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Du und Ich

Du und Ich

Roman

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Du und Ich — Inhalt

Lorenzo weiß selbst nicht, warum er behauptet hat, dass er mit einer Clique in die Skiferien fährt. Nun kann er nicht mehr zurück, seine Mutter freut sich viel zu sehr, dass er endlich Freunde gefunden hat. Also besorgt er sich einen Fernseher, Bücher, Computerspiele, ein paar Vorräte und Selbstbräunungslotion und versteckt sich am ersten Ferientag im Keller des Hauses. Alles läuft nach Plan, bis seine Halbschwester Olivia in seinem Verschlag auftaucht, auf der Suche nach einem Platz zum Schlafen und nach ein bisschen Bargeld für den nächsten Schuss … Anrührend, komisch und tragisch zugleich – eine kurze Geschichte vom Erwachsenwerden.

€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 12.03.2012
Übersetzer: Ulrich Hartmann
160 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-95595-9

Leseprobe zu »Du und Ich«

Und dies ist für meine Mutter und meinen Vater

 

In a real dark night of the soul
it is always three o’clock in the morning.

 

Francis Scott Fitzgerald, Pasting It Together

 

But can you save me?
Come on and save me
If you could save me
From the ranks of the freaks
Who suspect they could never love anyone.

 

Aimee Mann, Save Me

 

Die Bates’sche Mimikry liegt vor, wenn eine harmlose Tierart ihre Ähnlichkeit mit einer ungenießbaren oder giftigen Art, die auf dem gleichen Territorium lebt, ausnutzt und es ihr gelingt, deren Färbung und Verhalten zu [...]

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Und dies ist für meine Mutter und meinen Vater

 

In a real dark night of the soul
it is always three o’clock in the morning.

 

Francis Scott Fitzgerald, Pasting It Together

 

But can you save me?
Come on and save me
If you could save me
From the ranks of the freaks
Who suspect they could never love anyone.

 

Aimee Mann, Save Me

 

Die Bates’sche Mimikry liegt vor, wenn eine harmlose Tierart ihre Ähnlichkeit mit einer ungenießbaren oder giftigen Art, die auf dem gleichen Territorium lebt, ausnutzt und es ihr gelingt, deren Färbung und Verhalten zu imitieren. Auf diese Weise wird die Mimikry-Art von Räubern für die gefährliche gehalten, und ihre Überlebenschancen erhöhen sich.

 

Cividale del Friuli
12. Januar 2010

 

» Kaffee ? «
Eine Kellnerin wirft mir über ihr Brillengestell einen prüfenden Blick zu. In der Hand hat sie eine silberne Thermoskanne.
Ich reiche ihr die Tasse. »Danke.«
Sie gießt sie bis zum Rand voll. »Sind Sie wegen des Markts da?«
Ich schüttele den Kopf. »Was für ein Markt?«
» Der Pferdemarkt. «
Sie schaut mich an. Sie erwartet, dass ich ihr sage, aus welchem Grund ich mich in Cividale del Friuli aufhalte. Schließlich zieht sie einen kleinen Block hervor. »Welches Zimmer haben Sie?«
Ich zeige ihr den Schlüssel. »Einhundertneunzehn. «
Sie notiert sich die Nummer. »Wenn Sie noch mehr Kaffee wollen, können Sie sich selbst welchen am Büffet holen.«
» Danke. «
» Bitte, bitte.
« Als sie weg ist, ziehe ich einen zweimal gefalteten Zettel aus dem Portemonnaie. Ich falte ihn auf dem Tisch auseinander.
Meine Schwester Olivia hat ihn geschrieben, vor zehn Jahren, am vierundzwanzigsten Februar zweitausend.
Ich war vierzehn Jahre alt und sie dreiundzwanzig.

 

Rom
Zehn Jahre zuvor

 

1

 

Am Abend des achtzehnten Februar zweitausend ging ich früh zu Bett und schlief sofort ein, doch nachts wurde ich wieder wach und konnte keinen Schlaf mehr finden.
Um zehn nach sechs hatte ich das Federbett bis zum Kinn hochgezogen und atmete mit offenem Mund.
Das Haus war still. Man hörte nur den Regen, der gegen das Fenster schlug, meine Mutter, die im oberen Stockwerk zwischen Schlafzimmer und Bad hin und her ging, und mein lautes Ein- und Ausatmen.
Bald würde meine Mutter mich wecken kommen, um mich zu dem Treffen mit den anderen zu bringen.
Ich knipste meine Zikadenlampe auf dem Nachttisch an. Eine Ecke des Zimmers, wo der mit Anziehsachen vollgestopfte Rucksack, die Daunenjacke, die Tasche mit den Skistiefeln und die Ski lagen, wurde in grünes Licht getaucht.
Zwischen dreizehn und vierzehn war ich plötzlich aufgeschossen, als hätte man mich gedüngt, und überragte nun meine Altersgenossen. Meine Mutter sagte, zwei Zugpferde hätten mich gestreckt. Ich verbrachte eine Menge Zeit vor dem Spiegel, um meine blasse, sommersprossige Haut und die Härchen auf den Beinen zu betrachten. Mein Haar war eine kastanienbraune Matte, aus der die Ohren herausstanden. Die Pubertät hatte meine Gesichtszüge verändert, und zwischen meinen grünen Augen saß eine imposante Nase.
Ich stand auf und schob meine Hand in die Tasche des Rucksacks, der neben der Tür stand.
»Das Messer ist da. Die Taschenlampe auch. Alles da«, sagte ich mit leiser Stimme.
Die Schritte meiner Mutter auf dem Gang. Sie trug bestimmt die blauen Schuhe mit den hohen Absätzen.
Ich sprang zurück ins Bett, machte das Licht aus und stellte mich schlafend.
»Lorenzo, aufwachen. Es ist spät.«
Ich hob den Kopf vom Kissen und rieb mir die Augen.
Meine Mutter zog den Rollladen hoch. »Was für ein scheußlicher Tag … Hoffen wir, dass es in Cortina besser ist.«
Im fahlen Morgenlicht waren die Umrisse ihrer schlanken Figur zu sehen. Sie hatte den Rock und die graue Jacke angezogen, die sie immer trug, wenn sie etwas Wichtiges vorhatte. Den Pullover mit dem runden Ausschnitt. Die Perlen. Und die blauen Schuhe mit den hohen Absätzen.
»Guten Morgen«, sagte ich gähnend, als wäre ich gerade wach geworden.
Sie setzte sich auf die Bettkante. »Hast du gut geschlafen, Schatz ? «
» Ja. «
»Ich mache dir Frühstück … In der Zeit kannst du dich waschen.«
» Nihal ? «
Sie fuhr mir mit den Fingern durch die Haare. »Schläft um diese Zeit noch. Hat er dir die gebügelten T-Shirts gegeben?«
Ich bejahte mit einem Nicken.
»Dann steh auf, los.«
Ich hätte es gern getan, doch auf meiner Brust lag eine Last, die mich erdrückte.
»Was ist los?«
Ich nahm ihre Hand. »Hast du mich lieb?«
Sie lächelte. »Natürlich habe ich dich lieb.« Sie stand auf, schaute sich im Spiegel neben der Tür an und strich sich den Rock glatt. »Jetzt hoch mit dir. Musst du dich ausgerechnet heute bitten lassen aufzustehen ? «
» Ein Kuss. «
Sie beugte sich über mich. » Du gehst doch nicht zu den Soldaten, du fährst in die Skiferien.«

Niccolò Ammaniti

Über Niccolò Ammaniti

Biografie

Niccolò Ammaniti wurde in Rom geboren. Er hat bis dato sechs Romane veröffentlicht und ist nach Umberto Eco der wohl erfolgreichste Autor Italiens. Seine Bücher wurden in 44 Sprachen übersetzt und erreichen weltweit eine Gesamtauflage von 5 Millionen Exemplaren. Nach »Du und ich« erschien zuletzt...

Pressestimmen

Ostsee Zeitung

»Ein vielschichtiger Roman, der auf die Probleme eines Alters eingeht, in dem man kein Kind mehr ist, aber auch noch nicht richtig erwachsen.«

Deutschlandfunk

»Mit 'Du und ich' legt Ammaniti einen Entwicklungsroman vor, in dem äußerlich wenig geschieht, dafür ein Erdbeben im Inneren des jungen Helden. (...) Ein psychologisch durchdringendes Teenager-Porträt.«

DRS1 BuchZeichen

»(...) anrührend, komisch und witzig zugleich.«

Westdeutsche Allgemeine

»Ein Roman, der poetisch und weise daran erinnert, dass das Erwachsenwerden noch schwerer ist als das Erwachsensein.«

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

»Ein Roman, der poetisch und weise daran erinnert, dass das Erwachsenwerden noch schwerer ist als das Erwachsensein.«

Bibliotheksnachrichten Österreich

»Ein berührendes, nachdenklich stimmendes, außergewöhnliches Buch.«

Buchkultur

»Lesenswert! Ein Autor, den man unbedingt für sich entdecken sollte!«

Schweizer Illustrierte

»Eine komische und zugleich traurige Geschichte.«

NDR1 Bücherwelt

»Juhu möchte man ausrufen, Nicolò Ammaniti ist zurück. Mit einer wunderbaren Novelle aus dem Leben eines schüchternen Antihelden. 150 Seiten bloß, aber so sensibel geschrieben, dass man das Buch gleich zweimal lesen möchte.«

WDR, Funkhaus Europa

»'Du und ich' erzählt vom pubertierenden Lorenzo, vom Schmerz, erwachsen zu werden. Allerdings ohne Bitterkeit, dafür mit viel Hoffnung und einer Prise Ironie.«

Deutschlandradio Kultur

»Ammaniti ist ein Meister der soziologischen Beobachtung, der Milieustudie, fast mit Genuß lässt er dir brüchigen bürgerlichen Kokons zerfallen. (…) Das Buch erschüttert und liest sich viel zu schnell. Es macht gespannt au den nächsten Ammaniti mit vielleicht etwas mehr erzählerischem Raum, der auch in Deutschland hoffentlich einmal die verdiente Leserschaft finden wird.«

Märkische Allgemeine

»Nie wird Ammaniti sentimental, er bleibt schlüssig und führt Pubertätsgeschichten wie Hermann Hesses Unterm Rad und Robert Mulis Die Verwirrungen des Zöglings Törleß souverän und aktuell fort.«

RBB Radio Fritz

»Ein kurzes Buch, das Ihr gleich zweimal lesen wollt!«

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