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Glücklicherweise waren nur Putzfrauen an Bord

Glücklicherweise waren nur Putzfrauen an Bord

Die schönsten sprachlichen Abstürze von Politikern, Behörden und Mediengrößen

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Glücklicherweise waren nur Putzfrauen an Bord — Inhalt

Patrick Lindners Kindheit war verwirrend: »Es hat mir an nichts gefehlt, aber ich musste auf vieles verzichten.« Franziska van Almsick hält dagegen: »Ich habe viel erlebt – besonders in der Vergangenheit.« Ob Prominenz der Intelligenz schadet? Aber was soll man erwarten in einem Land, in dem Verspätungen sich »fahrplanmäßig« ereignen und »bei Dämmerung mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen ist«?

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 15.09.2014
160 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-98147-7

Leseprobe zu »Glücklicherweise waren nur Putzfrauen an Bord«

Gründe, im Grabe zu rotieren

 

… Flackernd steigt die Feuersäule / Durch der Straßen lange Zeile / Wächst es fort mit Windeseile / Kochend wie aus Ofens Rachen / Glühn die Lüfte, Balken krachen / Pfosten stürzen, Fenster klirren / Kinder jammern, Mütter irren / Tiere wimmern / Unter Trümmern / Alles rennet, rettet, flüchtet / Taghell ist die Nacht gelichtet …

 

War Friedrich Schiller der erste Katastrophenreporter? Auf jeden Fall kennt er sich aus mit den Anforderungen an einen solchen Text. Jedes Wort in seinem »Lied von der Glocke« ist wohlgesetzt, [...]

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Gründe, im Grabe zu rotieren

 

… Flackernd steigt die Feuersäule / Durch der Straßen lange Zeile / Wächst es fort mit Windeseile / Kochend wie aus Ofens Rachen / Glühn die Lüfte, Balken krachen / Pfosten stürzen, Fenster klirren / Kinder jammern, Mütter irren / Tiere wimmern / Unter Trümmern / Alles rennet, rettet, flüchtet / Taghell ist die Nacht gelichtet …

 

War Friedrich Schiller der erste Katastrophenreporter? Auf jeden Fall kennt er sich aus mit den Anforderungen an einen solchen Text. Jedes Wort in seinem »Lied von der Glocke« ist wohlgesetzt, die Information ist umfassend, die Bilder stimmen. Und selbstverständlich liefert der Dichter auch die nötige Portion Sensation. Die Katastrophen sind seither nicht kleiner geworden, Reporter und Journalisten haben viel zu tun in diesen Tagen. Gierig wie des Ofens Rachen fordern nicht nur die klassischen Druckmedien immer mehr Information, um sie zu verheizen, hinzu kommen die audiovisuellen Medien und das Internet. Katastrophenberichte werden gern genommen, besonders wenn darin Balken krachen, die Lüfte glühen und alles kopflos durch die Gegend rennt. Aber das genügt nicht als Futter für das gierige Monster im Ofen. Weil das Desaster nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, wird es mit trivialem Restmüll, Reality genannt, angereichert. Da wird zur Nachricht, was eigentlich niemanden interessieren dürfte, geistige Vollpfosten stürzen sich auf die Medien, dass die Balken krachen und die Fenster nur so klirren. Und weil das Medium nach neuem Futter giert, lassen auch Politiker, Prominente und andere menschliche Wesen im Glauben an ihre eigene Bedeutung flackernd ihre Feuersäule aus Banalitäten und Leerinformationen emporsteigen. Nein, Mangel an Information ist unser Problem nicht. Neben tatsächlichen und ausschließlich verbalen Katastrophen wird mittlerweile auch die letzte Privatheit in den Rachen des Ungeheuers geworfen, face to facebook jammern Kinder und Männer, irren Frauen und Mütter, und je alltäglicher die Information, umso mehr wächst sie fort in Windeseile. Millionen followers können nicht irren, postet mehr … Apropos : Nein, besser sind sie nicht geworden seit Schillers Zeiten, all die Sänger des Desasters und die Barden des Trivialen. Der Schwall ihrer Worte wächst und wächst durch der Zeilen lange Straße, und was als Katastrophenbericht heute oft herauskommt, klingt zum Beispiel so:

 

»… da man Menschen in dem brennenden Flugzeug vermutete. Glücklicherweise waren nur Putzfrauen an Bord.« Moosburger Zeitung

 

Man weiß nicht genau, wo Friedrich Schiller begraben liegt, in Weimar oder in Bonn. Ein guter Weg, es herauszufinden, wäre, obigen Putzfrauen-Text auf dem Friedhof laut zu verlesen. Schiller würde im Grabe rotieren.

 

Wenn die Sprache Fallen stellt

 

Beginnen wir sozusagen mit der Morgenzeitung. Das gedruckte Wort hat noch immer mehr Gewicht als das gesprochene, heißt es gemeinhin – auch wenn die Zeiten, in denen man sich mit der Zeitung gemütlich am Frühstückstisch niederließ, um sich via Papier zu informieren, dank Tablet-PC und Online-Überinformation vielerorts der Vergangenheit angehören. Wenn man schon Zeitung liest, erwartet man jedoch von den Ergüssen der schreibenden Zunft ein gewisses Maß an Qualität, wenn es sich denn nicht gerade um ein Revolverblatt handelt. Zumal ein ganzer Stab von Mitarbeitern daran beteiligt ist, Fehler auszumerzen – von den korrigierenden Computerprogrammen ganz zu schweigen. Und doch schleicht sich immer wieder der eine oder andere Fauxpas in die täglichen Meldungen ein. Mit den folgenden sprachlichen Kostbarkeiten erfreuten Journalisten in gedruckten Medien ihre Leser und Abonnenten :

 

»Die meisten Hunde begrüßten den Schirmherrn der Ausstellung, Herrn Bürgermeister Schulze, mit freudigem Schwanzwedeln. Unser beliebtes Stadtoberhaupt erwiderte den Gruß mit derselben Herzlichkeit!« Aus einem Bericht über eine Hundeschau

 

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»160 Häftlinge warten auf den Tag der offenen Tür.« Hamburger Abendblatt

 

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»An einem Gebiss hatte das Fundamt lange zu knabbern.« Starnberger Tagblatt

 

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»Briefkastenleerung in Neuß: Fast alle Fahrer kamen pünktlich zu spät.« Aus dem Kölner Stadtanzeiger

 

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»Im fränkischen Hexenkessel wurde nicht nur viel Schweiß, sondern auch ein paar Zähne vergossen.« Südwest Presse, Ulm

 

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»Auf jeden Grafschafter Kopf fallen 288 Eier pro Jahr.« Grafschafter Nachrichten

 

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»Deutsche Regierung verlängert Kurzarbeit « Schlagzeile auf www.presse.com

 

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»Rund 700 Pfund wiegt dieser 2-Zentner-Mann. « Hessische Allgemeine Zeitung

 

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»Empörte Bauern aus Diepholz trieben Schweine vor den Bundestag. Landwirtschaftsminister Borchert sprach mit ihnen.« Wolfsburger Nachrichten

 

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»Politisch motivierte Gewalttaten sind in Bayern um 11,4 Prozent zurückgegangen. Die demokratische Grundordnung sei dadurch nicht gefährdet, meint Innenminister Günther Beckstein.« Mittelbayerische Zeitung

 

VIP-Sein schützt vor Schwachsinn nicht

 

Schöne Prinzessinnen und attraktive Thronfolger, skandalumwitterte Prominente und nicht zuletzt unsere modernen Gladiatoren, die Fußballer: Sie alle halten die Journaille beschäftigt und dienen dazu, dem Durchschnittsmenschen ein wenig Glanz in seine bescheidene Behausung zu bringen. Da wird frei erfunden, so manche Ente in die Welt gesetzt und selten gewissenhaft recherchiert – geschweige denn redigiert. Hauptsache, die Meldung sitzt. Dabei sind es nicht nur die schillernden Stars der Society, die für die Glamour-Sparte herhalten müssen …

 

»Auch seine beiden Söhne hat Saddam Hussein sehr gern. Er nahm sie schon als 6-Jährige zu Hinrichtungen mit.« Die Bunte

 

Promi-Tratsch mit Krone …

 

Schon merkwürdig, dass es gewöhnliche Menschen mit rotem Blut so brennend interessiert, was die Blaublütigen dieser Welt erleben oder was ihnen zustößt. Seit dem 9. November 1918 haben wir Deutschen es nun ohne Kaiser ausgehalten, und so richtig vermisst hat ihn doch keiner – möchte man meinen. Aber das Bedürfnis der Leser nach Klatschgeschichten aus der Welt der Adligen erzählt eine ganz andere Geschichte. Dabei müssen es nicht mal die sonst so aufmerksamkeitsträchtigen Meldungen der Rubrik Sex & Crime sein, um Leser oder Zuschauer anzuziehen. Apropos: Es sind nicht nur ältere Zeitgenossen, die vom Glanz des Adels geblendet werden. Schon die Jugend interessiert sich brennend für die Probleme der Aristokratie, wie das folgende Beispiel uns zeigt:

 

»Die Periode der Königin Elisabeth dauerte 30 Jahre.« Aus einem Schüleraufsatz

 

Kurzum: Wenn es um die Blaublütigen dieser Welt geht, wird aus einem an sich alltäglichen Ereignis schnell eine Schlagzeile. Und auch die letzten Dinge sind noch gut für eine Meldung.

 

»Bleich kam die Monarchin in dem Hotel an, in dem die drei Toten sie beschützen sollten. « tz, München

 

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»Das beliebteste Mitglied der königlichen Familie starb im Alter von 1001 Jahren im Beisein ihrer Tochter Elizabeth.« Unbekannte Radiomoderatorin

 

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Doch auch die lebenden Aristokraten sind immer für einen unvergesslichen Satz gut:

 

»Auf Muttis Schoß fühlt sich der 24 Monate alte Prinz genau so sicher wie sein Vati.« Bild

 

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»Im August vorigen Jahres stellte man innerhalb der Mauern einen Mann, der angab, in Prinzessin Anne verliebt zu sein; man hielt ihn für geistesgestört.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

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»Auch die Fürstin von Bismarck hat Butler Harry in allerbester Erinnerung: Eine wundervolle Hausfrau. Sie kümmert sich um nichts.« Bild

 

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Über Norbert Golluch

Biografie

Norbert Golluch arbeitete als Redakteur einer Satire-Zeitschrift und Verlagslektor, bevor er zahlreiche Sachbücher, Kinderbücher und eine Vielzahl humoristischer Texte veröffentlichte, zuletzt den Bestseller „Stirbt ein Bediensteter während der Dienstreise, so ist die Dienstreise beendet“. Er lebt...

Pressestimmen

Zeitbühne

»Wer einmal so richtig herzhaft lachen will, ist mit diesem Buch (...) gut beraten.»

Rätsel & Freizeit

»Vergnügliches Sammelsurium.«

Stern über Norbert Golluch

Herrlich blöd!

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