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Gebrauchsanweisung für den SchwarzwaldGebrauchsanweisung für Freiburg und den SchwarzwaldGebrauchsanweisung für den Schwarzwald

Gebrauchsanweisung für den Schwarzwald

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Gebrauchsanweisung für den Schwarzwald — Inhalt

Tiefe Wälder, sanfte Hügel, verwunschene Wasserfälle - der Schwarzwald ist ein beinah mythischer Sehnsuchtsort, nicht nur der Deutschen. Die Heimat der berühmten Kuckucksuhren und Bollenhüte ist so vielfältig wie seine Menschen: In den sonnenreichen Tälern im Westen zeigt man sich weltoffen und gesellig, in den Bergen eher wortkarg und scheu. Und im Süden liegt das ebenso schöne wie eigenwillige Freiburg: Unistadt, Grünen-Hochburg und Wiege eines außergewöhnlichen Fußballclubs. Mit einem Augenzwinkern erzählt der gebürtige Schwarzwälder Jens Schäfer, wo Sie hier besser Herdöpfel und Schleck sagen, wenn Sie Kartoffeln und Marmelade möchten, und auf welchem Kirchweihfest es noch einen echten Hammel zu gewinnen gibt.

Erschienen am 10.03.2014
256 Seiten, Flexcover mit Klappen
ISBN 978-3-492-27636-8
Erschienen am 01.04.2009
224 Seiten, Flexcover mit Klappen
ISBN 978-3-492-27562-0
Erschienen am 10.03.2014
256 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96630-6

Leseprobe zu »Gebrauchsanweisung für den Schwarzwald«

Kuckucksuhren, Kirschtorten und Bollenhüte.
Wie man sich den Schwarzwald vorstellt

 

Egal als was Sie, lieber Leser, in den Schwarzwald kommen – ob als Städtereisender oder als Gourmet, als Wanderer oder Kurgast, als Kongressteilnehmer oder als Student –, bedenken Sie, dass jeder Einheimische, dem Sie begegnen, Ihnen etwas voraushat. Er lebt hier. Denn es gibt nur zwei Arten von Menschen, sagt ein Sprichwort : solche, die hier leben wollen, und solche, die das bereits tun. Im gesamten Schwarzwald sind das knapp dreieinhalb Millionen. Mehr als doppelt so [...]

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Kuckucksuhren, Kirschtorten und Bollenhüte.
Wie man sich den Schwarzwald vorstellt

 

Egal als was Sie, lieber Leser, in den Schwarzwald kommen – ob als Städtereisender oder als Gourmet, als Wanderer oder Kurgast, als Kongressteilnehmer oder als Student –, bedenken Sie, dass jeder Einheimische, dem Sie begegnen, Ihnen etwas voraushat. Er lebt hier. Denn es gibt nur zwei Arten von Menschen, sagt ein Sprichwort : solche, die hier leben wollen, und solche, die das bereits tun. Im gesamten Schwarzwald sind das knapp dreieinhalb Millionen. Mehr als doppelt so viele kommen jährlich zu Besuch. Der Schwarzwald ist einer der Sehnsuchtsorte der Deutschen schlechthin, und das schon seit beinahe 200 Jahren. Die Vorstellung von einer heilen Welt kommt dem, was man vom Schwarzwald kennt oder zu kennen meint, ziemlich nahe. Gesunde Luft und mildes Klima, ansehnliche Städte und pittoreske Dörfer, Gastfreundschaft und Gemütlichkeit, geringe Arbeitslosenzahlen und gutes Essen, liberale und freundliche Menschen, die zu leben verstehen und leben lassen, und das im Einklang mit viel unberührter Natur.
Schließen Sie kurz die Augen, und denken Sie an den Schwarzwald. Was sehen Sie ? Kuckucksuhren, Kirschtorten und Bollenhüte ? Damit haben Sie durchaus recht. Aber lassen Sie die Insignien des Schwarzwalds mal beiseite, und denken Sie nur an die Landschaft. Was sehen Sie jetzt ? Anmutige Täler und dunkle Wälder, sanfte Hügel mit mächtigen Eindachhöfen und saftige Wiesen, auf denen braunweiße Kühe grasen ? Dann sehen Sie, was neunzig Prozent aller Menschen spontan zum Schwarzwald einfällt und was auch die Deutsche Post mal auf eine bunte, piktogrammisierte Briefmarke, Motiv Schwarzwald, drucken ließ. Keine Sorge, an Ihrer Einbildungskraft ist nichts verkehrt. Aber es ist nur ein Teil des Ganzen : der Südschwarzwald. Im Nord- und im Mittelschwarzwald sieht es ziemlich anders aus. Enger sind die Täler und noch dichter bewachsen. Fachwerkhäuser gibt es hier und Dörfer, in die die Sonne nur ganz selten einzudringen scheint. So viel Schatten kann auch schon mal aufs Gemüt schlagen, besonders im Winter. Und im Westen, wo die Hänge des Schwarzwalds in die sonnige Rhein­ebene übergehen, prägen Felder und Weinberge das Bild.
Ein Freudenstädter, ein Triberger und ein Freiburger haben jeweils etwas anderes im Sinn, wenn sie an den Schwarzwald denken. Der Erste sieht riesige Waldflächen und hält Freudenstadt für die Hauptstadt des Schwarzwalds. Der Zweite denkt an tiefe Schluchten und empfindet die Triberger Wasserfälle als sein Zentrum ( womit er geografisch gesehen recht hat ). Dem Dritten fallen Freiburgs enge Gassen und das milde Klima ein, und er meint nicht nur im Zentrum des Schwarzwalds zu leben, sondern gleich in der heimlichen Hauptstadt Deutschlands. Kein Schwarzwälder denkt an das Große, Ganze, sondern immer an das Eigene, Kleine, das mit dem großen Rest wenig zu tun hat.
Nicht dass die Freudenstädter, Triberger und Freiburger ignorante Provinzler wären, die nicht über ihren Tellerrand hinausschauen. Die einzelnen Gebiete hatten einfach nie viel miteinander zu schaffen. Der Schwarzwald war jahrhundertelang so dicht und undurchdringlich, dass es kaum Verbindungen zwischen seinen einzelnen Teilen gab.
Als er im frühen Mittelalter besiedelt wurde, haben das Wiesen- oder das Kandertal in nordsüdlicher und, in Ost-West-Richtung verlaufend, das Höllen-, das Kinzig-, und das Murgtal den Bau großer Verbindungsstraßen beinahe unmöglich gemacht. Von Schienen ganz zu schweigen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Wer im Nordschwarzwald wohnt, fährt nicht mal eben so in den Süden und umgekehrt. Wieso auch ? Man hat den Schwarzwald schließlich vor der eigenen Haustür, und der genügt. Nach wie vor stehen die Fahrzeiten in keinem Verhältnis zur eigentlichen Entfernung. Will man mit der Bahn von Neustadt im Süd- nach Bad Wildbad im Nordschwarzwald fahren, muss man erst den Zug nach Freiburg nehmen, dort nach Karlsruhe umsteigen und dann nach Pforzheim, von wo aus schließlich eine S-Bahn nach Bad Wildbad fährt. Für eine einfache Fahrt braucht man so fast vier Stunden. Dabei sind diese beiden Städte in der Luftlinie keine hundert Kilometer voneinander entfernt.
Schwarzwälder sind ebenso ver- wie aufgeschlossene Wesen, sie sind abgeschottet und weltoffen zugleich. Als Teil des strategisch wichtigen Dreiländerecks weckte ihre Heimat schon immer Begehrlichkeiten und war jahrhundertelang heftig umkämpft. Mit den Nachbarn hat man sich deshalb nie wirklich anfreunden können. Der Schwarzwald ist umrahmt vom protestantischen Württemberg im Norden ( der größte Teil des Schwarzwalds ist badisch und katholisch ), dem Elsass im Westen ( das die Deutschen immer wieder besetzt, annektiert und bekriegt haben ), der Schweiz im Süden ( die Deutschen gegenüber schon immer fremdelte ), und im Osten warten hinter Baar und Bodensee schon die Bayern. So eingekeilt, umkämpft und unbeliebt blieb den Schwarzwäldern gar nichts anderes übrig, als sich auf sich selbst zu besinnen und sich die Selbstzufriedenheit und -genügsamkeit zuzulegen, die die Menschen hier heute auszeichnet. Ein Jubilar wurde zu seinem 100. Geburtstag von einem Redakteur der örtlichen Zeitung besucht. Auf die Frage, wie er rückblickend sein Leben beschreiben würde, sagte er nur : » Es war biegelscht e schäni Zitt ! «
Gleichzeitig sind die Schwarzwälder kontaktfreudig, menschenfreundlich und weltoffen. Das gilt vor allem für die aus der Oberrheinischen Tiefebene. Sie hatten schon früh Kontakt zu Händlern und Kaufleuten, die hier durchzogen und Freiburg zu einem wichtigen Handelszentrum machten. Es prägt, wenn man seit Jahrhunderten da wohnt, wo andere hinpilgern, um Geschäfte zu machen, zu arbeiten und sich auszukurieren.
Heute weiß man die Standortvorteile zu schätzen. In dreißig Minuten ist man in französischen Supermärkten, in fünfzig im schweizerischen Hochlohnland ( viele Schwarzwälder arbeiten dort, vor allen Dingen im Gesundheitssektor ) und in hundertachtzig in oberitalienischen Städten. Für die Strecke Karlsruhe–Paris benötigt der TGV drei Stunden. Basel erreichen Sie von Freiburg aus in fünfundvierzig Minuten, Zürich in zwei Stunden, Mailand in fünf. Wer zum Skifahren in die Alpen will, ist in zwei Stunden da, im Mittelmeer baden kann man in fünf. Der Schwarzwald hat den Ruf, Reiseziel alter Omas und biederer Kurgäste zu sein, die mit sonntäglichen Kurkonzerten und einem bunten Heimatabend zufriedenzustellen sind. Wirklich was erleben könne man nur in Antalya oder Palma und nicht in Bad Teinach oder Hinter­zarten. Skiurlaub bucht man sowieso in den Alpen, wo es längere Pisten und Schneesicherheit gibt – unvorstellbar, dass 1992 ein Schwarzwaldprospekt noch mit einer Schneehöhe von zwanzig Zentimetern warb, die an hundert Tagen im Jahr sicher vorzufinden seien. Der Senegalese Souleyman Sané, der in den Achtzigern einer der ersten schwarzen Spieler in der Fußballbundesliga war, kam von Frankreich nach Donaueschingen, von wo er zum Sport-Club Freiburg wechselte. Als der Sportler las, dass es da im Winter minus zehn Grad hat, sagte er nur : » Leck mich am Arsch. «
Diese schneesicheren Zeiten sind unwiederbringlich vorbei; die Skiliftbesitzer können lange Lieder über schneelose Winter singen. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Die Hochfirstschanze bei Titisee-Neustadt ist die größte Naturschanze Deutschlands. Die Anlage gilt als weltcuptauglich, obwohl es keine Aufstiegshilfen gibt und die Springer mit Kleintransportern zum Anlauf gebracht werden müssen. Neuerdings wird der Schnee dort gehortet. Tausende Kubikmeter werden an kalten Wintertagen mit der Beschneiungsanlage produziert, zusammengetragen und eingemottet. Der Schnee übersommert unter einer Siloplane aus Kunststoff und kann im nächsten Winter termingerecht wieder ausgepackt werden. Hier soll nie mehr ein Skispringen wegen Schneemangel ausfallen.
Trotzdem oder gerade deshalb erlebt der Schwarzwald derzeit eine Renaissance. Die Menschen scheinen lange genug in der Weltgeschichte herumgeflogen zu sein und entdecken den Reiz des Regionalen, Wahren und Authentischen wieder. Die Welt da draußen ist so unübersichtlich und bedrohlich geworden, dass sich viele auf die schönen und friedlichen Ecken ihrer Heimat besinnen. Globalisierung und Mobilität, lange Zeit die Feinde des Schwarzwaldtourismus, entpuppen sich jetzt als seine guten Freunde. Gerade weil man überall hinfliegen und erreichbar sein kann, gewinnt das Nahe wieder an Wert. ( Und wenn die Prognosen von Zukunftsforschern stimmen und wir uns wegen Inflation und Altersarmut in ein paar Jahrzehnten keine fernen Reisen mehr werden leisten können, wird der Schwarzwald bestimmt wieder eine führende Ferienregion. )
Die Besucherzahlen gehen seit ein paar Jahren wieder nach oben. Die meisten Gäste kommen aus Deutschland. Auch bei Russen, Amerikanern, Israelis, Letten und Chinesen wird der Schwarzwald immer beliebter. Fast ein Drittel der Besucher kommen mittlerweile aus dem Ausland, Tendenz steigend. Angeführt werden sie mit weitem Abstand von Schweizern und Franzosen. Neben der Schönheit der Natur schätzen die vor allem die qualitativ hochwertige Küche zu vergleichsweise günstigen Preisen.
Im Durchschnitt bleiben die Gäste 2,8 Tage. Das war vor vierzig Jahren noch anders. Meine Eltern bekamen regelmäßig Besuch von Verwandten, die sich für zwei Wochen und mehr in ihrem Wohnzimmer einmieteten. Meine Eltern hatten drei kleine Kinder und wohnten in einer winzigen Drei-Zimmer-Wohnung. So was würde man heute auch niemandem mehr zumuten.
Der Trend geht zurück zur Natur, zu Ruhe und Langsamkeit, zur selbst gemachten Marmelade und zum Hofladen, für den der Bauer noch selbst schlachtet. Zu Gasthöfen, wo es im Flur nach Kuhstall riecht und auf der Speisekarte nur regionale Produkte stehen. All das bietet der Schwarzwald. Er hat sich ein paar Jahre geduckt, den Mantelkragen hochgeschlagen und geduldig gewartet, bis die globalen Stürme über ihn hinweggefegt waren.
Natürlich stößt man auch hier auf den ein oder anderen Hotelklotz, am Titisee etwa oder am Schluchsee. Aber im Großen und Ganzen musste der Schwarzwald nicht verschandelt werden, um Touristen anzulocken oder unterzubringen. Eben wegen seiner Unberührtheit und Naturbelassenheit kommen die ja her. Abgesehen davon, dass die meisten Dörfer und Täler viel zu klein und eng für Bettenburgen sind. ( Dafür werden jetzt Windräder auf die Berge gebaut, was auch nicht jedermanns Sache ist. )
» Die Wahrheit wird euch frei machen « – dieser Satz aus dem Johannesevangelium steht am Kollegiengebäude I der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Also will ich ehrlich sein. Das eingangs zitierte Sprichwort geht eigentlich ein bisschen anders : Es gibt zwei Sorten von Menschen; die, die in Freiburg leben, und die, die in Freiburg leben wollen.
Doch Freiburg gehört schließlich zum Schwarzwald dazu. Aber wieso heißt es dann Freiburg im Breisgau und nicht Freiburg im Schwarzwald ? Was ist denn der Schwarzwald ? Darf man eine Landschaft, die über 150 Kilometer lang und bis zu hundert Kilometer breit ist, in einen geografischen Topf schmeißen ? Gehört Karlsruhe dazu ? Was ist mit dem Kaiserstuhl ? Weil am Rhein ? Nagold und Calw ? Kann eine Landschaft mit Temperaturschwankungen von mehr als zwanzig Grad Celsius ( wenn im Januar die ersten Sonnenstrahlen Freiburgs Thermometer auf zwölf, dreizehn Grad ansteigen lassen, hat es auf dem Schauinsland noch minus zehn ) überhaupt eine Einheit bilden ?
Und was ist mit den Schwarzwälderinnen und Schwarzwäldern ? Handelt es sich um ein einheitliches Völkchen, das sich über einen Kamm scheren lässt ? Ist es in Reinform überhaupt noch anzutreffen ? Sind das alles Badener ? Und stimmt es, dass man hier auch Schwäbisch spricht ?
Es herrscht offensichtlich Klärungsbedarf. Gehen wir also auf die Reise, erkunden wir den Schwarzwald, machen wir uns vertraut mit seiner Geschichte und seinen Geschichten, seinen Bewohnern und ihren Eigenarten, seinen Speisen und Getränken, seinen Festen und Gebräuchen. Sehen wir uns in Freiburg um. Lernen wir Menschen kennen, die hier leben, und solche, die hier gelebt haben.
Der Weg ist immer auch das Ziel. Die Schwarzwald-Panoramastraße führt von Waldkirch nach Hinterzarten, die Schwarzwald-Tälerstraße von Rastatt nach Alpirsbach und die Schwarzwaldhochstraße von Freudenstadt nach Baden-Baden. Fahren Sie durch das Münstertal, mit dem Kloster St. Trudpert, den großen Walmdachhöfen und den sonnenbeschienenen Matten eines der schönsten im ganzen Schwarzwald, rauf auf den Belchen, von dem man die Alpen und die Oberrheinische Tiefebene mit den Weinbergen des Kaiserstuhls und der Vogesen sieht, und durchs Kleine Wiesental wieder hinab in die Weinberge Badenweilers.
Diese Strecken versprechen viele Aus- und Einsichten. Sie entdecken den Schwarzwald in seiner ganzen Pracht. Hügel und Wälder, Wiesen und Weiden so weit das Auge reicht. Viele sind so kurvig, dass man vor lauter Kuppeln, Bremsen und Schalten gar nicht dazu kommt, aus dem Fenster zu sehen. Entsprechend beliebt ist der Schwarzwald bei Motorradfahrern. Glücklicherweise wurden überall Parkbuchten eingerichtet, in denen Sie anhalten, das Panorama genießen und Fotos schießen können.
Sie können auch ein umfangreiches Netz von Freizeit- und Wanderbus-Strecken nutzen, mit dem der Schwarzwald in den letzten Jahren überzogen wurde. Es gibt Zwei-, Drei- und Viertälertickets, Fahrradmitnahme ist überall möglich.
Am schönsten und ökologischsten erkundet sich der Schwarzwald mit dem Zug. Allein die Strecke Karlsruhe–Freiburg ist allerliebst, wenn links die Westkante des Schwarzwalds wellengleich ansteigt und rechts die Getreidefelder und Gemüsewiesen vom Kaiserstuhl und den Vogesen durchbrochen werden.
Langsamer, gemütlicher und aufregender ist die Albtalbahn, die sich von Karlsruhe nach Bad Herrenalb hinaufschlängelt. Oder die 250 Kilometer lange Strecke, die von Offenburg über St. Georgen nach Singen am Bodensee führt. Die Schwarzwaldbahn, die hier fährt, wurde 1873 fertiggestellt und ist mit 670 Höhenmetern und 38 Tunneln eine der brückenärmsten Gebirgsbahnen Europas. Es gibt keinen Superlativ, den es nicht gibt. Sie ist, wie es in einem zeitgenössischen Text heißt, ein » nach den Worten eines competenten Fachmannes, durch Eigenartigkeit, Kühnheit und Großartigkeit ausgezeichneter Bau. « Zwei Kehrschleifen ermöglichen es, die Höhe zu meistern.
Die vielleicht reizvollste Strecke ist die Dreiseenbahn von Titisee nach Seebrugg, dieTitisee, Windgfällweiher und Schluchsee passiert. Sie wurde 1926 als letzte Bahnstrecke Südbadens eröffnet. Drei Jahre später benannte sich die Gemeinde Viertäler aus Marketinggründen in Titisee um.
Tun Sie mir und sich den Gefallen, und lösen Sie einen Fahrschein. Wenn Sie bereits in Freiburg einsteigen, fahren Sie die erste halbe Stunde auf der Strecke der Höllentalbahn, die in den Hochschwarzwald und weiter nach Donaueschingen und auf die Baar führt. Doch Vorsicht an der Bahnsteigkante : Der Zug verlässt Freiburg stündlich, aber nicht immer vom selben Gleis. Mehr als einmal freute ich mich vergebens, der einzige Wartende zu sein und freie Platzwahl zu haben.
In knapp einer Stunde bekommen Sie auf dieser Strecke wirklich alles geboten, was den ( Süd )Schwarzwald ausmacht : Freiburg und seine Tunnels, das ausladende Dreisam- und das zerklüftete Höllental mit seinen bilderbuchhaften Tälern und Felsen. Beim Hirschsprung erinnert ein eisernes Denkmal an ein kapitales Tier, das auf der Flucht vor einem Jäger über die Schlucht gesprungen sein soll. Auf einem steinernen Viadukt überqueren Sie die enge Ravennaschlucht und kämpfen sich anschließend hinauf nach Hinterzarten, ehe sich in Titisee der Weg gabelt. Sie haben atemberaubende Ausblicke auf den Feldberg ( Baden-Württembergs höchster ), den verwunschenen Bahnhof Bärental ( Deutschlands höchstgelegener ) und das Ufer des Schluchsees ( Deutschlands höchstgelegene Talsperre ). Seit doppelstöckige Waggons eingesetzt werden, ist die Sicht noch spektakulärer geworden, zumindest in den oberen Abteilen. Vielleicht haben Sie Glück, und ein original Schwarzwälder sitzt in Ihrem Abteil und erzählt Ihnen von seiner Heimat. Wenn nicht, lesen Sie einfach weiter.

Jens Schäfer

Über Jens Schäfer

Biografie

Jens Schäfer wurde 1968 im tiefsten Schwarzwald geboren. Heute lebt er als freier Drehbuchautor und Schriftsteller in Berlin. Mit Wortwitz, viel Ironie und noch mehr Zuneigung beschreibt er seine alte Heimat, in die er so oft es geht und eines Tages vielleicht ganz zurückkehrt.

Pressestimmen

Stuttgarter Nachrichten

»Schäfer entgeht der Versuchung, die heimatlichen Gefilde und Bewohner zu verklären. Er erklärt sie und hält sie auf Distanz. Amüsant und elegant.«

Ciao!

»Anregende Lektüre für die, die hier leben oder schon oft zu Besuch waren. Eine Pflichtlektüre für die, die neu hier sind oder ihren Urlaub planen.«

Inhaltsangabe

Kuckucksuhren, Kirschtorten, Bollenhüte.
Wie man sich den Schwarzwald vorstellt

If you haven’t been to the Black Forest Inn, you haven’t been to Minneapolis !
Der Schwarzwald und die große weite Welt

Phänotypen.
Woran man einen Schwarzwälder erkennt

Nummelangsamnummenedhuddele.
Die Sprache des Schwarzwalds

Der Wald hat’s gegeben, der Wald hat’s genommen.
Wie der Schwarzwald zu dem wurde, was er ist

Von Brauchtümern und Missverständnissen.
Die Insignien des Schwarzwalds

» Ein junger Architekt verliebt sich unsterblich in ein appetitliches Schwarzwaldmädchen … «
Der Schwarzwald in Film und Fernsehen

Eine österreichische Hand und ein französischer Mordbrenner.
Geschichte und Wahrzeichen Freiburgs

Beten und einkaufen.
Das Freiburger Münster und der Münstermarkt

Bürgerfest oder Bürgerfestung ?
Freiburgs Vorzeige-Stadtteil Vauban

Die Wahrheit auf dem Platz wird euch frei machen.
Der Sport-Club Freiburg

Lange Anfahrtswege zur Kunst.
Schwarzwaldmaler und Lebenskünstler

Wie man sich selbst finden kann.
Esoteriker, Spiritualisten und andere Sinnsucher im Schwarzwald

Babuschkas und Millionäre.
Die Welt zu Gast in Baden-Baden

Brägele und Schäufele.
Die Speisekarte des Schwarzwalds

Biergit, Ferdinand und andere Hochprozenter.
Die Getränkekarte des Schwarzwalds

Die Gewalt geht vom Volke aus.
Schwarzwälder in der Politik

Durch Freund- und Feindesland.
Karlsruhe und der badische Schwarzwald

Raus aus den Wäldern, rein in die Städte.
Architektonische Nachkriegsmoderne im Schwarzwald

Wie in alten Zeiten.
Bewegter Nordschwarzwald

Zurück zur Natur.
Der Nationalpark Nordschwarzwald

Koks und Kuhmist.
Die Reichen, die Schönen und die Armen des Schwarzwalds

Gehen oder bleiben ?
Die Weltwälder

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