Die Beichte

Eine dunkle Geschichte

€ 16,99 inkl. MwSt.

Eine Geschichte von Macht und Unterdrückung

Als Papst Pius X. im Jahr 1905 das Mindestalter für die Beichte auf sieben Jahre herabsetzte, begann ein großes Menschenexperiment: Kinder wurden seitdem systematisch in Scham und Schrecken gehalten. Die Furcht vor Sünde, Fegefeuer und ewiger Verdammnis schuf bei Generationen von Gläubigen ein Lebensgefühl der Angst. Es war kein Zufall, dass manche dieser Sünden Formen von Ungehorsam gegenüber den kirchlichen Autoritäten umfassten.

Vor allem aber hat die Beichte das Verhältnis vieler Gläubiger und katholischer Amtsträger zur Sexualität nachhaltig geprägt. Die Folgen sind bis heute spürbar – in einer Epoche von Säkularisierung und sexueller Befreiung haben gerade der Freiraum der Beichte und das Konzept der Sünde dem Missbrauch von Kindern Vorschub geleistet.

John Cornwell, selbst Katholik und einer der führenden Vatikanexperten, zeigt auf der Grundlage eigener Erfahrungen und vieler konkreter Beispiele, wie sehr die Beichte zum Repressionsinstrument geworden ist - und warum sie offiziell wieder mehr in den Mittelpunkt des Glaubens rücken soll. Ein sehr persönliches, leidenschaftliches Buch - und ein dunkles Kapitel abendländischer Kulturgeschichte.

  • € 16,99 [D], € 16,99 [A]
  • Erschienen am 14.01.2014
  • 384 Seiten , WMEPUB
  • Übersetzt von: Helmut Dierlamm, Enrico Heinemann
  • ISBN: 978-3-8270-7653-3
 
 

Leseprobe zu »Die Beichte«

Erster Teil

Eine kurze Geschichte der Beichte

Erstes Kapitel

Frühe Büßer und ihre Bußen

 

»Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde!« Psalm 51,4

 

Am sogenannten Aschermittwoch tragen Christen in aller Welt ein dunkles kreuzförmiges Zeichen auf der Stirn, das den Beginn der Fasten- oder »österlichen Bußzeit« markiert – als ein Relikt aus der fernen Ursprungszeit des Beichtsakraments. Dieses Kreuz, bestehend aus der Asche von Palmzweigen vermischt mit Olivenöl, empfangen die Pönitenten am Morgen des Tages von einem Priester, der dazu die Formel spricht: [...]

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John Cornwell

John Cornwell

John Cornwell, geboren 1940, ist Fellow am Jesus College in Cambridge und forscht am dortigen „Centre for Advanced Religious and Theological Studies“. Sein Buch "Wie ein Dieb in der Nacht" über den Tod Johannes Paul I. wurde von Anthony Burgess und Graham Greene als "Musterbeispiel für mehr ...

Rezensionen und Pressestimmen

taz


»Provokant wird Cornwells Studie zur Geschichte und zur Gegenwart dadurch, dass er Papst Pius X. und sein Dekret "Quam singulari" in den Mittelpunkt seiner Abhandlung stellt. In ihm bestimmte Pius X. 1910, dass jeder Katholik von nun an einmal in der Woche, statt wie früher einmal im Jahr, zur Beichte gehen müsse. Und noch viel dramatischer: Pius X. führte damit die Kinderbeichte und die Erstkommunion für die erst Siebenjährigen ein. Zu Recht spricht Cornwell von einem "der gewagtesten Experimente an Kindern, die je im Namen des Christentums verordnet wurden".«    

Neue Presse


»Der britische Theologe John Cornwell - der Priester hatte werden wollen, aber nach sieben Jahren im Seminar erkannte, dass er dafür nicht geschaffen war -, erzählt eine dunkle Geschichte von Macht und Unterdrückung, von Sünde und Missbrauch. Das "Bußsakrament", so schreibt er, sei durch die Drohung mit ewiger Bestrafung in der Hölle für die, die ohne Beichte sterben, ein Instrument der Angst und der Kontrolle. Schlimmer noch: Viele Priester hätten die intime Atmosphäre des Beichtstuhls zum Missbrauch von Kindern ausgenutzt.«   

SRF 2 "Das Sachbuchtrio in Kontext"


»John Cornwell Licht in die dunklen Seiten eines Sakramentes. «Die Beichte - eine dunkle Geschichte» heisst sein präzis recherchiertes Sachbuch. [...]. Ein sehr leidenschaftliches und engagiertes Buch, das sich nicht als Hasstirade gegen die katholische Kirche liest sondern unendlich aufmerksam macht, was diese Beichte mit jungen Menschen anrichtet.«   

Deutschlandradio Kultur


»Der Journalist und Autor Cornwell ist kein Kirchenhasser, aber ein kritischer Katholik, der in bald 50 Jahren immer wieder zu kontroversen kirchlichen, theologischen und politischen Fragen Stellung genommen hat. [...]. Anhand Hunderter von Briefen oder Interviews, die er nach eigenen Angaben mit Opfern geführt hat, kommt er zu der These, dass gerade die Beichte der schrecklich-ideale Ort war, wo Täter in Priester-Soutane Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchten. Immer wieder und geradezu erschütternd schildert Cornwell, wie katholische Priester die Machtposition des Sündenvergebers im Namen des Herrn ausnutzten, um sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen auszuüben - alles vor dem Hintergrund einer völlig verkorksten sexuellen Sozialisation der Täter selbst im katholischen Milieu der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. [...]. Eine fesselnde und lehrreiche, wenn auch deprimierende Lektüre.«   

Deutschlandfunk "Andruck"


»Ein Pluspunkt dieses Buches, das sei an den Anfang gestellt, ist die Glaubwürdigkeit des Autors. John Cornwell analysiert das Katholische Bußsakrament als Betroffener. […] Drei Teile hat sein Buch: Der erste Teil schaut zurück auf die Geschichte der Beichte. […] Im zweiten Teil des Buches stehen die „Beichtkinder“ im Mittelpunkt – ein Begriff, den Cornwell mit Bedacht gewählt hat. […] Der dritte Teil des Buches schließlich beschäftigt sich mit dem sexuellen Missbrauch im Beichtstuhl. Wie Priester Monate im beständigen Wechsel zwischen Angst vor Sünde und Vergebung der Sünde Abhängigkeitsverhältnisse zu den Kindern aufbauen bis sie das erschlichene Vertrauen schließlich schamlos ausnutzen: Der Beichtstuhl als Eldorado pädophiler Priester. […] Cornwell beschreibt ebenso unumwunden wie unaufgeregt die psychischen Grausamkeiten der Beichte; unaufgeregt und klar ist aber auch seine gesellschaftspolitische Analyse. […] Heute spielt die Beichte keine Rolle mehr. Die Beichtstühle in den Kirchen sind abgebaut oder dienen als Lagerraum für Putzmittel. Ob es eine Renaissance der Beichte geben wird, lässt sich aber noch nicht abschließend sagen. Papst Franziskus hat zwar in Italien einen Beichtboom ausgelöst, in anderen Ländern dominiert aber die Distanz. Wer diese Entwicklungen verstehen und ein dunkles Kapitel der abendländischen Kulturgeschichte kennenlernen möchte, dem sei „Die Beichte“ von John Cornwell dringend empfohlen!«   

Christ & Welt (Die ZEIT)


»Cornwell erzählt die Kirchengeschichte der Beichte von den Anfängen bis zur kriselnden Gegenwart. Einen besonderen Akzent legt er auf das Pontifikat Pius’ X. (1903-1914). Der legte fest, dass die erste Beichte schon mit sieben Jahren erfolgen sollte und nicht mehr wie bis dahin üblich mit 13. Viel zu kleine Kinder, kritisiert Cornwell, wurden mit Todsünden konfrontiert, viel zu intensiv wurden ihre Gedanken auf Reinheit von sexuellen Verfehlungen geprüft. Viel zu früh hätten Priester ohne Ausbildung in Pädagogik oder Kinderpsychologie unkontrollierten Zugang zu Kindern bekommen. Zahllose Kinder habe die katholische Kirche mit einem Bild vom grausamen Gott traumatisiert, schreibt Cornwell.«   

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