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Die S.E.A.-Expedition – Eine antarktische Reise auf Shackletons Spuren

Die S.E.A.-Expedition – Eine antarktische Reise auf Shackletons Spuren

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Die S.E.A.-Expedition – Eine antarktische Reise auf Shackletons Spuren — Inhalt

Im Bann eines der größten Polarforscher aller Zeiten: Ein Jahrhundert nach Ernest Shackleton folgt die Expedition »S.E.A. – Sir Ernest’s Anniversary« seinem Weg nach dem Untergang der Endurance im Weddellmeer. Dafür brechen zehn Männer und zwei Frauen Ende 2015 zu einem Segeltörn über den wildesten Ozean der Welt auf. Unter schwierigsten Bedingungen gelangen sie von den Falklandinseln über Elephant Island bis nach Südgeorgien, wo ein Teil des Teams auf Skiern die knapp 4000 Meter hohe Berglandschaft überquert. Die Crewmitglieder Nikolaus Hansen und Tina Uebel halten das gewagte Unterfangen in einem mitreißenden Bericht fest, ergänzt durch einzigartige Aufnahmen unberührter Eislandschaften. Dabei zeichnen sie den Verlauf von Shackletons Rettungsaktion nach – und zeigen, weshalb sie die Menschen bis heute fasziniert.

€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 01.09.2016
352 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97511-7

Leseprobe zu »Die S.E.A.-Expedition – Eine antarktische Reise auf Shackletons Spuren«

1 Tina, 19. Dezember
Die Menschen gehen hinaus in die leeren Weiten dieser Welt aus unterschiedlichen Gründen. Einige treibt schlicht die Liebe zum Abenteuer an, einige der leidenschaftliche Hunger nach wissenschaftlicher Erkenntnis, und andere werden angezogen von lockenden »leisen Stimmen«, der unerklärlichen Faszination des Unbekannten.
Die ersten Sätze aus »The Heart of the Antarctic«, Shackletons Buch über seine Nimrod-Südpolexpedition 1907–1909

Ich steige die letzten Meter zum Pass an den Tridents hoch, und der Ausblick ist, um ein abgegriffenes [...]

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1 Tina, 19. Dezember
Die Menschen gehen hinaus in die leeren Weiten dieser Welt aus unterschiedlichen Gründen. Einige treibt schlicht die Liebe zum Abenteuer an, einige der leidenschaftliche Hunger nach wissenschaftlicher Erkenntnis, und andere werden angezogen von lockenden »leisen Stimmen«, der unerklärlichen Faszination des Unbekannten.
Die ersten Sätze aus »The Heart of the Antarctic«, Shackletons Buch über seine Nimrod-Südpolexpedition 1907–1909

Ich steige die letzten Meter zum Pass an den Tridents hoch, und der Ausblick ist, um ein abgegriffenes Wort zu benutzen, weil mir gerade vor lauter Ausblick kein besseres einfällt, atemberaubend. Jäh fällt der Hang ab hinunter zum Crean-Gletscher, etwa 300 Meter. Der Crean-Gletscher wiederum stürzt sich in einem wilden Tumult von Spalten in die Antarctic Bay, die so heißt, weil die Landschaft eisig und wild ist wie in der Antarktis selbst. Leere Weiten. Ich staune und hole tief Luft, weil, wie gesagt: atemberaubend. Welch fantastischer Ort, wie kann es nur sein, dass ich wirklich hier bin. Weil ich es wollte. Immer schon und unbedingt. Ich habe den Lockruf der leisen Stimmen gehört, seit ich denken kann. Welch ungeheuerliches Privileg, hier zu sein. Wie ungeheuerlich weit weg dieser Ort ist. Wir sind auf einem Schiffchen hergereist, das so klein ist, man würde es von hier oben nicht erkennen. Eine Mischung aus Demut gegenüber der gewaltigen, unsereins gegenüber indifferenten Natur, und der jubilierenden Allmacht, hierhergekommen zu sein; und mit »hierher« meine ich nicht nur Südgeorgien. Ich meine diese unsere Expedition. Ich meine das Eis des Gletschers, in dem wir später die Zelte errichten werden, die ich in Hamburg verpackte und verschickte und um deren termingerechte Ankunft wir uns sorgten, ich meine die Pulkas, die wir hinter uns herziehen. Ich meine uns. Ich meine Shackleton. Ich meine mich. Ich meine das Licht einer nicht dunkel werdenden Nacht, das durch die Zeltplane fällt. Ich bin dort hingekommen, wo ich immer hinwollte. An einen dieser Orte, von denen die leisen Stimmen flüstern. Es ist unglaublich schön. Frisch gemachter Berg. Und niemand hier, keiner außer uns, der Ozean dort draußen jenseits der Antarctic Bay leer, als wäre der Mensch nie erfunden.

2 Niko, 19. Dezember
Da gehen sie hin – auf Skiern, große Rucksäcke auf dem Rücken: Tina, Markus, Adrian, Manfred, Ray und Wolf, ein wenig abseits und voraus Andrea, die Kamera im Anschlag. Vier von ihnen ziehen gut beladene Pulkas hinter sich her wie Laufrikschas. Wir anderen, die »Segler« – Daniel, Beate, Viktor, Jaap und ich –, stehen ein bisschen verloren am Rande des Geröllfeldes und winken. Bald sind die sieben nur noch schwarze Punkte auf der endlosen Schneefläche, allein die leuchtend roten Abdeckungen der Pulkas bleiben weithin sichtbar. Langsam scheint es zu gehen, fast gemächlich, die Schneezunge hinauf zum Gletscher. Und dann sind sie ganz verschwunden hinter dem Kamm vom Shackleton Gap – sieben Menschen, mit denen ich gerade zwei Wochen auf einem Boot auf engstem Raum verbracht habe. Sie sind mir sehr nahe gekommen, eben noch habe ich jeden von ihnen zum Abschied heftig in den Arm genommen, und schon sind sie fort, ganz fort, wie vom Erdboden verschluckt. Mir schlägt das Herz hoch im Hals. Das, was die sieben da machen, ist der eigentliche Höhepunkt unserer Expedition – einer Expedition auf Shackletons Spuren. Wir sind mit der Santa Maria Australis von den Falklands nach Elephant Island gesegelt. Dort konnten wir, von Norden kommend, quasi »einschwenken« auf den Kurs Shackletons, der – vor fast genau 100 Jahren – mit seinen Männern aus dem Weddellmeer, aus südlicher Richtung, zu der Insel gelangt war, wo er – wie wir – unter dramatischen Umständen anlanden konnte. Dann ging es von Elephant Island weiter nach Südgeorgien – Shackleton seinerzeit mit dem mickerig kleinen, leckenden und für die Fahrt gänzlich ungeeigneten Rettungsboot James Caird, wir mit der herrlichen und sicheren Santa Maria Australis. Er hatte mehr als zwei Wochen für die entbehrungsreiche Fahrt gebraucht, wir waren lediglich fünf Tage in relativem Komfort unterwegs bis zur King-Haakon-Bucht an der Südwestküste Südgeorgiens. Seine Fahrt sollte später als eine der »größten Fahrten aller Zeiten im offenen Boot« in die Geschichte der Seefahrt eingehen. Zwei wichtige Etappen der Shackleton-Reise haben wir alle gemeinsam erlebt und gemeistert – die dritte Etappe, die Überquerung von Südgeorgien, findet ohne mich statt. Das ist meine eigene Entscheidung, die ich freiwillig getroffen habe – lieber segeln als Gletscher bezwingen. In diesem Moment allerdings, da die sieben in der endlosen weißen Weite verschwinden, empfinde ich zum ersten Mal einen Anflug von Reue, von Bedauern. Die ganze Reise, besonders aber diese Überquerung, ist sorgfältig vorbereitet – sie werden also auch diese dritte Etappe meistern, die sieben, da mache ich mir keine Sorgen. Sie werden sich für die Strecke durch das hohe, kalte, unwegsame Innere der Insel, die Shackleton und seine Männer im Eilmarsch und »schlaflos« in 36 Stunden durchquert haben, drei Tage Zeit nehmen. Wir »Zurückgebliebenen« werden derweil das Boot um die Nordwestspitze herum auf die andere Seite segeln, um uns in Stromness, wo Shackleton einst gelandet war und schließlich Hilfe fand, alle wiederzutreffen.

WIE EINE EXPEDITION BEGINNT
2013–2015

3 Hetze und Sorge
Ich bin der Hetze und Sorge so überdrüssig (…) Ich bin mir sicher, die Expedition selbst wird nicht so beschwerlich sein wie all dieses.
Ernest Shackleton kurz vor Beginn der Endurance-Expedition in einem Brief an seine Frau

Wo beginnt eine Expedition? Ich habe nachgesehen, sagt mir der Käpt’n am Telefon, 3000 Meter, tja, das ist ja höher als die höchste Welle. Was so weit zweifelsfrei richtig ist. Beginnt die Expedition dort, Samstagfrüh auf 2978 Metern über dem Meeresspiegel, Bergstation Diavolezza, im April 2015, von wo sich ausbreitet, was anerkannt »Festsaal der Alpen« heißt, die herzzerreißende Arena des Morteratschgletschers, über den Piz Palü und Piz Bernina die Aufsicht führen? Allerdings kann man sie grad nicht sehen, weil, das Wetter ist lausig. Wolken auf unseren Schultern, und es schneit. Wir fahren da jetzt trotzdem runter, den ungewissen Abhang hinab, weil, jeder Meter bringt uns Südgeorgien näher. Oder beginnt die Expedition schon am Vortag, als wir uns auf der Dorfstraße von Pontresina treffen, zum ersten Mal vergleichsweise viele von uns versammelt: Adrian, Markus, Andrea, Manfred, deren natürliches Habitat all dies ist, plus Wolf, der Käpt’n, angereist wie ich. Ich habe die Pulka mitgebracht, eine von vieren, die Acapulka uns leiht, einfach so. Unsere Begeisterung ist groß, nicht nur über die Pulka als solche, sondern auch darüber, wie sie hier jetzt auf der Dorfstraße steht, als Beweis und Unterpfand dafür, dass wir es tatsächlich ernst meinen: Südgeorgien. Eine Pulka, nebenbei, ist ein Expeditionstransportschlitten, den man auf Skiern hinter sich herzieht, wenn man irgendwo ins Nirgendwo geht und dabei darauf besteht, Zelte, Schlafsäcke, Kochausstattung, Nahrungsmittel und sonstiges schwerlastiges Karsumpel mit sich zu führen. Karsumpel ist ein Schweizer Wort für Geraffel, das ich von Adrian lerne, von dem ich eh so allerhand lerne. Dorfstraße Pontresina, Anselm ist auch da, und wenn es ihn quält, dass hier möglicherweise die Expedition beginnt, die auch sein Baby gewesen ist, eine Zeit lang, und an der er nun nicht teilnehmen wird, dann lässt er es sich nicht anmerken. Wir bestaunen die Pulka, wir bestaunen einander. Scheint, wir meinen es ernst. Euphorie, über die Pulka, über uns. Nur noch 6502 Seemeilen beziehungsweise 12 042 Kilometer bis Südgeorgien.

Diese Expedition begann vor über 100 Jahren mit einem irischen Emporkömmling und Heiopei namens Ernest Henry Shackleton, der zeitlebens prekär knapp bei Kasse war und – ernsthaft! – von Schatzsuchen träumte, dessen Bruder im Knast landete, der für seine Familie finanziell nicht sorgen konnte und treu schon gar nicht war, der aufbrach in die unerforschte Leere der Antarktis, fahrlässig aufbrach – weil er anders nicht aufbrechen konnte. Der keines seiner eigentlichen Ziele je erreichte, der mit fast allem, was er sich je vornahm, scheiterte. Der im Scheitern derart Großes vollbrachte, dass ich nicht zögern würde, auf irgendeinem Fragebogen bei »Ihre Helden in der Wirklichkeit« zu antworten: Shackleton. Es gibt Bücher: »Shackleton für Manager«. Es gibt die Bücher seiner Mannschaftsmitglieder und die seiner Biografen, aus allen spricht Verehrung und eine Hingabe und Liebe zu diesem Mann, diesem Freak, die flott 100 Jahre überbrückt. Shackleton war ein Genie – nicht mehr, nicht weniger – darin, die Menschen um ihn herum in Hochstimmung zu halten. Wir liebten ihn. Für mich war er ein Bruder. Ja, die Männer litten unter der Kälte, aber er hatte in ihnen diese Art von Loyalität geweckt, die sie daran hinderte, an irgendetwas zu verzweifeln, und sie hatten sich gegen die mit Antarktisfahrten untrennbar verbundenen Härten behauptet, ohne zu murren, schreibt Endurance-Kapitän Frank Worsley in seinem Buch »Endurance«. Sich allein in seiner Gegenwart aufzuhalten ist ein Erlebnis, wird Expeditionsarzt Macklin von Alfred Lansing zitiert, der mit »635 Tage im Eis« 1959 einen Bestseller über die Endurance-Expedition schrieb.

Diese Expedition hat begonnen, als ich vor über zehn Jahren von Shackleton las, ich tat das auf einem Eisbrecher namens Khlebnikov, der zufälligerweise grad die Antarktis umrundete, es lag nah. Ich sah sie damals zum ersten Mal, die Antarktis. Sollte man lassen, es lässt einen nicht wieder los. Die kargen polaren Lande ergreifen das Herz eines Menschen, der in ihnen gelebt hat, in einem Maße, das diejenigen, die das Gehege der Zivilisation nie verließen, kaum je verstehen werden. So Shackleton in »The Heart of the Antarctic«. Wenn wir von den Polargebieten reden, müssen wir von Obsession reden.

Nikolaus Hansen

Über Nikolaus Hansen

Biografie

Nikolaus Hansen, 1951 in Hamburg geboren, umsegelte von 1973 bis 1975 die Welt. Er arbeitete als Übersetzer und Lektor und war viele Jahre Verleger, u.a. von Rowohlt und marebuch. Er ist Mitinitiator und künstlerischer Leiter des »Harbour Front Literaturfestivals« in...

Tina Uebel

Über Tina Uebel

Biografie

Tina Uebel, 1969 in Hamburg geboren, ist Schriftstellerin und freie Journalistin. Sie veröffentlichte mehrere Romane und Reisebücher, u.a. »Nordwestpassage« und »Uebel unterwegs. Bemerkenswertes und Skurriles vom Landweg Hamburg–Shanghai«. Wenn sie nicht gerade unterwegs ist, lebt sie in Hamburg.

Pressestimmen

Beobachter (CH)

»Vor dem Hintergrund der Misere und der Heldentaten der alten Seefahrer mag eine moderne Expedition mit GPS und Topausrüstung wie ein Kinderspiel wirken. Doch selbst wenn es auf dieser Erde keine weißen Flecke mehr zu entdecken gibt, ist eine solche Reise auch heute noch etwas Besonderes. Weil diejenigen, die sie unternehmen, zu den wenigen gehören, die ihre Träume in die Tat umsetzen.«

Mannheimer Morgen

»Diese Aufzeichnungen einer Seereise auf einem Segelschiff in Erinnerung an den 1922 verstorbenen Polarforscher Ernest Shakleton beschwören sprachgewaltig die Kräfte der Natur: peitschende Meereswogen, eisige Stürme oder bizarre Gletscherlandschaften. Man bibbert mit den Chronisten - und stellt gerne ein Glas Rum zum Aufwärmen beiseite.«

nahaufnahmen.de

»›Die S.E.A. Expedition‹ ist eine Hommage an einen der größten Polarforscher aller Zeiten und schildert eindrücklich die 33 Tage, die die Crew auf dem Südpolarmeer verbrachte. Leser, die gerne Abenteuergeschichten mögen oder womöglich selber Abenteurer sind, werden die Lektüre verschlingen.«

Thüringer Allgemeine

»Eine Mischung aus stiller Demut gegenüber der gewaltigen Natur und jubilierender Allmacht, bis hierher gekommen zu sein, habe sie überkommen. Letztlich ist es diese sehr persönliche Begeisterung aller Beteiligten der S.E.A.-Expedition für das, was Menschen leisten konnten und können, die das Buch lesenswert macht.«

book-up-your-life.blogspot.de

»Faszinierende Bilder, schöne Schilderungen, humorvolle Neckereien unter Team-Mitgleidern und die Begeisterung für die Expedition an sich, lassen das Buch zu einer ganz besonderen Erkundung der Antarktis werden. (...) Originale Tagebucheinträge der Shackleton Expedition verbinden zudem geschickt die eigene Erfahrung der Team-Mitglieder.«

bn Bibliotheksnachrichten (A)

»Den beiden Autoren gelingt es, in erfrischender und informativer Erzählweise die Lesenden auf ihre Reise mitzunehmen. (...) Das Buch macht neugierig auf die angeführten Berichte über die legendäre Expedition der Endurance mit ihrem fast in Vergessenheit geratenen Sir Ernest Shackleton. Ihn zu würdigen, gelingt diesem Buch bestens.«

PolarNEWS

»Das kurzweilige Buch zeigt viele Parallelen zu den historischen Tagebüchern der englischen Polarforscher, begonnen bei der Beschreibung der Sponsorensuche, Rekrutierung der Mannschaft, Reiseabläufe, Beschreibungen von Fauna und Flora, sowie eine eingehende Dokumentation, wie 2015 eine Expedition verpflegt wird.«

TransOcean

»Man muss es lesen!«

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