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Frigid

Roman

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Frigid — Inhalt

Sydney und Kyler sind so unterschiedlich wie Feuer und Eis. Während Kyler eine Frau nach der anderen abschleppt, geht Sydney lieber mit einem guten Buch ins Bett. Trotzdem sind sie seit Kindertagen beste Freunde. Doch als sie bei einem Skiurlaub von einem Schneesturm überrascht werden und in einer abgelegenen Skihütte übernachten müssen, werden alte, stets verdrängte Gefühle neu entfacht. Kann ihre Freundschaft diese Nacht überstehen? Und viel wichtiger: Werden sie die Nacht überstehen? Denn während sich die beiden einander vorsichtig nähern, hat es jemand auf ihr Leben abgesehen …

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 02.11.2016
Übersetzt von: Vanessa Lamatsch
336 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30985-1
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 04.10.2016
Übersetzt von: Vanessa Lamatsch
320 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97529-2

Leseprobe zu »Frigid«

Kapitel 1 Sydney

Ich war in meinen besten Freund verliebt.

Wahrscheinlich hätte es schlimmer sein können. Ich hätte mein Herz einem Stripper oder einen Junkie schenken können. Kyler Quinn war nichts davon. Obwohl er mit seinem guten Aussehen und dem braunen Wuschelkopf mühelos als Stripper durchgegangen wäre. Und er machte auf jeden Fall süchtig wie jede Droge, die es dort draußen zu kaufen gab.

Ich entdeckte ihn, noch bevor er überhaupt mitbekommen hatte, dass ich auch hier war. Auf keinen Fall konnte irgendwer Kyler übersehen, nicht mal im vollen Dry [...]

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Kapitel 1 Sydney

Ich war in meinen besten Freund verliebt.

Wahrscheinlich hätte es schlimmer sein können. Ich hätte mein Herz einem Stripper oder einen Junkie schenken können. Kyler Quinn war nichts davon. Obwohl er mit seinem guten Aussehen und dem braunen Wuschelkopf mühelos als Stripper durchgegangen wäre. Und er machte auf jeden Fall süchtig wie jede Droge, die es dort draußen zu kaufen gab.

Ich entdeckte ihn, noch bevor er überhaupt mitbekommen hatte, dass ich auch hier war. Auf keinen Fall konnte irgendwer Kyler übersehen, nicht mal im vollen Dry Docks, wo gerade die gesamte Uni den Beginn der Winterferien feierte. Die Leute liebten Kyler, allen voran die Frauen.

Besonders die Frauen.

Ich will nicht behaupten, dass Kyler aussah wie ein Gott, weil die Skulpturen von griechischen und römischen Göttern meistens nicht besonders attraktiv sind. Und sie sind da unten meist nicht allzu gut bestückt. Ich bezweifelte stark, dass Kyler in dieser Hinsicht Mangel litt, denn es gab einen endlosen Strom von Frauen, die immer und immer wieder auf ihn zurückkamen, um sich Nachschlag zu holen. Auf jeden Fall war er schön, auf unglaublich männliche Weise. Die breiten Wangenknochen, das ausdrucksstarke Kinn und die sinnlichen Lippen wurden durch die prägnante Nase mit dem leichten Knick betont. Er hatte sie sich bei einer Prügelei im ersten Studienjahr gebrochen.

Mir tat die arme Nase immer noch leid.

Und wenn er lächelte? O Mann, der Junge hatte die tiefsten Grübchen aller Zeiten.

Kylers Augen waren braun wie Kaffeebohnen und sie wurden dunkler, wann immer er scharf wurde, und ich hätte darauf gewettet, dass er im Moment ziemlich scharf war.

Mitten in der Bar hielt ich an und legte den Kopf in den Nacken. Ich atmete tief durch und hätte mir am liebsten höchstpersönlich die Faust ins Gesicht gerammt. Nicht nur war Kyler absolut tabu – aufgrund der Tatsache, dass wir unzertrennlich waren seit dem Tag, an dem er mich vom Karussell geschubst und mir, als ich seine Hand halten wollte, mitgeteilt hatte, dass ich Läuse hätte. Ich hatte mich revanchiert, indem ich ihn am nächsten Tag in den Schwitzkasten genommen und gezwungen hatte, Matschkuchen zu essen. Viele Leute verstanden nicht, wieso wir uns so nahestanden. Wir waren wie ein Löwe und eine Gazelle. Tatsächlich waren wir eher wie ein Löwe und eine fußlahme Gazelle, die es niemals schaffen konnte, dem Raubtier zu entkommen.

Ich war natürlich die fußlahme Gazelle in diesem Vergleich.

Gerade als ich mich dem Tisch näherte, an dem Kyler und unser gemeinsamer Freund Tanner saßen, ließ sich eine Blondine mit Beinen, die so lang waren wie ich groß, auf Kylers Schoß fallen. Sein Arm glitt um die unglaublich schmale Taille des Mädchens und ich spürte einen dämlichen, absolut unverzeihlichen Stich im Herzen.

Sicher, Kyler mochte kein Stripper, kein Drogensüchtiger und auch kein Terrorist sein, aber er war ein Frauenheld.

Im letztmöglichen Moment bog ich Richtung Bar ab, wobei ich fast jemandem in den Rücken gerannt wäre. Ich verdrehte die Augen. Wäre perfekt, wenn ich mir selbstverschuldet eine Gehirnerschütterung verpasste. Bunte Weihnachts-Lichterketten baumelten vom Rand der Bar, was ich angesichts all der Betrunkenen, die fröhlich ihre Drinks verschütteten, ziemlich gewagt fand. Ich entdeckte einen leeren Hocker vor dem Tresen, setzte mich und wartete darauf, dass der Barkeeper mich bemerkte. Und es fiel leicht, mich zu bemerken. Ich sah aus, als wäre ich maximal sechzehn, also kontrollierten sie gewöhnlich sofort meinen Ausweis. Der Barkeeper erschien, stellte die übliche Frage und dann bestellte ich meinen Standarddrink: Diätcola mit Rum.

Durch die Geräuschkulisse aus Unterhaltungen und Musik drang ein Kichern an mein Ohr. So auffällig wie eine verdammte Alarmsirene. Es ergab keinen Sinn hinzuschauen. Außerdem gab es keinen Grund, mir den Abend jetzt schon zu versauen. Ich verschränkte die Beine. Legte die Hände auf die Bar. Trommelte mit den Fingern den Rhythmus eines Songs auf den Tresen, den ich nur mit halbem Ohr wahrnahm. Starrte auf die unzähligen Flaschen hinter der Bar, mit denen meine beste Freundin so sehr vertraut war.

Aber dann schaute ich doch rüber zu den Tischen, weil ich ein Mädchen war und mich deswegen einfach mädchenhaft benehmen musste.

Blondie saß rittlings auf Kyler. Ihr kurzer Jeansrock war bis zu ihren Schenkeln hochgeschoben. Anhand ihrer Kleidung hätte man nie vermutet, dass Winter herrschte. Andererseits: Hätte ich ihre Beine gehabt, ich hätte auch ständig so einen Rock getragen.

Kyler saß mit dem Rücken zu mir, aber er musste dem Mädchen etwas Interessantes ins Ohr geflüstert haben, denn sie lachte wieder. Ihre leuchtend pinkfarbenen Fingernägel gruben sich in seine Schultern und knüllten den Stoff seines schwarzen Sweaters zusammen. Dann hob sie die Hand und fuhr ihm mit den Fingern durch die Haare über seiner Stirn, um sie nach hinten zu schieben.

Jetzt konnte ich den Blick nicht mehr abwenden. Ich war vollkommen auf die beiden fixiert, wie eine üble Masochistin.

Kyler legte den Kopf in den Nacken, sodass ich nur eine Hälfte seines Gesichtes sehen konnte. Er grinste. Es war kein richtiges Lächeln, bei dem diese total unwiderstehlichen Grübchen zum Vorschein kamen, sondern dieses schiefe Grinsen, das ich so gut kannte – dieses verheerende und unglaublich heiße Halbgrinsen.

»Bitte sehr.« Der Barkeeper stellte meinen Drink vor mir auf den Tresen.

Ich wandte mich von dem ab, was weiter hinten geschah, sah zum Barkeeper auf und schob mir eine lockige schwarze Strähne aus dem Gesicht. »Danke.«

Er zwinkerte mir zu. »Kein Problem.«

Damit wanderte er davon, um jemand anderen zu bedienen, während ich zurückblieb und mich fragte, wieso er gezwinkert hatte. Mit dem Gedanken im Kopf, dass ich mich von Kyler nicht hätte überreden lassen sollen, heute Nacht loszuziehen, hob ich mein Glas und nahm einen tiefen Zug. Ich zwang mich, den Longdrink so zügig wie möglich leer zu trinken.

Gerade als ich das Glas wieder abgestellt hatte, wurde ich von hinten umarmt. Das Parfüm mit der unverkennbaren Vanille-Note und ein hochfrequentes Quietschen verrieten, wer hinter mir stand.

»Du bist da! Ich habe dich vom anderen Ende der Bar gesehen und versucht, dich auf mich aufmerksam zu machen«, sagte Andrea, als ich mich auf dem Barhocker herumdrehte. Ihre roten Locken standen in alle Richtungen von ihrem Kopf ab. Meine Mitbewohnerin sah aus wie Disneys Merida, die erwachsen geworden war … wenn Merida ein Alkoholproblem hatte. Was durch die Bierflaschen bewiesen wurde, die Andrea in beiden Händen hielt.

»Wie viel hast du schon getrunken?«, fragte ich mit einem Blick auf die Flaschen.

Sie verdrehte die Augen. »Eines ist für Tanner, du Mistvieh.«

»Seit wann holst du Bier für Tanner?«

Andrea zuckte mit den Achseln. »Heute Abend ist er nett. Also bin ich heute Abend auch nett.«

Tanner und Andrea waren seltsam. Sie waren sich letztes Jahr zum ersten Mal begegnet und es war Hass auf den ersten Blick gewesen. Aber irgendwie trafen sie sich ständig an denselben Orten und ich ging davon aus, dass sie manchmal einfach stolperten und auf dem Mund des anderen landeten oder so. Sie hatten ein paar Mal miteinander rumgemacht, sich um einiges öfter gestritten und jetzt brachte Andrea ihm Getränke. Ich wurde einfach nicht schlau aus den beiden.

»Wie lange seid ihr schon da?«, fragte ich.

»Ungefähr eine Stunde.« Andrea drängte sich zwischen mich und das Mädchen auf dem Hocker neben mir. »Kylers Mädelsparade läuft bereits.«

Ich zog eine Grimasse. »Schon bemerkt.«

»Ich habe bemerkt, dass du es bemerkt hast. Das war doch der Grund, warum du mich überhaupt nicht beachtet hast.« Sie nahm einen Schluck Bier. »Kommst du rüber zu uns?«

An den Tisch, an dem Blondie quasi Trockensex mit Kyler hatte? »Demnächst irgendwann.«

Sie schmollte. »Du solltest zu uns kommen. Kyler wird die Tussi in die Wüste schicken, wenn du da bist. Und dann muss ich mir keine Sorgen mehr darum machen, Herpes zu bekommen.«

»Herpes wird nicht durch die Luft übertragen«, erklärte ich ihr.

»Sicher, das behauptest du jetzt. Aber wenn sich der Erreger erst mal mit Chlamydien und Genitalwarzen verbunden hat, ergibt das den ultimativen Killerherpes.« Sie rümpfte die Nase. »Einmal tief einatmen und zack! … Man ist für den Rest des Lebens abhängig von der Pharmaindustrie.«

Andrea hatte vor, nach dem College Medizin zu studieren. Mich beschlich das Gefühl, sie sollte lieber ein paar ihrer Kurse wiederholen, wenn sie wirklich glaubte, diese Mutation von Krankheiten wäre möglich. Aber ich verstand, wo das eigentliche Problem lag, und es hatte nichts mit Herpes zu tun.

Wenn ein Mädchen hinter Kyler her war, dann hingen irgendwo am Rand mindestens noch zwei oder drei weitere herum. Ich sah über die Schulter. Jepp. Zwei Mädchen. Andrea wollte, dass ich rüberkam, damit Kyler sich benahm. Sie war genauso gut darin wie ich, ihre wahren Gefühle zu verbergen. Sie wollte nicht, dass eines dieser anderen Mädels auf Tanners Schoß fiel, und das würde allem Anschein nach gleich passieren. Eine Dunkelhaarige machte sich gerade an den tätowierten Polizistensohn mit den kurz rasierten Haaren heran. Tanner schien nicht besonders interessiert, weil er stattdessen etwas zu Kyler sagte. Blondie war allerdings nicht begeistert von der mangelnden Aufmerksamkeit, die ihr entgegengebracht wurde. Sie drehte sich um, fischte mit dem Finger einen Eiswürfel aus einem der Drinks auf dem Tisch und schob ihn sich in den Mund. Mit der anderen Hand zog sie Kylers Gesicht zu sich, als sie den Kopf senkte.

»Oh, schau dir das an.« Andrea seufzte. »Ich glaube, das habe ich mal in einem Film aus den Achtzigerjahren gesehen. Glaubst du, diese Tussi besitzt auch nur einen Funken Schamgefühl?«

Mein Magen machte einen Sprung, als säße ich in einer Achterbahn. Hier ging es nicht um Schamgefühle. Es ging darum, sich zu holen, was man wollte. Ein Teil von mir beneidete Blondie – ein wirklich großer, Kyler-anbetender Teil von mir. »Ich hoffe inständig, dass ihre Münder sich nicht berühren, weil ich inzwischen an nichts anderes mehr denken kann als Herpes.«

Andrea stieß sich von der Bar ab. »Ähm …«

Ihre Lippen berührten sich.

Verdammt.

Eine Sekunde später zog sich Kyler zurück. Sein Kiefer bewegte sich, als würde er das Eis zerkauen, das Blondie so freundlich mit ihm geteilt hatte.

»Igitt«, murmelte ich und wandte mich ab.

Auch Andrea verzog das Gesicht, weil sie wusste … na ja, sie war die Einzige, die davon wusste.

»Ich komme irgendwann rüber. Aber erst will ich mein Glas austrinken.«

»Okay.« Sie lächelte, doch ihr Blick wirkte traurig. »Sydney …«

Jetzt fühlte ich mich wie ein Jammerlappen. »Ist schon okay, wirklich. Ich komme gleich.«

»Wenn du ausgetrunken hast?« Als ich nickte, seufzte sie tief. »Du trinkst deine Drinks nie aus. Ich werde warten. Aber lass dir nicht ewig Zeit.« Sie wollte gehen, doch dann wirbelte sie noch einmal zu mir herum, wobei ihr fast ein Bier aus der Hand gerutscht wäre. »Ich hab es mir anders überlegt. Lass dir doch Zeit.«

»Hä?«

Ihr Lächeln wurde breiter. »Schau mal, wer gerade aufgetaucht ist.«

Ich reckte den Hals, um ihrem Blick zu folgen. »Oh.«

»Genau: oh.« Andrea beugte sich vor und drückte mir ein Küsschen auf die Wange. »Vergiss Kyler, das elende Flittchen. Du hast was Besseres verdient. Aber er?« Sie nickte Richtung Tür. »Das ist der Kerl, der mehr als bereit ist, deinem zölibatären Leben ein Ende zu setzen.«

Meine Wangen wurden heiß. Bevor ich mit ihr über die Verwendung des Wortes »zölibatär« diskutieren konnte, war Andrea bereits verschwunden und ich blieb zurück, um Paul Robertson anzustarren.

Er war neu in unserer Clique; ich hatte ihn in meinem Kurs über Kognitive Prozesse getroffen. Er … er sah gut aus. War nett und witzig. Er war eigentlich perfekt, aber …

Paul hielt am Rand der Tanzfläche an und nahm seine Mütze ab. Dann fuhr er sich durch die blonden Haare und sah sich in der Kneipe um. Er fand meinen Blick und ein Grinsen huschte über sein Gesicht. Er winkte mir kurz zu, dann navigierte er geschickt zwischen den Leuten hindurch, die um die runden Tische standen.

Er wäre im Moment perfekt für mich. Allein schon aus diesem Grund musste ich aufhören, an das unerreichbare Ideal zu denken, und mich stattdessen mit dem beschäftigen, was direkt vor meiner Nase lag.

Ich atmete tief durch und kleisterte mir ein Lächeln ins Gesicht, von dem ich nur hoffen konnte, dass es einladend wirkte. Letztendlich zählte immer nur das Jetzt.

 

Kyler Ich bekam langsam Kopfweh. So wie diese Biene sich auf meinem Schoß wand – als wäre sie bereit, sofort zur Sache zu kommen –, würde das eine lange Nacht werden. Ich kaute auf dem Eis herum, halb in Versuchung, es einfach auszuspucken.

Aber das wäre irgendwie unhöflich gewesen.

Ich hätte in Partystimmung sein müssen, aber das war ich nicht. Noch ein Semester im College – und dann was? Ins Familiengeschäft einsteigen und den ganzen Mist? Gott, das war wirklich das Letzte, was ich wollte. Na ja, vielleicht nicht das Letzte. Meiner Mom zu erklären, warum ich mir keine Zukunft in der Bar-Restauration vorstellen konnte, war wahrscheinlich das Letzte, was ich tun wollte. Ich hatte das noch nie gewollt, aber nach fast vier Jahren College war ich kurz davor, meinen Abschluss in Drecks-BWL zu machen.

Ich griff um das Mädchen herum und schnappte mir meine Bierflasche. Mir gegenüber zog Tanner die Augenbrauen hoch. Ich feixte, als er sich wieder auf das konzentrierte, was die Brünette gerade zu ihm sagte. Irgendwas darüber, dass sie sich gestern einem Intim-Waxing unterzogen hatte, die vierundzwanzigstündige Schonzeit danach aber inzwischen abgelaufen war. Ehrlich? So was wollte doch wirklich keiner hören.

Zu wissen, dass Sex jederzeit möglich war, hatte durchaus seine Vorteile, aber Tanner wirkte nicht allzu begeistert.

»Kyler«, flötete mir die Blondine ins Ohr, während sie mit dem Hintern wackelte. »Du scheinst dich gar nicht zu freuen, mich zu sehen. Dabei freue ich mich sehr, dich wiederzusehen.«

Anscheinend wirkte auch ich nicht allzu begeistert. Ich nahm einen tiefen Zug von meinem Bier. Ich wusste, dass ich vorsichtig vorgehen musste. So wie es aussah, kannte ich dieses Mädchen – also kannte-kannte sie –, aber ich konnte weder ihr Gesicht noch ihren Hintern einordnen, was irgendwie vollkommen abgedreht war. Wie konnte ich sie nicht wiedererkennen, wenn ich doch offensichtlich irgendwann mal mit ihr geschlafen hatte?

Scheiße.

Manchmal kotzte ich mich selbst an.

Sie beugte sich vor, bis ihre Brüste fast unter meinem Kinn klebten. Okay. So sehr kotzte ich mich dann doch nicht an. »Süße«, sagte ich, während ich an meiner Bierflasche herumspielte. »Irgendwann werde ich wieder atmen müssen.«

Kichernd lehnte sie sich weit genug nach hinten, dass ich mir noch einen schnellen Schluck Bier genehmigen konnte. Sie fuhr mir mit den Fingern durch die Haare, um sie aus meiner Stirn zu streichen. Ich kämpfte gegen den Drang an, ihre Hände zur Seite zu schlagen. »Wirst du später wieder für mich Gitarre spielen?«

Ich zog die Augenbrauen hoch. »Ich habe für dich Gitarre gespielt?«

Tanner musste ein Lachen unterdrücken.

Das Mädchen – verdammt, ich hoffte, ihre Freundin würde sie bald mal mit Namen ansprechen – runzelte die Stirn. »Ja!« Sie schlug mir spielerisch auf die Brust. »Du hast mit diesen unglaublich talentierten Fingern gespielt und dann hast du sie anderweitig eingesetzt.«

Oh.

Tanner lehnte sich in seinem Stuhl zurück. »Schau an, du und deine talentierten Finger.«

»Meine unglaublich talentierten Finger«, korrigierte ich ihn.

Er schüttelte den Kopf und wandte sich ab, als die Brünette sich vorbeugte, um ihren Finger über die Tätowierung gleiten zu lassen, die unter seinem aufgerollten Ärmel zum Vorschein gekommen war.

»Du erinnerst dich nicht?« Blondie schob die glänzende Unterlippe vor. »Das verletzt mich tief.«

Ich schnaubte und nahm noch einen Schluck Bier, wobei ich meinen Blick durch die inzwischen rappelvolle Bar gleiten ließ. Manchmal hatte ich wirklich keine Ahnung, wieso ich mich ständig in solchen Situationen wiederfand. Okay. Das war eine Lüge. Das Ding zwischen meinen Beinen war dafür verantwortlich, dass ich mich ständig in solchen Situationen wiederfand.

Aber es lag nicht nur daran.

Es hatte noch nie nur daran gelegen.

»Kyler«, quengelte das Mädchen.

Ich holte tief Luft und wandte mich ihr wieder zu, um ihr mein charmantestes Lächeln zu schenken. »Ja?«

»Willst du nicht teilen?«

Bevor ich antworten konnte, hatte sie mir auch schon die Flasche aus der Hand genommen und quasi den gesamten Inhalt in sich hineingegossen. Ich zog die Augenbrauen hoch. Verdammt. Das war eindrucksvoll … und irgendwie eklig.

Ihre Freundin kicherte. »Himmel, Mindy, lass es langsam angehen. Ich werde auf keinen Fall deinen betrunkenen Hintern zurück ins Wohnheim schaffen.«

Aha! Sie hieß Mindy! Sofort fühlte ich mich ein bisschen besser.

Mindy zuckte nur mit den Schultern und drehte sich wieder zu mir um. Sie lehnte sich vor, und als sie sprach, roch ich nur Bier. »Du bist so unglaublich sexy. Hat dir das schon mal jemand gesagt?«

»Ein oder zwei Mal«, antwortete ich, wobei ich mir noch ein Bier wünschte.

Andrea erschien am Tisch, ein Bier in jeder Hand. Eines war für sie, eines für Tanner. Na super. Sie sah mich an und brummte abfällig: »Als hätte Kyler es nötig, dass man sein Ego noch streichelt.«

»Kyler hat es nötig, dass man etwas anderes von ihm streichelt«, murmelte Mindy. Gleichzeitig schob sie ihre Hüfte vor.

Ein angewiderter Ausdruck huschte über Andreas Gesicht, als sie sich gegenüber von Tanner hinsetzte. Doch das störte mich nicht. Aber wenn jemand anderes diese Grimasse gezogen hätte …

»Hast du Syd gesehen?«, fragte ich.

Andrea musterte mich aus zusammengekniffenen Augen über den Rand ihrer Bierflasche hinweg. Aber sie antwortete nicht.

Ich ließ mich seufzend zurück in den Stuhl sinken. »Ich habe sie eingeladen zu kommen.«

Tanner zog eine Augenbraue hoch. »Du weißt verdammt gut, dass Syd in ihrem Wohnheim ist und für unseren Ausflug packt. Tatsächlich räumt sie wahrscheinlich schon alles um.«

Ein Lächeln verzog meinen Mund. Wahrscheinlich dachte Syd vollkommen besessen darüber nach, was sie mitnehmen sollte.

»Wer interessiert sich schon für diese Syd?« Mindy verschränkte die Arme, was ihre Brüste noch größer wirken ließ. Eigentlich unmöglich. Sie sah ihre Freundin an. »Ich brauche noch einen Drink.«

»Genau wie ich«, meinte ich und wippte mit dem Knie, um sie von meinem Schoß zu vertreiben. Sie checkte es nicht. Ich seufzte. »Da du mein Bier ausgetrunken hast, wieso ziehst du nicht los und holst Nachschub?«

Wieder verzog Mindy schmollend den Mund. »Hast du gesehen, wie voll es an der Bar ist? Das dauert ewig.«

»Du könntest auch aufstehen«, schlug Andrea mir vor.

Ich sah über die Schulter zur Bar. Rappelvoll. Scheiße. Die halbe Uni schien sich hier herumzutreiben.

Mindys biergeschwängerter Atem glitt über meine Wange. »Du solltest uns was zu trinken besorgen, Babe. Ich liebe Jell-O-Shots.«

»Ich bin nicht dein Babe.« Mein Blick glitt über die Leute an der Bar. War das Paul? Er kam ziemlich selten hierher. Nur wenn Syd auftauchte. Einen Moment … Ich beugte mich zur Seite, um an einem Riesenkerl vorbeizuspähen. War das Syd an der Bar? Bei Paul?

Wieder glitt eine Hand in meine Haare. »Vor ein paar Wochen warst du mein Babe.«

»Interessant«, murmelte ich. Der Riesenkerl verschwand mit einem Bier in der Hand und, heiliger Strohsack, es war tatsächlich Syd. Ihre langen schwarzen Haare fielen offen über ihren Rücken und sie hatte die Beine an den Knöcheln überschlagen. Wie sie da saß, sah sie so verdammt winzig aus, dass es mich fast überraschte, dass sie überhaupt bedient worden war.

Außerdem überraschte es mich, dass sie an der Bar saß, ohne mich und mit Paul.

Was zum Teufel stimmte nicht mit diesem Bild?

Ich drehte mich wieder um und spießte Andrea mit einem Blick auf. »Wann ist sie aufgetaucht?«

Sie zuckte nur mit den Achseln. »Keine Ahnung.«

Meine Verärgerung kochte über. »Sie sollte nicht allein an der Bar sitzen.«

Mindy sagte etwas, aber ich hörte nicht hin. Meine wunderbare selektive Wahrnehmung hatte sich eingeschaltet.

Andrea wechselte einen Blick mit Tanner. Ich ignorierte es. Und damit hatte es diesen Blick nie gegeben.

»Sie ist nicht allein«, erklärte sie freundlich.

»Genau darum geht es.« Ich umfasste Mindys Hüften und sie verzog erwartungsvoll das hübsche Gesicht. Zu dumm, dass ich die Seifenblase ihrer Vorfreude gleich zum Platzen bringen würde. Ich hob sie von meinem Schoß und stellte sie auf die Füße. »Bin gleich zurück.«

Mindy fiel die Kinnlade nach unten. »Kyler!«

Ich ignorierte sie. Außerdem ignorierte ich Andreas spöttisches Grinsen und die Grimasse, die Tanner zog, als ich aufstand und herumwirbelte.

Syd sollte wirklich nicht allein an der Bar sitzen. Und es zählte auch nicht, dass Paul neben ihr stand. Sie brauchte jemanden, der auf sie aufpasste und alles im Blick behielt. Denn Syd … na ja, sie hatte diese Naivität an sich, die Trottel in Scharen anzog. Trottel wie Paul – und andere Kerle wie mich, die es quasi auf nichts anderes abgesehen hatten, als ein Mädel flachzulegen. Aber wenn es um Sydney Bell ging, war ich anders – vollkommen anders. Meine Aufgabe bestand quasi seit Anbeginn der Zeit darin, dafür zu sorgen, dass sie nicht in Schwierigkeiten geriet. Und der jetzige Moment fiel in diese Kategorie.

Jepp. Genau das war der Grund, warum ich dieses kleine Gespräch gleich sprengen würde.

 

Kapitel 2 Sydney

»Hey«, sagte Paul und glitt auf den Platz, den Andrea freigegeben hatte. »Ich wusste gar nicht, dass du auch kommst. Du hast heute im Kurs nichts davon gesagt.«

»Spontane Entscheidung.« Ich nahm einen Schluck von meiner Rum-Cola. Sie war bereits verwässert. »Wie war das Examen?«

»Ich glaube, es ist gut gelaufen. Und bei dir?«

Ich zuckte mit den Achseln. »Ich denke, ich habe bestanden.«

»Wahrscheinlich hast du die beste Arbeit geschrieben.« Er brach ab und bestellte ein Lagerbier bei dem Barkeeper, der vor ihm aufgetaucht war. »Hast du schon gepackt?«

Wir brachen morgen zu unserem jährlichen Skiausflug nach Snowshoe Mountain auf. Es war das erste Mal, dass Paul mitkam, aber Kyler und ich fuhren schon seit der Highschool in die Skihütte seiner Mom. Andrea und Tanner kamen zum zweiten Mal mit und einige von Kylers sonstigen Freunden würden sich uns auch anschließen. Gewöhnlich waren wir ziemlich viele Leute.

»Ich hatte schon letztes Wochenende alles fertig.« Ich kicherte. »Ich bin einfach so.«

Sein Grinsen wurde breiter. »Ich muss noch packen. Übrigens, danke, dass du mich eingeladen hast. Ich war noch nie in Snowshoe.«

Überraschend, da er doch in einer benachbarten Stadt aufgewachsen war. Ich war davon ausgegangen, dass jeder, der in Maryland wohnte, irgendwann schon mal in Snowshoe gewesen war. »Kein Problem. Du hast gesagt, dass du gern Ski fährst, also schien es mir logisch. Kyler wird Tag und Nacht auf der Piste sein, also hast du auf jeden Fall Gesellschaft beim Fahren.«

Pauls Blick huschte zu dem Tisch, an dem meine Freunde saßen. »Da bin ich mir nicht so sicher.«

Ich runzelte die Stirn und weigerte mich, zur Kenntnis zu nehmen, was an diesem Tisch von Sünde und Sex so geschah. Wahrscheinlich waren sie bereits damit beschäftigt, Babys zu zeugen. »Wie meinst du das?«

»Ich habe nicht den Eindruck, dass Kyler allzu begeistert von mir ist.« Paul richtete seinen Blick wieder auf mich und zuckte mit den Achseln. »Fährst du nach dem Skiausflug eigentlich nach Hause?«

Ich nickte. »Jepp. Weihnachten mit der Familie und dann bleibe ich noch, bis das Frühjahrssemester wieder anfängt. Und du?«

»Ich verbringe einen Teil der Zeit in Bethesda und danach geht es nach Winchester zu meiner Mom.« Er kratzte am Etikett seiner Flasche herum, die Stirn gerunzelt. »Meine Eltern haben sich vor ein paar Jahren scheiden lassen, also muss ich beiden einen Besuch abstatten.«

Das hatte ich nicht gewusst. »Tut mir leid, das zu hören.«

Ein feines Lächeln umspielte seine Lippen. »Keine große Sache. Ich kriege zweimal die volle Nummer zu Weihnachten, also wirst du von mir keine Beschwerden hören.«

Ich nahm noch einen kleinen Schluck, dann stellte ich mein Glas ab. »Doppelt so viele Geschenke.«

»Doppelt so viel Spaß.« Sein Blick fiel auf seine Bierflasche. Die Hälfte des Etiketts war bereits verschwunden. »Hör mal. Ich dachte, wir könnten …«

Starke Arme schlangen sich von hinten um meine Hüfte. Ich wurde von meinem Hocker gezogen und mein überraschter Schrei brach ab, als mein Rücken gegen eine Wand aus Muskeln knallte. Dann erstickte ich fast in einer ungestümen Umarmung, die nach Aftershave und Natur roch.

Nur eine Person auf der ganzen Welt ließ mir solche Umarmungen angedeihen oder fühlte sich so hart an … so gut.

Kylers tiefe Stimme rumpelte durch meinen Körper. »Seit wann bist du hier?«

Meine Füße berührten immer noch nicht wieder den Boden. »Seit einer Weile«, keuchte ich und umklammerte seine Arme durch den Sweater.

»Was soll das, verdammt? Hast du dich versteckt?«

Paul lehnte sich grinsend gegen die Bar, aber irgendwie wirkte seine Miene angestrengt. Nicht dass ich ihm das hätte übel nehmen können. Kyler platzte gern mal in Situationen und riss alles an sich. »Ich habe mich nicht versteckt«, erklärte ich, wobei ich rot wurde, als ich Pauls Blick auffing. »Und könntest du mich bitte runterlassen?«

»Was, wenn ich es nicht tue?«, zog Kyler mich auf. »Du bist so klein, dass ich dich in die Tasche stecken könnte.«

»Was?« Ich lachte. »Lass mich runter, du Idiot. Ich habe mich unterhalten.«

»Tut mir leid, Paul, aber ich stehle sie dir.« In Wirklichkeit tat es Kyler überhaupt nicht leid. Er wich zurück und ich hatte keine Wahl, als ihm zu folgen, weil ich seine Umklammerung auf keinen Fall überwinden konnte. Er drehte sich um, ließ sich auf einen Stuhl fallen, der sich nicht mal ansatzweise in der Nähe des Tisches befand, an dem er vorher gesessen hatte, und drehte mich auf seinem Schoß, sodass ich seitwärts auf seinem Oberschenkel saß. »Ich bin nicht erfreut, Syd.«

Ich zog eine Augenbraue hoch, doch gleichzeitig schlug mein Herz schneller. Er war der einzige Mensch auf der Welt, der mich Syd nannte – na ja, der einzige Mensch, dem ich das erlaubte, ohne ihn sofort gegen das Schienbein zu treten. »Wirklich? Weswegen?«

»Du hast dich mit diesem Trottel unterhalten.«

»Welchem Trottel?«

Er lehnte sich vor, bis seine Stirn an meiner ruhte. Mein Atem stockte. Warum musste er mir immer so verdammt nahe kommen? Und das tat er wirklich ständig. »Paul.«

»Was ist mit ihm?« Ich stemmte meine Hände gegen seine Schultern, um ihn von mir zu schieben, aber er hielt mich fest. »Bist du betrunken?«

»Bin ich betrunken? Jetzt hast du es geschafft, meine Gefühle zu verletzen, Syd.«

Ich feixte. »Du hast keine Gefühle.«

»Also, also. Das war aber nicht besonders nett.« Kyler schlug die unfassbar langen Wimpern nieder und verbarg damit seine Augen, als er den Kopf hob, um seine Wange an meiner zu reiben. Ich vergrub meine Finger fester in seiner Schulter, weil Verlangen in mir aufstieg. »Ich habe all diese Gefühle, Syd.«

Es kostete mich einen Moment, eine Antwort zu formulieren. »Du bist randvoll mit Blödsinn.«

Wieder rieb er seine Wange an meiner, wie eine Katze, die sich nach Streicheleinheiten sehnt. Ich dagegen kämpfte gegen den Drang, laut zu schnurren.

»Ich bin randvoll mit etwas.«

»Pisse und Essig?«, schlug ich vor, während ich mich verzweifelt bemühte, meinen Puls unter Kontrolle zu bringen.

Er lachte tief, dann ließ er sich gegen die Lehne des Stuhls sinken, den er gerade erobert hatte. »Zurück zu unserem ernsten Gespräch.«

»Bei dem die Frage doch lautet: Warum genau spielst du gerade den Weihnachtsmann?«

Kyler schlug die Augen auf und sein Blick bohrte sich in meinen. »Hmm, das klingt ziemlich interessant. Warst du dieses Jahr brav oder unartig, Syd?«

Ich öffnete den Mund, doch kein Wort drang daraus hervor. Meine Wangen brannten und ein wissender Ausdruck trat in seinen Blick.

»Ich weiß, was du warst.« Er küsste mich auf die Stirn. »Du warst brav.«

Meine Schultern sackten nach unten. Ich wollte nicht brav sein. Ich wollte unartig sein, wie Blondie. Ich bezweifelte, dass Kyler sie aufgezogen hatte, als sie vor Kurzem auf seinem Schoß saß. Vielleicht sollte ich mir auch einen Eiswürfel schnappen und einfach mal schauen, was er tun würde. Nur dass das erfordert hätte, dass ich mich kurzerhand aus irgendeinem fremden Glas bediente … und das war einfach widerlich. Besonders nach dem Gespräch über Herpes.

Ich musste dringend das Thema wechseln. »Ist es immer noch okay, dass ich morgen das Auto bei dir lasse und du mich mit nach Hause nimmst, wenn wir aus Snowshoe zurückkommen?«

»Natürlich. Wieso sollte sich etwas daran geändert haben?«

Ich zuckte mit den Achseln. »Wollte nur noch mal nachfragen.«

Und plötzlich war Kyler vollkommen ernst, was mir bewies, dass er nicht im Mindesten betrunken war. »Bei so was musst du nie nachfragen, Syd. Wenn du irgendwo um zwei Uhr morgens abgeholt werden musst, rufst du als Erstes mich an.«

Ich senkte den Kopf. »Ich weiß.«

»Obwohl es mich dann natürlich brennend interessieren würde, was du um diese Uhrzeit treibst«, fügte er hinzu, als wäre es einfach unvorstellbar, dass ich so spät noch unterwegs sein könnte. »Auf jeden Fall, wenn du das weißt, dann solltest du nicht mehr nachfragen müssen. Ich bin für dich da.«

Ich schob mir die Haare nach hinten und nickte. »Danke.«

»Du musst mir nicht danken.« Er zögerte und schloss seine Arme fester um mich. »Er ist ein Trottel.«

»Hä?« Ich blinzelte.

Kyler sah mit zusammengekniffenen Augen über meine Schulter. »Paul. Er starrt selbst jetzt in unsere Richtung. Mir gefällt einfach nicht, wie er dich anschaut.«

Fast hätte ich mich umgedreht. »Er starrt uns nicht an, du Schwachkopf. Er und ich haben uns unterhalten, bevor du aufgetaucht bist. Also wartet er wahrscheinlich darauf, dass ich zurückkomme. Und er ist kein Trottel.«

»Aber ich will nicht, dass du zurückgehst.«

Ich seufzte. War es ein Wunder, dass ich seit Ewigkeiten kein Date mehr gehabt hatte, wenn Kyler mein bester Freund war? Na ja, es gab auch andere Gründe, aber trotzdem. Kyler benahm sich wie ein Dad und ein älterer Bruder in Personalunion. »Du benimmst dich lächerlich.«

Er warf mir einen Blick zu, der deutlich davon sprach, dass er anderer Meinung war. »Ich mag ihn nicht. Ich kann dir gern eine Liste von allem geben, was ich an ihm nicht mag.«

»Ich verzichte.«

»Du lässt dir eine sehr stimulierende Aufzählung entgehen.«

Ich verdrehte die Augen. »Na ja, ich mag Blondie nicht. Und ich hätte auch eine Liste mit Gründen.«

Er zog eine Augenbraue hoch. »Blondie? Oh. Meine neue Freundin?«

»Freundin?« Ich lachte. »Ich glaube nicht, dass ›Freundin‹ die richtige Bezeichnung für sie ist.«

Mit einem Seufzen lehnte er sich vor und ließ sein Kinn auf meiner Schulter ruhen. »Du hast recht. Das ist nicht die richtige Bezeichnung.«

»Okay. Du musst ziemlich betrunken sein, wenn du zugibst, dass ich recht habe.«

»Du bist heute Abend eine solche Besserwisserin.« Er ließ seine Hand an meinem Rücken nach oben gleiten und ein Schauder überlief meinen Körper. »Ist dir kalt?«

Da ich kaum die Wahrheit gestehen konnte, log ich einfach. »Ein wenig.«

»Hmm … weißt du was?«

Der leichte Druck, den er auf meinen Rücken ausübte, schob mich nach vorn. Ich lehnte die Wange an seine Schulter und schloss die Augen. Für einen Moment schaffte ich es, mir einzubilden, wir wären nicht in einer Bar, in der schlechte Musik gespielt wurde, und – noch besser – wir wären zusammen.

Auf die Art zusammen, wie ich es mir so sehr wünschte.

»Was?«, fragte ich, als ich mich näher an ihn herankuschelte, um den Moment zu genießen.

»Diese Biene ist nicht meine Freundin.« Sein Atem glitt warm über mein Ohr und ich liebte das Gefühl. »Du bist meine beste Freundin, seitdem ich denken kann. Es ist beleidigend, sie auch so zu nennen.«

Ich sagte nichts dazu. Und auch Kyler schwieg. Eine kurze Weile saßen wir einfach nur da. Ein Teil von mir wollte vom Stuhl aufstehen und jubilierend der ganzen Bar verkünden, dass Kyler mehr von mir hielt als von Blondie. Doch ein anderer Teil wollte nach Hause gehen und mich in einer Ecke verkriechen … weil das nichts daran änderte, wie der heutige Abend enden würde. Ich würde allein zurück in mein Wohnheim gehen und Kyler würde Blondie mit in sein Apartment nehmen.

So lief es jedes Wochenende – und wer weiß wie oft auch unter der Woche.

Niemand konnte meinen Platz in Kylers Leben einnehmen. Das wusste ich. Ich war die Person, die alles über ihn wusste und der er vor allen anderen vertraute.

Ich war Kylers beste Freundin.

Und deswegen würde er mich nie so lieben, wie ich ihn liebte.

 

Kapitel 3 Sydney

Die dämlichen Räder meines Koffers verhakten sich in dem billigen braunen Teppich, der im Flur vor Kylers Apartment auslag, sodass ich stolperte. Ich schwankte zur Seite und meine Haare fielen mir vor die Augen. Ich riss einen Arm hoch, um das Gleichgewicht wiederzufinden, und damit begannen mir die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes zu entgleiten.

Ich musste eine schreckliche Entscheidung treffen, und zwar schnell. Den E-Reader fallen lassen oder den Cappuccino. Beide waren überlebensnotwendig. Aber der E-Reader war für mich wie ein unersetzbares und liebgewonnenes Baby. Ohne ihn würde ich den Urlaub nicht überstehen.

Ich umfasste ihn fester und ließ den Becher zu Boden fallen, wo sich der Cappuccino in einer Fontäne über den Teppich ergoss und einen dunklen Fleck hinterließ, der an einen scheußlichen Tatort erinnerte.

Ich seufzte.

Tja, die Yoga-Stunden, die ich zweimal die Woche nach meinen Psychologie- und Jurakursen besuchte, hatten mein Gleichgewicht offensichtlich nicht wesentlich verbessert. Ich hob den Pappbecher vom Boden auf und warf ihn in den Mülleimer neben dem Lift.

Dann atmete ich tief durch, klopfte an die Tür und trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Mehrere Sekunden vergingen, in denen ich nicht das kleinste Geräusch im Apartment hörte, nicht mal leise Schritte. Ich klopfte wieder, und als auch beim zweiten Mal niemand reagierte, drehte ich mich um und lehnte mich mit dem Rücken gegen die Tür.

Kyler hatte einen festen Schlaf. Ich versuchte nicht mal, auf seinem Handy anzurufen. Nur eine Atombombe konnte ihn aufwecken.

Mein Blick wanderte zum E-Reader. Verdammt, ich hatte bei meinem waghalsigen Manöver die Vorwärts-Taste erwischt und nach vorn geblättert. Und es wurde gerade gut. Hades war in einem Supermarkt aufgetaucht. Seufz. Ich tippte auf die Rückwärts-Taste, um mehrere Seiten nach hinten zu gelangen …

Die Tür hinter mir schwang plötzlich auf und ich kippte mit dem Rücken voran ins Leere. Ich drehte mich reflexartig um und streckte die Arme aus, um mich abzustützen, wobei meine Hand auf warmes, nacktes Fleisch stieß. Warmes, hartes, nacktes Fleisch. Ein starker Arm glitt um meine Hüfte und fing mich auf, bevor ich mit der Nase auf einer braunen Männerbrustwarze landete.

Oh, lieber Gott im Himmel …

Ich wich zurück und löste mich aus Kylers festem Griff. Ich sog scharf Luft in meine Lunge und meine Augen wurden groß. Nur Zentimeter von mir entfernt befanden sich die perfektesten Brustmuskeln, die ich je gesehen hatte – die Art von Muskeln, die jede Frau berühren wollte. Mein Blick ging ohne meine Erlaubnis auf Wanderschaft und ich entdeckte dabei so viel goldene Haut, als wäre ich geradewegs in eine Szene aus Magic Mike katapultiert worden. Das Verrückte daran war, dass ich Kyler schon öfter halb nackt gesehen hatte, als ich zugeben wollte. Trotzdem traf es mich immer wieder.

Kyler war ein begeisterter Läufer und Skifahrer und das sah man seinem Körper an. Seine Haut lag straff über unglaublich definierten Bauchmuskeln. Er hatte sogar diese kleinen V-förmigen Vertiefungen an den Leisten. Links von seinem Bauchnabel prangte ein winziges braunes Muttermal. Aus irgendeinem Grund faszinierte mich dieser kleine Fleck, seitdem ich ihn zum ersten Mal entdeckt hatte.

Er trug Boxershorts mit roten Nikolaus-Mützen und bunten Paketen darauf. Also, das war mal ein Weihnachtsgeschenk, das viele Leute gern unter dem Baum gefunden hätten.

Und zu diesen vielen Leuten gehörte auch ich.

Meine Wangen wurden heiß. Ich würde ein paar ernste Takte mit meinem Gehirn reden müssen. Aber Kyler … ja, er war wirklich anbetungswürdig.

Sein linker Mundwinkel zuckte, als wüsste er genau, welcher Gedanke mir gerade durch den Kopf schwirrte. Seine braunen Haare mussten dringend gekämmt werden. Es sah aus, als hätte er die Nacht damit verbracht, sich von jemandem die Frisur verwuscheln zu lassen.

Mein Magen verkrampfte sich. Ich war gestern ins Wohnheim zurückgekehrt, lange bevor er die Bar verlassen hatte. Aber er hatte Blondie sicher nicht mit nach Hause genommen.

Moment. Was dachte ich da? Natürlich hatte er Blondie mit nach Hause genommen.

»Du riechst nach … Vanille-Cappuccino.«

Ich blinzelte. Seine verschlafene Stimme war tief und kratzig. »Hä? Oh, ich habe meinen Kaffee fallen gelassen. Tut mir leid.«

Er lächelte schief. »Du bist früh dran.«

»Nein, bin ich nicht.«

»Du bist wie immer zu früh«, fuhr er fort und trat zur Seite. Dann sah er über die Schulter in seine Wohnung, gerade in dem Moment, als jemand im Bad den Wasserhahn aufdrehte, und seufzte. »Das wird dir gleich nicht gefallen.«

Ich fühlte förmlich, wie mir die Farbe aus dem Gesicht wich. Das war dumm. Es interessierte mich wirklich nicht im Geringsten, wer sich in seinem Bad aufhielt. »Ist okay. Ich kann im Flur warten.«

Kyler musterte mich stirnrunzelnd. »Das wirst du nicht tun, Syd.«

Er schob sich an mir vorbei in den Hausflur, offenbar ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ihn die gesamte Welt halb nackt sehen konnte. Dabei durfte ich einen langen Blick auf die sehnigen Muskeln auf seinem Rücken werfen. Eine Tätowierung – eine Reihe von komplizierten Zeichen, die überwiegend aus Schwüngen zu bestehen schienen – zog sich über seine Wirbelsäule. Irgendeine Art von Tribal-Tattoo, das er sich mit achtzehn hatte stechen lassen. Ich hatte keine Ahnung, was die Symbole bedeuteten. Niemand wusste das.

Aber das war nicht seine einzige Tätowierung. Ich grinste. Er hatte bei einem Football-Spiel eine Wette gegen Tanner verloren, was dazu geführt hatte, dass er sich ein rotes Herz auf seine rechte Pobacke tätowieren lassen musste.

Denn Kyler stand zu seinem Wort.

Er hob meinen Koffer an und stöhnte. »Was hast du denn eingepackt? Wackersteine?«

Ich hätte ja die Augen verdreht, aber die hatten sich an den Muskeln seines Oberarms festgesaugt, die unter dem Gewicht meines Gepäcks deutlich hervortraten. Himmel. Ich brauchte dringend eine Gehirnwäsche oder Lobotomie oder andere Behandlung meines Denkapparats, um wieder zur Vernunft zu kommen. »So schwer ist der Koffer gar nicht.«

»Du hast viel zu viel mitgenommen.« Er stellte den Koffer im Flur seiner Wohnung ab, schob mich ins Apartment und schloss die Tür hinter uns. »Es sind nur fünf Tage, Syd, kein ganzer Monat.«

»Ja, klar«, murmelte ich und riskierte einen Blick in den schmalen Flur. Das Plätschern war verklungen. »Also …«

»Mach es dir gemütlich.« Im Vorbeigehen kniff er mich in die Nase. Ich schlug nach ihm, aber er wich meiner Hand mühelos aus und lachte. »Was liest du gerade?«

»Geht dich nichts an.« Ich folgte ihm ins aufgeräumte Wohnzimmer. Für einen einundzwanzigjährigen Kerl hielt Kyler seine Bude ziemlich ordentlich, was mich immer wieder überraschte, da zu Hause ein Zimmermädchen hinter ihm hergeräumt hatte. Allerdings hatte er nicht immer so gelebt.

»Netter Titel.«

Ich hielt hinter dem olivgrünen Sofa an. »Nette Boxershorts. Hat deine Mom sie dir gekauft?«

»Nein. Deine Mom.«

»Haha. Sehr witzig.«

Wieder sah er über die Schulter zurück, dann zwinkerte er, schob seinen Daumen unter den hinteren Bund der Boxershorts und schob ihn nach unten, bis der Ansatz seines Hinterns sichtbar wurde.

»O mein Gott.« Ich beugte mich über die Couch, schnappte mir ein Kissen und warf es nach ihm.

Er fing es überraschend geschickt auf und schleuderte es zurück. Das Kissen knallte gegen meine Brust und fiel zu Boden. »Hat dir doch gefallen.«

Auch wenn er durchaus einen hübschen Hintern hatte, wollte ich ihm gerade erklären, dass dieser Körperteil kaum etwas war, was ich unbedingt sehen wollte, als sich die Badezimmertür mit dem »Vorfahrt gewähren«-Schild daran öffnete.

Ich hielt den Atem an.

Wer konnte das sein? Als ich die Bar gestern Abend verlassen hatte, war Kyler von einer Million Mädchen umringt gewesen. War es die langbeinige Blondine, deren zweiter Vorname eigentlich »Jell-O-Shots« lauten sollte, eine widerliche Mischung aus Hochprozentigem und Wackelpudding? Oder die sexy Brünette mit dem kehligen Lachen, das ich irgendwie beneidenswert fand? Ich klang wie eine Hyäne, wenn ich versuchte, sexy zu lachen. Oder war es die Rothaarige, die sich anscheinend nicht zwischen Kyler und Tanner hatte entscheiden können? Ich hatte keine Ahnung, wer mich erwartete.

Als Erstes sah ich lange, gebräunte Beine, dann den Saum eines Jeansrocks, der irgendwie schief hing. Ich erkannte die Beine wieder, aber erst der hautenge schwarze Rollkragenpulli bestätigte meine Vermutung.

Es war Blondie – die Eiswürfelkönigin.

Letzte Nacht hatten draußen Temperaturen im Minusbereich geherrscht, mit einer dünnen Schicht Schnee auf den Wiesen im Collegepark … Aber diese Tussi war gekleidet, als wohnte sie in Miami.

Ich fühlte mich sofort unscheinbar in meiner abgetragenen Jeans und dem riesigen Pulli. Außerdem fühlte ich mich neben dem ausladenden Vorbau dieser Tussi, als trüge ich meinen ersten BH.

Sie sah mich und runzelte die Stirn. Schwarze Mascara-Reste klebten unter ihren Augen. »Wer ist das, Babe?«

»Du hast sie letzte Nacht im Dry Docks getroffen.« Kyler kam zu mir und hob das Kissen auf. »Erinnerst du dich nicht?«

Ein verwirrter Ausdruck breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Ich ging davon aus, dass der Denkprozess eine Weile in Anspruch nehmen würde.

Kylers Mundwinkel zuckten. »Du hast ihr deinen Drink in den Schoß geschüttet.«

»Oh!« Blondie kicherte. »Tut mir echt leid.«

»Jaaa«, sagte ich lang gezogen. Das hatte ich schon vergessen gehabt. »Keine große Sache. Die Männer finden es hochattraktiv, wenn man riecht wie ein Eis am Stiel.«

Kyler musterte mich stirnrunzelnd.

»War sie die ganze Nacht hier?«, fragte Blondie mit schräg gelegtem Kopf.

Ich zog eine Augenbraue hoch und musste mir einen Kommentar verkneifen. War das Szenario für die Braut wirklich so selbstverständlich, dass sie sich nicht daran erinnert hätte, wenn sich ein zweites Mädchen der Party anschloss? Falls ja, musste ich wirklich öfter vor die Tür.

»Nein. Sie ist gerade erst gekommen. Wir fahren nach Snowshoe Mountain«, kam Kyler mir geschickt zuvor, während er sich das Kinn rieb. »Also …«

Blondie kam mit wiegenden Hüften auf ihn zu und legte ihm auf vertraute, intime Weise eine Hand auf die Brust. Irrationaler Neid durchfuhr mich. Ihr fiel es so leicht, ihn zu berühren. Ich kannte Kyler schon seit Ewigkeiten und ich hätte meine Zunge verschluckt, bevor ich angefangen hätte, ihn zu befummeln.

»Ihr beide fahrt ganz allein nach Snowshoe? Klingt romantisch«, sagte sie ein wenig bissig.

»Nein.« Kyler entzog sich ihrer Berührung. »Wir treffen uns dort mit ein paar Freunden. Bald. Also muss ich jetzt los.«

Blondie kapierte den Wink mit dem Zaunpfahl nicht, deswegen würde die Situation noch peinlicher werden. Das war die Sache mit Kyler. Er konnte eine Nonne aus ihrem Höschen schwatzen, aber die Morgen-danach-Routine war nicht sein Ding. Und auch wenn er eigentlich ein netter Kerl war, hatte er doch die Geduld einer in die Enge getriebenen Klapperschlange.

»Kyler, du bist so ein Flittchen«, murmelte ich, als ich mich an ihm vorbeischob.

Er ignorierte mich. »Wir sehen uns später, Cindy.«

Blondie hatte sich nicht bewegt. »Mindy – ich heiße Mindy.«

Ich warf Kyler einen bösen Blick zu, doch er zeigte keinerlei Reue. Mit einem Kopfschütteln ging ich in die Küche. Es standen ein paar Tassen in der Spüle, aber wie im Rest der Wohnung war es auch hier ordentlicher als in den meisten Wohnheimzimmern, die ich bis jetzt so gesehen hatte. Nicht ordentlicher als in meinem, natürlich. Ich war so penibel, dass ich Andrea damit fast in den Wahnsinn trieb.

Ich zog mich auf die Arbeitsfläche, verschränkte die Beine und schaltete meinen E-Reader an, auch wenn ich wusste, dass ich mich nicht würde konzentrieren können. So sehr mich die Story des Romans vorhin auch noch gefangen genommen hatte – so sehr, dass ich selbst an roten Ampeln kurz gelesen hatte –, jetzt war ich viel zu abgelenkt von dem leisen Gespräch im Wohnzimmer.

Ich beäugte die Flasche Jack Daniels neben mir. Ein wenig früh, um mit dem Saufen anzufangen, aber je länger das hier dauerte, desto mehr wünschte ich mir einen Schluck davon.

Wem wollte ich etwas vormachen? Ich hatte gestern so lange vor meiner Rum-Cola gesessen, bis es verwässerte Cola mit Cola gewesen war. All unsere Freunde waren ziemlich angeschickert gewesen und hatten den Beginn der Winterferien gefeiert. Andrea hatte sich in der Gasse hinter dem Dry Docks übergeben, was sicher dafür sorgen würde, dass sie später Gesprächsstoff der Reisegruppe war. Und Tanner war so voll gewesen, dass er ihr die Jacke abgenommen hatte statt ihr die Haare aus dem Gesicht zu halten. Kyler vertrug eine Menge Alkohol, aber auch er hatte sich ordentlich einen hinter die Binde gekippt.

Ich dagegen? Ich mochte die Vorstellung nicht, mich gehen zu lassen und die Kontrolle zu verlieren. Es war nicht so, als wäre ich verklemmt oder irgendwas, aber … okay, vielleicht war ich doch ein wenig verklemmt.

Wie jeden Winter seit unserem ersten Collegejahr fragte ich mich, wieso ich zugestimmt hatte, mit nach Snowshoe zu fahren. Es waren noch fast zwei Wochen bis Weihnachten. Ich hätte direkt nach Hause fahren können. Ich konnte nicht Ski fahren, außer man nannte es so, wenn man auf dem Hintern einen Hang runterrutschte. Kyler dagegen war ein Naturtalent auf der Piste und auch sehr trainiert im Après-Ski. Aber dieser Ausflug hatte Tradition und auf keinen Fall konnte ich mich einfach abmelden.

»Du bist wirklich, wirklich früh dran, Syd.«

Ich zuckte beim Klang seiner Stimme zusammen. »Ich bin gern pünktlich.«

»Zwanghaft überpünktlich.« Er lehnte sich mir gegenüber an die Arbeitsfläche.

Ich mochte ja ein wenig zu früh dran sein, aber ich hasste es, zu spät zu kommen. Eine Zombieapokalypse hätte mich nicht so sehr gestört wie der Gedanke, einen Kursraum zu betreten, nachdem der Unterricht bereits angefangen hatte.

Wieder blieb mein Blick an Kylers Bauchmuskeln hängen. Waren seine Boxershorts nach unten gerutscht? »Kannst du nicht ein T-Shirt anziehen? Und vielleicht eine Hose?«

Kyler zog eine Augenbraue hoch. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass du mich schon weniger bekleidet gesehen hast als heute, Syd.«

Heiße Scham stieg in mir auf. Vollkommen unpassend, wenn man bedachte, unter welchen Umständen ich ihn nackt gesehen hatte.

»Da warst du, was? … fünf Jahre alt und hattest Windpocken? Du hast dich ständig ausgezogen. Das ist absolut nicht dasselbe.«

»Wo liegt der Unterschied?«

Musste ich ihm das wirklich erklären?

Leise lachend stieß er sich vom Tresen ab und schlenderte auf mich zu. Da ich auf der Arbeitsfläche saß, war ich endlich so groß wie er. Er war lächerlich groß, gute ein Meter neunzig, und ich war irrsinnig klein, kaum über eins fünfzig. Meistens fühlte ich mich in seiner Nähe wie ein Kindergartenkind.

Kyler hob die Hand und zog an einem meiner Zöpfe, die ich mir heute Morgen geflochten hatte. »Der Schulmädchen-Look. Sexy.«

Ich zuckte mit den Achseln.

Er nahm einen Zopf und schlug mit dem Ende gegen meine Wange. »Bleibt mir noch Zeit, um eine Runde laufen zu gehen?«

Ich entzog ihm meinen Zopf. »Wenn du es nicht tust, bist du den ganzen Tag über quengelig.«

Kyler schenkte mir sein charmantestes Lächeln. Ein Grübchen erschien auf seiner linken Wange und mein Herz setzte für einen Moment aus. »Willst du dich mir anschließen?«

Ich zog eine Grimasse und wedelte mit meinem E-Reader. »Sehe ich aus, als wollte ich mit dir laufen gehen?«

Er beugte sich vor und stemmte die Hände rechts und links neben meinen Oberschenkeln auf die Arbeitsplatte, was dafür sorgte, dass er mir viel, viel zu nahe kam. Selbst wenn ich nicht an unstillbarem Verlangen nach ihm gelitten hätte, wäre ich kaum immun gegen seine Ausstrahlung gewesen. Jede Frau mit Eierstöcken musste darauf reagieren. Sex-Appeal schien in Wellen von ihm auszugehen, eine gefährliche Mischung aus gutem Aussehen und Intelligenz, verpackt mit einer Aura der Unberechenbarkeit.

Ich atmete tief ein – und wow, roch er gut. Gar nicht als hätte er gestern einen Eimer voller Alkohol geleert und dann stundenlang wilden Sex gehabt. O nein, er roch nach Mann und einem Hauch von Aftershave, das ich nicht identifizieren konnte. Mann, ich konnte einfach nicht glauben, dass ich an ihm schnüffelte wie eine läufige Hündin!

Ich beugte mich nach hinten und wandte den Blick ab.

»Du wirst Spaß haben. Das verspreche ich dir. Komm schon.« Wieder zog er an einem meiner Zöpfe.

Ich schüttelte den Kopf. »Alles ist voll mit Schnee und Eis. Ich werde mir den Hals brechen. Tatsächlich könntest sogar du dir den Hals brechen. Ein Tag ohne Jogging wird dich nicht umbringen.«

»Doch, wird er.«

Ich hielt meinen Blick unverwandt auf das Foto gerichtet, das am Kühlschrank hing, und verschränkte instinktiv die Hände ineinander. Das Bild zeigte uns zusammen, in der Grundschule, in unseren Halloween-Kostümen. Er war ein Werwolf gewesen und ich Rotkäppchen. Die Idee war auf dem Mist meiner Mom gewachsen.

»Ich kann nicht glauben, dass du nach dem, was du gestern getrunken hast, tatsächlich laufen gehen willst.«

Er lachte und sein Atem glitt warm über meine Wange. »Ich komme schon klar. Vergiss nicht, ich bin schon groß und an Alkohol gewohnt.«

Das war mir nur ein Augenrollen wert.

Er verringerte den Abstand zwischen uns und küsste mich sanft auf die Wange. »Such dir einen bequemeren Platz. Ich werde nicht lange wegbleiben.«

Als ich mich nicht rührte, stieß Kyler ein verdrossenes Brummen aus, dann legte er seine Hände um meine Hüften. Ohne jegliche Mühe hob er mich vom Tresen und stellte mich auf die Füße. Dann verpasste er mir einen kurzen Klaps auf den Hintern, was dafür sorgte, dass ich aus der Küche eilte.

Mit einem bösen Blick in seine Richtung ließ ich mich auf die Couch fallen. »Bist du jetzt glücklich?«

Kyler legte den Kopf schräg. Er sah aus, als wollte er einen dummen Kommentar von sich geben, aber dann grinste er nur. »Ich werde dir diese Woche beibringen, wie man Snowboard fährt. Das ist dir bewusst, oder?«

Lachend ließ ich mich in die weichen Kissen sinken. »Viel Glück damit.«

»Du vertraust mir nicht. Ich bin begabt als Lehrer.«

»Da bin ich mir sicher«, meinte ich trocken, wobei ich den schmalen Weihnachtsbaum vor seinem Fenster anstarrte.

Kyler stieß ein Lachen aus, ein angenehmes, tiefes Lachen. Mir fiel auf, dass ich bei diesem Geräusch steif wie ein Brett wurde.

»Würdest du nicht wahnsinnig gern das wahre Ausmaß meiner Talente kennenlernen?«, säuselte er.

»Wenn ja, wäre das sehr leicht zu bewerkstelligen. Ich müsste nur ungefähr neunzig Prozent der Mädchen in meinem Wohnheim befragen.«

Schamlos grinsend ging er rückwärts in Richtung seines Schlafzimmers. »Tatsächlich wären das eher neunundachtzig Prozent. Ich habe mit dem Mädel am Ende des Flurs nicht geschlafen. Sie hat mir nur …«

»Ich will es nicht wissen.«

»Höre ich da Eifersucht in deiner Stimme?«

»Wohl kaum«, sagte ich, als ich meinen E-Reader wieder anschaltete.

»Hm-mm. Rede dir das nur weiter ein, Süße. Bald schon wirst du zugeben, dass du wahnsinnig verliebt in mich bist. Das liegt an meinem jungenhaften Charme – dem kann einfach niemand widerstehen.«

»Hättest du erklärt, dein Körper wäre unwiderstehlich, wäre das glaubwürdiger gewesen.«

Wieder lachte er, dann drehte er sich um. Mit einem seltsamen, flauen Gefühl im Magen beobachtete ich, wie er im Schlafzimmer verschwand. Die schmerzhaft peinliche Wahrheit lautete, dass Kyler keine Ahnung hatte. Er mochte Witze reißen und mich aufziehen, aber er hatte keinen blassen Schimmer, wie ich in Bezug auf ihn empfand. Und so musste es auch bleiben.

Ich legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und stöhnte leise. Mädchen waren für Kyler wie Eissorten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen und ich gehörte nicht zu denen, die er probieren wollte. Er benahm sich mir gegenüber schon seit der Highschool so – absolut platonisch. Ich hatte es inzwischen akzeptiert. Und so musste es bleiben. Denn ich wusste, wenn Kyler je erfuhr, was er mir in Wahrheit bedeutete, würde es das sofortige Ende unserer Freundschaft sein.

Jennifer L. Armentrout

Über Jennifer L. Armentrout

Biografie

Jennifer L. Armentrout veröffentlichte unter dem Pseudonym J. Lynn international sehr erfolgreiche Young-Adult-Romane, bevor sie sich mit ihren New-Adult-Romanen, beginnend mit »Wait for You«, endgültig an die Spitze der Bestsellerlisten schrieb. Sie lebt in Martinsburg, West Virginia.

J. Lynn

Über J. Lynn

Biografie

J. Lynn ist das Pseudonym der amerikanischen Bestseller-Autorin Jennifer L. Armentrout. Sie schrieb international sehr erfolgreiche Young-Adult-Romane, bevor sie sich mit ihren New-Adult-Romanen, beginnend mit »Wait for You«, endgültig an die Spitze der Bestsellerlisten schrieb. Sie lebt in...

Weitere Titel der Serie »Frigid«

Zwei heiße Winterbücher der Bestsellerautorin Jennifer L. Armentrout, in denen die Paare auf einer eingeschneiten Skihütte nicht nur prickelnde Stunden, sondern auch lebensbedrohliche Momente erleben.

Kommentare zum Buch

Frigid
Chrissidie Büchereule am 06.04.2017

 Darum geht´s:   Sydney und Kyler sind so unterschiedlich wie Feuer und Eis. Während Kyler eine Frau nach der anderen abschleppt, geht Sydney lieber mit einem guten Buch ins Bett. Trotzdem sind sie seit Kindertagen beste Freunde. Doch als sie bei einem Skiurlaub von einem Schneesturm überrascht werden und in einer abgelegenen Skihütte übernachten müssen, werden alte, stets verdrängte Gefühle neu entfacht. Kann ihre Freundschaft diese Nacht überstehen? Und viel wichtiger: Werden sie die Nacht überstehen? Denn während sich die beiden einander vorsichtig nähern, hat es jemand auf ihr Leben abgesehen …     Meine Meinung:       Ich habe das Buch vom Piper Verlag als Rezensionsexemplar bekommen. Dies hat aber nichts mit meiner Meinung zu tun.       Ich war gespannt auf dieses Buch da ich bis jetzt nur gutes von diesem gehört habe. Also wartete ich mit Spannung darauf bis ich endlich Zeit gefunden habe es zu lesen. Und gleich nach denn ersten Seiten merkte ich, das ich mich mit diesem Buch schwer tun werde. Ich bekam leider nicht so denn richtigen Bezug zu denn Protagonisten Kyler und Sydney. Sie haben mich nicht in ihr Herz gelassen , ich fand zwar die beiden gut aber mir waren die beiden zu wenig ausgebaut, mir fehlten mehr details über sie. Ausserdem passierte nichts aufregendes und es war kaum Spannung vorhanden, das Buch plätscherte vor mir so hin. Ich habe immer wieder versucht zwischen denn Zeilen zu lesen, was mir leider nicht gelang. Ich liebe Bücher mit Tiefgang und viel Herz , dies fand ich aber leider nicht. Dies ist ein Buch für zwischendurch zum lesen , weil der Grundgedanke und die Story eigentlich ganz angenehm ist. Wenn es einen kleinen Spannungsbogen und mehr Teifgang und Herz hätte , sowie detalierter wäre. Dann wäre die Geschichte perfekt gewesen.       Sydney und Kyler sind sehr unterschiedlich und doch entfinden sie was füreinander. Ihre Charaktere sind wie oben beschrieben nicht so detalliert wie ich es mir erwünscht hätte. Dennoch habe ich das Buch bis zum Ende gelesen und ich fand die Geschichte könnte wirklich passiert sein.     Daher kann ich leider nur 2 von 5 Herzen geben, was mir sehr weh tut , weil ich eigentlich die Autorin und ihre Bücher lieben gelernt habe. Der Schreibstill ist gut zu lesen.        

Eine süße Liebesgeschichte
Sarahs Büchertraum am 18.01.2017

Kyler und Sidney sind seit jungen Jahren beste Freunde, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Währenddessen Sidney ihre Zeit lieber mit einem guten Buch verbringt, verdreht Kyler der Frauenwelt den Kopf. Bei ihrem diesjährigen Ausflug zur Skihütte, werden sie von einem Schneesturm überrascht. Zusammen auf engstem Raum und abgekapselt von der Zivilisation werden Gefühle wach, die sie bisher erfolgreich verdrängt haben...Nicht nur ihre jahrelange Freundschaft steht auf dem Spiel, denn jemand trachtet ihnen nach ihr Leben...   „Frigid“ ist mein erstes Buch der Autorin Jennifer Lynn Armentrout, von deren Romanen ich bisher nur Gutes gehört habe. Der Einstieg in die Geschichte von Sidney und Kyler gelang mir unglaublich gut. J. Lynn überzeugt mit einem bildlichen und fesselnden Schreibstil. Sie gibt den Lesern einen Einblick in die Gedanken und Gefühle beider Protagonisten, was mir sehr gut gefallen hat.   Sidney ist zwar manchmal ein wenig naiv und sensibel, mit ihrer Bücherliebe hat sie mich allerdings sogleich für sich gewonnen. Obwohl Kyler als Frauenschwarm und Playboy dargestellt wird, mochte ich auch seinen Charakter sehr gern. Ich habe es genossen, wie er in Bezug auf Sidney den Höhlenmenschen in sich herauslässt und sich sein Beschützerinstinkt in ihrer Gegenwart offenbart. Hauptsächlich liegt der Fokus auf Sidney und Kyler, weshalb die Geschichte auch mit überschaubaren Nebencharakter auskommt. Ihre Freunde, Andrea und Tanner, die mit „Sorched“ ihren eigenen Band bekommen, empfand ich trotzdem gut in die Geschichte eingebunden. Ich freue mich jedenfalls schon jetzt, mich bald mit ihrer Geschichte befassen zu dürfen. Besonders gut gefallen, hat mir auch die Einbindung von Sidneys Familie, die ihren Auftritt vor allem zum Ende der Geschichte hat. Herzerwärmend.   „Frigid“ ist eine super-schöne Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen hat. Das einzige Manko für mich, ist der leicht schaurige, unheimliche Anteil, der Sidney und Kyler in Atem hält. Die Auflösung der ganzen Misere fand ich gut, denke jedoch, dass man dies auch anders hätte verpacken können.   Im Nachhinein, bin ich auch ein wenig vom Cover enttäuscht, das mich zunächst im Zusammenhang mit dem Klappentext angezogen hat. Leider weicht die weibliche Person im Aussehen von der Protagonistin, Sidney, ab. Generell störe ich mich eher selten an Personen auf einem Cover, aber es sollte dann doch mit den Protagonisten des Romans übereinstimmen...   „Frigid“ enthält eine sehr schöne Liebesgeschichte, die angenehmen Lesespaß verspricht. Auch wenn der furchterregende Anteil, nicht so meins war, hat mir der Hauptaspekt, die Geschichte von Kyler und Sidney sehr gut gefallen. Wer ein paar spannende und schöne Stunden mit einer winterlichen Geschichte verbringen möchte, hält hiermit das richtige Buch in der Hand. Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

Passend für den Winter - es wird einmal warm ums Herz!
violetbooklady am 15.12.2016

Cover: Bei diesem Cover stand ich meiner üblichen Meinung bezüglich Foto-Cover gegenüber. Wieder einmal werden die eigenen Vorstellungen genommen, die sich der Leser von der Protagonistin gemacht hat. Zumindest war es bei mir der Fall. Auf den ersten Blick hin, hat das Cover etwas sanftes an sich - so hat dies den Eindruck auf mich gemacht, wenn ich an die Fotowahl denke. Die Geste der Personen wirkt sanft und vertraut zugleich - während es etwas warmes ausstrahlt, was nicht an der Kleidung der Protagonistin liegt. Ihr wisst schon, wie ich das meine. Die Haltung passt in diesem Sinne eigentlich genau zur Inhaltszusammenfassung. Doch so schön die Geste der Personen auch wirkt, so widerspricht sich das Cover wieder einmal mit den Beschreibungen. Und dies beziehe ich nur auf die Protagonistin. Während in der Charakterbeschreibung heraus sticht, dass die Protagonistin lange, schwarze Haare haben soll, zeigt das Cover somit eine völlig andere Person. Mit ist bewusst, dass eine Covergestaltung wohl nicht immer so einfach zu händeln ist aber muss es wirklich so widersprüchlich sein? Auch der rosane Schriftzug des Titels mochte mir nicht so recht gefallen. Selbst wenn mir auch zukünftig nciht alle Foto-Cover gefallen werden und ich meiner Meinung über diese treu bleiben werde, habe ich die Bitte, dass sich die Foto-Cover, den Beschreibungen der Charaktere nicht so sehr widersprechen...   Inhalt: Was tut man, wenn eine Freundschaft über Jahre besteht, wenn man sich immer auf seinen besten Freund verlassen kann, wenn die Freundschaft sehr wichtig ist und wenn man diese Person nicht verlieren möchte? Richtig, man versucht den Situationen aus dem Weg zu gehen, die eine Gefahr für die Freundschaft darstellen könnte. Dies versucht zumindest die Protagonistin - Sydney - dessen Freundschaft mit Kyler, eher ungewöhnlich begann. Doch macht nicht gerade das, die besten Freundschaften aus? In der Story sticht die enge Verbindung zwischen Sydney und Kyler sehr deutlich heraus. Während diese versucht sich ihre Gefühle nicht anmerken zu lassen, übernimmt Kyler die Rolle, die in die Kategorie typisch Mann passt. Denn dieser ist bei den Frauen sehr begehrt und lässt die Chancen nicht ungenutzt. In diesem Sinne fand ich den Aufbau der Geschichte, den Gedanken dahinter und die Umsetzung glaubwürdig und realistisch. Auch die Spannung zwischen den beiden ist deutlich zu merken, während die Konflikte es noch einmal realistischer gestalten. Und davon gab es einiges: Konflikte, Diskussionen, Unstimmigkeiten - weil sie vermutlich nicht anders mit jeweiligen Situationen umzugehen wussten. Und doch gab es Moente, in denen sich beide so ähnlich und vorallem gleicher Meinung waren, dass ich mir die Haare gerauft habe, weil keiner von ihnen ehrlich genug war. Im Verlauf der Geschichte gab es Situationen, die zwar manchmal amüsant dargestellt wurden aber doch zu erahnen waren, auch wenn es nur bei wenigen Situationen vorkam. Dennoch glich es einem Klischee. Während für die Geschichte eigentlich ein passender Ort gewählt wurde, hatte ich das Gefühl, dass es in der Story scheinbar nur schrittweise voranging. Eigentlich gefiel mir der Gedanke sehr, dass beide die Winterferien mit ihren Freunden verbringen und eine schöne Zeit genießen möchten. Doch so habe ich eher wenig davon gemerkt. Anstatt mehr von der Gruppe zu erfahren - und vorallem über die gemeinsamen Ferien - beschränkte es sich auf nur zwei Personen: Sydney und Kyler. Während also die Rede von einem Skiurlaub ist, hielt ich nur das beschriebene Wetter für passend. Denn der ach so schöne Urlaub, rutschte immer weiter in den Hintergrund. Der Leser konnte ahnen, wie sich die Situationen, Seite für Seite gestalten werden. Ein verliebtes Mädchen mit ihrem Schwarm im engen Raum - da können die Gefühle schon mit einem durchgehen. Auch wenn ich Sydneys Gefühöe verstehen kann, fand ich ihre Handlung und Herangehensweise, ein bisschen zu wider. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich in Situationen, ihrem Schwarm aufdrängen möchte, nur damit sie Vorteile daraus schöpfen kann. War sie sich selbst nicht mehr wert? In dem Zusammenhang hätte ich ihre verliebte Seite gerne wachgerüttelt. Un ddas nicht nur einmal. Doch so gab es abwechslungsreiche Szenen, die mich von diesem Gedanken abgelenkt haben, das Gefühl besänftigt, dass es somit nicht nur wiederholend auf ein und die gleiche Situation hinaus laufen würde.   Schreibstil: Die Geschichte ist aus zwei Perspektiven beschrieben, die im Wechsel zwischen Sydney und Kylers Eindrücke, stets in der Ich-Form beschrieben sind. Dies sorgt unter anderem dafür, dass die Seiten nicht nur überflogen worden, stattdessen lässt sich der Leser auf die Charaktere ein. Zumindest hatte ich nicht das Gefühl, dass ich dazu verleitet werde, auch nur eine Seite schnell zu überfliegen, da ich stattdessen Seite für Seite verschlungen habe. Die Situationen sind verständlich beschrieben, sodass es einfach war, dem Verlauf der Geschichte zu folgen. Die Charaktere werden realistisch beschrieben, sodass man sich diese gut vorstellen kann. Das heißt, wenn ich von Sydneys Beschreibung absehe, die sich mit dem Foto-Cover widerspricht. Doch diesen Fluch kann man wohl kaum auf die Autorin beziehen. Während es in dieser Geschichte genug Konversationen gibt, existieren natürlich auch die moderneren Wege. Aus diesem Grund finde ich die Idee mit den SMS-Fenster sehr praktisch. Zugegeben hätte ich davon gerne mehr gesheen und gelesen aber so besteht die Geschichte natürlich nicht nur aus diesem Chat - dennoch ist es eine angenehme Abwechslung. Auch wenn sich die Autorin Gedanken über die Charaktere und dessen Situationen gemacht hatte, hatte ich auf der einen Seite das Gefühl, dass es nicht weiter gehen würde, dass beide stets auf einer Stelle stehen bleiben. Auf der anderen Seite sollte es wiederholend um das gleiche Thema gehen und das beide sich somit nicht nur einmal im Kreis drehen. Jedoch wird jenes Thema nicht zu übertrieben beschrieben und schweift somit nicht von der jeweiligen Genre ab. Dennoch störten mich die Wiederholungen in der Geschichte, sodass ich mir doch etwas mehr erhofft hatte.   __________________________     Charaktere   Sydney: Das erste, was mir über Sydney in den Sinn kam, war die Tatsache, dass sie nicht egoistisch handelt, sondern ein gutes Herz hat. Anstatt sich von ihren Gefühlen leiten zu lassen und damit womöglich alles zu zerstören, versucht sie diesen Stand zu halten, damit sie die Freundschaft bewahren kann. Allein durch diese Einstellung, war mir die Protagonistin schon sympathisch. Doch mit der Sympathie, wuchs auch mein Mitleid, wobei ich nicht das Gefühl hatte, dass sie sich absichtlich in der Rolle der Drama-Queen verlor. Während ich Kapitel für Kapitel las, musste ich Sydney einfach gern haben. Sie hat eine bescheidene und vorsichtige Art an sich, die nicht nach so etwas schreit, wie: Nimm mich! Ich bin doch so süß und unschuldig, du musst mich lieben! Wobei ihre Art dennoch süß ist, was ich nicht abstreiten kann. Nur wirkt dies eben, durch ihre natürliche Art nicht nervig. Auch die Tatsache, dass sie nicht mit ihren Reizen spielt, um alles zu bekommen, hob sie positiv hervor. In diesem Sinne fand ich es schon schade, dass das Buch ein schnelles Ende fand, da ich gerne noch mehr über Sydney erfahren hätte. Auch die Entwicklung von ihr, schien eher in den Hintergrund zu rutschen, sodass eigentlich ein zweiter Teil notwendig wäre, um viel mehr über sie erfahren zu können.   Kyler: Kyler ist das komplette Gegenteil von Sydney, da er sehr von sich überzeugt ist, weil er weiß was er will und vorallem, wie er es bekommen kann. Er macht kein Geheimnis aus sein Singleleben und genießt es in vollen Zügen. Dies konnte ich ihm nicht verübeln und solange er dadurch keine widersprüchliche Art an den Tag legt, war es mir gleich. Gerade weil seine Person nicht uninteressant war. Die Rolle des besten Freundes stand ihm sehr gut und wirkte durch seinen Beschützerinstinkt realitisch. Jene Einstellung fand ich jedenfalls doch sehr lobenswert. Auch die Tatsache, dass er von seinen Bedürfnissen absehen konnte und schnell bei der Sache war, sobald sein Typ anderweitig gebraucht wurde, brachte ihm viele Pluspunkte ein. Während ich der Meinung war, dass er eine herzliche Seite an sich hat, überraschte es mich dann doch, wie verletzend er auch sein kann. Wobei dadurch bewusst wird, dass er deutliche Grenzen zu ziehen weiß. Dennoch beeinflusste dies meine Meinung nicht zu sehr, als dass sie nur negativ über Kyler ausfallen könnte - ganz im Gegenteil. Ich schätze, dass man als Leserin nicht anders kann, als sich selbst ein wenig in ihn zu verlieben. Das heißt, wenn man von seiner verletzenden Art absieht. Also Ladies, nehmt euch in Acht, denn Kyler hat es faustdick hinter den Ohren!         __________________________     Fazit     Wenn ich davon absehe, dass ich das Gefühl hatte, dass es sich wiederholend nur um das eine drehen würde, fand ich diese Geschichte sehr fesselnd und interessant. Die Thematik wurde gut gewählt und passt zur Zielgruppe, da ich mir sicher bin, dass dies immer wieder eine wichtige Bedeutung haben wird. Mich würde sogar eine Fortsetzung interessieren, wobei ich das Gefühl habe, dass einige Situationen auch in dieser zu oft vorkommen würden und sich nicht wirklich vom ersten Band unterscheiden würden. 

Ein Hammer
Silvia Übelbacher am 09.11.2016

Das Cover ist unspektakulär, und auch die Tatsache, dass die Frau am Cover nicht der Beschreibung von Sidney entspricht, finde ich sehr schade.   Sidney fand ich von Anfang an klasse. Sie wird als schwarzhaarige junge Frau mit stechend hellblauen Augen beschrieben, die wohl körpergrößentechnisch aufs Beste reduziert wurde. Ein kleines Ding, sozusagen ;) Was sie für mich von Anfang an mega sympathisch machte. Dass ihr Herz beinahe täglich gebrochen wird, hat sein übriges dazu beigetragen.   Kyler ist ein Frauenschwarm. Das weiß er zu nutzen und lässt nichts anbrennen. Mit Sidney verbindet ihn eine tiefe Freundschaft und es liegt ihm kaum mehr am Herzen als ihr Wohlergehen. Er ahnt jedoch nicht, dass genau er es ist, der sie zerstören kann, und das auch jeden Tag tut.   Der Schreibstil von J. Lynn besticht auch in diesem Buch wieder damit, dass ein Kapitel genügt, um absolut süchtig zu sein nach der Geschichte. Wir dürfen sowohl in Sidneys Gedanken, als auch in jene von Kyler eintauchen. Und genau das wird zu einer explosiven Mischung an Lesestoff, denn sowohl Sidney und auch Kyler stehen vor einem absoluten Gefühlschaos.   Sidney und Kyler wollen ihren jährlichen Skiurlaub mit ihren Freunden in den Bergen verbringen. Für Sidney ist die Reise Qual und Freude zugleich, denn ihre Gefühle fahren in Kylers Gegenwart Achterbahn. Ihre perfektionierte Fassade bröckelt immer mehr, denn die Sehnsucht nach ihm wird unerträglicher. Die Tatsache, dass sie plötzlich alleine in der Skihütte sind, birgt ein gewisses Konfliktpotential, denn zwischen den beiden gibt es zu viele ungesagte Dinge.   Aber nicht erwiderte Gefühle sind nichts im Vergleich dazu, wenn jemand nach Rache sinnt.   Ich war von der ersten Seite an gebannt und war auch sofort drinnen in der Geschichte. Meiner Meinung nach blieb es die ganze Zeit spannend, da genau diese Spannung zwischen Sidney und Kyler zu fühlen ist. Ich hab mit einer kleinen Pause, das Buch in einem Tag durchgelesen.   Ich musste das ein oder andere Tränchen lassen, da Sidney wirklich leidet. Aber auch Kyler macht einen fertig mit seinen Gedankengängen.   Es empfiehlt sich nicht, dass man das Buch an öffentlichen Plätzen liest…Dabei steht Sex meist nicht im Vordergrund. Aber die erotische Spannung flirrt so extrem, dass ich mit Überzeugung sagen kann, ich habe selten etwas Vergleichbares gelesen. Ein MUSS…   Fazit: Ein höchst erotischer und emotionaler Liebesroman, der einmal mehr zeigt, dass diese platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau sicherlich manchmal funktionieren kann, aber dass dies meist komplizierter ist, als gedacht. Die Geschichte kocht vor Emotionen und die meisten Szenen sind sehr gefühlvoll und realistisch beschrieben. Eine klare Kaufempfehlung…ach das ist eine Untertreibung, am liebsten würde ich Kaufzwang verhängen. Ich gebe 5 von 5 Sternen

Wieder ein Volltreffer
Daniela am 07.11.2016

Sydney und Kyler sind so unterschiedlich wie Feuer und Eis. Während Kyler eine Frau nach der anderen abschleppt, geht Sydney lieber mit einem guten Buch ins Bett. Trotzdem sind sie seit Kindertagen beste Freunde. Doch als sie bei einem Skiurlaub von einem Schneesturm überrascht werden und in einer abgelegenen Skihütte übernachten müssen, werden alte, stets verdrängte Gefühle neu entfacht. Kann ihre Freundschaft diese Nacht überstehen? Und viel wichtiger: Werden sie die Nacht überstehen? Denn während sich die beiden einander vorsichtig nähern, hat es jemand auf ihr Leben abgesehen ... Ich habe wieder mal viele schlechte Rezensionen zu diesem Buch gelesen und ich kann diese leider nicht verstehen, aber jeder hat nun mal einen anderen Geschmack, was doch eigentlich auch gut ist.   Ich war wieder vollkommen begeistert von der Autorin. Es ist das erste Buch das aus 2 Perspektiven geschrieben war, was mich nur noch umso mehr begeistern konnte. Ebenso der flüssige Schreibstil, der es einfach nicht zulässt dass man das Buch aus der Hand legen will.   Die Charaktere waren wieder wundervoll beschrieben und die Krimielemente haben das Buch wunderbar aufgelockert und megaspannend gemacht. Manchmal wollte ich beide Charakteren einfach nur schütteln, da beide auf einander stehen und dann immer um den heißen Brei drumherumreden.   Fazit: Wieder ein megagut gelungenes Buch von J. Lynn die diesmal als Jennifer L. Armentrout einen New Adult Roman schreibt. Freue mich schon auf den zweiten Teil wo es um Andrea und Tanner geht. Und so ein tolles Buch verdient seine 5 Sterne.   Serie: 1. Frigid 2. Scorched (erscheint erst im April 2017)

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