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Ein Engel auf vier PfotenEin Engel auf vier Pfoten

Ein Engel auf vier Pfoten

Roman

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Ein Engel auf vier Pfoten — Inhalt

Rose ist eine treue, hingebungsvolle Hirtenhündin, die ihre Aufgaben ernst nimmt. Sie hütet die Schafe und bewacht auch die anderen Tiere auf der Farm, allen voran ihren Besitzer Sam, der seit dem frühen Tod seiner Frau Katie allein lebt. Als ein Jahrhundertblizzard die Gegend verwüstet und Sam schwer verletzt wird, muss Rose ihren ganzen Mut zusammennehmen, um ihn, die Tiere und die Farm zu retten.

Erschienen am 19.10.2015
Übersetzer: Gabriele Zigldrum
272 Seiten, Ganzleinenband
ISBN 978-3-492-30865-6
Erschienen am 19.10.2015
Übersetzer: Gabriele Zigldrum
272 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97257-4

Leseprobe zu »Ein Engel auf vier Pfoten«

Eins


Im Farmhaus hob Rose den Kopf und spitzte die Ohren. Sie hörte ein Schaf keuchen, das gerade ein Lamm zur Welt brachte, und sah aus dem Fenster in die Dunkelheit hinaus. Draußen war es neblig, aber sie konnte den Schlamm auf dem Boden und die rötlichen Schatten der Stallgebäude erkennen. Sie stellte sich vor, wie die Schafe hinter der Futterraufe schliefen.
Rose hob die Nase und nahm Witterung auf. Von der Weide wehte der starke, schwüle Geruch von Geburt herüber, der Geruch nach Lamm, Schafsmist und Angst.
Sie hörte wieder ein Keuchen, ein Laut [...]

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Eins


Im Farmhaus hob Rose den Kopf und spitzte die Ohren. Sie hörte ein Schaf keuchen, das gerade ein Lamm zur Welt brachte, und sah aus dem Fenster in die Dunkelheit hinaus. Draußen war es neblig, aber sie konnte den Schlamm auf dem Boden und die rötlichen Schatten der Stallgebäude erkennen. Sie stellte sich vor, wie die Schafe hinter der Futterraufe schliefen.
Rose hob die Nase und nahm Witterung auf. Von der Weide wehte der starke, schwüle Geruch von Geburt herüber, der Geruch nach Lamm, Schafsmist und Angst.
Sie hörte wieder ein Keuchen, ein Laut des Todes und der Verzweiflung. Dann blökte ein Mutterschaf. Es schien ängstlich nach den anderen zu rufen. Rose stand auf, trabte schnell vom Fenster zum Bett des Farmers und blickte dann in sein schlafendes Gesicht. Sie bellte einmal eindringlich und laut.
Sam, der Farmer, schreckte in der dunklen Januarnacht auf. Er hatte gerade von Katie geträumt und murmelte : » Bist du sicher ? « Dann brummte er etwas von Nachtschlaf, stand aber auf und zog sich Hose und Pullover an.
Er wusste, dass er besser auf Rose hören sollte, vor allem wenn die Geburt eines Lammes anstand. Es war, als hätte Rose eine Art Blaupause der Farm in ihrem Kopf, ein Bild davon, wie alles sein sollte. Sie wusste sofort, wenn etwas nicht in Ordnung war, wenn ein Tier krank oder ein Zaun kaputt war oder wenn sich ein ungebetener Eindringling auf dem Gelände der Farm befand. Dann machte sie Sam darauf aufmerksam, indem sie schnüffelte, bellte und aufgeregt im Kreis lief. Es kam Sam dabei immer so vor, als würde Rose diese Blaupause ständig aktualisieren.
Manchmal versagte die Karte oder verwirrte sie nur, aber das kam selten vor. Sam achtete darauf, dass Rose stets auf dem neusten Stand aller Veränderungen war – damit sie ihre Blaupause anpassen konnte.
Seinen Freunden gegenüber nannte Sam Rose seine Betriebsleitung. Seit sechs Jahren waren sie jetzt zusammen, seit er damals zur Clark Farm in Easton ­gefahren war und dort den Wurf Bordercollie-Schäfer-Mischlingswelpen gesehen hatte. Er hatte damals noch mit sich gerungen, ob er sich wirklich einen Hütehund anschaffen sollte, denn er hatte keine Ahnung, wie man einen solchen Hund erzog, und außerdem hatte er keine Zeit dazu.
Vielleicht hatte sie die Schafe gerochen, jedenfalls war Rose gleich zu ihm gelaufen und hatte dabei mit ihren gerade einmal zwei Monaten so eifrig ausge­sehen, dass er sie mit nach Hause genommen hatte. Ein paar Wochen danach waren einige Schafe durch ein unverschlossenes Gatter ausgerissen und auf die Straße gelaufen. Rose war durch die neu eingebaute Hundeklappe gestürmt, hatte die Schafe zusammengetrieben und sie zurückgebracht. Sie war dabei allein ihren ­Instinkten gefolgt. Zumindest hatte ihr Sam nicht geholfen, denn er hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal bemerkt, was passiert war. Seitdem arbeiteten Sam und Rose zusammen.
Sam schüttelte immer den Kopf, wenn er im Fern­sehen die komplizierten Übungsmanöver von Hütehun­den sah. Rose war in diese Rolle von selbst hinein­gewachsen, sie schien einfach zu wissen, was zu tun war. Er sagte immer zu seinen Freunden, dass die Farm der beste Hundetrainer der Welt sei. Die Schafe gehorchten Rose, und das war für Sam das Wichtigste. Das Treiben der Schafe musste nicht perfekt aussehen, obwohl es manchmal wirklich schön war.
Erst wusste Sam gar nicht, wie ihm geschah, denn er hätte sich nie vorstellen können, dass ihn mit einem Hund eine so enge Freundschaft verbinden könnte. Es war beinahe wie eine Beziehung, hatte er Katie erklärt, ein gegenseitiges Verstehen, das keiner Worte bedurfte. Es war etwas, das er lebte, nichts, worüber er nachdachte.
Manchmal sagte Katie scherzhaft, dass er den Hund wohl mehr liebe als sie. Dann wurde Sam rot und fing an zu stottern. Sie ist doch nur ein Hund, widersprach er dann, denn er konnte nicht erklären, was ihm Rose tatsächlich bedeutete.
Jetzt hörte er an der Dringlichkeit von Roses Bellen, dass etwas nicht in Ordnung war. Immer wieder wandte sie sich Richtung Weide und spitzte die Ohren. Sie war aufgeregt und wollte unbedingt hinaus.
Sam war ein großer, hagerer Mann, der früher ein strahlendes Lächeln und volles, rotbraunes Haar gehabt hatte. Es war kalt und windig in dieser Nacht. Sam ging die Treppe hinunter, griff nach einer Taschenlampe, zog Jacke und Stiefel an und trat dann mit Rose durch die Hintertür in die Dunkelheit hinaus. Selbst im schwachen Licht des Mondes konnte er das Glü­hen in Roses stahlblauen Augen sehen.
Das Farmhaus lag am Fuße einer sanft ansteigenden Wiese. Von der Hintertür aus führte ein Pfad nach links in den Wald und einer nach rechts zu den beiden Scheunen und den Weidegattern.
Die erste Scheune war groß, oben unter dem Dach befand sich der Heuboden, und unten standen Trak­toren, manchmal auch Kühe. An die große Scheune grenzte ein Schuppen, in dem Maschinen, Zubehör und Futtervorräte untergebracht waren. Weiter den Hügel hinauf stand noch eine Scheune. Es war ein zu drei Seiten hin geschlossener Offenstall, sodass die Schafe draußen sein konnten, wo sie sich am liebsten aufhielten, und doch ein wenig vor Wind und Wetter geschützt waren. Wenn man sie in einem geschlos­senen Stall hielt, fürchteten sie sich und fühlten sich ein­gesperrt. Dann blökten sie Tag und Nacht. Sams Vater hatte den Stall gebaut. Die drei Gebäude bildeten ein Dreieck : unten das Farmhaus, gleich daneben die ­große Scheune und hundert Meter den Hügel hinauf der Offenstall. Die Kühe standen auf der anderen Weide hinter der Scheune.
Etwa hundert Meter vom Farmhaus entfernt führte der Weg zum Tor eines Zaunes, der alle Weiden und Stallgebäude umgab. Sam war stolz auf diesen Zaun. Er hatte Jahre damit verbracht, ihn auszubessern und zu verstärken, und im ganzen letzten Jahr hatte ihn kein Tier überwunden, weder in die eine noch in die andere Richtung.
Als sie sich dem Offenstall näherten, entdeckte Sam hinter dem Gebäude im Schein seiner Taschenlampe, was Rose gehört und gespürt hatte. Er ging schneller und öffnete das Tor zur Weide. Rose stürmte hindurch und lief zu dem zappelnden Mutterschaf. Sam holte seine Arzttasche aus der Scheune und rannte hinter dem Hund den Pfad entlang. Der Pfad war von den Tieren ausgetreten, die vereisten Schlammkrusten waren mit Mist verschmutzt. Sogar im Winter ging ein scharfer Geruch davon aus. Zur Rechten stand das große Gebäude, drohend wie ein riesiges Kriegsschiff. Seine Lampen warfen schmale Lichtkegel auf die dunkle, neblige Weide. Diese alte Scheune hatte viele Geschichten zu erzählen.
Sam hatte das Mutterschaf vor ein paar Tagen in einen Verschlag gebracht, wo es ungestört gebären konnte. Er war nach einer Seite hin offen, bot aber trotzdem Schutz vor Schnee und Wind. Eine Luke führte vom Verschlag in die Scheune, wo Wärmelampen, Heu und Stroh auf die neugeborenen Lämmer warteten. So konnten die Mutterschafe draußen ge­bären und waren doch nahe bei den anderen Schafen. Außerdem konnte Sam sie vom Haus aus sehen und hören. Oder zumindest Rose.
Er richtete seine Taschenlampe auf das geplagte Schaf Nummer 89. Das Keuchen war verstummt, was nicht unbedingt ein gutes Zeichen war. Das Schaf lag ganz still auf der Seite in einer Ecke im Heu. Rose wartete, bis Sam die Tür zu dem Verschlag geöffnet hatte, und stürmte dann zu dem Muttertier, um es zum Aufstehen zu bewegen. Sie schnappte nach seinem Maul und seiner Brust.
Sam öffnete seine Tasche und holte Scheren, Zangen, Verbandszeug, Spritzen, ein Fläschchen mit Jod, Antibiotika, ein Seil und eine Salbe heraus. Er ging ernst und ruhig vor und folgte Roses Beispiel, dieses kleinen schwarzweißen Hunds mit den durchdringenden Augen, der sich so schnell und selbstsicher bewegte.
Die anderen Schafe hatten sich weiter oben im Offenstall zusammengedrängt und schauten aufmerksam und ängstlich zu. Rose starrte die Herde an, auch Blackface, das Leitschaf mit dem schwarzen Gesicht. Es hatte sich vor die anderen geschoben. Roses Blick und ihre Haltung sagten klar und deutlich : Bleibt, wo ihr seid, bleibt weg von Sam. Die Schafe ge­horchten.
Im Notfall machte Rose auch mal von ihren Zähnen Gebrauch und riss das eine oder andere Haarbüschel aus, um die Schafe anzutreiben oder in Schach zu halten. Aber so weit kam es nur selten. Diesmal war sich Rose sicher, dass die Schafe Abstand halten würden, denn in der Nähe des Verschlags gab es nichts zu fressen. Außerdem wollten die Schafe nachts ihre Ruhe vor Menschen und Hunden.
Die Luft war schwarz und kalt, der Boden gefroren. Rose sah und roch das Fruchtwasser, das unter dem Mutterschaf herausquoll. Sie nahm eine beinahe unsichtbare Bewegung im Bauch des Tieres wahr, konnte seinen schwachen Atem hören, seine tränenden Augen und die laufenden Nüstern sehen. Sie vernahm außerdem einen ganz schwachen Herzschlag. Und sie konnte den Überlebenskampf des Mutterschafs riechen.
Rose und Sam hatten so etwas schon viele Male ­gemacht. Nachdem sie es nicht geschafft hatte, das Mutterschaf zum Aufstehen zu bewegen, wich Rose zurück, während Sam seine Lampe abstellte, sich hinkniete und die Ärmel aufkrempelte. Sie sah zu, wie er sich die Hände mit einer Salbe einrieb, ehe er das sterbende Muttertier herumdrehte und seinen Arm ­hineinschob. Das Lamm saß im Geburtskanal fest. Der Geruch war stark und beunruhigend. Das war ein schlechtes Zeichen. Lämmer überlebten normaler­weise nicht lange nach einem Blasensprung. Sam murmelte etwas und fluchte. Er drehte die Beine des Lamms, bis sie in die richtige Richtung zeigten, dann fluchte er und zog und zog. Endlich sah Rose, wie er seine Hand mit dem Lamm herauszog. Die kleine, verfilzte Gestalt bewegte sich nicht. Sam tauchte sein ­Taschenmesser in eine Flasche und schnitt die Nabelschnur durch. Dann stand er auf, hob das Lamm an den Beinen hoch und schwenkte es in der kalten Luft hin und her, um sein Herz zum Schlagen zu bringen. Das Lamm war ganz glitschig und nass und die Luft eisig. Ein Lamm konnte unter solchen Umständen schnell sterben. Wenn die Muttertiere die Geburt gut überstanden hatten, führten sie ihre Lämmer normalerweise gleich durch die Luke hinein unter die Wärmelampen.
Rose bellte aufgeregt. Auf einmal hustete das Lamm und keuchte. Es lebte. Rose lief schnell zu dem Mutterschaf und zwickte es in die Nase, damit es aufstand. Hund und Farmer arbeiteten angestrengt. Es war beißend kalt, und Rose spürte, wie ihre Pfoten vor Kälte schmerzten. Ihre Barthaare waren von Eis überzogen. Sie musste das Mutterschaf schnell dazu bringen, aufzustehen und ihr Lamm sauber zu lecken. Und das Lamm brauchte Milch.

Über Jon Katz

Biographie

Jon Katz ist der Autor zahlreicher Romane und Hundebücher Er hat unter anderem für die New York Times, das Wall Street Journal und Rolling Stone geschrieben und für CBS News und die Washington Post gearbeitet. Zusammen mit der Künstlerin Maria Heinrich, seinen Hunden Rose, Izzy, Lenore und Frieda...

Unser Blog zu Jon Katz

Kommentare zum Buch

ein engelauf vier pfoten
Bachmann Büchler Rut am 15.01.2016

Dieses Buch bekam ich vor Jahren zu Weihnachten geschenkt. Es ist mein Lieblingsroman im Februar geworden, wenn es bei uns auf dem Hof tief verschneit viel Arbeit gäbe, und ich mir eine Leseauszeit gönne, so zwischendurch. Es ist sehr realistisch geschrieben und äusserst spannend. auch das Herz kommt nicht zu kurz. Einfach ein wunderbares Buch !!! Liebe Grüsse an den Autor.

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