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GlückswegGlücksweg

Glücksweg

Roman

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Glücksweg — Inhalt

Johanna kann es nicht mehr hören: Ihr Job kostet sie den letzten Nerv, ihre Tochter Sara hat Stress in der Schule, und dann immer diese Geldprobleme. Und Kalle, ihr Exmann, sitzt weit weg in Stockholm mit seiner schicken Zahnarztpraxis und neuer Freundin. Doch plötzlich gewinnt Johanna im Lotto, und die ganze Patchworkfamilie wird auf den Kopf gestellt … Hat Johanna wirklich einfach mal Glück gehabt?

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 10.03.2014
Übersetzt von: Wibke Kuhn
384 Seiten, Broschur
EAN 978-3-8333-0938-0
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 10.03.2014
Übersetzt von: Wibke Kuhn
384 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7668-7

Leseprobe zu »Glücksweg«

Johanna

Die beiden schlafen immer noch. Wie zwei unförmige Bündel liegen sie unter ihren Decken

„Hallo, Mädels“, sagt Johanna. „Aufwachen, Papa ist gleich hier.“

Langsam beginnen sie sich zu rühren, wenn auch sichtlich widerwillig.

Sie schaut sich um. Kleidungsstücke liegen überall auf dem Boden verstreut, auf Stühlen und Bettpfosten. Haarbürsten und Kosmetika und Schulbücher. Die Koffer sind noch offen, anscheinend sind sie nur halb fertig gepackt. Am Boden neben Saras Bett liegt ein aufgeschlagenes Comicheft.

„Nicht wieder einschlafen, ihr müsst noch [...]

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Johanna

Die beiden schlafen immer noch. Wie zwei unförmige Bündel liegen sie unter ihren Decken

„Hallo, Mädels“, sagt Johanna. „Aufwachen, Papa ist gleich hier.“

Langsam beginnen sie sich zu rühren, wenn auch sichtlich widerwillig.

Sie schaut sich um. Kleidungsstücke liegen überall auf dem Boden verstreut, auf Stühlen und Bettpfosten. Haarbürsten und Kosmetika und Schulbücher. Die Koffer sind noch offen, anscheinend sind sie nur halb fertig gepackt. Am Boden neben Saras Bett liegt ein aufgeschlagenes Comicheft.

„Nicht wieder einschlafen, ihr müsst noch fertig packen. Na los, steht auf.“

Sie streicht den beiden über die Haare.

„Mm. Gleich.“

Wie immer antwortet nur Agnes. Sara sagt überhaupt nichts. Hoffentlich hat sie sich jetzt nicht in den Kopf gesetzt, dass sie sich weigern will mitzufahren. Das kommt ab und zu vor, und dann muss man sie erst wieder überreden.

Johanna klaubt ein paar Kleidungsstücke aus einem Haufen und versucht herauszufinden, ob sie sauber sind oder in die Wäsche gehören. Sie findet eine Jeans, ein T-Shirt und eine Bluse, die sie gerade erst gebügelt hat, die aber schon wieder zerknittert ist.

Sie nimmt weitere Kleidungsstücke von dem Haufen, aber nicht so richtig zielstrebig. Es sieht aus, als wäre es unmöglich, in dieses Chaos wieder Ordnung zu bringen. Sie greift nach einem gestrickten Baumwollpulli, der zerknüllt ganz unten liegt. Er ist feucht. Sie zieht ihn hervor und stellt fest, dass er unangenehm riecht.

„Sara?“

Keine Antwort.

„Sara.“

„M-hm?“

Sara schlägt die Augen auf, und Johanna hält ihr den Pulli unter die Nase.

„Was ist das denn?“

„Was?“

„Der Pulli. Der ist nass und stinken tut er auch. Was hast du damit gemacht?“

Sara dreht sich zur Wand und macht die Augen wieder zu.

„Hast du was verschüttet? Warum hast du ihn denn nicht in die Wäsche getan?“

„Das ist nix.“

„Ach, nein? Hey, kannst du mich wohl mal anschauen?“

Sara dreht sich halb um. Johanna zeigt ihr den Pullover.

„Was riecht denn da so?“

„Milch.“

Kurze Pause.

„Warum?“

Sara schweigt. Dann setzt sie sich im Bett auf und reibt sich die Augen.

„Das waren welche aus meiner Klasse. Aber war bloß Spaß.“

„Die haben dir Milch auf den Pulli gekippt?“, fragt Johanna. „Aus Spaß?“

Agnes hat den Kopf vom Kissen gehoben und schaut von ihrem Bett herüber.

„Mein Gott, Mama! Du hast doch gehört, was sie gesagt hat.“

Sie hat einen ganz bestimmten Ausdruck in den Augen, der schon von einer gewissen Reife spricht, der nicht mehr bloße Revolte ist, sondern tatsächlich Respekt verlangt. Die fünfzehnjährige Agnes ist wesentlich erwachsener und vernünftiger als die dreizehnjährige Sara. Was zwei Jahre so ausmachen können.

„Schon gut“, sagt Johanna. „Aber jetzt steht auf und zieht euch an.“

Sie nimmt den Pullover mit und lässt ihn in den Wäschekorb fallen, als sie an ihrem eigenen Schlafzimmer vorbeikommt. Dabei wirft sie einen Blick auf die Uhr. Halb elf schon. Sie hört, wie ihre Töchter aufstehen und sich fertigmachen. Immerhin, keine Verweigerung heute.

Vom Küchenfenster aus sieht man den Parkplatz in seiner ganzen grauen Schwere. Geschlossene Wolkendecke, der Oktoberhimmel hat eine undefinierbare Nicht-Farbe. Es schüttet. Der Wind reißt an den kahlen, knorrigen Ästen der Bäume, die die Rabatte säumen. Sie späht zum Außenthermometer, aber es funktioniert natürlich immer noch nicht. Das war schon letzten Winter kaputt, aber irgendwie hat sie es nie geschafft, ein neues zu kaufen. Nicht, dass sie unbedingt eines bräuchte, aber trotzdem.

Jetzt sieht sie das schwarze, glänzende Auto an den Dreifamilienhäusern vorbeirollen. Kalle würde nie mit einem dreckigen Auto herumfahren. Er biegt auf seinen gewohnten Platz neben dem Sandkasten, in dem der Sand schon voller Unkraut ist. Die Bank daneben, auf der sie immer mit ihm saß und Kaffee aus der Thermoskanne trank, während sie den Kindern beim Spielen zusahen, sieht nach all den Jahren ganz schön schäbig aus. Die grüne Farbe ist fast ganz abgeblättert, und in der Rückenlehne fehlen mehrere Bretter. Aber es hat sich nie jemand darum gekümmert.

Durch die nasse Fensterscheibe sieht sie ihn aussteigen, das Auto absperren und auf die Haustür zugehen. Wie er sich anstrengt, ganz entspannt und natürlich zu wirken. Als hätte er nicht die geringsten Sorgen im Leben.

Sie sieht, dass er gerade erst beim Friseur war, die Haare sind kürzer als sonst. Vielleicht will er damit vertuschen, dass er schon ganz schöne Geheimratsecken kriegt. Neben seiner Neuen, dieser Fanny, muss er wohl zusehen, dass er so jung wie möglich wirkt.

Johanna weiß immer noch nicht, wie Fanny aussieht. Sie stellt sich immer eine blonde, schlanke Frau vor. Seltsam gesichtslos.

Die Kinder haben Kalles neue Freundin auch noch nicht richtig kennengelernt, nur immer mal kurz gesehen. Jedes dritte Wochenende, also dann, wenn die Kinder bei ihm sind, übernachtet sie woanders. Vielleicht fand Kalle, dass das für den Anfang eine gute Lösung ist, bis sie sich ihrer Beziehung sicher sind. Aber dann ist es wohl einfach dabei geblieben. Johanna hat nie gefragt, was das für Gründe hat, sie weiß, dass sie sowieso keine Antwort bekommen würde. Kalle mag es nicht, wenn sie sich einmischt.

Als sie gerade die Tür aufmachen will, sieht es aus, als würde er zum Fenster hinaufblicken, und sie hebt aus reinem Reflex die Hand, um ihm zu winken. Kalle winkt nicht zurück, und sie weiß nicht recht, ob er sie gesehen hat oder nicht. Vielleicht macht der Regen sie unsichtbar hinter der Fensterscheibe. Vielleicht ist sie genauso durchsichtig wie das Glas.

Unten fällt die Haustür ins Schloss. Hallende Schritte im Treppenhaus. Er scheint jetzt ein ganz anderes Gewicht in den Schuhsohlen zu haben als damals, als er zum ersten Mal die Treppe hochrannte.

Sie weiß noch, wie sie eingezogen sind. Sechzehn Jahre ist das inzwischen her. Beide fanden sie die Wohnung und die Lage völlig perfekt. Glücksweg Nummer drei. Wie zum Zeichen dafür, dass sie irgendwann zu dritt sein würden. Dann waren sie irgendwann sogar zu viert. Aber jetzt sind sie wieder zu dritt.

Es klingelt an der Wohnungstür. Sie kapiert nicht, warum er immer klingeln muss. Er weiß doch ganz genau, dass hier keiner seine Tür absperrt.

Sie macht ihm auf, und da steht er. Wie ein weitgereister Besucher, dessen Stress und Ungeduld aus jeder Bewegung spricht.

„Sind die beiden fertig?“

Nicht mal ein Hallo. Von Frieden und neutraler Freundschaft scheinen sie immer noch weit entfernt zu sein. Auch noch neun Jahre später. Sie atmet tief und ruhig durch und beherrscht sich.

Er kommt in den Flur und bleibt auf der Fußmatte stehen. Auf den Schultern seiner Freizeitjacke sieht man dunkle Punkte von den Regentropfen. Die Jacke ist von irgendeiner teuren Marke, wie seine gesamte Kleidung. Er trägt weiße Turnschuhe und eine Jeans, die genau so abgetragen ist, dass es noch gut aussieht. Immer so tadellos, so frisch gewaschen und fleckenfrei.

Damals im Gymnasium war er eine Klasse über ihr. Nächstes Jahr wird er vierzig. Aber soweit sie es erkennen kann, hat er immer noch kein einziges graues Haar auf dem Kopf. Seine Haare sind immer noch so dunkelbraun wie damals, als sie sich kennenlernten.

Agnes und Sara haben beide Kalles Haarfarbe geerbt, darüber ist sie auch froh. Ihre Haare sind eher aschblond. Die Kinder haben aber unterschiedliche Augenfarben: Bei Agnes sind sie schiefergrau, wie Kalles, bei Sara sind sie blau, womit sie in der Familie ganz allein dasteht.

„Möchtest du einen Kaffee?“, fragt Johanna.

Reiner Reflex, so was sitzt einfach im Rückenmark. Bevor er antworten kann, geht sie schon in die Küche und macht den Schrank auf, um eine Tasse herauszunehmen.

„Nein, danke.“

Sie macht die Tür wieder zu. Dabei fällt ihr ein, dass der Kaffee sowieso alle ist und sie vergessen hat, neuen zu besorgen. Auch egal.

„Sind sie fertig?“, fragt er noch einmal.

Sie zieht die Küchentür zu und sucht seinen Blick.

„Hast du kurz Zeit?“

„Worum geht’s denn?“

Sie senkt die Stimme.

„Um Sara.“

„Was ist denn mit ihr?“

„Ich mach mir Sorgen.“

„Ja?“

Er wippt rastlos auf den Fersen vor und zurück.

„Ich hab einen Pulli in ihrem Zimmer gefunden“, sagt sie. „Er war total nass, weil ihr jemand im Speisesaal in der Schule Milch drübergegossen hat.“

Kalle setzt sich auf einen Küchenstuhl und greift zur Lokalzeitung, die er hastig und mit unverhohlener Verachtung durchblättert. Er schlägt sie wieder zu und wirft sie auf den Tisch. Dann steht er auf.

„Was sagt sie selbst denn dazu?“

„Nicht so viel. Eigentlich gar nichts.“

„Das muss doch nichts Ernstes sein.“

„Aber sie hat schon seit der Fünften keine richtige Freundin mehr gehabt.“

Er zuckt mit den Schultern.

„Du weißt doch, wie Mädchen in dem Alter sind“, meint er. „Das geht immer eine Weile gut, dann sind sie eine Weile beste Freundinnen, und danach kommt eine andere. Und gibts die Intrigen.“

„Ja. Aber trotzdem. Da gab‘s schon mehr Sachen in der Art.“

„Bist du sicher, dass du das nicht aufbauschst?“

„Ich weiß nicht. Ich hab mir bloß Gedanken drüber gemacht.“

„Jetzt machen wir da kein großes Ding draus. Abwarten und Tee trinken.“

Er geht aus der Küche in den Flur, bleibt aber vor der Tür stehen.

„Ich wollte dir noch was sagen. In Zukunft müssen die beiden mit dem Zug zu mir kommen und wieder zurückfahren. Die sind jetzt groß genug.“

„Mit dem Zug? Hm. Na ja, gut … das geht bestimmt.“

Er steht halb von ihr abgewandt im schwachen Licht. Einen Moment treffen sich ihre Augen, dann sieht er schnell wieder weg. Sie kennt seine Art, Blicken auszuweichen, vorbeizuschauen an der Person, die vor ihm steht. Das hat er früher oft gemacht.

„Und dann hab ich auch noch mal über die Zulage zum Unterhalt nachgedacht“, fährt er fort. „Die gibt es ab jetzt auch nicht mehr.“

Johanna rührt sich nicht.

„Ich bezahl jetzt schon seit vier Jahren mehr, als ich müsste. Langsam reicht es. In Zukunft bezahle ich nur noch den normalen Unterhalt.“

Die Worte sickern langsam in ihren Kopf. Dann überkommt sie plötzlich ein Frösteln, und sie umfasst ihre Oberarme. Sie hat das Gefühl, dass es von irgendwoher kalt zieht.

„Soll heißen, das gilt ab sofort?“

Sie bemüht sich, ihrer Stimme Festigkeit zu verleihen.

„Ja. Wir müssen unser eigenes Leben leben, so ist das einfach. Fanny und ich machen Ernst, wir sind zusammengezogen und so. Es geht einfach nicht mehr, dass du wirtschaftlich von mir abhängig bist. Das verstehst du doch, oder? Das konnte doch nicht ewig so weitergehen.“

Er geht ins Treppenhaus.

„Sieh zu, dass sich die beiden beeilen“, sagt er. „Ich warte im Auto.“

Er zieht die Tür hinter sich zu. Sie steht im Flur und versucht zu begreifen, was gerade passiert ist.

 

Sie sitzt am Küchentisch und vor ihr liegen die ganzen Rechnungen. Sie hat sie auf der Wachstuchtischdecke ausgebreitet und tippt die Zahlen immer wieder in den Taschenrechner ein. Nicht, dass das nötig wäre, sie weiß sowieso schon, dass sie diesen Monat ins Minus gerutscht ist. Ihr fehlen dreitausend Kronen.

Die dreitausend, die sie sonst jeden Monat von Kalle zusätzlich zum Unterhalt bekommen hat. Die Zulage, die er ihr gezahlt hat, seit er die Hochschule abgeschlossen und in dieser Zahnarztpraxis angefangen hat. Mit diesem Geld kann sie jetzt nicht mehr rechnen.

Eine neue Inkassoforderung liegt zwischen den anderen Zetteln. Johanna starrt auf die Zahlungsfrist, ein Datum, das mit rasendem Tempo näher rückt.

Neben ihr steht der Laptop auf dem Tisch, damit sie die Formel-1-Ergebnisse der letzten Woche checken und sich aufs nächste Wochenende vorbereiten kann. Sie hatte sich vorgenommen, erst zu nachzuschauen, wenn sie alle Rechnungen durchgesehen hat, aber ihre Augen werden unwiderstehlich vom Monitor angezogen. Schließlich lässt sie ihren Vorsatz fahren und scrollt die Liste mit den Punkten durch. Nächstes Wochenende ist die Suzuka-Bahn in Japan dran. Obwohl Sebastian Vettel die WM im Prinzip schon klar gewonnen hat, steht viel auf dem Spiel. Im Kampf um den zweiten Platz liegen der Zweit-, Dritt- und Viertplatzierte nur drei Punkte auseinander.

Sie wendet sich noch einmal ihren Rechnungen zu, aber plötzlich wird ihr alles viel zu viel. Sie steht auf und geht durch ihre kleine Dreizimmerwohnung. Nirgends irgendwelche Wertsachen, die man verkaufen könnte. Wird sie es sich leisten können, diese Wohnung zu halten? Oder müssen sie sich bald zu dritt in eine Zweizimmerwohnung quetschen? Natürlich würde das gehen, dann müssten sich die Kinder eben ein Zimmer teilen, so wie jetzt auch, und sie selbst könnte im Wohnzimmer schlafen. Aber das hier ist doch ihr Zuhause.

Sie bleibt auf der Schwelle zum Schlafzimmer stehen, das fast ganz ausgefüllt wird von dem großen Bettgestell, das Kalle und sie damals bei IKEA gekauft haben. Richard hat seine Federkernmatratze mitgenommen, als er ging. Jetzt steht nur noch das Bettgestell da, und die eine Hälfte klafft leer wie eine Zahnlücke.

Sie weiß noch, wie Richard immer aussah, wenn er schlief, den kleinen teigigen Körper in die Decke gewickelt, leicht schnarchend.

Sie kann die Toilettenspülung und das Herabplumpsen des Toilettensitzes geradezu hören. Morgens, wenn sie mit den Kindern in der Küche frühstückte. Wenn Richard aufwachte und aus dem Bett stieg, ohne auch nur guten Morgen zu sagen. Wie sie die Toilettentür aufgehen hörte, wenn er fertig war, und wie er sich dann sofort an den Computer setzte.

Was hat sie an dem Kerl eigentlich gefunden? Nach Kalle?

 

Johanna macht sich eine Tasse Tee und nimmt sie mit ins Zimmer ihrer Töchter, zusammen mit den zwei Tüten Salzlakritz. Soll sie für die beiden aufräumen, bevor sie heimkommen? Agnes und Sara haben viel Zeug, und es wird nicht weniger werden, wenn sie am Sonntagabend zurückkommen und die übliche Ladung neuer Markenklamotten aus Stockholm mitbringen, die Kalle ihnen aufgeschwatzt hat. Die Shirts und Strickjacken und Jeans und Kleider und Schuhe. Aber es sieht so aus, als hätten die beiden wenig Lust, diese Sachen zu tragen, denn die Tüten verschwinden irgendwo im Kleiderschrank und werden nicht mehr angeschaut. Macht auch nichts. Johanna wird bloß ganz schwach bei dem Gedanken, was das alles gekostet haben muss.

Sie sammelt wahllos ein paar Sachen auf und versucht, irgendwo in diesem Chaos einen Anfang zu finden. Ihr fällt ein, dass Kalle und Fanny eine Reinigungsfirma bezahlen, die jeden Freitag kommt und putzt. Für zwei gesunde Erwachsene in einer Vierzimmerwohnung.

Saras Schultasche liegt achtlos hingeworfen in einer Ecke. Johanna hebt sie auf, stellt sie auf den Schreibtischstuhl und muss daran denken, was die Kinder ihr noch erzählt haben: Fanny hat eine ganzes Regal im Flur voll mit Handtaschen, deren Wert Agnes gegoogelt hat und Johanna gar nicht richtig fassen kann. Und im Schrank, der eigentlich eher ein kleines Zimmer mit Kleidern und Schuhen vom Boden bis zur Decke ist, hat Kalle reihenweise Hemden und Jacken hängen und Fanny ein Meer aus Designerkleidern.

Anna Fredriksson

Über Anna Fredriksson

Biografie

Anna Fredriksson arbeitete viele Jahre als Drehbuchautorin für Film- und TV-Produktionen in Schweden, u.a. für die Wallander-Filme. Außerdem war sie als Lektorin und Verlegerin tätig. Sie lebt in Stockholm mit ihrem Mann und drei Söhnen.

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