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Die GottespartiturDie Gottespartitur

Die Gottespartitur

Roman

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Die Gottespartitur — Inhalt

Zuerst nimmt Gabriel Pfeiffer den schüchternen Geistlichen nicht ernst, der ihn auf der Buchmesse anspricht: »Es geht um Gott!« – und eine möglicherweise bedeutende Entdeckung. Was soll der abgebrühte Literaturagent damit anfangen? Erst als er später vom Tod eben jenes Seminaristen in einer bayerischen Dorfkirche liest, zieht ihn die Geschichte in den Bann. In ihrem Zentrum: ein geheimnisvolles Manuskript, das schon in früheren Tagen Europas Geisteswelt elektrisierte. Gabriel recherchiert in der British Library und reist in das bayerische Dorf und findet mehr als eine gute Story: Es geht, wie prophezeit, tatsächlich um Gott, um Glauben, Gewissheit und Liebe - und am Ende um Leben und Tod.

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 10.08.2015
304 Seiten, Broschur
EAN 978-3-8333-1024-9
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 10.03.2014
304 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7730-1
»Meine Entdeckung 2015. Ein rasanter Roman im Literaturmilieu.«
Schweizer Buchhandel

Leseprobe zu »Die Gottespartitur«

1.

Der junge Mann, der, kaum dass Gabriel sein Jackett über die Lehne gehängt und sich gesetzt hat, an seinen Tisch herantritt, nimmt all seinen Mut zusammen.

»Es geht um Gott.«

Glückwunsch, denkt Gabriel. Mittwochmorgen, kurz vor neun. Tag zwei nach der Vergabe des Deutschen Buchpreises und zudem erster offizieller Messetag. Ein nichtswürdiger Tag, vielleicht noch nichtswürdiger als all die anderen. Und dieser Milchbart kommt ihm mit Gott.

Das Agent’s Center hat die Leinen losgemacht und Fahrt aufgenommen. Ein nervöses Grundrauschen erfüllt die Luft. [...]

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1.

Der junge Mann, der, kaum dass Gabriel sein Jackett über die Lehne gehängt und sich gesetzt hat, an seinen Tisch herantritt, nimmt all seinen Mut zusammen.

»Es geht um Gott.«

Glückwunsch, denkt Gabriel. Mittwochmorgen, kurz vor neun. Tag zwei nach der Vergabe des Deutschen Buchpreises und zudem erster offizieller Messetag. Ein nichtswürdiger Tag, vielleicht noch nichtswürdiger als all die anderen. Und dieser Milchbart kommt ihm mit Gott.

Das Agent’s Center hat die Leinen losgemacht und Fahrt aufgenommen. Ein nervöses Grundrauschen erfüllt die Luft. Die Harpunen sind abschussbereit, die Jagd auf die dicksten Fische ist eröffnet, auf die Stars der kommenden Saison.

Gabriels erster Blick fällt auf die lederne Aktentasche, die der junge Mann am Griff hält. Ein langer Schlaks, der seine Arme zu weit durch die Ärmel seiner Jacke gesteckt hat. Die Haltung hat etwas Geducktes – wie ein Hund in Erwartung von Schlägen. Kleinkariertes Hemd, steif gebügelt und zugeknöpft bis zum Hals. Wenn der versucht, sich hinzusetzen, bricht es ihm das Genick.

Bevor er dem jungen Mann antwortet, tut Gabriel etwas, das er sich sonst höchst selten gestattet: Er berührt Leonore, die neben ihm steht und die Rechtekataloge bereitlegt, am Arm. Die hält inne, sucht seinen Blick.

»Ich kümmere mich darum«, sagt sie.

Gemeint ist ein doppelter Espresso.

Er blickt seiner Assistentin nach, beobachtet, wie sich ihr der Raum unterwirft, während sie lautlos über den Teppichboden schreitet. Sie glaubt an Reinkarnation, sagt, sie sei bereits in diesem Leben einmal wiedergeboren worden. Gabriel fragt sich, in welcher Gestalt eine wie Leonore wohl beim nächsten Mal wiederkehrt. Als Liebeslied vermutlich. Unsterblich und unantastbar zugleich. Er wird es nicht mehr erleben. Vieles wird ihm erspart bleiben. Denn er wird unter Garantie nicht wiedergeboren werden. Hat er sich geschworen.

Seine Uhr sagt ihm, dass in fünf Minuten der erste Verleger vor ihm sitzen und aus teigigen Wangen auf ihn einreden wird.

»Um Gott also.«

»Ja.«

»Eine Komödie, hoffe ich.«

Brüllerwitz. Eher friert die Hölle zu – um im Bild zu bleiben –, als dass dieser Typ eine Komödie schreibt.

Der junge Mann versucht, nicht vom Pfad abzukommen. Ironie ist für den wie Serbokroatisch.

»Möglicherweise habe ich eine … bedeutende Entdeckung gemacht.«

»Möglicherweise?«

»Ich weiß es noch nicht genau.«

Gabriel lehnt sich zurück.

»Spricht etwas dagegen, wiederzukommen, wenn du es weißt?«

»Das wird möglicherweise nicht möglich sein.«

Möglicherweise nicht möglich. Gabriel spürt die Müdigkeit in sich einsickern, als hinge er an einem Tropf. Wenn Leonore nicht innerhalb der nächsten drei Minuten zurückkommt, wird sie ihn schlafend vorfinden. Oder im Koma liegend.

Erneut blickt er auf die Uhr. Dieser Tag hätte gute Chancen, der längste seines Lebens zu werden. Doch es gibt immer ein Morgen, immer einen neuen längsten Tag.

Das Rauschen ist zu einem Surren angeschwollen. Die Reihen füllen sich. Die Harpuniere haben sich in Stellung gebracht. Und kein Kollege, der nicht wenigstens zu Gabriel herübersehen würde. Er kann den Blick nicht heben, ohne einem anderen zu begegnen. Alle sind sie da, wie jedes Jahr. Die Orientierungslosen, die Emsigen, die Drohnen. Zurück im Bienenstock der Eitelkeiten. Und Gabriel, einer der Stars in ihrer Mitte, trägt seit vorgestern Abend einen Streifen mehr auf den Schulterklappen.

Er verschränkt die Arme vor der Brust.

»Setz dich.«

Der junge Mann zieht den Stuhl mit der stoffbespannten Lehne zurück, setzt sich, legt die Aktentasche auf seine Oberschenkel und die Hände auf die Tasche.

»Wie heißt du?«

»Matthias.«

»Und wie alt bist du?«

»Siebzehn.«

»Also schön, Matthias. Du hast drei volle Minuten, um mich neugierig zu machen.«

Der Junge blickt auf seine abgekauten Nägel. Wo anfangen?

»Kennen Sie Charles Burney?«

Gabriel geht im Schnelldurchlauf das Namensregister in seinem Kopf durch. Da ist sicher eine vierstellige Zahl von Namen gespeichert, zu Charles Burney allerdings gibt es keinen Eintrag.

»Nie gehört.«

»Also, das war ein Engländer, der hat im achtzehnten Jahrhundert gelebt und ist viel herumgereist. Er hat Reisen auf den Kontinent unternommen, meine ich, nach Deutschland und Frankreich und Italien und so …«

»Zwei Minuten.«

»Und er hat … Also, er hat Tagebuch über diese Reisen geführt. Die gibt’s auch noch – in einem Archiv …« Der junge Mann unterbricht sich selbst. Diese Ich-gebe-dir-drei-Minuten-Disziplin überfordert ihn. »Ich kann das nicht so schnell«, entschuldigt er sich, »aber ich habe … Also, ich habe etwas für Sie aufgeschrieben, damit Sie wissen, worum es geht.«

Er drückt den Messingverschluss seiner Aktenmappe auf, schlägt die Klappe zurück, fingert an der Rückseite herum und zieht einen versteckten Reißverschluss auf. Großpapas Tasche verfügt allen Ernstes über ein Geheimfach.

Die Hand des jungen Mannes ist zur Hälfte verschwunden, als ihm etwas einfällt.

»Ich sollte das nicht tun.«

Sein Kragen sitzt wie eine eigens für ihn geschmiedete Halskrause.

Zweifel, denkt Gabriel. Immerhin etwas.

»Eine Minute.«

Als die Hand wieder hervorkommt, hält sie einen DIN-A4-Umschlag zwischen den Fingern.

»Ich sollte das wirklich nicht tun«, wiederholt er.

Er klammert sich an den Umschlag, mit beiden Händen, gefangen im Zwiespalt. Es zerrt an ihm, eine Gravitation, dass der Tisch sich neigt.

»Ohne Konflikt«, erwidert Gabriel, »keine Story.«

Kann der junge Mann nichts mit anfangen. Weiß anscheinend nicht, wo er sich befindet: auf dem größten Literaturmarkt der Welt. Hier geht es nicht um Befindlichkeiten, hier geht es um funktionierende Storys und funktionierende Autoren. Um Verkäuflichkeit. Alles andere ist romantisch verklärtes Hollywood oder ZDF am Vorabend. Widerstrebend legt er den Umschlag auf den Tisch. Bis er die Finger davon lösen kann, haben sie Schweißabdrücke auf dem Papier hinterlassen. Doch es ist auch Erleichterung dabei. Wie beim Arzt: als habe er die Verantwortung für alles, was von nun an geschieht, in Gabriels Hände gelegt.

»Es ist«, setzt er an, »also diese Entdeckung ist wirklich …«

»… bedeutend. Möglicherweise.« Gabriel blickt auf die Uhr: Die Zeit ist um. »Wenn sie so groß ist, deine Entdeckung, warum gehst du damit nicht zum Fernsehen?«

An der Veränderung im Gesicht seines Gegenübers erkennt er, dass diese Idee für Matthias undenkbar ist.

»Ich glaube an das geschriebene Wort, Herr Pfeiffer«, sagt der junge Mann mit fester Stimme. »Und ich weiß, dass auch Sie daran ­glauben.«

Der Mittwoch nach der Preisvergabe. Und noch vor dem ersten Messetermin wird Gabriel mit seinem Glauben konfrontiert. Er wusste es gleich: ein nichtswürdiger Tag.

Der junge Mann lässt sich nicht entmutigen. Gabriel muss einfach der Richtige sein.

»Sonst wären Sie nicht so ein berühmter Literaturagent geworden«, fährt er fort. »Ich weiß noch mehr, nämlich dass Sie auch auf einem Internat waren und dass wir dieselbe Leidenschaft teilen.«

Leidenschaft, auch das noch.

Aus dem Augenwinkel sieht er seine Assistentin zurückkommen, eine schwebende Espressotasse vor sich. Rettung in höchster Not. Der Rand der Untertasse liegt auf ihrem gebogenen Zeigefinger und wird soeben von der Daumenkuppe gehalten. Als trage sie die Tasse nicht, sondern gebe ihr lediglich die Richtung vor. Einmal Gastro, immer Gastro, hat sie ihm mal erklärt.

Gabriel beugt sich vor, stützt die Unterarme auf dem Tisch ab. Unbequemere Stühle als diese gibt es höchstens in taiwanesischen Computerfabriken. Bereits nach fünf Minuten ringt man um eine erträgliche Sitzposition. Auf dem Umschlag steht, mit Füller geschrieben und in einer Schrift, als hätte sich der Schreibende jeden Buchstaben einzeln abgerungen: Für Herrn Gabriel Pfeiffer. Und in einer zweite Zeile: ­persönlich!

»Wir prüfen das und melden uns.«

»Nein«, platzt es aus Matthias heraus, »lieber nicht. Ich rufe Sie an, nächste Woche. Oder, wenn ich mich nicht ­melde …«

Er bleibt in seinen Überlegungen stecken, als Leonore um den Tisch kommt und die Tasse vor Gabriel abstellt. Sie duftet wie eine unentdeckte Blume.

Der junge Mann springt auf wie bei etwas Sündhaftem ertappt. Leonore macht ihn noch nervöser. Überhaupt, der ganze Typ: Schuld und Sühne und vergebliches Unterdrücken. Brauchst mich gar nicht so anzusehen, denkt Gabriel. Für die Absolution sind andere zuständig. Und wenn du mich fragst: Die stecken bis zum Hals in der Scheiße.

»Ich muss jetzt gehen«, bringt Matthias hervor.

Gabriel nickt.

Abrupt macht der Junge kehrt, eilt mit ungelenken Bewegungen dem Ausgang zu und verschwindet hinter der Säule mit dem Übersichtsplan.

Über jede der vierzig Tischreihen spannt sich ein Metallskelett, von dem die Strom- und Netzwerkkabel herabhängen. Sechshundert Plätze, die alle künstlich beatmet werden wollen. Das Herz des internationalen Literaturbetriebs.

Leonore schließt das Laptop an, klappt es auf, wartet. Gabriel starrt ins Leere. Schließlich gibt sie das Passwort ein: Bovary.

Er hört sie etwas sagen, versucht, ihren Worten einen Sinn zu geben.

»Hm?«

»Wer das war?«, wiederholt sie ihre Frage.

»Der?« Er erinnert sich an den Umschlag und nimmt ihn in die Hand. »Irgendein Möchtegern-Autor.«

»Und was wollte er?«

Tja, was wollte er? Gabriel blickt zur Säule hinüber und stellt sich vor, wie dieser Matthias, den Rücken gegen die Verkleidung gepresst, auf der anderen Seite lauert.

»Was alle Autoren wollen, nehme ich an.«

»Und das wäre?«

»Ruhm natürlich, grenzenlose Bewunderung, einen Wellnesspark für die eigene Eitelkeit …«

Der Computer ist einsatzbereit. Leonore ruft die Mails ab.

»So sah der gar nicht aus.«

Gabriel hält den Umschlag in die Höhe. Dem Gewicht nach zu urteilen können da nicht mehr als drei oder vier Seiten drin sein.

»Eine literarische Entdeckung! Irgendwas mit Gott. Ein Engländer, der im achtzehnten Jahrhundert Europa bereist und darüber Tagebuch geführt hat.« Er lässt den Umschlag geräuschvoll auf Leonores Tisch fallen. »Viel Spaß damit. Was ist?«

Leonore bedenkt ihn mit einem sorgenvollen Blick.

»Halte durch, okay? Bis Sonntag. Fünf Tage.«

Er seufzt kaum hörbar. Fünf Tage. Unvorstellbar.

»Ich bin müde, Leonore.«

»Weiß ich, Gabriel. Aber bis Sonntag musst du durchhalten. Danach setze ich dich in einen Flieger nach ganz weit weg und du bleibst so lange dort, bis du es nicht mehr aushältst. Um alles andere kümmere ich mich.«

Er lässt seine Stirn in die Handflächen sinken, reibt sich die Augen.

»Sieh dich um, Leonore. Vierhundert literarische Agenturen aus aller Welt. Und nicht eine darunter, die dich nicht mit Kusshand einstellen würde.«

»Diese Diskussion hatten wir schon.«

»Dann übernimm meine Agentur. Ohne dich läuft hier doch schon lange nichts mehr.«

»Trink deinen Kaffee«, erwidert sie. »Da vorne kommt Betzenberg.«

Edgar Rai

Über Edgar Rai

Biografie

Edgar Rai, geboren 1967 in Hessen, ist Autor vieler erfolgreicher Romane, Übersetzer und seit 2012 Mitinhaber der Buchhandlung Uslar & Rai in Berlin. 2010 gelang ihm mit dem Bestseller »Nächsten Sommer« der Durchbruch. Zuletzt erschien im Berlin Verlag »Die Gottespartitur« (2014). Er lebt mit...

Pressestimmen

Schweizer Buchhandel

»Meine Entdeckung 2015. Ein rasanter Roman im Literaturmilieu.«

Freundin

»Lässt sich die Existenz Gottes beweisen? Und wenn ja: Wie ist das möglich? Das sind Themen, die in Büchern gerne etwas sperrig daherkommen. Edgar Rai zeigt mit "Die Gottespartitur", dass es auch anders geht. Nämlich extrem spannend und philosophisch anspruchsvoll zugleich.«

Goslarsche Zeitung

»Edgar Rai hat einen wunderbaren Mix aus Satire, Krimi und historischer Fiktion geschrieben. [...]. Ein spannendes, mit leichter Hand komponiertes - pardon - geschriebenes Buch, Prädikat "göttliche" Unterhaltung.«

Lesart

»"Die Gottespartitur" beweist, dass Rai auch in anderen Genres zu überzeugen weiß. Es ist ein gut lesbarer, intelligenter Roman, Dan Brown light gewissermaßen. Statt mit atemloser Spannung punktet Rai mit philosophischen Reflexionen, Ergebnissen der Hirnforschung sowie Betrachtungen über den Wert der Musik, die zum Weiterdenken anregen. Dass trotz ernster Grundierung keine Langeweile entsteht, dafür sorgen Satire, Ironie und Situationskomik, witzige Passagen, anschauliche Szenen und lebendige Schauplätze. Ein Buch für Musik- und Literaturliebhaber und für alle Leser, die gemäßigte Spannung mit gescheiten Gedankenspielen mehr schätzen als hektisches Agieren ohne viel Substanz.«

Bücher

»Gabriel, der Ich-Erzähler in Rais tempo- und geistreichem Roman, blickt zynisch und desillusioniert auf sein Leben und liefert dabei köstlich-kuriose Innenansichten des Literaturzirkus. [...]. Im furiosen Finale muss jeder selbst entscheiden, wie viel er glauben möchte.«

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