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Die Berechnung der SterneDie Berechnung der Sterne

Die Berechnung der Sterne

Mary Robinette Kowal
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Roman

Paperback
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€ 16,00 inkl. MwSt. Erscheint am: 03.01.2022 In den Warenkorb Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
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Die Berechnung der Sterne — Inhalt

„Frauen gehören in die Küche, nicht in den Weltraum“ – eine weit verbreitete Meinung in den USA der 1950er Jahre. Die junge Physikerin Dr. Elma York, die als menschlicher „Computer“ täglich die Flugbahnen von Raketen berechnet, lässt sich davon jedoch nicht abhalten. Schließlich steht die Menschheit vor ihrer größten Herausforderung: Ein gigantischer Meteoriteneinschlag hat das Klima für immer verändert, sodass die Eroberung des Alls sehr viel dringlicher geworden ist. Die Widerstände sind zahlreich, doch als erste Astronautin in den Weltraum zu fliegen ist Elmas größter Traum – und niemand wird sie daran hindern!

Ausgezeichnet mit dem Hugo-, Nebula- und Locus-Award

€ 16,00 [D], € 16,50 [A]
Erscheint am 03.01.2022
Übersetzt von: Judith C. Vogt
512 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-70597-4
Download Cover
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erscheint am 02.12.2021
Übersetzt von: Judith C. Vogt
512 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-99943-4
Download Cover
„Dies ist ein Buch über Tapferkeit, Beharrungsvermögen und innere Stärke im Angesicht von Ungerechtigkeit, über Widerstandsfähigkeit gegen Unterdrückung und Politik. Teile dieses Buches brachten mich zum Weinen. Vor Wut, aus Trotz, aus Solidarität und aus Siegesfreude.“
Utopia State of Mind
„Kowal hat einen Roman geschrieben, der uns aufzeigt, wie wir eine bessere Zukunft gestalten können.“
Escapist Magazine
„Kowal meistert in dieser Alternate-History-Geschichte sowohl Wissenschaft als auch historische Genauigkeit.“
Andy Weir
„LeserInnen werden von der Geschichte dieser Astronautin hingerissen sein und sehnsüchtig auf die versprochenen Fortsetzungen warten.“
Publishers Weekly

Leseprobe zu „Die Berechnung der Sterne“

Erinnerst du dich daran, wo du warst, als der Meteor eingeschlagen hat? Ich habe nie verstanden, warum Leute diesen Satz als Frage formulieren, denn natürlich weiß man das noch. Ich war mit Nathaniel in den Bergen. Er hatte diese Hütte von seinem Vater geerbt, und wir fuhren manchmal hin, um die Sterne zu beobachten. Und damit meine ich Sex. Ach, jetzt tu doch nicht so, als wärst du schockiert! Nathaniel und ich waren ein gesundes, junges, verheiratetes Paar, also blitzten die meisten Sterne, die ich sah, auf der Innenseite meiner Augenlider auf.

Wenn [...]

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Erinnerst du dich daran, wo du warst, als der Meteor eingeschlagen hat? Ich habe nie verstanden, warum Leute diesen Satz als Frage formulieren, denn natürlich weiß man das noch. Ich war mit Nathaniel in den Bergen. Er hatte diese Hütte von seinem Vater geerbt, und wir fuhren manchmal hin, um die Sterne zu beobachten. Und damit meine ich Sex. Ach, jetzt tu doch nicht so, als wärst du schockiert! Nathaniel und ich waren ein gesundes, junges, verheiratetes Paar, also blitzten die meisten Sterne, die ich sah, auf der Innenseite meiner Augenlider auf.

Wenn ich gewusst hätte, wie lange sich die Sterne unseren Blicken entziehen würden, hätte ich sehr viel mehr Zeit mit dem Teleskop im Freien verbracht.

Wir lagen im Bett inmitten der zu Knäuel verdrehten Decken. Das Morgenlicht wurde von silbernem Schneefall gefiltert und wärmte den Raum nicht auf. Wir waren bereits seit Stunden wach, doch aus offensichtlichen Gründen nicht aufgestanden. Nathaniel hatte ein Bein über mich gelegt und schmiegte sich an meine Seite, während er im Takt der Musik aus unserem kleinen batteriebetriebenen Transistorradio mit dem Finger über mein Schlüsselbein fuhr.

Ich rekelte mich unter seinen Zärtlichkeiten und tätschelte seine Schulter. „Du bist mein ganz persönlicher ›Sixty-Minute-Man‹.“

Er schnaubte, sein warmer Atem kitzelte an meinem Hals. „Heißt das, ich kriege Küsse für weitere fünfzehn Minuten?“

„Nur, wenn du Feuer machst.“

„Ich dachte, das hätte ich schon.“ Doch er stemmte sich auf die Ellbogen und stand auf.

Wir gönnten uns eine bitter nötige Pause nach einer heißen Phase, in der wir daran mitgearbeitet hatten, das National Advisory Committee for Aeronautics ans Laufen zu kriegen. Wäre ich nicht auch im Rechenzentrum des NACA beschäftigt gewesen, hätte ich Nathaniel in den letzten zwei Monaten wohl kaum in wachem Zustand zu Gesicht bekommen.

Ich wickelte mich in die Decke ein und drehte mich auf die Seite, um ihm zuzusehen. Er war schlank, und nur seine Zeit in der Army im Zweiten Weltkrieg hatte ihn davor bewahrt, als schmächtig durchzugehen. Ich liebte es, dem Spiel der Muskeln unter seiner Haut zuzusehen, während er ein Scheit vom Stapel unter dem großen Aussichtsfenster nahm. Der Schnee rahmte ihn dekorativ ein, das silberne Licht fing sich gerade so in den Strähnen seines blonden Haars.

Und dann wurde die Welt da draußen hell.

Wer sich am 3. März 1952 um 9:53 Uhr irgendwo in einem Radius von achthundert Kilometern um Washington, D. C. befunden und durch ein Fenster geschaut hat, der erinnert sich an dieses Licht. Kurz war es rot und dann so grausam weiß, dass es sogar die Schatten auslöschte. Nathaniel fuhr auf, das Holzscheit immer noch in den Händen.

„Elma! Mach die Augen zu!“

Und das tat ich. Dieses Licht – das musste eine Atombombe sein! Die Russen waren nicht besonders glücklich mit uns, seit Präsident Dewey die Wahl gewonnen hatte. Mein Gott, die Bombe musste in D. C. eingeschlagen haben. Wie viel Zeit hatten wir noch, bis sie uns traf? Wir waren beide bereits bei Atombombentests in Trinity dabei gewesen, aber ich konnte mich an keine einzige Zahl erinnern. D.C. war so weit weg, dass die Hitze uns nicht erreichen würde, aber die Bombe würde den Krieg auslösen, vor dem wir uns alle fürchteten.

Während ich mit fest zusammengekniffenen Augen dasaß, verblasste das Licht.

Nichts geschah. Die Musik im Radio spielte weiter, also hatte es offenbar keinen elektromagnetischen Impuls gegeben. Ich öffnete die Augen. „Also.“ Ich zeigte mit dem Daumen aufs Radio. „Offenbar keine Atombombe.“

Nathaniel hatte sich weggedreht, um nicht im Fensterrahmen zu stehen, doch er hielt immer noch das Scheit. Er drehte es in den Händen hin und her und warf einen Blick nach draußen. „Es ist noch nichts zu hören. Wie lange ist es her?“

Das Radio spielte weiter, und es lief immer noch „Sixty Minute Man“. Was hatte das Licht zu bedeuten? „Ich habe nicht mitgezählt. Etwas mehr als eine Minute?“ Ich zitterte, während ich die Schallgeschwindigkeit berechnete. „Dreihundertdreißig Meter pro Sekunde. Also ist das Zentrum mindestens dreißig Kilometer entfernt?“

Nathaniel war gerade dabei, sich einen Pullover zu nehmen, und hielt inne, während die Sekunden weitertickten. Vierzig Kilometer. Fünfzig. Sechzig. „Das … das muss eine heftige Explosion gewesen sein, wenn sie so hell war.“

Ich atmete tief ein und schüttelte den Kopf, eher aus dem Bedürfnis heraus, es zu leugnen, als aus Überzeugung. „Das war keine Atombombe.“

„Hast du eine Gegenthese?“ Er zog sich den Pullover über, woraufhin seine Haare sich in einen elektrisch aufgeladenen Heuhaufen verwandelten.

Aus dem Radio erklang nun „Some Enchanted Evening“. Ich stand auf und griff nach dem BH und der Hose, die ich am Vortag ausgezogen hatte. Draußen wirbelte der Schnee am Fenster vorbei. „Nun … Sie haben die Sendung nicht unterbrochen, also war es wohl etwas Harmloseres oder zumindest örtlich Begrenztes. Es könnte eine der Munitionsfabriken gewesen sein.“

„Vielleicht war’s ein Meteor.“

„Oha!“ Einiges sprach dafür, und es erklärte auch, warum die Sendung noch nicht unterbrochen worden war: Das Phänomen war örtlich begrenzt. Ich atmete erleichtert aus. „Er hat direkt über uns seine Bahn gezogen. Deshalb gab es auch keine Explosion, weil wir nur gesehen haben, wie er in der Atmosphäre verglüht ist. Nur Klang und Wut, das nichts bedeutet.“

Nathaniels Finger berührten meine, und er nahm mir die Enden des BHs aus der Hand. Er hakte sie ineinander und fuhr mit den Händen über meine Schulterblätter bis zu meinen Oberarmen. Seine Hände waren heiß auf meiner Haut. Ich lehnte mich in seine Berührung, konnte jedoch nicht aufhören, an dieses Licht zu denken. Es war so hell gewesen. Er drückte mich ein wenig, bevor er mich losließ. „Ja.“

„Ja, das war ein Meteor?“

„Ja, wir sollten zurück.“

Ich wollte glauben, dass es nur ein Meteorschweif gewesen war, doch ich hatte das Licht durch die Augenlider hindurch gesehen. Während wir uns anzogen, spielte das Radio ein fröhliches Lied nach dem anderen. Vielleicht zog ich meine Wanderschuhe statt meiner Halbschuhe an, weil ein Teil meines Hirns noch auf Schlimmeres wartete. Ohne es zu kommentieren, sahen wir bei jedem Liedende das Radio an in der Erwartung, dass uns diesmal jemand sagen würde, was geschehen war.

Der Boden der Hütte bebte.

Zunächst dachte ich, ein schwerer Lkw wäre vorbeigerollt, doch wir befanden uns mitten im Nirgendwo. Ein Rotkehlchen aus Porzellan tanzte über die Kante des Nachttischs und fiel herunter. Man hätte erwarten sollen, dass ich als Physikerin ein Erdbeben schneller erkennen würde. Aber wir befanden uns in den Pocono Mountains, und die waren geologisch stabil!

Nathaniel zerbrach sich über solche Details nicht den Kopf, sondern packte meine Hand und zog mich in den Türrahmen. Der Boden unter uns bockte und bebte. Wir klammerten uns aneinander wie zwei Betrunkene, die Foxtrott tanzen. Die Wände verschoben sich, und dann … brach die ganze Hütte zusammen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich gebrüllt habe wie am Spieß.

Als die Erde sich beruhigte, lief das Radio immer noch. Es summte, als wäre ein Lautsprecher beschädigt, aber irgendwie funktionierte die Batterie weiterhin. Nathaniel und ich lagen aneinandergepresst in den Resten des Türrahmens. Kalte Luft wirbelte um uns herum. Ich strich ihm den Staub aus dem Gesicht.

Meine Hände bebten. „Noch ganz?“

„Schreckliche Angst.“ Er hatte die blauen Augen weit aufgerissen, aber beide Pupillen waren gleich groß, also … ein gutes Zeichen. „Und du?“

Ich hielt inne, bevor ich das obligatorische „Gut“ zurückgeben konnte, atmete durch und tastete mich einmal durch meinen Körper. Ich war voller Adrenalin, aber ich hatte mich nicht eingenässt. Der Drang war da gewesen. „Morgen hab ich Muskelkater, aber ich glaube, es ist nichts beschädigt. Nichts an mir, meine ich.“

Er nickte und reckte den Hals, um die kleine Höhle zu begutachten, in der wir begraben waren. Sonnenlicht fiel durch eine Lücke, wo ein Stück der Deckenverkleidung aus Sperrholz heruntergekommen und gegen die Überbleibsel des Türrahmens gestürzt war. Wir brauchten eine Weile, aber wir konnten die Trümmer wegschieben und -hebeln, bis wir uns aus dem Zwischenraum in das vorgearbeitet hatten, was von der Hütte übrig war.

Wenn ich allein gewesen wäre … Wäre ich allein gewesen, hätte ich den Türrahmen nicht rechtzeitig erreicht. Ich schlang mir die Arme um den Körper und bebte trotz Pullover.

Nathaniel sah, wie ich zitterte, und musterte die Trümmer. „Vielleicht finde ich eine Decke.“

„Lass uns einfach zum Auto gehen.“ Ich drehte mich um und betete, dass nichts darauf gestürzt war. Nicht nur, weil es die einzige Möglichkeit war, die Landebahn zu erreichen, auf der sich unser Flugzeug befand, sondern auch, weil es ein Leihwagen war. Zum Glück stand es unbeschädigt auf dem kleinen Parkplatz. „In diesem Chaos werde ich meine Handtasche niemals finden. Ich kann es kurzschließen.“

„Vier Minuten?“ Er stolperte durch den Schnee. „Zwischen dem Blitz und dem Beben?“

„So ungefähr.“ Ich schob im Kopf Zahlen und Entfernungen hin und her, und er tat sicherlich dasselbe. Ich spürte meinen Herzschlag in allen Gelenken und klammerte mich an die handfeste Sicherheit der Mathematik. „Also befindet sich das Zentrum der Explosion immer noch in einer Entfernung von unter fünfhundert Kilometern.“

„Die Druckwelle kommt … eine halbe Stunde später? So in etwa.“ Obwohl er sehr ruhig war, bebten Nathaniels Hände, als er mir die Beifahrertür öffnete. „Was bedeutet, dass wir noch etwa … fünfzehn Minuten haben, bevor sie hier ist?“

Die Luft brannte mir kalt in der Lunge. Fünfzehn Minuten. All die Jahre, in denen ich Berechnungen für Raketentests angestellt hatte, fächerten sich in aller Klarheit vor mir auf. Ich konnte den Radius der Druckwelle einer V2 oder den Energiegehalt von Raketentreibstoff berechnen. Aber das hier … das waren nicht einfach Ziffern auf einem Blatt Papier. Und ich hatte nicht genug Informationen für verlässliche Berechnungen. Alles, was ich mit Sicherheit wusste, war, dass es keine Atombombe sein konnte, solange das Radio noch lief. Aber was auch explodiert war, es musste riesig gewesen sein.

„Lass uns versuchen, so weit wie möglich ins Tal zu gelangen, bevor die Druckwelle uns einholt.“ Das Licht war aus dem Südosten gekommen. Gott sei Dank hielten wir uns auf der Westseite des Bergs auf, aber im Südosten befanden sich D. C. und Philly und Baltimore und Hunderttausende Menschen.

Inklusive meiner Familie.

Ich glitt auf den kühlen Vinylsitz und beugte mich vor, um die Kabel aus der Lenksäule zu ziehen. Es war einfacher, sich auf etwas Konkretes zu konzentrieren, wie darauf, ein Auto kurzzuschließen, statt zu rätseln, was geschehen war.

Draußen begann es in der Luft zu knacken und zu zischen. Nathaniel lehnte sich aus dem Fenster. „Scheiße!“

„Was?“ Ich zog den Kopf wieder unter dem Armaturenbrett hervor und sah auf – aus dem Fenster, an den Bäumen und dem Schnee vorbei in den Himmel hinauf. Flammen und Rauch hinterließen Kondensspuren in der Luft. Ein Meteor hätte sicherlich schon einiges an Schaden angerichtet, wenn er über der Erdoberfläche explodiert wäre. Aber ein Meteorit? Er hatte tatsächlich in die Erde eingeschlagen und stieß Material durch das Loch aus, das er selbst in die Atmosphäre gerissen hatte. Ejekta. Wir sahen Stücke des Planeten, die in Form von Feuer wieder auf uns herabregneten. Meine Stimme bebte, aber ich bemühte mich trotzdem um einen vorwitzigen Tonfall. „Nun … immerhin lagst du mit der Theorie falsch, dass es ein Meteor ist.“

Ich bekam das Auto zum Laufen, und Nathaniel parkte aus und fuhr bergab. Wir würden es auf keinen Fall zum Flugzeug schaffen, bevor die Druckwelle zuschlug, aber ich hatte die Hoffnung, dass es im Schuppen geschützt war. Was uns anging … je mehr Berg wir zwischen uns und die Druckwelle brachten, umso besser. Eine so helle Explosion aus fünfhundert Kilometern Entfernung … Diese Druckwelle würde uns nicht als laues Lüftchen erreichen.

Als ich das Radio anschaltete, erwartete ich Stille, doch sofort kam Musik. Ich wechselte die Sender auf der Suche nach einer Meldung über das, was passiert war, doch überall lief erbarmungslos Musik. Während der Fahrt wärmte sich das Auto auf, doch ich konnte nicht aufhören zu zittern.

Ich rutschte in die Mitte und schmiegte mich an Nathaniel. „Ich glaube, ich stehe unter Schock.“

„Kannst du fliegen?“

„Das hängt davon ab, mit wie viel Ejekta wir es zu tun haben, wenn wir die Landebahn erreichen.“ Ich war im Krieg schon unter ziemlichen Extrembedingungen geflogen, auch wenn ich offiziell keinen Kampfeinsatz gehabt hatte. Aber das war ohnehin nur eine technische Spezifikation, damit sich die amerikanische Öffentlichkeit wohler damit fühlte, dass Frauen im Militär dienten. Wenn ich das Ejekta allerdings als Flugabwehr ansah, hatte ich einen Referenzrahmen für das, was vor uns lag. „Ich muss nur verhindern, dass meine Körpertemperatur noch weiter abfällt.“

Er legte einen Arm um mich und fuhr das Auto an den gegenüberliegenden Straßenrand unter die Leeseite einer schroffen Steilwand. Zwischen der Steilwand und dem Berg würden uns die schlimmsten Auswirkungen der Druckwelle erspart bleiben. „Das ist vermutlich der beste Schutz, den wir finden können, bevor uns die Welle trifft.“

„Gut mitgedacht.“ Es fiel mir schwer, mich nicht in Erwartung der Druckwelle zu verkrampfen. Ich legte den Kopf an die kratzige Wolle von Nathaniels Jacke. Panik würde uns beiden nicht guttun, und ich konnte mit meinen Prognosen auch immer noch falschliegen.

Ein Lied brach mittendrin ab. Ich weiß nicht mehr, welches; ich erinnere mich nur an die plötzliche Stille und dann, endlich, den Ansager. Warum hatten sie fast eine halbe Stunde gebraucht, um über das zu berichten, was passiert war?

Ich hatte Edward R. Murrow noch nie so aufgelöst gehört.

„Meine Damen und Herren … Meine Damen und Herren, wir unterbrechen unser Programm, um Ihnen ernste Neuigkeiten zu überbringen. Heute Vormittag um kurz nach zehn scheint ein Meteor in die Erdatmosphäre eingedrungen zu sein. Der Meteor hat kurz vor der Küste von Maryland im Meer eingeschlagen und einen gewaltigen Feuerball, Erdbeben und weitere Zerstörungen nach sich gezogen. Menschen an der gesamten Ostküste werden dazu aufgefordert, das Gebiet Richtung Inland zu evakuieren. Es werden weitere Flutwellen erwartet. Alle anderen Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, das Haus nicht zu verlassen, um die Arbeit der Rettungskräfte nicht zu behindern.“ Er hielt inne, und das statische Rauschen im Radio schien ein Widerhall des kollektiven Luftholens einer ganzen Nation zu sein. „Wir schalten nun zu unserem Korrespondenten Phillip Williams vom uns angeschlossenen Sender WCBO of Philadelphia, der sich vor Ort befindet.“

Warum hatten sie sich an einen Sender in Philadelphia gewandt statt an einen vor Ort in D. C. oder Baltimore?

Zunächst dachte ich, das statische Rauschen sei schlimmer geworden, doch dann wurde mir klar, dass der Lärm eines gewaltigen Feuers die Übertragung störte. Und noch einen Moment später begriff ich: Sie hatten so lange gebraucht, um einen Reporter zu erreichen, der noch am Leben war. Und sie hatten niemanden gefunden, der näher dran war als dieser Mann in Philadelphia.

„Ich stehe hier an der US-1, etwa einhundert Kilometer nördlich des Meteoriteneinschlags. Näher kommen wir nicht heran, nicht einmal mit Flugzeugen, weil die Hitze so gewaltig ist. Im Flug habe ich unter mir eine Szenerie grauenhafter Zerstörung gesehen. Es war, als hätte eine riesige Hand die Hauptstadt aufgehoben und mit ihr all die Männer und Frauen, die dort lebten. Bis jetzt ist nichts über den Zustand des Präsidenten bekannt, aber …“ Mir stockte das Herz, als seine Stimme brach. Ich hatte Williams über den Zweiten Weltkrieg berichten hören, ohne sich irgendetwas anmerken zu lassen. Später, als ich sah, wo er gestanden hatte, wunderte ich mich, dass er überhaupt einen Ton herausgebracht hatte. „Doch von Washington ist nichts übrig geblieben.“

Mary Robinette Kowal

Über Mary Robinette Kowal

Biografie

Mary Robinette Kowal ist die Autorin der „The Glamourist Histories“-Reihe, des Romans „Ghost Talkers“ und der „Lady Astronaut“-Reihe. Sie ist Vorsitzende der Science Fiction & Fantasy Writers of America (SWFA), Teil des preisgekrönten Podcasts „Writing Excuses“ und erhielt bereits den Astounding...

Pressestimmen
Utopia State of Mind

„Dies ist ein Buch über Tapferkeit, Beharrungsvermögen und innere Stärke im Angesicht von Ungerechtigkeit, über Widerstandsfähigkeit gegen Unterdrückung und Politik. Teile dieses Buches brachten mich zum Weinen. Vor Wut, aus Trotz, aus Solidarität und aus Siegesfreude.“

Escapist Magazine

„Kowal hat einen Roman geschrieben, der uns aufzeigt, wie wir eine bessere Zukunft gestalten können.“

Andy Weir

„Kowal meistert in dieser Alternate-History-Geschichte sowohl Wissenschaft als auch historische Genauigkeit.“

Publishers Weekly

„LeserInnen werden von der Geschichte dieser Astronautin hingerissen sein und sehnsüchtig auf die versprochenen Fortsetzungen warten.“

The Wall Street Journal

„Dieses Buch hat, was die NASA niemals hatte: Eine Heldin mit Haltung.“

TOR.com

„Kowals Buch war für mich wie eine Offenbarung, denn hier wird eine Version der Geschichte beschrieben, in der Männer irgendwann, schlussendlich auf Frauen hören.“

Kirkus Reviews

„Bitte lassen Sie sich dieses Buch nicht entgehen, wenn Sie: Geschichten über Wissenschaftlerinnen und Astronautinnen, Weltraumwissenschaft, Liebe und den historischen Kampf um Gleichberechtigung mögen, wenn Sie ›Hidden Figures‹ gelesen oder die Verfilmung gesehen haben und begeistert waren oder wenn Sie die Netflix-Dokumentation ›Mercury 13‹ kennen, die von den realen 13 Frauen erzählt, die sich in den 60er Jahren geheimen Astronautentests unterzogen.“

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