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Die richtige FlughöheDie richtige FlughöheDie richtige Flughöhe

Die richtige Flughöhe

Wie wir Ballast abwerfen und ein besseres Leben führen können

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Die richtige Flughöhe — Inhalt

Bertrand Piccard begeisterte mit seiner Weltumrundung in einem Ballon und vielen weiteren Flugexperimenten. Doch neben seiner ungebrochenen Abenteuerlust, den Himmel zu entdecken, ist Piccard ausgebildeter Psychiater und erforscht seit Jahren und mit großer Leidenschaft das Innenleben der Menschen. In diesem Buch schlägt er einen faszinierenden Bogen von der Fliegerei und seiner Tätigkeit als Psychiater zu den großen Lebensfragen des Menschen nach Sinn, Umgang mit Krisen und dem Tod. Daraus entwickelt Piccard wertvolle Gedankenanstöße und Vorschläge, wie sich jeder Mensch persönlich weiterentwickeln kann. Denn im Leben ist es wie beim Fliegen: Um die Flughöhe zu ändern, muss man Ballast abwerfen, und lernen, auch mal die Kontrolle abzugeben. Denn das Abenteuer Leben beginnt dort, wo Kontrolle aufhört.

€ 25,00 [D], € 25,70 [A]
Erschienen am 09.11.2015
Übersetzer: Dietlind Falk, Lisa Kögeböhn
320 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-492-05701-1
€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 01.08.2017
Übersetzer: Dietlind Falk, Lisa Kögeböhn
320 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31085-7
€ 11,99 [D], € 11,99 [A]
Erschienen am 09.11.2015
Übersetzer: Dietlind Falk, Lisa Kögeböhn
320 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97164-5

Leseprobe zu »Die richtige Flughöhe«

Einführung von Matthieu Ricard

An Bertrand Piccard bewundern wir seit jeher, dass er es geschafft hat, allein durch die Kraft seiner Vorstellung, seine Kreativität, sein Durchhaltevermögen und seinen Mut Träume wahr werden zu lassen. In Die richtige Flughöhe lässt er uns an den Früchten seiner Erkenntnis teilhaben – und dies mit einer erfrischenden Natürlichkeit. Ihm geht es nicht darum, Theorien darüber aufzustellen, wie wir unser Leben am besten planen können. Er berichtet von eigenen Erfahrungen, die ihm heute besonders hilfreich erscheinen und ohne [...]

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Einführung von Matthieu Ricard

An Bertrand Piccard bewundern wir seit jeher, dass er es geschafft hat, allein durch die Kraft seiner Vorstellung, seine Kreativität, sein Durchhaltevermögen und seinen Mut Träume wahr werden zu lassen. In Die richtige Flughöhe lässt er uns an den Früchten seiner Erkenntnis teilhaben – und dies mit einer erfrischenden Natürlichkeit. Ihm geht es nicht darum, Theorien darüber aufzustellen, wie wir unser Leben am besten planen können. Er berichtet von eigenen Erfahrungen, die ihm heute besonders hilfreich erscheinen und ohne Weiteres in die Tat umgesetzt werden können.

Dabei ruft er uns vor allem in Erinnerung, dass alle Unzufriedenheit im Leben hauptsächlich auf dem Fehler beruht, sich die Gegenwart anders zu wünschen, als sie ist. Ein sinnloses Unterfangen. Jeden Tag stehen wir an einer Kreuzung, und alle Wege führen zu einem neuen Ausgangspunkt für eine unvorhersehbare Zukunft, deren inspirierte Architekten wir sein können. Unsere Angst vor dem Ungewissen verblasst, wenn wir die innere Stärke finden, die Unwägbarkeiten des Lebens nicht länger zu bekämpfen. Hierfür, so schreibt Bertrand, müssen wir uns vom Joch unserer vorgefertigten Überzeugungen lösen, denn: »Die meiste Zeit halten uns nicht die Winde des Lebens gefangen, sondern unsere eigene Art zu denken und unsere Existenz zu begreifen.«

Unser Geist kann unser bester Freund oder unser schlimmster Feind sein, und die Qualität jedes gelebten Moments ist eng mit der Art verknüpft, wie wir die Welt wahrnehmen. Ganz gleich, was passiert, wir können die Dinge immer wieder neu erfahren, und es liegt an uns, ob wir sie in ein gutes oder schlechtes Gefühl verwandeln.

Bertrand wehrt sich dagegen, »alles zu kontrollieren, alle Fragen zu beantworten, sich beruhigende Überzeugungen zurechtzustricken und vorgefasste Erklärungen anzunehmen«.

Unsere Kontrolle über äußere Umstände ist begrenzt, flüchtig und häufig sogar illusorisch. So schwer diese Bedingungen auch wiegen: Ob es uns gut oder schlecht geht, hängt häufig davon ab, wie wir unsere Erfahrungen deuten. Wir müssen uns also fragen, welche inneren Voraussetzungen wir erfüllen müssen, um Freude am Leben zu haben, und wie wir sie nähren können. Unsere Weltsicht zu ändern erfordert keinen naiven Optimismus, ebenso wenig wie gekünstelte Euphorie, die nur dazu dient, Gegenwind zu neutralisieren.

»Im Leben«, so Bertrand, »widerfahren uns immer wieder Situationen, die wir nicht ändern können, und doch haben wir gelernt, sie abzulehnen, statt sie zu unserem Vorteil zu nutzen. […] Das chinesische Schriftzeichen für ›Krise‹ macht uns zu ebendieser Mut. Es besteht aus zwei Elementen: Das erste steht für Risiko und Gefahr, während das zweite das Konzept einer Handlung ausdrückt, die man ausführt, oder einer Chance, die man ergreift.« Die Steine, die sich uns in den Weg legen, sind an sich nicht wünschenswert, können aber zu Katalysatoren von Veränderung werden, wenn man sie zu nutzen weiß. Sich von Schicksalsschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen bedeutet nicht, dass sie uns nicht nahegehen oder dass sie uns nichts anhaben können, doch sie verbauen uns nun nicht mehr unser Leben. Von höchster Bedeutung ist es, weder Angst noch Mutlosigkeit die Oberhand gewinnen zu lassen. Shantideva, ein buddhistischer Meister aus dem 7. Jahrhundert, ruft uns dies ebenfalls ins Gedächtnis: »Wenn es eine Lösung gibt, wozu der Unmut? Wenn es keine Lösung gibt, wozu der Unmut?«

Das Gleiche gilt auch für das Leid. Bertrand zitiert eine Studie, in der an Krebs erkrankte Menschen die Frage beantworten: »Hatte der Krebs in irgendeiner Form einen positiven Einfluss auf Ihr Leben oder Ihr Lebensgefühl? Wenn ja, welchen?« Etwa die Hälfte aller Befragten bejahte und gab als positive Aspekte an: ein intensiveres und bewussteres Leben, mehr Verständnis für andere, ein besseres Verhältnis zum Partner, eine verstärkte innerliche wie auch soziale Selbstentfaltung.

Im Buddhismus ist Leid nicht wünschenswert. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass man es sich nicht zunutze machen kann, um menschlich und geistig zu wachsen, wenn das Leid unvermeidbar ist. Der Dalai Lama erklärt es immer wieder: »Tiefes Leid kann unseren Geist und unser Herz öffnen, und so öffnen wir uns unseren Mitmenschen.« Leid kann eine außergewöhnliche Erfahrung sein. Es führt uns den oberflächlichen Charakter unserer Alltagssorgen vor Augen – dass die Zeit unvermeidlich verstreicht, dass wir verletzlich sind –, und vor allem führt es uns vor Augen, was tief in unserem Inneren tatsächlich zählt.

Wie wir diese Wellen des Leids erleben, hängt hauptsächlich von unserer Einstellung ab. Anstatt von ihnen überrascht zu werden und in Trauer zu verfallen, sollte man sich mit ihnen vertraut machen und sich innerlich auf sie vorbereiten, denn sie sind unvermeidbar: Krankheiten beispielsweise oder das Alter und der Tod. Körperliches oder psychisches Leid kann ungeheuer groß sein, ohne deshalb unseren positiven Blick auf unsere Existenz zu brechen. Wenn wir erst einmal einen gewissen inneren Frieden gefunden haben, ist es viel leichter, unsere seelischen Zustände zu halten oder schnell wiederzufinden, selbst wenn wir mit außergewöhnlich schweren äußeren Umständen konfrontiert sind.

Erlangen wir diesen geistigen Frieden ganz einfach dadurch, dass wir ihn uns wünschen? Wohl kaum. Das Leben lässt sich nicht durch reines Wünschen bestreiten. Und so ist der innere Frieden ein seelischer Schatz, den man nicht ohne Anstrengung erlangt. Wenn wir uns jedoch von unseren persönlichen Problemen überrollen lassen, und seien sie auch noch so groß, sorgen wir nur dafür, dass sich unsere Situation verschlimmert und wir für die Menschen um uns herum zur Last werden. Sämtliche Umstände werden dann als Angriff interpretiert, wir wehren uns verbittert gegen unser Los, und das bis zu dem Punkt, an dem wir die Sinnhaftigkeit unserer Existenz anzweifeln. Deshalb ist ein gewisser innerer Friede von essenzieller Bedeutung. Ohne unsere Sensibilität, unsere Liebe und unseren Altruismus aufzugeben können wir uns dann auf die Tiefen unseres Seins verlassen.

Bertrand widmet einen Teil seines Werks der Lösung von Konflikten, indem man die Perspektive seines Gegenübers einnimmt, sich öffnet und Verständnis zeigt, um gemeinsam Lösungen zu finden und eine noch größere Kluft möglichst zu vermeiden. Ein chinesisches Sprichwort sagt, mit einer Hand könne man nicht klatschen. Ebenso wenig kann man sich mit jemandem streiten, der die Konfrontation gekonnt vermeidet. Wohlwollen und innere Ruhe sind die besten Mittel, um aufkommenden Konflikten den Nährboden zu entziehen.

»Die Freiheit«, so Bertrand, »die wirkliche Freiheit liegt nicht darin, alles tun zu können, sondern alles denken zu können. In alle Richtungen zu denken und auf allen Höhen gleichzeitig, grenzenlos.« Schon Mahatma Gandhi sagte: »Die äußere Freiheit, um die wir kämpfen, hängt von unserer inneren Freiheit ab. Wenn dies die richtige Auffassung von Freiheit ist, müssen wir uns vor allem einer Veränderung in uns selbst widmen.«

In den Siebzigerjahren traf ein Tibeter einen alten Meister, den auch ich schon besucht habe, in der Nähe von Darjeeling in Indien. Er erzählte ihm zunächst von all seinen vergangenen Leiden, gefolgt von einer Liste all seiner künftigen Sorgen. Währenddessen wendete der spirituelle Meister vor sich ein paar Kartoffeln auf einem kleinen Grill. Nach einer Weile sagte er zu seinem jammernden Gast: »Was reibst du dich so auf wegen etwas, das vergangen ist, und wegen Dingen, die noch gar nicht existieren?« Verdutzt schwieg der Gast und blieb lange Zeit wortlos bei dem Meister sitzen, der ihm ab und zu eine wohlschmeckende, knusprige Kartoffel reichte.

Innere Freiheit erlaubt es uns, die Schlichtheit des Augenblicks zu genießen, befreit von Vergangenheit und Zukunft. Sich von Erinnerungen nicht einnehmen zu lassen bedeutet nicht, dass man keine nützlichen Lehren aus vergangenen Erfahrungen ziehen kann. Und sich von Zukunftsängsten frei zu machen bedeutet nicht, dass man der Zukunft nicht mehr mit wachem Geist begegnen kann, sondern lediglich, dass man unnötige Ängste vermeidet.

Zu einer solchen Freiheit gehören eine gewisse Geistesgegenwart, Transparenz und Lebensfreude. Sie werden aber durch ständige Sorgen und schlechte Vorstellungen unmöglich gemacht werden. Sie erlauben uns, Dinge mit innerer Ruhe zu akzeptieren, ohne in Passivität oder Schwäche zu verfallen. So lassen sich sämtliche Lebensumstände nutzen, die guten wie die schlechten, da sie uns Raum zum persönlichen Wachstum geben. Wir können vermeiden, dass wir abgelenkt oder arrogant werden, wenn uns das Glück hold ist, oder deprimiert, wenn uns das Leben übel mitspielt. So sind wir, ohne unsere Seelenstärke und unseren inneren Frieden zu verlieren, in der Lage, uns fortwährend dem Wohl anderer Menschen zu öffnen und uns guten Zwecken zu widmen, die jedem Augenblick einen Sinn verleihen.

 

Matthieu Ricard

 

 

Vorwort – Sie, ein Buch und ich

Wie beginnt man ein Buch, das vom Leben erzählen soll?

Nicht von dem Leben, das wir von der Geburt bis zum Tod verleben, ohne uns Fragen zu stellen. Auch nicht von dem alltäglichen Leben voller Gewohnheiten und Sicherheiten, in dem wir uns damit begnügen, nur auf das zu reagieren, was uns stört. Nein. Es soll von einem Leben erzählen, in dem wir verstehen wollen, wohin die Reise geht, unsere Existenz spüren, uns steigern, uns entwickeln wollen; in dem wir das unbestimmte Gefühl haben, dass es irgendwo einen höheren Bewusstseinszustand gibt, der uns zu mehr Leistungsfähigkeit, Intelligenz und Weisheit befähigt; in dem wir uns bemühen, eine harmonischere Beziehung zu einer Welt zu entwickeln, die normalerweise an uns vorüberzieht.

Ich würde Ihnen gern erzählen, was ich von diesem Leben weiß, was mich meine Erlebnisse als Psychiater, Abenteurer und Luftfahrer gelehrt haben.

Ich würde Ihnen gern etwas über Hypnose erzählen, über Kommunikation, Krisenmanagement, Religion, Spiritualität, über all die Dinge, die uns manchmal helfen können, durch die Unwägbarkeiten im Wind des Lebens zu navigieren.

Doch wie finde ich von Anfang an die richtigen Worte, um mich verständlich zu machen und den Leser, der sich häufig bereits beim Überfliegen der ersten Zeilen eine endgültige Meinung bildet, sofort in meinen Bann zu ziehen? Und wie kann ich jemanden in genau dem Gemütszustand berühren, in dem er sich beim Aufschlagen dieses Buches befindet? Wie kann ich es vermeiden, falsche Erwartungen zu wecken?

Wer sind Sie, und wonach suchen Sie in Ihrem Leben?

Sie interessieren sich sicher für Gesundheitstipps, denn wer tut das nicht? Sie wissen vielleicht, dass ich Psychiater bin, spezialisiert auf Hypnose. Sie könnten also hoffen, dies sei ein Buch über Therapiemöglichkeiten.

Wenn Sie Flieger sind, werden Sie mich als Luftfahrer kennen. Sie wissen, dass mir die erste Erdumrundung ohne Zwischenlandung mit einem Ballon, dem Breitling Orbiter 3, gelungen ist und dass ich Solar Impulse ins Leben gerufen habe, ein Projekt mit dem Ziel, die Erde mit einem Solarflugzeug zu umrunden. Sie erwarten also möglicherweise ein Werk, das sich mit der Luftfahrt beschäftigt.

Oder aber einen Abenteuerbericht, schließlich vertrete ich die dritte Generation einer Familie von Forschern, die sowohl die Stratosphäre als auch die Tiefseegräben erobert haben. Der Stratosphärenballon und der Bathyscaph finden allerdings nur in diesem Vorwort Erwähnung …

Die Vorträge, die ich vor Unternehmern halte, könnten Sie zu der Annahme verleiten, ein Buch über Management in den Händen zu halten. Das wäre nicht völlig falsch, mit der Einschränkung, dass es sich in diesem Fall um persönliches und nicht um projektbezogenes Management handelt …

Und wenn Sie eines der Interviews gehört haben, die ich zu meiner spirituellen Suche gegeben habe, stößt dieses Thema Sie entweder ab oder aber Sie brennen darauf, jeden meiner Gedanken zu hören, und sei er auch noch so unbedeutend. Weil meine Gedanken mit Ihren Existenzängsten und religiösen Fragen zu tun haben …

Doch wie schaffe ich es, von alledem etwas anzusprechen, ohne mich auf eins dieser Themen festzulegen? Am liebsten wäre es mir, wenn Sie einfach alles vergessen, was Sie von mir zu wissen glauben, damit Sie entdecken können, was ich denke und warum ich schreibe. Womit ich Ihnen vielleicht sogar neue Schubladen liefere, in die Sie mich stecken können.

Alles hängt natürlich auch von dem Gemütszustand ab, in dem Sie dieses Buch aufschlagen. Wie fühlen Sie sich gerade? Fühlen Sie sich unverwundbar, geschützt durch Ihre Überzeugungen und Gewissheiten? Bemühen Sie sich, nichts an sich heranzulassen, um die Verletzlichkeit zu vermeiden, die mit Sensibilität unweigerlich einhergeht?

Oder aber lassen Sie Ihre ganz eigene Schwachstelle zu, die es Ihnen ermöglicht, Dinge zu hinterfragen, und erlauben ihr, ihre tief greifende und wohltuende Wirkung zu entfalten?

Ich wende mich an Sie in Ihrer ganzen Sensibilität. An das menschliche Wesen, das wir alle in unserem Inneren tragen, mehr oder weniger versteckt oder vergessen, das aber jedes Mal wieder zum Vorschein kommt, wenn wir krank oder verängstigt sind, wenn wir jemanden verlieren, der uns wichtig ist, wenn wir glauben, im Wind des Lebens vom Weg abgekommen zu sein; jedes Mal, wenn wir die Hoffnung verloren haben oder – aber das kommt selten vor – wenn wir uns fragen, woher wir kommen und wohin wir gehen, was wir auf dieser Erde tun, isoliert in einem Winkel des Weltalls, umgeben von Abermillionen von Sternen. Ja, da kann einem wirklich schwindelig werden! Haben Sie Lust, diesen Schwindel zuzulassen, diese Fragen zu leben und herauszufinden, wie Sie sich derart von ihnen erfüllen lassen können, dass Sie auf einmal spüren, wie Sie mit Ihrem gesamten Wesen existieren? Sie können diese Fragezeichen natürlich vergessen und dieses Buch auf der Stelle wieder zuschlagen, um sich zu beruhigen und Ihre Komfortzone wiederherzustellen. Sie können aber auch die Lektüre fortsetzen und herausfinden, wohin sie uns führt, Sie und mich.

Ich schreibe für die Männer und Frauen, die durch bestimmte Erfahrungen in ihrem Leben verletzlich geworden sind, die es wagen, sich anzuhören, was in ihnen und anderen vor sich geht. Für diejenigen, die noch so etwas wie kindliche Unschuld spüren können. Die die Verbindung aufrechterhalten zwischen dem, was sie einmal waren, und dem, was sie einmal werden möchten. Für all jene, die darunter leiden, die Zeit verstreichen zu sehen, ohne zu wissen, warum sie eigentlich am Leben sind. Ich wende mich an diejenigen, die sich freiwillig in einen Zustand der Aufnahmefähigkeit versetzen, der es zulässt, dass man sie in ihrem tiefsten Inneren berührt, jenseits aller Schutzmauern und Sicherheiten, aller Grundsätze und anderer Überzeugungen.

Ist es möglich, sich an alle gleichzeitig zu wenden, ob sie nun auf der Suche nach Therapie, Abenteuer, Forschungsberichten, Managementratschlägen oder Spiritualität sind, und den einfachen Fragen Raum zu geben, die wir so häufig zu umgehen versuchen? Wie können wir unseren Drang nach Selbstverwirklichung am besten ausleben? Mit uns selbst? Mit anderen? Mit dem Leben? Durch die Suche nach dem, was unserer Existenz, dem Leiden und dem Tod einen Sinn gibt?

Ich habe dieses Buch absichtlich mit einer Reihe von Fragezeichen begonnen. Fragen statt Aussagen, Zweifel statt Gewissheiten. Dies mag denjenigen bedrohlich erscheinen, die vergessen, dass Fragen immer Türen öffnen, während Überzeugungen oft Gefängnisse sind, und dass Antworten nur jenen zugänglich sind, die den Mut haben, Fragen zu stellen. Umso besser! Wir kommen nur weiter, wenn wir in Kauf nehmen, dass dieses Unterfangen uns ein wenig aus der gewohnten Bahn wirft.

Sie werden auf den folgenden Seiten also keine in Stein gemeißelten Antworten erhalten, lediglich einige Lösungsvorschläge, die auf meinen Erfahrungen oder denen meiner Patienten oder der Frauen und Männer beruhen, die mich inspiriert haben. Ich lade Sie ein, gemeinsam mit mir einige Gedankengänge zu verfolgen, um zu ergründen, wie unser Leben zu einem bereichernden Abenteuer werden kann.

Und ich würde mich freuen, wenn Sie mir nach der Lektüre von Ihren Eindrücken berichten. Sind einige Passagen womöglich unverständlich, einige Ansichten zu kategorisch, einige Beispiele wenig überzeugend? Zögern Sie nicht, mir mitzuteilen, wie ich mich klarer ausdrücken und hilfreicher für Sie als Leser sein kann. Auf diese Weise schreibe ich mein nächstes Werk mit Ihnen gemeinsam …

 

Bertrand Piccard

changerdaltitude@bertrandpiccard.com

 

 

Gefangen im Wind des Lebens?

Ganz gleich, wie unsere jeweiligen Träume vom Glück und unsere Hoffnungen auf Erfolg auch aussehen mögen, gewisse Ereignisse im Leben treffen uns unvorbereitet und treiben uns wie mehr oder weniger turbulente Winde in Richtung Ungewissheit. Unsere Furcht vor Kontrollverlust führt dazu, dass wir uns an vermeintliche Gewissheiten klammern, dass wir uns gegen jegliche Art der Veränderung wehren und uns ständig abrackern, um zu bekommen, was wir wollen. Macht uns das glücklich?

 

Erste Vorstellungen

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Mich berührt es jedes Mal zutiefst, wenn ich höre, wie ein Kind von seiner Zukunft spricht, als würde sie in jedem Fall in dieser Form eintreten. Kinder unterscheiden nicht zwischen ihren Träumen und Hoffnungen und der Realität einer unbekannten Zukunft. Unabhängig vom Alter stellen sie sich vor, dass sie, »wenn sie einmal groß sind«, einen Beruf ausüben, der ihnen gefällt, dass sie reich, schön und tolle Mütter/Väter und Ehefrauen/Ehemänner sein werden. Sie sagen nicht, »falls« es so kommen sollte – für sie ist alles nur eine Frage der Zeit. Ich finde diese absolute Gewissheit in ihrer Vorstellung, dieses natürlich Urvertrauen, zugleich wunderbar und furchteinflößend. Sie wissen noch nichts von all den Stolpersteinen, die mit der menschlichen Existenz einhergehen: Unfälle, Krankheiten, Gewalt, Missgunst, Ungerechtigkeit. Mich fasziniert ihre Arglosigkeit, ihre zuversichtliche Naivität, die im totalen Gegensatz zu unserer Lebenswirklichkeit steht. Aber sie beunruhigt mich zugleich, denn in diesen frühen Vorstellungen liegt auch der Keim für Enttäuschung, Leid und kommende Desillusionierungen.

Dieselben Befürchtungen wecken in mir Eltern, die sich für ihre Kinder wünschen, dass sie glücklich, intelligent, lebensfroh und kerngesund sein mögen. Voller Zärtlichkeit und Liebe widmen sie sich ihren Sprösslingen und stehen den Abwegen des Schicksals trotz allem gänzlich machtlos gegenüber.

Ist es uns nicht allen früher so gegangen, haben wir nicht alle geglaubt, dass unser Leben genau unseren Vorstellungen entsprechen würde, dass alles im Leben glasklar wäre und die Zukunft ein Klacks? Erinnern Sie sich noch daran? Haben Sie noch Zugang zu diesen kindlichen Gefühlen? Akzeptieren Sie die Gefühle, die heute Ihr Handeln lenken?

So unterschiedlich wir auch sein mögen, vieles haben wir gemeinsam: Wir alle haben Träume und Hoffnungen, wir fühlen uns angesichts der Lebensrealitäten häufig verwundbar, wir hängen schönen Erinnerungen nach und ängstigen uns, weil die Zeit viel zu schnell vergeht.

Was ist aus uns und unseren Ambitionen geworden? Die Zeit ist vergangen und hat uns altern lassen. Wir sind verheiratet, verwitwet, geschieden oder alleinstehend, erfreuen uns guter Gesundheit, sind krank oder haben eine Behinderung. Das Leben hat sämtliche Abstufungen von gut bis schlecht für uns bereitgehalten. Wir haben einen Job oder sind arbeitslos, im Ruhestand, in Führungspositionen oder freischaffend. Wir sind arm oder einsam, oder mit viel Glück durch gute Chancen und harte Arbeit reich oder berühmt geworden. Neigen wir nicht dazu, uns auf Lorbeeren auszuruhen, die uns nur durch Zufall zuteilgeworden sind, oder anderen die Schuld für Enttäuschungen zuzuschieben, die wir durch unsere eigene Blindheit selbst zu verantworten haben? Häufig fragen wir nach dem Sinn der Schicksalsschläge, die uns ereilt haben, oder aber wir ergeben uns ihnen wie gelähmt und voller Fatalismus. All das macht uns glücklich, unglücklich oder gleichgültig, angriffslustig oder resigniert, vielleicht auch betäubt vom Leid.

Die Unschuld von damals ist still und leise dem Realismus gewichen, einer Mischung aus Zufriedenheit und Enttäuschung, Stolz und Frust, Glück und Trauer. Wir nennen das »Reife«. Muss es so sein, dass diese Reife unsere Träume zum Platzen bringt, sobald das Band zerschnitten ist, das uns mit dem Kind in uns verbindet?

Wie konnte es so weit kommen? Was ist in uns und um uns herum passiert, dass sich unsere Hoffnungen im Laufe der Zeit in Luft auflösen, bis es am Ende so scheint, als hätte es sie nie gegeben? Wieso verändern die Welt und das Leben uns so sehr? Diese Frage habe ich mir schon immer gestellt, und in diesem Buch will ich gemeinsam mit Ihnen darüber nachdenken.

Mir scheint, das Problem liegt nicht so sehr im Lauf der Zeit, sondern eher darin, wie der Wind des Lebens weht, wie wir ihm begegnen und vor allem, welche Richtung wir in ihm erkennen. Verstehen wir, wer oder was unsere Schritte lenkt, oder auch nicht? Wissen wir, woher wir kommen, wohin wir gehen und warum?

Bertrand Piccard

Über Bertrand Piccard

Biografie

Bertrand Piccard, geboren 1958, stammt aus der berühmten Forscher-Dynastie der Piccards. Er selbst umrundete 1999 zusammen mit Brian Jones als erster Mensch die Welt in einem Ballon. Ihr Buch »Mit dem Wind um die Welt« wurde ein internationaler Bestseller. Heute hält der gelernte Facharzt für...

Pressestimmen

Berner Zeitung

»Neue Impulse vom Himmelsforscher«

Harvard Business Manager

»Das Buch ist ein Ratgeber an der Schnittstelle von Selbstmanagement, Psychologie und spirituellem Denken – eine ganz eigene, aber unterhaltsame Mischung.«

Inhaltsangabe

Einführung von Matthieu Ricard

Vorwort – Sie, ein Buch und ich

 

GEFANGEN IM WIND DES LEBENS?

Erste Vorstellungen

Der Wind des Lebens

Kontrolle, Kraft und Geschwindigkeit

Die Angst vor dem Ungewissen

Unsere Komfortzone

Das Joch der Weltanschauung

Kämpfen oder loslassen?

 

KONTROLLIEREN … NUR WAS?

Sich selbst kontrollieren?

Die Philosophie des Risikos

Der menschliche Computer

Zu sich kommen

 

BESSER FUNKTIONIEREN OHNE KONTROLLE?

Wie sollte man heilen?

Das Ungewisse schätzen lernen

Das Abenteuer ist eine Geisteshaltung

Kein Zurück

 

STRESS ODER FATALISMUS?

Sich gegen den Wind stemmen?

Die Situation annehmen

Die Situation verstärken

 

WIE KÖNNEN WIR BALLAST ABWERFEN?

Verändern, was sich verändern lässt

Ballast abwerfen

Das Gegenteil unserer Gewohnheiten

Die Freiheit, alles zu denken

Pioniergeist

Die Bienen und die Wespen

Ein bisschen Provokation?

 

WELCHE REALITÄT?

Die anderen sind unsere Projektionsfläche

Eine Beziehung baut sich auf

1 + 1 ergibt selten 2

1 + 1 = 3

Über die eigenen Gefühle sprechen

Erfahrungen teilen

Unendlich viele verschiedene Realitäten

Drei Werkzeuge: Metapher – Umdeutung – Metakommunikation

Sprachliche Perversionen

Win-win

 

HYPNOSE: METHODE ODER PHILOSOPHIE?

Jenseits des Spektakulären

Ein ganz natürliches Phänomen

Sich in Trance versetzen

Der Safe Place

Trance atlantisch

Sich selbst beobachten

Das Leid verwässern

Graduelle Veränderungen

Die zeitliche Regression

Von einem Trauma geheilt werden

Die zeitliche Progression

Negative Hypnose

Eine andere Umgangsweise

Mit dem Problem gehen

Die Bedeutung des Paradoxen

Ganzheitliche Heilung

Meteorologe der Therapie

 

WOFÜR SIND KRISEN GUT?

Ein gewisses Maß an Stress ist vorteilhaft

Zu viel Stress wirft uns aus der Bahn

Stecken bleiben und um sich schlagen

Welche Fragen sollte man sich stellen?

Streben nach einem besseren Gleichgewicht

Neue Fähigkeiten entwickeln

Befreiung aus festgefahrenen Situationen

Krise und Chance

Das Leid annehmen?

 

GIBT ES EINE PÄDAGOGIK DER SCHICKSALSSCHLÄGE?

Das Leid – ein Tabu?

Sinn und Leid

Was lernen wir aus dem Leiden?

Annäherung an das Wesentliche

Psychiatrie und Religion

Die Kluft zwischen Psychiatern und Patienten

 

RELIGION ODER SPIRITUALITÄT?

Der Wunsch nach Erkenntnis

Zu viele Dogmen

Häresie

Jenseits der Religionen

Die Welt ist dualistisch

Die Gnade

Zweifel und Spiritualität

Der Sinn von Ritualen

 

GIBT ES EINE ANDERE WELT?

Eine Welt, die über uns hinausgeht

Zwischen Masse und Energie

Die Entscheidung fürs Paradies

Zeichen und Synchronizität

 

ÖKOMANISMUS ALS ZIEL

Die Macht der Kurzfristigkeit

Einen persönlichen Vorteil finden

Die politische Kluft

Ökomanismus

Solar Impulse

Und was ist mit Ihnen?

 

Danksagung

Kommentare zum Buch

Die richtige Flughöhe
Elisabeth Perrez am 28.02.2016

Sehr geehrter Herr Piccard,   Ihr Buch habe ich gestern zufällig in der Buchhandlung gesehen,und darin gelesen. So einiges hat mich sehr angesprochen,dass ich mir hier die Kommentare und Auszüge hier näher angeschaut bzw. gelesen habe: Ich war (bin) begeistert; endlich mal ein gutes Buch ohne Klischee - dachte ich! Und es ist promt gekommen; Warum immer dieses Schwachsinnige "das Alter" (als Substativ!) und noch schlimmer: "Ruhestand" was immer das heisst; ruhen im Stehen,oder umgekehrt.....? Ich hatte mich schon so gefreut ein Buch über lebenslange Weiterentwickung für ALLE (!) in der Hand zu haben. Oft habe ich den Eindruck "im Alter"(als Substantiv!) mutiere man zu einer anderen Spezies.- Übrigens; jedes Lebewesen ist im Alter-in irgendeinem,vom ersten bis zum letzten Tag! So war ich einmal mehr enttäuscht, weil ich der Meinung bin das dass Leben eine lebenslange "Arbeit" und Entwicklung ist. Das ist soo schade um das sonst gut geschriebene Buch!!!   Mit freundlichem Gruss Elisabeth Perrez

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