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Die FreienDie Freien

Die Freien

Roman

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Die Freien — Inhalt

Versehrt ist Leroy Kervin aus dem Einsatz im Irak zurückgekehrt. Jetzt kämpft er ums Überleben. Und die Menschen an seiner Seite haben in ihrem Alltag nicht weniger zu kämpfen: Für Freddie McCall ist die Nachtschicht in Leroys Wohngruppe nur einer der Jobs, die er braucht, um die Arztrechnungen seiner Tochter zu bezahlen. Die Krankenschwester Pauline kämpft verzweifelt um das Leben ihrer jungen Patientin Jo. Leroy schwebt zwischen Leben und Tod und sucht in Fieberträumen nach Sinn. Für die Helden dieses Buches sind die USA ein kaltes Land ohne Gnade. Freiheit? Für die einfachen Menschen scheint es sie nicht zu geben.

Es sind anrührende Geschichten, die Willy Vlautin in seinem neuen Roman miteinander verwebt. Er gibt den Menschen ganz unten eine authentische Stimme und beweist sein Gespür für ihre Sorgen und Nöte, für die prekäre Schieflage, in der sein Land sich befindet. Das mutige Statement eines großen Autors.

€ 22,00 [D], € 22,70 [A]
Erschienen am 05.10.2015
Übersetzt von: Robin Detje
320 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-8270-1176-3
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 05.10.2015
Übersetzt von: Robin Detje
320 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7846-9
»Gute Literatur soll keine Meinungen verkaufen, sondern Welt beschreiben und zur Diskussion stellen: Tschechows Motto scheint für Willy Vlautin zugleich Anspruch und Gesetz zu sein. Unprätentiös, nüchtern, mitunter fast pragmatisch, aber stets mit Anteilnahme und ganz nah an der Lebenswirklichkeit seiner Protagonisten schreibt er Geschichten über Verlierer und Verlorene der amerikanischen Gesellschaft. […]. Entlang der Biografien seiner Antihelden beschreibt Vlautin aufrüttelnd, beklemmend und anrührend, wie der amerikanische Traum angesichts eines immer aggressiver agierenden Kapitalismus die gesellschaftliche Balance verliert und Schritt für Schritt zum Albtraum wird.«
Wiener Zeitung
»Es sind anrührende Geschichten, die Willy Vlautin in seinem neuen Roman miteinander verwebt. Er gibt den Menschen ganz unten eine authentische Stimme und beweist sein Gespür für ihre Sorgen und Nöte, für die prekäre Schieflage in der sein Land sich befindet. Das mutige Statement eines großen Autors.«
bücher
»Vlautin gibt den Menschen ganz unten eine authentische Stimme und beweist sein Gespür für ihre Sorgen und Nöte.«
Sozialdemokratische Partei Österreichs
»Ballade über Amerikas Underdogs: Country-Sänger Willy Vlautin zeichnet im Roman 'Die Freien' ein Panorama der Verlierer, die den Fährnissen trotzen – oder darin untergehen. […]. Immerhin: Für Freddie und Pauline hält Willy Vlautin so etwas wie ein Happy End bereit – wenngleich nicht unbedingt ein Hollywood-taugliches. Dass sie sich treu geblieben sind, dass sie den Fährnissen der Krise und Rezession getrotzt und dabei ihre Humanität bewahrt haben, ist Sieg genug.«
Die Presse am Sonntag
»Am Schluss gelingt Vlautin mit seinem Antikriegsroman ein unerwartet versöhnliches, hoffnungsvolles Ende.«
Ostfriesen Zeitung
»Ein kaltes Land ohne Gnade, das sind die Vereinigten Staaten in Willy Vlautins neuen Roman. Er berichtet von denen, die noch nie Anteil hatten am 'Amerikanischen Traum'.«
Schweizer Fernsehen "Der Literaturclub"
»Die Figuren in diesem viel zu kurzem Roman rühren nicht nur an, sie inspirieren. Vlautin verknüpft Ausschnitte aus dem Leben einfacher Leute zu einer desillusionierenden Collage der Zustände im Herzen der Supermacht. Es geht um Menschen, die trotz ihres Einsatzes und harter Arbeit niemals ausgesorgt haben werden. Also kämpfen sie weiter, ganz so, wie in der Realität. Denn Morgen wird es besser. Vielleicht.«
stadtbibliothek.leipzig.de
»Mit Leroy, Freddie und Pauline sind dem Autor drei starke Charaktere gelungen. ER bietet einen realistischen Blick auf die Außenseiter des "Amercian Way of Life" und erschreckende Einsichten in das Leben derjenigen, die täglich knapp davor stehen, in die Hölle des 'white trash' abzusinken.«
Walsroder Zeitung
»Es ist ein Porträt jenes Amerikas, das größer und größer wird: Wie viele Jobs braucht der Mensch, um sich das Leben und das Gesundheitssystem leisten zu können? […]. Vlautin drängt uns seine Schützlinge nicht auf. Man wird sie sehr mögen. Und man wird merken, wie wichtig dieser Autor ist.«
Kurier
»Willy Vlautin ist ein unsentimentaler Erzähler, aber fraglos ein großer Menschenfreund. [...] Immer wieder gönnt er seinen von Schicksal geschurigelten und permanent überforderten Figuren eine Verschnaufpause, vor allem aber das, was dieses selbst noch in aussichtslos scheinender Lage erstaunlicher- und selbstverständlicherweise bereitstellen - Aufmerksamkeit, Hilfe, Freundlichkeit und ja doch: Liebe.«
Die Welt
»Vlautin erzählt lakonisch und trotzdem sensibel von den Leiden und Sehnsüchten seiner Protagonisten. Er schafft es vor allem, eines erkennbar darzustellen: die Würde eines jeden Einzelnen.«
Freie Presse
»Willy Vlautin erzählt diese deprimierende, von gesellschaftlicher Kälte durchwehte Geschichte in einer schlichten Sprache, die nicht mitleidheischend und schon gar nicht sensationsgeil ist. Er berichtet aus dem reichsten Land der Welt, das für seine Menschen aber nicht sonderlich viel übrig zu haben scheint.“«
Heilbronner Stimme
»Er trifft immer den richtigen Ton - als Musiker und als Romancier. Willy Vlautin gibt den Verlierern eine Stimme, ohne sie zu romantisieren.«
Kleine Zeitung
»Willy Vlautin beschreibt das Leben seiner versehrten Protagonisten fast sachlich und ohne Kitsch, aber mit viel Empathie - deswegen berühren einen die Geschichten über den alltäglichen Kampf im Leben wirklich sehr.«
Deldorado
»Vermeintlich belanglos-alltägliche Szenen verweben sich zu einem unentwirrbaren Geflecht aus Sorgen und Nöten, aus dem es kein Entrinnen gibt.«
choices (Köln)
»'Das wird schon wieder, meistens jedenfalls!' ist eine typische Redewendung in dem Buch. Denn allen kann nicht geholfen werden, ein paar bleiben auf der Strecke. Über deren Schicksal denkt man noch lange nach Beendigung des Romans nach.«
Buchkultur
»Arm, aber nicht würdelos: Autor Willy Vlautin nimmt die Kehrseite des amerikanischen Traums unter die Lupe.«
Profil
»Willy Vlautin beobachtet und beschreibt seine Figuren wie ein Sozialarbeiter - voller Mitgefühl, aber realistisch und pragmatisch. Er versteht der Versuchung vieler Autoren, aus berührenden Schicksalen leicht verdauliche Unterhaltung zu formen. Deshalb wirkt sein Roman so authentisch, und er wirft Fragen auf, wie es ein reiches Land zulassen kann, einen Teil seiner Bevölkerung im Stich zu lassen.«
Die Rheinpfalz
»Vlautin ist ein Meister darin, den Alltag dieser Amerikaner ohne Pathos, Verklärung oder Dramatisierung zu dokumentieren. Seine Geschichten sind von einem aufrichtigen Interesse geprägt. Und von der Frage: Wie leben Menschen, die zu wenig zum Leben haben?«
Staubinger Tagblatt
»'Die Freien' ist nicht nur emotional berührend, sondern auch stilistisch brillant. Der Roman besticht durch realistische Dialoge. Unbedingt empfehlenswert.«
blog.literaturwelt.de
»Willy Vlautin gibt ihnen eine Stimme, den einfachen Menschen in seinem Land, schreibt Szenen, die einem lange nach der Lektüre nicht mehr aus dem Kopf gehen, und sich tief ins Gedächtnis einbrennen. Filmreif und wahrhaftig zugleich.«
WDR 5 "Scala"
»Willy Vlautin lässt seine Figuren nie allein. So trost- oder aussichtslos ihre Existenz auch sein mag, er schenkt ihnen immer noch so einen Hoffnungsschimmer, gibt sie nie ganz auf bzw. sorgt dafür, dass sie sich nicht aufgeben. Und das aber ohne jeden Anflug von Sentimentalität oder Sozialkitsch. […]. Das hat dieser Autor mit so großen amerikanischen Erzählern wie z.B. John Steinbeck gemeinsam, der nicht nur das Elend der sogenannten kleinen Leuten erzählt, sondern sie mit Stolz und Würde ausgestattet hat. Immer.«
rbb Radio eins
»Irgendwann beginnt man zu verstehen, dass der Titel 'Die Freien' völlig unzynisch gemeint ist. Vlautin zeigt Menschen, die sich die Freiheit nehmen, eben nicht am Leben zu zerbrechen. Das ist am Ende dann doch sehr amerikanisch. Aber auf eine tolle Art.«
culturmag.de
»Hart, das alles, wüst, lakonisch.«
Stadtblatt Osnabrück
»Harter Stoff, präzise geschildert in einer sehr empfehlenswerten Lektüre.«
rezensions-seiten.de
»'Die Freien' ist ein großer Wurf, wenn man bereit ist, sich auf die schnörkellose Sprache und die einfache Erzählweise, die viel mit Dialogen arbeitet, einzulassen. [...] Absolute Empfehlung.«
sandammeer.at
»Kein anderer Autor der Gegenwart bietet einen derart realistischen Blick auf die Außenseiter des American Way of Life, derart erschreckende Einsichten in das Leben derjenigen, die täglich knapp davor stehen, in die Hölle des 'white trash' abzusinken.«
Falter
»Lose, aber kunstvoll verknüpft Vlautin einige Lebensläufe und bildet ziemlich treffend ab, was so oft keine Rolle spielt in der Literatur: die zermürbende, ungesunde Arbeitswelt der unteren Mittelschicht. Denn auch dieses Prekariatspersonal besitzt unzweideutig heroische Qualitäten.«
Rolling Stone
»Vlautin zeichnet seine Menschen, die ein anderes Amerika repräsentieren, voller Sympathie und Empathie. Ein weiteres eindrucksvolles und berührendes Buch aus seiner Feder.«
Bücherschau

Leseprobe zu »Die Freien«

Kamillus von Lellus gewidmet,
dem Schutzheiligen der Krankenschwestern

1
Als Leroy Kervin die Augen öffnete, sah er eine Frau in einem blauen Bikini mit weißen Sternen. Sie hatte einen Pressluftbohrer in der Hand. Er konnte ihre blonden Haare erkennen, ihre hohen Absätze und ihre langen schlanken Beine. Nach sieben Jahren sah er sie zum ersten Mal mit ungetrübtem Blick. Im Schein des kleinen bunten Nachtlichts konnte er sie ganz klar ausmachen.
Er lag in einem Doppelbett und blickte das Mädchen an. Er konnte das Logo unter ihr auf dem Kalender entziffern: [...]

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Kamillus von Lellus gewidmet,
dem Schutzheiligen der Krankenschwestern

1
Als Leroy Kervin die Augen öffnete, sah er eine Frau in einem blauen Bikini mit weißen Sternen. Sie hatte einen Pressluftbohrer in der Hand. Er konnte ihre blonden Haare erkennen, ihre hohen Absätze und ihre langen schlanken Beine. Nach sieben Jahren sah er sie zum ersten Mal mit ungetrübtem Blick. Im Schein des kleinen bunten Nachtlichts konnte er sie ganz klar ausmachen.
Er lag in einem Doppelbett und blickte das Mädchen an. Er konnte das Logo unter ihr auf dem Kalender entziffern: Jack-son’s Tool Supply. Er wusste noch, dass sein Vetter dort arbeitete. Plötzlich konnte er klar denken, Zusammenhänge sehen, anders als in den vergangenen Jahren. Es war, als wäre der endlose Schneesturm in seinem Kopf endlich abgezogen. Tränen der Erleichterung liefen ihm über die Wangen. War er frei, war er wirklich wieder ganz er selbst?
Leroy Kervin war vierundzwanzig Jahre alt, als seine Abteilung der National Guard in den Irak geschickt wurde. Im sechsten Monat seines Einsatzes zerstörte eine Bombe am Straßenrand das Fahrzeug, in dem er saß. Ein Soldat kam ums Leben, zwei weitere wurden verwundet und er wachte mit einem schweren Hirntrauma und zwei gebrochenen Armen in einem Krankenhaus in Deutschland wieder auf. Er konnte nicht sprechen und er konnte nicht laufen. Sein Leben würde nie wieder so sein wie vor der Bombe. Dieser Leroy Kervin war dahin.
Der neue Leroy Kervin erkannte Menschen nicht wieder, die er gerade eben gesehen hatte. Er brauste schnell auf und verfiel genauso schnell in Depressionen. In der einen Sekunde warf er vor Frust Sachen an die Wand, in der nächsten weinte er hemmungslos. Er brauchte Monate, bis er wieder laufen konnte, Monate, bis er wieder eine Gabel halten konnte, es fiel ihm schwer zu sprechen und seine Gefühle machten ihm zu schaffen. Für den neuen Leroy Kervin gab es keine Wunderheilung. Nach der Reha kam er in Pflege und landete schließlich in einer zweitklassigen Wohngruppe für behinderte Männer in einem Ort im Bundesstaat Washington.
Aber in dieser Nacht wachte er zum ersten Mal seit der Explosion mit klarem Kopf auf. Die Erinnerungen waren wieder da. Seine Gewohnheiten fielen ihm ein – was in dieser Woche auf dem Speiseplan stand, wann er ins Bett ging und an welchen Wochentagen er duschte. Er konnte sich wieder daran erinnern, wie seine Mutter ihm Essen mitbrachte und beim Fernsehen neben ihm saß. Er konnte sich an seine Freundin erinnern, an ihre Augen und ihr Gesicht, an das Muttermal an ihrer Wade und daran, wie sie in Unterwäsche herumlief. Plötzlich wusste er wieder, wie sie lachte, wie ihre Stimme klang, wenn sie sauer war, wie sie nieste und wie sie traurig seufzte, wenn morgens der Wecker klingelte.
Was war los mit ihm?
Die Zeit verging und er wusste nicht, was tun. Er wurde müde. Er konnte den Jungen hören, Rolly, wie er sich nebenan einen runterholte, und den Alten, Hal, wie er im Zimmer gegenüber leise schnarchte. Noch weiter weg konnte er Donald hören, der einen Hustenanfall hatte. Donald, der manchmal nackt herumlief, in Leroys Zimmer kam, ihn wachrüttelte und ihm Worte ins Gesicht spuckte, die nicht zu verstehen waren. Wenn er wieder einschlief, ob er dann wieder am Arsch war, im ewigen Nebel? Ob die Klarheit dann wieder weg war?
Seine Angst davor war so groß, dass er beschloss, sich umzubringen. Voller Panik stieg er aus dem Bett, fing an zu hyperventilieren und schleppte sich in die Küche. Er versuchte die Besteckschublade aufzuziehen, aber sie war abgeschlossen. Er versuchte es am Medizinschrank, aber der war auch abgeschlossen. Er ging an die Tür zur Garage und öffnete sie. Er schaltete das Licht ein. Der Raum war leer, abgesehen von einer nutzlosen Werkbank und einem alten Gartenzauntor aus Holz und Maschendraht. Es gab keine Werkzeuge und überhaupt nichts Nützliches, nur alte Farb-eimer. Er starrte das Tor an, dann ging er hin, zerrte es aus der Garage ins Wohnzimmer und stellte es an dem Kinderschutzgitter ab, das die Treppe in den ersten Stock versperrte. Seine Beine zitterten vor Erschöpfung und er setzte sich aufs Sofa und ruhte sich aus.
Er brauchte ein Seil, aber es gab keines. Er tappte wieder in sein Zimmer. Er nahm das eine schicke Hemd, das seine Mutter ihm in den Schrank gehängt hatte, ging zurück zum Gitter und öffnete es. Er stieg zum ersten Treppenabsatz hinauf und drehte sich um. Er schloss das Gitter, zog das Tor davor, die spitzen alten Holzpfosten ragten zur Treppe hin. Mit einem Hemdsärmel band er Tor und Gitter zusammen und setzte sich.
Erschöpfung übermannte ihn. Er schloss die Augen, lehnte sich an die Wand und wartete. Als er sich wieder hinstellte, schlotterte er, aber er mühte sich die Treppe hinauf. Als er fast oben war, konnte er Freddie McCall, den Nachtdienst, laut schnarchen hören. Er erklomm die letzten Stufen, dann war er im ersten Stock. Auf dem Bürotisch brannte eine Lampe. Er konnte Freddie sehen, wie er in seinen Kleidern auf dem Bauch lag und schlief.
Er ging ganz nach hinten, so weit weg von der Treppe wie möglich, und drehte sich um. Er war außer Atem und ihm war schwindelig. Wieder dachte er an seine Freundin Jeanette. Er erinnerte sich an das Haus, in dem sie zusammen gewohnt hatten, daran, wie sie neben ihm im Bett gelegen und geschlafen hatte, wie sie ihm am Ende kleine Zettel in all seine Hemden, seine Hosen und jede Socke in seiner Reisetasche geschmuggelt hatte. Wie sie ihn in der Kaserne zu Tränen gerührt hatte. Wie sie immer am Telefon auf der anderen Seite der Erde zusammengebrochen war und dann den Rest des Gesprächs über versucht hatte, ihn zum Lachen zu bringen. Wo war sie jetzt?
Und traf er die richtige Entscheidung? Vielleicht war die Klarheit mehr als eine flüchtige Illusion, vielleicht hatte sein Gehirn sich plötzlich selbst geheilt? Aber das war unmöglich, oder? So etwas gab es doch nicht? Tränen rannen ihm über das Gesicht und er versuchte zu laufen.
Er verlangte seinen Beinen mehr Tempo ab als in sieben langen Jahren und flog mit ausgebreiteten Armen die Treppe hinunter. Er landete auf den alten Holzpfosten und sie bohrten sich in sein Fleisch, als er krachend aufprallte. Dann lag er blutend und bewusstlos auf dem Boden.

2
Der Lärm weckte Freddie McCall auf, und er griff nach seiner Brille. Er schaltete das Licht ein, lief die Treppe hinunter und sah den bewusstlosen Leroy daliegen, dem ein Stück Holz aus der Brust ragte. Alles war voller Blut. Er lief zum Telefon und wählte die Notrufnummer.
Als er aufgelegt hatte, drückte er zwei Küchenhandtücher auf die größte Wunde und starrte Leroy ins Gesicht. Leroy hatte eine fünf Zentimeter lange blutende Schnittwunde auf der Wange, und an der Stirn wuchs eine Beule. Freddie wollte etwas sagen, um ihn zu trösten, aber jedes Mal wenn er den Mund aufmachte, musste er weinen.
Er hatte Leroy immer gerngehabt. Für einen Mann, der nicht sprechen konnte, dessen Hirn im Krieg eine Delle abbekommen hatte, hatte Leroy Charakter. Er mochte Cap’n Crunch und guckte ohne Ende den Science-Fiction-Kanal, tagelang. Er hatte nie Streit angefangen und war gegen seine Mitbewohner nie tätlich geworden. Manchmal hatte er Verzweiflungsanfälle und kam tagelang nicht aus dem Bett, aber wem würde das nicht so gehen? Und manchmal, oft in den zwei Jahren, die Freddie hier arbeitete, hatte Leroy ihn mitten in der Nacht geweckt. Er hatte Freddie dann immer zur Tür gezerrt und darangeklopft. Freddie suchte dann den Schlüssel, schloss auf, und sie gingen nach draußen und sahen die Sterne an. Leroy ging wie ein alter Mann über den Rasen, den Kopf in den Nacken gelegt und den Blick in die fernen Galaxien gerichtet.
Freddie wusste, dass Leroys Mutter ihren Sohn nach der Arbeit besuchte. Sie sah sich immer alte Raumschiff-Enterprise-Folgen mit ihm an und half ihm beim Abendessen. Wenn sie ging, umarmte Leroy sie jedes Mal so fest, dass sie kaum noch Luft bekam. »Keine Sorge, das hat er vor seiner Verwundung auch schon gemacht«, sagte sie dann. Wenn Freddie zur Nachtschicht antrat, war sie meistens schon weg, aber manchmal traf er sie, und jedes Mal tat sie ihm leid. Sie arbeitete im Supermarkt. Sie lebte allein in einem kleinen Haus in einem Viertel, das vor die Hunde ging, und fuhr ein zwanzig Jahre altes Auto.
Man hörte Sirenen und dann hielt ein Krankenwagen in der Auffahrt. Zwei Rettungssanitäter kamen hereingelaufen und nahmen sich unten an der Treppe Leroy vor. Freddie ging in die Küche und rief die Leiterin der Wohngruppe an, dann hinterließ er eine Nachricht für Leroys Mutter. Die Bewohner kamen einer nach dem anderen aus ihren Zimmern. Hal, der Sechsundvierzigjährige, stellte sich neben Freddie. Der Junge, Rolly, stand weinend hinter ihm, und Donald, der fünfunddreißigjährige Indianer, starrte wie gelähmt auf den Fernseher.
»Ist schon gut, Leute«, sagte Freddie. »Wir können nicht viel machen, also gehen wir einfach wieder ins Bett. Mit Leroy wird alles gut. Diese Leute wissen, was sie tun.« Aber niemand rührte sich, nicht einmal Freddie. Sie standen alle einfach nur da und sahen zu, wie die Rettungssanitäter Leroy auf eine Trage legten und ihn zum Krankenwagen brachten. Sie sahen zu, wie er eingeladen und weggefahren wurde.
Die Leiterin der Wohngruppe, Julie Norris, traf ein. Gemeinsam brachten sie die Bewohner wieder ins Bett, räumten die kaputten Gitter weg und versuchten, die blutbefleckten Teppiche zu reinigen. Als sie wieder ging, war es vier Uhr morgens. Freddie war so aufgeregt, dass er nichts anderes tun konnte als Kaffee trinken und warten, dass seine Schicht zu Ende ging. Als Dale Riley kam, der Mann von der Tagesschicht, fünfzehn Minuten zu spät um Viertel nach sechs, merkte Freddie, dass er nur eine Stunde geschlafen hatte.
Er stieg in einen verbeulten Mercury Comet, Baujahr 1965, und ließ ihn an. Er drehte die Heizung voll auf, stieg wieder aus, kratzte die Scheiben frei und fuhr nach Hause. Auf dem Weg zur Haustür konnte er seinen Atem sehen. Auf dem Küchentresen stand die Eieruhr und er stellte sie auf sechs Minuten. Im Bad drehte er einen kleinen Heizlüfter auf, legte seine Arbeitskluft daneben ab und stellte sich unter die Dusche.
Dreizehn Minuten später saß er wieder im Auto. Er fuhr ins Industriegebiet der Stadt und parkte vor Heaven’s Door Donuts, einem kleinen weißen Betonziegelbau, der früher eine Hamburgerbude gewesen war. Vom Dach hing ein Schild, auf dem in kursiver pinker Neonschrift der Name des Ladens stand. In den vergangenen vierzehn Jahren war er mindestens fünfmal die Woche in diesem Donut-Laden gewesen. Der Besitzer, ein sechzig Jahre alter Vietnamese namens Pham, machte die Donuts im Hinterzimmer. Am Tresen bediente eine fettleibige ältere Frau mit blond gefärbten Haaren namens Mora. Als er vorfuhr, ging er zweimal auf die Lichthupe, und sie kam mit drei Dutzend gemischten Donuts in zwei pinken Schachteln herausgelaufen.
»Herrgott, kommst du heute spät«, sagte sie. Ihre Haare waren mit einem grell orangefarbenen Haarband zurückgebunden und sie trug rote Jogginghosen und eine weiße Schürze. Sie gab ihm die Schachteln.
Freddie stellte sie auf den Beifahrersitz. »Dale war wieder zu spät.«
»Den alten Dale sollten sie echt feuern.«
»Ich bin dafür.«
»Du siehst müde aus.«
»Bin ich auch ein bisschen«, sagte er.
Mora beugte sich vor und legte die Arme auf die Tür. Ihre Lippen waren vor Kälte blau und ihr Atem verwehte im Wind wie Rauch.
»Dein Boss hat die Donut-Rechnung nicht bezahlt, weißt du.«
»Ich kriege ihn schon dazu.«
»Der geht mir auf die Nerven, genau wie Dale«, sagte Mora und grinste.
»Mir auch.«
»Hast du gestern Abend das Spiel gehört?«
»Wollte ich, ja. Ich hatte das Radio an, aber ich bin in der ersten Halbzeit eingeschlafen, und dann musste ich zur Arbeit.«
»Du hast nicht viel verpasst. Moose Jaw hat sie fertiggemacht. Geht es dir auch wirklich gut, Freddie? Du hast ganz rote Augen. Das sehe ich sogar bei diesem Licht.«
»Ich bin einfach ein bisschen alle, Mora. Das war eine lange Nacht, aber es ist alles okay.«
Sie richtete sich auf und machte sich auf den Weg zurück zum Laden. »Ich habe dir eine Zuckerstange extra reingetan und eine Handvoll Mini-Donuts«, rief sie. »Bis morgen, Freddie. Und schlaf dich mal aus.«
Er brüllte einen Abschiedsgruß, fuhr zu Logan’s Paint Store und parkte. Er stellte die Donuts auf den Tresen, machte Kaffee und schloss den Laden auf.
Er brauchte vier Tassen Kaffee, um den morgendlichen Ansturm der Malermeister zu überstehen. Als es im Laden endlich leerer wurde, war es elf Uhr vormittags. Er kochte noch eine Kanne Kaffee und machte sich daran, den Boden zu wischen. Um elf Uhr vierzig parkte Pat Logan, der Besitzer von Logan’s Paint Store, seinen ein Jahr alten Ford-F-250--Pick-up vor dem Haus. Er war groß gewachsen und hatte neunzig Kilo Übergewicht. Er hatte kaputte Knie und braune Zähne und wurde kahl.
Sein Vater, Enoch Logan, hatte den Laden 1970 aufgemacht. Auf dem Sterbebett hatte Mr Logan seiner Frau gesagt, er wolle, dass Freddie den Laden übernahm. Er wollte ihn zum Miteigentümer machen, damit das Geschäft weiterlief, wenn sie einmal nicht mehr war. Aber seine Frau war anderer Meinung gewesen und fand, ihr einziger Sohn Pat solle den Laden bekommen. Ihr Sohn, der sein ganzes Erwachsenenleben lang immer wieder seine Jobs verloren hatte, musste drei kleine Kinder ernähren. Sie stritten sich lange darum, wochenlang, aber schließlich überzeugte sie Enoch, das Geschäft in der Familie zu lassen. Also ließ Mr Logan seinen Anwalt kommen und schrieb für Freddie eine jährliche Lohnerhöhung von drei Prozent fest. Das ließ er sich von Pat unterschreiben und übergab ihm das Geschäft. Einen Monat später war Enoch Logan tot, und sechs Jahre darauf waren die anderen fünf Angestellten entlassen. Der Laden war mit seinen Zahlungen im Rückstand und Freddie musste sechs Tage die Woche allein hinter dem Tresen von Logan’s Paint stehen.
»Wie ist es heute Vormittag gelaufen?«, fragte Pat und stellte ein Hackbraten-Fertiggericht und eine Literflasche Dr Pepper auf dem Tresen ab.
»Jenson hat 120 Liter Grundierung gekauft«, sagte Freddie. »Und Lawsons Mannschaft war da, wegen Deckfarbe für diese Apartmentanlage, ich schätze so 1.200 Dollar bisher.«
Pat schüttelte den Kopf und blickte auf den leeren Parkplatz hinaus. Er stellte den Hackbraten in den Kühlschrank, ging in sein Büro und schloss die Tür. Um fünf vor zwölf kam er heraus, machte sich das Essen in der Mikrowelle warm und verschwand wieder im Büro. Er stellte das Radio auf Family Talk ein, den Evangelikalen-Sender von Dr. James Dobson, und rief seine Frau an. Er stellte sie auf Lautsprecher und sie hörten zusammen Radio, während er aß. Um ein Uhr kam er wieder aus dem Büro, warf die Verpackung in den Müll und blickte auf den Parkplatz hinaus, der noch immer leer war. Er ging nach hinten ins Lager, wo Freddie eine Palette Farbe ablud.
»Na, jetzt sieht es nach Schnee aus«, sagte er.
»Schnee im Januar«, sagte Freddie.
»Heute nachmittag wird es so was von tot.«
»Kann gut sein.«
»Ich muss was erledigen. Vielleicht komme ich wieder, vielleicht auch nicht.«
»Okay, Pat«, sagte er, und dann ging sein Boss.
Um halb sechs machte Freddie den Laden dicht und ging nach Hause. Er legte sich aufs Sofa, deckte sich mit einem Schlafsack zu und schlief bis sieben. Als er aufwachte, trank er einen Energy Drink, holte den Heizlüfter aus dem Bad in die Küche und briet sich zwei Eier. Er zog sich um, setzte sich aufs Sofa und rief seine Töchter in Las Vegas an. Mit jedem der Mädchen redete er fünf Minuten, aber am Ende hatten sie einander nichts mehr zu sagen.
Er blickte auf die Uhr. Er hatte noch anderthalb Stunden, dann fing seine Schicht in der Wohngruppe an. Er legte sich wieder aufs Sofa. Im Licht aus der Küche konnte er den Kamin und das Esszimmer sehen. Er konnte den Flur sehen, der zu den alten Zimmern seiner Töchter führte, und die Treppe nach oben zum Elternschlafzimmer. Sein Großvater hatte das Haus gebaut, und jetzt konnte Freddie es nicht mehr halten. Er hatte es umsonst und unbelastet bekommen, und jetzt lagen zwei Hypotheken darauf. Es gab keine Heizung, der Müll wurde nicht mehr abgeholt und er war mit der Stromrechnung in Verzug. Im Grunde wusste er, dass er alles verlieren würde.
Er fuhr seinen Comet durch das Stadtzentrum und durch die Vorstädte, und in der Ferne tauchte auf einem Hügel das Kreiskrankenhaus auf. Er parkte auf dem Besucherparkplatz. Am Empfang fragte er nach Leroy Kervin, eine Frau erklärte ihm den Weg, und fünf Minuten später stand er vor Leroy, der allein in einem Zimmer im fünften Stock lag, in der Abteilung für postoperative Intensivmedizin.
Ein Schlauch steckte ihm in der Kehle, Schläuche kamen aus seiner Brust. Er war nicht bei Bewusstsein und auf seinem geschwollenen Gesicht stand der Schweiß. Seine Lippen waren spröde und die tiefe Schramme auf seiner Stirn war gelb-lila angelaufen. Freddie zog die Jacke aus und setzte sich mit dem Gesicht zum Bett auf einen Stuhl. Er sah auf die Uhr. Er konnte dreißig Minuten bleiben.
Eine Schwester kam ins Zimmer.
»Wird Leroy wieder?«, fragte Freddie.
»Ich fürchte, er ist noch nicht über den Berg«, mehr hatte die Schwester nicht zu sagen. Auf ihrem Namensschild stand Pauline. Sie war untersetzt, mittelgroß, in den Dreißigern und hatte dunkelbraunes Haar und braune Augen. Sie roch nach Shampoo und Zigaretten. Auf den ersten Blick hatte sie ein hübsches Gesicht. Erst aus der Nähe sah man die Falten um ihre Augen und Lippen und die Aknenarben. Sie wirkte müde.
»Sind Sie ein Verwandter?«, fragte sie.
»Ich arbeite in der Wohngruppe, in der er gelebt hat. Gestern Nacht ist er die Treppe runtergefallen und ich habe ihn gefunden.«
»Die Operation ist gut verlaufen, das ist schon mal gut«, sagte sie und prüfte den Lüfter, die Schläuche in der Brust und den Kanister neben dem Bett. Sie warf einen Blick auf sein Krankenblatt, gab etwas in den Computer in der Zimmerecke ein und ging.
Er blickte auf die Uhr und ging zum Fenster. Auf dem Parkplatz standen über hundert Autos, und er konnte kaum glauben, dass es in einer so kleinen Stadt so viele Autos gab. Er ging zurück zu Leroy und zog sich die Jacke an. Er beugte sich über ihn und legte ihm sanft eine Hand auf den Arm. Er spürte, wie warm und weich Leroys Haut war. »Es tut mir leid, dass du es nicht geschafft hast, Leroy. Ich weiß, so was sagt man nicht, aber es tut mir trotzdem leid.«

Willy Vlautin

Über Willy Vlautin

Biografie

Willy Vlautin, geboren 1967 in Reno, Nevada, ist Sänger und Songschreiber der Folkrockband Richmond Fontaine. Seine Romane »Motel Life«, »Northline« und »Lean on Pete« wurden zu internationalen Erfolgen, »Motel Life« wurde mit Emile Hirsch, Dakota Fanning und Stephen Dorff in den Hauptrollen...

Pressestimmen

Wiener Zeitung

»Gute Literatur soll keine Meinungen verkaufen, sondern Welt beschreiben und zur Diskussion stellen: Tschechows Motto scheint für Willy Vlautin zugleich Anspruch und Gesetz zu sein. Unprätentiös, nüchtern, mitunter fast pragmatisch, aber stets mit Anteilnahme und ganz nah an der Lebenswirklichkeit seiner Protagonisten schreibt er Geschichten über Verlierer und Verlorene der amerikanischen Gesellschaft. […]. Entlang der Biografien seiner Antihelden beschreibt Vlautin aufrüttelnd, beklemmend und anrührend, wie der amerikanische Traum angesichts eines immer aggressiver agierenden Kapitalismus die gesellschaftliche Balance verliert und Schritt für Schritt zum Albtraum wird.«

bücher

»Es sind anrührende Geschichten, die Willy Vlautin in seinem neuen Roman miteinander verwebt. Er gibt den Menschen ganz unten eine authentische Stimme und beweist sein Gespür für ihre Sorgen und Nöte, für die prekäre Schieflage in der sein Land sich befindet. Das mutige Statement eines großen Autors.«

Sozialdemokratische Partei Österreichs

»Vlautin gibt den Menschen ganz unten eine authentische Stimme und beweist sein Gespür für ihre Sorgen und Nöte.«

Die Presse am Sonntag

»Ballade über Amerikas Underdogs: Country-Sänger Willy Vlautin zeichnet im Roman 'Die Freien' ein Panorama der Verlierer, die den Fährnissen trotzen – oder darin untergehen. […]. Immerhin: Für Freddie und Pauline hält Willy Vlautin so etwas wie ein Happy End bereit – wenngleich nicht unbedingt ein Hollywood-taugliches. Dass sie sich treu geblieben sind, dass sie den Fährnissen der Krise und Rezession getrotzt und dabei ihre Humanität bewahrt haben, ist Sieg genug.«

Ostfriesen Zeitung

»Am Schluss gelingt Vlautin mit seinem Antikriegsroman ein unerwartet versöhnliches, hoffnungsvolles Ende.«

Schweizer Fernsehen "Der Literaturclub"

»Ein kaltes Land ohne Gnade, das sind die Vereinigten Staaten in Willy Vlautins neuen Roman. Er berichtet von denen, die noch nie Anteil hatten am 'Amerikanischen Traum'.«

stadtbibliothek.leipzig.de

»Die Figuren in diesem viel zu kurzem Roman rühren nicht nur an, sie inspirieren. Vlautin verknüpft Ausschnitte aus dem Leben einfacher Leute zu einer desillusionierenden Collage der Zustände im Herzen der Supermacht. Es geht um Menschen, die trotz ihres Einsatzes und harter Arbeit niemals ausgesorgt haben werden. Also kämpfen sie weiter, ganz so, wie in der Realität. Denn Morgen wird es besser. Vielleicht.«

Walsroder Zeitung

»Mit Leroy, Freddie und Pauline sind dem Autor drei starke Charaktere gelungen. ER bietet einen realistischen Blick auf die Außenseiter des "Amercian Way of Life" und erschreckende Einsichten in das Leben derjenigen, die täglich knapp davor stehen, in die Hölle des 'white trash' abzusinken.«

Kurier

»Es ist ein Porträt jenes Amerikas, das größer und größer wird: Wie viele Jobs braucht der Mensch, um sich das Leben und das Gesundheitssystem leisten zu können? […]. Vlautin drängt uns seine Schützlinge nicht auf. Man wird sie sehr mögen. Und man wird merken, wie wichtig dieser Autor ist.«

Die Welt

»Willy Vlautin ist ein unsentimentaler Erzähler, aber fraglos ein großer Menschenfreund. [...] Immer wieder gönnt er seinen von Schicksal geschurigelten und permanent überforderten Figuren eine Verschnaufpause, vor allem aber das, was dieses selbst noch in aussichtslos scheinender Lage erstaunlicher- und selbstverständlicherweise bereitstellen - Aufmerksamkeit, Hilfe, Freundlichkeit und ja doch: Liebe.«

Freie Presse

»Vlautin erzählt lakonisch und trotzdem sensibel von den Leiden und Sehnsüchten seiner Protagonisten. Er schafft es vor allem, eines erkennbar darzustellen: die Würde eines jeden Einzelnen.«

Heilbronner Stimme

»Willy Vlautin erzählt diese deprimierende, von gesellschaftlicher Kälte durchwehte Geschichte in einer schlichten Sprache, die nicht mitleidheischend und schon gar nicht sensationsgeil ist. Er berichtet aus dem reichsten Land der Welt, das für seine Menschen aber nicht sonderlich viel übrig zu haben scheint.“«

Kleine Zeitung

»Er trifft immer den richtigen Ton - als Musiker und als Romancier. Willy Vlautin gibt den Verlierern eine Stimme, ohne sie zu romantisieren.«

Deldorado

»Willy Vlautin beschreibt das Leben seiner versehrten Protagonisten fast sachlich und ohne Kitsch, aber mit viel Empathie - deswegen berühren einen die Geschichten über den alltäglichen Kampf im Leben wirklich sehr.«

choices (Köln)

»Vermeintlich belanglos-alltägliche Szenen verweben sich zu einem unentwirrbaren Geflecht aus Sorgen und Nöten, aus dem es kein Entrinnen gibt.«

Buchkultur

»'Das wird schon wieder, meistens jedenfalls!' ist eine typische Redewendung in dem Buch. Denn allen kann nicht geholfen werden, ein paar bleiben auf der Strecke. Über deren Schicksal denkt man noch lange nach Beendigung des Romans nach.«

Profil

»Arm, aber nicht würdelos: Autor Willy Vlautin nimmt die Kehrseite des amerikanischen Traums unter die Lupe.«

Die Rheinpfalz

»Willy Vlautin beobachtet und beschreibt seine Figuren wie ein Sozialarbeiter - voller Mitgefühl, aber realistisch und pragmatisch. Er versteht der Versuchung vieler Autoren, aus berührenden Schicksalen leicht verdauliche Unterhaltung zu formen. Deshalb wirkt sein Roman so authentisch, und er wirft Fragen auf, wie es ein reiches Land zulassen kann, einen Teil seiner Bevölkerung im Stich zu lassen.«

Staubinger Tagblatt

»Vlautin ist ein Meister darin, den Alltag dieser Amerikaner ohne Pathos, Verklärung oder Dramatisierung zu dokumentieren. Seine Geschichten sind von einem aufrichtigen Interesse geprägt. Und von der Frage: Wie leben Menschen, die zu wenig zum Leben haben?«

blog.literaturwelt.de

»'Die Freien' ist nicht nur emotional berührend, sondern auch stilistisch brillant. Der Roman besticht durch realistische Dialoge. Unbedingt empfehlenswert.«

WDR 5 "Scala"

»Willy Vlautin gibt ihnen eine Stimme, den einfachen Menschen in seinem Land, schreibt Szenen, die einem lange nach der Lektüre nicht mehr aus dem Kopf gehen, und sich tief ins Gedächtnis einbrennen. Filmreif und wahrhaftig zugleich.«

rbb Radio eins

»Willy Vlautin lässt seine Figuren nie allein. So trost- oder aussichtslos ihre Existenz auch sein mag, er schenkt ihnen immer noch so einen Hoffnungsschimmer, gibt sie nie ganz auf bzw. sorgt dafür, dass sie sich nicht aufgeben. Und das aber ohne jeden Anflug von Sentimentalität oder Sozialkitsch. […]. Das hat dieser Autor mit so großen amerikanischen Erzählern wie z.B. John Steinbeck gemeinsam, der nicht nur das Elend der sogenannten kleinen Leuten erzählt, sondern sie mit Stolz und Würde ausgestattet hat. Immer.«

culturmag.de

»Irgendwann beginnt man zu verstehen, dass der Titel 'Die Freien' völlig unzynisch gemeint ist. Vlautin zeigt Menschen, die sich die Freiheit nehmen, eben nicht am Leben zu zerbrechen. Das ist am Ende dann doch sehr amerikanisch. Aber auf eine tolle Art.«

Stadtblatt Osnabrück

»Hart, das alles, wüst, lakonisch.«

rezensions-seiten.de

»Harter Stoff, präzise geschildert in einer sehr empfehlenswerten Lektüre.«

sandammeer.at

»'Die Freien' ist ein großer Wurf, wenn man bereit ist, sich auf die schnörkellose Sprache und die einfache Erzählweise, die viel mit Dialogen arbeitet, einzulassen. [...] Absolute Empfehlung.«

Falter

»Kein anderer Autor der Gegenwart bietet einen derart realistischen Blick auf die Außenseiter des American Way of Life, derart erschreckende Einsichten in das Leben derjenigen, die täglich knapp davor stehen, in die Hölle des 'white trash' abzusinken.«

Rolling Stone

»Lose, aber kunstvoll verknüpft Vlautin einige Lebensläufe und bildet ziemlich treffend ab, was so oft keine Rolle spielt in der Literatur: die zermürbende, ungesunde Arbeitswelt der unteren Mittelschicht. Denn auch dieses Prekariatspersonal besitzt unzweideutig heroische Qualitäten.«

Bücherschau

»Vlautin zeichnet seine Menschen, die ein anderes Amerika repräsentieren, voller Sympathie und Empathie. Ein weiteres eindrucksvolles und berührendes Buch aus seiner Feder.«

Kleine Zeitung

»Ein Chor mit Stimmen aus dem Untergrund ,ein Roman, der unverwechselbare Töne anschlägt.«

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