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Ein Wort, um dich zu rettenEin Wort, um dich zu rettenEin Wort, um dich zu retten

Ein Wort, um dich zu retten

Roman

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Ein Wort, um dich zu retten — Inhalt

Eine tragische Liebe, ein grausames Verbrechen und eine Wahrheit, die Erlösung oder Verderben sein kann - Guillaume Musso, seit neun Jahren der meistverkaufte Autor in Frankreich, meldet sich mit einem grandiosen neuen Roman zurück!

Seit er vor zwanzig Jahren von einem Tag auf den anderen aufhörte zu schreiben, lebt der einst gefeierte Schriftsteller Nathan Fawles abgeschieden auf der kleinen Île Beaumont. Doch die Journalistin Mathilde Monney ist fest entschlossen herauszufinden, warum der Schriftsteller sich damals aus der Öffentlichkeit zurückzog. Kurz nach ihrer Ankunft erschüttert ein grausamer Mord die Insel, die daraufhin abgeriegelt wird. Während eine fieberhafte Jagd nach dem Täter beginnt, entspinnt sich zwischen Mathilde und Nathan eine hitzige Unterredung, in der Stück für Stück die ganze Wahrheit über seine Vergangenheit ans Licht kommt und Mathilde entdeckt, dass ein grausames Geheimnis sie beide verbindet ...

Der SPIEGEL-Bestseller-Autor Guillaume Musso meldet sich nach „Das Mädchen aus Brooklyn“, „Das Atelier in Paris“ und „Die junge Frau und die Nacht“ mit einem neuen, atemberaubenden Roman zurück!

„Frankreichs meistgelesener Autor hat mal wieder eines der Strandbücher des Jahres geschrieben.“ Grazia

„Eine Liebeserklärung Mussos an die Literatur und das Schreiben.“ Elle

„Was zunächst idyllisch anmutet, wird von der einen auf die nächste Sekunde zu einem richtig guten Thriller. (...) Ein exzellentes Katz-und-Maus-Spiel, das ich in einem Rutsch gelesen habe.“ emotion

„Ein Thriller, der einen schwindelerregenden Abgrund öffnet (...), der gelungenste Roman von Guillaume Musso.“ Agence France-Presse

€ 16,99 [D], € 17,50 [A]
Erschienen am 02.06.2020
Übersetzt von: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
336 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-86612-483-7
€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erscheint am 05.07.2021
Übersetzt von: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
336 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31748-1
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 02.06.2020
Übersetzt von: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
400 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99556-6
„Klingt erst mal wie ein Krimi. Doch wer Guillaume Musso kennt, weiß, dass der seit Jahren meistgelesene Autor Frankreichs nie in Genres denkt.“
Stern
„Guillaume Mussos Psychothriller erfindet sich quasi auf jeder Seite neu. Immer dann, wenn man glaubt, er habe seine perfekte Wellenlage gefunden, gerät wieder alles außer Kontrolle, muss neu geordnet, neu justiert werden. Während die Seele des Lesers vom Meer verschaukelt wird.“
WDR 5 „Scala“
„Dieses Buch ist einfach nur das, was wir einen guten Schmöker nennen – ein unterhaltendes Buch fürs Feriengepäck.“
WDR 4 „Sonntagsbücher mit Elke Heidenreich“
„Packende Liegestuhl-Lektüre!“
Neue Woche
„Ein exzellentes Katz- und Maus-Spiel, das ich in einem Rutsch gelesen habe.“
emotion
„Frankreichs meistgelesener Autor hat mal wieder eins der Strandbücher des Jahres geschrieben.“
Grazia
„Hier erzählt (Guillaume Musso) eine faszinierende, spannende Story, die sich einbrennt und mehr ist als nur eine Ferien-Lektüre.“
Sonntag Express

Leseprobe zu „Ein Wort, um dich zu retten“

Um zu überleben,

muss man Geschichten erzählen.

Umberto Eco, Die Insel des vorigen Tages



Prolog

 

Das Rätsel Nathan Fawles

( Le Soir – 4. März 2017 )

 

Der Autor des mythischen Werkes Loreleï Strange, der seit nahezu zwanzig Jahren von der literarischen Bühne verschwunden ist, fasziniert auch heute noch Leser jeden Alters. Er lebt zurückgezogen auf einer Mittelmeerinsel und verweigert hartnäckig jede Anfrage der Medien. Nachforschungen über den Einsiedler der Île Beaumont.

 

Man bezeichnet dieses Phänomen als Streisand-Effekt : Je mehr man etwas zu [...]

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Um zu überleben,

muss man Geschichten erzählen.

Umberto Eco, Die Insel des vorigen Tages



Prolog

 

Das Rätsel Nathan Fawles

( Le Soir – 4. März 2017 )

 

Der Autor des mythischen Werkes Loreleï Strange, der seit nahezu zwanzig Jahren von der literarischen Bühne verschwunden ist, fasziniert auch heute noch Leser jeden Alters. Er lebt zurückgezogen auf einer Mittelmeerinsel und verweigert hartnäckig jede Anfrage der Medien. Nachforschungen über den Einsiedler der Île Beaumont.

 

Man bezeichnet dieses Phänomen als Streisand-Effekt : Je mehr man etwas zu verbergen versucht, desto mehr lenkt man die Neugier der anderen auf das, was man ­verheimlichen will. Seit seinem plötzlichen Rückzug aus dem literarischen Milieu im Alter von fünfunddreißig Jahren ist Nathan Fawles nun Opfer dieses heimtückischen Mechanismus. Der geheimnisumwitterte frankoamerikanische Schriftsteller hat in den letzten zwei Jahrzehnten für eine Menge Klatsch und Tratsch gesorgt.

1964 in New York geboren – der Vater ist Amerikaner, die Mutter Französin –, verbringt Fawles seine Kindheit in der Pariser Region, kehrt jedoch in die Vereinigten Staaten zurück, um dort sein Studium zu beenden, das ihn zunächst an die Phillips Academy führt und anschließend nach Yale. Sein Diplom in Rechts- und Politikwissenschaften in der Tasche, engagiert er sich im humanitären Bereich, arbeitet einige Jahre für Aktion gegen den Hunger und Ärzte ohne Grenzen, insbesondere in El Salvador, Armenien und Kurdistan.

DER ERFOLGSSCHRIFTSTELLER

1993 kehrt Nathan Fawles nach New York zurück und veröffentlicht sein erstes Buch Loreleï Strange, einen Coming-of-Age-Roman über eine Jugendliche in einer psychiatrischen Klinik. Der Erfolg stellt sich nicht sofort ein, aber innerhalb weniger Monate gelangt der Roman durch Mundpropaganda – insbesondere unter jungen Lesern – an die Spitze der Bestsellerlisten. Zwei Jahre später erhält Fawles mit seinem zweiten Werk A Small American Town, einem umfangreichen, episch angelegten Roman, den Pulitzerpreis und setzt sich als eine der authentischsten Stimmen der amerikanischen Literatur durch.

Ende 1997 überrascht der Schriftsteller die literarische Welt ein erstes Mal. Er hat sich inzwischen in Paris niedergelassen und veröffentlicht sein neuestes Werk auf Französisch. Les Foudroyés – Die vom Blitz Getroffenen. Dieser Roman ist eine herzzerreißende Liebesgeschichte, aber auch eine Betrachtung über die Trauer, das Innenleben und die Macht des Schreibens. Erst jetzt wird er von einem größeren französischen Publikum entdeckt, insbesondere durch seine Teilnahme an einer Sondersendung der Talkshow Bouillon de culture mit Salman Rushdie, Umberto Eco und Mario Vargas Llosa. Im November 1998 sieht man ihn erneut in dieser Sendung, wobei sich herausstellen sollte, dass dies sein vorletzter Me­dienauftritt war. Sieben Monate später, mit knapp fünfunddreißig Jahren, verkündet Fawles nämlich in einem schonungslosen Interview mit der französischen Nachrichtenagentur AFP ( Agence France-Presse ) seine un­widerrufliche Entscheidung, mit dem Schreiben aufzuhören.

DER EINSIEDLER DER ÎLE BEAUMONT

Seit jenem Tag hält sich der Schriftsteller an seine Entscheidung. Seitdem er in seinem Haus auf der Île Beaumont lebt, hat Fawles keine einzige Zeile mehr veröffentlicht und auch keinem Journalisten mehr ein Interview gegeben. Er hat zudem alle Anfragen auf Film- oder Fernsehadaptionen seiner Romane abgelehnt. ( Netflix und Amazon sind mit ihren Angeboten erst vor Kurzem wieder gescheitert, trotz, wie es heißt, großzügiger finanzieller Offerten. )

Seit bald zwanzig Jahren hat der „ Einsiedler von Beaumont “ mit diesem Paukenschlag des Schweigens immer wieder die Fantasie der Menschen beflügelt. Warum hat sich Nathan Fawles mit nur fünfunddreißig Jahren und auf dem Höhepunkt seines Erfolgs zum freiwilligen Rückzug von der Welt entschieden ?

„ Es gibt kein Mysterium um Nathan Fawles “, versichert Jasper Van Wyck, von Anfang an sein Agent. » Kein Ge­heimnis, das es zu lüften gilt. Nathan macht jetzt einfach nur etwas anderes. Er hat endgültig einen Schlussstrich unter das Schreiben und die Verlagswelt gezogen. « Über den Alltag des Schriftstellers befragt, bleibt Van Wyck vage : „ Soweit ich weiß, ist Nathan mit privaten Dingen beschäftigt. “

UM GLÜCKLICH ZU LEBEN,
LEBEN WIR IM VERBORGENEN

Um mögliche Erwartungen der Leser im Keim zu ersticken, präzisiert der Agent, der Autor habe „ seit zwanzig Jahren keine einzige Zeile mehr geschrieben “, und er erklärt unmissverständlich : „ Zwar wurde Loreleï Strange häufig mit Der Fänger im Roggen verglichen, aber Fawles ist nicht Salinger : In seinem Haus gibt es keinen mit Manuskripten gefüllten Tresor. Es wird nie mehr einen neuen Roman aus der Feder von Nathan Fawles geben. Auch nicht nach seinem Tod. So viel ist sicher. “

Doch auch diese Mitteilung konnte die Neugierigsten nicht davon abhalten, mehr erfahren zu wollen. Im Laufe der Jahre haben zahlreiche Leser und mehrere Journa­listen die Reise zur Île Beaumont unternommen, um im Umkreis von Fawles’ Haus herumzustreifen. Sie standen immer vor verschlossener Tür. Dieses Misstrauen scheint auf alle Inselbewohner zuzutreffen. Sehr überraschend ist das nicht an einem Ort, der es sich bereits vor dem Zuzug des Schriftstellers zur Devise gemacht zu haben schien : Um glücklich zu leben, müssen wir im Verborgenen leben. „ Die Gemeindeverwaltung gibt keine Informationen über die Identität ihrer Bewohner heraus, ob diese nun berühmt sind oder nicht. “ Das erklärt das Sekre­tariat des Bürgermeisters lapidar. Nur wenige Inselbewohner sind bereit, sich über den Schriftsteller zu äußern. Diejenigen, die uns antworten wollen, be­schreiben die Anwesenheit des Autors von Loreleï Strange auf ihrem Inselreich als völlig banal : „ Nathan Fawles verkriecht sich nicht in seinem Haus, er versteckt sich nicht “, versichert Yvonne Sicard, die Frau des einzigen Arztes auf der Insel. „ Man begegnet ihm häufig am Steuer seines Mini Moke, wenn er im Ed’s Corner, dem einzigen kleinen Supermarkt der Stadt, seine Einkäufe erledigt. “ Er be­sucht auch den Pub der Insel, „ insbesondere bei Fußballübertragungen von Olympique Marseille “, erzählt der Wirt des Lokals. Einer der Stammgäste des Pubs be­merkt, dass » Nathan nicht so scheu ist, wie er gelegentlich von Journalisten beschrieben wird. Er ist eher ein an­genehmer Bursche, der sich mit Fußball gut auskennt und japa­nischen Whisky liebt «. Es gibt nur ein Gesprächsthema, das ihn wütend machen kann : » Wenn Sie ver­suchen, ihn auf seine Bücher oder die Literatur anzusprechen, verlässt er umgehend das Lokal. «

EINE UNERSETZLICHE LÜCKE IN DER LITERATUR

Unter seinen Schriftstellerkollegen findet man zahlreiche bedingungslose Anhänger von Fawles. Tom Boyd beispielsweise bringt ihm grenzenlose Bewunderung ent­gegen. „ Ich verdanke ihm einige meiner ergreifendsten Leseerlebnisse, und er zählt zweifellos zu den Schriftstellern, denen ich viel schulde “, versichert der Autor von La Trilogie des Anges. Gleiche Töne kommen von Thomas Degalais, nach dessen Meinung Fawles mit den drei sehr unterschiedlichen Büchern ein originelles Gesamtwerk geschaffen hat, das Geschichte schreiben wird. „ Wie alle anderen auch, bedauere ich natürlich, dass er sich aus der Literaturszene zurückgezogen hat “, erklärt der französische Romanschriftsteller. „ Seine Stimme fehlt in unserer Zeit. Ich fände es wunderbar, wenn Nathan sich mit einem neuen Roman zu Wort melden würde, aber ich glaube nicht, dass dies je wieder geschehen wird. “

Es ist tatsächlich unwahrscheinlich, aber vergessen wir nicht, dass Fawles seinem letzten Roman folgenden Satz von König Lear als Motto vorangestellt hat : „ Die Sterne sind’s, die Sterne über uns, die unsre Zufälle bestimmen. “

Jean Michel Dubois

Der Schriftsteller, der nicht mehr schrieb

 

Éditions Calmann-Lévy

21, rue du Montparnasse

75006 Paris

Kennziffer : 379529

Monsieur Raphaël Bataille

75, avenue Aristide-Briand

92120 Montrouge

Paris, 28. Mai 2018

Sehr geehrter Monsieur Bataille,

wir haben Ihr Manuskript Die Unnahbarkeit der Baumkronen erhalten und bedanken uns für das Vertrauen, das Sie unserem Verlag entgegenbringen.

Ihr Manuskript wurde von unserem Lektorat sorgfältig geprüft, leider entspricht es nicht der Art von Literatur, die wir derzeit suchen.

Wir wünschen Ihnen, dass Sie schon bald einen Verlag für diesen Text finden.

Mit freundlichen Grüßen

Sekretariat Literatur

PS : Ihr Manuskript liegt in unserem Haus einen Monat zur Abholung bereit. Sollten Sie eine Rücksendung per Post wünschen, schicken Sie uns bitte einen frankierten Rückumschlag zu.

 

 

1 Erste Voraussetzung für einen Schriftsteller

Erste Voraussetzung für einen Schriftsteller
ist ein gutes Sitzfleisch.

Dany Laferrière, Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama

1.

Dienstag, 11. September 2018

Der Wind ließ die Segel bei strahlend blauem Himmel flattern.

Die Jolle hatte kurz nach dreizehn Uhr an der Küste des Département Var abgelegt und sauste mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten in Richtung Île Beaumont. Ich saß in der Nähe des Ruders neben dem Skipper und berauschte mich an der Betrachtung des funkelnden goldenen Schimmers über dem Mittelmeer und an der verheißungsvollen Seeluft.

Am Morgen hatte ich meine Pariser Wohnung verlassen und war um sechs Uhr früh in den TGV nach Avignon gestiegen. Von der Papststadt aus war ich mit einem Bus bis nach Hyères gefahren und von dort weiter mit einem Taxi zum kleinen Hafen Saint-Julien-les-Roses, der einzigen Anlegestelle, die Fährverbindungen zur Île Beaumont anbot. Wegen einer der vielen Verspätungen der Bahn hatte ich das einzige Schiff, das mittags fuhr, um fünf Minuten verpasst. Während ich, meinen Koffer im Schlepptau, auf dem Kai umherirrte, hatte mir der Kapitän eines niederländischen Segelschiffs, der es so­eben startklar machte, um seine Fahrgäste von der Insel abzuholen, freundlicherweise angeboten, mich mitzunehmen.

Ich war kürzlich vierundzwanzig Jahre alt geworden und stand an einem Wendepunkt in meinem Leben. Zwei Jahre zuvor hatte ich eine Pariser Handelsschule mit meinem Diplom in der Tasche verlassen, mir jedoch keine meiner Ausbildung entsprechende Arbeit ge­sucht. Das Studium hatte ich nur absolviert, um meine Eltern zu beruhigen, verspürte allerdings keine Lust auf ein Leben, das von Betriebswirtschaft, Marketing oder Finanzen bestimmt sein würde. In den beiden zurückliegenden Jahren hatte ich mehrere kleine Jobs angenommen, um meine Miete bezahlen zu können, meine gesamte kreative Energie aber in das Schreiben eines Romans gesteckt, Die Unnahbarkeit der Baumkronen, der von zehn Verlagen abgelehnt worden war. Ich hatte alle Ablehnungsschreiben an die Pinnwand über meinem Schreibtisch gehängt. Bei jeder Nadel, die ich in den Kork steckte, glaubte ich sie mir ins Herz zu stechen, denn meine daraus resultierende Niedergeschlagenheit war ebenso groß wie meine Leidenschaft fürs Schreiben.

Zum Glück hielten diese depressiven Verstimmungen nie sehr lange an. Bisher war es mir immer wieder gelungen, mir einzureden, solche Fehlschläge seien das Vorzimmer zum Erfolg. Um mich auch wirklich davon zu überzeugen, hielt ich mich an berühmte Beispiele. Stephen King berichtete häufig, dreißig Verlage hätten sein Buch Carrie abgelehnt. Die Hälfte der Londoner Verleger beurteilte den ersten Band von Harry Potter als „ viel zu umfangreich für Kinder “. Und bevor er der meistverkaufte Science-Fiction-Roman wurde, hatte Der Wüstenplanet von Frank Herbert etwa zwanzig Absagen erhalten. Was F. Scott Fitzgerald anbelangt, so tapezierte er anscheinend die Wände seines Büros mit den einhundertzwanzig Absagebriefen, die er von Zeitschriften bekam, denen er seine Erzählungen anbot.

2.

Aber diese Autosuggestion nach der Coué-Methode stieß allmählich an ihre Grenzen. Trotz aller Willenskraft fiel es mir schwer, weiterzuschreiben. Es war nicht das Leere-Blatt-Syndrom oder ein Mangel an Ideen, die mich lähmten. Es war der gefährliche Eindruck, beim Schreiben nicht voranzukommen und nicht mehr so genau zu wissen, wohin es gehen sollte. Ich hätte je­manden gebraucht, der meine Arbeit mit unvoreingenommenem Blick betrachtete. Zugleich wohlwollend und kompromisslos. Anfang des Jahres hatte ich mich zu einem Kurs in Creative Writing angemeldet, der von einem angesehenen Verlag organisiert wurde. Auf ­diesen Schreib-Workshop hatte ich große Hoffnungen gesetzt, war aber schnell desillusioniert worden. Der Autor, der den Kurs abhielt – Bernard Dufy, ein Romanschriftsteller, der seine Glanzzeit in den Neunzigerjahren erlebt hatte –, stellte sich selbst als Goldschmied des Schreibstils vor. » Ihre gesamte Arbeit muss sich um die Sprache drehen, nicht um die Ge­schichte «, wiederholte er immer wieder. » Die Erzählung hat nur die Funktion, der Sprache zu dienen. Ein Buch darf keinen anderen Zweck verfolgen, als die Suche nach der Form, dem Rhythmus, der Harmonie. Darin liegt die einzig mög­liche Originalität, denn seit Shakespeare sind bereits alle Geschichten erzählt worden. «

Die tausend Euro, die ich für diesen Schreibkurs be­rappen musste – drei jeweils vierstündige Sitzungen –, hatten mich wütend gemacht und finanziell ruiniert. Vielleicht hatte Dufy ja recht, aber ich persönlich dachte genau das Gegenteil : Der Stil war kein Selbstzweck. Die wichtigste Qualität eines Schriftstellers war es, seine Leser durch eine gute Geschichte zu fesseln. Durch eine Erzählung, die ihn aus seinem Alltag zu reißen vermochte, um ihn ins Innerste und in die Wahrheit der Protagonisten zu versetzen. Der Stil war nur das Mittel, um die Schilderung lebendig und mitreißend zu gestalten. Im Grunde konnte mir die Meinung eines akademischen Schriftstellers wie Dufy gleichgültig sein. Die einzige Meinung, die ich gern eingeholt und die in meinen Augen Bedeutung gehabt hätte, wäre die meines ewigen Idols gewesen : meines Lieblingsschriftstellers Nathan Fawles.

Ich hatte seine Bücher gegen Ende meiner Teenagerjahre entdeckt, zu einer Zeit, als Fawles bereits seit Langem mit dem Schreiben aufgehört hatte. Seinen dritten Roman Les Foudroyés hatte mir Diane Laborie, meine feste Freundin in der Abiturklasse, geschenkt, als sie mit mir Schluss machte. Der Roman hatte mich stärker erschüttert als der Verlust einer Liebe, die keine gewesen war. Nach der Lektüre hatte ich mir seine ersten ­beiden Bücher besorgt : Loreleï Strange und A Small American Town. Seither hatte ich nichts vergleichbar Aufwühlendes mehr gelesen.

Fawles schien sich mit seinem einmaligen Schreibstil direkt an mich zu wenden. Seine Romane waren lebendig, intensiv. Auch wenn ich eigentlich niemandes Fan bin, hatte ich seine Bücher immer wieder gelesen, denn sie erzählten mir etwas über mich, über die Beziehung zu anderen, über die Schwierigkeit, das eigene Leben in den Griff zu bekommen, über die Verletzlichkeit der Menschen und die Fragilität unserer Existenz. Sie gaben mir Kraft und spornten mich zum Schreiben an.

In den Jahren, die auf Fawles’ Rückzug folgten, hatten andere Autoren versucht, seinen Stil zu imitieren, seine Welt aufzugreifen, die Konstruktion seiner Ge­schichten zu kopieren oder seine Sensibilität nachzuahmen. Meiner Meinung nach war es jedoch niemandem gelungen, ihm das Wasser zu reichen. Es gab nur einen Nathan Fawles. Ob man ihn nun mochte oder nicht, man musste anerkennen, dass Fawles ein einzigartiger Autor war. Auch wenn man nicht wusste, von wem der Text stammte, reichte die Lektüre einer Seite, um ihn als Verfasser identifizieren zu können. Und nach meiner Meinung war das der wahre Hinweis auf Talent.

Auch ich hatte seine Romane eingehend analysiert, um das Rätsel seines Stils zu entschlüsseln, und versucht, ihren Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Später war in mir der ehrgeizige Plan gereift, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Obgleich ich mir keine Hoffnungen machte, eine Antwort zu erhalten, hatte ich ihm mehrfach über seinen Verlag in Frankreich und seinen Agenten in den Vereinigten Staaten geschrieben. Auch mein Manuskript hatte ich ihm geschickt.

Vor zehn Tagen dann entdeckte ich im Newsletter der offiziellen Website der Île Beaumont eine Stellenanzeige. Die kleine Buchhandlung der Insel, La Rose Écarlate, suchte einen Mitarbeiter. Sofort hatte ich mich per Mail um die Stelle beworben, und noch am selben Tag hatte mich Grégoire Audibert, der Besitzer der Buchhandlung, kontaktiert und mir via Facetime mitgeteilt, dass er meine Bewerbung annahm. Es handelte sich um einen auf drei Monate befristeten Job. Die Bezahlung war nicht umwerfend, aber Audibert sagte mir freie Unterkunft und zwei Mahlzeiten pro Tag im Fort de Café zu, einem der Restaurants am Ort.

Ich war begeistert, diesen Job zu bekommen, der mir, soweit ich das den Worten des Buchhändlers hatte entnehmen können, auch Zeit lassen würde, in einer inspirierenden Umgebung zu schreiben. Und der, davon war ich überzeugt, mir die Gelegenheit verschaffen würde, Nathan Fawles zu begegnen.


3.

Ein Manöver des Skippers verlangsamte das Tempo des Segelboots.

„ Land in Sicht, geradeaus ! “, rief er und deutete mit einer Kopfbewegung auf die Silhouette der Insel, die sich am Horizont abzeichnete.

Die Île Beaumont, eine Dreiviertelstunde mit dem Boot von der Küste des Département Var entfernt, hat die Form einer Mondsichel. Ein rund fünfzehn Kilo­meter langer und sechs Kilometer breiter Bogen. Die Insel wurde stets als ein unberührtes und geschütztes Schmuckstück gepriesen. Eine der Perlen des Mittelmeers, wo sich kleine Buchten mit türkisgrünem Wasser, Pinienwäldern und Sandstränden abwechselten. Wie die Côte d’Azur, nur ohne Touristen, Verschmutzung und Beton.

Während der letzten zehn Tage hatte ich alle Zeit der Welt, die einzige Broschüre zu studieren, die ich über die Insel finden konnte. Seit 1955 gehörte Beaumont einer diskreten italienischen Industriellenfamilie, den Gallinaris, die Anfang der Sechzigerjahre wahnsinnige Summen in die Erschließung der Insel gesteckt hatten, groß angelegte Arbeiten zur Wasserversorgung und Erdaufschüttungen durchführen ließen, sodass aus dem Nichts einer der ersten Jachthäfen an der Küste entstanden war.

Im Laufe der Jahre war die Entwicklung der Insel nach einer klaren Richtlinie weitergeführt worden : Niemals sollte das Wohlergehen der Inselbewohner auf dem Altar einer angeblichen Modernität geopfert werden ! Und für die Inselbewohner hatten die Bedrohungen zwei klar definierte Gesichter : Spekulanten und Touristen.

Zur Begrenzung der Bautätigkeiten hatte der Gemeinderat der Insel eine einfache Regel aufgestellt, die vorsah, die Gesamtzahl an Wasserzählern auf der Insel ­einzufrieren. Eine Strategie, die von der Praxis der Kleinstadt Bolinas in Kalifornien übernommen worden war. Ergebnis : Seit dreißig Jahren lag die Bevölkerungszahl bei rund tausendfünfhundert Bewohnern. Es gab auf Beaumont kein Immobilienbüro. Ein Teil der Im­mobilien wurde innerhalb der Familien weitergegeben und der Rest über Kooptation. Der Tourismus wurde mithilfe einer umsichtigen Kontrolle der Verbindungen zum Festland in Grenzen gehalten. In der Hochsaison gab es genau wie im Winter ein einziges Fährschiff – die berühmte Téméraire, ein wenig übertrieben als „ Ferry “ bezeichnet –, die täglich dreimal zwischen der Insel und dem Festland verkehrte und kein einziges Mal öfter : um 8 Uhr, 12 :30 Uhr und 19 Uhr ging es vom Schiffsanleger auf Beaumont hinüber nach Saint-Julien-les-Roses. Alles lief noch nach alter Art ab – ohne vorherige Reservierung –, und die Inselbewohner hatten immer Priorität.

Genau gesagt, war Beaumont Touristen gegenüber nicht feindlich eingestellt, es wurde jedoch auch nichts Besonderes für sie getan. Auf der Insel gab es insgesamt drei Café-Bars, zwei Restaurants und einen Pub, aber kein Hotel, und Privatunterkünfte waren rar. Je mehr man jedoch die Leute davon abhielt hierherzukommen, desto geheimnisvoller erschien die Insel und entwickelte sich zu einem begehrten Ziel. Neben der örtlichen Bevölkerung, die hier das ganze Jahr über lebte, besaßen einige Reiche Ferienhäuser auf der Insel. Im Lauf der Jahrzehnte hatten sich Industrielle und auch ein paar Künstler für diesen ungewöhnlichen, idyllischen und heiteren Lebensraum begeistert. Dem Chef einer Hightechfirma und zwei oder drei Personen aus der Weinindustrie war es gelungen, Villen zu kaufen. Aber egal, wie bekannt oder reich sie waren, alle gaben sich diskret. Die Gemeinschaft sträubte sich nicht dagegen, neue Mitglieder aufzunehmen, solange diese die Werte akzeptierten, die schon immer auf Beaumont gegolten hatten. Die Neuankömmlinge erwiesen sich im Übrigen häufig als die striktesten Verteidiger „ ihrer “ Insel.

Diese Gesinnung, unter sich zu bleiben, rief viel Kritik hervor – um nicht zu sagen, sie erbitterte diejenigen, die ausgeschlossen waren. Anfang der Achtzigerjahre legte die sozialistische Regierung Bestrebungen an den Tag, Beaumont zurückzukaufen – offiziell, um die Insel zum Landschaftsschutzgebiet zu erklären, tatsächlich jedoch, um diesem Ausnahmezustand ein Ende zu bereiten. Dagegen hatte sich heftiger Widerstand erhoben, und die Regierung musste den Rückzug antreten. Seither hatten sich die Behörden damit arrangiert : Die Île Beaumont war ein besonderer Ort. Und so gab es, in unmittelbarer Nähe zur Küste des Département Var, ein kleines Paradies, umspült von kristallklarem Wasser. Ein Stückchen Frankreich, aber doch nicht wirklich Frankreich.

4.

Sobald ich an Land war, zog ich meinen Koffer über das Pflaster der Anlegestelle. Der Jachthafen war nicht sehr groß, aber gut ausgestattet, belebt und voller Charme. Die kleine Stadt entfaltete sich an der Bucht entlang, wodurch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Amphitheater entstand : stufenförmig ansteigende, farbige Häuser, die unter dem metallisch-blauen Himmel leuchteten. Ihr strahlender Glanz und ihre Anordnung erinnerten mich an die griechische Insel Hydra, die ich als Jugendlicher mit meinen Eltern besucht hatte. Aber als ich durch die schmalen und steilen Gassen bummelte, fühlte ich mich in das Italien der Sechzigerjahre zurückversetzt, und als ich weiter oben angekommen war, bemerkte ich zum ersten Mal die Strände und ihre weißen Dünen und dachte dabei an die weitläufigen Sandflächen von Massachusetts. Bei dieser ersten Be­gegnung mit der Insel, begleitet vom Widerhall meines Rollkoffers auf dem Pflaster der Hauptstraße, die ins Zentrum führte, wurde mir klar, dass die Einzigartigkeit und Magie von Beaumont aus dieser undefinierbaren Konstellation resultierte. Beaumont hatte etwas von einem Chamäleon. Die Insel war einmalig und ließ sich nicht einordnen, es war aussichtslos, sie analysieren oder begreifen zu wollen.

Rasch erreichte ich den Hauptplatz. Mit seiner Anmutung eines provenzalischen Dorfes schien dieser Platz einem Roman von Jean Giono entsprungen zu sein. Die Place des Martyrs war die Seele Beaumonts. Eine schattige Esplanade, eingerahmt von einem Uhrturm, einem Kriegerdenkmal, einem plätschernden Brunnen und einem Boule-Platz.

Unter den Weinlauben befanden sich direkt neben­einander die beiden Restaurants der Insel : Un Saint Jean Hiver und Le Fort de Café. Auf der Terrasse des Letzteren erkannte ich die schroffen Gesichtszüge von Grégoire Audibert, der Artischocken mit Pfeffer-Vinaigrette aß. Er erinnerte an einen Lehrer der alten Schule : grau meliertes Spitzbärtchen, kurze Weste und langes, zerknittertes Leinensakko.

Auch der Buchhändler erkannte mich, lud mich großzügig an seinen Tisch ein und spendierte mir eine Limonade, als wäre ich zwölf Jahre alt.

„ Ich sage es Ihnen lieber gleich : Ende des Jahres schließe ich die Buchhandlung “, verkündete er mir ohne Umschweife.

„ Warum das ? “

„ Aus genau diesem Grund suche ich einen Angestellten : um Ordnung zu schaffen, die Buchhaltung zu erledigen und eine große Abschlussinventur zu machen. “

„ Sie machen den Laden dicht ? “

Er nickte, während er mit seinem Stück Brot einen Rest Olivenöl auftunkte.

„ Aber warum ? “

„ Das Geschäft ist unrentabel geworden. Im Lauf der Jahre ist der Umsatz kontinuierlich zurückgegangen, und das wird sich auch nicht mehr ändern. Nun, Sie kennen die Geschichte ja : Die Obrigkeit lässt die Internetriesen, die in Frankreich keine Steuern zahlen, in aller Ruhe gedeihen. “

Der Buchhändler seufzte, schwieg einige Sekunden nachdenklich und fügte dann halb fatalistisch, halb provozierend hinzu :

„ Und seien wir doch einmal realistisch : Warum sollte man es sich antun, in eine Buchhandlung zu gehen, wenn man sich mit drei Klicks auf dem iPhone ein Buch liefern lassen kann ! “

„ Aus vielerlei Gründen ! Haben Sie versucht, einen Nachfolger zu finden ? “

Audibert zuckte mit den Schultern.

„ Das interessiert niemanden. Heute ist nichts unrentabler als Bücher. Meine Buchhandlung ist nicht die erste, die schließen muss, und wird auch nicht die letzte sein. “

Er schenkte sich den Rest aus der Weinkaraffe in sein Glas und leerte es in einem Zug.

„ Ich zeige Ihnen jetzt La Rose Écarlate “, sagte er, ­während er seine Serviette zusammenlegte und aufstand.

Ich folgte ihm quer über den Platz bis zur Buchhandlung. Im sterbenslangweiligen Schaufenster waren Bü­cher ausgestellt, die dort offenbar seit Monaten Staub ansammelten. Audibert öffnete die Tür und ließ mich eintreten.

Auch innen war der Laden trostlos. Vorhänge nahmen dem Raum jegliches Licht. Die Regale aus Nussbaumholz hatten zwar eine besondere Note, enthielten jedoch nur klassische, schwer verdauliche, um nicht zu sagen snobistische Titel. Kultur in akademischer Reinform. So wie ich Audiberts Persönlichkeit einschätzte, stellte ich mir einen Moment lang vor, dass er wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekäme, würde man ihn zwingen, Science-Fiction, Fantasy oder Mangas zu verkaufen.

„ Ich zeige Ihnen Ihr Zimmer “, sagte er und deutete auf eine Holztreppe am Ende des Ladens.

Der Buchhändler hatte seine Wohnung im ersten Stock. Meine Bleibe lag im zweiten : ein Mansarden­appartement, das sich über die gesamte Hauslänge erstreckte. Als ich die quietschenden Fenstertüren öffnete, erwartete mich die angenehme Überraschung einer Terrasse, die auf den Platz hinausging. Der spektakuläre Blick, der bis zum Meer reichte, hob meine Stimmung ein wenig. Ein Gewirr kleiner Gassen schlängelte sich zwischen den ockerfarbenen Steinbauten, die Patina angesetzt hatten, bis zum Ufer.

Nachdem ich meinen Koffer ausgepackt hatte, ging ich hinunter in die Buchhandlung zu Audibert, um zu erfahren, was genau er von mir erwartete.

„ Das WLAN funktioniert nicht sehr gut “, teilte er mir mit und schaltete einen alten PC ein. „ Man muss oft den Router im ersten Stock neu starten. “

Während der Computer hochfuhr, befüllte er eine Espressokanne und stellte sie auf eine kleine Kochplatte.

„ Auch einen Kaffee ? “

„ Gern. “

Bis der Kaffee fertig war, spazierte ich durch den Laden. An der Kork-Pinnwand hinter der Theke hingen die alten Livres-Hebdo-Bestsellerlisten, die aus einer Zeit stammten, als Romain Gary noch schrieb ( das ist kaum übertrieben . . . ). Ich hatte Lust, die Vorhänge zurückzuziehen, die abgewetzten purpurroten Teppiche zu entfernen, die Regale und Präsentationstische neu zu ordnen.

Als hätte er meine Gedanken gelesen, erklärte Audibert :

„ La Rose Écarlate gibt es seit 1967. Heute sieht man es der Buchhandlung nicht mehr an, aber sie war früher einmal eine echte Institution. Viele französische und ausländische Autoren kamen hierher, um Lesungen oder Signierstunden abzuhalten. “

Aus einer Schublade holte er sein in Leder gebundenes Gästebuch und reichte es mir zum Durchblättern. Auf den Fotos erkannte ich tatsächlich Michel Tournier, Jean-Marie Gustave Le Clézio, Françoise Sagan, Jean d’Ormesson, John Irving, John Le Carré und . . . Nathan Fawles.

„ Sie wollen die Buchhandlung wirklich schließen ? “

„ Ohne Bedauern “, bestätigte er. „ Die Leute lesen nicht mehr, es ist einfach so. “

Ich differenzierte :

„ Die Leute lesen vielleicht anders, aber sie lesen noch immer. “

Audibert schaltete die Kochplatte unter der zischenden Espressokanne aus.

„ Kurz und gut, Sie verstehen schon, was ich sagen will. Ich spreche nicht von Unterhaltungsliteratur, ich spreche von echter Literatur. “

Natürlich, die berühmte „ echte Literatur “ . . . Bei Menschen wie Audibert kam immer irgendwann der Mo­ment, wo dieser Ausdruck – oder der des „ echten Schriftstellers “ – als Argument diente. Ich hingegen hatte niemals irgendjemandem das Recht erteilt, mir zu sagen, was ich lesen sollte oder nicht. Diese Art, sich zum Richter zu erheben, um zu entscheiden, was Literatur ist und was nicht, erschien mir grenzenlos anmaßend.

„ Kennen Sie in Ihrem Umfeld viele echte Leser ? “, regte sich der Buchhändler auf. „ Ich meine, intelligente Leser, die dem Lesen ernsthafter Bücher nennenswert viel Zeit widmen. “

Ohne meine Antwort abzuwarten, ereiferte er sich weiter :

„ Unter uns gesagt, wie viele echte Leser gibt es in Frankreich noch ? Zehntausend ? Fünftausend ? Vielleicht sogar weniger. “

„ Ich finde, Sie sind sehr pessimistisch. “

» Aber nein ! Man muss sich damit abfinden : Wir be­treten eine literarische Wüste. Heute will zwar jeder Schriftsteller sein, aber niemand liest. «

Um aus dieser Unterhaltung herauszukommen, zeigte ich auf das Foto von Fawles, das im Album klebte.

„ Kennen Sie Nathan Fawles ? “

Audiberts Gesicht nahm einen misstrauischen Ausdruck an, und er runzelte die Stirn.

» Ein wenig. Also zumindest, soweit man Nathan Fawles kennen kann . . . «

Er servierte mir eine Tasse Kaffee, der die Farbe und Konsistenz von Tinte hatte.

„ Als Fawles 1995 oder 1996 hierherkam, um sein Buch zu signieren, setzte er das erste Mal den Fuß auf diese Insel. Er hat sich sofort in sie verliebt. Und ich habe ihm sogar dabei geholfen, sein Haus zu kaufen – La Croix du Sud. Aber in der Folgezeit hat sich unsere Beziehung sozusagen in Luft aufgelöst. “

„ Kommt er gelegentlich noch in die Buchhandlung ? “

„ Nein, nie. “

„ Falls ich ihn einmal sehe, glauben Sie, er wäre bereit, ein Buch für mich zu signieren ? “

Audibert schüttelte seufzend den Kopf.

„ Ich rate Ihnen wirklich, diesen Gedanken zu vergessen, sonst hätten Sie beste Chancen, einen Schuss aus seiner Flinte abzubekommen. “

Guillaume Musso

Über Guillaume Musso

Biografie

Guillaume Musso, geboren 1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller durchgesetzt.

 

INTERVIEW MIT GUILLAUME MUSSO...

Pressestimmen
Stern

„Klingt erst mal wie ein Krimi. Doch wer Guillaume Musso kennt, weiß, dass der seit Jahren meistgelesene Autor Frankreichs nie in Genres denkt.“

WDR 5 „Scala“

„Guillaume Mussos Psychothriller erfindet sich quasi auf jeder Seite neu. Immer dann, wenn man glaubt, er habe seine perfekte Wellenlage gefunden, gerät wieder alles außer Kontrolle, muss neu geordnet, neu justiert werden. Während die Seele des Lesers vom Meer verschaukelt wird.“

WDR 4 „Sonntagsbücher mit Elke Heidenreich“

„Dieses Buch ist einfach nur das, was wir einen guten Schmöker nennen – ein unterhaltendes Buch fürs Feriengepäck.“

Neue Woche

„Packende Liegestuhl-Lektüre!“

emotion

„Ein exzellentes Katz- und Maus-Spiel, das ich in einem Rutsch gelesen habe.“

Grazia

„Frankreichs meistgelesener Autor hat mal wieder eins der Strandbücher des Jahres geschrieben.“

Sonntag Express

„Hier erzählt (Guillaume Musso) eine faszinierende, spannende Story, die sich einbrennt und mehr ist als nur eine Ferien-Lektüre.“

Cellesche Zeitung

„Guillaume Musso, seit neun Jahren der meistverkaufte Autor in Frankreich, meldet sich mit einem grandiosen neuen Roman zurück!“

Siegener Zeitung

„Roman, Thriller, Beziehungs-Drama und eine Wahrheit, die 20 Jahre verborgen blieb: Das ist ›Ein Wort, um dich zu retten‹.“

Niederbayern TV Passau „Bücherecke“

„Guillaume Musso hat immer der perfekten Mix in seinen Büchern. Es ist Thriller, es ist ein Krimi mit einiger Spannung, aber auch mit den ganz großen Emotionen. (…) So ist es auch in diesem Buch.“

artikeldienst-online.de

„›Ein Wort, um Dich zu retten‹ ist der ideale Urlaubs- und Sonnenliegen-Begleiter, und auch für einen lauschigen Abend auf dem Balkon oder im Garten bestens geeignet.“

Saarländischer Rundfunk

„Packend!“

Kölner Stadt-Anzeiger

„(Guillaume Musso) schreibt das, was man Schmöker nennt – leicht lesbare, gut gestrickte Bücher für Strand, Urlaub, lange Zugfahrten. Sie sind unterhaltend und so wie ein gutes Stück Kuchen. Danach ist man zufrieden, und auch dafür sind Bücher da: uns für ein paar Stunden herrlich abzulenken.“

pressebuero-m.de

„Auch diesmal hat der meistgelesene Autor Frankreichs mich nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Ich halte es für sein bisher bestes Buch! Kunstvoll verwebt er Rätsel und Geheimnisse, platziert den Schauplatz gekonnt auf der fiktiven Mittelmeerinsel Beaumont, und präsentiert ein mehr als überraschendes Ende, mit dem der Leser staunend zurückbleibt!“

Wochenblatt Lichtenfels

„Spannend und sehr unterhaltsam. ›Ein Wort, um dich zu retten‹ ist ein Buch, das man gar nicht aus der Hand legen möchte.“

Westfälischer Anzeiger

„(Guillaume Musso) ist ein Thriller gelungen, der mit immer neuen Wendungen und philosophischen Einschüben für Überraschungen sorgt – ein typischer Musso eben!“

Volksstimme (CH)

„Man will das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist spannend und unterhaltsam. Immer wieder werden neue Details aufgedeckt, welche die Charaktere in ein anderes Licht rücken. Ein kurzweiliger Roman mit einem überraschenden Ende. Die perfekte Ferienlektüre.“

Luzerner Zeitung

„Der Thriller ist wunderbar erzählt und mit literarischen Bezügen gespickt, passend zur faszinierenden Figur des Schriftstellers.“

magazin-koellefornia.com

„Wieder ein grandioser Roman des erfolgreichen Schriftstellers. Hier taucht man förmlich in die abgrundtiefen Krimigewässer ein. Toll geschrieben.“

Ruhr Nachrichten

„Hübsche Verwicklungen hat sich Musso ausgedacht.“

die aktuelle Reisepreis-Magazin

„Ein atemberaubender Roman!“

seitenwandler.de

„Ich konnte den Roman kaum aus der Hand legen und habe ihn in einem Rutsch gelesen.“

Leselust (A)

„Ein atemberaubender Roman“

Allgemeiner Anzeiger zum Wochenende

„Ein atemberaubender Roman“

Kommentare zum Buch
Sterbenslangweilig!
Blubb0butterfly am 28.08.2020

Das ist mein erstes und wird höchstwahrscheinlich auch mein letztes Werk des Autors bleiben. Denn nachdem ich den Prolog gelesen habe, frage ich mich tatsächlich, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte. Der Prolog sollte als Einstieg in die Handlung die Neugierde wecken und etwas Spannung aufbauen. Tja, davon habe ich in diesem Prolog nichts mitbekommen. Eher im Gegenteil, nach dem Lesen wollte ich das Buch am liebsten direkt wieder weglegen. Der Prolog war so etwas von einschläfernd… Ich muss auch gestehen, dass ich nicht wirklich weit kam. Ich sehe einfach keinen Sinn im Weiterlesen. Die Kapitel sind zwar allesamt recht knapp gehalten und der Schreibstil ist ziemlich nüchtern, aber bei mir will sich einfach keine Spannung oder Vorfreude auf das Buch aufbauen. Es ödet mich einfach nur an. Das war wirklich ein Griff ins Klo. Schnell etwas anderes lesen, um diese Pleite aus den Kopf zu bekommen…!   ♥ von ♥♥♥♥♥

Wahrheit kann vielschichtig sein
nil_liest am 20.07.2020

Gibt es eine objektive Wahrheit oder schwingt immer etwas Subjektivität mit? Wer sagt wann die Wahrheit und was macht unsere Erinnerung daraus? Jedes Detail ein Rädchen, dass eine Geschichte um 180 Grad wenden kann. Guillaume Musso ist ein Meister der subtilen Spannung und schafft es auf eine mitreißende, unblutige Art und Weise, den Leser in den Bann zu ziehen. Mit seinem neusten Roman „Ein Wort, um dich zu retten“, das den passenderen Originatitel „La vie secrète des écrivains“ trägt, ist wieder so ein Roman, den ich nicht aus der Hand legen konnte. Nach über 3 Monaten in denen ich leider keine Kraft, Zeit und Hirnkapazität für Fiktion hatte, habe ich diesen Roman nun innerhalb von 2 Tagen durchgehechelt. Natürlich darf man hier keine literarisches fulminantes Feuerwerk erwarten, aber beste Ferienunterhaltung für den Kopf! Und wer wieder mal sein französisch auf leichte Weise hervorkramen will, ein optimales Buch! Das Buch dreht sich um die Schriftstellerei, die Vergangenheit und Morde die aufzuklären sind. Es spielt hauptsächlich auf einer fiktiven kleinen Insel der Cote d’Azur vorgelagert. Eine perfekte Kombination! Wie immer bei Guillaume Musso gibt es unvorhergesehene Twists, auf die ich nicht gekommen bin. Seine Bestseller-Garantie. Fazit: Eintauche, wegtauchen, entspannt auftauchen! ;0)

Magisches Lesevergnügen bis zur letzten Zeile.
Manfred Fürst am 12.07.2020

Guillaume Musso gehört zu den meistgelesenen Autoren Frankreichs Der neueste Roman mit dem deutschen Titel „Ein Wort, um dich zu retten“ - trifft den Inhalt nicht wirklich, im Original heißt der Roman viel besser „La Vie secrète des écrivains“, übersetzt „Das geheime Leben der Schriftsteller“.   Der Schauplatz des Romans ist die Insel Beaumont (mit Abbildung auf Umschlaginnenseite), die man auf keiner Landkarte finden wird, denn sie ist eine Fiktion; als Vorbild diente die reale Insel Porquerolles, auf jeden Fall im Mittelmeer.   Die Hölle ist leer – die Teufel sind alle hier (frei nach Shakespeare): Der geheimnisumwitterte Schriftstellers Nathan Fawles, der seit 20 Jahren auf Beaumont lebt und mit einem Schlag seine Schreibarbeit gestoppt hat. Das Rätsel um die Ursache von Fawles Schreibverweigerung ist der eine Handlungsstrang; dieses Geheimnis möchte die Journalistin Mathilde lösen und nicht nur das. Der junge Raphaël, der sich selbst als hoffnungsvoller Schriftsteller sieht, bis dato aber völlig verlagslos und Audibert, er betreibt die einzige Buchhandlung auf der Insel, in der Raphaël zwischenzeitlich beschäftigt ist; beide sind dann auch schlussendlich schicksalhaft verbunden. Apollines geschundener Leichnam wird gefunden, an den ältesten Eukalyptusbaum der Insel genagelt. Diese wird von der Polizei abgeriegelt (vergleiche A. Christie). Eine Krimihandlung folgt. Wir werden erfahren, wer die Täter sind, und wer die Opfer und dass nichts ist, wie es scheint und ob die Guten unter der Wohltätermaske die wahren Teufel sind.   Eine Liebeserklärung Mussos an die Literatur und das Schreiben: Also beginnen wir zu streiten: Hat eine Erzählung nur die Funktion, der Sprache zu dienen? Oder ist es die wichtigste Qualität eines Schriftstellers, seine Leser durch eine gute Geschichte zu fesseln?   Etwas sehr Wahres: Auch wenn man nicht wusste, von wen der Text stammte, reichte die Lektüre einer Seite, um ihn als Verfasser identifizieren zu können.   Nathan Fawles spricht ein „großes Wort gelassen aus“: „Die einzige gerechtfertigte Beziehung zu einem Schriftsteller ist, seine Bücher zu lesen.“   Zum Schluss bekommen Mussos Kritiker und Leser noch ihr Fett ab. Nicht nur Journalisten schreiben eine positive Kritik, ohne die Geschichte begriffen zu haben, sondern auch viele Leser.   Magisches Lesevergnügen bis zur letzten Zeile.

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