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Die Kunst, stilvoll älter zu werdenDie Kunst, stilvoll älter zu werdenDie Kunst, stilvoll älter zu werden

Die Kunst, stilvoll älter zu werden

Erfahrungen aus der Vintage-Zone

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Die Kunst, stilvoll älter zu werden — Inhalt

Mit Scharfsinn und Witz porträtiert Susanne Mayer einen Lebensabschnitt und seine Bewohner.

 

Vintage-Jahre! Das ist ein Stoßseufzer der Erleichterung und hat im Ausgang eine Note - der Verblüffung. Vintage? Wie: von gestern? Dieser Schock ist Ausgangspunkt des Buches. Susanne Mayer begibt sich auf Spurensuche danach, was Altern heute bedeutet. Sie erzählt von der ersten Altersbashing-Erfahrung - hat dieser Typ an der Kreuzung »Alte Fotze« gekreischt? -, von Erlebnissen in der Familie - »Du in deinem Alter, Mama?« - oder am Arbeitsplatz: Hat der Kollege impliziert, den Job mache ein Jüngerer besser? Nämlich er?

Neben persönlichen Erfahrungen werden gesellschaftliche Entwicklungen seziert wie die Phantasien von der Optimierung nun auch dieser Lebensphase, die Rentenerwartung der deutschen Mutter oder Erfahrungen von Fremdheit in einer sich beschleunigenden Welt. Fazit: Vintage verlangt Gelassenheit, gegenüber den ehemals heißumkämpften politischen Zielen, den verlorenen Hoffnungen, alten Vorsätzen – Haltung auch gegenüber dem, was kommen mag.

 

€ 20,00 [D], € 20,60 [A]
Erschienen am 01.03.2016
224 Seiten, Hardcover
EAN 978-3-8270-1300-2
€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 03.07.2017
224 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31082-6
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.03.2016
224 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7878-0
»Ein elegantes, witziges, kluges, tröstliches Buch. Zu lesen bei einem Glas Wein. Mindestens. Sterben muss man eh.«
Berliner Zeitung
»Ein echtes Vergnügen, dieses Buch.«
Der Tagesspiegel
»Bei Susanne Mayer gehen Denkstil, Schreibstil und Lebensstill fließend ineinander über. [...]. Ein wunderschönes Buch für alle, die stillvoll älter werden wollen!«
Radio Eins "Die Literaturagenten"
»Persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Entwicklungen zum Thema Älterwerden in unserer heutigen Zeit. Sehr pointiert und mit viel gutem Humor aufbereitet. Ein köstlicher Lesespaß, auch für Leute unter 50! Das Fazit: Die Vintage-Zone verlangt eindeutig nach Gelassenheit.«
Meins
»Wer will schon älter werden? Aber, wenn schon, dann doch wenigstens stilvoll! So entschieden, nimmt Susanne Mayer, Kulturreporterin und Literaturkritikerin der Wochenzeitung 'Die Zeit' das Unvermeidliche an.«
NDR "DAS!"
»Der Titel sagt eigentlich schon alles. Es ist ein sehr leichtes und mit sehr kunstfertiger Feder geschriebenes Sachbuch das einen einfachen biologischen Vorgang zum Anlass hat.«
MDR Figaro
»Susanne Mayer blickt in ihrem Buch 'Die Kunst, stilvoll älter zu werden. Erfahrungen aus der Vintage-Zone' nicht dem Sterben als Abstraktum, sondern den eigenen Verfallserscheinungen ins Auge. Das erfordert Mut.«
Falter
»Vintage-Jahre! Das ist ein Stoßseufzer der Erleichterung und hat im Ausgang eine Note der Verblüffung. Dieser Schock ist Ausgangspunkt der Überlegungen von Susanne Mayer.«
MDR Figaro
»Das Alter: Susanne Mayer beleuchtet neben persönlichen Erfahrungen auch gesellschaftliche Entwicklungen.«
bella
»Von 'Der Kunst, stilvoll älter zu werden' erzählt sehr launig die Zeit-Redakteurin Susanne Mayer in ihrem jüngst erschienenen Buch. Damit geht sie in die Offensive: Das Alter und das Altern zu verstecken, schamhaft das Geburtsjahr nach vorn zu korrigieren: Das war einmal. Frauen von heute definieren sich nicht mehr über die Schönheit, die, wenn sie vergeht, von ihnen nichts mehr übrig lässt.«
Badische Zeitung
»Altern ist ein großes Thema. Und eine komplizierte Angelegenheit. Andererseits gibt es wirklich nicht viele Möglichkeiten, um das Altern herumzukommen. Susanne Mayer, Kulturreporterin und Literaturkritikerin bei der Wochenzeitung 'Die Zeit', ist das Thema Altern jetzt ganz offensiv angegangen und schreibt – sehr unterhaltsam – über ihre 'Erfahrungen aus der Vintage-Zone'.«
Hannoverschen Allgemeinen Zeitung

Leseprobe zu »Die Kunst, stilvoll älter zu werden«

ERSTE KNITTERUNG

Kollisionen
Neulich musste ich sehr lachen, Altern wird so obsessiv! In der Zeitung wurde eine Schauspielerin zum Thema Altern befragt, Überschrift: »Anfang 30«, sie sagte: »Ich bin froh um meine Sommersprossen, weil man meine Falten nicht so sieht!« Meine Falten? Anfang dreißig? Ich wollte gar nicht weiterlesen. Tat es leider doch. Ich las, die Frau ginge jetzt früher ins Bett und sehe morgens trotzdem zerknittert aus. Ich dachte: Liebes! Komm zum Frühstück, dann siehst du meine!
Da stand etwas von einem 26-jährigen Markus, der [...]

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ERSTE KNITTERUNG

Kollisionen
Neulich musste ich sehr lachen, Altern wird so obsessiv! In der Zeitung wurde eine Schauspielerin zum Thema Altern befragt, Überschrift: »Anfang 30«, sie sagte: »Ich bin froh um meine Sommersprossen, weil man meine Falten nicht so sieht!« Meine Falten? Anfang dreißig? Ich wollte gar nicht weiterlesen. Tat es leider doch. Ich las, die Frau ginge jetzt früher ins Bett und sehe morgens trotzdem zerknittert aus. Ich dachte: Liebes! Komm zum Frühstück, dann siehst du meine!
Da stand etwas von einem 26-jährigen Markus, der klagte, er bringe es einfach nicht fertig, sich von seinen Teenie-T-Shirts zu trennen, ja, warum – aus »latenter Angst vor dem Alter«. Im Ernst? Und Ronja von Rönne. Die Autorin ist so jung, dass die Feuilletons sie mit Jahreszahl nennen, wie: »Ronja von Rönne, 23«. Die frische Jungautorin, die auch schon mal als »wohlstandsverwahrlostes Schulmädchen« rüberkommt, las auf einem Literaturwettbewerb einen Text, der vor Alterspanik schon selber Falten warf: »Ich denke daran, wie ich mit meinem Vater auf einem Konzert im Olympiastadion war, und dann denke ich daran, dass mein Vater altern und sterben wird und dass ich das miterleben werde, und ich muss auch sterben, und überhaupt alle, und dann ruft Grönemeyer Bochum, ich komm aus dir, und ich fange an zu schluchzen …«
Was geht ab? – jung gefragt. Es scheint einen hysterischen Rutsch in Richtung Altern zu geben. Womöglich ist es ja so, dass in einer demographisch entgleisenden Gesellschaft, wo der Trend zu immer mehr alten Leuten geht, nun schon die Jugend überrollt wird von dem Alterstsunami und – trendig, wie sie ist, die Jugend – auf den Trend aufspringt und mit den alten Alten jetzt ums Altsein wetteifert.
Brillante Idee. Hätte man selber draufkommen sollen, also früher. Im Alter bella figura zu machen ist natürlich erheblich einfacher, weil man gar nicht alt ist, sondern noch jung und formvollendet. Es besteht leider ein wenig die Gefahr, dass die jungen Alten die echten Alten im Altsein abhängen. Auf Style-Blogs schütteln Jungmodels provozierend ihre grau gefärbten Haare. Girlies stratzen auf Instagram in neuen Omablüschen herum. Embrace your granny! Wer wirklich altert, dem wird natürlich oft ein wenig klamm bei dem Thema.
Der Mann einer Freundin wurde fünfzig, und sie erzählte, er wolle das nicht feiern, offensichtlich ein Fall von echter Alterspanik. Sie regte an, ich möge ihn anrufen und ein wenig aufmuntern. Ich also rufe an, und er sagt pampig: »Und? Wie war dein Fünfzigster?«
Ich wähnte mich zum Zeitpunkt dieses Telefonats Jahrzehnte von fünfzig entfernt. Ich machte darauf aufmerksam, dass ich just over forty liege, und fand Gelegenheit einzuflechten, dass einer meiner Ex in seiner Mail zu meinem vierzigsten Geburtstag geschrieben hatte: »Du bist der Neid aller Vierzigjährigen.« Das war sehr nett von ihm, wenn auch meine Nachfolgerin natürlich zehn Jahre jünger ist als ich, Neufrauen haben meiner Erfahrung nach ein konstantes Alter von zehnjahrejünger. Als ich dann fünfzig wurde, brauchte ich zwei Jahre, um mich dem Fakt zu stellen. Ich feierte meinen fünfzigsten Geburtstag mit 52 Jahren.
Als meine beste Freundin sechzig wurde, fuhr sie mit ihren Lieben nach Wien, weit weg von diesem Sechzigsten. Am Tag des Geburtstags stand ein junger Mann in der Straßenbahn auf und bot ihr seinen Platz an, noch nie hatte ein junger Mann oder irgendein anderer Mensch ihr einen Platz angeboten. Ein schwarzer Tag. Ich hörte es nur von ihrer Tochter, meine Freundin selbst wollte darüber gar nicht reden.
Als ich selber sechzig geworden war, passierte etwas, was ich schon hatte kommen sehen. Mir wurde harsch beschieden, wie klapprig ich jetzt sei. Quasi Schrott. Die Situation war, dass ich, von rechts kommend, links abbiegen wollte – und fast mit einem Auto kollidierte, das mit Schwung aus dieser Nebenstraße auf die Kreuzung rauschte. Hätte mich fast gerammt. Sah aber toll aus, es handelte sich um ein tief geschnittenes, lang gezogenes Cabrio in der Tönung »Pistazie«. Am Steuer saß ein Gunter-Sachs-Verschnitt (der schnittige Gunter, auch schon tot, kennt ihn noch einer?). Der Typ hatte jedenfalls zu langes, zu fettiges Haar und trug dazu ein zu weit aufgeknöpftes Hemd, er brüllte: »Du dumme alte Fotze, du dürftest doch gar nicht mehr fahren, wieso hast du deinen Führerschein nicht längst abgegeben?«
Ein Hass-Ejakulativ! Premiere! Mein erstes Age-Ba-shing. Es stellten sich folgende Fragen: Wir kannten uns gar nicht, wieso also duzte mich der Kerl? Woher so viel Häme gegenüber einer Lady, deren Baujahr dem seiner Karre ähnlich war – ich war so vintage wie sein Cabrio, für das er offensichtlich tief in die Tasche gegriffen hatte. Und dumm? Für Sie immer noch Dr. phil., Sie Arsch. Als er Anstalten machte, sein Auto zu verlassen, winkte ich ein »Heute nicht, Süßer« und gab Gas.
Offene Worte. Sind beim Thema Aging ja selten. Mein Coach sagt in aller therapeutischen Vorsicht, ich sehe »altersangemessen prima aus«. Das sagt auch mein Orthopäde, wenn wir über mein knirschendes Knie sprechen. Wenn ich meinen Friseur auf meine silbrigen Strähnen hinweise und frage, ob es Zeit für eine Tönung sei, sagt Steve, ein cool gestylter Schwarzer: »Auf gar keinen Fall!« So was will man hören. Beim Friseur jedenfalls. Ich liebe es, mit Steve über Girlies abzulästern, denen zu Hairstyling nichts Besseres einfällt als ein kleiner blonder Dutt. Ja, wie Oma ist das denn? Zack, schneidet er meinen Pony ab, ein Dreißig-Jahre-Look, sehr hübsch, noch mal diese junge frische Zahl. Aber natürlich lasse ich mich nicht täuschen. Mein Sohn, der schon seit längerem zwei Kopf größer ist als ich und natürlich auch eine Freundin hat, die einen blonden Dutt trägt, sagte schon, als die Größenverhältnisse noch umgekehrt waren: »Mama, wieso hast du so dicke Adern an den Händen?« Ja, verdammt, wieso? Würde ich auch gerne wissen.
Es ist nicht, dass ich mir keine Mühe gebe. Ich habe eine App mit einem roten Herzchen auf weißem Untergrund, die mir meldet, wie viele Schritte ich hinter mich gebracht habe, und auch noch den Wochendurchschnitt und die monatliche Schritthöchstzahl anzeigt. In Zusammenarbeit mit meinem Hund halte ich mich auf Trab. Wir schaffen die von medizinischer Seite dringlich empfohlenen 10 000 Schritte mit links und kommen gelegentlich auf 10 bis 12 Kilometer am Tag. Ich trinke in Maßen, Rotwein, schon als vorbeugende Maßnahme gegen erste Verkalkungen der Halsarterie.
Ich finde es schön, dass es so angenehme Dinge wie Rotwein gegen Altern gibt, und habe mir vorgenommen, von meinem Hauswein Palazzo Antinori aus auszuschwärmen und so einiges durchzutesten. Auch Gin soll gut sein gegen das Altern, ich folge der Queen auf Twitter, fast jeden Tag gegen 17 Uhr heißt es: Gin o’clock! Die Königin von England ist auf diese Weise 89 Jahre alt geworden, ihre Queen Mom war auch eine Gin-Expertin und brachte es auf 102 Jahre, gerne würde ich im Buckingham Palace nachfragen, ob man aus hofprotokollarischen Erwägungen stets bei Beefeater geblieben ist oder auch mal Old-Raj-Gin probiert hat, zartes Safran-Aroma und im Ausklang Koriander, Zitrone und Orange sowie gemahlene Mandel, eine geschmackvolle weiche Erinnerung an das alte Empire. Womöglich aber politisch nicht korrekt?
Als mir die erste Krampfader drohte, oberhalb des linken Knies, übrigens lange bevor Söhne ein Thema waren, habe ich jeden Morgen stramme Fitnessübungen hingelegt, selbst in diesem heißen Sommer auf den Kykladen stand ich morgens am Fenster mit Blick auf die schroff gezackte weiße Felsenküste, die seit Odysseus’ Zeiten in der Sonne liegt und offensichtlich weder nachgibt noch irgendwie schwächelt oder hässlich nachpigmentiert, und schwenkte mein Bein, vor und zurück und vor und zurück, vor, zurück, vor, zurück. Das half, bis ich vor einigen Jahren dann eben doch beim Doktor um ein Venenstripping bat. Man will sich ja am Strand noch zeigen und nicht unter einer Burka Zuflucht suchen.
Alter kann sehr hintertückisch sein. Kommt in Schüben, sagte meine Mutter. Schlägt zu, wenn niemand Böses ahnt. Ich habe Freundinnen, die vom ersten Schub erwischt wurden, als sie dreißig waren, und sich seitdem die Haare färben. Ich kenne junge Männer, die noch vor dem ersten Kind die letzten Haare verlieren. Mein Hund, Farbe Zobel (schwarzbraune Decke über fedrig goldblondem Beinbehang), hatte schon mit einem Jahr die erste weiße Strähne, dort, wo sich im Nacken die Locken so niedlich professoral wellen. Er wird jetzt auch um die Schnauze herum etwas silbrig. Meine Kollegin Uschi sagt, das mache nichts, Jugend sei bei diesem Hund Charakter und würde bestimmt nie vergehen. Das ist natürlich unser aller Hoffnung! Aber sie trügt. Man kann die Leute verwirren, aber irgendwann ist der Punkt erreicht, wo die Karten auf dem Tisch liegen. Neulich, am International Newark Airport, New Jersey, beugte sich eine dralle Schwarze, so eine mit einem festen runden Arsch, mir entgegen und sagte: »Honey, don’t misunderstand me. You do look good!« – Tatsache sei aber, wenn ich mich für das Seniorenticket für den Manhattan Transfer entscheiden könnte, hätte ich schon 2,50 Dollar gespart, bevor ich Manhattan auch nur erreicht hätte. Dröhnendes Lachen, als wären wir bei einer Gospel-Vorführung. Was bleibt einem übrig, als betont fröhlich einzustimmen?
Vor einigen Monaten, es war schon wieder Geburtstag, ich versuchte, ihn wie immer stilvoll über die Bühne zu bringen, Crémant in der Rosé-Variante und ähnlicher Schnickschnack, erzählte ich dem Kind stolz, eine Kollegin hätte gesagt, die 63 sehe man mir wirklich gar nicht an. »Kein Wunder, Mama«, sagte das Kind trocken, »du bist ja auch erst 62 geworden.« Ja, so reiht sich plötzlich eine Niederlage an die nächste.
Es altern natürlich nicht nur Frauen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Angst vor dem Altern gerade Männern im Nacken sitzt, zu deren Genderausstattung es ja immer noch ein wenig gehört, keine Angst zu haben. »Ein betagter Mann ist ein klägliches Etwas, / ein zerfetzter Mantel auf einem Stock, es sei denn, / die Seele klatsche in die Hände und singe und singe lauter, jedem Fetzen in ihrem sterblichen Gewand zum Trotz.« William Butler Yeats, der größte aller irischen Dichter! Yeats ist im Geiste stets ein waghalsiger Revolutionär geblieben, aber beim Thema Alter war er im Sound wie in diesem Gedicht »Segeln nach Byzanz« doch etwas wehleidig.
Der erste Satz dieses berühmten Gedichts lautet: »Das ist kein Land für alte Männer«, er wurde zum Inbegriff dieses Gefühls der Entfremdung, das sich nicht nur in einem älteren Mann verhakeln kann: »Die Jungen / einander in den Armen, Vögel in den Bäumen / – jene sterbenden Geschlechter – bei ihrem Lied / die Lachsfälle, die makrelenreichen Meere, / Fisch, Fleisch oder Vögel preisen den ganzen Sommer …« Das hat den Sound von: Alle balgen sich inmitten eines glorreichen Sommers, der das Leben ist, aber man selbst ist aus dieser glorreichen Zeit herausgefallen.
Ja, man spürt gelegentlich eine Erstarrung, und sei es nur in den Knien. Man wählt den flachen Schuh statt der roten High Heels aus Straußenleder. Ich habe mittlerweile eine sehr hübsche Sammlung von flachen Schuhen. Gerade habe ich ein kleines Vermögen für einen in der Schweiz genähten Schuh in Taupe hingelegt, eigentlich nur, weil mich das Label an die Bergmassive erinnert, die trotz extremer Fältelung unerschütterlich den Zeitläuften trotzen, seit Millionen von Jahren. Aber da ist so eine Neigung, es sich abends zu Hause bequem zu machen. Plötzlich ertappt man sich, wie man nächtens auf medizinischen Online-Portalen rumhängt und sich beim Thema verklumpende Faszien festgelesen hat, von dort flüchtet man sich wieder in die erste Mad Men-Staffel. Wie süß Betty & Co. aussehen, in diesen tollen Vintage-Klamotten.
Vintage wird jetzt so eine Haltung dem Leben gegenüber, die wie bei Yeats ein wenig sentimental ist und sich zugleich aber den schönen Dingen des Lebens entschieden zuneigt. Man guckt Mad Men und beschließt, nach der Flasche Old-Raj-Gin doch mal The Botanist zu probieren. Oder das süße Monkey-Label? Das wird zu viel? Da ist nun eine Dringlichkeit von wann, wenn nicht jetzt! Etwas Letztes bricht an, und wenn es auch nur die letzte Wanderung über die St.-Oswald-Scharte wäre, E 5, letzte Strecke vor Bozen. Es ist da jetzt etwas, was man nicht wirklich zu Ende denken mag. Man lebt ja noch. Man möchte das ganz langsam ausleben, das, was jetzt ist, so wie man während des Lesens eines tollen Buches sacht auf die Bremse geht, damit es nicht so schnell aus ist.

Susanne Mayer

Über Susanne Mayer

Biografie

Susanne Mayer, geboren 1952, ist Kulturreporterin und Literaturkritikerin der Wochenzeitung »Die Zeit«, in deren Feuilleton ihre freche Kolumne »Männer!« erscheint. Für ihre Arbeiten wurde sie 1985 mit dem Theodor-Wolff-Preis sowie 1990 und erneut 1994 mit dem...

Medien zu »Die Kunst, stilvoll älter zu werden«

Pressestimmen

Berliner Zeitung

»Ein elegantes, witziges, kluges, tröstliches Buch. Zu lesen bei einem Glas Wein. Mindestens. Sterben muss man eh.«

Der Tagesspiegel

»Ein echtes Vergnügen, dieses Buch.«

Radio Eins "Die Literaturagenten"

»Bei Susanne Mayer gehen Denkstil, Schreibstil und Lebensstill fließend ineinander über. [...]. Ein wunderschönes Buch für alle, die stillvoll älter werden wollen!«

Meins

»Persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Entwicklungen zum Thema Älterwerden in unserer heutigen Zeit. Sehr pointiert und mit viel gutem Humor aufbereitet. Ein köstlicher Lesespaß, auch für Leute unter 50! Das Fazit: Die Vintage-Zone verlangt eindeutig nach Gelassenheit.«

NDR "DAS!"

»Wer will schon älter werden? Aber, wenn schon, dann doch wenigstens stilvoll! So entschieden, nimmt Susanne Mayer, Kulturreporterin und Literaturkritikerin der Wochenzeitung 'Die Zeit' das Unvermeidliche an.«

MDR Figaro

»Der Titel sagt eigentlich schon alles. Es ist ein sehr leichtes und mit sehr kunstfertiger Feder geschriebenes Sachbuch das einen einfachen biologischen Vorgang zum Anlass hat.«

Falter

»Susanne Mayer blickt in ihrem Buch 'Die Kunst, stilvoll älter zu werden. Erfahrungen aus der Vintage-Zone' nicht dem Sterben als Abstraktum, sondern den eigenen Verfallserscheinungen ins Auge. Das erfordert Mut.«

MDR Figaro

»Vintage-Jahre! Das ist ein Stoßseufzer der Erleichterung und hat im Ausgang eine Note der Verblüffung. Dieser Schock ist Ausgangspunkt der Überlegungen von Susanne Mayer.«

bella

»Das Alter: Susanne Mayer beleuchtet neben persönlichen Erfahrungen auch gesellschaftliche Entwicklungen.«

Badische Zeitung

»Von 'Der Kunst, stilvoll älter zu werden' erzählt sehr launig die Zeit-Redakteurin Susanne Mayer in ihrem jüngst erschienenen Buch. Damit geht sie in die Offensive: Das Alter und das Altern zu verstecken, schamhaft das Geburtsjahr nach vorn zu korrigieren: Das war einmal. Frauen von heute definieren sich nicht mehr über die Schönheit, die, wenn sie vergeht, von ihnen nichts mehr übrig lässt.«

Hannoverschen Allgemeinen Zeitung

»Altern ist ein großes Thema. Und eine komplizierte Angelegenheit. Andererseits gibt es wirklich nicht viele Möglichkeiten, um das Altern herumzukommen. Susanne Mayer, Kulturreporterin und Literaturkritikerin bei der Wochenzeitung 'Die Zeit', ist das Thema Altern jetzt ganz offensiv angegangen und schreibt – sehr unterhaltsam – über ihre 'Erfahrungen aus der Vintage-Zone'.«

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