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Der SternengartenDer Sternengarten

Der Sternengarten

Historischer Roman

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Der Sternengarten — Inhalt

Schloss Gottorf bei Schleswig, 1640: Die junge Sophie kommt an den Hof des Herzogs, um das Gartenhandwerk zu erlernen - ebenso wie der junge Perser Farid, ein Souvenir der letzten fürstlichen Orient-Expedition. Sophie und Farid finden zueinander, doch die Wirrnisse der Zeit gefährden ihr Glück. Denn beider Schicksal verknüpft sich immer enger mit den tollkühnen Plänen des Fürsten, in seinen Gärten das achte Weltwunder zu erbauen. Immer wieder nimmt Sophies Leben dramatische Wendungen, bis sie schließlich erkennt: Für die Liebe ist kein Weg zu weit.

€ 14,00 [D], € 14,40 [A]
Erschienen am 13.08.2013
656 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-8333-0909-0
€ 13,99 [D], € 13,99 [A]
Erschienen am 13.08.2013
656 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7635-9

Leseprobe zu »Der Sternengarten«

Prolog

Amsterdam. Zuversichtlich und stolz erhoben sich
die Häuser der Schönen in ihrem Rücken. Dächer,
Türme und Flaggen kündeten vom Selbstbewusstsein
der reichen Stadt. Paläste, Kirchen und
der Grachtengürtel aus schimmernden Kanälen
schmückten das Bild der Kapitale. Und die Handelsmetropole
wuchs – überall stachen Winden
und Kräne wie Fabelwesen in den schiefergrauen
Himmel.
Sophie spürte ein Zittern, das durch ihren Körper
fuhr, und sie atmete schwer. So weit also war
sie gekommen! Doch das war erst der Anfang. Die
Reise würde sie noch weiter führen, über das [...]

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Prolog

Amsterdam. Zuversichtlich und stolz erhoben sich
die Häuser der Schönen in ihrem Rücken. Dächer,
Türme und Flaggen kündeten vom Selbstbewusstsein
der reichen Stadt. Paläste, Kirchen und
der Grachtengürtel aus schimmernden Kanälen
schmückten das Bild der Kapitale. Und die Handelsmetropole
wuchs – überall stachen Winden
und Kräne wie Fabelwesen in den schiefergrauen
Himmel.
Sophie spürte ein Zittern, das durch ihren Körper
fuhr, und sie atmete schwer. So weit also war
sie gekommen! Doch das war erst der Anfang. Die
Reise würde sie noch weiter führen, über das Meer,
durch die Wüste, in den Sonnenaufgang hin ein, bis
nach Persien. Bis nach Isfahan.
Isfahan – die Perle der Welt! Sie hörte seine
Stimme, Liebe und Zuneigung schwangen da rin.
Die Sehnsucht ließ sie zusammenzucken, sie stolperte,
suchte einen Halt. Ihr Blick fiel auf die Teekisten,
die sich auf dem Kai stapelten. Seufzend
setzte sie sich auf eine davon und zog den schweren
Beutel auf ihren Schoß. Das Buch war darin, ihre
Aufzeichnungen und Notizen über das Gottorfer
Mirakel, das geheime Wissen über das noch junge
Wunderwerk. Auf den Wassern des IJ schwamm das
Mittagslicht, von den Reflexionen des Meeresarmes
geblendet schloss sie für einen Moment die Augen.
»Unterwegs?« Die fremde Stimme klang freundlich,
fast besorgt. Ein Schatten fiel auf sie herab.
Sophie öffnete die Augen. Ein älterer Herr stand
vor ihr, auf einen geschnitzten Gehstock gestützt.
Der schon sprichwörtliche Reichtum der Amsterdamer
Kaufleute kleidete ihn in ein teures Gewand,
Fuchsfell säumte den Kragen. Unter dem dichten,
grauen Bart lugte ein Pfeifchen hervor, der Seewind
trug den Rauch davon. Er sah sie unverwandt an.
Sein neugieriger Blick ließ für einen Moment den
jungen Burschen aufleben, der er einst gewesen
war.
»Ja, Mijnheer.« Sie nickte zaghaft und zeigte auf
das Handelsschiff der Kompanie, das rechts vor ihnen
lag. Ungeduldig flatterte die rot-weiß-blaue
Flagge am Heck des Seglers. »Morgen legen wir
ab …«
»Hunger?« Aus einem Beutel, der an seinem Gürtel
hing, zog der Alte ein Stückchen Kuchen hervor.
Er zwinkerte listig. Der Duft nach Zimt, Anis und
Piment stieg ihr in die Nase.
»Danke.« Sie zitterte, als sie nach dem braunen
Kuchen griff. Sanft legte er die Süßigkeit in ihre
Hände, dann ließ er sich umständlich an ihrer Seite
nieder.
»Isfahan also«, brummte er und deutete wieder
auf den Segler, der sich an den Festmacherleinen
auf und ab bewegte. »Bin auch zur See gefahren,
als ich noch jünger war. Für die Kompanie … Damals
habe ich Gottes wunderbare Welt gesehen.
Aber Isfahan …« Er zog an seiner Pfeife. »Was
für eine Pracht! Die Moscheen, der kaiserliche
Platz, der große Schah Abbas nannte ihn Naqsch-e
Dschahān – den Plan der Welt.«
Der Plan der Welt. Sophie nickte, sie hatte davon
gehört. Er hatte ihr davon erzählt, von der gewaltigen
Moschee des Schahs, von ihrer weiten Kuppel,
den farbigen Fayencen und Mosaiken, die sie
schmückten. Die Ornamente zeigten Blumenmotive,
Pflanzenranken und Kalligrafien heiliger
Texte. Und dann die Farben: Türkis, Kobalt, Lapislazuli
und Ocker wechselten einander ab. Die glänzende
Oberfläche der Kuppel spielte mit den auf sie
fallenden Sonnenstrahlen. Der Schmuck, die Farben,
das flirrende Licht erzeugten einen Rausch.
Wie Musik – so hatte er es ihr beschrieben. Er hatte
die Sehnsucht nach Isfahan nie ganz verloren.
»Es ist wie ein Blick in das Paradies.« Die Stimme
des Alten klang wehmütig, er zog noch heftiger an
seiner Pfeife. »Der Mensch wird da ran erinnert,
dass er Kostbares in seinem Inneren trägt.«
Sophie schwieg, eine Böe zerrte an ihren Kleidern,
tollkühn und lachend segelten die Möwen
mit dem Wind. Wieder schloss sie die Augen. Dann,
wie eine mächtige Welle, rollten Bilder über sie hinweg.
Plötzlich sah sie den Sternenglobus vor sich,
das Gottorfer Wunderwerk, seinen himmlischen
Glanz. Nie zuvor war ein Projekt derartigen Ausmaßes
gewagt worden. Als seien sie etwas Lebendiges,
zogen Sterne ihre Kreise da rin. In ihrem Kopf
hörte sie das Wispern der Zeit. Wie in einem Buch
blätterte sie in ihren Erinnerungen und suchte nach
dem Beginn dieser merkwürdigen Reise, die ihr Leben
bislang gewesen war.
Schleswig. Das war ihr Fixpunkt, jetzt sah sie ihre
Heimatstadt vor sich, die vom Frost überzogene
Silhouette. Ja, dachte sie, so hatte alles angefangen,
damals, zu einer anderen Zeit. Ein Kind war geboren
worden in jener entsetzlichen Winternacht, von
der man heute noch sprach. Ein Sturm aus Nordost
hatte Schnee vor sich hergetrieben, der die Felder
mit einer Kruste aus Eiskristallen überzog. Und
auf der Schlossinsel in der Schlei hatte sich ein Ungetüm
gegen die Kälte gestemmt: Schloss Gottorf,
mit vier Flügeln und drei Geschossen, Trutzburg
und Hauptsitz der Herzöge von Schleswig-Holstein-
Gottorf, war dem Schneesturm trotzig begegnet.
Silbernes Licht drang aus den Fenstern, Eisblumen
rankten auf den bleigefassten Scheiben und
von den Traufen des Gemäuers wuchsen Zapfen
aus Eis in die Nacht – funkelnd, wie Lanzen aus geschliffenem
Glas.
Noch mehr Bilder strömten auf Sophie ein. Und
nun, während sie am Ufer des Ijsselmeeres saß, ihre
Augen wieder öffnete und über das Wasser blickte,
musste sie da ran zurückdenken. Sie konnte sich
nicht gegen die Erinnerungen wehren. Und sie
wollte auch nicht allein sein mit diesen Bildern.
»Wollen Sie eine Geschichte hören, Mijnheer?«,
flüsterte sie und drehte sich zu dem Alten. Sie sah
seinen wachen Blick, die Güte da rin. Ohne seine
Antwort abzuwarten, begann Sophie zu sprechen.
Sie erzählte von der Geburt des Kindes und von
seinen fürstlichen Eltern. Von den Astrologen, die
dem Neugeborenen Glück prophezeit hatten und
von dem prunkvollen Tauffest, das der Welt die Bedeutung
des Hauses und des kleinen Fürstentums
vor Augen führen sollte.
»Eisstückchen trieben auf dem heiligen Wasser,
als man den Täufling über die bronzene Schüssel
hielt«, sagte sie und sah dabei das Schimmern der
Kerzen und die Pracht des Schleswiger Doms vor
sich. »Hofprediger Jacob Fabricius zitterte in seinem
dünnen Ornat, trotzdem ließ er es sich nicht
nehmen, das Taufwasser einen Moment in der
Hand anzuwärmen, bevor er das Köpfchen des jungen
Herzogs damit benetzte und das Sakrament der
Taufe vollzog. Der fürstliche Erbe erhielt den Taufnamen
Friedrich – ein ebenso großer wie vielversprechender
Name, der sowohl bei den Gottorfer
Herzögen als auch im Königshaus der dänischen
Verwandten beliebt war.«
Auch das Volk, das dem Spektakel vor dem Dom
gefolgt war, hatte dem Täufling und seinen fürstlichen
Eltern fröstelnd Respekt gezollt. Als sich ein
Sonnenstrahl durch die schwere, eisgraue Wolkendecke
verirrt und die Kutsche der herzoglichen Familie
für wenige Sekunden golden überzogen hatte,
war ein Raunen durch die Menge gegangen. Gott
habe ihnen in einem unbedachten Moment einen
Engel auf die Erde hi nabgesandt, hatten die
Leute ehrfürchtig geflüstert und der Frost hatte ihre
Worte in flüchtigen Wolkenbildern davongetragen.
»Der junge Herzog Friedrich wuchs in dem Bewusstsein
auf, dass Familie und Untertanen Großes
von ihm erwarteten«, fuhr Sophie fort. Sie sah,
dass der Alte ihren Worten fasziniert lauschte. »Der
Junge war wissbegierig und hell, schon früh begann
die religiöse Erziehung des Kindes, danach folgten
die antiken Autoren, die lateinische und griechische
Sprache. Das Wissen des Altertums, die
sieben freien Künste, stand ebenso auf dem fürstlichen
Stundenplan wie die Theologie, die Königin
aller Wissenschaften. Wie es Sitte war, schickte Herzog
Johann Adolf seine beiden ältesten Söhne auch
auf eine Reise ins Ausland, um dort ihre Erziehung
zu vollenden.«
Die Reisegesellschaft war im Mai anno 1615 gen
Süden aufgebrochen, über Frankfurt, Worms und
Speyer reisten die Fürstensöhne nach Straßburg
und Paris. Nie waren die beiden jungen Kavaliere
freier gewesen, nie hatten sie sich glücklicher gefühlt,
doch ein Brief aus dem Norden hatte ihr seliges
Dasein jäh beendet. Denn auf Schloss Gottorf
war der erst einundvierzigjährige Herzog Johann
Adolf verstorben. Sobald der junge Herzog die
Nachricht empfangen hatte, legte er Trauerkleidung
an und erteilte seinen ersten Befehl. Die Zeit
der sorglosen Tagträumereien war beendet. Unter
seinem Kommando machte die Reisegesellschaft
sich auf den Rückweg nach Schleswig.
»Im Dezember 1618 erkannten die Ritter Herzog
Friedrich ohne vo rangegangene Wahl als ihren
neuen Landesherrn an und huldigten ihm«,
fuhr Sophie fort. »Friedrich III., der Erbe von Norwegen,
Herzog von Schleswig, Holstein, Stormarn
und Dithmarschen, Graf von Oldenburg und Delmenhorst,
war bereit, die Welt mit Gottes Hilfe zu
erobern.«
Sophie holte tief Luft, sie zitterte im Wind. Frierend
schlang sie das wollene Tuch fester um ihren
Körper.
Der Alte schüttelte den Kopf. »Komm Meisje …«,
sagte er und fasste sie sanft am Arm. »Komm heute
Nacht mit zu mir. In meiner Stube gibt es einen
Ofen. Und noch mehr Kuchen und heißen Wein.
Und dann erzählst du mir, wie du in diese Geschichte
geraten bist.«

Über Katrin Burseg

Biografie

Katrin Burseg, geboren 1971 in Hamburg, studierte Kunstgeschichte und Literatur in Kiel und Rom, bevor sie als Journalistin arbeitete. Sie hat mehrere Historische Romane veröffentlicht, darunter »Das Königsmal« (2008) und »Die Rebellin des Papstes« (2010). Die Autorin ist gerne am Meer, mag Reisen...

Pressestimmen

Tina

»Tolle Mischung aus Historie und Drama.«

Grazia

»Herrlich! Auf fast 700 Seiten breitet dieser wunderbare Schmöker die Geschichte der jungen Sophie aus.«

TV Movie

"Herrliche Zeitreise ins Barock."

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