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Gott im UnglückGott im Unglück

Gott im Unglück

Roman

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Gott im Unglück — Inhalt

Teri und Phil sind ein junges, modernes, erfolgreiches Paar. Sie waren bislang nie darauf angewiesen, sich einen persön lichen Gott zuzulegen, der ihnen Schutz gewährt. Doch jetzt, als Phil seine Beförderung versagt wird, ändert sich die Lage. Und so bestellt er einen Gott im Internet. Die meisten Götter aber verlangen Blut, Geld, Opfer und Keuschheitsgelübde als Gegenleistung. Nur Luka, der Waschbärengott des Wohlstands, ist bescheidener – er möchte lediglich ein paar Tage bei Teri und Phil auf der Couch liegen. Doch das ist nur der Anfang. Denn der Waschbärengott hat nicht vor, wieder zu verschwinden. Und er lädt alle seine Freunde zur Einweihungsparty ein. Gar nicht zu sprechen von seinen Fein den, die auf der Jagd nach Luka noch jeden Menschen aus dem Weg geräumt haben …

Erschienen am 12.11.2012
Übersetzer: Karen Gerwig
400 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-26752-6
Erschienen am 12.11.2012
Übersetzer: Karen Gerwig
400 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-95897-4

Leseprobe zu »Gott im Unglück«

Für Mom und den DFWWW – aus den üblichen Gründen.

 

Für Sally, einfach, weil ich weiß, dass sie total begeistert sein wird, in einer Widmung erwähnt zu werden. Und jeder, der es so lange mit mir aushält, verdient eine gewisse Anerkennung.

 

Für World of Warcraft. For the Horde!

 

Für mich, weil es eine Weile her ist, dass ich mir ein Buch selbst gewidmet habe, und verdammt, mit dem hier hab ich es mir wirklich verdient!

 

Und für Squirrel Girl, die größte Superheldin aller Zeiten. Es stimmt – sie hat Thanos wirklich im Alleingang besiegt. So will es die [...]

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Für Mom und den DFWWW – aus den üblichen Gründen.

 

Für Sally, einfach, weil ich weiß, dass sie total begeistert sein wird, in einer Widmung erwähnt zu werden. Und jeder, der es so lange mit mir aushält, verdient eine gewisse Anerkennung.

 

Für World of Warcraft. For the Horde!

 

Für mich, weil es eine Weile her ist, dass ich mir ein Buch selbst gewidmet habe, und verdammt, mit dem hier hab ich es mir wirklich verdient!

 

Und für Squirrel Girl, die größte Superheldin aller Zeiten. Es stimmt – sie hat Thanos wirklich im Alleingang besiegt. So will es die Kontinuität. Also hört auf zu heulen!

 

EINS


»Hallo. Mein Name ist Anubis. Ich mag lange Strandspaziergänge, überführe gern die Seelen Verstorbener in die Unterwelt und schätze die Kinokunst von Mr Woody Allen.«
Teri verzog das Gesicht und drückte die Pausentaste. »Igitt!«
»Was? Stimmt mit dem was nicht?« Nachdem er sich seit einer Stunde Internetvideos angesehen hatte, wurde Phils Geduldsfaden allmählich immer dünner. Es sah so aus, als könnte seiner Frau kein Gott gut genug sein.
»Sieh ihn dir doch an!«, erwiderte sie. »Er hat einen Hundekopf!«
»Schakal«, korrigierte Phil. »Es ist ein Schakalkopf.«
Sie runzelte die Stirn. »Iiih. Das ist ja noch schlimmer!«
»Wieso ist das schlimmer?«
Sie zuckte mit den Schultern. »Weiß nicht. Ist einfach so. Ich meine, Hunde sind wenigstens nett. Aber Schakale … was lässt sich schon Nettes über Schakale sagen?«
»Er ist kein Schakal, Schatz«, sagte er mit einer gewissen Schärfe in dem Kosewort. »Er hat nur einen Schakalkopf.« Er liebte seine Frau innig, aber jetzt machte sie das Ganze kompliziert. Wäre es nach ihm gegangen, er hätte einfach irgendeinen ausgesucht. Für ihn hätte es jeder x-beliebige pflegeleichte Gott getan.
»Aber was ist das mit der Kinokunst von Mr Woody Allen?«
»Du magst doch Woody Allen«, gab Phil zurück.
»Ja, ich mag ihn. Aber wer sagt schon Kinokunst?«
»Jetzt wirst du spitzfindig.«
»Aber es ist wichtig! Die Worte, die jemand wählt, sagen viel über ihn aus. Und Leute, die Kinokunst sagen, sind prätentiös.«
Er verdrehte die Augen. »Er ist ein Gott. Er darf prätentiös sein.«
»Aber nicht mein Gott. Nein, danke!«
Phil scrollte durch Anubis’ Profil. »Er ist gar nicht so schlecht. Ich finde, wir sollten uns bei ihm anmelden, solange wir können.«
Teri sah ihn mit kühlem Blick an. Sie wählte diesen Blick nicht oft, aber er bedeutete, dass sie sich nicht umstimmen ließ. Er hatte sowieso keine Lust, deswegen zu streiten. Es gab noch massenhaft andere Götter. Irgendwo in den Hunderten von Profilen musste es schließlich einen geben, an dem sie nichts auszusetzen hatte.
Dabei hatte sie recht. So eine Entscheidung traf man nicht leichthin. Die Kette der Ereignisse, die ihn dazu gebracht hatte, die digitalen Seiten von Pantheon.com zu studieren, des zweitgrößten Gottheiten-Vermittlungsportals im Internet, hatte ihn das nicht vergessen gemacht.
Zuerst war da die Beförderung gewesen. Er war mal wieder übergangen worden. Die vierte offene Stelle in genauso vielen Monaten. Stattdessen hatte dieser Arschkriecher von Bob den Schritt auf der Firmenleiter nach oben gemacht – und nicht Phil. Phil hatte sich im Schleimen geübt und machte es inzwischen verdammt gut. Besser als Bob. Sogar so gut, dass er seine Empörung heruntergeschluckt hatte und in Bobs neues Eckbüro rübergegangen war, um seinem neuen Chef zu gratulieren.
Er hatte Bob dabei ertappt, wie er über einen kleinen Altar gebeugt etwas auf Sumerisch intonierte.
»Hallo, Phil.« Das Gesicht voll von schwarzer und roter Farbe, lächelte Bob.
»Hallo, Sir«, erwiderte Phil und tat sein Möglichstes, nicht verärgert zu klingen. »Ich wollte Sie nicht unterbrechen. Ich komme später wieder.«
»Oh, bitte. Keine Sorge.« Beiläufig winkte er in Richtung Altar ab. »Fünf Minuten werden den alten Knaben nicht umbringen.«
Phil beugte sich im Türrahmen vor, auf der Kante zu Bobs Eckbüro mit seinem plüschigen Teppichboden und dem widerlich großen Schreibtisch, der ohne Frage aus irgendeinem seltenen und teuren Holz gearbeitet war, das Phil zwar nicht kannte, das er Bob aber dennoch verübelte. Er versuchte, die hübsche Aussicht auf den Park direkt unter dem Fenster nicht zu bemerken.
»Kann ich etwas für Sie tun?«, fragte Bob.
»Wollte nur gratulieren. Sie haben es verdient.«
»Danke. Ehrlich gesagt bin ich überrascht, dass nicht Sie die Beförderung bekommen haben. Ich war mir sicher, das gemästete Kalb, das ich dem alten Baal geopfert habe, würde nicht reichen. Was haben Sie geopfert?«
»Nichts.«
»Ah, das erklärt es natürlich. Wissen Sie, es schadet nicht, den Opferaltar dann und wann ein bisschen zu beflecken. Hält die Jungs da oben bei Laune.«
»Ich habe keinen.« Phil verschränkte die Arme so fest, dass er sich beinahe den Blutkreislauf abquetschte. »Einen alten Jungen, meine ich.«
»Ehrlich?« Ein neugieriger Ausdruck huschte über Bobs Gesicht, als hätte Phil eben zugegeben, er sei in Wirklichkeit ein Juwelendieb und Transvestitenclown. »Sie sollten sich wirklich einen besorgen. Absolute Notwendigkeit. Ich versteh nicht, wie man ohne ein bisschen Hilfe von oben klarkommen kann.«
Das allein hatte aber noch nicht genügt, Phil zu einer Entscheidung zu bringen.
Auf der Autofahrt nach Hause hatte er, abgelenkt durch seine Sorgen, einen kleinen Unfall mit Blechschaden gehabt. Der Schaden war nicht groß, nur eine Delle in der Stoßstange und eine hässliche Schramme im Lack. Aber der Wagen des anderen Fahrers hatte keinen einzigen Kratzer abbekommen.
Der andere Fahrer zog ein eigentümliches Messer heraus und schnitt sich damit in die Handfläche, um das Blut seinem Gott zu opfern, während er intonierte: »Gepriesen sei Marduk, der meine Versicherungsprämien niedrig hält.«
Phil kam zu Hause an. Als er in die Einfahrt fuhr, war das Erste, was er bemerkte (es war immer das Erste, was er bemerkte), sein Rasen. Er verspottete ihn: ein Symbol seines vielversprechenden Lebens, einst grün und gedeihend, jetzt grünbraun und welk. Er goss und düngte ihn. Hatte sogar einen Spezialisten hinzugezogen. Aber der Rasen starb, und er konnte nichts dagegen tun. Ihn tröstete allein die Tatsache, dass auch sonst keiner in der Nachbarschaft sein Gras zum Wachsen brachte. Da steckte etwas in der Erde, ein alter Fluch, den Coyote auf diesen Flecken Land gelegt hatte: für die Ungerechtigkeiten, die die amerikanischen Ureinwohner von den Europäern zu erleiden gehabt hatten. Die Ureinwohner bekamen die Windpocken und die Vorstädte gelbes Gras. Eine geringe Strafe für den Diebstahl eines Kontinents, musste Phil zugeben. Aber dennoch ärgerlich.
Nur dass seine Nachbarin Ellen heute einen saftiggrünen Rasen hatte.
Phil brauchte gar nicht erst zu raten, was passiert war. Die einen Meter zwanzig große Göttinnenstatue aus Marmorimitat sagte ihm alles, was er wissen musste.
Als Ellens Wagen in ihre Einfahrt fuhr, bemerkte sie Phil, der ihren Rasen beäugte.
»Ziemlich cool, was?«
Er unterdrückte einen Schrei. »Ich dachte, Sie hätten schon einen Gott. Diesen sonderbaren. Den mit den Hörnern und den neun Armen.«
»Oh, klar. Das läuft auch noch ganz gut, aber er ist ein eifersüchtiger alter Ziegenbock«, sagte sie. »Nur leider macht er keinen Rasen. Also habe ich mir einfach einen externen Service geholt. Sie stellen die Statue auf, bringen die Opfergaben dar, und mein Gott wird nicht eifersüchtig und straft mich. So ist es ein Gewinn für alle Beteiligten.« Ellen kniete sich hin und strich auf eine beinah obszöne Art mit der Hand über das Gras. »Dieser Demeter weiß jedenfalls, wie man mit Fingerhirse umgeht, nicht?«
Und damit war es entschieden gewesen. Am nächsten Tag war Phil online gegangen und hatte sich bei Pantheon.com registriert.
Zunächst war Teri dagegen gewesen.
»Du wusstest vor unserer Hochzeit, dass ich keine Götter will«, sagte sie. »Wir haben lange darüber gesprochen.«
»Ja schon, aber …«
»Mein Großvater wurde von einem Wüstengott getötet, das weißt du«, sagte sie. »Nur weil er sich die Haare geschnitten hat.«
»Ja schon, aber …«
»Am Ende kriegen sie dich immer, Phil. Sie bescheißen dich doch ständig. Das kannst du überall in den Geschichtsbüchern nachlesen.«
Er nahm sie in die Arme. Sie sträubte sich zwar ein bisschen, am Ende erwiderte sie seine Umarmung aber.
»Schatz«, sagte sie, »ich weiß, du bist frustriert davon, wie es in letzter Zeit läuft, aber ich glaube nicht, dass du das zu Ende gedacht hast.«
»Doch«, erwiderte er. »Ich habe viel darüber nachgedacht, und für mich ergibt es einen Sinn.«
Sie löste sich von ihm. »Wir haben es doch nicht so schlecht, oder?«
Phil betrachtete sein Haus. Es war sicher nicht groß, aber groß genug. Sie hatten die besten Möbel, die man bei IKEA bekommen konnte; der Fernseher war größer, als es vor zehn Jahren normal gewesen wäre, und sie hatten so viel Schnickschnack und Kunst an den Wänden, dass Teri zufrieden war, das Haus aber nicht zu überladen wirkte. Wobei er auch ohne das Segelbootmotiv ausgekommen wäre. Er hatte es immer merkwürdig gefunden, vor allem angesichts dessen, dass Teri nicht ein einziges Mal übers Segeln gesprochen hatte, seit er sie kannte.
Sie bezahlten ihre Rechnungen und hatten gar nicht so viele Schulden. Nicht mehr als alle anderen auch. Und er hatte eine Frau, die ihn liebte. Er wusste, das hätte ihm genügen sollen. Es hätte jedem Mann mehr als genügen sollen.
Doch das tat es nicht. Nicht wenn jeder Idiot, der bereit war, ein Lamm auf einen Scheiterhaufen zu werfen, im Leben vorankam, während sie sich abstrampelten. Alles wäre super gewesen, wenn sie nur einfach ein kleines bisschen göttliches Eingreifen hätten haben können.
Sie wandte ihm den Rücken zu. »Ich halte es einfach nicht für eine gute Idee, Phil. Das ist alles.«
»Okay, ich sag dir was. Lass uns einfach noch ein paar Tage drüber nachdenken. Versprichst du mir wenigstens, dass du darüber nachdenken wirst?«
»Wenn es dir so wichtig ist.«
Eine Woche verging. Phil ging online und sah sich Clips von verschiedenen Göttern an. Er dachte sogar daran, sich heimlich bei einem anzumelden. Teri musste es ja nicht wissen. Er konnte den Altar oder Schrein oder was auch immer es war, genauso gut woanders aufstellen. Vielleicht bei einem Freund zu Hause. Oder im Geräteschuppen. Er sagte sich, es wäre eine gute Sache, es würde ihr Leben verbessern, und wenn Teri nicht mit angemeldet war, wäre das erst recht super für sie, denn dann konnte sie alle Vorteile genießen, hatte aber keine Verpflichtungen.
Er konnte es nicht. Nicht hinter ihrem Rücken. Wenn sie es taten, dann mussten sie es gemeinsam tun oder gar nicht. Teri würde ihre Meinung zu diesem Thema niemals ändern, aber vielleicht hatte sie ja auch recht. Er hatte ohnehin schon eine Menge Pflichten. Er brauchte nicht noch mehr. Ganz zu schweigen von Pflichten temperamentvollen Gottheiten gegenüber, die dazu neigten, zuerst zu strafen und sich dann nicht einmal die Mühe zu machen, hinterher die Fragen zu stellen. Je länger er darüber nachdachte, desto sicherer war er, dass es eine schlechte Idee gewesen war und Teri ihm damit einen großen Gefallen getan hatte, dass sie es ihm ausredete. Deshalb liebte er sie. Sie hatte den gesunden Menschenverstand, der ihm fehlte.
Am nächsten Tag rief sie ihn bei der Arbeit an.
»Tun wir’s.«
»Was tun?«, fragte er.
»Die Gott-Sache. Tun wir’s.«
Phil brauchte eine Weile, bis er sich an die Diskussion erinnerte, so weit hatte er sie in seinem Kopf nach hinten geschoben. »Aber ich dachte, du wolltest nicht …«
»Wollte ich auch nicht. Aber jetzt habe ich meine Meinung geändert.«
»Ach ja? Warum das?«
»Ich habe heute eine Katze von den Toten auferstehen sehen.«
»Okay.« Phil lehnte sich zurück. »Ich mag Katzen auch, Schatz, aber ich glaube nicht, dass man das als Zeichen betrachten kann.«
»Hör einfach zu. Ich habe die Katze überfahren.«
»Oh, das tut mir leid.«
»Lass mich ausreden«, sagte sie. »Ich bin ausgestiegen und habe nachgesehen – sie war tot. Dann kam dieses kleine Mädchen herüber, das alles gesehen hatte und berührte sie. Da war sie wieder lebendig. Einfach so.«
Er runzelte die Stirn. »Man sollte Kindern nicht erlauben, mit göttlicher Gunst zu spielen.«
»Es geht darum, dass sie ein Leben retten konnte. Und ich dachte, wenn ein kleines Mädchen eine Katze retten kann, was könnte ich dann mit einer solchen Macht anfangen? Und ich dachte, vielleicht hast du recht. Es sind gar nicht die Götter selbst. Es geht darum, was wir aus ihren Gaben machen.«
»Jetzt willst du es also tun? Die Gott-Sache?«
»Ja«, sagte sie. »Vielleicht. Ich weiß nicht. So was nimmt man nicht auf die leichte Schulter, und vielleicht überleg ich es mir später auch wieder anders. Aber es kann nicht schaden, es sich anzusehen, denke ich.«
Phil zögerte.
»Es war doch ursprünglich deine Idee«, erinnerte sie ihn.
»Stimmt.« Er zuckte die Achseln. »Ich glaube auch, dass es nicht schaden kann, sich das mal anzusehen.«
Und jetzt, sechs Stunden später, waren sie wieder auf Pantheon.com und versuchten, den richtigen Gott für sich zu finden.
Sie sahen noch Dutzende weitere durch. Bei den meisten fand Teri einen Grund, sie zu disqualifizieren, und die paar, mit denen sie einverstanden war, gefielen Phil nicht. Einen Gott auszuwählen war nicht so einfach, wie er anfangs gedacht hatte. All die wirklich nützlichen Götter waren stark gefragt, und das wussten sie auch und nutzten es aus. Je mächtiger eine Gottheit, desto mehr verlangte sie von ihren Anhängern. Man musste eine Bonitätsprüfung machen, um Zeus’ Profil überhaupt ansehen zu dürfen, wogegen Tyr verlangte, dass man sich als Zeichen der Hingabe eine Hand abhackte, wenn man die vollen Leistungen in Anspruch nehmen wollte. Und dafür musste man überhaupt erst einmal angenommen werden. Manche Götter erwarteten Blut. Andere Geld. Die meisten wollten Blut und Geld. Aber es gab auch noch weitere Kosten. Schweigegelübde, Armutsgelübde, Keuschheitsgelübde, Rücksichtslosigkeitsgelübde und so weiter. Alles hatte seinen Preis, selbst die geringsten und belanglosesten göttlichen Gefallen. Und Phil und Teri stellten fest, dass sie in den meisten Fällen nicht bereit waren, diesen Preis zu zahlen.
Phil lehnte sich zurück und rieb sich die Augen. Er wollte gerade vorschlagen, die Suche einfach aufzugeben, als sich Teri einschaltete.
»Der da sieht interessant aus. Luka, Gott des Glücks und Wohlstands.«
»Er hat einen Waschbärkopf«, bemerkte Phil. »Ich dachte, du wolltest keinen mit Tierkopf.«
»Nein, ich wollte keinen mit Schakalkopf. Mit einem Waschbärkopf kann ich leben.«
»Wo ist der Unterschied?«
»Waschbären sind süß.«
»Waschbären sind Schädlinge«, konterte er. »Außerdem übertragen sie Krankheiten.«
Sie sah ihn finster an, und er merkte, dass er nicht einmal wusste, warum er widersprach. Abgesehen von dem seltsamen Kopf sah Luka groß, schlank und stolz aus. Er trug ein Gewand in Regenbogenfarben und hatte einen chinesisch anmutenden Hut auf. Phil wusste nicht, wie die Dinger hießen, aber es war einer dieser Hüte, die in Kung-Fu-Filmen immer von den Ratgebern der Kaiser getragen wurden. Die Hände hatte Luka in die losen Ärmel geschoben, dazu lächelte er. Viele der niedereren Götter, die sie heute gesehen hatten, hatten ebenfalls gelächelt. Doch darunter hatte sich eine stille Verzweiflung versteckt, eine Bedürftigkeit, die Phil abstoßend fand. Lukas Lächeln wirkte echt.
Sie klickte den Abspielknopf für sein Video an.
»Ist sie an?« Luka blickte über die Kamera hinweg. »Ja? Sie ist an? Cool.« Er glättete sein Gewand und rückte den Hut zurecht. »Hi, ich bin Luka, Gott des Glücks und Wohlstands. Ich … äh … was soll ich sagen?«
Jemand hinter der Kamera murmelte eine Antwort.
»Ich hasse solche Sachen wirklich.« Luka blickte finster drein. »Seien wir doch ehrlich. Euch ist egal, was ich mag oder nicht mag. Ihr wollt nur wissen, was ich euch bieten kann und was ich zum Ausgleich dafür will. Ich habe schon bessere Tage gesehen. Eigentlich eine ziemliche Ironie, wenn man bedenkt, dass ich ein Gott des Glücks bin.« Er gluckste. »Was ich brauche, ist ein Neuanfang, und vielleicht geht es euch genauso. Ich brauche euer Blut nicht. Nichts von diesem Tieropfer-Unsinn. Ihr werdet euch nicht selbst verstümmeln müssen oder versprechen, die Schuhe rückwärts zu tragen oder den Deckel von eurem Mülleimer offen zu lassen. Und ich gebe offen zu, dass ich euer Leben nicht im großen Stil verändern werde. Das ist nicht so mein Ding. Ich bin eher der Spezialist für glückliche Zufälle: Die Welt kann sich jeden Augenblick ändern, und dann komme ich ins Spiel. Ihr werdet nicht König des Universums oder von allen geliebt oder ein Supersexgott. Aber wenn ihr mich in euer Herz und Zuhause lasst, bitte ich als Gegenleistung um nicht mehr als einen Prozentsatz des Guten, das ich euch zu erlangen helfe. Sagen wir … zehn Prozent? Vielleicht könnte ich auch auf acht runtergehen. Aber das ist meine Untergrenze.«
Er verbeugte sich und starrte noch ein paar Sekunden lang in die Kamera.
»Ist sie noch an? Soll ich noch sagen …«
Das Video endete.
»Ich mag ihn«, sagte Teri.
Phil ging es genauso. Die meisten Götter waren zu … göttlich. So eingebildet. Selbst die niedereren hatten eine anspruchsvolle Aura, als hätte man großes Glück, sie zu haben. Aber dieser hier schien anders zu sein. Luka wirkte zwar majestätisch, aber entspannt. Er wirkte erfrischend bodenständig.
Sie lasen das ganze Profil, nur um sicherzugehen, was sie sich da aufhalsten. Keine Blutopfer, schrägen Rituale oder großen Forderungen. Bloß die standardmäßige Vereinbarung von wegen »im Zuhause willkommen heißen«. Das hatten sie erwartet. Sie hatten sogar schon die Ecke ausgesucht, in die sie ihr neues Götzenbild stellen wollten.
»Ich glaube, er ist der richtige«, sagte Teri.
Phil war froh, etwas gefunden zu haben, worauf er und seine Frau sich einigen konnten. Außerdem war er überglücklich, dass es endlich erledigt war. Ihm war wirklich nicht danach, noch mehr Profile durchzuscrollen. Auf der Seite stand, Luka sei bereit, also erfüllten sie seine minimalen Bedingungen. Die Annahme war nur noch einen Klick entfernt.
Sie stachen sich mit einer Nadel in den Finger und machten sich bereit, gemeinsam den ZUSTIMMEN-Button zu klicken.
Teri musterte das Blut auf ihrer Fingerspitze. »Ich hoffe bloß, das ruiniert mir nicht die Maus.«
Gemeinsam klickten sie den Button. Teri holte Papiertücher, um den roten Fleck wegzuwischen. Dann verbrachten sie noch ein paar Minuten damit, Einwilligungsformulare auszufüllen und Zustimmen-Buttons doppelt und dreifach anzuklicken. Seit es das BGA, das Büro für Göttliche Angelegenheiten gab, war Religion viel arbeitsintensiver geworden, was den Papierkram anging.
»Müssen wir die Statue selbst abholen?«, fragte Teri. »Oder gehört es zum Service, dass sie sie vorbeibringen?«
Es klingelte an der Tür.
Sie gingen beide öffnen.
Ein kleiner Hügel regenbogenfarbenen Gepäcks füllte ihre Veranda. Darauf saß ein Waschbär mit offenem Hawaiihemd und Jeansshorts. Obwohl es Nacht war, trug er eine Sonnenbrille.
»Ihr müsst Phil und Teri sein, richtig?«
Sie nickten.
Der Waschbär hopste von seinem Koffer, stemmte die Hände in die Hüften und nahm eine dramatische Pose ein. »Sehet, euer neuer Gott: Luka, Herr des Glücks und Wohlstands.«
Er zog die Sonnenbrille zur Nasenspitze herunter und lächelte.
»Wo soll ich mit meinem Kram hin?«

Über A. Lee Martinez

Biografie

A. Lee Martinez wurde mit seinen fantastischen Romanen zum Star der humorvollen Fantasy. Er lebt in Dallas, Texas, wo er schreibt, jongliert, Videospiele spielt und Zeitreisen unternimmt. Vielleicht ist er ein Geheimzauberer (das wäre allerdings geheim), und es könnte sein, dass er Gartenarbeit...

Pressestimmen

Ruhr Nachrichten

»Und schon sind 400 Seiten durchgelesen und der Leser hat neben amüsanten Stunden noch eine Sache fürs Leben gelernt: Götter sind auch keine Lösung.«

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