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Die kleinen Dinge machen das Leben schön

Die kleinen Dinge machen das Leben schön

Was wir von den Alten lernen können

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Die kleinen Dinge machen das Leben schön — Inhalt

Was macht ein gutes Leben aus? Welches sind die Geheimnisse der Kindererziehung und einer glücklichen Partnerschaft? Und wie wird der Beruf zur Erfüllung? Der Gerontologe Karl Pillemer hat unzählige alte Menschen nach ihren Lehren fürs Leben befragt. Denn wie wir schwierige Zeiten meistern, ohne Reue durchs Leben gehen, Glück und Erfüllung finden und dem Alter angstfrei entgegensehen, erfahren wir am besten von jenen, die all dies schon gemeistert haben. Eine handfeste Anleitung zum Glücklichsein.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 20.01.2014
Übersetzt von: Heike Holtsch
304 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96287-2

Leseprobe zu »Die kleinen Dinge machen das Leben schön«

KAPITEL 1

Wer sind die weisesten Menschen, und was können sie uns lehren ?

 

 

Den richtigen Partner finden und eine glückliche Ehe führen, die ein Leben lang hält. Kinder großziehen, die sich gut entwickeln und sich mit uns wohlfühlen. Eine Arbeit finden, die man liebt. In Würde und ohne Ängste älter werden. Im Wesentlichen nichts bereuen. Den Lebensabend mit einem Gefühl von Vollkommenheit und Erfüllung erreichen. All das klingt ganz nach einem wunderbaren Rezept für ein Leben, in dem man alles richtig gemacht hat. Wo aber finden wir die nötige [...]

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KAPITEL 1

Wer sind die weisesten Menschen, und was können sie uns lehren ?

 

 

Den richtigen Partner finden und eine glückliche Ehe führen, die ein Leben lang hält. Kinder großziehen, die sich gut entwickeln und sich mit uns wohlfühlen. Eine Arbeit finden, die man liebt. In Würde und ohne Ängste älter werden. Im Wesentlichen nichts bereuen. Den Lebensabend mit einem Gefühl von Vollkommenheit und Erfüllung erreichen. All das klingt ganz nach einem wunderbaren Rezept für ein Leben, in dem man alles richtig gemacht hat. Wo aber finden wir die nötige Anleitung dazu ?

Wenn Sie nach diesem Buch gegriffen haben, weil Ihnen der Titel ins Auge stach, dann haben Sie sich diese Frage wohl selbst schon gestellt. Und es ist mir ein Anliegen, Ihnen konkrete, praktische Ratschläge zu geben, wie Sie in genau dieser Hinsicht das Beste aus Ihrem Leben machen können.

Zunächst aber muss ich Ihnen erklären, wer diese » weisesten Menschen « sind und um welche Art Ratgeber es sich hier handelt. Wie Sie feststellen werden, ist dieses Buch anders als alle Ratgeber, die Sie zuvor gelesen haben. Das liegt daran, dass es aus einer einzigartigen Quelle schöpft, die uns zwar seit Jahrtausenden zur Verfügung steht, die in unserer modernen Gesellschaft aber immer mehr in Vergessenheit gerät.

Viele Menschen verspüren einen schier unstillbaren Hunger nach Ratschlägen. Wir schauen uns » Experten « im Fernsehen an, in der Hoffnung auf Lösungen für zwischenmenschliche Probleme, finanzielle Sorgen oder sexuelle Störungen. Wir lesen Ratgeber-Kolumnen und besuchen Seminare. Wir rufen Selbsthilfe-Websites auf. Und wir kaufen Bücher. Zurzeit sind allein in den Vereinigten Staaten über dreißigtausend Selbsthilfe-Titel auf dem Markt, Schätzungen zufolge werden die Amerikaner dieses Jahr eine Mil­liarde Dollar für solche Bücher ausgeben.

Ich bekenne: Ich bin selbst ein Ratgeber-Junkie. Ich gehöre zu genau den Leuten, die in einer großen Buchhandlung als Erstes die Selbsthilfe-Abteilung ansteuern. Für nahezu jedes Thema, das mich interessiert, findet sich in meinem Bücherregal der entsprechende Ratgeber. Meine Familie hat sich längst angewöhnt, nichts mehr darauf zu geben, wenn ich bei meiner täglichen Zeitungslektüre die neuesten Tipps laut vorlese, bei denen es darum geht, wie man sich organisiert, Stress reduziert, für das Alter investiert oder mit all den anderen Problemen umgeht, die sich im Laufe des Tages einstellen könnten. Ich weiß, ich bin nicht der Einzige, der so vorgeht – offenbar sind die meisten Menschen auf der ­Suche nach Antworten für die vielschichtigen Fragen, die sich im Leben stellen.

Doch bei genauerer Betrachtung des Angebots fiel mir auf, dass etwas fehlte. Was haben all die vermeintlichen Gurus mit ihren Lebensweisheiten eigentlich vorzuweisen ? Was macht ausgerechnet sie zu Autoritäten, wenn es um die Lösung der Probleme geht, die das Leben mit sich bringt ?

Philosophen, Psychologen und spirituelle Führer machen auf die unterschwellige Unzufriedenheit aufmerksam, die viele Menschen in Hinsicht auf den Verlauf ihres Lebens empfinden. Wir leben im Überfluss, doch offenbar wollen wir immer mehr. Wir klagen ständig, nicht genug Zeit zu haben, und dennoch vergeuden wir die wertvolle Zeit, die wir haben, mit Videospielen, SMS schreiben, mit der Lektüre von Artikeln über untalentierte Promis oder damit, mehr Geld zu verdienen, um noch mehr Dinge zu kaufen, die wir überhaupt nicht brauchen. Wir machen uns ständig Sorgen – um unsere Gesundheit, unsere Kinder, unsere Ehe, unsere Arbeit.

Wo also, fragte ich mich allmählich, finden wir Rat, der auf echter Lebenserfahrung beruht ? Der sich auf lange Sicht bewährt hat und uns eine echte Hilfestellung bietet, wie wir das Beste aus unserem Leben machen können ? Vor sechs Jahren, als ich fünfzig wurde, fiel mir auf, dass mir die Beantwortung dieser Frage ein tiefes und dringendes Bedürfnis war. Wenn man fünfzig wird, hat man einen neuen und interessanten Lebensabschnitt erreicht ( bei mir zumindest war es so ). Mit einem Bein steht man noch fest im Ehe- und Arbeitsleben, in der Kindererziehung, und man schmiedet ehrgeizige Pläne für die Zukunft. Doch man hat zugleich schon eine Ahnung von dem, was noch kommen wird. Die Kinder sind fast erwachsen und verlassen bald das Elternhaus. Vielleicht hat man bereits einen Elternteil oder beide Eltern verloren. Die zuvor strotzende körperliche Verfassung schwächelt möglicherweise langsam etwas.

Das Entscheidende jedoch ist, dass der längere Lebensabschnitt nun hinter einem liegt. Und man stellt fest, dass man manche Dinge inzwischen einfach weiß. Man bekommt mit, dass ein Dreiundzwanzigjähriger Liebeskummer hat, und man hört sich sagen: » Das kenne ich. Glaub mir, es geht vorbei. « Man sieht zwei jüngere Kollegen, die sich einen erbitterten Streit über etwas Nebensächliches liefern, und man sagt zu einem gleichaltrigen Kollegen: » Nicht zu fassen, dass die beiden sich so aufregen, oder ? Was ist das Problem ? « Man hat die Erfahrung gemacht, dass manch riesiger Erfolg und manche schlimme Niederlage gar nicht so riesig oder so schlimm ist. Allmählich hat man sich eine weitsichtigere Betrachtungsweise angeeignet, die einzelne Geschehnisse in einen größeren Zusammenhang stellen. Vielleicht begegnet man anderen Menschen mit mehr Toleranz, verspürt das Bedürfnis, alles ein wenig ruhiger angehen zu lassen, und ist offener für die kleinen Freuden des gegenwärtigen Augenblicks.

Ein Gedanke keimte in mir auf: Vielleicht lehrt uns das Älterwerden, wie man sich das Leben angenehmer gestalten kann. Und mir kam eine Frage in den Sinn, aus der dieses Projekt entstand: Können wir ältere Menschen als Experten betrachten, wenn es darum geht, wie man sein Leben bestmöglich führt ?

Es ist mir ein wenig unangenehm, einzugestehen, dass ich erst recht spät auf diese Frage kam. Schließlich arbeite ich seit Langem als Gerontologe, als jemand, der sich mit Menschen in ihrem » dritten Lebensabschnitt « befasst – insbesondere mit der Zeit nach Erreichen des fünfundsechzigsten Lebensjahrs. Im Verlauf der vergangenen dreißig Jahre habe ich Dutzende von Studien durchgeführt und wissenschaftliche Artikel verfasst, in denen es beispielsweise darum geht, wie viel Stress es bedeutet, sich um einen Elternteil zu kümmern, der unter Alzheimer leidet; was älteren Menschen hilft, mit chronischen Schmerzen und körperlichen Einschränkungen zurechtzukommen; wie sich die Pflege in Seniorenheimen verbessern lässt. In meinen Studien stützte ich mich auf ­exakte Methoden, auf Beispiele, die nach wissenschaftlichen Standards ausgewählt wurden, und auf erprobte Methoden, mit denen man den Alterungsprozess besser versteht. Dennoch hatte ich das Gefühl, etwas außer Acht gelassen zu haben. Obwohl ich jahrzehntelang die Probleme älterer Menschen erforscht hatte, war ich bislang noch nicht auf den Gedanken gekommen, mir andererseits ihr Wissen in Bezug auf die Frage zunutze zu machen, wie man ein zufriedenes, ausgefülltes und schönes Leben führt.

Dann geschah etwas, das mir eindeutig eine neue Richtung wies und mich auf eine Idee brachte, von der ich anschließend fünf Jahre lang begeistert ( manche Leute würden behaupten, besessen ) war. Es handelte sich um einen Wendepunkt, dessen Bedeutung ich im ersten Moment gar nicht verstand, der dann aber zu Die kleinen Dinge machen das Leben schön führte.

Durch meine Arbeit habe ich öfter in Pflegeheimen zu tun. Ich weiß nicht, wie viel Zeit Sie bereits in Pflegeheimen verbracht haben, jedenfalls können Sie mir glauben, dass sie nicht gerade die amüsantesten Orte der Welt sind. In der Regel bieten sie zwar eine gute Versorgung, aber die Atmosphäre in den meisten dieser Heime schlägt einem aufs Gemüt, sobald man durch die Eingangstür geht. Sowohl den Bewohnern als auch den Mitarbeitern ist bewusst, dass der Einzug in ein Heim einer Einbahnstraße gleichkommt, und zwar für fast jeden. Der einzige Ausgang ist das Ende des Lebens. In Pflegeheimen kümmert man sich um die kränksten und schwächsten Menschen unserer Gesellschaft, von denen viele bereits ihre Angehörigen verloren haben – ebenso wie die Fähigkeit, für sich selbst zu sorgen, manchmal sogar ihre Erinnerungen und ihr Selbstempfinden.

An diesem besonderen Tag sagte eine Pflegerin, mit der ich mich eine Weile unterhalten hatte: » Haben Sie noch einen Moment Zeit ? Ich möchte Sie mit June Driscoll bekannt machen. Ich habe gehört, Sie lernen gern interessante ältere Menschen kennen « – was zutrifft –, » und ich wüsste da jemanden. «

Ein Zweibettzimmer wie in allen Heimen: June saß in einem Sessel am Fenster und drehte sich um, als die Pflegerin sie begrüßte. Mir fiel auf, wie zerbrechlich June schien, ihr Gesicht umrahmt von weißem Haar, das aussah wie Baumwollbüschel. Ihre Haut wirkte durchsichtig wächsern, so wie man es manchmal bei sehr alten Menschen sieht. Die Pflegerin hatte mir erzählt, June sei ein » Rundum-Pflegefall « und brauche Hilfe in allen Bereichen des täglichen Lebens, auch bei den ganz persönlichen. » Sie sieht nicht mehr besonders gut «, sagte die Pflegerin. » Gehen Sie näher an sie heran, damit sie Sie erkennen kann. « June war fast neunzig Jahre – und ihr Körper kurz davor, ihr seine Dienste zu versagen.

Die Pflegerin hatte June ganz normal begrüßt: » Wie geht es denn heute ? « Doch die Antwort darauf verblüffte mich außerordentlich.

» Sehr gut «, gab June mit erstaunlich fester Stimme zurück. » Bis jetzt ein schöner Tag ! Ich habe gebadet, das Mittagessen war gut, und gleich schaue ich mir meine Lieblingssendung im Fernsehen an. « Dann fragte sie die Pflegerin nach ihrem kleinen Kind, das ein paar Tage lang krank gewesen war. Nachdem sie erfahren hatte, dass der Kleine wieder wohlauf war, wandte sich June mir zu. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll, aber sie schien vollauf zufrieden zu sein.

Ich war sehr neugierig darauf, woher sie diese positive Einstellung nahm, am Ende ihres Lebens und ungeachtet einer Reihe körperlicher Probleme. Vielleicht war es ja nur ein momentanes Hoch, doch bevor ich überhaupt dazu kam, weiter darüber nachzudenken, hatte ich ihr genau diese Frage bereits gestellt. Und June schien keineswegs überrascht. Mit freundlichem Kopfnicken sah sie mich an und antwortete: » Na ja, es ist so: Ich wuchs in einem Haus auf, das man wohl eher als Baracke bezeichnen würde, mit schmutzigem Fußboden und ohne Badezimmer. Ich habe sechs Kinder bekommen, mein Mann war erwerbsbehindert, und mal hatte er Arbeit, mal nicht. Tag für Tag habe ich hart gearbeitet, bis ich nicht mehr konnte. Ich habe die Wirtschaftskrise erlebt, damals hatten wir kaum etwas zu essen. Und nun bin ich hier, habe ein Dach über dem Kopf, bekomme drei Mal am Tag eine anständige Mahlzeit und bin von sehr netten Leuten umgeben, die für mich sorgen. Hier kann man einiges machen. Wenn ich aufwache, scheint die Sonne durchs Fenster. Ich lebe noch. Ich kann hören. Und ich kann immer noch einigermaßen sehen. «

June beugte sich ein Stück vor. » Junger Mann «, sagte sie – und ich kann nicht verhehlen, dass es guttat, in meinem Alter » junger Mann « genannt zu werden –, » ich hoffe, Sie lernen noch, dass Glück davon abhängt, was man daraus macht, dort, wo man ist. Warum in aller Welt sollte ich unglücklich sein ? Die Leute hier beschweren sich andauernd, aber ich nicht. Ich bin dafür verantwortlich, so glücklich zu sein, wie ich kann, genau hier und genau jetzt. «

Sie wiederholte den letzten Satz, als wolle sie sichergehen, dass ich verstand, wie wichtig diese Erkenntnis war. » Ich bin dafür verantwortlich, so glücklich zu sein, wie ich kann, genau hier und genau jetzt. « Dann gab sie mir höflich zu verstehen, dass ihre Fernsehsendung, eine Unterhaltungsshow, nun anfing: » Ich bin immer gern auf dem Laufenden. « Ich bedankte mich, dass sie sich Zeit für mich genommen hatte, und verabschiedete mich.

Ich bin kein weiteres Mal in diesem Pflegeheim gewesen, und es ist möglich, dass June Driscoll nicht mehr sehr lange lebte. Aber immer wieder musste ich an unsere Begegnung denken. Wie kann es sein, dass jemand am Ende seines Lebens und geschlagen mit einer Menge physischer Probleme eine so positive und optimistische Lebenseinstellung hat ?

Also machte ich mich auf die Suche nach Lebensweisheiten. Ich suchte nicht auf herkömmliche Weise, indem ich in der Welt herumreiste, nach einem Therapeuten Ausschau hielt oder mir eine esoterische religiöse Praktik aneignete. Vielmehr begab ich mich, um praktische Hilfestellungen für das Leben zu erhalten, auf die Suche nach den Lebensweisheiten älterer Menschen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Schon bald gelangte ich zu der Überzeugung, dass das Wissen älterer Menschen eine hervorragende Anleitung zu einem erfüllten Leben sein kann, auch für die Zeit, wenn es einmal schwierig wird. Ältere Menschen verfügen über Lebenserfahrung aus erster Hand. Sie haben ihr Leben gelebt und daraus gelernt.

Auf einmal entstand der Plan: Warum nicht eine große Anzahl älterer Menschen interviewen, damit andere von ihren Lebensweisheiten profitieren können ?

Wenn man viele ältere Menschen zusammenbringt, die auf ein schönes und erfülltes Leben zurückblicken und die bereit sind, ihre Lebenslektionen anderen zu vermitteln, verfügt man über eine einzigartige Quelle, die für Menschen jeden Alters hilfreich sein kann. Das Wissen der älteren Menschen macht sie zu den wirklichen Experten für ein gutes Leben.

Dieses Buch bietet den Lesern sowohl praktische Lösungen als auch die Gewissheit, dass es tatsächlich möglich ist, die großen Herausforderungen des Lebens zu meistern und ungeachtet aller Widrigkeiten Freude zu empfinden.

 

Ältere Menschen: Experten für das Leben

Wir werden in absehbarer Zeit eine unersetzliche Quelle verlieren: die ältere Generation. Die letzten Veteranen des Ersten Weltkriegs sind bereits gestorben, diejenigen, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, sind über achtzig Jahre alt. Die jüngsten Kinder der Weltwirtschaftskrise sind Ende siebzig. Wenn es diese Generation nicht mehr gibt, wie sollen wir dann die Lektionen reaktivieren, die diese Menschen über das Leben gelernt haben, oder das Wissen, das sie an uns weitergeben könnten – darüber, wie man unter schwierigen Umständen überlebt und Erfolg hat ? Jeder ältere Mensch – das zeigen auch die Interviews in diesem Buch – ist eine wahre Fundgrube an Erfahrung und Orientierungshilfe, wenn es darum geht, im Leben gut zurechtzukommen. Doch mit jedem dieser Leben, das erlischt, geht auch das Licht verloren, das uns den Weg weisen könnte. So liegt diesem Buch eine gewisse Dringlichkeit zugrunde. Es basiert auf der Notwendigkeit, all das herauszufiltern, zu konservieren und weiterzugeben, was ältere Menschen uns über ein glückliches, erfülltes Leben lehren können – bevor sie nicht mehr sind.

Wie der Titel des Buches verrät, halte ich unsere Alten für die Weisesten. Deshalb verwende ich immer wieder einen bestimmten Ausdruck für die Menschen, mit denen ich gesprochen habe: » die Experten «. Und dafür kann ich Ihnen ein paar gute Gründe nennen.

Ältere Menschen verfügen über eine einzigartige Informationsquelle, die uns anderen nicht zur Verfügung steht: Sie haben ihr Leben gelebt. Sie sind dort gewesen, wo jüngere Menschen noch nicht waren. Mag sein, dass sie nicht die Schnellsten sind, wenn es darum geht, einen DVD-Player zu programmieren, dass sie lieber dem Kassierer am Bankschalter gegenüberstehen, als den Geldautomaten zu benutzen, und dass sie bezüglich der neuesten Reality Shows nicht auf dem Laufenden sind. Aber sie verfügen über den enormen Vorteil ihrer Lebenserfahrung. Menschen, die den größten Teil eines langen Lebens bereits hinter sich haben, können nämlich ganz genau beurteilen, was » funktioniert « und was nicht. Nach ebendiesem Expertentum suchte ich für mein Buch. Ein jüngerer Mensch kann das Leben einfach noch nicht so nachhaltig und hautnah kennengelernt haben wie ein älterer.

Ein weiterer Grund, auf die Lebensweisheiten der Experten zu hören, ist der, dass es sich um außergewöhnliche Menschen handelt. Die ältere Generation hat Erfahrungen gesammelt, die sich viele von uns heute kaum vorstellen können. Krankheit, Rückschläge, Unterdrückung, Verlust und Gefahr brachten diese Generation an ihre Grenzen. Derartige Situationen zu überwinden führt zu einer Weisheit, die über das übliche Maß hinausgeht.

Ältere Menschen ( insbesondere diejenigen, die über siebzig sind ) haben ein vollkommen anderes Leben geführt als wir heute. Im Zweiten Weltkrieg setzten sie ihr Leben aufs Spiel und kehrten mit einer neuen Weltanschauung zurück, aber auch mit tiefen Wunden. Einige überlebten den Holocaust, und wieder andere kämpften im Widerstand und hatten Tag für Tag den Tod vor Augen. Die meisten wuchsen in entbehrungsreichen Zeiten auf – was ihre Einstellung zu Wohlstand und materiellen Dingen prägte. Manche hatten eine trostlose, bittere Kindheit, und viele erlebten den Horror von Krieg und Armut hautnah. Doch gleichermaßen blicken sie auf eine Zeit zurück, in der Luft und Wasser noch sauberer waren, in der man die Haustür noch nicht abschließen musste und man sich an seine Nachbarn wenden konnte, wenn man Hilfe brauchte. Von daher lässt uns die ältere Generation die heutigen Probleme und Möglichkeiten aus dem Blickwinkel einer anderen Zeit betrachten. Und diese besondere Sichtweise eröffnet uns eine enorm wertvolle Perspektive zur Betrachtung unseres eigenen Lebens.

Davon abgesehen, gibt es einen weiteren Grund, warum ich die ältere Generation in meinem Buch » die Experten « nenne. Ihre besondere Lebensanschauung liefert uns ein dringend notwendiges Gegenmittel zur allgemein vorherrschenden Auffassung davon, was in der heutigen Gesellschaft als ein » gutes Leben « gilt. Allgemein gültige Auffassungen stellen dar, was jeder weiß – und was die Mitglieder einer Gesellschaft lernen, während sie erwachsen werden. Allgemeingültige Auffassungen haben einen praktischen Nutzen, denn sie bieten eine Orientierungshilfe für das Leben als solches, zeigen Perspektiven für ein gutes Leben auf und untermauern kulturelle Werte. Letzen Endes werden allgemeingültige Auffassungen zur Grundlage unserer Identität und unseres Selbstwertgefühls.

Der Rat der Experten jedoch stellt allgemeingültige Auffassungen häufig auf den Kopf und eröffnet uns eine Alternative. Diese alternative Sichtweise entspricht nicht immer den üblichen Kategorien: Manchmal kann man sie eher als fortschrittlich bezeichnen ( beispielsweise befürworten viele aus der älteren Generation religiöse Toleranz und stehen einer ausschließlich materialistischen Weltanschauung eher kritisch gegenüber ). Manchmal würden wir die alternative Sichtweise eher als konservativ bezeichnen ( etwa weil die Ansicht vertreten wird, die Ehe als eine lebenslange Bindung zu betrachten ). Gelegentlich scheint die Weltanschauung der älteren Generation vollkommen anders zu sein als die der jungen – das gilt etwa in Bezug auf die Einstellung älterer Menschen zum Faktor Zeit und wie man diese verbringen sollte. Doch genau in der Infragestellung der allgemeingültigen Ansichten jüngerer Leute liegt der eigentliche Wert der Lebensweisheiten älterer Menschen. Sie können uns dazu anleiten, derzeitige gesellschaftliche Konventionen zu überprüfen und unsere Entscheidungen auf dem Weg zum Glück bewusster zu treffen.

Der Grundgedanke des Buches besteht darin, dass Menschen aller Altersstufen das angesammelte Wissen der älte­ren Generation – der Experten – als eine hervorragende Orientierungshilfe nutzen können. Die Experten verfügen über ein tiefgehendes Verständnis all der Probleme, mit denen man als Mensch konfrontiert werden kann. Urteilen Sie selbst und prüfen Sie, was Ihnen der Rat von mehr als tausend der weisesten Menschen zu bieten hat. So oft wie möglich habe ich die Experten selbst zu Wort kommen lassen, sodass Sie in Form von Zitaten an ihren Lektionen teilhaben können. Vermutlich werden Sie feststellen, dass die Empfehlungen der Experten dabei hilfreich sind, Ihre eigene Situa­tion aus ­einem neuen Blickwinkel zu betrachten und sich neue Wege zu einem glücklicheren Leben zu erschließen.

 

Von den Lebenslektionen der Experten profitieren

Ich möchte Sie nicht mit organisatorischen Einzelheiten langweilen, aber ich würde Ihnen gern erläutern, wie die diesem Buch zugrundeliegenden Informationen erhoben wurden. ( Für diejenigen, die sich umfassender dafür interessieren, findet sich am Ende des Buches ein ausführlicher Anhang. ) Beim Sammeln der Informationen stützte ich mich auf Methoden, die es den Menschen ermöglichten, ihre Gedanken offen auszusprechen und ihre Geschichten ausführlich zu erzählen ( was von Sozialwissenschaftlern als » qualitative « Forschung bezeichnet wird ). Zunächst machte ich das Projekt bekannt und bat ältere Menschen, mir ihre Antworten auf folgende Fragen zu senden:

» Was sind die wichtigsten Lektionen, die Sie im Laufe Ihres Lebens gelernt haben ? «

» Wenn Sie einem jüngeren Menschen raten sollten, wie man ein gutes Leben führt, was würden Sie ihm oder ihr sagen ? «

Ich war überrascht und erfreut, als Hunderte von Briefen aus dem ganzen Land eintrafen und noch mehr Menschen ihre Antworten auf einer Website eingaben, die eigens für das Projekt eingerichtet worden war.

Anschließend führte ich eine landesweite Studie mit mehr als dreihundert Menschen durch, die fünfundsechzig Jahre oder älter waren. Hierbei handelte es sich um eine nach wissenschaftlichen Methoden durchgeführte Studie, für die die Befragten zufällig ausgewählt und von geschulten Interviewern angerufen wurden. Am Anfang der Erhebung stand die generelle Frage: » Welche Lektionen haben Sie im Laufe Ihres Lebens gelernt ? « Als Nächstes wurde gefragt, was die Befragten ihrer Ansicht nach in bestimmten Lebensbereichen gelernt hatten, etwa in den Bereichen Arbeit und Karriere, Ehe, Kindererziehung, Gesundheit sowie Religion und Spiritualität. Es wurde auch gefragt, ob es in ihrem Leben Probleme oder Schwierigkeiten gegeben hatte, aus denen sie wertvolle Lehren zogen, nach welchen Grundwerten und Prinzipien sie lebten und welchen Ratschlag in Bezug auf erfolgreiches Älterwerden sie geben konnten.

Um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten, wurden schließlich ausführliche Interviews mit etwa dreihundert Menschen geführt, die aus unterschiedlichen Regionen des Landes kamen und vollkommen unterschiedliche Lebenswege aufzuweisen hatten. Ich wandte mich an verschiedene Personen und Organisationen mit der Bitte, Menschen vorzuschlagen, die mindestens fünfundsechzig Jahre alt waren und als besonders weise galten. Diese älteren Menschen sollten ihre Ansichten so ausführlich wie möglich darstellen und die Lebensgeschichten schildern, auf denen ihre Lektionen basierten.

Insgesamt beantworteten über tausend ältere Menschen in Amerika die Frage: » Worin bestehen die wichtigsten Lektionen, die Sie im Laufe Ihres Lebens gelernt haben ? « Die Antworten dieser Menschen halten Sie nun in Ihren Händen.

 

Was Sie in diesem Buch erwartet

Mein oberstes Ziel bei der Erfassung der Daten und beim Schreiben des Buches bestand darin, dem Leser nützliche Informationen zu bieten. Es ging nicht darum, die Lebensgeschichten älterer Menschen zu erzählen – damit befassen sich andere Bücher. Ich verbrachte Monate damit, Tausende konkreter Ratschläge zu sichten, zu sortieren und zu kategorisieren, die die Experten zu so gut wie jeder Herausforderung parat hatten, der man im Leben nur begegnen kann. Während ich die unzähligen Seiten mit Antworten durchging, gliederten sich die Ratschläge der Experten automatisch in sechs Hauptthemen. Innerhalb dieser Themenbereiche filterte ich je fünf Schlüssellektionen heraus. Diese Lektionen erwarten Sie in den folgenden Kapiteln: dreißig Lektionen für das Leben, die Sie sogleich anwenden können.

Ich beginne mit den Ratschlägen der Experten zum Heiraten und Verheiratetbleiben, basierend auf der Grundlage von insgesamt dreißigtausend Ehejahren ( viele der Experten sind seit dreißig, vierzig, fünfzig Jahren oder noch länger verheiratet ). Anschließend kommen wir zu ihren Empfehlungen in Bezug auf ein erfüllendes Arbeitsleben – von handwerklicher Arbeit über das Schreiben von Gedichten bis hin zur Besetzung eines Chefsessels haben sie alles Erdenkliche gemacht. Danach sehen wir uns ihre Lektionen zum Thema Kindererziehung an, die aus der gemeinsamen Erfahrung durch die Erziehung von insgesamt dreitausend Kindern resultieren. Das darauf folgende Kapitel ist einem Gebiet gewidmet, auf dem wohl niemand die Kompetenz der Experten infrage stellen würde: Wie wird man ohne Ängste und auf angenehme Weise älter ? Anschließend befassen sich die Experten mit der Frage, wie man es im Laufe des Lebens vermeidet, etwas ernsthaft zu bereuen.

Die fünf Lektionen im letzten Kapitel greifen das umfassende Bild noch einmal auf: Wie macht man das Beste aus seinem Leben und führt ein glückliches und erfüllendes Leben, trotz unvermeidlicher Verluste und zum Beispiel Krankheiten ?

Betrachten Sie die dreißig Lektionen für das Leben als einen Wegweiser. Und woraus resultiert letzten Endes ein Wegweiser, wenn nicht aus der gesammelten Erfahrung zahlreicher Menschen, die bereits in dem Gebiet unterwegs waren ? Wie Sie beim Lesen feststellen werden, gibt es Dinge im Leben – man könnte sie als Geheimnisse bezeichnen –, die junge Leute unmöglich schon selbst erfahren haben können. Um zu erkennen, welche Richtung wir in unserem Leben einschlagen sollten, müssen wir die Menschen fragen, die mit den Straßen samt all ihren Nebenstrecken, Sackgassen und unerwarteten Biegungen vertraut sind. Was Sie hier lesen, sind keineswegs die Worte von Prominenten, anerkannten Gelehrten, TV-Predigern, » Lifestyle «-Kritikern von Mitte zwanzig oder Motivationsrednern. Es ist vielmehr das, was die ältesten und weisesten Menschen, die Experten, die aus Erfahrung sprechen, zu sagen haben. Möglicherweise könnte all das Ihr Leben verändern. Bei mir jedenfalls war es so.

Karl Pillemer

Über Karl Pillemer

Biografie

Dr. Karl Pillemer ist ein international angesehener Gerontologe. Für sein Buch hat er in einer groß angelegten Sudie über 1000 ältere Menschen zu ihren Lehren fürs Leben befragt. Pillemer ist Professor an der Cornell University und Gründer des Cornell Institutes für Altersforschung. Er lebt in der...

Pressestimmen

bn Bibliotheksnachrichten (A)

»Gut übersetzt und unterhaltsam geschrieben.«

zeitzuleben.de

»Alles in allem ist ›Die kleinen Dinge machen das Leben schön‹ ein wirklich tolles Buch. (...) Ein Buch, an das ich ganz sicher immer mal wieder zurückdenken und in das ich auch immer mal wieder hineinblättern werde.«

Inhaltsangabe

KAPITEL 1

Wer sind die weisesten Menschen, und was können sie uns lehren ?

KAPITEL 2

Gemeinsam stark sein

Lektionen für eine glückliche Ehe

KAPITEL 3

Morgens mit Freude aufstehen

Lektionen für ein erfolgreiches und erfüllendes Berufsleben

KAPITEL 4

Niemand ist perfekt

Lektionen für das Leben als Eltern

KAPITEL 5

Den Zauber entdecken

Lektionen für angstfreies und gesundes Älterwerden

KAPITEL 6

Alle Gelegenheiten nutzen

Lektionen für ein Leben ohne Reue

KAPITEL 7

Sich für das Glück entscheiden

Lektionen für ein Leben als Experte

KAPITEL 8

Die letzte Lektion

Zehn Fragen an die Experten in Ihrem Leben

Anhang:

Wie die Studie durchgeführt wurde

Danksagung


Anmerkungen

Kommentare zum Buch

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