Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Epicordia

Epicordia

Roman (Ravinia 2)

E-Book
€ 9,99
€ 9,99 inkl. MwSt.
sofort lieferbar
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Epicordia — Inhalt

Die Fortsetzung von Thilo Corzilius’ phantastischem Debüt »Ravinia« führt den Leser in eine geheimnisvolle Welt tief unter der Erde: In Epicordia lebt das Mondvolk, das eifersüchtig über sein Territorium wacht. Den Bewohnern Ravinias ist der Zutritt verboten. Als jedoch die tiefsten Tunnel Epicordias von feindlich gesinnten mechanischen Tieren blockiert werden, wendet sich Francesco Bastiani ratlos an Tom Truska und Lara McLane. Er führt seine Freunde gegen den Willen des Mondvolks tief hinab in die Höhlen, wo sie einen beunruhigenden Verdacht schöpfen: Ist ihr alter Feind Ruben Goldstein verantwortlich für die Armee der mechanischen Wesen? Mit Entsetzen müssen die Freunde feststellen, dass die Sturmbringer zu einem erneuten Schlag ausholen: Sie wollen Laras wundervolle neue Welt in ihre Hand bringen, koste es, was es wolle …

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 14.04.2014
416 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-98078-4

Leseprobe zu »Epicordia«

Ravinia – Vor wenigen Wochen verschwand der Schuster Nathaniel C. unter mysteriösen Umständen, um nach wenigen Stunden ohne Erinnerung an den Vorfall wieder aufzutauchen. Vorgestern wurde nun erneut ein Einwohner Ravinias Opfer einer rätselhaften Entführung. Diesmal handelte es sich jedoch um ein unschuldiges Kind.
Nora B. (8) wurde in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vermisst gemeldet. Etwa zwölf Stunden später tauchte das Mädchen in seinem Elternhaus wieder auf, ohne jegliche Erinnerung an das Geschehene, sonst aber unverletzt. Dieses Muster lässt [...]

weiterlesen

Ravinia – Vor wenigen Wochen verschwand der Schuster Nathaniel C. unter mysteriösen Umständen, um nach wenigen Stunden ohne Erinnerung an den Vorfall wieder aufzutauchen. Vorgestern wurde nun erneut ein Einwohner Ravinias Opfer einer rätselhaften Entführung. Diesmal handelte es sich jedoch um ein unschuldiges Kind.
Nora B. (8) wurde in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vermisst gemeldet. Etwa zwölf Stunden später tauchte das Mädchen in seinem Elternhaus wieder auf, ohne jegliche Erinnerung an das Geschehene, sonst aber unverletzt. Dieses Muster lässt auf den gleichen bisher unbekannten Täter schließen, der in den letzten Monaten immer wieder Bewohner Ravinias entführt hat.
»Das Kind weist keinerlei Anzeichen eines Angst- oder Schockzustands auf «, teilte Naomi Steiner, leitende Ärztin der psychiatrischen Abteilung des Hospitals, mit.
Die Suche nach Schuldigen geht indes weiter. Die Ermittler stehen jedoch vor einem Rätsel. Hermann Falter vom Kommissariat in Ravinia gab zu Protokoll, dass »bisher keinerlei verdächtige Personen festgenommen wurden«. Die Polizei scheint dem Geschehen machtlos gegenüberzustehen.
In der Zwischenzeit wachsen Angst und Unruhe unter den Eltern in Ravinia, besonders im Viertel der Oberstadt. »Wo sollen wir denn noch hin, wenn uns die Kommissare und die Nachtwächter nicht schützen können?«, fragte eine besorgte Mutter. »Wozu haben wir die denn?«, empörte sich eine weitere.
Kommissar Falter versicherte, dass die Ermittlungen oberste Priorität genössen und » alles in unserer Macht stehende « getan werde, um die Entführungen möglichst schnell aufzuklären und eventuelle Schuldige der Gerichtsbarkeit zu überantwoten. Zusammen mit der kleinen Nora sind in den vergangenen achtzehn Monaten sieben Personen verschwunden gewesen.
»Ich verspreche Ihnen bei allem, was mir heilig ist, dass die Verantwortlichen für diese Taten eine Ewigkeit in Dismas schmoren werden «, versprach Falter. Abel Vonnegut, Vorsteher der Nachtwächter von Ravinia, pflichtete dem bei: »Die Sicherheit der Bürger Ravinias muss jeden Tag gewährleistet sein, wir tun unser Möglichstes.«
Wir können nur hoffen, dass die Ermittlungsleiter ihren Floskeln auch Taten folgen lassen. Trotz der Bekundungen, um die Sicherheit der Einwohner Ravinias besorgt zu sein, scheint gerade diese aktuell nicht immer sichergestellt.

 

1. Kapitel, in dem Lara McLane einige Dinge über den Tod und das Leben herausfindet.

 

 

 

She’ll be gone – soon you can have me for yourself
Eirik Glambæk Bøe & Erlend Øye

 

Gefühle sind wie ein Sturm.
Er wirbelt unverhofft die See der Emotionen auf, flaut ab, schwillt wieder an. Licht und Schatten wechseln sich ab wie warme und kalte Luftschichten – und dann, wie aus dem Nichts, entladen sich Gewitter, wühlen die Wogen auf und lassen das Wasser des Lebens über einem zusammenschlagen.
Der Sturm brachte Regen mit sich. Leisen, stetigen Regen. Sehr britisch, hätte man einem Reiseführer glauben geschenkt, trotz der sommerlichen Jahreszeit. Beständig trafen die kleinen Tropfen auf das dichte Blattwerk des größtenteils ungepflegten Parks – die wenigen freiwilligen Helfer waren der Masse der Flora nicht im Mindesten gewachsen.
Und mittendrin stand ein Mädchen, nein, eine junge Frau. Sie war sehr schlank und trug einen dunkelblauen Regenanorak, der ihr bis zu den Knien reichte. Überaus bemerkenswert war ihr Haar, das wie ein Bernstein vielfarbiges, facettenreiches blondes Feuer in die Grün- und Brauntöne ihrer Umgebung schickte, und ihr in Wellen bis auf den Rücken fiel. Und wer einen Blick in ihre Augen geworfen hätte, hätte sich aus Versehen in einem tiefen Kastanienbraun verlieren können.
Neben ihr stand ein hochgewachsener Mann – offenbar mitten in den Dreißigern –, dessen blasses Gesicht von einem Dreitagebart und pechschwarzem, zerzaustem Haar gerahmt wurde. Einen schwarzen Mantel trotz der sommerlichen Temperaturen um sich geschlungen, starrte er am eigentlichen Zentrum des Geschehens vorbei. Doch das war nicht untypisch für ihn.
Ihnen beiden war anzusehen, dass ihnen nicht besonders wohl in ihrer Haut war. Und das lag an dem Ort, an dem sie sich befanden.
Highgate Cemetery.
Der verwunschene Friedhof in Londons Norden, der auf gleicher Höhe mit Hampstead Heath liegt, hatte seine Spuren in den Leben von Lara McLane und Tom Truska hinterlassen.
Ein weiterer Mann gesellte sich mit langen Schritten zu ihnen. Er hatte seine besten Jahre seit langer Zeit hinter sich, wirkte jedoch rüstig und keinesfalls verkalkt.
Lara umarmte ihn kurz und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie sich wieder nervös umsah. So hatte sie bereits die letzten zehn Minuten des Wartens verbracht.
»Henry«, grüßte Tom Laras Großvater knapp. Dass er damit kurioserweise einmal mehr Worte beisteuerte als Lara, sein Lehrling und Schützling, gab der Situation beinahe etwas Absurdes.
Ja, Lara McLane fühlte sich ganz und gar nicht wohl auf diesem Friedhof, auch wenn sie sich auf dem öffentlich zugänglichen Ostteil befanden. Drüben, auf der anderen Seite der Swain’s Lane, lag hinter gusseisernen Toren der alte Westteil mit der Egyptian Avenue und dem Circle of Lebanon. Der Ort, an dem vor zwei Jahren ein widernatürlicher Sturm getobt, Baltasar Quibbes in den Tod gerissen und das Selbstvertrauen der stolzen Stadt Ravinia stark erschüttert hatte.
Noch jemand kam auf sie zu. Ebenfalls groß, allerdings auf eine gemütliche Art und Weise untersetzt und rundlich. Der Mann war vielleicht noch einmal zehn Jahre älter als Tom, trug seinen Bart jedoch nicht wie dieser in unrasierten Stoppeln, sondern als sehr gepflegten Vollbart.
Robert Garbow, der exzentrische katholische Priester von Ravinia, legte Lara eine Hand auf die Schulter und hielt mit der anderen einen Regenschirm über sie. Er war ihr die letzten beiden Jahre ein teurer Freund geworden und so konnte es ihr nur recht sein, dass er sich mit ihr unter die wenigen Trauergäste mischte, die der Bestattung beiwohnten.
Die übrigen Gesichter der vielleicht fünfzehn Anwesenden kannte Lara nicht. Sie waren offenbar Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, denn die Männer trugen allesamt eine Kippa.

 

 

 

Warum der Körper der alten Frau seinen geschundenen Geist genau zu diesem Zeitpunkt entlassen hatte, gab den versammelten Medizinern der düstergoldenen Rabenstadt Rätsel auf, allen voran einer gewissen Mrs Steiner, die die Leitung der psychiatrischen Abteilung des Hospitals innehatte. Schließlich hatte sie vorsichtig den Verdacht geäußert, dass der Lebenswille von Elisabeth Joel vielleicht am Ende schlicht aufgebraucht gewesen war.
Seitdem waren nun zwei schlaflose Nächte vergangen, in denen Lara nicht gewusst hatte wohin mit ihren Gedanken.
Hatte sie Trost gesucht ? Trost für diese Frau, die sie niemals kennengelernt hatte, zumindest nicht so, wie sie einst wohl gewesen sein musste?
Es hatte förmlich gepocht in ihrem Kopf, das Denken, das scheinbar so willkürliche Aneinanderreihen von Gedanken.
Elisabeth Joel war ihre Großmutter gewesen. Die Mutter ihrer Mutter. Sie hatte geschrieben und zwar ganz wundervoll. Sie hatte es auf eine magische Weise verstanden, die Worte hintereinander zu setzen, ineinander zu verflechten, sodass sie ihre Leser betörten.
Einst hatte sie den finsteren Roland Winter mit einem Gedicht in ein Bild gesperrt. Doch warum nur und ausschließlich sie dazu in der Lage gewesen war, das hatte Lara nie gefragt. Wie hätte sie auch? Als sie einander schließlich begegnet waren, war Elisabeth eine gebrochene Gestalt gewesen, die sich in alten Büchern und Tee mit zu viel Rum verloren hatte.
Und sie hatte diesen Ort geliebt. Highgate. Wohl, weil sie hier ihre Ruhe vor der Welt gehabt hatte.
Roland Winter hatte Laras Eltern auf dem Gewissen und Elisabeth damit etwas angetan, das ein Leben zerstören kann: Niemand sollte seinen eigenen Kindern ins Grab folgen. Wirklich niemand.
Doch im Gegensatz zu Henry McLane, dem Winter zudem noch die Frau genommen hatte, hatte sich Elisabeth nie wieder fangen können. Alles war ihr egal geworden. Während Henry tapfer seine Enkelin großzog, wurde sie zu einer absonderlichen Alten, die sich der Pflege eines Friedhofs verschrieb. Man könnte sagen, dass das Leben von Elisabeth Joel seit jenen Tagen vorbei gewesen war.
Doch gab es etwas, das niemand wusste und von dem auch niemand Lara hätte mehr erzählen können, da niemand mehr lebte, der das vermochte. Einzig die alte Alchimistin Keiko Ito vielleicht. Doch Meisterin Ito hatte Ravinia verlassen und niemand wusste, wohin sie gegangen war.
Nachdem Roland Winter durch seine einstigen Vasallen befreit worden war und Genesung erfahren hatte, hatte das erneute Treffen Elisabeths verwundeter Seele den letzten, alles entscheidenden Schlag versetzt.
So hatte die alte Frau die letzten beiden Jahre in einem Zustand völliger Apathie in der psychiatrischen Abteilung des Hospitals von Ravinia verbracht.
Anfangs hatte Lara sie dort besucht. Doch die Besuche waren seltener geworden. Elisabeth hatte nicht gesprochen, bloß vor sich hin gestarrt. Sie hatte gegessen und getrunken, aber weder selbstständig noch mit irgendeiner erkennbaren Lust. Im Grunde war von Elisabeth Joel nur eine Hülle geblieben.
So war sie für Lara auch nicht zu einem weiteren Fenster in die Vergangenheit geworden. Doch es fiel der jungen Frau mit den bernsteinfarbenen Locken noch immer unendlich schwer, zu akzeptieren, dass auch der beste Erzähler und das schönste Tagebuch weder ihre Eltern zurückbringen, noch die Zeit, die sie nie zusammen gehabt hatten, zurückdrehen konnte.

 

 

 

Gefühle sind wie ein Sturm.
Und so hatten Henry und Lara McLane beschlossen, dass Elisabeth Joel auf dem Highgate-Friedhof beerdigt werden solle, denn sie hatte in den letzten Jahren ihr Herz an die freiwillige Pflege des überwucherten Parkfriedhofs gehängt. Außerdem hatte sie immer noch ihren Wohnsitz in Highgate gehabt, eine Voraussetzung dafür, auf demselben Totenacker wie Douglas Adams oder gar Karl Marx ruhen zu dürfen.
Ein Mann gesetzten Alters sprach das Kaddish vor dem Grab, dann wurde der schlichte hölzerne Sarg hinabgelassen und jeder Anwesende warf eine symbolische Hand voll Erde darauf.
Schließlich war es vorbei.
Henry McLane, der sich mit dem Papierkram auseinandergesetzt hatte, dankte dem Rabbi für das kurzfristige Engagement. Man tauschte verhalten ein wenig Small Talk aus, bis die jüdischen Gemeindemitglieder von dannen zogen.
Henry, Robert, Tom und Lara sahen sich schweigend an, dann liefen sie zusammen in Richtung Ausgang und die Swain’s Lane nach Norden hinauf.
Lara fröstelte, als sie die Außenmauern des Westteiles passierten, hinter denen Roland Winter sie um ein Haar alle umgebracht hätte.
So erreichten sie den Stadtteil Highgate. Hier hatte Elisabeth ein Haus besessen, um dessen Auflösung sich zu kümmern Robert versprochen hatte. Lara brannte nicht gerade darauf, sich dieser unheimlichen Aufgabe zu widmen, und auch ihrem Großvater Henry, hinter dessen oftmals so fröhlicher und freundlicher Fassade es allem Anschein nach brodelte wie in einem viel zu salzigen Meer, war es nicht zuzumuten.

 

 

 

Nach einigen Hundert Metern fanden sie endlich eine Seitengasse, die an diesem Freitagvormittag unbelebt genug schien.
Lara zog einen Bund voller Schlüssel an einem langen, mit der Aufschrift Tom Waits bedruckten Band aus ihrer Tasche und fischte unter der Vielzahl von Türöffnern einen ganz bestimmten, golden schimmernden heraus, auf dessen Kopf in feinen Linien der Schriftzug Victoria Street eingraviert war. Das sanfte Kribbeln, das beinahe wie ein Flüstern auf der Haut war, beruhigte sie zum ersten Mal, seit sie den Highgate-Friedhof betreten hatte. Vielleicht sollte sie die Schlüssel öfter in die Hand nehmen, wenn sie aufgewühlt war ? Die Schlüssel waren ihr Element, da war sie sich ganz sicher.
Sie steckte ihn in das Schloss einer Haustür, und die eigenartige Magie des Schlüssels entfaltete ihre Wirkung. Statt eines Flurs befand sich auf der anderen Seite der Tür nun eine nach Westen hin abfallende, kopfsteingepflasterte Straße. Die Victoria Street in Edinburgh lag vor ihnen und gegenüber ein Laden mit lange nicht mehr geputzten Fenstern.
Schlüssel, Uhren, Feinmechanik. Inhaber T. L. Truska stand in metallenen Buchstaben über der Tür geschrieben.
Zu Hause.
Zumindest zu einem Teil.
Ironischerweise war das Wetter hier deutlich besser als im mehrere Hundert Kilometer südlicher gelegenen London.
Sie traten hinaus auf den Gehweg, wo niemand wirklich bemerkte, dass aus der Tür vier Personen mit regennassen Mänteln und Schirmen traten. Menschen sehen nun einmal nur, was sie sehen wollen, und glauben, was sie gerne glauben möchten.
Dann überquerten sie die Straße und betraten den Schlüsselladen.
And the ones you have to watch are the ones that keep coming back, sang Kate Cooper passenderweise gerade aus den Boxen der Stereoanlage.
» Hallo Leute ! «, rief ein junger Mann mit halblangem, feuerrotem Haar ihnen von jenseits der Ladentheke zu, ohne den Blick zu heben. Stattdessen starrte er angestrengt auf etwas, das vor ihm und somit hinter der Registrierkasse lag. Angesichts des etwas irren Blicks, den er dabei aufsetzte, schien es kaum verwunderlich, dass sich in dem kleinen Laden keine Kundschaft befand.
Tom war mit drei langen Schritten bei der Anlage und drehte sie auf eine erträgliche Lautstärke herunter, was den jungen Kerl aufblicken ließ.
»Hey«, protestierte er.
»Hallo Lee«, begrüßte Robert Garbow den Rotschopf schnell, bevor Tom sich in irgendeiner Weise über die Musik zu äußern imstande war.
» Hallo Robert. «
Lees Blick wanderte zu Lara, musterte sie vorsichtig.
»Hi«, sagte er schließlich. »Wie geht’s dir?«
Sie zuckte mit den Schultern und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl sinken.
»Geht so«, gestand sie. »War nicht so schön, wieder in Highgate zu sein.«
Einige betretene Sekunden lang wusste niemand etwas zu sagen.
»Was haltet ihr von Tee?«, schlug Robert schließlich vor und versuchte, die möglichst beste Miene zum miesen Tag zu machen. Doch ihm war anzusehen, dass auch ihn das Begräbnis mitgenommen hatte.
Einst war er ein guter Freund von Laras Eltern gewesen und hatte auch ihre Großeltern gekannt. So oft hatte er ein offenes Ohr für Lara gehabt. Sie vermutete, dass er darin selbst etwas Trost fand. Schließlich hatte er Laras Eltern sehr viel besser gekannt als Lara selbst. Und es war gut, Robert und all die anderen um sich zu wissen.
»Eine gute Idee«, ging Henry McLane auf den Vorschlag ein und Tom verschwand sogleich wortlos in der kleinen Küche im hinteren Teil des Ladens.
Lara wusste, was sie vorhatten. Sie gedachten, die trübe Laune zu überspielen.
Lee jedoch zog seine Lederjacke über Flanellhemd und Cordhose an und versuchte, sich zu verabschieden.
»Ich bin dann weg«, rief er hinter Tom her.
»Vielen Dank fürs Aufpassen«, tönte es aus der Teeküche zurück, etwas leise, aber doch vernehmbar.
Lee ließ etwas, das aussah wie eine Glaskugel, von der Ladentheke in seine Tasche gleiten und zog seinerseits einen Schlüsselbund aus der Tasche, der jedoch bedeutend kleiner als diejenigen von Tom oder Lara war.
» Warte ! «
Lara war aufgesprungen.
»Ich komme mit. Ich … ich muss ein wenig auf andere Gedanken kommen. «
Unsicher blickte Lee zu Henry und Robert, die bereits Tisch und Stühle verrückt hatten.
» Geht ruhig «, sagte der rundliche Priester. » Ist wahrscheinlich ganz gut so, nicht mit uns hier rumzuhängen. So ein Leichenschmaus ist auch nicht immer lustig.«
»Wie ihr meint«, murmelte Lee, zog die Tür zum hinteren Ladenteil zu, steckte einen Schlüssel hinein und schloss auf. Die Gasse, die nun auf der anderen Seite der Tür lag, hätte einem mittelalterlichen Film entsprungen sein können. Lee schlüpfte hindurch. Lara folgte ihm und zog hinter sich zu.

 

Thilo Corzilius

Über Thilo Corzilius

Biografie

Thilo Corzilius, 1986 in Dortmund geboren, studierte in Münster Evangelische Theologie. Er geht häufig ins Kino, spielt in diversen Bands und reist leidenschaftlich gerne in Länder mit rauem Klima – zum Beispiel nach Schottland. Der bekennende Whisky-Liebhaber fand für sein Debüt "Ravinia" sehr...

Pressestimmen

Leser-welt.de

»Ein schön geschriebenes Buch mit liebevoll ausgearbeiteten Figuren! "Epicordia" ist eine Geschichte über Liebe, das Leben, Freundschaft und Magie.«

Nautilus

»(...) "düstergolden" ist eines der meistverwendeten Adjektive des Romans und spielt auf die Aura Ravinias an, in die man sich gerne flüchtet, wenn der Alltag hektisch ist.«

phantastik-couch.de

THILO CORZILIUS IST DER NEUE DEUTSCHE FANTASY-STAR.

Kommentare zum Buch

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden