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Feuer der LeereFeuer der Leere

Feuer der Leere

Roman

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Feuer der Leere — Inhalt

Zwischen den Sternen tobt ein Krieg um tote Welten. Die letzten Menschen fliehen auf Großraumschiffen durch die Galaxis, gejagt von einem erbarmungslosen Feind. Um Nahrungsmittel aufzunehmen, muss die Flotte auf Cochada zwischenlanden, einem Planeten, der überraschende Ähnlichkeit zur Erde aufweist. Doch was bedeutet dieser Kontakt für die Bewohner des Planeten – ihren Untergang oder eine Blüte ihrer Zivilisation? Und während die Menschen um ihre Existenzsicherung kämpfen, ereignet sich auf der SQUID, dem einzigen außerirdischen Raumschiff der menschlichen Flotte, Unglaubliches. Denn die SQUID ist eine riesige Lebensform und Ugrôn, ein Besatzungsmitglied und Priester des Void, lauscht auf den Gesang des Schiffes in seinem Fleisch. Er betritt einen Pfad, den niemals zuvor ein Mensch beschritten hat.

€ 16,99 [D], € 17,50 [A]
Erschienen am 20.03.2017
496 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-492-70439-7
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 20.03.2017
496 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97618-3

Leseprobe zu »Feuer der Leere«

1 Planetenkiller

Wer kämpfte, war immer allein.
Der Helm registrierte den Schweiß auf Rilas Stirn und trocknete ihn mit einem warmen Luftstrom, bevor er in ihre Augen laufen konnte.
Oberleutnantin Rila Egron-Itara überlegte, dass die Zeit vor dem Gefechtskontakt die einsamste war. Das lag auch am Raumanzug. Das elastische Gewebe passte sich ihrer Körperform an, um Druckstellen zu vermeiden, und das Transplast des Helms war durchsichtig wie Luft, aber das änderte nichts an dem Wissen, dass sie vollkommen vom restlichen Universum isoliert war. Der Anzug [...]

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1 Planetenkiller

Wer kämpfte, war immer allein.
Der Helm registrierte den Schweiß auf Rilas Stirn und trocknete ihn mit einem warmen Luftstrom, bevor er in ihre Augen laufen konnte.
Oberleutnantin Rila Egron-Itara überlegte, dass die Zeit vor dem Gefechtskontakt die einsamste war. Das lag auch am Raumanzug. Das elastische Gewebe passte sich ihrer Körperform an, um Druckstellen zu vermeiden, und das Transplast des Helms war durchsichtig wie Luft, aber das änderte nichts an dem Wissen, dass sie vollkommen vom restlichen Universum isoliert war. Der Anzug stand in keinem Austausch mit seiner Umgebung, und er operierte in zwanzig Atmosphären Druck ebenso zuverlässig wie im Vakuum. Er schuf eine hermetisch abgeschlossene Welt, die nur existierte, damit Rila in ihr lebte.
Ihr Befehl lautete, der NECKBREAKER auf ihrem letzten Flug den Weg zu bahnen. Sie steuerte den siebten Jäger im Geschwader Weiß, das die zweite Angriffswelle stellte. Vor ihr, irgendwo in der Leere, flogen die Kameraden von Rot, hinter ihr die von Grün. Im Navigationsholo blieben sie unsichtbar, die Triebwerke waren abgeschaltet. Den kaum messbaren Geschwindigkeitsverlust durch die Abbremswirkung des Raumstaubs auf ihrem Kurs und den Sonnenwind nahmen sie in Kauf, um die Ortung zu erschweren. Aus dem gleichen Grund hielten sie Funkstille.
Wer kämpfte, war immer allein. Das hatte Rilas Nahkampflehrer gesagt. Er hatte es anders gemeint, ihm war es um Selbstverteidigung gegangen. Wenn man überfallen wurde, dann wartete der Täter eine Situation ab, in der man unterlegen war. Allein, isoliert.
Beim Militär hatte man Kameraden.
Aber hier draußen sah Rila sie nicht. Wenn sie das Signal zum Abbruch verpasst hätte, wären alle anderen umgedreht und sie wäre ahnungslos weitergeflogen, immer näher an G’olata, die Militärwelt der Giats, heran.
Für den Moment gab sich der Anzug zufrieden, der Luftstrom in ihrem Helm versiegte.
Rila bewegte die Hand durch die Steuerungsholos. In der Pilotenkanzel gab es zwar eine Atmosphäre, aber keine Gravitation. Im Gegensatz zu Scheinkräften wie dem Beschleunigungsandruck, den die Absorber des Jägers komplett eliminierten, hatte die Menschheit niemals gelernt, die Raum-Zeit-Krümmung technisch nachzubilden.
Der Vergrößerungsfaktor des Navigationsholos änderte sich. Die Darstellung reichte nun sechs Astronomische Einheiten in jede Richtung, mit Rilas WEISS-SIEBEN im Zentrum. Der gewaltige bläulich weiße Riesenstern nahm den größten Teil ein. G’olata umkreiste dieses Monster in gerade einmal einer viertel Astronomischen Einheit Entfernung. Gemessen an der Lebensdauer einer Sonne würde der Planet jeden Moment in das Feuer stürzen, das die trügerische Farbe von Eiswasser ausstrahlte.
Die Explosionen, die der Ortungskubus am äußersten Rand anzeigte, waren bereits vergangen. Lichtschnelle Signale brauchten eine Dreiviertelstunde, um den Weg bis zu den Sensoren von Rilas Jäger zurückzulegen. Bis sie einen Treffer erkannten, war das Feuer vermutlich schon erloschen, die Luft im Vakuum diffundiert. Bei den menschlichen Schiffen verhinderten Notschotten, dass der Sauerstoff komplett abfackelte, bei den Giats gab es ähnliche Vorkehrungen, um das Chlor zu schützen, das sie atmeten.
Ein Großraumschiff zündete seine Triebwerke. Oder hatte sie vor eine Dreiviertelstunde gezündet, sodass Rila sie jetzt ortete. War das die PAYARA oder die ORCA? Diese beiden wagten sich am weitesten in das feindliche System vor, weil sie am stärksten gepanzert waren. Die Menschheit konnte sich den Verlust eines Großraumschiffs nicht mehr leisten. Es gab keinen Hinweis, dass außerhalb des Schwarms mit seinen eine Million Bewohnern noch Menschen in Freiheit lebten. Wo die Giats sie fanden, versklavten sie ihre Feinde und beraubten sie dabei aller Technologie, die Widerstand ermöglicht hätte. Meist brachten sie die Unterlegenen gleich um. Es war nicht ihr erster Genozid. Der Kampf um die Vorherrschaft in der Galaxis kannte keine Gnade.
Vielleicht brannte dort draußen auch ein Schiff der Giats. Rila lächelte grimmig und verkleinerte den Ortungsradius so weit, dass der Planet G’olata an den Rand des Kubus rückte. Nach den Daten der Aufklärung handelte es sich um eine reine Industriewelt, eine Waffenschmiede mit für Giats kaum atembarer und für Menschen giftiger Atmosphäre und einer Schwerkraft von dreifachem Erdstandard. Das war auch für die Feinde eine Hölle. Manche Analysten vermuteten, dass vor allem Sträflinge dort Dienst taten – eine halbe Milliarde. Der Planet besaß eine so hohe Dichte an Bodenschätzen, dass die Giats schon seit Jahrhunderten Raumschiffe, Torpedos, Geschütze und Transitionstriebwerke auf G’olata herstellten. Inzwischen musste die planetare Kruste porös sein wie ein Brocken Basalt. In jedem Fall war der Planet außerhalb der Polregionen ebenso trocken wie in einer Gluthölle geröstetes Gestein.
Dieser eineinhalb Erddurchmesser große Felsklotz war noch elf Lichtsekunden entfernt. Bei WEISS-SIEBENS momentaner Geschwindigkeit von sieben Millionen Stundenkilometern entsprach das beinahe einer halben Stunde Flugzeit. Inzwischen war der Planet auch normaloptisch zu erkennen. Durch die transparente Front ihres Jägers sah Rila die dunkle Scheibe, an deren Rand das blauweiße Sternenlicht nagte. Stärker beunruhigte sie, dass seine Strahlung die Sensoren störte. Zweifellos schützten die Giats eine Welt dieser Bedeutung mit mehreren Sphären aus Orbitalforts, einer Verteidigungsflotte und Kampfsatelliten. Die drei Monde waren mit Sicherheit von Raumgeschützen übersät. Die Umlaufbahnen der beiden äußeren Trabanten, die auf der anderen, der sonnenzugewandten Seite des Planeten standen, hatten die Geschwader bereits passiert. Der dritte, innerste, lag jedoch in ihrem Weg, noch vier Lichtsekunden entfernt.
Da die Schlacht seit einer Woche tobte, musste der Feind den entscheidenden Angriff erwarten. Die Tatsache, dass Rila und ihre Kameraden bislang unbemerkt geblieben waren, bedeutete, dass den Fernsensoren die Angriffsvorbereitungen vor sechs Tagen, als die MARLIN ihre Geschwader auf den Weg geschickt hatte, entgangen waren. Die Giats rechneten sicher mit einem vernichtenden Schlag, aber sie waren nicht in der Lage, den Angriffswinkel vorauszusehen. Ihnen war klar, dass kein Planet auf Dauer zu verteidigen war, doch sie wussten auch, dass die Menschen ihre Verluste wesentlich schlechter kompensieren konnten als die Giftatmer. Jeder sterbende Pilot und jedes zerstörte Raumschiff riss eine spürbare Lücke.
Rila würde keine solche Lücke sein. Sie presste die Zähne aufeinander. Sie würde den Auftrag ausführen. Rila würde der NECKBREAKER den Weg bahnen. Sie und ihre Kameraden würden die Waffenschmiede zerstören! Das würde ihr Leben sicherer machen.
Sie ging noch einmal die Bereitschaftsanzeigen der Waffensysteme durch: Laser, Torpedos, Reflektorwerfer. Sie dachte an die Menschen, die sie liebte, und die jetzt in den Großraumschiffen des Schwarms kämpften: ihre Mutter, ihren Bruder, ihre Freunde. Sie dachte auch an Reck, ihren Mann. Er sollte bloß aufpassen, dass er das hier überlebte. Sie hatten noch nicht zu Ende gestritten!
Mit jeder Sekunde gewann das Sensorbild Details. Die Fabriken auf der Planetenoberfläche strahlten Energie ab, ebenso die Industriesatelliten, in denen man die Schwerelosigkeit ausnutzte, um spezielle Legierungen für den Raumflug herzustellen. Immer mehr Triebwerke lösten sich aus dem Hintergrundrauschen des blauweißen Sterns. Die meisten davon gehörten sicher zu Frachtern, dachte Rila. Die Giats waren zu klug, um den Angreifern die Position ihrer Militärschiffe so leicht zu verraten.
Der Countdown bis G’olata näherte sich der Zwanzig-Minuten-Marke, als Geisterortungen etwa einhunderttausend Kilometer voraus, also fünf Sekunden Flugzeit entfernt, eine Gruppe von fahlen Kugeln im Navigationskubus erscheinen ließen. Sie leuchteten in rascher Folge auf, überlagerten einander und verloschen wieder.
Der Tanz begann.
Rila ballte die Linke zur Faust, streckte die Finger und bewegte sie vor das Sensorfeld, das die programmierten Ausweichmuster aktivieren würde. Mit der Rechten erhöhte sie die Empfindlichkeit der Navigationsanzeige. Dadurch erschien eine Vielzahl weiterer unbeständiger Geisterortungen, ausgelöst durch die Strahlung des Sterns und die Emissionen der Industrieanlagen. Aber einige blieben. Der Bordrechner markierte sie als Abstrahlwärme von Raumforts und gab dafür im höchsten Fall eine Wahrscheinlichkeit von siebzig Prozent an.
Sie stieg auf achtundneunzig Prozent, als Rila die Position der Geisterortungen in wenigen Tausend Kilometern Entfernung passierte und fünfundneunzigtausend Kilometer voraus etwas explodierte.
»Viel Glück, Kamerad«, murmelte Rila.
Der Jäger aus dem Rotgeschwader stieß ein paar Dutzend Irritationsbojen aus. Manche waren heiß wie Magma, andere sendeten hochenergetische Funkimpulse. Sie sollten die Feindortung vom angeschlagenen Raumfahrzeug ablenken. Bei Rilas hochgeregelten Sensoren sorgten sie dafür, dass der Kubus einen Bereich von zehntausend Kilometern um den noch immer mit unverminderter Geschwindigkeit auf das Ziel zustürzenden Jäger herum nur noch als indifferentes Flimmern darstellte.
»Gefechtskontakt!«, drang die neutrale Computerstimme aus dem Akustikfeld. Die Innenbeleuchtung wechselte auf Rot. Das Transplast der Pilotenkanzel kristallisierte aus, um ihr eine ebenso chromglänzende Oberfläche zu geben wie dem Rest des Jägers. Aus den Daten der optischen Sensoren wurde ein Bild der Außensicht errechnet und auf die Innenseite der Wölbung projiziert.
»Darauf wäre ich von allein nie gekommen.« Rilas Finger zitterte vor dem Sensor für die Ausweichmanöver. Noch stürzte WEISS-SIEBEN energetisch tot und unentdeckt durch den Leerraum. Sobald die Triebwerke feuerten, würde die Feindortung sie erfassen.
Darauf wollten die Giats nicht warten. Weiträumig aktivierten sie Ortungsbojen. Überall um Rila herum begannen die winzigen Geräte, eine konstante Wärmestrahlung abzugeben. Zweifellos hatte der Feind seine Sensoren sorgfältig geeicht. Jetzt suchten sie nach den minimalen Abweichungen, die entstanden, wenn ein Jäger eine Emissionsquelle für einen Nanosekundenbruchteil verdeckte.
Rilas Puls pochte in ihrem Hals. Sie versuchte, daran zu denken, wie unglaublich klein WEISS-SIEBEN im Verhältnis zum umgebenden Raum war. Durch die Trägerkonstruktionen für die Waffensysteme ähnelte der Jäger einem Stern mit zehn Metern Durchmesser, der transparenten Pilotenkanzel im Zentrum und dem Haupttriebwerk am Heck. Damit glich er einem einsamen Staubkorn in einem Frachthangar, wobei die nächstliegenden Feindsensoren in den äußersten Winkeln angebracht wären. Aber Rilas Gedanken kreisten um die Tatsache, dass sie es mit einem Feind zu tun hatte, dessen Technologie der irdischen um Jahrtausende voraus war. G’olata war strategisch wichtig. Hier würden die Giftatmer ihr gesamtes Arsenal aufbieten. Und bewies der Umstand, dass sie den Planeten trotz der tobenden Raumschlacht noch nicht evakuiert hatten, etwa nicht, wie sicher sie sich fühlten?
Hatten die Menschen etwas übersehen?
Erneut trocknete der Helm ihren Schweiß. Der Anzugrechner bot über ein leuchtendes Icon an, der Trägerin Beruhigungsmittel zu injizieren, um die Pulsfrequenz zu senken. Rila lehnte ab, sie brauchte einen unbetäubten Verstand.
Sie fokussierte die Darstellung im Navigationskubus und reduzierte die Sensorempfindlichkeit, um die Geisterortungen wenigstens teilweise auszufiltern. Steuerbord oberhalb, zweihundertfünfzigtausend Kilometer voraus, hing ein energetisches Leuchtfeuer im All.
»Ich wette meinen Gitterballpokal darauf, dass das eine Geschützplattform ist«, murmelte sie und richtete die Waffensysteme aus.
Das Netz der Ortungsbojen wurde immer dichter. Sie standen jetzt kaum noch eintausend Kilometer auseinander.
Der Countdown zeigte elf Minuten bis G’olata. Der Planet war nun eine dunkle Scheibe, in der die Industriezentren glühten und an deren Rand das Licht des blau schimmernden Sterns knabberte, das sie an allen Seiten umgab wie klares Wasser, durch das ein Scheinwerfer strahlte.
Rila erkannte nicht, worauf die Geschützplattform feuerte. Laserstrahlen blieben im Vakuum unsichtbar und auch Torpedos entdeckte man oft erst bei ihrer Detonation. Raumminen explodierten an vielen Stellen, aber sie mussten den Zündimpuls nicht unbedingt von dieser Plattform erhalten.
Voraus flammten Triebwerke. Sie waren zu nah am Planeten und zu dicht beieinander, um zum Rotgeschwader zu gehören. Dort kam eine Abfangflotte, vermutete Rila. Sie überlegte, ob sie die Bordwaffen auf die Giat-Schiffe ausrichten sollte, blieb aber bei den Geschützplattformen, die sie im Fokus behielt, bis WEISS-SIEBEN sie passierte, um dann die nächste ins Visier zu nehmen.
Als sie neun Minuten vor dem Planeten war, schlugen die Giftatmer zu. Offenbar hatten sie bislang abgewartet, um möglichst viele Jäger zuverlässig zu identifizieren, bevor diese ihre Ausweichmanöver starteten. Nun füllte sich der Navigationskubus mit Explosionen, von denen Rila sogar einige normaloptisch ausmachte. Als unbewegte, langsam verglühende Funken standen sie vor dem dunklen Planeten.
»Kommunikationssperre aufgehoben!«, verkündete die Computerstimme. »Feuer frei!«
Noch war Rila unentdeckt. Die Feindaktivität konzentrierte sich auf Geschwader Rot, wo nun auch Ortungsminen zum Einsatz kamen. Ihre Detonationen schufen heiße Bälle mit konstanter Wärmeabstrahlung, die sich gleichmäßig ausdehnten. Vor deren Hintergrund war ein Jäger leicht auszumachen.
Triebwerke zündeten, menschliche Waffensysteme erwiderten das Feuer. Da der Bordcomputer die Spezifikationen kannte, identifizierte er die aktiven Jäger mit einer Fehlertoleranz von unter einem Prozent. ROT-ZWEI und ROT-SIEBZEHN zerlegten eine Geschützplattform, gerieten danach aber selbst unter schweren Beschuss. Ihre Ausweichalgorithmen vollführten einen wilden Tanz, im Navigationskubus sah es so aus, als ob sie beinahe zusammenstießen. Eine Detonation zerriss ROT-ZWEI.
Rila suchte die Stelle im All mit den Augen, indem sie über die Projektion der Optiksensoren an der Innenseite der Kuppel wanderte. Sie erkannte nichts, sie lag zu weit seitlich, vor dem Hintergrund des blauweißen Lichts.
Als sie sich wieder dem Kubus zuwandte, war auch ROT-SIEBZEHN verschwunden. Hoffentlich suchte er nur sein Heil in der energetischen Stille.
Acht Minuten zum Ziel und WEISS-SIEBEN war noch immer unbemerkt. Für ihre Geschwaderkameraden galt das nicht. WEISS-SECHS, WEISS-FÜNF und WEISS-VIER – Ynga, Rulf und Herr Zmitt, der darauf bestand, dass ihn selbst enge Kameraden mit dem Nachnamen anredeten – lagen unter Feuer. Sie schraubten sich in chaotisch wirkenden Manövern durch den Raum. WEISS-FÜNF brachte es fertig, dabei drei Reflektorkörper abzustoßen. Diese Behälter brachen unweit des Jägers auf und setzten Tausende von Chromsplittern frei. Im freien Raum flogen sie mit gleichem Vektor wie das Schiff, das sie ausgestoßen hatte – bis dieses die Richtung änderte. So lange streuten die Splitterwolken das feindliche Laserfeuer und verwischten die Feinortung in Rilas Navigationsholo.
Siebeneinhalb Minuten. Noch war Rila sicher.
Aber ihre Kameraden nicht.
Ihr Befehl lautete, die Abwehranlagen auszuschalten, die der heranrasenden NECKBREAKER gefährlich werden konnten. Sie dehnte ihren Ermessensspielraum weit, als sie die Laserkanonen auf eine der Geschützplattformen ausrichtete, die WEISS-VIER, -FÜNF und -SECHS solche Probleme machten, und feuerte. Vor einem Kriegsgericht würde sie aussagen, dass die Erfolgschancen mit jedem Jäger, der durchkam, stiegen. Sie brachte einen in Gefahr – ihren eigenen – und erhöhte damit die Wahrscheinlichkeit, dass drei andere nahe genug an den Planeten gelangten, um Wirkung zu erzielen.
Es hätte sie selbst nicht überzeugt. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, dass sie nicht schuld sein wollte, wenn die MARLIN künftig ohne Yngas Kichern, ohne Rulfs Grinsen und ohne die unverständlichen Witze von Herrn Zmitt auskommen müsste.
Ihre Laser landeten einen Volltreffer. Sie sah nicht, was in siebenhundert Kilometer Entfernung wirklich geschah, stellte sich aber vor, dass die Lanzen gebündelten Lichts durch Panzerung und Fels stießen und die Abschirmung eines Generators punktierten. Etwas Ähnliches musste dort tatsächlich passiert sein, denn sofort blühte eine Blume aus orangerotem Feuer im All und der Beschuss auf ihre Kameraden endete abrupt.
»Waren Sie das, Egron-Itara?«, fragte Herr Zmitt.
»Irgendjemand muss ja auf euch aufpassen.«
Rila hatte keine Zeit für Triumphgefühle. Sie löste Ausweichroutine Delta aus. Viel penetranter als mit diesem Abschuss hätte sie sich nicht als Ziel bewerben können.
Der Planet, die blauweiße Sonne, die Sterne und die Funken der im All treibenden Explosionen wirbelten um sie herum, weil sich der Jäger infolge der Impulse aus den Steuerdüsen überschlug. Das Schema Delta hielt ihn grob auf Kurs G’olata, riss ihn dabei aber immer wieder ein paar Hundert Kilometer in die eine oder andere Richtung, wobei der Jäger Drohnen ausstieß, die sich selbstständig bewegten und die Feindsensoren täuschen sollten.
Die Andruckabsorber pufferten die kinetischen Effekte, die Rila ansonsten die Knochen zermalmt hätten, vollständig ab. In ihrer Pilotenzelle war sie schwerelos, von Gurten im Sitz gehalten. Was den Eindruck auf den Gleichgewichtssinn anging, hätte die Projektion der Sensordaten auf der kristallisierten Kanzelwölbung auch ein fiktives Bild sein können, das nicht ihre tatsächliche Situation gleich einem Blick durch Transplast simulierte.
Rila entkoppelte den Navigationskubus von der Ausrichtung des Jägers, sodass sich die Anzeige nicht mehr drehte. Sie erweiterte den Fokus, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Am äußersten Rand der Darstellung blitzten zwei Signale kurz hintereinander auf. Der Bordcomputer markierte sie als Emissionen des Promethiumtriebwerks der NECKBREAKER, also hatte sich die Steuerungsmannschaft entschieden, die Ortungsstille aufzugeben und Ausweichmanöver zu fliegen. Die Giats mussten das Schiff entdeckt haben, das zwölf Stunden lang kontinuierlich beschleunigt hatte und zusätzlich den Raumkrümmungseffekt des Sterns ausnutzte, den man als blauen Riesen klassifizierte, obwohl sein Licht für das menschliche Auge weiß erschien. Es verkürzte die Distanz zu G’olata um 150 000 Kilometer in der Sekunde, halb so schnell wie das Licht. Dadurch kam es zu relativistischen Effekten, auch was die Ortung anging. Mit Sicherheit befand sich die NECKBREAKER nicht mehr dort, wo der Kubus sie anzeigte, sondern wesentlich näher am Planeten.
Rila wechselte zurück auf einen engen Fokus. Überall flammten jetzt Wärmeortungen im Holo. Manche stammten von Explosionen, andere von Geschützen oder Triebwerken, die meisten von Ablenkungsbojen, die mit greller Hitze die lohnenden Ziele überdeckten. Vergeblich suchte Rila nach den Abfangwerfern, die die Mission der NECKBREAKER gefährdeten.
Ausweichmanöver Delta kam zum Ende, der Jäger stabilisierte sich und richtete sich auf den Planeten aus, der inzwischen die blauweiße Sonne verdeckte. Zwei Minuten trennten Rila noch von G’olata, die meisten Abwehrschalen hatte sie zweifellos durchstoßen. Auf diese Entfernung hätte sie die Fabriken auf der Oberfläche unter Beschuss nehmen können, aber das war nicht ihr Ziel.
»Wo sind die verdammten Abfangwerfer?«, knirschte sie.
Die Sensoren richteten sich auf die Orbits vor dem Planeten. Sie fingen Ortungsdetonationen auf, zeigten Geschützfeuer, das vermutlich Geschwader Rot galt, und eine Unmenge von Triebwerken. Den Giftatmern wurde es nun wohl doch zu heiß. Sie evakuierten. Das Signalgewitter war die beste Tarnung für die Abfangwerfer. Kalt kreisten sie ohne Antrieb, bis sie den Einschlagvektor erkannten. An den gewöhnlichen Gefechten mit Lasern und Torpedos beteiligten sie sich nicht. Bestimmt fiel es schwer, auf einem solchen Satelliten Dienst zu tun und zuzusehen, wie die Kameraden draußen in der Leere starben.
Aber sie mussten die anfliegende Gefahr orten, und da jede Telemetrie gestört werden konnte, verließ sich niemand auf externe Sensoren. Abfangwerfer hatten ihre eigenen elektronischen Sinne, und je näher die Bedrohung kam, desto stärker mussten sie die Aktivortung einsetzen – Strahlung, deren Auftreffen Rilas Jäger orten konnte.
»Na kommt schon … Zeigt euch!«
Sie war zu schnell. Wenn sie nicht bald abbremste, würde sie am Planeten vorbei- und aus der Kampfzone hinausstürzen. Widerwillig wendete sie, sodass ihr Haupttriebwerk in Flugrichtung zeigte. Auf der von den frontalen Optiksensoren gespeisten Projektion sah sie nun die Sterne. Sie wusste, dass die NECKBREAKER dort draußen heranraste und aller Wahrscheinlichkeit nach Geschosse an ihr nagten wie Fliegen an einem Stahlbolzen, aber zu erkennen war davon nichts. Kurz überlegte Rila, den Ortungsradius zu verschieben, aber dann hätte sie den entscheidenden Impuls verpassen können, der ihr einen Abfangwerfer verriete.
Plötzlich schrillte der Ortungsalarm. Nach den Stunden der Stille zuckte Rila zusammen. Da sie die Überrangschaltung nicht innerhalb einer Sekunde betätigte, startete der Jäger das Ausweichmanöver. Wieder wirbelten die Lichter durch die Kanzelprojektion.
Rila studierte ein Nebenholo und versuchte herauszufinden, ob der Suchstrahl von einem Abfangwerfer stammte, aber an seinem extrapolierten Ursprung brannte Abstrahlhitze, die zu einer Geschützplattform passte. Zudem zeigte das Navigationsholo ein Dutzend Kleintriebwerke, die sich ihr schnell näherten.
»Torpedos«, presste Rila zwischen den Zähnen hervor.
Rila brach die automatische Ausweichroutine ab und initiierte stattdessen Prozedur Gamma. Diese bestand aus einer raschen Abfolge von Zündungen an den Steuerborddüsen, begleitet vom Ausstoß von Ultrahitzebojen und einer Funkstörsonde.
Sie wählte den Fächermodus für ihre Bordlaser und bestrich damit einige der anfliegenden Raumtorpedos. Es war unnötig, die Geschosse zur Explosion zu bringen, es reichte, wenn sie ihre Manövrierfähigkeit verloren.
Drei Sekunden später war es überstanden. Rila passierte die Torpedos, die keine Chance hatten, zu wenden und auf die sieben Millionen Stundenkilometer des Jägers zu beschleunigen, geschweige denn ihn einzuholen. Sie würden versuchen, ein anderes Ziel zu treffen, das sich noch auf sie zu bewegte. Vermutlich brannten sie harmlos aus, um dann vergessen im Leerraum zu treiben, bis der blauweiße Stern zur Nova wurde und alles in diesem System verschlang.
Doch Rilas Geschwindigkeit wurde nun ein ernsthaftes Problem. Während der Jäger weitere Ablenkungssonden ausstieß, durchsuchte sie den Navigationskubus hektisch nach den Abfangwerfern. Irgendwo hier mussten sie doch sein! Die Giats konnten sie unmöglich noch näher am Planeten postiert haben.
Überall flammten Ortungen, aber keine passte zu dem, was Rila finden wollte. Dabei war sie weniger als eine Minute vom Planeten entfernt.
Rila schluckte ihren Stolz hinunter. Andere würden den Ruhm für einen entscheidenden Abschuss ernten. Ihr Beitrag bestand darin, ihren Kameraden, vor allem den noch weiter entfernten aus Geschwader Grün, den Erfolg zu ermöglichen, indem sie das Abwehrfeuer ausdünnte.
Sie ließ den Bordcomputer einen Kurs berechnen, der den Gravitationseffekt G’olatas einbezog. Selbst bei Vollschub könnte sie ihren Bewegungsvektor nicht auf dieser Seite des Planeten auf Null reduzieren, zumal sie das zu einem unbewegten Ziel gemacht hätte. Sie konnte jedoch einen Orbit entgegen der Rotation fliegen, dabei einen erheblichen Teil ihres Impulses abgeben und zurück auf die Angriffsseite schwingen.
Ein letztes Mal suchte sie nach Abfangwerfern.
Sie presste die Zähne aufeinander und markierte stattdessen einige Geschützplattformen und ein keilförmiges Raumschiff, das der Computer mit einer Wahrscheinlichkeit von zweiundvierzig Prozent als Kreuzer klassifizierte. Dann erteilte sie die Freigabe für das eingestellte Manöver.
Das in Flugrichtung weisende Haupttriebwerk zündete. Ihre relativ zum Planeten gemessene Geschwindigkeit fiel. Gleichzeitig feuerte der Großteil ihrer Waffensysteme. Das Ausklinken der Torpedos verringerte die Masse von WEISS-SIEBEN, was den Bremsvorgang erleichterte.
Diese Aktion machte sie zum Leuchtfeuer. Mehrere Ortungsstrahlen trafen auf. Die Anzeigen meldeten Lasertreffer. Rila hielt den Atem an. Noch wurden die Strahlen kohärenten Lichts gestreut.
Ihre eigenen Geschütze fanden mehrere Ziele. Eine Plattform explodierte, eine weitere stellte den Beschuss ein, der Kreuzer leitete ein Ausweichmanöver ein.
Unablässig gab WEISS-SIEBEN Gegenschub. Die Manövrierdüsen flogen begrenzte Zufallsmuster, die sie aber nur um ein paar Dutzend Kilometer versetzen konnten, um G’olatas Gravitationseffekt weiterhin zu nutzen. Dadurch blieb Rilas Kurs leicht berechenbar.
Ihre Schläfen pochten, Funken tanzten vor ihren Augen. Sie zwang sich, zu atmen. Ihre Drohnen und natürlich die Angriffe, die ihre Kameraden flogen, erzeugten Ablenkung. Darin bestand ihre einzige Hoffnung.
Rilas Finger schwebte vor dem Sensorfeld, das Fluchtmanöver Ceta auslösen würde. Dadurch würde der Jäger drehen und sie in den freien Raum hinauskatapultieren, wo die Dichte der Abwehrstellungen rasch abnähme. Damit schiede sie aus der Schlacht aus, denn ohne die Bremswirkung des Planeten wäre sie keinesfalls rechtzeitig wieder zur Stelle.
Sie schluckte.
»Meine Kameraden brauchen mich«, flüsterte sie.
Aber stimmte das?
Was konnte sie schon ausrichten – mit einem Jäger, der den Großteil seiner Torpedos bereits abgeschossen hatte?
War sie mehr wert als eine Zielscheibe, die einen winzigen Bruchteil des Feindfeuers auf sich zog?
Sie lachte und spürte, wie die Angst sie ausfüllte. Armer Helm. Er hatte viel zu tun, ihr den Schweiß aus den Augen zu halten.
Die Trauben von Gefechtsortungen blieben zurück, aber noch immer war das Holo gut gefüllt. Tausende Raumschiffe zogen auf gebogenen Bahnen, die G’olatas Rotation ausnutzten und Rila deswegen grob entgegenkamen, fort vom Planeten und hinaus ins All. Rila hätte einige davon unter Feuer nehmen können, aber sie glaubte, dass es sich bei den wenigsten um Militäreinheiten handelte. Die Kampfschiffe würden sich auf der Anflugseite befinden, im Gefecht. Das hier waren zivile Raumer, viele sicher auch Gefangenenschiffe, wenn zutraf, dass hauptsächlich Verurteilte auf G’olata arbeiteten. Die meisten Passagiere mochten keine Giats sein, erst recht keine Soldaten.
Rila beendete den Ausstoß von Ablenkungssonden. Sie war jetzt so nah am Planeten, dass sie durch die obersten Schichten der Ionosphäre pflügte. Das führte zu einem Schweif von in der Reibungshitze entzündetem Gas. Wenn sie Glück hatte, hielt man sie trotz des Gegenschub gebenden Antriebs für ein abstürzendes Trümmerstück. Davon gab es inzwischen Tausende. Um diesen Effekt vorzutäuschen, durfte ihre Umgebung nicht allzu hell in den Holos brennen.
In der optischen Projektion sah Rila kaum Wolken, dafür war G’olata zu trocken. Stattdessen trieben riesige Rauchgebilde über den Industriezentren. Auch im kaltweißen Licht des Tages erschien die Planetenoberfläche dunkel. Schwarzbraune Felsformationen bildeten mal schroffe Höhen, mal vernarbte Ebenen. Eine zweitausend Kilometer lange Schlucht klaffte wie eine Wunde zwischen zwei Siedlungsgebieten.
»Wie sie die Bevölkerung wohl versorgen?« Große Vegetationsflächen konnte Rila dort unten nicht ausmachen. Wahrscheinlich züchteten die Giats unterirdisch Nahrungsmittel, um die von den Monden und den anderen Planeten des Systems eintreffenden Versorgungsflüge zu ergänzen. G’olata selbst war völlig der industriellen Ausbeutung ausgeliefert.
Auf der anderen Seite, Richtung Sonne, hingen zwei Monde im Himmel. Sie waren zu weit entfernt, um eine Gefahr darzustellen, aber die Sensoren zeigten einen regen Schiffsverkehr. Anhand der einlaufenden Daten vermutete Rila in einem der Raumer einen angeschlagenen Riesen, der sich waidwund in ein Dock schleppte, bevor er explodieren und die gesamte Besatzung in den Tod reißen würde. Andere Einheiten mochten Munitionstender sein.
Auf ihrer elliptischen Bahn verließ Rila die Ionosphäre. Sie nutzte die Gelegenheit für einen Check der Außenhülle. Die Panzerung war beinahe vollständig, aber der Laserbeschuss hatte Chrom abgekocht. Sie initiierte eine Notreparatur, die eine Neubeschichtung versuchte. Das war nur ein Teilerfolg. Ein Treffer an derselben Stelle würde sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die Panzerung kosten. Ihr Mund wurde trocken, sie saugte am Versorgungsschlauch. Die gezuckerte Flüssigkeit prickelte auf ihrer Zunge.
WEISS-SIEBEN hielt die berechnete Bahn, näherte sich wieder dem Planeten und tauchte erneut durch die Ionosphäre.
Sie ballte und öffnete die Hände, bevor sie die Finger vor die Schaltsensoren bewegte. Mit weit reduzierter Geschwindigkeit näherte sich WEISS-SIEBEN dem Tag-Nacht-Terminator am Äquator. Die Raumschlacht trat aus dem Ortungsschatten des Planeten.
Die Fluchtschiffe der Giats erschienen wie eine Funkenwolke im Kubus. Überall glühten die Hitze der Kanonen und die Explosionen der Torpedos. In diesem Chaos tat sich der Bordrechner schwer, die menschlichen Jäger zu identifizieren. WEISS-DREI, GRÜN-ACHT und GRÜN-ZWEI wurden angezeigt, verschwanden aber schnell wieder. Weiter links tauchten andere Markierungen auf.
Rila ignorierte die Anzeige. Sie sah auf den Metallschaumteppich, der sich nun im Anflugvektor der NECKBREAKER aufbaute. Die Abfangwerfer verströmten ihre Ladung aus sich aufpolsternden Legierungen. Blitzartig dehnten sie sich kilometerdick in einem Radius von dreihundert Kilometern aus, fünfzigtausend Kilometer vor dem Planeten. Mit der Fluggeschwindigkeit der NECKBREAKER war diese Distanz in einer Drittelsekunde zu überwinden. Der Zweck des Teppichs lag darin, das im Wesentlichen aus einem fünf Kilometer langen Körper massiven Stahls bestehende Schiff aus der Bahn zu lenken. Falls es den Planeten verfehlte, würde es weiter auf die Sonne zurasen, möglicherweise sogar ein paar Minuten später hineinstürzen. Keinesfalls konnte es wenden, seine Tanks waren längst ausgebrannt und gemeinsam mit dem Haupttriebwerk abgeworfen. Erfolg oder Misserfolg: Dies war der einzige Flug der NECKBREAKER.
Rila kannte keine Zweifel mehr. Sie sah das Ziel vor sich und setzte Kurs.
Die Ortung zeigte die Abfangwerfer. Viele hatten sich in einer Wolke versammelt, weitere strömten herbei, um ihr Material auszustoßen und den Metallschaumteppich zu vergrößern. Rila machte das Gebilde als dunklen Fleck vor den Sternen aus.
Sie wusste, dass ein Angriff im Zentrum kaum Erfolgsaussichten hatte. Dort war das Metall so stark, dass auch ein Volltreffer nur unwesentlichen Schaden erzielte. Wenn die NECKBREAKER dort aufträfe, wäre die Mission verloren.
Sie vertraute darauf, dass ihre Kameraden eine geeignete Korrektur flogen. Doch sie mussten den Kurs auf den Planeten halten, also konnten sie nicht weit ausweichen. Vielleicht streiften sie das Hindernis, das die Giats aufbauten.
Rila zerschoss einen Abfangwerfer, der sich gerade am Rand einklinkte und offenbar noch volle Metalltanks hatte. Sie wechselte das Feuer auf einen weiteren und dann auf einen dritten. Jubelnd begrüßte sie die Explosionen.
Dann trafen die Ortungsstrahlen auf, acht kurz hintereinander. Plötzlich stand ein keilförmiger Feindkreuzer überdeutlich im Navigationskubus, lächerliche fünfhundert Kilometer entfernt. Abstrahlhitze blitzte über seine Hülle.
Sofort riss die Automatik WEISS-SIEBEN in einen Ausweichkurs.
Rila wusste nicht, wie viele Geschosse sie verfehlten, aber der schrille Alarm verriet ihr, dass mehrere trafen.
Entweder der Kreuzer oder der Abwehrschaum – Rila musste sich für ein Ziel entscheiden!
Sie schickte die letzten Torpedos auf die Reise.
Die Geschosse jagten in Richtung der Abfangwerfer davon.
Dieser Sieg war wichtiger als ihr Leben.
Eine chaotische Ortungsanzeige verriet die Annäherung der mit halber Lichtgeschwindigkeit heranrasenden NECKBREAKER. Die relativistischen Effekte und die Störsignale verhinderten eine genaue Erfassung, aber Rila erkannte, wie sich die Passagierkapsel vom eisernen Hauptkörper löste. Nun war alles entschieden, keine Steuerung mehr möglich.
Eine Explosion zerriss den Rumpf von WEISS-SIEBEN. Glühendes Metall spritzte durch die Kanzel. Das konnte jedoch nicht alles sein, dem hätte Rilas Raumanzug widerstanden. Irgendeine Überraschung hatten die Giftatmer in ihr Geschoss gepackt, und diese sorgte dafür, dass ein Splitter den Helm durchschlug und an der anderen Seite wieder austrat. Rila spürte die sengende Hitze an ihrem Gesicht vorbeirasen.
Mit lautem Zischen entwich die Luft sowohl aus ihrem Helm als auch aus dem Jäger. Das Loch in der Hülle klaffte so weit, dass Rila ins All hätte tauchen können. Der kurze Ruck der entweichenden Atmosphäre riss sie in diese Richtung, nachdem die Explosion sie zuvor zur entgegengesetzten Seite gedrückt hatte. Sie klammerte sich an den Haltegurten fest, während die Reparaturroutine versuchte den Helm zu versiegeln. Flüssiges Plast strömte über das Visier und härtete in Sekundenschnelle aus, aber in der Schwerelosigkeit verteilte es sich nur getrieben vom Gebläse, und damit stimmte etwas nicht. Das Plast bildete bizarre Formen, Dornen und Spiralen, aber es verschloss die Löcher nur zum Teil.
Rila widerstand dem Drang, sie mit den Händen abzudecken. Damit hätte sie die Reparatur behindert.
Ihr Gesicht fühlte sich an, als zögen Hunderte kleiner Saugnäpfe an ihrer Haut. Druckverlust, erkannte Rila. Der Anzug verzichtete darauf, die Luft im Helm nachzufüllen, solange das Leck noch bestand.
Rila versuchte sich abzulenken.
Wegen der fehlenden Atmosphäre waren die Holos zusammengefallen, ihnen fehlten die Partikel, an denen die Lichtreflexion hätte sichtbar werden können. Zweidimensionale Notschirme übernahmen die Anzeige. Die Schäden am Jäger waren immens. Die Automatik hatte das Haupttriebwerk abgestoßen, kurz bevor es explodiert war. Damit war Rila praktisch flugunfähig. Immerhin konnte die Detonation die Giats täuschen, sie mochten annehmen, WEISS-SIEBEN sei komplett zerstört und die Pilotin tot.
Das würde sie auch bald sein, dachte Rila. Ihr Puls hämmerte.
Sie stimmte zu, als der Anzug die Injektion von Beruhigungsmitteln vorschlug.
In ihrem Sichtfeld wanden sich bizarre Finger aus erhärtetem Transplast, aber die Löcher im Helm waren noch immer offen.
Ein Schwindelgefühl überkam Rila. Sie wusste, dass sie erstickte, obwohl es sich nicht so anfühlte, weil sie ein- und ausatmen konnte. Nur brachten die Atemzüge kaum noch Sauerstoff in die Lungen.
Hinter dem Hüllenbruch tanzten die Sterne. Sie strahlten eine losgelöste Ruhe aus.
Verrückt, dachte sie, dass sie kaum etwas von der Raumschlacht sah, obwohl sie sich in ihrem Zentrum befand. Rila lächelte. Alles schien so friedlich zu sein.
Sie lauschte auf das Knacken des Rumpfs, der sich allmählich abkühlte.
Sollte sie ihre Laser nutzen, um ein paar Giftatmer zu erledigen? Das könnte den Kameraden helfen.
Unschlüssig bewegte sie den Finger über den Monitor, der das Waffenholo ersetzte. Weiteres Transplast strömte über ihren Helm und brach ihre Sicht. Sie kniff die Augen zusammen, damit sich der Schwindel legte.
Als Rila sie wieder öffnete, sah sie ein Aufblitzen durch den Hüllenbruch. Scheinbar im selben Moment, in Wirklichkeit aber, wie sie wusste, eine Drittelsekunde später, glühte eine riesige Wunde auf der Planetenoberfläche.
Treffer.
Rilas Lächeln breitete sich aus, obwohl ihr kalt wurde, weil bei dem niedrigen Druck die Feuchtigkeit auf ihrem Gesicht verdunstete.
Die NECKBREAKER hatte ihre Mission erfüllt. Mehrere Kubikkilometer massiven Stahls hatten den Metallschaum gestreift, aber das war bedeutungslos gewesen. Mit halber Lichtgeschwindigkeit war das Geschoss in den Planeten geschlagen. Sprengstoff war unnötig, die Bewegungsenergie war so gewaltig, dass G’olata sie nicht aufnehmen konnte. Die planetare Kruste leistete so wenig Widerstand wie ein Blatt Papier. Gesteinsmantel und Kern bremsten die NECKBREAKER ab, aber mit desaströsen Folgen für den Himmelskörper. Die kinetische Energie wandelte sich in Wärme und, was viel zerstörerischer war, in Bewegung um. Wegen des immensen Drucks, der dort herrschte, war der Planetenkern trotz der Hitze fest. Er vibrierte, was sofort globale Beben auslöste. Gegenüber der Einschlagstelle wurden mit Sicherheit Teile des hochkomprimierten Kerns abgesprengt, rasten durch den Mantel und traten auf der sonnenzugewandten Seite wieder aus. Schockwellen durchliefen mit immenser Geschwindigkeit den glutflüssigen Mantel, überall brach Lava aus der Kruste. Rasch verdunkelte eine Brandwolke, die bald den gesamten Planeten umhüllen würde, die glühende Wunde am Einschlagloch. Sofern der Himmelskörper nicht unter den Schockwellen zerbräche, würden Feuer und Rauch ihn für Jahrhunderte beherrschen. Höchstens eine Stunde noch, dann hätte diese Katastrophe die gesamte Oberfläche unbewohnbar gemacht.
Was Rila dort draußen beobachtete, war ein Weltuntergang.
Sie wollte auf der Ortungsanzeige nachsehen, wie sich ihre Kameraden schlugen. Jetzt, da die Entscheidung gefallen war, bot dieses System nichts mehr, wofür sich zu kämpfen lohnte. Aber das Inferno bannte weiterhin Rilas Blick.
Kopfschmerz pochte in ihren Schläfen. Ihre Sicht wurde immer verschwommener, was nur teilweise an den sich ständig weiter aufbauenden Transplaststrukturen lag.
Wie viel Luft blieb ihr noch?
Unter normalen Umständen hielt ein Raumanzug seine Trägerin über Wochen am Leben, aber sie fürchtete, dass die Lecks am Helm nicht die einzige Beschädigung waren.
Übelkeit stieg in ihr auf.
Wenn sie tot wäre, würde ihr der gesparte Sauerstoff nichts mehr nützen.
Sie presste die Hände auf die Löcher und befahl dem Anzug, den Helm wieder mit Luft zu füllen.
Sie lachte, als sie den frischen Atem fühlte.
Ihr Lachen erstarb, als sie das Zischen hörte. Der Anzug war nicht nur am Helm beschädigt.

Robert Corvus

Über Robert Corvus

Biografie

Robert Corvus, 1972 geboren, lebt in Köln. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker war in verschiedenen internationalen Konzernen als Strategieberater und Projektleiter tätig. Corvus ist Metalhead, Kinofan und Tänzer. Er veröffentlichte zahlreiche Romane in den Reihen »Das schwarze Auge« und...

Kommentare zum Buch

Die Zukunft der Menschheit
Karin am 14.05.2017

Die Erde wurde vor langer Zeit von den Giats vollständig zerstört. Die Menschheit, eine Million an der Zahl, lebt seither auf mehrere große Raumschiffe verteilt, die zusammen den Schwarm bilden. Der Schwarm dient der gemeinsamen Verteidigung gegen die Giats, denn der Konflikt zwischen Menschen und Giats hält nach wie vor an. Ansonsten haben sich auf den einzelnen Raumschiffen eigene Gesellschaftsstrukturen etabliert und auch die evolutionäre Entwicklung ihrer Menschen weicht voneinander ab. Ein Verlassen des Schwarms ist undenkbar, da damit die Verteidigung der Menschen entscheidend geschwächt würde. Ebenso steht immer wieder die Frage im Raum, was ein Mensch in seinem Menschsein ausmacht ob bestimmte Optimierungen oder Veränderungen an den Besatzungsmitgliedern notfalls mit Gewalt unterbunden werden müssen. Die Admiralin Demetra Egron steht voll und ganz hinter der traditionellen Haltung, dass Eingriffe in die Biologie des Menschen zu einer Schwächung der Spezies führt, aber ausgerechnet ihre beiden Kinder Starn und Rila beginnen, eigene Wege zu gehen.   Das Buch beginnt mit einem fulminanten Angriff der Menschen auf den Planeten G'olata, einem wichtigen Stützpunkt der Giats – im Rest des Buches spielen jedoch Weltraumschlachten eine untergeordnete Rolle, was mir gut gefällt, da ich am liebsten Science Fiction-Romane lesen, die mich zum Nachdenken anregen. Bei „Feuer der Leere“ geht es um die Zukunft der Menschen und ob das Zusammenleben in dem Schwarm die einzige mögliche Alternative ist, um gegen die Giats bestehen zu können. Wie würde sich der Mensch, dessen Evolution auf einem Planeten begann, entscheiden, wenn er plötzlich die Wahl hat, auf einem Planeten mit Schwerkraft oder weiterhin in einem Raumschiff in Schwerelosigkeit zu leben? Wenn das Leben in einem Schiff und in Schwerelosigkeit seit langer Zeit Normalität ist? Ich konnte jedenfalls Starns Begeisterung, als er das erste Mal einen erdähnlichen Planeten betritt und ohne Maske atmen kann, sehr gut nachvollziehen, auch wenn die Raumschiffe jeglichen Komfort anbieten.   Die einzelnen Raumschiffe des Schwarms sind sehr unterschiedlich: da gibt es die MARLIN, die zwar eher militärisch straff geführt wird, aber per Mehrheitsbeschluss über anstehende Projekte entscheidet. Die SQUID wirkt dagegen sehr exotisch, handelt es sich bei ihr doch um ein organisches Wesen, welches den Menschen in ihrem Inneren Unterschlupf bietet. Mit ihren langen Greifarmen ähnelt sie einem Kalmar. Als einziges Schiff herrscht in ihr Schwerkraft – warum das so ist, ist ein Geheimnis, das bisher nicht gelüftet wurde.   Und dann gibt es noch die ESOX, deren Bewohner sich seit Jahren mit dem Computer des Schiffes verbunden und ihren menschlichen Körper technisch optimiert haben. Das jedoch führte innerhalb des Schwarms zu Unmut und hatte eine blutige Zerschlagung dieser Entwicklungen durch die restlichen Schwarmmitglieder zur Folge. Starn Egron war damals an diesem Einsatz beteiligt, jedoch haben die Erlebnisse dazu geführt, seine militärische Laufbahn aufzugeben – sehr zur Enttäuschung seiner Mutter, der Admiralin der MARLIN.   Starn hat sich seither auf das Gebiet der Xenobiologie verlegt, welches zur Aufgabe hat, Saatgut für die Verpflegung des Schwarms zu entwickeln und Planeten zu finden, die über geeignete Voraussetzungen für ein Ausbringen des Saatguts und spätere Ernte der Nahrungsmittel verfügen. Denn die Beschaffung bzw. Produktion von Nahrungsmitteln bei einem Leben in Raumschiffen stellt die Menschheit vor völlig andere Herausforderungen, wie bei einem planetengebundenen Leben. Das war etwas, über das ich mir zu Beginn des Romans kaum Gedanken gemacht hatte, welches aber eines der zentralen Themen des Buches ist.   Und immer beherrscht die Gefahr durch die Giats das Leben der Menschen: selbst, wenn sich ein Planet finden würde, auf dem die Menschen leben könnten, müssten sie fürchten, dass die Giats auch diesen Planeten wieder zerstören würden. Das Gleiche gilt für die Ernteflächen, welche von den Giats unbemerkt bleiben sollten.   Als Leser habe ich mich gefragt, ob dieser schon so lange anhaltende Konflikt überhaupt noch zu stoppen ist, ob es irgendwann eine Chance auf Waffenstillstand zwischen den beiden Völkern geben kann. Und auch auf diese Thematik wird in dem Buch eingegangen.   Wenn man bisher noch keinen oder nur wenige Romane aus diesem Genre gelesen hat, fühlt man sich sicherlich durch die vielen technischen Begriffe erstmal erschlagen – mir ging es nicht anders vor wenigen Jahren, als ich nach langer Zeit meine ersten Science Fiction-Bücher gelesen habe. Aber man kommt im Laufe der Lektüre immer besser rein und außerdem haben die technischen Details wenig Auswirkung auf das Verständnis der Handlung. Hier hätte ich mir gewünscht, dass es ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen im Anhang des Buches gegeben hätte. Der Autor hat jedoch im Rahmen unserer Leserunde diese Anregung aufgegriffen und ein Glossar auf seiner Homepage eingerichtet. Ich muss hier lobend herausheben, dass es dem Autor mühelos gelingt, nüchtern-sachliche technische Informationen neben nahezu poetischen und philosophischen Überlegungen zu platzieren.   Die Charaktere sind wie gewohnt vielschichtig und über so manche Figur musste ich meine erste Meinung im Laufe des Buches revidieren. Ihre Entwicklungen haben mir jedenfalls gut gefallen.   Besonders gut gefallen haben mir die Erlebnisse von Starn und seinen Kollegen auf dem Planeten Cochada, mit dessen Bewohnern sie neue Handelsbeziehungen knüpfen wollen, um die Verpflegung der Menschen in nächster Zukunft sichern zu können. Zudem machen die Menschen auf Cochada eine verblüffende Entdeckung, mit der ich niemals gerechnet hatte.   Es werden viele Fragen aufgeworfen und nicht alle beantwortet, was allerdings bei der Komplexität der angesprochenen Themen und der Weite des Weltalls und des Rotraums nicht möglich sein kann. Das Buch ist als Einzelband ausgelegt, aber ich könnte mir vorstellen, dass es noch weitere Bücher zu diesem Universum geben könnte, in denen auch die anderen Schiffe des Schwarms eine Rolle spielen könnten.

Großes Weltraumabenteuer
Heide F. am 02.05.2017

Science Fiction vom Feinsten. Gespickt mit technischen Details, Besonderheiten des Alltags, die das Leben in der Schwerelosigkeit mit sich bringt, mit erstaunlichen Lebensformen und Schilderungen fremder Welten, die den Leser staunen lassen und wirklich Gänsehaut-Momente bescheren. Hat man sich mit der Technik arrangiert, kann man sich voll in die menschlichen und nichtmenschlichen Tragödien stürzen, die der ständige Überlebenskampf mit sich bringt. Aber es geht nicht nur um Kampf und Tod, Hass und Feindschaft. Es geht auch um Sehnsucht, Freundschaft, Loyalität und Liebe. Für all das findet der Autor wunderbare Worte und Bilder, weicht vom uns Bekannten ab und macht den Leser immer wieder nachdenklich. Was macht uns zu Menschen? Gibt es einen Punkt, an dem man sein „Mensch-Sein“ abstreift? Wie gehen wir mit Dingen um, die uns fremd sind? Fragen, die heute so aktuell sind wie in dieser fernen Zukunft. Die Antworten darauf darf sich der Leser selbst geben und das bietet trefflichen Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. So ist es nur logisch, dass das Buch nachhallt und man es nicht einfach zuklappt, abhakt und zum nächsten greift.   Robert Corvus hat die unterschiedlichsten Charaktere erschaffen, die nicht alle sympathisch sind (Gott sei Dank), aber alle glaubwürdig erscheinen. Die beiden wichtigsten Figuren – der schon erwähnte Ugrôn und Starn von der MARLIN – könnten unterschiedlicher nicht sein, haben mich aber durchweg gefesselt. Starn ist derjenige, mit dem sich der Leser am besten identifizieren kann und an dem er sich festhalten kann in diesem bildgewaltigen und temporeichen Epos. Ugrôn ist das exotische Wesen, dass so viele widerstreitende Gefühle auslöst: tiefstes Verständnis und starke Verunsicherung ob seiner Andersartigkeit. Den beiden werden dann noch Partner an die Seite gestellt, die das Ganze zu einem unglaublichen Mix an Emotionen machen.   ch gebe dem Buch 4,5 Sterne. Ein halbes Sternchen Abzug für den für meinen Geschmack doch etwas seicht geratenen Schluss und die ein oder andere zu detailverliebte technische Schilderung. (aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau und wird den wahren Science Fiction Fan eher begeistern als verschrecken).   Fazit: Wer Lust auf Weltraumabenteuer, fremde Welten und besondere Menschen in außergewöhnlichen Situationen hat, sollte hier unbedingt zugreifen.

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