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Gar ned krank is a ned g'sund

Gar ned krank is a ned g'sund

Ein Erste-Hilfe-Lesebuch

Taschenbuch
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Gar ned krank is a ned g'sund — Inhalt

Karl Valentin ist nicht nur ein genialer Wortakrobat – er ist auch einer der bedeutendsten deutschen Autoren des Grotesken und Absurden. In seinen besten Monologen und Szenen zum Thema Gesundheit entpuppt er sich überdies als ausgemachter Hypochonder, der ständig vermeintliche Krankheitssymptome und Leiden an sich feststellt und sich dabei in gewohnter Manier selbst parodiert. Ein wunderbar witziges Geschenkbuch für alle Valentin-Fans und solche, die es noch werden wollen.

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 01.07.2011
Herausgegeben von: Gunter Fette
192 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-27225-4

Leseprobe zu »Gar ned krank is a ned g'sund«

An die Eltern

5.10.1902

Liebe Eltern!

Mir geht es sehr gut. Ich bin unberufen sehr gesund und habe mir den ersten Abend Asthma geholt. Ein Zimmer habe ich, da ist unser Knechtzimmer ein Salon dagegen. – Das Programm besteht aus 8 Damen (keine Angst haben) und aus mir. –

Jetzt die Hauptsache – Herr Direktor hat nämlich aus unbekannten Kreisen erfahren, daß ich Anfänger bin, und wollte mich absolut nicht auftreten lassen.

Was thun, ich sagte sogleich, daß ich 7 Monate freilag, und er möchte mich wenigstens um Kost und Logis hier singen lassen. Das wäre [...]

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An die Eltern

5.10.1902

Liebe Eltern!

Mir geht es sehr gut. Ich bin unberufen sehr gesund und habe mir den ersten Abend Asthma geholt. Ein Zimmer habe ich, da ist unser Knechtzimmer ein Salon dagegen. – Das Programm besteht aus 8 Damen (keine Angst haben) und aus mir. –

Jetzt die Hauptsache – Herr Direktor hat nämlich aus unbekannten Kreisen erfahren, daß ich Anfänger bin, und wollte mich absolut nicht auftreten lassen.

Was thun, ich sagte sogleich, daß ich 7 Monate freilag, und er möchte mich wenigstens um Kost und Logis hier singen lassen. Das wäre aber nicht das Schlimmste, was er beanstandet hätte. Wie Ihr wisset, ist doch Strebel einen Monat in Nürnberg engagiert gewesen und hat in dem Lokal, welches 1 Minute vom Zeughaus entfernt ist, mein ganzes Repertoir wortwörtlich abgeleiert und ich wollte Neues bringen. Trotzdem habe ich allabendlich schönen Ablaus (Applaus!), wo in Nürnberg die Leute geradezu ekelhaft verwöhnt sind. Herr Direktor sagte gestern zu mir: ›Herr Valentin, es darf Ihnen nicht beleidigen, aber das kann ich Ihnen sagen, einen so kaltblütigen frechen Kerl habe ich noch nicht auf meiner Bühne stehen sehen, und das freut mich, und bleiben Sie nur diesen Monat da, ich werde Ihnen den Contrakt nach München machen!‹ Dann ist es doppelt schwer, nur unter Damen aufzutreten, da das ganze Publikum nur aus Offizieren und Studenten besteht. Komiker ist da Nebensache. Das Hauptgeschäft geht natürlich erst nach der Vorstellung im obern Saale im Caffe. – Gleich am ersten Abend wurde ich schon eingeladen von ein paar Herren. Champagner, Wein, Tee, Kakao, Schokolade, Zigarren, Zigaretten bekomme ich in Hülle und Fülle. Zu lernen habe ich genug. Bis 15. muß ich 8 neue Schlager können. Heimweh habe ich noch keine Sekunde bekommen. Im Gegenteil, gibt es was Schöneres als die Welt, wenn man gesund ist? Ich wollte, ich hätte gleich wieder Anschluß. Tagesprogramm:

10 Uhr aufgestanden, bis 12 Uhr gelernt, dann Mittag (Essen sehr gut). Dann ins Kaffeehaus bis 3 Uhr zum Ratschen, dann Automat (frische Würste mit Kraut à Port. 10 Pf.), dann Spazieren oder sonst etwas Nützliches. 8 Uhr Vorstellung bis 11 Uhr. Dann Abend-Essen (2 Gänge und 2 Glas Bier). Dann Unterhaltung in unserm Kaffeehaus. Eintreffen der ›Wurzen‹. Da kann man aber die Dummheit der Männer kennenlernen. Gestern kam so ein junger Leutnant in Zivil, der wurde aber total ausgesogen. Die Zeche, die der Aff zahlen mußte, belief sich auf 80 M. Und so liefern die ›Damen‹ alle Tag einen Andern und der Direktor schöpft den Rahm ab.

Alles Nähere: Die Tages-Plakate.

Schreibt mir bald, aber ja keine Karte sondern Brief. Wie geht es Euch? Hoffentlich gut. – Das Couplet ›Der russische Salat‹ gefällt nicht im geringsten. Ich habe es nur einmal gesungen. – ›Verrückt – verdreht‹, welches ich gut gelernt habe, kann ich ebenfalls nicht machen, da das in Nürnberg schon jeder Schusterbub kann. Ich mußte bei der ersten Vorstellung gleich ›Verhunst ist die Kunst‹ machen, wo ich das noch nie vorgetragen habe. Und gegangen ist es. (Jeden Abend muß ich 2x auftreten.) Mittwochs 4x (Damenkränzchen). Und Sonntags 6x, das ist aber gerade genug.

Gruß an Alle.

Seid gegrüßt aus weiter Ferne.

Seid gegrüßt auf Wiedersehn!

Valentin

 

(Ich habe in 8 Tagen so eine Bühnen-Rudine (Routine!), daß ich in jedes größere Theater gehen kann und 300 M. pro Monat verdiene. Diesen Monat muß ich halt noch dreingeben.)

Bitte um vollständige Diskretion.

Nachtrag: Vor der Samstag-Abend-Vorstellung habe ich den Brief geschrieben und muß noch einen Zettel bei­legen, da ich heute Abend den größten Applaus gehabt habe von allen Nummern. Ich machte 3 Nummern und mußte 6 mal vor den Vorhang, mit Füßen haben sie gestampft und geschrien. Der Applaus dauerte fast nahezu 1 halbe Minute. Das ganze Theater war gesteckt voll bis auf den letzten Platz. Morgen wirds wieder flau werden.

Karl Valentin

Über Karl Valentin

Biografie

Karl Valentin, geboren am 4. Juni 1882 in München, hatte nach dem Besuch einer Varietéschule 1908 erste öffentliche Erfolge mit selbstverfassten Monologen und Couplets. 1911 heiratete Valentin die Mutter seiner zwei Töchter, Gisela Royes. Ab 1915 trat er regelmäßig mit seiner Bühnenpartnerin Liesl...

Pressestimmen

Bild

»So macht das sehr lesenswerte, kurzweilige Buch uns allen Mut, trotz kleiner Unperfektheiten doch g´sund zu sein.«

Christoph Schlingensief

Karl Valentin ist für mich einer der Größten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bis heute gibt es keinen deutschsprachigen Künstler, der aus Sprache ein solches Komikkapital geschlagen hat wie dieser Münchner Querdenker.

Inhaltsangabe

Inhalt

Einführung von Gunter Fette

An die Eltern, 5.10.1902

Ich bin ein armer, magerer Mann

All Heil!

An die Familie aus Berlin, um den 9.2., 12.2., 14.2. und 23.2.1928

Der Menter Xaver hat Zahnweh

Klagelied einer Wirtshaussemmel

Im Jenseits

Does soll ma gar nicht glauben

Um das braune Band

Die Mutter

Mir pressierts

Beim Arzt

Am Heubod’n

In der Apotheke

Wo ist meine Brille?

Kopfwehpulver und Maler

Beim Zahnarzt

Ueble Angewohnheiten

Vergesslich

Schwierige Auskunft

Hohes Alter

Herr Leidenreich

Schamgefühl

Geräusche

Eine heikliche Anregung für Erfinder in der ­Klosettfabrikations=Jndustrie

Pessimistischer Optimismus

Stammtisch-Gespräche

Valentin im Gespräch mit Liesl Karlstadt

Die jetzige Lage – September 1947

Brief an eine Chemiefirma vom 6.1.1947

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