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Fallender SternFallender Stern

Fallender Stern

Roman

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Fallender Stern — Inhalt

Am zehnten Geburtstag der Zwillinge Amy und Eric wird auf einem Asteroiden ein Funksignal entdeckt: der Beweis für außerirdisches Leben! Von nun an entbrennt auf der Erde ein Wettlauf gegen die Zeit. Internationale Entwicklungsteams bereiten eine bemannte Raumfahrt vor, denn in 30 Jahren wird der Asteroid der Erde am nächsten sein – die Möglichkeit für einen Erstkontakt. Doch die Gesellschaft ist gespalten. Nicht alle blicken dem Ereignis zuversichtlich entgegen. Auch Amys und Erics Familie zerbricht  ...

€ 16,00 [D], € 16,50 [A]
Erschienen am 31.08.2020
448 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-70537-0
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 31.08.2020
448 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99446-0

Leseprobe zu „Fallender Stern“

Kapitel 1: Rauschen

15. Mai 2033

1

Amy lief Schlittschuh, und Eric sah ihr zu.

Sie konnte es gut, aber er freute sich nicht darüber. Denn das bedeutete, dass er nicht so geschickt darin war wie sie. Mal wieder. Hier in der Eishalle fror er und sehnte sich nach draußen. Viel lieber mochte er Wärme, sogar die Hitze, wegen der seine Mutter gern jammerte. Er lehnte sich auf das Geländer, das sich rund um die Eisfläche zog. Der Atem tanzte als eine kleine Wolke vor seiner Nase.

Direkt vor ihm fiel ein Junge hin, der ein paar Jahre älter als Eric aussah. [...]

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Kapitel 1: Rauschen

15. Mai 2033

1

Amy lief Schlittschuh, und Eric sah ihr zu.

Sie konnte es gut, aber er freute sich nicht darüber. Denn das bedeutete, dass er nicht so geschickt darin war wie sie. Mal wieder. Hier in der Eishalle fror er und sehnte sich nach draußen. Viel lieber mochte er Wärme, sogar die Hitze, wegen der seine Mutter gern jammerte. Er lehnte sich auf das Geländer, das sich rund um die Eisfläche zog. Der Atem tanzte als eine kleine Wolke vor seiner Nase.

Direkt vor ihm fiel ein Junge hin, der ein paar Jahre älter als Eric aussah. Erst landete er mit den Ärmeln seines braunen Mäntelchens auf dem Boden, dann mit dem Gesicht. In der Nähe kicherten zwei Mädchen. Bestimmt wäre Eric auch ausgelacht worden, hätte er sich überhaupt auf die Schlittschuhe getraut. So ging es ihm meistens. Im Gegensatz zu seiner Schwester konnte man ihn nicht gerade einen Glückspilz nennen.

Amy drehte eine Pirouette auf einem Bein. Ihre lila Augen strahlten, als die Lichtsteuerung einen der Scheinwerfer auf sie lenkte. Wahrscheinlich freute sie sich darüber. Sie breitete die Arme aus und fühlte sich jetzt wahrscheinlich wie eine Prinzessin. Eric wäre vor Scham gestorben.

Das Signal zum Besucherwechsel schnarrte durch die Halle, und gleichzeitig lief auf einer der Seitenwände Werbung ab. Für Ranga, was sonst.

Seltsam, dass Mama noch nicht wieder zurückgekommen war. Sie verspätete sich eigentlich nie, aber heute hatte sie furchtbar viel zu tun, wegen des Geburtstags morgen. Ich tu es für euch, hatte sie gesagt. Werdet ihr übermorgen zehn Jahre alt oder ich? – Wir werden zwanzig, hatte Klugscheißer-Amy geantwortet. Bei Zwillingen zählt man das zusammen!

Alle rutschten auf ihren Schlittschuhen von der Eisfläche. Amy kam fast als letzte zum Rand. Sie seufzte übertrieben. „Die Zeit ging so schnell um! Ich kann gar nicht verstehen, dass du nicht Schlittschuh laufen willst.“

Eric verstand auch so manches nicht. Zum Beispiel, warum Amy monatelang mit Papa gestritten hatte, nur damit er ihr diese bunten Kontaktlinsen erlaubte, die doch einfach nur hässlich aussahen. Dass die Hälfte aller Kinder in ihrer Schule so herumlief, zählte für ihn nicht. Hässlich blieben sie trotzdem. Noch weniger konnte er sich vorstellen, warum man solch einen Aufstand um seinen zehnten Geburtstag machte. Ihm, Eric, war es egal. Ein Tag wie jeder andere. Viel lieber hätte er einfach seine Ruhe gehabt. Und ein paar Geschenke, natürlich. Aber keinen Trubel drumherum.

„ISS an Eric!“ Sie tippte ihm dreimal gegen die Brust. „Jemand zuhause auf deinem Planeten?“

„Jaja“, sagte er mürrisch. „Du kannst nicht verstehen, wieso ich nicht Schlittschuh laufe, bla, bla.“ Was sollte er darauf groß antworten?

„Sei nicht so frech zu deiner Schwester“, hörte Eric, und eine Sekunde später legte sich eine Hand auf seine Schulter, während sich rechts und links Ströme von Kindern entlangschoben. Die einen mussten die Eisfläche verlassen, die anderen sahen besser gelaunt aus, weil sie endlich anfangen durften.

„Wo ist Mama?“, fragte er seinen Vater. Er fror immer noch. Seine Finger taten sogar ein bisschen weh, und als er sie bewegte, kam es ihm vor, als könnte er sie kaum knicken. Der kleine Finger machte einen Sprung im knubbeligen ersten Gelenk.

„Ich weiß, eigentlich wollte sie euch abholen. Aber ihr Chef hat angerufen.“

Amy ließ ihre Handschuhe in der Manteltasche verschwinden. „Heute? Was ist denn da oben los, dass es nicht bis nach dem Wochenende warten kann?“

„Es hat eine aufregende Entdeckung gegeben.“

„Haben sich Aliens gemeldet?“, fragte Eric.

Papa grinste. „Nö.“

„Dann ist es auch nicht interessant. Warum beobachtet ihr den Weltraum, wenn nicht deswegen?“

„Aus vielen Gründen.“

Einen Augenblick lang befürchtete Eric, Papa könnte einen seiner Vorträge halten. Darauf hatte er aber wirklich keine Lust. Die Werbung für Ranga zeigte inzwischen ein paar Schuhe, die genauso langweilig aussahen wie die Hosen vorher. Und dazu lief jetzt irgendwelche Musik, die sich noch langweiliger anhörte. Immerhin übertönte sie das Gekreische der Kinder, die sich um die besten Plätze auf der Eisbahn rissen.

Zum Glück summte Papas Pod – dieses geheime NASA-Ding, das er nur für seine Arbeit nutzen durfte. „Das wird eure Mutter sein.“ Er blickte sich um, als hätte er Angst davor, dass irgendwer sein kostbares Superhandy sehen und auf die Idee kommen könnte, es ihm zu stehlen. Inzwischen hatten sich jedoch alle an ihnen vorbeigedrängt, und niemand scherte sich um ihn, seine Kinder oder das Pod. Papa ging ran. „Ja, Liebes?“ So nannte er Mama. Peinlich. Er hörte ein wenig zu, dann sagte er: „Oh.“ Wieder eine Pause, und: „Klar, ich bring die beiden heim und kümmre mich um sie.“

„Was ist mit ihr?“, fragte Eric.

„Sie kommt spät zurück.“

„Karottenkacke“, sagte Amy.

Papa sah sie verwirrt an. „Was soll das denn heißen?“

„Du weißt echt gar nichts“, urteilte Amy.

„Was irgendwelche Modewörter angeht, die ihr in der Schule verwendet, stimmt das wohl. Aber eins weiß ich schon.“

„Und zwar?“

„Wenn Mama nicht da ist, schieben wir uns eine Pizza in den Ofen und sehen uns einen Film an.“

Nicht schlecht, fand Eric. Das hätte schlimmer kommen können.




2


Das war typisch für Eric. Manchmal hasste Amy ihn. Wahrscheinlich blockierte er das Bad bloß, um sie zu ärgern. Und um Ewigkeiten auf der Toilette zu sitzen und sich vom Wärmefeld den Rücken brutzeln zu lassen. Wenn er nachher wieder rauskam, würde es da drin nicht nur stinken, sondern auch noch viel zu heiß sein.

Sie klopfte gegen die Tür.

Er reagierte nicht.

Sie hämmerte gegen die Tür.

Im Badezimmer blieb alles still.

„Eeee-ric!“, rief sie. Mama nannte diesen Tonfall theatralisch. Das Wort gefiel ihr, wenn sie es auch nicht ganz verstand.

Es tat sich immer noch nichts, und irgendwie machte ihr das allmählich Angst. Normalerweise kam er angestapft, schloss auf, meckerte irgendetwas vor sich hin und verzog sich in sein Zimmer.

„Eric?“

„Amy, was hast du denn?“, rief Papa von unten. Sie drehte sich um, sah die Treppe hinunter. Er stand vor der offenen Küchentür, den Türknopf noch in der Hand. Das hieß wohl, dass er schnell zurück an den Ofen musste. Als wäre es ein Wunderwerk, eine Tiefkühlpizza aufzubacken. Das konnte sie, seit Mama sie mit vier Jahren als Nutzerin dem Sprachmenü der Küche hinzugefügt hatte.

„Eric kommt nicht raus!“ Ihre Stimme klang wie das Piepsen einer erschrockenen Maus.

„Was?“ Ihr Vater winkte ab. »Ach, kümmert euch selbst drum! Ich muss …«

„Schon gut!“ Sie klopfte wieder. „Eric? Komm, mach auf.“

Unten schloss sich die Küchentür. Hier oben blieb es still. Und nun bekam Amy wirklich Angst. Sie spürte ihr Herz schmerzhaft im Hals schlagen.

Endlich hörte sie etwas. Aber es gefiel Amy gar nicht. So musste sich das Geräusch anhören, mit dem sich irgendwelche Horrorgestalten vorwärtsschoben, wenn in ihren Monstercomics Schlurf!! stand.

Sie biss sich auf die Unterlippe und drehte den Türknopf. Eric hatte natürlich abgeschlossen. Sie drehte noch mal, fester. Logisch, dass sie trotzdem nicht öffnen konnte, auch nicht, als sie an der Tür rüttelte. „Eric, mach auf!“

Schlurf.

Das Comicheft, das sie gestern Abend gelesen hatte, musste noch unter ihrer Matratze stecken. Mama sah die Dinger gar nicht gern, weshalb Amy sie vor ihr versteckte. Doch mit Papa saß sie manchmal auf dem Bett, und sie grinsten über die Fratzen der Monster, die zu dämlich aussahen, als dass man sich hätte vor ihnen fürchten können. Normalerweise. Aber als sie jetzt das Geräusch hinter der Tür hörte, fand sie es gar nicht zum Grinsen.

Es kratzte auf dem Türblatt.

Von innen.

Amy wich einen Schritt zurück. Oder doch mehrere? Jedenfalls stieß sie gegen das Treppengeländer. Der Türknopf drehte sich. Es klackte. Die Tür flog auf, und etwas klatschte auf den Boden. Es war Eric.

Amy schrie.

Ihr Bruder lag vor ihr auf dem Bauch, mit den Beinen noch im Badezimmer. Er drehte sich so zur Seite, dass sie sein Gesicht sehen konnte. Die Augen standen weit offen, die Pupillen waren riesig. Er war fast so weiß wie die Wand hinter ihm.

Ihr Vater hetzte die Treppe hoch und trat dabei auf die Stufe, die immer knarrte. „Was ist los?“

Amy antwortete nicht. Was sollte sie auch sagen, außer dem, was Papa sowieso sah.

Er kniete sich neben ihren Bruder, legte ihm die Hand an die Wange, dann an die Stirn. Es sah so aus, als wüsste er, was er tat, wenn er auch blass war und seine Finger ein wenig zitterten. Amy hockte sich hin. Alles war gut. Papa kümmerte sich darum. Am Kinn fühlte sich etwas kalt an. Sie wischte darüber. Ihr Daumen war blutverschmiert. Das Beißen, dachte sie. Ich hab mich wieder gebissen.

„Sag was!“, forderte Papa. „Eric! Siehst du mich, Eric?“

„Hm.“

„Hast du dich verletzt?“

»Keine … Ahnung.« Zwischen den beiden Wörtern lag eine lange Pause, als müsste er nachdenken.

„Er muss zur Tür gekrochen sein“, sagte Amy. Sie glaubte, das schlurfende Geräusch noch hören zu können. Jetzt, da sie ihren Bruder sah, verstand sie: Er war mit nackten Beinen und Füßen über die Fliesen gerutscht, und mit verschwitzten oder nassen Händen. „Und hat sich irgendwie an der Tür hochgezogen.“

Papa stand rasch auf, sah ins Bad. „Kein Blut.“ Er klang erleichtert. Und ging wieder auf die Knie und nahm Erics Hand. „Drück mal fest zu.“ Kurz darauf: „Noch fester.“

Amy fühlte sich schrecklich nutzlos, doch plötzlich kam ihr eine Idee. „Soll ich einen Krankenwagen rufen? Ich kann das!“

„Brauchst du nicht. Er hat uns einen Riesenschreck eingejagt, aber ich glaube, ihm geht es schon wieder besser. Das war halb so schlimm.“

„Ach?“

„Sieht wie ein Kreislaufproblem aus. Das hatte ich als Kind auch.“

Eric zog die Beine an und setzte sich hin. „Ich bin umgefallen, als ich vom Klo aufgestanden bin.“

„Ist dir schwindlig?“, fragte Papa.

„Vielleicht brauch ich nur einen Kaffee.“

„Wie kommst du denn darauf?“

„Sagt Mama immer, wenn sie morgens im Bad steht.“ Er grinste, aber seine Lippen zitterten ein bisschen.

„Bleib noch sitzen. Amy, kannst du schnell runtergehen, sonst verbrennt die Pizza.“

„Klar.“ Als die halbe Treppe hinter ihr lag, fragte sie: „Geht’s ihm wieder gut?“

„Denk schon“, sagte ihr Bruder.

„Prima“, meinte sie. „Dann kann ich endlich auch ins Bad.“ Wie erleichtert sie sich fühlte, zeigte sie nicht. Sonst bildete er sich noch was drauf ein.




3


„Morgen ist der 16. Mai 2033! Ein wahrhaft denkwürdiger Tag!“ Ihr Vater bedachte sie mit einem ehrfürchtigen Blick, während er nach einem Stück Pizza griff.

Eric fühlte sich noch ein wenig mulmig im Bauch, aber er kaute trotzdem an seiner Pizza. Sie war einfach zu lecker. „Warum?“

„Na, weil ihr beide zehn Jahre alt werdet! Ein Supergeburtstag! Den gibt’s nur einmal!“

„Wie jeden“, meinte Amy. „Man wird auch nur einmal neun oder elf.“ Sie war eine echte Spielverderberin.

Papa grinste und sah fast so aus, als fände er es lustig; aber eben nur fast. Das war seine Art, mit solchen superlogischen Bemerkungen von Amy umzugehen. „Ihr müsst mir jetzt wirklich sagen, wie viele von euren Freunden kommen, damit ich die Tickets kaufen kann.“

Während seine Schwester die Namen ihrer Freundinnen aufzählte, die den Kinobesuch mitmachen wollten und dabei Mädchenkram wie ›Chayne freut sich schon so‹ oder ›Aira überlegt seit Tagen, was sie anziehen soll‹ von sich gab, sagte Eric nur: „Drei, wie geplant.“

„Amy, du weißt doch, dass wir die Tickets nicht für alle deine Freundinnen bezahlen können, das wäre unfair gegenüber deinem Bruder.“

„Dann zahl ich zwei eben selbst.“

»Aber …«

„Ich hab das Geld!“

Papa nahm sich eins der letzten Stücke Pizza und fischte die Seetang-Salami herunter. Darunter dampfte es. Amy schnappte sich die Salami, kaum dass sie auf dem Teller lag. „Eric, was meinst du?“

„Wenn sie selbst bezahlt, ist mir das egal.“ Insgeheim hoffte er, dass Chayne auf jeden Fall mitkam. Er mochte sie. Sie war schon elf und sah wirklich gut aus.

„Worüber denkst du nach?“, wollte Papa wissen.

Er fühlte sich ertappt. »Wieso glaubst du, dass ich …«

„Ich seh es dir an.“ Papa grinste. „Elternradar. Stell dir vor, dass ich so einen kleinen Chip im Ohr habe, und wenn du traurig bist, fängt er an zu piepsen.“

Seltsam, dass das vorhin nicht funktioniert hatte, als Eric im Badezimmer zusammengebrochen war. „Ich frag mich, ob Mama morgen wieder da ist. Oder ob sie immer noch bei der Arbeit sitzt, weil die ja so superwichtig ist.“ Anders als wir.

„Sie wird da sein.“ Papa klang nicht so überzeugt, wie er wahrscheinlich klingen wollte.

Eric überlegte noch, was er sagen sollte, als Amy die Sache auf ihre Weise auf den Punkt brachte: „Wieso bist du eigentlich hier und nicht mit Mama zur NASA, obwohl du das viel lieber wolltest?“

„Wie kommst du darauf?“

„Ich sehe es dir an.“

Papa legte das Stück Pizza, in das er gerade hatte beißen wollen, auf den Teller zurück. »Da täuschst du dich. Und überhaupt …«

„Was?“

Mit aufeinandergepressten Lippen schüttelte er den Kopf. „Egal.“

„Wa-ha-as?“

„Für eine Zehnjährige bist du ganz schön schlau.“

„Ich bin neun.“

Papa sah auf die Uhr. „Nur noch drei Stunden. Das gilt. Mama wird morgen da sein. Ich werde da sein. Und wir gehen mit euren Freunden ins Kino.“

»Ganz sicher … wirklich?«, fragten Amy und Eric gleichzeitig und mit exakt denselben Worten, wie sie es schon manchmal getan hatten. Das war so ein Zwillingsding, erzählten ihre Eltern oft irgendwelchen verblüfften Erwachsenen, wenn die es mitbekamen.

„Bestimmt. Kann sein, dass sie schon unterwegs ist. Ich ruf sie an.“

„Darf ich mit ihr sprechen?“, fragte Eric.

Papa zögerte kurz, dann: „Klar.“

Amy stand auf und rauschte mit einem „Ich geh das Geld für die anderen Tickets holen“ aus dem Wohnzimmer.

Papa holte sein Pod und tippte auf das kleine Foto von Mama rechts oben in der Ecke.

Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis sie das Gespräch annahm. Noch während sich der Bildschirm kurz schwärzte, sagte sie: »Endlich, Ethan! Es ist unfassbar! Wir …« Ihr Bild erschien, und in diesem Moment sah sie auch Papa und ihn. „Oh, hallo, Eric, Schatz.“

„Wie geht’s dir, Mama?“

Sie lächelte. „Bin ein bisschen müde.“ Sie trug eines dieser grau-blauen Hemden, die sie fast immer anhatte, wenn sie arbeitete. Isabella Allamore, stand auf der Karte, die an einem Lederband um ihren Hals baumelte. „Und dir?“

Es klang zwar nicht so, als ob sie es wirklich wissen wollte, aber er antwortete: „Wieder gut. Ich hab es überlebt.“

„Was meinst du damit?“

„Bin im Bad zusammengebrochen“, sagte er und ergänzte, weil es sich so lässiger anhörte, obwohl es nicht ganz stimmte: „Hab mir fast den Kopf am Rand der Badewanne aufgeschlagen.“

»W… wie? Was? Ethan, ist das …«

„Es geht ihm gut“, versicherte Papa. „Keine Sorge!“

»Das sagst du so einfach. Ich bin hier …«

„Ich habe es im Griff.“

Sie schloss die Augen. „Tut mir leid, dass ich nicht da war, Schatz.“

War ja nicht das erste Mal, dachte Eric. „Schon gut. Wann kommst du?“

„Es wird spät. Aber morgen, wenn du aufwachst, bin ich da. Ich darf doch euren zehnten Geburtstag nicht verpassen!“

Amy hätte wahrscheinlich gesagt: So wie unseren neunten – Übung macht den Meister. Doch er verkniff sich die Bemerkung. „Stimmt! Das geht ja gar nicht!“, meinte er stattdessen.

„Darf ich kurz mit Papa sprechen?“

„Klar.“ Er winkte, stand auf und ließ sich auf die Couch fallen.

„Konntest du Bilder des Asteroiden sehen?“, fragte Papa.

Über solchen Weltraumkram sprachen sie ständig. Nur ging es nie um wirklich coole Sachen wie die Mars-Mission. Darum kümmerten sich ihre Arbeitskollegen. Typisch. Eric hörte nicht richtig zu, sondern wühlte sich durch die Zeitschriften, die sich auf dem Couchtischchen verteilten. Langweiliges Erwachsenenzeug. Aber irgendwo musste eins von seinen Comics liegen. Der Stapel kam ins Rutschen und platschte auf den Boden.

Papa kümmerte sich nicht drum, sondern hörte gerade Mama zu: „Er kommt nicht aus unserem Sonnensystem!“ – »Wie kann es dann …« – »Ich stelle mir genau dieselben Fragen, aber es stimmt, Ethan! Aus dem interstellaren Raum, und er wird …«

Endlich fand Eric das Comicheft. Perry Rhodan Origins: Gucky erzählte die Geschichte des Films nach, den er vor ein paar Monaten gesehen hatte, obwohl er PG-13 war. Der alte Ezra an der Kasse hatte ein Auge zugedrückt. Das machte er gern und gab dabei solche Weisheiten von sich wie: „Ich könnt’ schwör’n, du bis’ schon minnestens vierzehn“ oder „Der Streif’n ist gut für dich!“ Eric kannte sonst niemanden, der einen Film als Streifen bezeichnete. Er blätterte und versank in den bunten Bildern.

„Die beiden warten“, sagte Papa irgendwann, und als er merkte, dass es um ihn ging, lauschte Eric wieder genauer. „Wann fährst du los?“

„Ich habe Mason gesagt, dass ich um zehn aufbreche.“

„Da wird er nicht gerade jubeln, wie ich ihn kenne. Hat er versucht, dich umzustimmen?“

„Hat er.“

„Und?“

„Ich wollte von ihm wissen, ob er weiß, worin das Geheimnis eines friedlichen Lebens besteht.“

„Und?“, fragte Papa noch mal.

„Er hat verneint. Also habe ich gesagt: Darin, nicht mit Idioten zu diskutieren. Er meinte, das sähe er ganz anders. Da habe ich ihm recht gegeben.“

Papa lachte so prustend, dass ein Krümelchen Pizza gegen das Display des Pods platschte. Eric begriff nicht, was daran so witzig sein sollte.

„Wie hat er reagiert?“, fragte Papa, während er den nassen Krümel beiseite wischte.

„Er hat gedroht, mich rauszuschmeißen. Wie immer. Im Grunde weiß er ja, dass ich recht habe.“

„Damit, dass er ein Idiot ist?“

„Damit, dass ich zu meinen Kindern muss, wenn sie zehn Jahre alt werden. Den Fehler vom letzten Mal mach ich nicht noch mal. Aber morgen Abend fahre ich wieder hierher.“

„Hat Mason dich dazu verdonnert?“

»Das kann er nicht. Ich will es selbst. Dieser Asteroid, Ethan … er ist faszinierend.«

Christoph Dittert

Über Christoph Dittert

Biografie

Christoph Dittert, 1974 geboren, hat Romane aus den Bereichen Fantasy, Science-Fiction und Horror geschrieben und gehört zum Autorenstamm der Bücher um die „Drei ???“. Gemeinsam mit Michael Peinkofer schreibt er dessen Saga um die „Splitterwelten“ fort.

Pressestimmen
voicesofthestreet.de

„Die ungewöhnliche Marriage von Jugendbuch-Autor (Die drei ???) und Sciencefiction-Schriftsteller (Perry Rhodan) ist Christoph Ditters Werk ›Fallender Stern‹ durchaus anzumerken, verleiht dem Buch aber auch einen sehr charmanten und vor allem einen tiefgründigen philosophischen Charakter.“

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