ich
hätte ein und dasselbe Leben immer wieder gelebt? das mir zum Schicksal werden sollte? das mir meine Persönlichkeit raubte? das meine Vergangenheit und meine Zukunft untrennbar voneinander in eins setzte?
War es der hypnotisierende Schimmer, den das unordentliche Manuskript spiralförmig auszusenden schien, ein Manuskript, aus dem bereits Seepferdchen und Seedrachen und
Himmelsgucker herausschwommen und blendendes Licht in einen noch jungen trüben Tag brachten? War es einfach erbärmliche Eitelkeit des Geistes, wenn ich mir einbildete, in
mir seien alle Menschen und alle Fische und alle Dinge enthalten?
Oder war es etwas eher Prosaisches – schlechte Gesellschaft und noch schlechterer Fusel –, was mich auf diese monströse Bahn brachte?
Persönlichkeit und Schicksal, zwei Wörter, schreibt William Buelow Gould, für ein und dieselbe Sache – auch hier liegt er, wie immer, ganz entschieden falsch.
Der liebe, gute Billy Gould, dieser Spinner, und seine dummen Sprüche über die Liebe, über ein Maß an Liebe, das heute gar nicht mehr möglich ist und das schon damals nicht
durchzuhalten war. Aber ich fürchte, ich schweife bereits ab.
Wir, unsere Geschichten, unsere Seelen – das haben seine stinkenden Fische mich gelehrt –, sind ständig dabei, uns zu zersetzen und wieder neu zu erfinden, und dieses Buch enthielt, wie ich entdecken sollte, die Geschichte des Komposthaufens, der mein Herz ist.
Selbst meine fiebrige Feder kann mein Entzücken nicht annähernd einfangen, als ich das Buch der Fische aufschlug, ich war hingerissen, mir war, als ob der Rest meiner Welt –
die ganze Welt! – im Dunkel versunken wäre und im Universum nur noch ein Licht existierte, das aus diesen vergilbten Seiten in meine staunenden Augen strahlte.

 

Ich hatte keine Arbeit – schon damals gab es wenig genug davon in Tasmanien, wenn auch nicht so wenig wie heute. Vielleicht war deswegen mein Geist für Wunder besonders
empfänglich. Vielleicht erging es mir wie dem armen portugiesischen Bauernmädchen, das die Jungfrau Maria sah, weil es nichts anderes sehen wollte, vielleicht sehnte auch ich
mich danach, meine Welt nicht wahrnehmen zu müssen. An irgendeinem anderen Ort als Tasmanien, wo normale Zustände herrschen, wo man einen richtigen Job hat, wo man
ein paar Stunden im Gewühl unterwegs ist und dann etliche Stunden mit gewöhnlichen Ängsten und Sorgen zubringt, bevor man in die gewohnte häusliche Enge zurückkehrt,
und wo kein Mensch je davon träumt, ein Seepferdchen zu sein, ja, dort kann einem vielleicht so etwas Anormales, wie ein Fisch zu werden, nicht passieren.
Ich sage vielleicht, aber sicher bin ich nicht.
Könnte ja sein, dass solche Sachen in Berlin und Buenos Aires andauernd vorkommen und dass es den Leuten bloß peinlich ist, das zuzugeben. Könnte sein, dass die Jungfrau
Maria jeden Tag in den Sozialbauten und Hochhäusern von New York und Berlin und den Vorstädten im Westen von Sydney auftaucht, und alle tun so, als wäre sie nicht da, und
hoffen, dass sie schnell wieder verschwindet und sie nicht weiter in Verlegenheit bringt. Könnte sein, dass das neue Fatima irgendwo in der endlosen Ödnis des Revesby Workers’
Club liegt, ein Heiligenschein über dem Bildschirm des Spielautomaten, der blinkend die Botschaft verkündet: »BLACKJACK FEVER«.
Könnte es sein, dass, weil alle ihr den Rücken zukehren,weil alle Augen starr auf die Automaten gerichtet sind, niemand Zeuge wird, wie eine alte Frau, die ihren Keno- Spielschein ausfüllt, vom Boden abhebt und schwebt? Vielleicht haben wir die Fähigkeit, jenen sechsten Sinn verloren, den man braucht, um Wunder wahrzunehmen, um Visionen zu haben, um zu verstehen, dass wir etwas anderes sind, etwas Größeres als das, was man uns immer eingeredet hat. Vielleicht ist eine umgekehrte Evolution schon länger im Gange, als ich dachte, und wir sind bereits triste, stumme Fische.
Wie gesagt, ich bin nicht sicher, und die einzigen Leute, denen ich traue, unter ihnen Mr. Hung und die Conga, wissen es auch nicht genau.
Überhaupt bin ich, ehrlich gesagt, zu dem Schluss gelangt, dass nur wenige Dinge im Leben sicher sind. Auch wenn Sie im Folgenden vielleicht einen anderen Eindruck
gewinnen werden, liegt mir sehr wohl etwas an der Wahrheit, aber ich frage mich – wie William Buelow Gould, der unermüdlich nach der Wahrheit seiner Fische forschte, auch
wenn sie über seiner zwecklosen Suche längst gestorben waren –:Wo ist die Wahrheit zu finden?
Was mich betrifft, so sind mir das Buch und alles Übrige genommen worden, aber letztlich ist auf Bücher ja auch nicht mehr Verlass als auf Märchen, oder?
Es war einmal ein Mann namens Sid Hammet, und der entdeckte, dass er nicht der war, für den er sich gehalten hatte.
Es war einmal eine Zeit, da gab es noch Wunder, und jener Mann namens Hammet glaubte, er wäre in eines davon mitten hinein geraten. Bis zu dem Tag hatte er sich immer von seinem gesunden Menschenverstand leiten lassen, was weniger freundlich ausgedrückt heißt, dass sein Leben aus fortschreitender Ernüchterung bestand. Danach war er mit dem grausamen Gebrechen des Glaubens geschlagen.
Es war einmal ein Mann namens Sid Hammet, der in dem Licht eines sonderbaren Buchs über Fische seine eigene Geschichte aufscheinen sah. Sie begann wie ein Märchen
und endete wie ein Kinderreim: . . . reitet ein Pferdchen nach Banbury Cross.
Es war einmal, es war einmal, vor langer Zeit, da geschahen furchtbare Dinge, aber sie geschahen an einem fernen, vergessenen Ort, und der ist, wie wir alle wissen, nicht hier,
nicht jetzt, nicht wir.


I I
Bis zu jener Zeit beschäftigte ich mich damit, vergammelte alte Möbel zu kaufen, die ich auf alle mögliche Weise noch weiter demütigte und ramponierte. Wenn ich irgendwelche
kläglichen Kommoden mit Hämmern bearbeitete, um ihnen die rechte Patina der Armseligkeit zu verleihen, wenn ich meine Pisse über die alten Metallbeschläge regnen ließ, um die Bildung von fauligem Grünspan zu befördern, wobei ich genüsslich ordinäre Flüche aller Art ausstieß, stellte ich mir immer vor, diese Möbelstücke wären die Touristen, die sie unweigerlich in der irrigen Vermutung kaufen würden, sie hätten es mit Treibgut einer romantischen Vergangenheit zu tun und nicht mit dem, was sie waren, Belegstücke einer verrotteten Gegenwart. Meine Großtante Maisie sagte, es sei ein Wunder, dass ich überhaupt Arbeit gefunden hätte, und ich musste insgeheim
zugeben, dass sie wahrscheinlich wusste, wovon sie redete, denn hatte sie mich nicht mit sieben auf den Rugbyplatz von North Hobart mitgenommen, um im wunderschönen
roten Spätwinterlicht der Mannschaft von North Hobart auf wundersame Weise das Halbfinale gewinnen zu helfen? Sie hatte den aufgeweichten Rasen mit heiligem Wasser
aus Lourdes besprenkelt. Der große John Devereaux war Captain und Coach, ich war eingewickelt in den rot- blauenSchal der Demons wie eine ägyptische Katzenmumie, nur
die großen neugierigen Augen waren zu sehen. In der Halbzeit rannte ich aufs Feld, um durch einen Wald stämmiger, schweißparfümierter Spielerbeine zu lugen und eine Brandrede des großen John Devereaux zu hören.
North Hobart lag weit zurück; ich wusste, dass er seinen Spielern etwas Bemerkenswertes sagen würde, und der große John Devereaux war nicht der Mann, der seine Anhänger
enttäuschte. »Schlagt euch eure gottverdammten Sheilas aus dem Kopf«, sagte er. »Du, Ronnie, vergiss diese Jody. Und du, Nobby, reiß dich von dieser Mary los.« Und so weiter.
Es war großartig, zuzuhören, wie er da die Namen von all den Mädchen aufzählte, und zu spüren, wie viel sie diesen Riesenkerlen bedeuteten. Und als sie dann wirklich loslegten
und gewannen, wusste ich, dass Liebe und Wasser zusammen einfach unschlagbar sind.
Aber um auf meine Arbeit mit den Möbeln zurückzukommen, so war das, wie Rennie Conga (nur für den Fall, dass jemand von ihren Verwandten das liest und daran Anstoß
nimmt, füge ich gleich hinzu, dass das nicht ihr korrekter Name ist, aber ihren vollen italienischen Namen kann sich kein Mensch merken, und irgendwie passt der andere
ganz gut zu ihrer sehnigen Gestalt und den hochgeschlossenen, dunklen Sachen, in die sie ihre Schlangenfigur hüllt), meine Bewährungshelferin damals, es ausdrückte, ein Job
mit Zukunft, vor allem dann, wenn die Kreuzfahrtschiffe voller dicker alter Amerikaner anlegten. Mit ihren hervortretenden Bäuchen, den komischen dünnen Beinen in Shorts
und den noch komischeren großen weißen Schuhen, die den Punkt unter diese überdimensionalen Gestalten setzten, waren die Amerikaner liebenswerte Fragezeichen der Menschheit.
Ich sage liebenswert, aber was ich eigentlich sagen will, ist: Sie hatten Geld.
Sie hatten allerdings auch ihre besonderen, etwas merkwürdigen Vorlieben, aber was das Geschäft betrifft, kam ich mit ihnen gut zurecht und sie mit mir. Eine Zeit lang hatten
die Conga und ich einen guten Lauf mit alten Stühlen, die sie auf einer Auktion ersteigert hatte, als wieder einmal der tasmanische Ableger einer australischen Bundesbehörde aufgelöst wurde. Ich malte die Dinger schön bunt an, ging mit Sandpapier drüber und machte mit einer Gemüsereibe hie und da Kratzer rein, ich pinkelte drauf, und am Ende kamen sie als Shaker-Möbel raus, die irgendwann im vorigen Jahrhundert, so sagten wir den Fragezeichen, mit Walfangschiffen aus Nantucket, immer auf der Jagd nach den Riesen des Meeres, in diese Breiten geraten waren. Es war eigentlich die Geschichte – diese, und nur diese –, welche die Touristen kauften, eine erhebende, herzbewegende,
maßgeschneidert amerikanische Geschichte – Wir finden die Unseren, wir retten sie und führen sie heim! –, und eine ganze Weile lief die Sache bestens. So gut, dass wir bald
ausverkauft waren und die Conga das Unternehmen um eine Produktionsabteilung erweitern musste. Sie tat sich mit einem Vietnamesen zusammen, der mit seiner Familie neu zugezogen war. Ich kümmerte mich um die Geschichte, die ich schön ordentlich abtippte, und um unanfechtbare Echtheitszertifikate von einer extra zu diesem Zweck erfundenen Organisation, die wir die »Vandiemonische Antiquitätenhändler-
Vereinigung« nannten.

 

Richard Flanagan

Über Richard Flanagan

Biografie

Richard Flanagan wurde 1961 in Tasmanien geboren. Sein Roman »Goulds Buch der Fische«, ausgezeichnet mit dem Commonwealth Prize, machte ihn 2002 weltweit bekannt, seine insgesamt sechs Romane sind seither in 41 Ländern erschienen. Für »Der schmale Pfad durchs Hinterland« erhielt Richard Flanagan...

Pressestimmen

Australian Book Review

»Ein überbordendes, prachtvoll geschriebenes, ehrgeiziges Werk.«

Los Angeles Book Review

»Einer der exzentrischsten Romane der letzten Jahre.«

New York Times

»›Goulds Buch der Fische‹ ist ein Roman über die Fische so wie ›Moby Dick‹ ein Buch über Wale ist oder ›Ulysses‹ ein Roman über die Ereignisse eines einzigen Tages.«

Westdeutsche Allgemeine

»Bei aller Vorsicht vor Superlativen: Große Weltliteratur.«

Buch-Magazin

»Die verstörende Geschichte des unglückseligen William Gould (...) wird noch lange im Leser nachhallen.«

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