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Glück ist in der kleinsten HütteGlück ist in der kleinsten Hütte

Glück ist in der kleinsten Hütte

Unser Traum vom Tiny House

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Glück ist in der kleinsten Hütte — Inhalt

Der Tiny-House-Trend ist die Lösung für preiswertes Wohnen mit Stil
Noch vor einem Jahr drehte Nicole einfach die Heizung höher, wenn ihr kalt war – heute geht sie raus, um Holz für den Kamin zu hacken. Damals traf man sich in der Bar gleich nebenan – heute sitzen sie und ihr Mann lieber mit Freunden um ein Lagerfeuer und bestaunen die Sterne. War Nicole früher oft ausgebrannt und müde, hat sie heute nur dann Augenringe, wenn der Hahn morgens um fünf zu krähen anfängt. Was als Schnapsidee zweier Großstädter begann, wurde für Nicole und Carsten zum Upcycling-Traum mitten in der Natur: In vielen Stunden Handarbeit verwandelten sie einen alten Bauwagen in ein gemütliches Zuhause vor den Toren Hamburgs und wurden damit zu Vorreitern der Tiny-House-Bewegung, die immer mehr Anhänger findet.

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 02.05.2019
224 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06159-9
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 02.05.2019
224 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99398-2

Leseprobe zu „Glück ist in der kleinsten Hütte“

Prolog

Zwischen Chaos und Lebensfreude

Es ist eiskalt, windig, und es regnet. Ich versuche verzweifelt, den Kamin anzuwerfen. Doch statt gemütlich knisternder Wärme bekomme ich einen dicken Schwall Rauch ins Gesicht. Meine Augen brennen, ich huste, der Kohlenmonoxidmelder schreit los, als gäbe es kein Morgen. Zehn Quadratmeter sind eben schnell komplett verqualmt, wenn unaufhörlich Rauch nachströmt. Ich reiße die Tür auf, um den giftigen Schwaden zu entkommen. Von draußen strömt frische Luft herein. Meine Lungen freuen sich, aber dadurch wird es noch [...]

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Prolog

Zwischen Chaos und Lebensfreude

Es ist eiskalt, windig, und es regnet. Ich versuche verzweifelt, den Kamin anzuwerfen. Doch statt gemütlich knisternder Wärme bekomme ich einen dicken Schwall Rauch ins Gesicht. Meine Augen brennen, ich huste, der Kohlenmonoxidmelder schreit los, als gäbe es kein Morgen. Zehn Quadratmeter sind eben schnell komplett verqualmt, wenn unaufhörlich Rauch nachströmt. Ich reiße die Tür auf, um den giftigen Schwaden zu entkommen. Von draußen strömt frische Luft herein. Meine Lungen freuen sich, aber dadurch wird es noch kälter in meinem neuen Zuhause. Was jetzt? Tod durch Kälte? Oder lieber durch Rauch? Eine schwere Entscheidung. Erst mal setze ich den lärmenden Melder vor die Tür. Ich weiß, da gehört er nicht hin. Es hat schließlich einen Grund, dass er gerade jetzt zur Höchstform aufläuft. Aber ich kann kaum denken bei dem Krach, und dass ich den Kamin irgendwie davon überzeugen muss, den Rauch nach oben hinauszublasen und nicht nach unten ins Wohnzimmer hinein, das ist mir inzwischen auch ohne technische Gerätschaften klar. Höchst dilettantisch schütte ich eine Flasche Wasser in die Luke des Kamins, um die Glut zu killen. Langsam hört es auf zu rauchen. Erst gestern haben wir das Ofenrohr gereinigt. So ein verdammter Mist, wieso zieht das blöde Ding denn jetzt nicht? Ist es der Wind? Heute bläst er stark von Osten, anstatt aus südlicher Richtung wie in den Wochen zuvor. Liegt es daran? Ehrlich gesagt, habe ich überhaupt keine Zeit, mich darum zu kümmern. Ich bin schließlich gerade im Home Office und habe noch einiges an Arbeit vor mir. Das Heizungsproblem muss bis nach Feierabend warten. Hoffentlich findet sich dann eine Lösung, der Winter hat doch gerade erst begonnen. Ich wickle mir eine dicke Wolldecke um die Beine und setze mich bei geöffneter Bauwagentür wieder vor meinen Laptop. Dann schreibe ich den Artikel für den Kunden eben unter Zähneklappern fertig. Kurz, aber wirklich nur ganz kurz, wünsche ich mich zurück in die beheizten Räume meiner Stadtwohnung. Die Heizung dort rauchte nie. Aber sie knisterte abends auch nicht so schön, wie das unser Ofen tut – solange der Wind aus Süden weht.

Ein paar Hürden gibt es immer auf dem Weg zum Glück. Erst recht, wenn das eigene Glück darin besteht, sehr viele Dinge zum ersten Mal zu tun. Ein wenig Trial-and-Error gehört da zum Programm. Doch wie viel Error ist erträglich? Unser selbst gebautes Tiny House ist noch nicht einmal halb fertig. Das geplante Schlafloft, mit dem wir unseren acht Meter langen Bauwagen um eine Etage erweitern wollen, ist nur ein kahles Gerüst, der Zugang zur zweiten Hälfte der unteren Etage ist mit einem Brett vernagelt. Dort fehlen noch Wände, der Boden ... na ja, eigentlich alles. Nur der kleine Bereich, in dem ich fröstelnd vor dem Laptop sitze, ist einigermaßen isoliert – und nun voller Rauch. Weitere Rückzugsmöglichkeiten gibt es nicht. Sieht so nun mein Leben aus? Ist das der Traum vom Tiny House auf dem Land? Warum wollte ich noch mal raus aus meinem gemütlichen, fertigen Stadtnest mitten in Hamburg-Altona? Aus unserer kleinen, aber muckeligen Wohnung mit fließendem Wasser und einer Badewanne? Die Badewanne! Oh, wäre das jetzt schön, so ein warmes Schaumbad. Ich habe aber keine Badewanne mehr. Um ehrlich zu sein, reicht es nicht mal für ein Fußbad. Wenn ich Wasser will, muss ich hundert Meter durch den Regen und über eine matschige Wiese gehen, um mir in der alten Bauernküche des Hofgebäudes ein paar Flaschen oder Eimer aufzufüllen. Und wenn ich schon mal dort bin, gehe ich am besten auch gleich mal aufs Klo. Das gibt’s in meinem neuen Zuhause nämlich auch noch nicht. Beim Urlaub auf einem Campingplatz macht einem das ja schließlich auch nichts aus. Nur ist das hier kein Urlaub, es ist mein Alltag, mein Leben. Manchmal kommen mir in solchen Momenten Zweifel. Haben wir uns zu viel vorgenommen? Ja, die jetzige Situation ist ein Zwischenschritt, die Bauphase läuft. Es wird irgendwann fließendes Wasser geben, eine funktionierende Küche, ein eigenes Klo. Aber hätten wir unser neues Heim nicht lieber erst fertig bauen sollen, anstatt mitten im Winter in eine halb fertige Baustelle zu ziehen? Es sollte ein Abenteuer werden. Ich sehe, wie mein Atem vor meinem Mund weiße Wölkchen in der Kälte bildet, während ich am Laptop sitze.

Ein Abenteuer. Das ist es geworden.

Die Sorge ist dabei meine ständige Begleiterin, an deren raunende Stimme ich mich langsam gewöhnt habe. Ich mache mir Sorgen, ob meine handwerklichen Fähigkeiten genügen und ob meine Zeiteinteilung aufgeht. Nicht ein einziges Mal aber habe ich in den vergangenen Wochen meine grundsätzliche Entscheidung für dieses Leben infrage gestellt. Denn trotz qualmender Öfen und nächtlicher Wanderungen zum Klo gehe ich in diesem reduzierten Lebensstil zwischen grünen Feldern, baumgesäumten Landstraßen und dem scharfen Wind des Wendlandes richtig auf.

Der Kohlenmonoxidmelder hat inzwischen auch aufgehört zu pfeifen.

Wenn ich nicht vor dem Laptop sitze und als PR-Beraterin Texte schreibe und Kampagnen gestalte, baue ich mit meinem Mann Carsten am Haus. Ständig, bei Wind und Wetter, es soll ja fertig werden. Das Wort Freizeit bedeutet für uns seit Monaten lediglich freie Zeit von unseren eigentlichen Jobs. Wochenendtrips, Kinobesuche oder einfach mal nichts tun sind im Moment nicht drin. Darauf verzichte ich aber gerne, wenn ich dafür neue Erfahrungen sammeln darf. Und wenn es nur die Erkenntnis ist, dass sich die meisten meiner Sorgen beim Praxistest immer wieder in Luft auflösen.

Wir sind keine Tischler, haben keine handwerkliche Ausbildung – YouTube-Tutorials zählen nicht, oder? Carsten ist selbstständiger Heilpraktiker, und ich arbeite für eine Kommunikationsagentur in Hamburg. Sollten also gerade wir mit unseren eigenen Händen ein Haus bauen? Während wir bereits darin wohnen? Im Winter? Mit ein paar qualitativ fragwürdigen Werkzeugen von Ebay-Kleinanzeigen und lauter recycelten Materialien, die krumm und mit Nägeln gespickt sind? Vielleicht nicht unbedingt. Haben wir dabei gleichzeitig den Spaß und auch den Stress unseres Lebens? Auf jeden Fall! Stellen wir dabei jeden Tag aufs Neue fest, dass unsere körperlichen und geistigen Grenzen meist nur in unseren Köpfen existieren? Aber sicher! Wir haben gelernt, dass „Ich kann das nicht!“ eigentlich nur „Ich habe das noch nie gemacht und traue mich nicht“ bedeutet. Also trauen wir uns einfach mal was. Das hat damals mit dem Bulli und unserem Wunsch nach Veränderung ja auch geklappt. Also fast ...


Mein brummendes Wohnzimmer

Vor dem Rauch, dem Leben auf dem Land und im Tiny House ist einfach alles irgendwie festgefahren. Jeder Tag fühlt sich gleich an. Ich wohne mit Carsten in einer kleinen Zweizimmerwohnung in Hamburg, mitten in Altona, und habe eine 40-Stunden-Woche in einer Agentur. Am Anfang ist es spannend. Der Irgendwas-mit-Medien-Job, das trendige Szeneviertel, an jeder Ecke coole, kleine Bars und Lädchen mit coolem, kleinen Nippes. Immer ist etwas los, ein buntes Treiben aus Menschen. Doch dann gehen ein paar Jahre ins Land, und etwas in mir ändert sich. Ich gehe nicht mehr in die Bars und auch nicht mehr in die Lädchen. Das bunte Treiben wird zu einem anstrengenden, hektischen Rauschen. Ich habe das Gefühl, nur noch vor dem Computer zu sitzen, und selbst am Wochenende ist es höchstens ein bisschen Haushalt, ein bisschen Einkaufen, vielleicht mal noch die Freunde treffen. Aber auch dazu habe ich kaum noch Lust und Energie. Das ist ohnehin das Hauptproblem. Wo ist auf einmal meine Energie hin? Früher konnte ich kaum still sitzen, wollte immer losziehen, Menschen treffen, Abenteuer erleben. Stattdessen bin ich auf einmal zu dem geworden, was ich bei anderen Menschen immer anprangere: ein selbstmitleidiges Opfer meiner Unfähigkeit, das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Dieses ständige Nörgeln und Unzufriedensein, ohne jemals wirklich etwas daran zu ändern. Wie war das nur passiert? Ich hatte auch schon zuvor immer mal Phasen, in denen ich mich nicht mehr wohlfühlte. Mein Patentrezept dagegen: umziehen, alle Brücken abreißen, neuer Ort, neue Wohnung, neuer Job. Alles auf Anfang und wieder neue Erfahrungen sammeln. In zweiunddreißig Lebensjahren bin ich bereits elfmal umgezogen. Diesmal fühlt sich diese Option aber falsch an. Ich finde Hamburg eigentlich trotz der Hektik nach wie vor interessant. Auch mein Job gefällt mir, nur eben nicht in diesem zeitintensiven Ausmaß. Dadurch habe ich auf einmal eine örtliche Bindung, die ich früher so nicht kannte – auch durch Carsten. Als Heilpraktiker für chinesische Medizin hat er sich über die Jahre schließlich seinen Patientenstamm in Hamburg aufgebaut. Außerdem: Was wäre denn die Alternative? Gibt es einen anderen Job, den ich machen möchte? Und wie sähe der aus? Wo will ich leben? Kurz und knapp: Wie soll es weitergehen? Einfach den Kopf in den Sand stecken oder sich lieber wie ein Erdmännchen neugierig aufrichten und Ausschau nach dem nächsten Coup halten, oder Feind, was eben gerade da ist? Ich wähle das Erdmännchen. Ich schaue mich um und spüre, dass ich gerne Hilfe hätte, vielleicht auch einfach nur einen Schubs in die richtige Richtung. Etwas, das mich aufrüttelt.

„Du bist eigentlich die Königin des Waldes, versteckst dich aber unter dem Deckmantel eines Gnoms“, höre ich Alex sagen. Ich strecke mich und blinzle. Wie war das gerade? Bis eben lag ich noch auf einer Liege, während Alex mit den Händen über meinen Körper gefahren ist und mir dabei Fragen stellte. Wie fühlt sich das an? Atmest du tief durch, oder hältst du die Luft an? Wenn ich deine Schläfen berühre, spürst du etwas an deinen Füßen? Glaubst du, dass dir als Kind ein Engel mit den Flügeln über das Gesicht gestrichen hat? Na gut, den letzten Teil füge ich in Gedanken hinzu. Ich bin etwas nervös. Alex ist Körpertherapeutin. Ihre Methode nennt sich Cranio-Sakral-Therapie. Ich hatte vor meiner Zeit auf Alex’ Liege noch nie etwas davon gehört. Aber auf der Suche nach meinem Schubs landete ich bei ihr. Sie strahlt Ruhe aus, Fröhlichkeit und hat ein offenes Lachen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was sie da tut. Ich erzähle ihr davon, dass ich unglücklich bin und nicht weiß, wie ich das ändern kann. Dass ich wütend bin, weil ich mir albern und wehleidig vorkomme. Dass ich noch wütender werde, weil ich nicht weiß, was ich tun muss, um mich nicht mehr so zu fühlen. Sie nickt, hört sich meine Sorgen an, stellt ihre Fragen. Sie fragt nicht, ob ich eine schwere Kindheit hatte oder was andere Therapeuten vielleicht sonst so fragen würden. Das ist gut. Ich bin bei ihr, weil ich nicht gerade der größte Fan von Psychotherapien bin. Ich freue mich, wenn sie anderen helfen. Ich bin aber ein sehr stark körperlich, eher haptisch orientierter Mensch und brauche mehr als nur ein Gespräch, damit sich neue Ideen und Gedanken in mir wirklich entwickeln können. Die Cranio-Sakral-Therapie ist anders als eine Psychotherapie. Sie hat sich aus der Osteopathie entwickelt und verfolgt das Ziel, durch verschiedene Handgriffe den Energiefluss im Körper wieder in sein Gleichgewicht zu bringen. Irgendwie so. Ich bin kein Experte darin. Das klingt erst einmal alles etwas esoterisch. „Die Königin des Waldes“, sag ich da nur. Schon klar. Aber es bleibt nicht bei diesem plakativen Spruch. Wir unterhalten uns viel, und sie hilft mir zu verstehen, was mich treibt und bremst. Sie hilft mir auch zu sehen, dass ich innerlich eigentlich doch ganz gut weiß, was ich will und wer ich bin. Unsere Gespräche entwickeln sich hin zu einer Art Jobcoaching. „Was ist dir das Wichtigste an deinem Job?“, fragt sie. Ich muss nicht überlegen. Na was schon? Vielseitigkeit, Abwechslung. Sie grinst nur. Ich werde rot und winke ab. Das sagt wahrscheinlich jeder. Aber nein. Sie grinst, weil es zu meinem Wesen passt. Die meisten anderen sagen: Sicherheit. Sicherheit? Mein Stichwort! Auf keinen Fall soll das mein oberstes Lebensziel werden! Niemals! Ich will etwas ändern, jetzt, bevor ich auch zu einem Sichherheitsjünger werde. Was habe ich zu verlieren? Ich bin doch sowieso nicht glücklich, es kann doch nur besser werden. Das Tiny House sehe ich noch nicht. Es wird mich später finden. Aber ich sehe einen Wunsch, den ich mir schon seit langer Zeit erfüllen wollte. Einen Bulli. Ein motorisiertes Stück Freiheit.

Schon bevor Instagram & Co. das Vanlife-Hashtag etablierten, fand ich die Vorstellung, mit einem Bulli die Welt zu entdecken, einfach magisch. Totale Flexibilität, keine Pläne – das pure Abenteuer. Alex verabreicht mir den Schubs, den ich brauche, und bringt mir meine Energie zurück. Ich will jetzt wieder impulsiv sein und handeln. Ich will mir das zurückerobern, was mich ausmacht. An die Stelle von Fröhlichkeit, einer „Einfach-mal-machen“-Attitüde, Begeisterungsfähigkeit und Zuversicht sind in den letzten Monaten immer mehr Sarkasmus, Ironie und Misanthropie getreten. Ja gut, ein wenig gehört das auch zu meinem Wesen. Was würde ich nur ohne Ironie machen? Das Leben wäre trist. Aber ab einem gewissen Punkt schwappt es schnell in Bitterkeit über. Dann wird es traurig, und darauf habe ich, salopp ausgedrückt, einfach keinen Bock. Mit achtzig kann ich immer noch bitter werden. So mit Katzen und Nachbarskinder anmotzen. Das wird klasse.

Zurück zum Wesentlichen: der Bulli. Vielleicht klingt das höchst unspektakulär. Wow! Sie kauft sich ein Auto, ist ja mal was ganz anderes! Aber ehrlich gesagt: Genau das ist es! Nach über drei Jahrzehnten auf diesem Planeten ist dies mein erstes, eigenes Auto. Was soll ich sagen? Ich war immer ein Stadtkind. Was willst du da groß mit einem Auto? Es gibt den öffentlichen Nahverkehr, Züge, Carsharing, Mitfahrgelegenheit und so weiter und so fort. Kein Grund, sich mit einem eigenen fahrbaren Untersatz unnötig zu belasten. Bei dem krassen Verkehr bin ich selbst mit dem Fahrrad schneller, und außerdem findet man in der Stadt nie einen Parkplatz. Doch mir geht es nicht mehr nur um ein normales Auto. Ich will eines, das groß genug ist, um darin schlafen zu können. Vielleicht sogar, um darin zu leben. Es macht einfach nur Spaß, im Netz die bunte Bulli-Parade (Autos, nicht den Comedian) zu bestaunen. Soll es ein VW sein oder doch ein Ford? Die haben ja auch ein paar coole Vans. Aber so ein T4 hat schon was. Die perfekte Größe, um auch entspannt durch den Stadtverkehr zu kommen, aber mit langem Radstand auch genug Platz zum Schlafen und Leben. Na gut, ein T4 also. So mit Campingausstattung im California-Modell sind die aber ganz schön teuer. Das hätte ich gar nicht gedacht. Dabei sind die doch auch schon zwanzig Jahre oder älter. Dennoch zehntausend Euro extra nur für ein paar Einbauschränke, Gasherd und Kühlschrank? Das ist eine Ansage. Am besten finde ich ja die Anzeigen „Für Bastler“ oder wenn einfach nur eine ganze Reihe von zu behebenden Mängeln aufgelistet ist. Nee, sorry, Freunde, aber als Autojungfrau habe ich einfach nicht genug Ahnung davon, als dass ich mir gleich zu Beginn ein halb fahrunfähiges Teil aussuche. Uh, was haben wir denn da? Baujahr 2000, metallicblau, ein bisschen PS, um auch wenigstens den einen oder anderen Lkw mal versägen zu können – und der lange Radstand! Super, ein bisschen mehr Platz, um unser ganzes Geraffel einzupacken. Mit der U-Bahn sind es gerade mal zwanzig Minuten zum Halter in Hamburg. Den muss ich mir ansehen. Also den Bulli, nicht den Halter. Der Besitzer und junge Kitesurfer trifft Carsten und mich am Auto. Er und seine Kumpel würden nun doch nicht mehr so oft ans Meer fahren, dass sich so ein Bulli für ihn lohnen würde. Na gut, dann lass uns doch mal eine Runde mit dem Schmuckstück um den Block fahren. Ich steige ein und denke mir: Jetzt verstehe ich, was die Leute immer mit dem hohen Sitzen haben. Bei mir geht es zwar nicht um vermeintliche Alterserscheinungen und die herannahende Hüftarthrose, aber es ist irgendwie hammer, so von oben auf die anderen Verkehrsteilnehmer zu schauen. Muhaha, ich komme mir jetzt schon total mächtig vor. Okay, erst mal wieder ein bisschen beruhigen. Motor an und ... Ähm, wie geht der denn an? Ach so, der hat einen Startknopf. Wo? Hier unten? Ja klar, das wusste ich natürlich. Ich komme mir schon gleich ein bisschen weniger mächtig vor. So ist das im Leben, von wegen hohes Ross. Aber ich kann es fühlen, ich bin jetzt schon verliebt. Ich nehme die Kurven ganz selbstverständlich. Ich hätte irgendwie gedacht, dass sich so ein Bulli schwieriger fährt, wie ein kleiner Lkw eben. Man muss dazu sagen, dass ich bis dahin, wenn überhaupt, mit dem alten Twingo meiner Mutter oder kleinen Leihautos gefahren bin. Aber trotz der Größe des Autos bin ich total entspannt. Im Grunde brauchen wir gar nicht weiterzuschnacken. Kannst du ihn mir gleich zum Mitnehmen einpacken? Ach, den TÜV könnten wir vielleicht noch machen. Unser Kitesurfer gibt uns recht. Das gäbe uns doch ein bisschen mehr Sicherheit, dass auch wirklich alles in bester Ordnung ist.

Zwei Wochen später. Der Kitesurfer und ich treffen uns beim TÜV. Ein paar kleine Mängel hier und da, aber alles im Rahmen. Wieso jetzt ausgerechnet eine schwarze Klebefolie auf den Seitenfenstern als Sichtschutz ein Problem für den TÜV ist, wird mir wohl für immer ein Rätsel bleiben. Aber als alles gerichtet ist, kann ich es kaum erwarten, den Kaufvertrag zu unterschreiben und endlich mit meinem ureigenen Bulli in den Sonnenuntergang zu reiten.

Wir nennen ihn Slow Lori, nach den langsamen Äffchen aus Thailand. Eine Hommage an unsere Form der Fortbewegung: langsam, aber genau, wie und wohin wir wollen. Eines steht allerdings noch an: der Ausbau. Denn die Zehntausend-Euro-Maßanfertigung-Camping-Geschichte fehlt Slow noch. Aber wie schwer kann das schon sein? Und was wird uns so ein Selbstausbau wohl kosten? Geld ist ja im Grunde immer ein Problem. Geld ist vor allem immer eine wunderbare Ausrede. „Ich würde ja gerne mal dies und jenes tun, aber ich kann es mir einfach nicht leisten.“ Das ist praktisch. Jeder fühlt sofort mit, denn Geld haben wir ja alle immer zu wenig. Das muss doch auch anders gehen. Natürlich.

„Carsten, wir müssen los!“, mein morgendlicher Standardgruß ab sofort. Schläfriges Blinzeln, unzufriedenes Grunzen, ein paar blonde Locken schauen unter der Decke hervor. Carsten ist nicht begeistert. Es ist Trüffelzeit! Trüffeln, so nennen wir unsere Sammelattacken, wenn wir gebrauchtes Material zum Bauen organisieren. Noch sind wir völlig ahnungslos, dass das Trüffeln für unser Tiny House eine wichtige Rolle spielen wird. Meine Suchaufträge bei eBay-Kleinanzeigen haben heute mal wieder ein paar super „Zu Verschenken“-Angebote gemeldet. Plexiglas, geil! Das können wir für die Zwischenwand zwischen Fahrerkabine und Schlafbereich nehmen. Ein paar Holzpaneele, perfekt! Nach der Isolation verkleiden wir damit den Innenraum. Das wird irre gemütlich, wie ein Mini-Wohnzimmer. Und da sind auch noch zwei Packungen Laminat. Das müsste genau reichen. Los, anziehen und ab dafür! Sonst ist es vielleicht schon weg. Unser neues Hobby frisst zwar Zeit, versorgt uns aber mit so ziemlich allem, was wir für den Ausbau benötigen. Besonders in größeren Städten wie Hamburg ist es gar kein Problem, ausreichend Material zu finden. Viele Leute haben wegen der hohen Mieten und Grundstückspreise nur kleine Wohnungen. Die halten es nur bis zu einem gewissen Grad aus, wenn man sie mit lauter ungenutzten Dingen vollstellt. Irgendwann ist eben kein Platz mehr. Dann heißt es: Weg damit, und jemand anderes kann sich darüber freuen.

Nicole Dau

Über Nicole Dau

Biografie

Nicole Dau (33) studierte Geowissenschaften in Freiburg im Breisgau und Bremen. Über den Wissenschaftsjournalismus gelangte sie in den PR-Bereich, wo sie heute als Beraterin und Trend Scout für eine Kommunikationsagentur in Hamburg tätig ist. Zusammen mit ihrem Mann Carsten und drei Meerschweinchen...

Pressestimmen
StadtRadio Göttingen

„Macht Mut und zeigt, dass es nie zu spät ist, seinen Traum zu leben.“

Auto Bild

„Eine gut geschriebene Geschichte über Abenteuer, Probleme – und das Glück, in einem Tiny House zu leben.“

mein schönes zuhause

„(Um-)Bauen und Wohnen für Abenteurer!“

littledogtown.jimdo.com

„Ein Buch das Mut macht, die Ärmel hoch zu krempeln, Dinge anzugehen und umzusetzen.“

Inhaltsangabe
Prolog 

Mein brummendes Wohnzimmer
Peter Lustig für Fortgeschrittene
Vom Bienenwagen in die ehemalige DDR-Unterkunft
Die Trüffel-Schweine in ihrem Element
„ Wir packen das schon. “
Und auf einmal ist da eine Küche
Belastungsprobe oder Hort der Zweisamkeit ?
Das glücklichste Stadtkind auf dem Land
Geh doch mal raus zum Spielen !
Stadt-Land-Tiny-House

Dank
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