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Die Kompanie der Oger

Die Kompanie der Oger

Sterben und sterben lassen!

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Die Kompanie der Oger — Inhalt

Never Dead Ned hat eine äußerst lästige Angewohnheit – er kann nicht sterben! Dies bringt ihm einen unerwünschten Job ein: Er soll die Oger-Kompanie befehligen, den am meisten verwahrlosten Haufen der Welt. Zur Truppe gehören nicht nur der schüchterne Ork Gabel, sondern auch Baumwesen, Totengräber und ein blindes Orakel, das die Zukunft vorherriechen kann. Und während sich Amazonen und Sirenen einen unerbittlichen Kampf um Neds Zuneigung liefern, ist diesem ein Dämonenkönig auf den Fersen, um den Weltuntergang einzuläuten.

Erschienen am 14.05.2013
Übersetzer: Karen Gerwig
416 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96288-9

Leseprobe zu »Die Kompanie der Oger«

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Sein Name war Never Dead Ned, doch das war nur ein Spitzname. Er konnte sterben. Er war dem Tod neunundvierzig Mal begegnet, und neunundvierzig Mal war er aus dem Grab wieder auferstanden. Wenn sich die Leute auch, nachdem sein Ruf sich verbreitet hatte, nicht länger die Mühe machten, ihn zu begraben. Sie warfen seine Leiche einfach in eine Ecke und warteten darauf, dass er wieder auferstand. Und das tat er stets. Aber jeder Tod nahm sich ein Stück von ihm, fügte seinen Gelenken einen weiteren Schmerz hinzu, ließ ihn etwas mehr Schwung verlieren. Und [...]

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Sein Name war Never Dead Ned, doch das war nur ein Spitzname. Er konnte sterben. Er war dem Tod neunundvierzig Mal begegnet, und neunundvierzig Mal war er aus dem Grab wieder auferstanden. Wenn sich die Leute auch, nachdem sein Ruf sich verbreitet hatte, nicht länger die Mühe machten, ihn zu begraben. Sie warfen seine Leiche einfach in eine Ecke und warteten darauf, dass er wieder auferstand. Und das tat er stets. Aber jeder Tod nahm sich ein Stück von ihm, fügte seinen Gelenken einen weiteren Schmerz hinzu, ließ ihn etwas mehr Schwung verlieren. Und Ned lernte so auf die harte Tour, dass es Schlimmeres gab als zu sterben.

Immer und immer wieder zu sterben. Zum Beispiel.

Ned war nicht sonderlich am Leben interessiert, aber er tat verdammt noch mal sein Möglichstes, um zu vermeiden, ein weiteres Mal ums Leben zu kommen. Nicht, bevor er es schaffte, es richtig zu machen. Nicht, bevor er mit absoluter Sicherheit wusste, dass er tot bleiben würde. Für einen Soldaten bedeutete die Furcht vor dem Tod im Normalfall das Ende der Karriere, aber Ned hatte eine Stelle in der Buch­ haltungsabteilung der Unmenschlichen Legion gefunden. Es war nichts Großartiges. Nur Münzen zählen. Es wurde zwar schlecht bezahlt, war aber relativ sicher. Nun, so sicher etwas sein konnte, wenn dein Abteilungsleiter den strikten Grundsatz hatte, jeden zu fressen, dessen Bücher mehr als dreimal im Monat nicht stimmten.

Krieg war das Geschäft der Legion – und die Geschäfte waren gut gelaufen, bis vor vierhundert Jahren, als es die verschiedenartigen Spezies der Welt endlich geschafft hatten, ihre Feindseligkeiten beizulegen. Die Buchhalter der Legion hatten einen Umschwung und eine unumkehrbare Abwärtsspirale der Profite vorhergesagt. Und tatsächlich waren die folgenden drei Jahrzehnte hart gewesen. Doch man hätte wissen müssen, dass sich die Paranoia mit dem Frieden nicht in Luft auflöste. Daher brauchte jedes Königreich, jedes Land, jede noch so kleine Ortschaft mit zwei Krümeln Gold in der Tasche plötzlich eine Armee. Zum Schutz na­ türlich, und damit die gütigen Armeen ihrer Nachbarn nicht auf dumme Gedanken kamen. Völlig egal, dass fast alle ­ vorher auch ohne eine Armee prima ausgekommen waren. Völlig egal, dass die meisten nicht einmal etwas besaßen, das ­ einen Überfall wert gewesen wäre. Die Legion war nur zu bereit, der Welt ihre Armeen zu verpachten. Krieg war gut fürs Geschäft gewesen. Aber Frieden war noch sehr viel lukrativer.

Greifs hörten nie auf zu wachsen, und Tate, weit über dreihundert Jahre alt, war eine riesige Bestie. Seine beeindruckenden schwarzen Flügel spannten sich über sechs ­ Meter, wenn er sie ausbreitete. Aber er breitete sie im begrenzten Raum seines Büros, einem buchstäblichen Nest aus Hauptbüchern, die bis ganz zu den Anfängen der Legion zurückgingen, nicht oft aus. Damals, als sie nur aus ­ einer Hand voll Orks, ein paar Dutzend Söldnern und zwei Drachen mit einer Vision bestanden hatte. Damals, noch ­ bevor sie die erfolgreichste freischaffende Armee auf drei Kontinenten geworden war.

Tate sprach. Er sah diejenigen, mit denen er sprach, selten an. Das war ein Segen, denn wenn er es doch tat, richteten sich seine kalten, schwarzen Augen mit einem unverwandten, raubtierhaften Starren auf sein Gegenüber. Das führte bei Ned immer dazu, dass er fürchtete, zum Mittag­ essen zu werden, selbst wenn seine Bücher in Ordnung waren. Er hatte keine Lust, nach einer Reise durch das Verdauungssystem eines Greifs von den Toten zurückzukehren.

Tate sah das Hauptbuch langsam, methodisch durch. Mit seinen langen, schwarzen Klauen blätterte er die dünnen Seiten um. Ihm entging nichts, nicht einmal das kleinste Detail. Vor allem, weil er ständig hungrig war. Sein scharfer Schnabel bog sich, sein Blick war finster. Die großen schwarzen Schwingen schlugen einmal.

»Sehr gut, Ned. Tadellos wie immer.«

»Danke, Sir.« Ned rückte seine Brille zurecht. Er brauchte sie nicht. Eigentlich sah er dadurch schlechter als sonst, aber sie ließ ihn gelehrt wirken, und diesen Eindruck wollte er unbedingt kultivieren.

Tate gab ihm das Buch zurück. Sein Blick schweifte durch den Raum, ohne sich direkt auf Ned zu legen. »Für einen Soldaten geben Sie einen außerordentlichen Buchhalter ab.«

»Danke, Sir.« Bei dem Versuch, noch gelehrter auszusehen, rückte Ned seine Brille ein weiteres Mal zurecht, sein Äußeres trug jedoch die Erinnerungen an neunundvierzig grausige Lebensenden zur Schau. Die Narben, die seine Arme und sein Gesicht überzogen, vor allem die lange, scheußliche auf seiner rechten Wange bis hinunter zu einer roten um die Kehle herum, hinterließen einen weit größeren Eindruck als seine Brille. Und dann war da natürlich noch sein fehlendes Auge, sein Blumenkohlohr und sein ­ böser Arm. All die Male eines Mannes, der schon seit langer Zeit tot sein sollte. Für einen Buchhalter hatte er einen gerade noch annehmbaren Soldaten abgegeben.

Der Greif räusperte sich und Ned betrachtete sich als entlassen. Als er sich umdrehte, sprach Tate jedoch erneut.

»Als Sie mir zugeordnet wurden, nahm ich an, Sie würden noch innerhalb derselben Woche zu meinem Abend­ essen werden.« Er fuhr sich mit einer schwarzen Zunge über den Schnabel. »Stattdessen sind Sie zu einem der ­ vertrauenswürdigsten Mitglieder meiner Belegschaft geworden.«

»Danke, Sir.«

»Ein Jammer, dass Sie nicht länger unter uns weilen werden.«

Ned starrte sprachlos in diese unbarmherzigen Augen. Tates graue und schwarze Federn sträubten sich und er lächelte spöttisch.

»Ich habe es erst heute erfahren. Sie werden versetzt.«

»Versetzt, Sir?«

Tate nickte sehr langsam. Mit einer Kralle glättete er seine Federn. »Ich habe versucht, ihnen das auszureden, aber es kommt direkt von ganz oben. Oberes oberes oberes Management.« Er durchwühlte sein Nest aus Papierkram und zog eine blaue Schriftrolle hervor.

Ned fluchte tonlos. Blaue Schriftrollen waren unabänderlich, unaufhaltsam. So unvermeidlich wie der Tod, oder, in Neds Fall, sogar unvermeidlicher als der Tod. Tate reichte ihm die blaue Rolle, aber Ned weigerte sich noch, sie zu öffnen und einen Blick auf seine neuen Befehle zu werfen.

Tate neigte den Kopf erst zur einen Seite, dann zur anderen. Sein Löwenschwanz schwang träge hin und her. Er räusperte sich noch einmal und begann erneut zu sprechen, bevor Ned entkommen konnte.

»Es ist eine Beförderung. Sie haben sie verdient.«

Ned ließ seinen Kiefer sanft fallen, wie er es oft tat, wenn er gereizt war. »Danke, Sir.«

»Glückwunsch. Das obere Management muss Ihnen sehr vertrauen.«

»Danke, Sir.«

Er hielt die blaue Schriftrolle fest in seiner rechten Hand, während sein böser linker Arm versuchte, sie herauszuzerren. Bei einem seiner unerfreulicheren Ableben war ihm der linke Arm abgetrennt worden. Der Arm war ohne ihn ins Leben zurückgekehrt, und obwohl ein Arzt ihn wieder angenäht hatte, hatte er immer noch einen eigenen Willen, mit widerwärtigen Tendenzen in angespannten Situationen. Wenn sich ihm die Möglichkeit böte, würde der Arm die Schriftrolle nach Tate werfen, das wusste er. Und das würde dazu führen, dass Ned doch noch gefressen wurde.

Er wandte sich abermals zum Gehen. Tate räusperte sich und Ned stoppte.

»Sir?«

»Sie können gehen. Schicken Sie mir Yip. Sehr schlampige Arbeit in letzter Zeit. Ich schätze, da ist eine diszi­ plinarische Maßnahme fällig.« Grinsend ließ Tate seinen Schnabel zuschnappen. »Und sagen Sie ihm, er soll bei der Essensausgabe vorbeigehen und etwas Brot, Käse, eine Flasche Wein und Salat mitbringen. Etwas Pikantes, aber nicht zu sättigend.«

Ned verließ das Büro und fühlte sich wie ein Verurteilter. Eine blaue Schriftrolle sollte etwas Gutes sein. Es bedeutete, dass das obere Management auf ihn aufmerksam geworden war. Aber das war, wie den Göttern in den Himmeln aufzufallen. Zumeist bedeutete es eine einfache Fahrkarte in ein tragisches Schicksal. Bisher war es ihm doch so gut gelungen, nicht allzu außergewöhnlich zu wirken. Bis auf die Tatsache, dass er nicht tot blieb, aber dafür konnte er schließlich nichts.

Seine Buchhalterkollegen vermieden es, ihn anzusehen, als er durch die Flure ging. Und alle wandten den Blick von der blauen Schriftrolle ab, die seine Hand umklammerte. Gerüchten zufolge waren blaue Schriftrollen verzaubert und machten alle blind, außer dem Leser, für den sie bestimmt waren. Das war allerdings reine Spekulation, weil fast niemand je tatsächlich eine blaue Schriftrolle gesehen hatte. Aber keiner war bereit, das Risiko einzugehen, es darauf ankommen zu lassen.

Ned kehrte in sein Büro zurück, einen kleinen Raum, den er mit zwei anderen teilte: mit Yip, einem Ratling, und mit Bog, dem Schleimpilz. Yip zählte einen Stapel Goldmünzen. Von Zeit zu Zeit steckte er eine in seine Tasche. Ned und Bog taten jedes Mal so, als würden sie es nicht bemerken. Keiner von beiden mochte den Ratling, und sie rieten ihm nicht gerade davon ab, etwas zu tun, was schließlich dazu führen konnte, dass er gefressen wurde. Bog war damit beschäftigt, Silberbarren zu wiegen. Yip blickte gerade lange genug von seiner Arbeit auf, um zu grinsen und zu kichern.

»Pech gehabt, Ned.«

»Hast du es schon gelesen?«, fragte Bog.

Ned schüttelte den Kopf.

»Es könnte was Gutes sein«, versuchte es der Schleimpilz.

»Ich wette mit dir, das ist eine Versetzung zur Wyrm-Farm.« Yip ließ zwei Münzen zusammenklirren. »Den ganzen Tag bis zum Hals in Dreck und Mist. Und diese Wyrms stinken. Oh Mann, die stinken vielleicht!«

Ned setzte sich, legte den Kopf auf den Tisch und seine Arme über den Kopf. Der böse Arm zerrte an seinen Haaren.

»Bin ich froh, dass ich nicht du bin«, sagte Yip.

»Tate will dich sehen.« Ned hatte nicht die Energie, sein Auge in Richtung von Yips Gesicht zu drehen, aber er hörte, wie der Ratling trocken schluckte. Schon fühlte sich Ned etwas besser.

Bogs Augen bewegten sich in seinem transparenten Fleisch und flossen hin und her, um Ned aus leicht un­ terschiedlichen Blickwinkeln zu mustern. »Du solltest es ­ lesen, bevor du anfängst, Panik zu machen.«

»Ich mach keine Panik.«

»Er bläst Trübsal«, sagte Yip.

» Wahrscheinlich ist es nicht so schlimm, wie du es dir vorstellst«, meinte Bog.

»Wahrscheinlich schlimmer.« Ned hielt die blaue Schriftrolle auf seinem Schreibtisch fest, als könnte sie aufspringen und ihn angreifen. »Ich habe nicht sehr viel Vorstellungskraft.«

»Gib sie mir.« Yip sprang von seinem Schreibtisch auf und schnappte nach der Schriftrolle. Ned hielt sie fest und sie begannen ein kurzes Tauziehen darum.

»Jetzt gib mir das verdammte Ding schon!« Der Ratling schnappte nach Neds Hand und er ließ los.

»Du wirst taub«, sagte Bog.

»Blind«, korrigierte Ned.

Mit den Tentakeln schob Bog seine Augen zurecht. »Ich schätze mal, das ergibt mehr Sinn.«

Mit derselben furchtlosen Dummheit, die ihn schon bald zum Abendessen des Greifs werden ließe, entrollte Yip das unheilvolle Dokument. Sowohl Ned als auch Bog senkten die Köpfe (oder, im Fall des Schleimpilzes, die kopfartige Ausbuchtung) in der Erwartung von etwas Schrecklichem. Doch es gab keinen Blitz, keine Sturzflut kreischender Geister, keine alles verschlingende Schwärze, die auf das Büro niederschlug. Nicht einmal ein einziges schnatterndes Teufelchen oder einen Kälteeinbruch.

»Und?«, fragte Bog. »Bist du blind?«

Yip rollte das Dokument wieder zusammen und legte es auf den Tisch zurück. »Tut mir leid, Ned.«

Ned öffnete die Rolle. »Sie haben mir ein Kommando gegeben.«

»Ist doch gar nicht übel«, sagte Bog mit geheucheltem Enthusiasmus.

»Es ist die Oger-Kompanie.«

Stille senkte sich herab, eine Stille, die alles dermaßen ausfüllte, dass sogar die zugigen Korridore aufhörten zu pfeifen. Bog wusste nicht, wohin er blicken sollte, deshalb löste er das Problem, indem er seine Augen herausnahm und sie in eine Schublade steckte.

»Pech gehabt, Ned.« Yip schlenderte mit hochgezogenen Augenbrauen aus dem Büro, auf seinem Weg in den Magen eines Monsters hielt er an der Tür kurz inne. »Bin ich froh, dass ich nicht du bin.«

Über A. Lee Martinez

Biografie

A. Lee Martinez wurde mit seinen fantastischen Romanen zum Star der humorvollen Fantasy. Er lebt in Dallas, Texas, wo er schreibt, jongliert, Videospiele spielt und Zeitreisen unternimmt. Vielleicht ist er ein Geheimzauberer (das wäre allerdings geheim), und es könnte sein, dass er Gartenarbeit...

Pressestimmen

Badische Zeitung

»A. Lee Martinez vereint Spannung mit Komik und einer kleinen Portion Irrsinn zu einem humorvollen Lesespaß.«

janetts-meinung.de

»Beißender Humor, amüsante Anekdoten und witzige Charaktere machen das Buch zu einer runden Angelegenheit.«

Geek!

»Eine brillante schwarze Komödie, die mit den Versatzstücken der Fantasy spielt, überaus unterhaltsam ist und jetzt eine verdiente Neuauflage erlebte.«

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