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Die Ich-Formel

Die Ich-Formel

15 Wege zu einem glücklichen Selbst

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Die Ich-Formel — Inhalt

Kennen wir uns eigentlich selbst? Und ist das überhaupt wichtig? Die neueste Persönlichkeitsforschung weiß: Nichts ist von größerer Bedeutung für ein glückliches Leben, als sich selbst zu kennen. Doch ohne Hilfestellung ist die Sache mit der Selbsterkenntnis gar nicht so einfach. Aus der enormen Fülle der Möglichkeiten hat Claus Peter Simon die 15 besten Methoden destilliert und jede einzelne wunderbar nachvollziehbar dargestellt. Das Buch bietet einen klaren Überblick über die neuesten und interessantesten Erkenntnisse der Ich-Forschung. Dazu erklärt es alles, was man über die Klassiker der Persönlichkeitsforschung wissen muss. Unverzichtbar für alle, die mehr wollen vom Leben.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 05.10.2011
304 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-95384-9

Leseprobe zu »Die Ich-Formel«

Einleitung – oder warum das Ich von so großem Interesse ist

 

Nichts interessiert den Menschen mehr als der Mensch. Sein Schicksal, seine Beweggründe, sein Wollen und Sehnen, sein Aufstieg und Fall, seine Fehler und Fähigkeiten. Vor allem aber interessiert uns das Selbst, das eigene Ich. Eine tiefe Selbsterkenntnis ist eine der großen Sehnsüchte unserer Zeit. Schon Teenager quälen sich damit herum, und selbst 50-Jährige haben oft noch keine befriedigenden Antworten gefunden. Warum bin ich so, wie ich bin? Und: Wie könnte ich sein?
Der Blick auf sich [...]

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Einleitung – oder warum das Ich von so großem Interesse ist

 

Nichts interessiert den Menschen mehr als der Mensch. Sein Schicksal, seine Beweggründe, sein Wollen und Sehnen, sein Aufstieg und Fall, seine Fehler und Fähigkeiten. Vor allem aber interessiert uns das Selbst, das eigene Ich. Eine tiefe Selbsterkenntnis ist eine der großen Sehnsüchte unserer Zeit. Schon Teenager quälen sich damit herum, und selbst 50-Jährige haben oft noch keine befriedigenden Antworten gefunden. Warum bin ich so, wie ich bin? Und: Wie könnte ich sein?
Der Blick auf sich selbst ist kein Zeichen von Egozentrik, sondern im Wortsinne menschlich. Zum einen, weil von allen Spezies nur Homo sapiens in der Lage ist, sein Ich auf eine tiefgründige Weise zu reflektieren. Zum anderen, weil ein stabiles Ich nie wichtiger war als heute – in Zeiten, in denen das Außen so ungewiss erscheint. Wenn sich langjährige und scheinbar stabile Arbeitsverhältnisse unter der Wucht der Globalisierung in kürzester Zeit auflösen. Wenn sich Beziehungen zwischen Menschen mehr und mehr in unübersichtliche soziale Netzwerke verlagern. Wenn mehr als jede dritte Ehe geschieden wird, ganze Familien zerbrechen.
Der große Soziologe Max Weber beschrieb die Persönlichkeitsstruktur des Bürgers noch als »stahlhartes Gehäuse «. Doch die Zeiten sind vorbei, in denen eine als geglückt angesehene Biografie vor allem stetig und stabil verlief.
Auf den postmodernen Menschen stürmt eine wachsende Vielfalt von Wünschen, Optionen, Gelegenheiten, Verpflichtungen und Werten ein, wie der US-Sozialpsychologe Kenneth Gergen feststellt. Diese Unberechenbarkeit führe zur Wahrnehmung von »Chaos und dem beziehungslosen Nebeneinander von verschiedenen Teil-Identitäten in einer Person«. Eine Grunderfahrung für viele Menschen in westlichen Gesellschaften.
Wer aber halbwegs sicher durch sein Leben navigieren will, braucht das Gefühl, für seine Handlungen selbst verantwortlich zu sein, sich selbst steuern zu können. Entscheidend dafür ist die »Selbstwirksamkeit«. So nennen Psychologen die Fähigkeit, an sich und seine Kompetenzen zu glauben, Einfluss zu nehmen auf die Gestaltung des Lebens, zurechtzukommen auch mit unvorhergesehenen Situationen.
Nur auf diese Weise entsteht so etwas wie seelische Stabilität, ein eigens geschriebener Entwicklungsroman, der eine Verbindungs-, ja Lebenslinie zieht zwischen dem Kleinkind, das man einst war, und dem Erwachsenen, der man geworden ist. Der instabilen äußeren Welt kann der Mensch nur durch eine Stabilität in seinem Inneren begegnen. Wer hingegen der Überzeugung ist, er sei ein Spielball der gesellschaftlichen Umstände und eines übermächtigen Schicksals, wird oft zu eben diesem.
Für den Psychoanalytiker und Vertreter der amerikanischen Ich-Psychologie Erik Erikson besteht »das Kernproblem der Identität « daher » in der Fähigkeit des Ich, angesichts des wechselnden Schicksals « dennoch so etwas wie Kontinuität aufrechtzuerhalten. Jeder Mensch müsse daher eine Antwort auf die Frage finden: »Wer bin ich?« Dazu sei es unerlässlich, sich selbst möglichst gut zu verstehen.

 

Wie gut kennen wir unser Ich?
Natürlich, nichts ist uns näher als das Ich. Schauen wir in den Spiegel oder auf ein Kinderbild von uns, so ist uns klar: Das bin ich! Erinnern wir uns an etwas, so sind es zweifellos unsere eigenen Erinnerungen. Wachen wir morgens auf, so wissen wir sofort, dass wir es sind, der sich noch verschlafen die Augen reibt. Wir gehen davon aus – die meisten von uns jedenfalls –, dass wir einen freien Willen haben und bestimmte Vorstellungen, etwa über Moral.
Das Ich ist einfach immer da. Wir müssten es eigentlich sehr gut kennen. Und damit den Kern unserer Persönlichkeit. Doch wie zutreffend, wie realistisch ist der Blick auf unser Selbst? Ist unsere Wahrnehmung von uns identisch mit dem tatsächlichen Ich? Sind wir nicht oft blind für unsere Schwächen, mitunter sogar für unsere Stärken?
Wissenschaftler können heute viele gute Gründe dafür nennen, dass der Blick auf das eigene Ich kein sehr scharfer ist und die Introspektion allein, also der Blick nach innen, ungeeignet ist, dem Ich auf die Spur zu kommen. Oft schönen wir das Bild von uns selbst – und unterliegen Denkfehlern: vor allem einem überzogenen Optimismus und der Illusion der Überdurchschnittlichkeit.
Dafür gibt es zahlreiche Beispiele: So glauben 80 Prozent der Autofahrer, zu den besten fünf Prozent aller Autofahrer zu gehören. Und bei Umfragen geht die große Mehrheit der Frauen und Männer davon aus, dass sie überdurchschnittlich sensibel, nachdenklich und gefühlvoll sind – was ebenfalls rein logisch nicht möglich ist. Ähnlich das Ergebnis einer US-Studie, wonach 94 Prozent aller Professoren davon überzeugt sind, » weit Überdurchschnittliches « zu leisten.
Vor diesem Hintergrund verwundert auch Folgendes nicht: Psychologen hatten Probanden Fotos vorgelegt, die am Computer per Bildbearbeitung verfremdet worden waren. Die Versuchspersonen sollten nun angeben, auf welchen Bildern sie sich am ehesten wiedererkannten: Es waren jene Aufnahmen, die sie attraktiver zeigten (fremde Personen erkannten sie hingegen schneller wieder, wenn die Fotos nicht positiv verändert wurden).
Auch ihre Biografie polieren Menschen gerne auf: Eigene Fehltritte erscheinen meist als weit zurückliegende Ereignisse, gewissermaßen als Jugendsünden, während wir uns an gute Taten so erinnern, als seien sie gerade erst gestern geschehen.
Dieser Selbstbetrug ist Teil unseres »psychischen Immunsystems« und fällt dem Ich meist nicht einmal auf. »Sich selbst in etwas weicherem Licht zu sehen ist äußerst gesund«, sagt die Persönlichkeitspsychologin Astrid Schütz von der TU Chemnitz. Solche Menschen sind zufriedener, erfolgreicher und beliebter als andere. Der Preis, den sie dafür zahlen: der Mangel an Selbsteinsicht. Dann gibt es aber auch jene Menschen, die ihr Licht ständig unter den Scheffel stellen, die immer nur registrieren, was sie alles nicht schaffen, obwohl ihr Umfeld sie als tatkräftig und erfolgreich einschätzt.

 

Um eine realistische Einschätzung von sich zu gewinnen, kann ein jeder sich dem Ich heute auf unterschiedlichste Weise nähern. Längst ist es kein Eingeständnis von Schwäche mehr, sich dabei professioneller Hilfe zu bedienen.
Familienaufstellungen sind populär geworden, etwa um generationenübergreifende Verhaltensweisen aufzuklären. Die Zahl der Coaches in Deutschland hat sich innerhalb der letzten Jahre vervielfacht; selbst in Unternehmen ist Coaching mittlerweile ein Zeichen der betrieblichen Wertschätzung, nicht einer persönlichen Schwäche. Frauen- und Psychologiezeitschriften befassen sich in immer neuen Titelgeschichten mit der Frage nach dem Ich. Und schließlich die Philosophen: Haben sie sich nicht schon seit Jahrhunderten mit der Frage beschäftigt, was das Ich sei?
Doch welcher Zugang zum Ich geeignet ist, kann nur jeder für sich entscheiden. Die vielversprechendsten Wege zum Ich zu markieren, das ist Idee und Ziel dieses Buches: Es möchte den Leser und die Leserin mitnehmen auf 15 verschiedene Reisen zum Ich. Die doch eines eint: Sie können neue Einblicke in die Persönlichkeit verschaffen. Die 15 Wege verraten etwas über unsere Herkunft, unsere Persönlichkeit, unsere Einstellungen, unsere Wahrnehmung anderer Menschen, über unsere Intelligenz und auch die Gesundheit. In der Zusammenschau öffnen sie einen kaleidoskopartigen Blick auf den Einzelnen.

 

Wozu hat der Mensch überhaupt ein Ich?
Könnten wir nicht ebenso gut biologische Automaten sein, solche, die sich ihres Selbst gar nicht bewusst sind? Die meisten anderen Lebewesen auf der Erde kommen ohne das Gefühl, ein Ich zu haben, schließlich auch ganz gut zurecht. Allerdings ist kein anderes Lebewesen so erfolgreich wie der Mensch – und sein Selbst spielt dabei die entscheidende Rolle.
Manche Forscher sehen das individuelle Erleben als eine Form des Bewusstseins, das erst spät in der Evolution entstanden ist. Theoretisch hätte sich schließlich auch eine einzige optimale Psyche durchsetzen können. Aber keiner der bald sieben Milliarden Menschen hat ein Ich wie der andere. Wir sind Individuen, jeder für sich.
Evolutionär gesehen haben diese Unterschiede einen großen Vorteil. Wären alle Menschen einer Gruppe gleich, hätte sie es vermutlich nicht weit gebracht. Wäre beispielsweise jeder extrovertiert und mutig, so ließe sich zwar in kurzer Zeit viel bewirken, etwa unbekanntes Territorium entdecken; allerdings auf die Gefahr hin, sich zu überschützen, zu viel zu riskieren und unterzugehen. Wäre hingegen jeder zurückhaltend und vorsichtig, würde die Gruppe zwar alle Gefahren vermeiden, aber auch nichts Neues wagen, sich nicht weiterentwickeln können. Auf die richtige Mischung kommt es also an.

 

Was ist das Ich?
William James, der große Vordenker der modernen Psychologie, bezeichnet als Ich (engl. » I «) das Subjekt des Erkennens. Es ist im Hintergrund des Bewusstseins dauerhaft präsent, ein ständiger Begleiter unseres Erlebens. Was immer ich auch denke, sehe, spüre oder fühle – ich bin mir stets sicher, dass ich es bin, der dies erlebt. Von dieser Instanz unterscheidet James das »Me«, die Objektseite des Selbst, wenn das Ich über sich nachdenkt oder eine Episode aus dem eigenen Leben erinnert und reflektiert. Da beide Begriffe aber ein einheitlich denkendes, fühlendes und handelndes Wesen Mensch bezeichnen, werden sie der Einfachheit halber praktisch deckungsgleich benutzt. Für den Kognitionswissenschaftler Douglas R. Hofstadter sind sogar die Begriffe »Ich«, »Seele«, »Selbst« und »Bewusstsein« austauschbar – es handele sich jeweils um ein komplexes, aus Nervenzellen und Synapsen des Gehirns erwachsenes Muster.
Wir erleben uns daher meist als ein einheitliches Ich, sehen uns als unverwechselbares Individuum. Wir tragen sozusagen eine Vorstellung von uns im Kopf herum. Wissen etwa, dass wir oft schüchtern sind, dass wir aber auch, wenn es drauf ankommt, klar unsere Meinung formulieren können. Wissen womöglich, dass wir mitunter gerne Risiken eingehen – etwa auf Skiern einen uneinsehbaren Tiefschnee-Hang herunterfahren –, weil wir das Erfolgserlebnis, es geschafft zu haben, so sehr mögen. Wir sind uns unserer sozialen Stellung bewusst, ganz gleich, ob wir uns als kleines Rädchen oder als großen Beweger sehen.
All diese unterschiedlichen Eindrücke und Wahrnehmungen verdichten sich im Ich. Es ist das Zentrum einer von uns konstruierten Welt, unsere eigene ganz persönliche Wirklichkeit.
Dieses Wissen um ein Ich teilen Menschen mit nur ganz wenigen anderen Spezies. Das belegt der berühmte Spiegeltest des amerikanischen Psychologen Gordon Gallup: Einem Tier wird ein roter Fleck auf die Stirn gemalt. Dann wird beobachtet, was passiert, wenn es sich im Spiegel sieht. Ein Wesen, das annimmt, einen Artgenossen, nicht aber sich selbst vor sich zu haben, wird sich um den Fleck nicht kümmern. Nur eines, das sich selbst wahrnimmt, reagiert auf den Fleck, will ihn vielleicht sogar entfernen.
Das Ergebnis ist aufschlussreich: Hunde, Katzen und kleinere Affenarten erkennen sich nicht. Sehr wohl aber Menschenaffen – sowie Wale, Delfine, Elefanten, Raben und Papageien. Und natürlich der Mensch. Der Test zeigt auch, wann in etwa das Ich-Bewusstsein erwacht: Kinder bestehen den Spiegeltest meist im zweiten Lebensjahr. Ungefähr im selben Alter benutzen sie zum ersten Mal das Wort Ich, während sie zuvor von sich meist in der dritten Person sprechen (» Lisa Schnuller haben ! «).

 

Wie stabil ist das Ich?
Unser Ich erscheint uns meist sehr stabil zu sein, in einem unveränderlichen Zustand zu verharren. Es gibt jedoch Situationen, die zeigen, dass dem längst nicht immer so ist – selbst bei psychisch Gesunden. Bei einer tiefen Meditation beispielsweise erleben viele Menschen, wie ihr Ich sich gleichsam auflöst, sie sich eins mit dem Universum fühlen. Ein wie Psychologen es nennen » ozeanisches Gefühl «.
Ähnliches passiert bei einer Schläfenlappenepilepsie, einer anormalen elektrischen Impulsaktivität im Gehirn. Dabei kann es zu beinahe religiösen und mystischen Erlebnissen kommen. Dann fühlen sich die Betroffenen eins mit ihrer Umwelt, alle Grenzen zwischen dem Ich und dem Kosmos sind wie weggewischt. Viele große religiöse Führer, wahrscheinlich auch Mohammed und Jesus, litten unter diesem Krankheitsbild, das mit krampfartigen Anfällen einhergeht, den Betroffenen aber eine besondere Wahrnehmung der Wirklichkeit ermöglichte.
Bei anderen Krankheiten wird noch deutlicher, dass der französische Denker Michel de Montaigne Ende des 16. Jahrhunderts wohl nicht unrecht hatte, als er das Ich in seinen »Essais« als eine »fortschreitende Erfindung« beschrieb: Eine, die »aus lauter Flicken und Fetzen und so kunterbunt unförmlich zusammengestückt ist, dass jeder Lappen jeden Augenblick sein eigenes Spiel treibt «.
Die Fragilität des Ich wird besonders im Falle psychischer Erkrankungen deutlich, in manch bizarrem Schicksal von Patienten.
• Der Psychologieprofessor Julian Paul Keenan hatte es mit einer 30-jährigen Patientin zu tun, die von einer Schaukel gefallen war und ein Hirntrauma erlitten hatte. Intellektuell war sie zwar wieder auf voller Höhe. Bis auf einen Punkt: Sie behauptete, nicht mehr sie selbst zu sein. Als sie sich im Spiegel erblickte, sagte sie, diese Person ähnele ihr nur, sie sei auch älter als sie selbst. Außerdem verfolge die Frau im Spiegel sie.
• Wissenschaftler der University of California in Santa Barbara behandelten einen 75-jährigen Mann, der einen Herzinfarkt erlitten hatte. Der Mann konnte sich an nichts erinnern, was er vor oder nach dem Infarkt getan oder erlebt hatte. Sein ganzes Leben war wie weggewischt. Dann sollte der Mann einen Fragebogen mit 60 Persönlichkeitsmerkmalen ausfüllen – ob er meine, dass diese Eigenschaften gar nicht, ein wenig, halb-halb oder ganz besonders auf ihn zutreffen. Seine Tochter beantwortete dieselben Fragen zu seiner Person. Die Antworten ähnelten sich frappierend. Der Mann hatte offenbar ein Bewusstsein von sich behalten, obwohl er sich an nichts, was er jemals getan hatte, erinnern konnte.
• Der Hirnforscher Vilayanur S. Ramachandran beschrieb eine normal intelligente Patientin, die aufgrund eines Hirnschlags einen steifen linken Arm hatte. Sie bestritt aber, dass dem so sei, und behauptete, der Arm gehöre ihrem Vater, der sich unter dem Tisch verberge. Als der Forscher sie bat, mit der linken Hand ihre Nase zu berühren, nahm die Frau mit der rechten Hand den gelähmten linken Arm und stupste auf diese Weise mit der linken Hand gegen ihre Nase. Es gab also etwas in ihr, das wusste, dass der linke Arm zu ihr gehörte, aber ihr Ich verneinte das. Selbst als der Forscher ihren Arm nahm und ihr zeigte, dass der an ihrer Schulter ansetzte, stimmte sie zwar zu, bestand aber weiter darauf, dass der Arm ihrem Vater gehöre. Der Widerspruch störte sie nicht.
• Noch seltsamer ist ein Ich, das sich selbst verleugnet, was eigentlich ein Oxymoron ist, ein Widerspruch in sich selbst. Menschen mit dem Cotard-Syndrom gelingt diese Paradoxie spielend. Sie »wissen« von sich, sagen sie, dass sie tot sind. Sie formulieren Sätze wie »Ich bin tot« oder »Ich kann riechen, wie mein Körper verwest «. Und sie sind absolut nicht davon zu überzeugen, dass dem nicht so ist. Jegliche Sinnesempfindung ist offenbar von den Emotionen abgekoppelt, die ganze Welt wird irreal. Keine emotionale Wahrnehmung der Welt und keine der Person – was könnte dem Gefühl des Todes stärker ähneln?
Selbst manche Persönlichkeitsmerkmale, von denen wir denken, dass sie aufs Engste mit dem Kern unseres Ich verknüpft sind, sind für Veränderungen anfällig. So zum Beispiel das moralische Urteilsvermögen. Erzeugt man über dem rechten Ohr ein starkes Magnetfeld, das die Nervenströme in der darunterliegenden Hirnregion durcheinanderbringt, verkümmert das moralische Empfinden dieses Menschen.
Für eine entsprechende Studie mussten Testpersonen mehrere Kurzgeschichten lesen und beurteilen, ob sich der jeweilige Protagonist moralisch einwandfrei verhält. In einer Geschichte war beschrieben, wie eine Ehefrau plant, ihren Mann zu vergiften. Normalerweise würden die meisten schon eine solche Absicht als verwerflich bezeichnen. Nicht so unter dem Einfluss des Magnetfelds: Die Probanden empfanden Handlungen, die letztlich keinen Schaden verursachten, als halbwegs akzeptabel, selbst wenn dahinter ein niederträchtiger Plan steckte. Gleichzeitig beurteilten sie Menschen strenger, die einem anderen nur aus Versehen Leid zufügten. Ihr moralisches Urteilsvermögen entsprach unter der Einwirkung des Magnetfelds dem von Kindern im Alter von unter sechs Jahren.
Die Moral eines Menschen – abhängig von einem physikalischen Phänomen?

Claus Peter Simon

Über Claus Peter Simon

Biografie

Claus Peter Simon, Jahrgang 1961, hat Geschichte studiert und arbeitete u.a. als Ressortleiter Wissenschaft bei Die Woche. Seit einigen Jahren ist er geschäftsführender Redakteur des Magazins GEO WISSEN und hat sich vielfach mit Themen aus den Bereichen Entwicklungspsychologie und...

Pressestimmen

Maxima

»Die Ich-Formel ist eine interessante Zusammenstellung der neuesten Erkenntnisse der Ich-Forschung. Nach der Devise: "Nichts ist für ein glückliches Leben wichtiger als sich selbst zu kennen", beschreibt der Autor Methoden der Selbsterkenntnis.«

Inhaltsangabe

Inhalt

Einleitung – oder warum das Ich von so großem Interesse ist

Was die Psychologie verrät

1 Die »Big Five«

Wie sich die fünf Dimensionen der Persönlichkeit ausformen • Weshalb extravertierte Menschen ein Talent zum Glückserleben haben

2 Wo stehe ich?

Warum die Familie das Zentrum unseres Daseins ist • Familientherapie und Familienskulptur – tiefe Einblicke ins Ich

3 Philosophie für die Lebenspraxis

Kant und Co. als Wegweiser durchs Leben • Wie ethisch handele ich? Der » Philomat « verrät es

4 Rechenschaft ablegen

Den roten Lebensfaden erkennen • Eine Biografie verfassen – und dadurch Selbsterkenntnis gewinnen

5 Wie mache ich mehr aus mir?

Lässt sich die Persönlichkeit optimieren? • Warum gutes Coaching viel mehr kann, als fit fürs Berufsleben zu machen

Was das Körperäußere verrät

6 Schau mir in die Augen!

Blau oder braun? Die Augen als Fenster zur Seele • Was kann die Irisdiagnose?

7 Bin ich ein Superschmecker?

Was die Geschmackspapillen mit unseren Krankheiten und Gefühlen zu tun haben • Der mikroskopische Blick auf die Zunge

8 Wie lang ist er denn?

Ein Zeichen von Männlichkeit – und wie Frauen es bei ihrem Gegenüber erkennen • Der Fingerlängenvergleich

9 Weshalb dick nicht gleich dick ist

Wie die äußere Erscheinung und das Essverhalten das Körper-Ich und die Gesundheit prägen • Macht ein dicker Bauch das Gehirn » schlank «?

Was das Körperinnere verrät

10 Der tiefe Blick ins Erbgut

Die DNA-Entschlüsselung für jedermann ist erschwinglich • Wie die Gene unser Leben und die Gesundheit prägen

11 Wo die grauen Zellen wirken

Ist das Ich in den Windungen des Gehirns verborgen? • Mit welchen Methoden Hirnforscher uns unter die Schädeldecke schauen

12 Woher komme ich?

Was der Speichel mit meinen Urahnen zu tun hat • Wie Hightech-Genealogen die Spur der Vorfahren aufnehmen

Was Selbstexperimente verraten

13 Das vermessene Selbst

Wie gut schlafe ich? In welcher Stimmung bin ich? • Durch Daten und Zahlen zu mehr Selbsterkenntnis

14 Von Tieffliegern und Überfliegern

Wie intelligent bin ich wirklich? Was die heutigen IQ-Tests können • Lässt sich die Intelligenz steigern?

15 Ich erkenne meine Gefühle!

Können Sie klug mit Ihren Emotionen umgehen? Und sich in andere Menschen hineinversetzen? Was motiviert Sie? • Persönlichkeitstests verraten es Ihnen

Fazit

Lässt sich das Ich verändern?

Literatur

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