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Die Schwestern von Mitford Manor – Unter VerdachtDie Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht

Roman

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Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht — Inhalt

London, 1920: Für die 19-jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie bekommt eine Anstellung bei den Mitfords, der glamourösen und skandalumwitterten Familie aus Oxfordshire. Endlich kann sie der Armut und dem Elend der Großstadt entfliehen und dafür auf ein herrschaftliches Anwesen ziehen. Louisa wird Anstandsdame und Vertraute der sechs Töchter des Hauses, allen voran der 17-jährigen Nancy, einer intelligenten jungen Frau, die nichts mehr liebt als Abenteuer und gute Geschichten. Als Florence Nightingale Shore, eine Krankenschwester und Freundin der Familie, am helllichten Tag ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell erkennen sie, dass nach den Wirren des Krieges jeder etwas zu verbergen hat.

€ 16,99 [D], € 17,50 [A]
Erschienen am 04.09.2018
Übersetzt von: Andrea Brandl
496 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-86612-452-3
€ 14,99 [D], € 14,99 [A]
Erschienen am 04.09.2018
Übersetzt von: Andrea Brandl
496 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99124-7

Leseprobe zu »Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht«

Kapitel 1
Heiligabend 1919


Mit gesenktem Kopf, ihren dünnen Mantel gegen den schneidenden Wind fest um sich gezogen, bahnte sich Louisa Cannon den Weg durch die Menschenmengen auf der King’s Road. Längst war die Dämmerung hereingebrochen, und trotzdem hatte das Gewimmel immer noch nicht nachgelassen. Paare und Kauflustige bummelten vor den mit elektrischen Lichtern dekorierten Schaufenstern, bestaunten die reich bestückten Auslagen, bunte Kartons mit rosafarbenen und grünen, in Puderzucker gewälzten orientalischen Lokum-Würfeln, die bleichen, glänzenden [...]

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Kapitel 1
Heiligabend 1919


Mit gesenktem Kopf, ihren dünnen Mantel gegen den schneidenden Wind fest um sich gezogen, bahnte sich Louisa Cannon den Weg durch die Menschenmengen auf der King’s Road. Längst war die Dämmerung hereingebrochen, und trotzdem hatte das Gewimmel immer noch nicht nachgelassen. Paare und Kauflustige bummelten vor den mit elektrischen Lichtern dekorierten Schaufenstern, bestaunten die reich bestückten Auslagen, bunte Kartons mit rosafarbenen und grünen, in Puderzucker gewälzten orientalischen Lokum-Würfeln, die bleichen, glänzenden Gesichter brandneuer Porzellanpuppen, deren Arme und Beine steif aus gestärkten Baumwollkleidern ragten, so detailgenau genäht, dass unter dem Saum sogar die hauchfeinen Unterröcke hervorlugten.
In jedem einzelnen Fenster des feudalen Kaufhauses Peter Jones stand ein Weihnachtsbaum, an dessen mit vielfarbigen Bändern geschmückten immergrünen Zweigen Schaukelpferdchen aus Holz, silberne Sterne, goldene Eier und gestreifte Zuckerstangen hingen – prächtige, perfekt zum Leben erweckte Kinderträume, nun, da der Krieg vorbei war und Lebensmittel nicht mehr rationiert wurden.
Vor einem Schaufenster stand ein Mann; er hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und Louisa fragte sich, ob er es wohl bemerken würde, wenn sich eine Hand in seine Manteltasche stehlen und nach seiner Börse tasten würde. Die Worte ihres Onkels waren ihr den ganzen Tag nicht aus dem Kopf gegangen: »Und komm nicht auf die Idee, dich hier ohne Geld blicken zu lassen. Zu Weihnachten laufen alle mit vollen Taschen herum.« Offenbar hatte ihn jemand verärgert, da er in letzter Zeit extrem übellaunig war.
Als sie näher kam, wandte sich der Mann abrupt um und schob die Hände in die Taschen. Eigentlich hätte sie sich ärgern müssen, doch in Wahrheit verspürte sie Erleichterung.
Louisa vergrub das Kinn noch tiefer in ihrem Mantel und hielt den Blick auf die Schnürschuhe und Lederstiefel auf dem Gehsteig gerichtet. Abgesehen von ihrem Onkel wartete zu Hause ihre Mutter, die im Bett lag, nicht richtig krank, aber auch nicht richtig gesund – Kummer, harte Arbeit und Hunger zehrten an ihr. Louisa war so in Gedanken versunken, dass sie erst aufsah, als ihr die Hitze von einem Maronenstand ins Gesicht schlug. Bitterer Rauch stieg ihr in die Nase, und ihr leerer Magen meldete sich.
Minuten später löste sie vorsichtig die glutheiße Schale von der ersten Kastanie und biss ein kleines Stück ab. Sie würde nur zwei essen und den Rest ihrer Mutter mitbringen; mit ein bisschen Glück waren sie noch nicht zu sehr abgekühlt, bis sie zu Hause ankam. Sie lehnte sich an die Mauer hinter dem Stand und genoss die Wärme des Feuers. Der Maronenverkäufer war ein gut gelaunter Kerl, und es herrschte eine frohe, festliche Atmosphäre. Louisa spürte, wie sich ihre Schultern entspannten – sie hatte gar nicht gemerkt, wie lange sie mit eingezogenem Kopf herumgelaufen war. Als sie aufsah, erblickte sie eine Gestalt, die direkt auf sie zukam: Jennie.
Louisa wich zurück, versuchte, sich in die Schatten zu drücken, während sie die Tüte mit den Maronen in die Tasche schob und den Kragen höher zog. Aber sie saß in der Falle – Jennie kam näher und näher, und es war unmöglich, hier wegzukommen, ohne ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Louisas Atem ging schneller, und sie kniete sich hin und tat so, als würde sie sich die Schnürsenkel zubinden.
»Louisa?« Eine Hand berührte sie sanft am Ellbogen. Die schlanke Gestalt trug einen modischen Mantel aus Samt, weit geschnitten und mit Pfauenfedern bestickt. Hatte Louisas grüner Filzmantel bis eben noch ihrem schmalen Körper geschmeichelt, wirkte er nun lediglich wie ein schäbiger Lumpen. Doch die Stimme, die an ihr Ohr drang, war freundlich und warm. »Bist du das?«
Es war sinnlos. Louisa richtete sich auf und versuchte, so überrascht wie möglich dreinzusehen. »Jennie!«, platzte es aus ihr heraus. Ihre Wangen glühten vor Scham – gerade noch hatte sie jemanden bestehlen wollen, und jetzt stand ihre alte Freundin vor ihr. »Hallo. Ich habe dich gar nicht bemerkt.«
»Ich freue mich so, dich zu sehen«, sagte die junge Frau. Ihre Schönheit war noch ein zierliches Pflänzchen gewesen, als Louisa sie zuletzt gesehen hatte, doch nun war sie voll erblüht, ein atemberaubender Anblick, prächtig und zart zugleich, wie ein Kristallleuchter. »Du meine Güte, wie lange ist das her? Vier Jahre? Fünf?«
»Ja, ich glaube schon.« Louisa schloss die klammen Finger um die warmen Maronen in ihrer Manteltasche.
Hinter Jennie tauchte eine andere junge Frau auf. Sie war vielleicht ein, zwei Jahre jünger als sie, mit dunklem, lockigem Haar, das über ihre Schultern fiel, und grünen Augen unter ihrer Hutkrempe. Sie lächelte, sichtlich erfreut, dass sich zwei alte Freundinnen wiedergefunden hatten.
Jennie legte die Hand auf die Schulter des Mädchens. »Darf ich dir Nancy Mitford vorstellen? Nancy, das ist meine älteste und liebste Freundin, Louisa Cannon.«
Nancy streckte die Hand aus. »Sehr erfreut.«
Louisa schüttelte ihr die Hand. Um ein Haar hätte sie sogar einen Knicks gemacht. Trotz ihres warmen Lächelns hatte Nancy die Ausstrahlung einer jungen Königin.
»Nancy ist die Tochter guter Freunde meiner Schwiegereltern«, erklärte Jennie. »Ihr Kindermädchen ist davongelaufen, deshalb gehe ich ihnen ein wenig zur Hand.«
»Sie ist mit dem Metzgersohn durchgebrannt«, unterbrach Nancy sie. »Das ganze Dorf ist in Aufruhr. Ich könnte mich kaputtlachen, und Farve tobt immer noch vor Wut.« Ihr Kichern war ausgesprochen ansteckend, fand Louisa.
Jennie warf Nancy einen gespielt strengen Blick zu und fuhr fort: »Jedenfalls waren wir zusammen Tee trinken. Nancy hat noch nie das Weihnachtsgebäck von Fortnum’s probiert – kannst du dir das vorstellen?«
Louisa, die ebenfalls noch nie in diesen Genuss gekommen war, wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. »Ich hoffe, es war gut«, sagte sie schließlich.
»O ja«, sagte Nancy. »Köstlich. Diese katholischen Götzenkekse kriege ich nicht oft zu essen.« Sie vollführte eine halbe Drehung, ob aus echter oder gespielter Aufregung, ließ sich schwer sagen.
»Aber wie geht es dir? Und deinen Eltern? Du siehst …« Jennie hielt einen Moment inne. »… gut aus, wirklich. Ganz schön frostig heute, nicht? Und so viel zu tun – morgen ist ja Weihnachten!« Sie lachte nervös.
»Bei uns ist alles in Ordnung.« Louisa trat von einem Fuß auf den anderen. »Alles eigentlich wie immer. Man schlägt sich so durch.«
Jennie ergriff ihren Arm. »Wir sind ein bisschen spät dran, meine Liebe. Ich habe versprochen, Nancy nach Hause zu bringen. Möchtest du uns vielleicht ein Stück begleiten? Dann könnten wir noch etwas plaudern.«
»Gern«, sagte Louisa. »Mögt ihr Maronen? Ich habe welche für Ma gekauft, aber schon eine oder zwei genascht.«
»Also sind das gar nicht deine?« Jennie knuffte ihre Freundin in die Rippen und zwinkerte ihr zu.
Endlich konnte Louisa sich ein Lächeln abringen. Sie schälte beiden eine Marone und reichte sie ihnen. Jennie hielt ihre zwischen den Fingerspitzen, ehe sie sie in den Mund steckte. Nancy tat es ihr nach. Louisa nutzte die Gelegenheit, um ihre Freundin etwas genauer zu betrachten.
»Du siehst wirklich gut aus. Und geht es dir auch gut?«
Jennie lächelte. »Ich habe letzten Sommer Richard Roper geheiratet. Er ist Architekt. Wir gehen bald nach New York. Der Krieg hat Europa zerstört, sagt Richard. Drüben hat man einfach bessere Chancen – wir hoffen es zumindest. Und du?«
»Na ja, verheiratet bin ich nicht«, sagte Louisa. »Irgendwie habe ich den richtigen Zeitpunkt verpasst, und dann habe ich mich ganz dagegen entschieden.«
Zu ihrer Freude kicherte Nancy amüsiert.
»Mach dich nur lustig«, gab Jennie zurück. »Du hast dich kein bisschen verändert.«
Louisa zuckte mit den Schultern. Die Bemerkung hatte sie getroffen, auch wenn sie wusste, dass Jennie es nicht böse gemeint hatte. »Stimmt, im Großen und Ganzen ist alles beim Alten: Ich wohne immer noch zu Hause, und Ma und ich strampeln uns ab, um über die Runden zu kommen.«
»Das tut mir leid. Kann ich dir vielleicht etwas Gutes tun? Bitte.« Jennie begann, in einem hübschen Täschchen zu kramen, das an einer Silberkette über ihrer Schulter hing.
»Nein, danke. Uns geht es gut. Wir sind auch nicht ganz auf uns allein gestellt.«
»Du meinst deinen Onkel?«
Louisas Miene verdüsterte sich, trotzdem zwang sie sich erneut zu einem Lächeln. »Ja. Ach, es wird schon wieder – was rede ich … eigentlich geht es uns gut. Kommt, gehen wir ein Stück. Wo müsst ihr denn hin?«
»Ich bringe Nancy nach Hause, und dann treffe ich mich mit Richard und ein paar Freunden zum Tanzen im 100 Club. Warst du schon mal da? Wenn nicht, musst du’s unbedingt nachholen. Da ist immer eine Menge Trubel, und Richard ist ein echter Draufgänger. Wahrscheinlich hat er mich deswegen auch geheiratet.« Sie senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. »Na ja, ich bin eben auch keine ganz normale Ehefrau.«
»Stimmt, Leute aus unseren Kreisen passen eigentlich gar nicht in solche Gesellschaft. Aber du warst eben auch immer mehr eine Lady als wir anderen. Ich kann mich noch genau erinnern, dass du immer ein gestärktes Nachthemd tragen wolltest. Hast du meiner Mutter nicht mal Stärke aus dem Schrank geklaut?«
Jennie schlug sich eine Hand vor den Mund. »Ja! Das hatte ich ganz vergessen! Ich wollte ihre Gehilfin sein, und sie hat mich lauthals ausgelacht.«
»Wäscherinnen haben keine Gehilfen«, sagte Louisa. »Auch wenn ich Ma oft unter die Arme greife. Und im Stopfen bin ich inzwischen ein echtes Ass, ob du’s glaubst oder nicht.«
Die ganze Zeit ruhten Nancys grüne Augen auf ihnen, und Louisa fragte sich, ob es in Ordnung gewesen war, dass sie auf Jennies alles andere als adelige Herkunft angespielt hatte; aber Jennie war eine so miserable Lügnerin, dass Nancy es wahrscheinlich ohnehin wusste. Jedenfalls war Jennie keinerlei Verlegenheit anzumerken.
»Deine Ma arbeitet also noch?« Mitfühlend sah Jennie sie an. »Aber dein Dad fegt keine Schornsteine mehr, oder?«
Louisa schüttelte den Kopf. Ihr Vater war vor ein paar Monaten gestorben, aber sie wollte nicht darüber reden.
»Mr Black und Mrs White haben wir sie immer genannt, weißt du noch?«
Die beiden jungen Frauen kicherten und steckten die Köpfe zusammen – einen Augenblick lang waren sie wieder die Schulmädchen mit Zöpfen von einst.
Über ihnen funkelten jetzt die Sterne am dunklen Firmament, doch mit den Straßenlaternen konnten sie nicht konkurrieren. Automobile knatterten über die Straße; ununterbrochen drückte jemand auf die Hupe, sei es aus Ärger über einen langsamen Wagen oder weil er jemanden freundlich grüßte. Passanten mit vollgepackten Einkaufstüten stießen mit ihnen zusammen und schimpften leise über die drei Mädchen, die den Gehsteig blockierten.
Jennie sah auf ihre Armbanduhr. »Wir müssen uns sputen. Aber wollen wir uns nicht mal wieder treffen? Ich kriege meine alten Freundinnen kaum noch zu Gesicht.«
»Ja, gern«, sagte Louisa. »Das wäre schön. Ich wohne immer noch zu Hause – du weißt ja, wo. Viel Spaß noch heute. Und frohe Weihnachten! Ich freue mich für dich!«
Jennie nickte. »Danke, Louisa. Dir auch frohe Weihnachten.«
»Frohe Weihnachten.« Nancy winkte, und Louisa winkte zurück.
Jennie und Nancy wandten sich ab und gingen die King’s Road hinunter, während sich die Menschenmassen vor ihnen teilten wie einst vor Moses das Rote Meer.

 

Kapitel 2


Weihnachten war für Louisa bisher eine willkommene Abwechslung vom winterlichen Alltag gewesen, doch diesmal brachten ihre Mutter und sie es nicht über sich, ihre kleinen Traditionen aufrechtzuerhalten. Sie hatten darauf verzichtet, die Wohnung zu dekorieren, und auch keinen Tannenbaum vom Markt geholt. »Weihnachten ist ja ohnehin nach zwei Tagen vorbei«, hatte Ma gemurmelt.
Und folglich hatten sie so getan, als sei es ein ganz normaler Donnerstag. Ihr Onkel Stephen hatte bis Mittag geschlafen und seine am Kamin sitzende Nichte und ihre Mutter – Louisa las Jane Eyre, ihre Ma strickte an einem dunkelgrünen Pullover – mit einem kaum hörbaren »Frohe Weihnachten« bedacht, bevor er in die Küche schlurfte, um sich ein Bier zu holen.
Stephens Hund Socks, ein langbeiniger, schwarz-weißer Mischling mit seidigen Ohren, hatte es sich zu Louisas Füßen bequem gemacht; er schien noch am ehesten in weihnachtlicher Stimmung zu sein.
Als Stephen sich in den Ohrensessel fallen ließ, nahm Winnie eine Masche wieder auf und rückte ein bisschen näher ans Feuer. »Zum Abendessen gibt es Schweinebraten.« Sie wandte sich ihrem Schwager zu. »Und Mrs Shovelton hat mir einen kleinen Weihnachtspudding geschenkt.«
»Diese verdammten Snobs«, gab Stephen zurück. »Haben sie dir jemals eine halbe Krone extra gegeben? Wäre um einiges nützlicher als ein elender Weihnachtspudding.«
»Mrs Shovelton war immer gut zu mir. Du weißt genau, dass ich mir zwei Wochen freinehmen musste, als dein … als Arthur …« Winnies Stimme brach, und sie senkte den Blick, rang nach Luft und versuchte, die Fassung zu bewahren. Ihre Verzagtheit hatte in letzter Zeit zugenommen, und nicht alle ihrer Auftraggeberinnen hatten Verständnis dafür, wenn sie ihre Wäsche einen Tag später als vereinbart zurückerhielten.
»Schsch, Ma«, sagte Louisa. »Es war sehr nett von Mrs Shovelton. Und ich glaube, ich kann auch ein paar Münzen beisteuern.« Sie warf ihrem Onkel einen finsteren Blick zu, der verdrossen mit den Schultern zuckte und einen Schluck von seinem Bier nahm.
Gott sei Dank hatte Stephen nach dem Schweinebraten mit Kartoffeln verkündet, dass er sich in den Ohrensessel zurückziehen und ein Verdauungsschläfchen halten würde. Louisa und ihre Mutter bemühten sich, doch noch so etwas wie Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, und machten sich über den Pudding her. Allerdings hatten sie keinen Brandy zum Flambieren. Kurz überlegten sie, ob es auch mit einem Schuss Bier gehen würde, ließen es dann aber lieber bleiben.
»Frohe Weihnachten, Ma«, sagte Louisa und hob ihren Löffel. »Auf Dad, ja?«
In Winnies Augen standen Tränen, aber sie lächelte. »Ja, Schatz. Auf Dad.«
Sie hatten den Pudding gegessen, ohne Stephen etwas übrig zu lassen, dann abgeräumt und sich in der engen Küche die Arbeit geteilt. Sie verstanden sich blind – Louisa machte den Abwasch, Winnie trocknete ab. Nach dem Nickerchen nahm Stephen seinen Mantel und verkündete, er würde noch in den Pub gehen; Socks folgte ihm auf dem Fuß, und Sekunden später fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss. Mutter und Tochter verrichteten stumm ihre Arbeit und gingen schließlich um 21 Uhr zu Bett. Durch die Wände hörten sie, wie die Nachbarn den Refrain von Good King Wenceslas anstimmten, dem noch viele weitere folgen würden.
Stunden später erwachte Louisa aus unruhigem Schlaf, als sie Stephens Hand an ihrer Schulter spürte.
»Was ist?«, flüsterte sie so leise wie möglich, um ihre Ma nicht zu wecken, die neben ihr schlief. Sie überlegte, ob jemandem etwas zugestoßen war – etwa Mrs Fitch von nebenan, die vor ein paar Jahren auf ihre alte Katze aufgepasst hatte, als sie für eine Woche in Weston-super-Mare gewesen waren? Oder Mrs Shovelton? Aber falls ja, konnte das nicht bis morgen warten? Ihre Großeltern waren allesamt lange tot – eine »süße Überraschung« hatten ihre Eltern Louisa genannt, denn sie waren bei ihrer Geburt bereits vierzig und sechsundvierzig Jahre alt. Aber Stephen legte den Zeigefinger an die Lippen – wobei er Mühe hatte, die Mitte zu treffen – und zerrte sie grob aus dem Bett.
»Ich komme ja schon«, flüsterte sie halblaut und rieb sich die Augen. Ihre Mutter regte sich im Schlaf und stieß einen rasselnden Seufzer aus. Schließlich schlurfte Louisa in die Küche zu Stephen. »Was ist los?«
»Im Wohnzimmer wartet ein Mann auf dich«, sagte Stephen. »Er will dich kennenlernen und erlässt mir ein paar kleine Schulden für die Gefälligkeit.« Er grinste. »Also, sei nett zu ihm.«
»Was? Ich verstehe nicht.«
»Geh rüber, dann kapierst du’s schon. Los jetzt.« Er schubste sie Richtung Wohnzimmer wie einen Hund, der ihn um einen Knochen anbettelte.
Im selben Augenblick begriff Louisa, was er wollte. »Nein! Nein. Lass das, oder ich sage es Ma.«
Seine große, flache Hand klatschte mit einer derartigen Wucht mitten in ihr Gesicht, dass Louisa um ein Haar auf ihren nackten Füßen ausgerutscht wäre. Ihr Hausmantel fiel lose um ihr Nachthemd, während sie das Gleichgewicht zu halten versuchte und die Hand nach dem Küchentisch ausstreckte, als sie der zweite Schlag traf, diesmal sein Handrücken. Ein scharfer Schmerz schoss durch ihren Kiefer, und ihre Wange brannte wie Feuer. Ihre Kehle war rau, auch wenn ihr keine Tränen kamen.
»Deine Mutter braucht nichts davon zu erfahren. Sie hat schließlich schon genug Sorgen, oder? Und jetzt mach dich nützlich – ich sag’s nicht noch mal.«
Louisa musterte ihren Onkel kalt. Mit einer knappen Bewegung des Kinns deutete er zur Tür. O nein, dachte sie, so weit sind wir also gekommen.
Stephen war als Einzigem aufgefallen, dass sie kein Kind mehr war. Ein oder zwei Mal hatte er nebenbei bemerkt, sie sei nicht »bloß einfach hübsch«, und natürlich hatte sie sich geschmeichelt gefühlt. Erst jetzt ging ihr auf, was er wirklich damit gemeint hatte.
Sie raffte den Hausmantel eng um sich und band den Gürtel zu. Dann wandte sie sich um, betrat das Wohnzimmer und schloss leise die Tür hinter sich, um ihre Mutter nicht zu wecken.
Vor dem Kamin, dessen Feuer längst erloschen war, stand ein Mann, der ihr schon das eine oder andere Mal begegnet war, als sie Stephen zum Abendessen aus dem Pub geholt hatte: Liam Mahoney. Ihre Kehle war wie zugeschnürt.
Seine Augen waren zu Schlitzen verengt, seine Lippen entschlossen aufeinandergepresst. Sie blieb an der Tür stehen – solange sie die Hand am Knauf hatte, würde ihr nichts passieren, dachte sie.
Im Halbdunkel des Zimmers schien sie alles mit geschärften Sinnen wahrzunehmen. Sie roch seinen schalen Bieratem, den Schweiß, der aus jeder Pore seines Körpers drang, und es kam ihr vor, als könne sie sogar den Dreck unter seinen Fingernägeln riechen. Hinter der Tür hörte sie ein leises Scharren: Stephen, der sie belauschte.
»Komm her, Kleine.« Liams Hand wanderte zu seinem Gürtel, dessen Messingschnalle im Halbdunkel schimmerte.
Louisa bewegte sich nicht vom Fleck.
»Musst wohl erst noch Benehmen lernen, was?«
Louisa ballte die Finger so fest zusammen, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.
Sein Tonfall wurde freundlicher. »Du brauchst keine Angst zu haben. Ich will dich nur mal anschauen. Mit deinem Gesicht könntest du ’ne Stange Geld verdienen, ist dir das klar?« Er lachte leise, während er auf sie zutrat und die Hand ausstreckte. Louisa zuckte zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Sie schauen sich gar nichts an«, gab sie zurück. »Lassen Sie mich in Ruhe. Wenn Sie mich anfassen, schreie ich.«
Der Mann gab ein bellendes Lachen von sich. »Schsch. Ist doch nicht nötig, das Theater. Hör zu, Kleine.« Er senkte die Stimme und beugte sich zu ihr. Erneut stieg ihr der Geruch von Alkohol und Schweiß in die Nase, und sie schloss die Augen. »Dein Onkel schuldet mir Geld. Du brauchst bloß ein bisschen nett zu mir zu sein, dann vergesse ich seine Schulden. Also, wir fahren zusammen runter nach Hastings, und im Handumdrehen bist du wieder zurück. Niemand kriegt etwas davon mit.«
Mit einer Hand stieß Liam sie gegen die Wand. Panik ergriff Besitz von ihr – sie riss die Hände hoch, wollte ihn abwehren, doch er war stärker, packte ihre Handgelenke mit der einen Hand und betatschte sie mit der anderen, die Kurve ihrer Taille, ihrer Hüfte.
Louisa erstarrte. Sie blickte über seine Schulter zum Fenster, durch den Spalt zwischen den Vorhängen, die sich nach all den Jahren nicht mehr richtig schließen ließen. Draußen fiel das gelbe, leicht flackernde Licht einer Laterne auf die leere Straße und den Gehsteig, der von Rissen übersät war, aus denen Grasbüschel wuchsen. Am liebsten hätte Louisa sich in den dunklen Scharten verkrochen.
In diesem Moment ertönte eine Stimme von der Treppe – ihre Mutter rief nach ihr.
Abrupt ließ Liam sie los, und sie rang nach Luft. Er knöpfte seine Jacke zu und schlug den Kragen hoch. »Nur eine Nacht in Hastings«, sagte er. »Das ist wohl nicht zu viel verlangt.«
Sie stand immer noch wie erstarrt da, als er bereits in der Diele war und leises Gemurmel zu ihr herüberdrang. Kurz darauf hörte sie Stephens schwere Schritte auf der Treppe. Und dann herrschte Stille.
Mechanisch setzte Louisa einen Fuß vor den anderen, ging in die Küche und machte sich einen Tee. Sie wärmte die Kanne an, goss Milch in einen Krug und nahm eine Porzellantasse aus dem Schrank. Ihr Vater hatte das blau-weiße Service für ihre Mutter auf dem Portobello Market gekauft, nur wenige Tage vor ihrer Geburt. Was bedeutete, dass die Tasse älter war als sie selbst – also mindestens neunzehn Jahre alt, und die Tasse sah weit weniger angeschlagen aus, als sie sich fühlte.
Erst als sie sich mit dem heißen Tee an den Tisch setzte, gestattete sie sich ein paar Tränen, und auch nicht allzu viele. Sie wischte sie mit dem Handrücken fort und schüttelte den Kopf. So konnte es nicht weitergehen; sie musste sich dringend etwas überlegen. Plötzlich fiel ihr ein, wie Nancy Mitford erzählt hatte, dass ihr Kindermädchen durchgebrannt war. Vielleicht suchten die Mitfords ja immer noch nach einem Ersatz. Jennie wusste bestimmt mehr. In einer der Küchenschubladen fand Louisa Papier und Stift. Und dann schrieb sie den Brief, der, wie sie hoffte, ihrem Leben eine Wende geben würde.

 

Kapitel 3
12. Januar 1920

Schwer bepackt verließen Louisa und ihre Mutter Mrs Shoveltons weiß getünchtes Haus in Drayton Gardens durch den Dienstboteneingang. Louisa hatte sich doppelt so viel aufgeladen, denn ihre Mutter sollte auf keinen Fall mehr als nötig tragen.
Jennie hatte auf Louisas Brief geantwortet und ihr geraten, der Hauswirtschafterin der Mitfords, Mrs Windsor, zu schreiben. Falls Du schon Erfahrung als Kindermädchen hast, wäre es sicher hilfreich, wenn Du das erwähnst, hatte sie hinzugefügt. Es sind insgesamt sechs Kinder. Das war bereits zwei Wochen her. Mrs Windsor hatte sich immer noch nicht gemeldet, und Louisa wusste immer noch nicht, wie sie sich ihrem Onkel entziehen sollte. Mit eingezogenen Köpfen stemmten sie sich gegen den beißenden Wind; die fahle Wintersonne brannte in ihren Nacken, als sie sich auf den Rückweg machten.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erspähte Louisa ihren Onkel; er trug seinen Porkpie-Hut, lehnte an einem Laternenpfahl und rauchte eine Zigarette, die er aber wegwarf, als er sie bemerkte. Socks harrte gehorsam zu seinen Füßen aus. Als er Louisa sah, wollte er zu ihr laufen, doch Stephen pfiff ihn sofort zurück, gab ihm ein Leckerchen und tätschelte ihm den Kopf, ehe er ein nichtssagendes Lächeln aufsetzte. Louisa hielt sich dicht bei ihrer Mutter, den Blick zur Hauptstraße gerichtet, auf der Automobile und Passanten unterwegs waren. Zeugen.
»He«, rief er ihnen hinterher. »Wollt ihr beiden nicht mal Hallo sagen?«
Louisas Mutter wandte sich um und blinzelte ihn erstaunt an. »Stephen? Aber heute ist gar nicht Zahltag.«
»Das weiß ich selber.«
»Und warum bist du dann hier?«
»Man wird ja wohl noch seiner lieben alten Schwägerin und seiner hübschen Nichte einen schönen guten Tag wünschen dürfen«, entgegnete er. Socks trottete hinter ihm her, als er mit ausdruckslosem Gesicht auf sie zukam. Ein Schauder überlief Louisa, und einen Moment kam es ihr vor, als würde sie gleich ohnmächtig werden.
»Ich dachte, ich helfe euch beim Tragen.« Er nahm Louisa den Korb ab. Einen winzigen Augenblick leistete sie Widerstand, doch er entwand ihn ihr mit Leichtigkeit. Ein angedeutetes Lächeln spielte um seine Mundwinkel. »So seid ihr ganz schnell wieder zu Hause.«
Winnie musterte ihn ungerührt und setzte schweigend ihren Weg fort. Stephen trat einen Schritt zurück, als wolle er seinen Mantel vor ihr auf dem Boden ausbreiten wie einst Sir Walter Raleigh vor Königin Elizabeth I. Louisa sah, wie sich die Schultern ihrer Mutter unter der Last des Korbs krümmten, und wollte ihr folgen. Dass ihr Onkel den anderen Korb abgestellt hatte, bekam sie erst mit, als er sie blitzschnell am Ellbogen packte.
»So läuft das nicht, Mädchen«, zischte er leise.
Im selben Moment war Winnie um die Ecke verschwunden und hätte sie über den Motorenlärm und das Hufgeklapper hinweg sowieso nicht mehr hören können. Außerdem wusste Louisa, dass ihre Mutter sich nicht nach ihnen umsehen würde.
»Ich weiß, was du vorhast«, knurrte Stephen.
»Ich habe gar nichts vor. Lass mich los!« Louisa versuchte, sich seinem Griff zu entwinden, doch es war sinnlos. Er zog sie einfach mit sich.
»Du kannst die Wäsche nicht hier stehen lassen!«, fuhr Louisa ihn an. »Wenn sie wegkommt, muss Ma sie bezahlen, und wir kriegen kein Geld. Lass mich wenigstens die Sachen zurückbringen!«
Stephen überlegte kurz, schüttelte aber den Kopf. »Die alte Shovelton findet ihre Wäsche schon. Wir sind ja gerade Mal zehn Meter von ihrer Haustür entfernt.« Aber während er zu dem Korb hinüberblickte, der mitten auf dem Gehsteig stand, hatte er seinen Griff gelockert.
Louisa riss sich los und rannte zu Mrs Shoveltons Haus zurück. Sie war nicht sicher, was sie dort wollte; sie würde garantiert nicht den Mut aufbringen, an der Haustür zu klopfen, ganz davon abgesehen, dass Mrs Shoveltons Butler sie wahrscheinlich nicht erkennen würde, obwohl sie seit sechs Jahren mit ihrer Mutter regelmäßig die Bettwäsche abholte. Und selbst wenn, würde er ihr bestimmt die Tür vor der Nase zuschlagen, weil sie – augenscheinlich keine Bekannte der Familie, sondern eine Bedienstete – vor dem falschen Eingang stand.
Louisa verwarf die Idee also und lief am Haus der Shoveltons vorbei in Richtung einer dunklen gepflasterten Gasse. Dort konnte sie Stephen vielleicht abhängen, vielleicht hatte sie ja sogar das Glück, dass er auf den feuchten Steinen ausrutschte.
Aber sie hatte einen Moment zu lange gezögert, und im selben Augenblick packte Stephen sie an den Handgelenken und riss ihr die Arme in den Rücken. Mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte sie, sich ihm zu entwinden, doch er hielt sie mit einer Hand fest und griff ihr mit der anderen in den Nacken. Beim Anblick seiner nikotinverfärbten Fingernägel drehte sich ihr der Magen um.
»Versuch das nicht noch mal«, zischte er. »Und jetzt komm mit.«
Louisa kapitulierte. Er war größer, stärker und gemeiner als sie, sie hatte keine Chance. Er spürte, wie ihr Widerstand erlahmte, und ließ ihren Nacken los, ohne jedoch ihre Hände freizugeben. Eine Frau auf der anderen Straßenseite, deren Absätze wie die Hufe eines Dressurpferds klapperten, sah kurz zu ihnen herüber, ging dann aber weiter, ohne innezuhalten.
»Braves Mädchen«, sagte Stephen. »Hättest du auf mich gehört, hätten wir uns das sparen können.«
Als wäre er ein Polizist und sie eine Diebin, führte er Louisa die Gasse entlang, die in die Fulham Road mündete, und winkte dort ein Taxi heran. Falls es dem Fahrer seltsam vorkommen sollte, dass ein Kerl in Arbeiterschuhen und einem von Flicken übersäten Wollmantel eine junge Frau in schlichter Kleidung und einen Hund in seinen Wagen drängte, ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken.
»Victoria Station«, sagte Stephen. »Und zwar ein bisschen plötzlich.«

Jessica Fellowes

Über Jessica Fellowes

Biografie

Jessica Fellowes, bekannt durch ihre Begleitbücher zur weltberühmten Serie »Downton Abbey«, arbeitet als Journalistin und Referentin und war früher als stellvertretende Chefredakteurin von Country Life tätig. Sie ist die Nichte von Julian Fellowes, Schauspieler, Romanautor und Verfasser...

Medien zu »Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht«

Pressestimmen

fraugoetheliest.wordpress.com

»Jessica Fellowes hat offenbar das Talent ihres Onkels Julian Fellowes geerbt, die 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nachzuerzählen.«

denglers-buchkritik.de

»Aufregend, überraschend und voll lebendiger Figuren.«

sarahs-buecherregal.blogspot.com

»(…) ein toll recherchierter historischer Roman mit spannenden Figuren, den man gar nicht mehr aus Hand legen kann, wenn es einen erst einmal nach Mitford Manor verschlagen hat. Großartige Unterhaltung, die hoffentlich noch über viele Bände weitergeht.«

buchwinter.de

»Ein Buch mit Tiefgang und Spannung.«

buechermama16.blogspot.com

»Unterhaltsamer historischer Krimi mit einem Hauch von Glamour.«

kielfeder-blog.de

»Jessica Fellowes macht Geschichte lebendig. (…) Sie hat in ›Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht‹ die 20er Jahre für einen Moment wieder zum Leben erweckt.«

fraulehmannliest.com

»Charmant.«

niciswortundtotschlag.wordpress.com

»Jessica Fellows Schreibstil ist sehr bildhaft, atmosphärisch und wortgewaltig. (…) Ein absoluter Pageturner und PERFEKTER Reihenauftakt.«

Westfälische Nachrichten

»Ein fesselndes Gesellschaftsporträt des Englands der ›Roaring Twenties‹ und gleichzeitig ein spannender Kriminalfall: Das Debüt macht Lust auf die Fortsetzungen.«

lesegenuss.blogspot.com

»Ein absolutes Lesehighlight für alle, die Familiengeschichten und historische Romane mögen.«

suechtignachbuechern.de

»Eine schöne Mischung aus historischem Roman und Krimi.«

giselaslesehimmel.de

»Absolute Empfehlung.«

the-passion-of-books.blogspot.com

»Eine packende Familiensaga, die einen großartigen Einblick in das Leben der Mitfords und den Kriminalfall von Florence Nightingale liefert. Ich empfehle das Buch von Herzen gerne weiter!«

tea-and-scones.de

»Ein ideales Buch für Leser, die Lust an historischen Romanen mit dem gewissen Biss haben und es sich zum Schmökern gerne mit einer Tasse Tee und Kuscheldecke gemütlich machen.«

der-duft-von-buechern-und-kaffee.blogspot.com

»Ein spannender und fesselnder Auftakt.«

WDR 4 "Bücher"

»Jessica Fellowes versteht es, das Nachkriegsengland um 1920 wieder auferstehen zu lassen. Dazu die glamourösen Mitford-Schwestern und ein gemeiner Mord. Das ist perfekte Leseunterhaltung für diesen Herbst und macht Lust auf den nächsten Band über die Mitford-Schwestern.«

pigletandherbooks.de

»Der Vergleich zu Agatha Christie ist tadellos, man hat zeitweise, grade wenn der Kriminalfall im Vordergrund steht, wirklich das Gefühl in einem Miss Marple-Fall zu stecken.«

nichtohnebuch.blogspot.com

»Ein echter Page-Turner.«

Kommentare zum Buch

Spannend bis zum Schluss ...
Isabel (engi) am 13.09.2018

Gerade klappe ich das Buch zu und bin noch ganz begeistert! Schon lange habe ich nicht mehr so rumgerätselt wie bei diesem klassischen „Whodunit“, der in den Goldenen Zwanziger Jahren in London spielt. „Unter Verdacht“ ist wohl der erste Band einer Reihe von Jessica Fellowes, die mit jedem neuen Roman den Fokus auf eine andere Mitford Schwester legen wird. In diesem ersten Buch beleuchtet die Autorin die älteste Tochter Nancy, die mit ihren nicht unvermögenden, adligen Eltern zusammen mit fünf Schwestern und einem Bruder in Mitford Manor lebt. Mutter und Vater führen ein recht strenges Regiment aber wie in diesen Familien damals so üblich, übernehmen die eigentliche Pflege und Erziehung der Kinder die Nanny und das Kindermädchen. Neben der ältlichen Nanny Blor wird nun Louisa Cannon diese Aufgabe übernehmen. Schnell entwickelt sich zwischen Louisa und Nancy eine Art Freundschaft, denn Nancy ist doch ein wenig einsam in diesem Haushalt „voller kleiner Kinder“, wie sie sich selbst ausdrückt. Die Beiden werden schließlich in die Aufklärung des Mordes an Florence Nightingale Shore verstrickt und stecken – bevor sie sich’s versehen – knietief im Geschehen und nicht nur einmal an gefährlichen Abgründen. Der Roman, der eine gelungenene Kombination aus Real Life und Fiktion beinhaltet, ist mit seinen kurzen Kapiteln ein Lesegenuss, der einen als Leser nur so durch die Seiten fliegen lässt. Gut gefallen hat mir, dass mich die wahren Begebenheiten in der Geschichte mal wieder zu Internetrecherchen vom Feinsten verführten. Im wahren Leben wurde dieser grausame Mord leider nie aufgeklärt! Ich bin auch über Fotos der Mitford Schwestern gestolpert … wer hier als noch ein wenig tiefer eintauchen möchte … kurzum, ich denke, man merkt, dass ich das Buch gerne gelesen haben und mich schon sehr auf den nächsten Teil freue.

Etwas "am Titel vorbei"
Kerstin Glogert am 09.09.2018

Handlung: Diese gestaltet sich im vorliegenden Roman durchaus schwieriger, als die Inhaltsangabe vermuten lässt. Da ist zum einen und vor allem Louisa, das Kindermädchen der Mitfords. Sie ist die eigentliche Hauptfigur des Romans. Mit ihr erlebt der Leser das Leben Anfang der Zwanziger. Wie die Autorin es im Anhang des Buches beschreibt, wollte sie eine Figur die sich „Upstairs“ und „Downstairs“ bewegen konnte. Danach kommen dann in etwa schon fast gleichrangig für die Handlung Nancy, die älteste der Midford-Schwestern und Guy Sullivan, ein Bahnhofs-Polizist, der im Mordfall Nightingale ermittelt.   Und da bin ich auch schon bei den Handlungssträngen. Aufhänger des Romans ist der Mord an Florence Nightingale Shore. Er zieht sich wie eine Perlenkette durch den gesamten Roman durch, wird aber erst im letzten Drittel des Buches wirklich rasant und interessant.   Dann ist da die Geschichte von Louisa, die Flucht vor ihrem alten Leben und ihrem Onkel, ihre Mithilfe bei der Aufklärung des Mordfalls und natürlich ihr Verhältnis zu Guy.   Und zu guter Letzt gibt es dann doch ein wenig Einblick in das Leben von Nancy Midford und ihrer Familie.   Was hatte ich nun erwartet? Der Inhaltsbeschreibung nach hätte ich jetzt einen guten Krimi im Milieu der Midfords erwartet. Dazu guten Glanz und Glamour der Anfang Zwanziger.   Was habe ich bekommen? Einen absolut soliden und gut geschrieben Gesellschaftsroman der Zwanziger, eingebettet in eine Mordermittlung, die mir aber etwas zu langatmig war. Das Buch ist also nicht schlecht, doch für meinen Geschmack „am Titel vorbei“. Mir ist zu wenig Mitford Manor enthalten und zu viel Innenleben Louisa Cannon.

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