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Der Tag, an dem meine Wohnung abbrannte und ich bei meiner kroatischen Putzfrau einzog

Der Tag, an dem meine Wohnung abbrannte und ich bei meiner kroatischen Putzfrau einzog

Roman

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Der Tag, an dem meine Wohnung abbrannte und ich bei meiner kroatischen Putzfrau einzog — Inhalt

Niemals hätte Eva zugeben, dass sie sich ihr Apartment und ihre Shopping-Exzesse gar nicht leisten kann. Aber als ihr Haus abbrennt, ist mit dem Luxus ein für allemal Schluss: Sie zieht in die WG ihrer kroatischen Putzfrau Danka, der alten Ljudmila aus Tschetschenien und der Nigerianerin Adila. Irgendwie gelingt es Eva, sich mit ihrem neuen Leben anzufreunden – zumindest bis die Vergangenheit sie einholt und sie das Schicksal der gesamten illustren WG aufs Spiel setzt …

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 13.04.2015
272 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-98226-9

Leseprobe zu »Der Tag, an dem meine Wohnung abbrannte und ich bei meiner kroatischen Putzfrau einzog«

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Um eine Toilettenbürste zu reinigen, stellt man diese über Nacht in einen Eimer kaltes Wasser, dem man zwei Gebiss­reinigertabletten zugibt. Danach einfach ausspülen.
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»  Klobürsten.  «

»  Wie bitte  ? «

» Sie sprechen. «

» Quatsch. «

» Im Ernst, das ist die Kampagne, die der Kunde will. Die Klobürsten schwärmen davon, wie toll die Schüssel riecht, die sie gerade schrubben. ›  Was für ein Duft  ! [...]

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1
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Um eine Toilettenbürste zu reinigen, stellt man diese über Nacht in einen Eimer kaltes Wasser, dem man zwei Gebiss­reinigertabletten zugibt. Danach einfach ausspülen.
______________________________________________________________________________

»  Klobürsten.  «

»  Wie bitte  ? «

» Sie sprechen. «

» Quatsch. «

» Im Ernst, das ist die Kampagne, die der Kunde will. Die Klobürsten schwärmen davon, wie toll die Schüssel riecht, die sie gerade schrubben. ›  Was für ein Duft  ! Wie eine Sommerwiese !  ‹ und so weiter. Glückliche Klobürsten in ihrem Biotop. «

Eva prustete los, grüßte nebenbei ein, zwei bekannte Gesichter und griff, bereits recht angeschickert, schwungvoll nach ihrem fast leeren Cocktailglas. Ihr Gegenüber Sybille, auch nicht mehr ganz nüchtern, fokussierte die Freundin angestrengt durch das rosafarbene Gleitsichtglas ihrer neu erstandenen Pornobrille. Waren Pornobrillen nicht längst wieder durch ?

» Klobürsten. Ich bin beeindruckt. «

»Zu Recht.«

Der Abend war schon fortgeschritten. Das Fredo im Münchner Glockenbachviertel war gerade äußerst angesagt und entsprechend voll mit hippen, gut betuchten und gekleideten Mittdreißigern, deren Gesichter im Kerzenlicht vorteilhaft weichgezeichnet wurden. Die Wände schmückten Hirschgeweihe sowie eine riesige Fototapete mit dem Motiv » Teutoburger Wald «. Im Hintergrund wummerte leise Elektromusik. ­Sybille, groß, kräftig, etwas streng wirkend in ihrem einteiligen Hosenanzug, und Eva, zierlich, in einem Nichts von einem rückenfreien hellblauen Kleidchen, das, wie sie selbst zugeben musste, fantastisch zu ihren Augen passte, hockten mit angezogenen Beinen an der voll besetzten Theke.

Evas Lachanfall hatte die Blicke der Umstehenden auf sich gelenkt; ein paar gut aussehende Typen linsten verstohlen in ihre Richtung. Einige kannte sie genauer, um nicht zu sagen » im biblischen Sinne «. In München war es schwer, nicht über seine Kellerleichen zu stolpern. Die Szene war einfach zu klein. Besser also, man entspannte sich einfach. Und Eva war heute Abend extrem entspannt. Hier fühlte sie sich in ihrem Element, umgeben von genau den richtigen Leuten, und das Aller­beste war: Sie stand im Mittelpunkt, war » die Marmelade im Krapfen «, wie Sybille es auszudrücken pflegte. Warum auch immer. Sybille las eindeutig zu viele Frauenzeitschriften.

» Stimmt wenigstens die Kohle ? «, kam Sybille wieder auf die Bürstenkampagne zu sprechen. Eva nuckelte mit gerunzelter Nase an ihrem Strohhalm und zuckte die Achseln. » Weiß noch nicht. Sascha rückt nicht mit der Sprache raus, obwohl schon ein Dutzend Leute dran sitzen. Aber eigentlich hab ich bei dem ’nen Stein im Brett. Der steht noch immer auf mich. Paar Tausis werden schon rausspringen. «

» Ja, ja, die fetten Jahre sind vorbei … Schau mal, wer da kommt. Milan ! «

Betont desinteressiert wandte sich Eva wieder ihrem Drink zu und ließ sich nicht anmerken, was sie von Sybilles Ankündigung hielt.

Milan, schlank, groß, mit rausgewachsener rotbrauner Jürgen-Drews-Matte und dunklem, schmal geschnittenem Hemd, drängte sich zielstrebig zwischen zwergenhaften Tischen und Stühlen hindurch auf die beiden Frauen an der Bar zu. In seinem Blick lag die Entschlossenheit des Jägers, der nicht viel Hoffnung hat, heute noch ein Wild zu erlegen, es aber dennoch mit allen Mitteln versuchen will.

Sybille folgte ihm mit den Augen. » Der Typ ist hartnäckig «, stellte sie nicht neidlos fest. » Wirst du ihn heute endlich ranlassen, oder müssen wir seinen melancholischen Dackelblick noch länger ertragen ? «

Eva zupfte ihr Kleid zurecht. » Mal sehen, wie er sich anstellt. Von nichts kommt nichts. «

Sybille schüttelte widerwillig beeindruckt den Kopf. » Alter Schwede, du machst es den Jungs nicht gerade leicht. Bin ich froh, dass ich nichts von dir will. Rein körperlich, meine ich natürlich. «

Eva ergriff ihre Hand mit gespieltem Ernst. » Du kannst doch alles von mir haben, Süße. Was wäre ich ohne meine Busenfreundin ? «

Sybille kicherte und entwand sich ihrem Griff.

Milan war es endlich gelungen, sich zu ihnen vorzukämpfen. Aufatmend quetschte er sich neben Eva, obwohl dort überhaupt kein Platz für ihn war. Er hauchte je zwei Luftküsse auf ihre und Sybilles Wangen. » Servus, Mädels ! Wahnsinn, was hier wieder los ist. Wir brauchen dringend eine neue Stammbar. Ich bin jetzt schon total durchgeschwitzt. « Er lüftete seinen Hemdkragen, öffnete auch den zweiten Knopf und gab den Blick auf sein verführerisch glänzendes Schlüsselbein frei.

Sybille lächelte anzüglich, Eva registrierte das Ganze eher skeptisch. » Dann besorgen wir dir mal ’ne kleine Erfrischung. «

Sie wandte sich an den Barkeeper, dessen unter dem Mund spitz zulaufende Koteletten wie aufgemalt wirkten, und orderte eine Runde Longdrinks, die kurz darauf vor ihre Nasen gestellt wurden. » Macht 28,50. «

» Okay, okay, Sekunde … « Eva buddelte umständlich in ihrer Handtasche nach dem Geld. Und buddelte. » Sorry, das ist so ein Chaos hier drin … «

Die Koteletten des Barkeepers fingen an zu zucken. Auch Milan zeigte Nervosität angesichts der Buddelei. Er zog einen Fünfziger aus seiner Hosentasche und reichte ihn dem Mann hinterm Tresen. » Mach fünfunddreißig. «

Eva lächelte verlegen und sah Milan von unten herauf an. Ihrer Erfahrung nach war dieser Blick zwar billig, aber in der Wirkung immer noch ungeschlagen. » Danke. Warst mal wieder schneller als ich. «

Sybille strich mit dem Zeigefinger über das Display ihres
iPhones. » Heiko schafft’s wieder nicht. Der hockt immer noch über seiner Steuer. Seit wir die Wohnungen gekauft haben, ist das der reinste Fulltimejob. «

Eva verdrehte die Augen. » Oh je, ihr Ärmsten. Wie unangenehm. Ich würde auch gerne was kaufen, aber die Münchner Preise … «

» Warum entwickelst du nicht mal was für mich ? «, mischte sich Milan ein. » Ich könnte ein professionelles Upgrade gebrauchen. «

Eva musterte ihn kritisch. » Stimmt, wenn ich mir deine Frisur so anschaue … «

Er beugte sich so weit vor, bis er auf Augenhöhe mit Eva war. » Dann optimiere mich doch. Ich bin Wachs in deinen Händen. «

Sie rutschte ein Stück zurück. » Vergiss es. Das kannst du dir nicht leisten. «

Milan blickte ihr tief in die wasserblauen Augen. » Bist du dir da sicher ? «

Sybille beobachtete das Geplänkel mit wissendem Blick und griff nach ihrer Handtasche. Ganz offensichtlich wurde es Zeit für sie, den beiden Turteltäubchen das Feld zu überlassen. Sie gab der Sache noch zwanzig Minuten. Maximal.

Genau neunzehneinhalb Minuten später taumelten Eva und Milan mit derangierter Kleidung gierig knutschend die Treppen zu Evas Wohnung hoch. Atemlos fummelte Eva in ihrer Gucci-Handtasche (  der nicht gefälschten, bei der gefälschten war vorige Woche der Henkel abgerissen, man merkte eben doch den Unterschied  ) nach dem Wohnungsschlüssel, schaffte es endlich aufzuschließen, und sie stolperten in den Flur. ­Milan drückte sie gegen die Wand und fuhr ihr mit der Hand unter ihr offenherziges Flatterkleidchen bis hinauf zum Po. Eva seufzte genüsslich. Das fühlte sich alles gar nicht so übel an, und eigentlich sah er ja selbst bei hellem Licht besehen noch ganz gut aus, die hellbraunen Augen mit den kleinen schwarzen Flecken drin, der weiche, volle Mund, der sich ihrem Gesicht langsam näherte …

Bei hellem Licht ?

Warum zum Henker war das Flurlicht an ?

Eva fuhr zurück, fegte Milans Hand von ihrem Hinterteil und starrte erschrocken auf die im Gegenlicht dunkle Silhouette am anderen Ende des Flurs, die sich langsam den beiden näherte. Eine Frau mit zerzaustem dunklem Haar trat auf sie zu. Sie musterte das Paar mit amüsiertem Grinsen.

Eva starrte verdattert auf die Zahnlücke zwischen ihren Vorderzähnen. » Was machst du denn noch hier ? « Sie bemerkte Milans fragenden Blick. » Das ist Danka, meine … äh … Putze. Sorry, ich hatte keine Ahnung, dass sie noch da ist. «

Milan zog verlegen sein Hemd zurecht.

» Putze um diese Zeit oft hier. Chefin immer spät zurück «, radebrechte Danka mit stoischer Miene. Sie hängte sich eine große, ausgebeulte Sporttasche um, zog den Reißverschluss ihres verschlissenen dunkelgrünen Jogginganzugs bis unters Kinn hoch und ging an den beiden vorbei zur Tür. Eva und Milan machten ihr Platz.

» Kannst du bitte nächstens kurz Bescheid sagen, SMS oder so «, murmelte Eva im Versuch, wenigstens einen Teil ihrer Würde zurückzuerobern.

Danka nickte gleichmütig. Wenigstens sprach sie nun wieder normal. » Kann ich machen. Übrigens lag kein Umschlag in der Küche. «

Eva warf einen kurzen Blick rüber zu Milan. » Ach ja, sorry. Ich wollte noch zum Automaten, aber dann … «

» Kein Ding. Zahlst du halt nächste Woche. « Danka wollte zur Tür.

Milan griff in seine Hosentasche. » Augenblick. Was schuldet sie dir ? «

» Drei Stunden, dreißig Euro. «

Er nickte beeindruckt. » Guter Preis. «

Sie zuckte die Achseln. » Standard. «

Er reichte Danka zwei Zwanziger. » Stimmt so. Kroatin ? «

Danka musterte ihn prüfend. Sie nickte, holte einen vorgefertigten Zettel mit ihrer Nummer aus ihrem Geldbeutel, in dem sie die Scheine verstaute – » Falls du Putze brauchst « –, gab ihn Milan und zog die Tür hinter sich zu.

Eva atmete auf. » Tut mir echt leid. Das war unromantisch. «

Milan hängte seine Jacke ordentlich an einen Haken, schlurfte rüber ins Wohnzimmer und ließ sich erschöpft auf die Couch fallen. » Ist sie gut ? «

Eva setzte sich neben ihn und fing an, seinen Hals mit Küssen zu bedecken. Er schloss genießerisch die Augen.

» Mhm. Sehr gut. Wenn man auf klare Ansagen steht … «

Milan schüttelte energisch den Kopf. » Tu ich aber nicht. Ich hab’s lieber sanft. « Zärtlich nahm er Evas Gesicht in beide Hände und küsste sie.

 

2

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Spermaflecken lassen sich – wie auch alle ­anderen ­Eiweißflecken – hervorragend mit handelsüblichem ­Glasreiniger entfernen.
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Der Radiowecker sprang an, und eine schrille Stimme verkündete die attraktiven Serviceangebote einer mobilen Autoscheibenfirma. Eva knurrte unwillig, wälzte sich aus dem Bett und zog ein herumliegendes langes T-Shirt und, nach einiger Suche unter der Bettdecke, das zusammengeknüllte Höschen vom Vortag an. Sie warf einen Blick auf Milan, der die Decke auf seiner Seite komplett weggestrampelt hatte und wie ein riesiger nackter Lurch auf dem Bauch liegend vor sich hin schnarchte. Nicht wirklich verlockend, so bei Tageslicht besehen. Aber vielleicht lag es auch an ihrem Kater.

» Warum ist der Typ eigentlich immer noch da ? «, murmelte sie vor sich hin, während sie in die Küche schlurfte. Sie prüfte die Kaffeemaschine und entdeckte schließlich in der Thermoskanne noch Kaffee vom Vortag, den sie in einen großen Becher leerte. Schwarzer, kalter Filterkaffee, dafür ließ sie jede Latte macchiato stehen.

Gähnend stellte sie sich ans Fenster und blickte in den Frühlingsregen, der draußen herunterpladderte. Sie bemerkte nicht, dass Milan hinter ihr den Raum betreten hatte. Er angelte einen rosa Topflappen in Form eines Schweinchens vom Haken, zog ihn über wie eine Handpuppe und schlich hinter ihrem Rücken an sie heran.

» Guten Morgen ! Gut geschlafen ? «, fragte er mit quiekender Stimme, während er mit dem Schweinchenhandschuh vor ihrem Gesicht herumfuchtelte.

Ulla Ziemann

Über Ulla Ziemann

Biografie

Ulla Ziemann wurde 1969 in München geboren. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Freie Übersetzerin. Danach leitete sie die Drehbuchabteilung bei Greenlight Media und entwickelte zahlreiche Filmprojekte. »Der Tag, an dem meine Wohnung abbrannte und ich bei meiner kroatischen Putzfrau...

Pressestimmen

Ostthüringer Zeitung

»Beschwingt und nachdenklich.«

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