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Der Metzger bricht das EisDer Metzger bricht das Eis

Der Metzger bricht das Eis

Kriminalroman

Taschenbuch
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Der Metzger bricht das Eis — Inhalt

Ein prophetischer Obdachloser, eine todessüchtige Mutter und eine scharf schießende Schneekanone – Restaurator Willibald Adrian Metzger ermittelt wieder. Begleitet von seiner furchtlosen Herzdame Danjela Djurkovic steigt er in die eisigen Höhen eines Skiörtchens – und kommt dort gewaltig ins Rutschen. Schuld daran ist weniger sein unausgereiftes sportliches Talent als vielmehr sein tiefer Blick in die menschlichen Abgründe …

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 17.09.2013
352 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30288-3
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 28.02.2012
352 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-95523-2

Leseprobe zu »Der Metzger bricht das Eis«

1

Manchmal ist das Leben einfach ganz schön kompliziert, manchmal ist es ganz einfach schön, ja und manchmal, manchmal ist es auch ganz schön einfach.

Da zeigt dann der Himmel auf Erden sein simples Gesicht, kommt auf Gummireifen ums Eck und katapultiert den Menschen zum Gipfelpunkt seiner Glückseligkeit: der erste eigene Wagen.

Er gibt es ja nur ungern zu, der Metzger, aber in seinem Innersten regt sich ein ungewohnter, bisher streng unter Verschluss gehaltener Gefühlszustand: Stolz.

Und wirklich recht ist ihm das nicht, denn der Stolz und ein [...]

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1

Manchmal ist das Leben einfach ganz schön kompliziert, manchmal ist es ganz einfach schön, ja und manchmal, manchmal ist es auch ganz schön einfach.

Da zeigt dann der Himmel auf Erden sein simples Gesicht, kommt auf Gummireifen ums Eck und katapultiert den Menschen zum Gipfelpunkt seiner Glückseligkeit: der erste eigene Wagen.

Er gibt es ja nur ungern zu, der Metzger, aber in seinem Innersten regt sich ein ungewohnter, bisher streng unter Verschluss gehaltener Gefühlszustand: Stolz.

Und wirklich recht ist ihm das nicht, denn der Stolz und ein Unkrautvernichter, die haben nicht selten ähnliche Wirkung, das eine Pflänzchen richten sie auf, die anderen zugrunde. Nur was soll er machen, als Steuermann dieses Gefährts heben sich sein Kinn und seine Brust gleichermaßen wie von selbst, festigt sich sein Gang, breitet sich ein Lächeln aus in seinem Gesicht. Allerdings ist es nicht das Lächeln eines Erstzulassungsbesitzers, denn weder der Wagen noch der Inhalt gehören ihm, lediglich die Verantwortung.

Entsprechend vorsichtig bewältigt er also die Gehsteigkante, hebt behutsam die Vorderräder, lässt sanft die Hinterräder hinuntergleiten, überquert die matschige Straße und erreicht sein Ziel. Zeitgleich erreicht ihn auch ein Anruf.

Und das versteht sich von selbst, seit Willibald Adrian Metzger diese einzigartige Lenkerberechtigung erteilt wurde, ist er ein Paradebeispiel an Abrufbereitschaft.

Aktuelle Kontaktaufnahme seiner Herzdame Danjela Djurkovic: »Bist du schon in Park?«, dröhnt es dem Metzger in der von ihm so geliebten akzentreichen Aussprache ins Ohr.

»Ja, Danjela. Stell dir vor, es ist mir gelungen, diese eine kaum befahrene Straße unfallfrei zu überqueren. Du darfst mir gratulieren!«

»Na, dann gratuliere. Passt du jetzt bitte gut auf, meine Held, auf eisige Weg und auf Schnee, was fällt runter von Äste und Dächer.«

Letzter Anruf seiner Herzdame Danjela Djurkovic, vor circa zehn Minuten: »Hast du gut eingepackt in Overall, Schlafsack und Decke, weil kommt heute nix raus Sonne?«

Vorletzter Anruf seiner Herzdame Danjela Djurkovic, vor circa zwanzig Minuten: »Hat Lillimaus Flasche getrunken leer und schlaft schon. Wenn ja, dann ist Zeit für Spaziergang!«

Selbst der mit noch so großer Abkürzungs-Verunmöglichungs-Absicht ausgewählte Vorname ist vor Verlängerung nicht gefeit. Lillimaus also, immer noch besser als Lillifee, weiß der Metzger mittlerweile, tatsächlich aber: Lilli Matuschek-Pospischill, Tochter der Witwe Trixi Matuschek-Pospischill und des Kommissars Eduard Pospischill, Willibalds verstorbenem Freund. Ein Vater, den die kleine Thronfolgerin zu Lebzeiten niemals wird kennenlernen dürfen, obwohl sie bereits jetzt schon nicht verleugnen kann, wer ihr Erzeuger ist. Zu übereinstimmend sind die Babyfotos in den Alben zweier Generationen. Im Grunde ist bei näherer Betrachtung des Säuglings einzig der Vater zu erkennen, als hätte sich der Kommissar auf diesem Weg zurück ins Leben geschummelt.

Und wenn sie nicht quietscht, dann schläft sie oder trinkt sie oder schaut sie nur. Und wenn sie schaut und der Metzger kommt auf sie zu, dann lächelt sie. Und weil sie das tut und weil der Metzger so große schaufelartige Hände hat, in die ihr Kopf so schön hineinpasst, und so starke Arme, in die ihr Körper so schön hineinpasst, und so eine Engelsgeduld, in die ihre Neugierde so schön hineinpasst, weil das eben alles so schön ist und einfach so passt, hat Lilli Matuschek-Pospischill die Erlaubnis, sich gelegentlich nur von Willibald Adrian Metzger durchs Leben wiegen oder tragen oder schieben zu lassen. Zu diesem Anlass kommt Mama Trixi Matuschek-Pospischill mindestens einmal pro Woche zeitig morgens in der Werkstatt vorbei, verlautbart: »In spätestens zweieinhalb Stunden bin ich wieder da. Ich dank dir so!«, und lädt daraufhin während der Pilates-Stunde im Fitnesscenter ums Eck ihre Batterien auf, was bedeutet: Sie braucht sich nicht sorgen, der Metzger darf sorgen, und die Djurkovic macht sich Sorgen. Abermals läutet es: »Hast du geschaut in Windel und wenn notwendig gewechselt, weil is nix gut, kalte Wetter und nasse Hose?«

»Melde gehorsam: Vor dem Füttern in die Windel geschaut, Windel gewechselt, wieder angezogen. Alles gut.«

Und genau das stimmt nicht. Denn seit Lilli wohlbehalten auf dieser Erde angekommen ist, fühlt es sich für Danjela Djurkovic schlichtweg nach Einzelhaft an, wenn sie dank ihrer Festanstellung als Hausmeisterin einer Schule, also Schulwartin, in puncto Zeiteinteilung nicht über dieselbe Flexibilität verfügt wie ihr selbstständiger Restaurator und Lebensmensch Willibald Adrian Metzger. Kein Wunder, wenn sich da ihr Gesamtzustand trotz der eben erst ausgeklungenen Feiertage schwer in Richtung Urlaub entwickelt hat.

Genau den soll sie bald bekommen.

Es sind immer dieselben Gesichter, denen der Metzger im Park und auf dem Spielplatz begegnet, mehrheitlich vom selben Geschlecht, denn alle anwesenden Hunde und Kinder werden bis auf eine einzige Ausnahme von Frauen betreut. Diese einzige Ausnahme ist hier sozusagen der Hahn im Korb. Ausgestattet mit einem derartigen Wissen würde es Danjela Djurkovic natürlich noch erheblich schlechter gehen.

Von Herumturteln kann allerdings nicht die Rede sein, nicht einmal von Rede. Der Metzger spaziert nur, schaut nur und grüßt nur freundlich. Mehr ist auch gar nicht notwendig, denn allein die Art und Weise, wie sein Spazierengehen wahrgenommen und sein Gruß erwidert wird, lässt ihn erkennen: Ich bin hier gern gesehen. Und richtig wohl fühlt er sich dabei nicht, der Willibald. Ob einem anwesenden Mann ein derart wohlwollender Gruß zuteilwird, hängt nämlich, wie so oft im Leben, auch hier von seinem Wagen ab.

So kommt es also, dass sich in diesem Park regelmäßig die Wege zweier Herren kreuzen: einer ausgestattet mit Kinderwagen, folglich gern gesehen, der andere mit Einkaufswagen, folglich nicht gern gesehen, schon gar nicht in der Nähe des Kinderspielplatzes. Einer besucht den Park, der andere bewohnt ihn.

Als wüsste er über diese Umstände Bescheid, spaziert der andere auch heute wieder am Metzger vorbei, lässt das geschlechtersolidarisch gemeinte »Guten Tag!« unbeantwortet, brummt stattdessen vor sich hin, blickt starr über die Vorderkante des scheppernden, mit unzähligen Plastiksäcken, Decken, Kartons und anderem Krimskrams gefüllten Gefährts, an dessen Front ein altes Stoppschild baumelt, zieht sich die Kapuze seines zerschlissenen Mantels noch eine Spur tiefer ins Gesicht, kratzt sich seinen rothaarigen Vollbart und setzt unbeirrt einen der beiden ausgetretenen roten Moonboots vor den anderen. Dann folgt ein ums andere Mal dasselbe Ritual: Der kleine Pavillon inmitten der Wiese wird angesteuert, ein Teil der Plastiksäcke ausgeräumt, akribisch wird auf der dort einzigen vorhandenen Bank zuerst eine Plastikplane, dann ein großer Karton, dann ein Schlafsack ausgebreitet und schließlich in Decken gewickelt darauf Platz genommen. Eine Zeit lang blickt der Mann murmelnd ins Leere, schließlich kramt er eine Thermoskanne, einen Block und einen Bleistift heraus und beginnt zu schreiben. Seite für Seite, ohne Unterbrechung, jedenfalls solange der Metzger hier seine Runden dreht, vielleicht aber auch, bis sie schläft, die ganze Stadt.

Lilli schmatzt leise vor sich hin, wie auf Schienen rollt der Wagen über den Weg, der Schnee knirscht unter den Winterstiefeln, dann taucht der Spielplatz auf. Ein unauffälliger Kontrollblick, wer ist heute alles da, wer sitzt bei wem, wer unterhält sich mit wem, wer füttert wem was, wie ist die Stimmung, ein selbstbewusstes Zurechtrücken der Decke im Inneren des Kinderwagens, ein freundliches Heben der Hand, ein leichtes Heben der Brust, ein kurzer Anflug des Stolzes. Schön kann es sein, das Leben.

Drei bis vier gemütliche Runden legt er hier regelmäßig zurück, der Metzger, was sich tragischerweise keinen Millimeter auf seine eigenen Rundungen auswirkt.

Runde eins bleibt heute ohne nennenswerte Besonderheiten. Lediglich die frisch über den verschneiten Weg gestreuten Kieselsteine fallen ihm auf.

Im Laufe von Runde zwei registriert er die bereits bezogene Bank im Pavillon und ortet leichte Unruhe auf dem Spielplatz. Ein dritter, groß gewachsener, kräftiger Mann mit verspiegelten Gläsern, Schirmkappe, hoch geschlossener Skijacke und übergestreifter Kapuze ist aufgetaucht, zückt eine Kamera mit auffällig großem Teleobjektiv und beginnt zu fotografieren: Vögel und deren Futter, Hunde und deren Besitzer, Mütter und deren Kinder, den Obdachlosen und seinen Einkaufswagen. Der Mann wirkt, als stünde er nicht mit Kamera vor dem Sicherheitszaun eines Kinderspielplatzes, sondern mit Pistole vor dem Sicherheitsglas eines Auszahlungsschalters. Das kann er eben, der Winter, Landschaften und Menschen bis zur Unkenntlichkeit verwandeln.

Ein wenig beobachtet der Besucher die Kinder, dann schickt er einen schrillen Pfiff durch den Park. Keiner der durch den Schnee jagenden Hunde zeigt eine Reaktion, einzig die Korbschaukel verliert an Schwung. Ein größerer Junge, der bisher vorsichtig, aber beherzt dem Gejohle eines Mädchens Anstoß verliehen hat, steht mit hängenden Schultern hinter dem Holzgerüst, während die Kleine schweigsam auspendelt. Eine der anwesenden Mütter kommt von hinten mit einem Rucksack zu ihm, legt ihre Hände tröstend auf seine Schultern, stoppt die Korbschaukel und hebt das Mädchen heraus. Dann stehen die drei umarmt im Schnee. Ein neuerlicher Pfiff, gefolgt von einem strengen: »Berni, her da!«, löst auch diese Idylle auf. Der Junge ergreift seinen Rucksack, die Zerrissenheit steht ihm ins Gesicht geschrieben, wenig später nimmt der stämmige Mann den Buben grob an der Hand und der Metzger die dritte Runde in Angriff, und es ist eine anstrengende dritte Runde, zumindest emotional. Da kommt ihm nämlich gleich die Erinnerung an seine eigene Kindheit, an die eigene Verzweiflung ob der plötzlich veränderten Normalität. Vom Kind zum Scheidungskind, zum alleinerzogenen Kind, zum Halbwaisen trotz lebender Erzeuger, das geht für die uneingeweihte Brut oft dermaßen rucki-zucki, da kann ein Zeugungsakt nicht mithalten.

Ebenso rucki-zucki sind sie weg, der Junge und der Mann, der vielleicht sein Vater ist. Was auch immer in dieser Familie für Verhältnisse vorherrschen, unschwer ist für den Metzger zu erkennen, es sind Verhältnisse, die ein Kind verhalten werden lassen.

Entsprechend nachdenklich absolviert er also seine dritte Runde, an deren Ende die Dinge ihren Lauf nehmen. Und es sind seltsame Dinge. Alles beginnt mit einer Lektion hinsichtlich kommender Erziehungsaufgaben, die dem Metzger unmissverständlich verdeutlichen: Die dafür nötigen Zutaten beginnen alle mit Be: Bedrohen, Belügen, Belohnen, gegebenenfalls Bestrafen.

»Mein Gott, kaum passt man einmal nicht auf die Kinder auf! Jakob! Gehst du bitte runter von der Anna, die mag keinen Schnee essen! Im Schnee kann alles Mögliche sein, Hundelulu, Vogelgagsi, Spucke, pfui ist das, da kann man sterben, und das tut weh. Geh, Hanni, kannst du deinem Bub nicht ein bisschen die Leviten lesen!«, lässt nun jene Mutter von sich hören, die gerade den großen Jungen mit seinem Rucksack auf den Weg geschickt hat.

»Jako-hob, hast du die Maria gehört, runter von der Anna, oder soll ich dem Papa erzählen, dass seine Fischerl im Aquarium nicht irgendwelche Bakterien umgebracht haben, sondern zwei Geschirrspüler-Tabs. Runter! Deinen Schokopudding kannst du heute jedenfalls vergessen. Hundertprozentig!«

»A-ha-na. Wenn du dem Jakob immer so wild die Haube runterziehst, brauchst du dich aber wirklich nicht wundern, wenn er dir… Komm jetzt her. Anna, kommst du. Kommst du bittehe! Sag, wenn du nicht gleich… Bekommst auch ein Gummibärli. Brav. Setz dich. Mein Gott, nicht in den Schnee, da wird die Hose patschnass, auf die Bank natürlich, zu mir. Wozu schlepp ich eigentlich die Schaumstoffunterlagen mit. Na geh, blöd, ich glaub, die Bärlis hab ich jetzt dem Berni mitgegeben. Bleibst trotzdem ein bisserl bei mir sitzen, jetzt, wo du schon da bist, gell, und isst schön brav dein Obst. Annnna, nein! Finger weg, das ist nur was für Erwachsene, das gehört der Tante Hannelore. Geh Hanni, was lässt du das auch so offen herumstehen!«

Dann toben nicht nur die Kinder, sondern auch die Mütter:

»Maria, ganz ehrlich, wenn der Anna deine braunen Apfel- und Bananenscheiben nicht schaden, die da in dem Tupperware-Behälter vor sich hin gären und die dir wahrscheinlich nicht einmal der Sandler dort hinten abnehmen würde, wird sie an dieser einen Nuss auch nicht zugrunde gehen!«

»Na klar, die Frau Berger reicht ihrem eigenen Kind als Zwischensnack täglich ein paar Nüsse, in diesem Fall Wasabinüsse – Anna, Nein hab ich gesagt, hörst du mich –, außerdem sieht mir das gewaltig nach Milchschnitte aus, mit dem du deinen Jakob alle dreißig Minuten mästest, bis er platzt. Tipp: Frag ihn mal, was ihm lieber ist, dein japanisches Dosenfutter und das kohlensäurefreie Nobelmineralwasser oder mein Obst und der Apfelsaft?«

»Und das Gummizeugs, mit dem du deine Tochter gefügig machst. Ernährungstechnisch auch nicht gerade ein überzeugendes Gesamtpaket. Abgesehen davon ist das ja auch meine Jause und nicht die von Jakob.«

»Deine Jause! Ist ja auch wirklich notwendig, sich als Mutter für die Zeit am Spielplatz einen eigenen Imbiss einzupacken!«

»Willst du jetzt auf meine Figur anspielen? Lieber etwas Hüftspeck und Freude am Essen als spindeldürr und hoffen wie die Geier, dass das eigene Kind ein paar faulige Apferl übrig lässt!«

»Anna, jetzt setzt’s aber was, spuck das sofort aus! Hanni, schau, jetzt hat’s die Nuss im Mund, Herrgottszeiten! Anna Anna, nicht schlucken! Ahanna! Anna?«

Der Metzger ist überzeugt, dieses Schauspiel würde wahrscheinlich noch ein Weilchen so weitergehen, im schlimmsten Fall mit Todesfolge, wenn dem nicht ein anderes umwerfendes Ereignis dazwischenkäme.

Anna öffnet den Mund, beginnt zu röcheln, greift sich an die Gurgel, verdreht die Augen und kippt um. Ein paar Krähen sind zu hören, das Brüllen der auf ihr Kind zustürmenden Mutter, die verzweifelten Hilferufe, während sie ihre regungslose Tochter durchrüttelt, und die Stimme eines Zaungastes: »Man muss die Rettung rufen!«

Die Rettung ist sofort da. Vom Pavillon kommt sie über die verschneite Wiese gestürmt, muss dabei kurz dem Höllentempo und den ausgelatschten roten Moonboots Tribut zollen, fällt in den Schnee, rappelt sich hoch, stolpert weiter, springt über den Holzzaun auf den Kinderspielplatz, beugt sich fortwährend murmelnd über das Mädchen, registriert den Atemstillstand, zieht es hoch, umklammert es von hinten und drückt es fest zu sich. Wie ein Laubfrosch hüpft die Wasabinuss im hohen Bogen heraus aus dem Kindermund und hinein in den Schnee. Ein paar Ladungen Sauerstoff vom bärtigen zum Kindermund reichen, dann geht es wieder selbstständig auf und ab mit Annas Brustkorb. Nur die Augen bleiben geschlossen. Und wieder springt sie auf, die Rettung, eilt zum Tisch, nimmt die beiden Schaumstoffsitzunterlagen, legt diese neben das Mädchen in den Schnee, dreht den Körper in die stabile Seitenlage hinauf auf die Liegestätte, all das, ohne für einen Moment mit dem Murmeln aufzuhören, und all das beobachtet von Annas Mutter Maria, Hannelore Berger samt ihrem Jakob, Willibald Adrian Metzger samt seiner schlafenden Lilli, den am Spielplatzzaun aufgereihten Zuschauern und ganz am Ende auch unter den geöffneten Augen Annas. Aus dem Zuschauerraum ist ein Raunen zu hören, Applaus setzt ein, ein euphorisches »Bravo« verirrt sich aus Hannelore Bergers Mund.

Langsam weicht der Obdachlose von Anna zurück. Mit großen Augen starrt sie ihn an. So auch Annas Mutter, als wäre sie Zeugin einer Erscheinung, eines Wunders, und gleichzeitig steht ihr etwas unfassbar Sanftes, fast Liebevolles ins Gesicht geschrieben. Kurz trifft sich ihr Blick mit dem des Obdachlosen. Aus dem Niemand ist ein Jemand geworden.

Ein Jemand, der dem ganzen Gehabe nach zu urteilen nur noch eines will: zurück in seine Einsamkeit. Mit großen Schritten flüchtet er den Hang hinauf Richtung Pavillon. Wenig später übernimmt die eingetroffene Berufsrettung.

Schaurig, fast eisig sieht es dann aus, das durch die weiße Stadt davonfahrende Blaulicht.

Auch die Reihen der Zuschauer lichten sich, manche stecken ihre Köpfe zusammen, tuscheln sich etwas zu, manche beginnen zu telefonieren, und auch Lillis Kinderwagen setzt sich wieder langsam in Bewegung. Irgendwie besorgniserregend und irritierend klingen sie dem Metzger nach, die wenigen verständlichen Wortfetzen des mittlerweile verklungenen fortwährenden Gemurmels aus dem Munde von Annas Lebensretter: »Jetzt geht das Sterben wieder los, es geht wieder los!«

 

 

2

Nach so einem Ereignis ändert sich schlagartig die Wahrnehmung. Nicht, dass der Metzger in Zukunft auf seine wöchentliche Spazierfahrt verzichten möchte, mit einem aber ist es für die nächste Zeit erst einmal vorbei: mit dem unbekümmerten Blick hinein zu seinem Fahrgast. Ab jetzt wird er zuallererst wissen wollen: Hat sie noch rote Backen, sind die Händchen auch schön warm, hebt und senkt sich der Bauch. Es will ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf, dieses Bild des erstickenden Mädchens im Schnee und des wie aus dem Nichts auftauchenden Retters. Nichts im wahrsten Sinn des Wortes, denn ein Mensch ohne Dach über dem Kopf, ohne Hab und Gut besitzt nicht nur nichts, oft nicht einmal eine Perspektive, sondern ist, was die Sichtweise der anderen betrifft, auch noch ein Nichts. Zumindest diesbezüglich hat das Leben vorhin für einen flüchtigen Moment den Deckel dieser selbst gemachten fensterlosen Schachtel namens Norm hochgehoben, allen Insassen wie dem Kasperl in der Kiste einen Blick hinaus gewährt und sie erkennen lassen, dass so ein Nichts mit einem Mal nach ganz schön viel aussehen kann, direkt nach Mitmensch.

»Ich muss mit ihm reden«, beschließt der Metzger also, da liegt Lilli bereits wohlbehalten und aufbruchbereit inmitten des Gewölbekellers in den Armen ihrer Mutter. Glühend rot sind die weiblichen Backen, bei der einen war es die frische Luft, bei der anderen die Pilates-Stunde und der Anblick des knackigen dunkelhäutigen Vorturners in seiner hautengen Adjustierung. Nur wegen des Fettabbaus allein ist es eben verdammt schwer mit der Regelmäßigkeit.

Und weil der Willibald dem durchaus schön anzusehenden Erholungszustand der beiden Damen kein abruptes Ende setzen will, erspart er Trixi Matuschek-Pospischill den tatsächlichen Reisebericht und schickt ihr nur ein: »So brav war sie, unsre kleine Prinzessin« hinterher.

Auch bei Danjela Djurkovic, die adjustiert mit blauem Mantel und Wischmopp gerade ihre Fitnesseinheit im Stiegenaufgang eines humanistischen Gymnasiums absolviert, wird telefonisch jeder Grund für zusätzliche Nervenstrapazen vermieden.

»Ist wieder gut zurück in Werkstatt, Lillimaus?«, lautet der Inhalt ihres Kontrollanrufs, entsprechend besänftigend fällt die Antwort aus:

»Du, ich bin wegen der vielen Arbeit heut einfach früher zurück. Lilli wollte noch ein wenig schaukeln und kommt dann nach!«

»Brauchst du mich nix verschaukeln, weil gibt sonst zu Hause wirklich viele Arbeit und kannst du übernehmen auch noch Abendgassirunde mit Edgar!«

Weil ich ja nie mit dem Hund geh!, denkt sich der Metzger, schließt trotzdem wohlwollend ab mit: »Wir sehn uns, wenn es dunkel ist, Geliebte!«, schlüpft in sein Wollsakko, seine Winterstiefel und überquert erneut die Straße. Diesmal weitaus weniger gemütlich als zuvor mit Lilli, allerdings nicht weniger vorsichtig. Ein Park hat eben so seine Tücken. Eine noch so großzügig angelegte Hundezone bedeutet ja nicht gleichzeitig, dass das, wofür sie angelegt wurde, auch darin abgelegt wird, von Wegräumen ganz zu schweigen. So ein Hunderl wäre in gewisser Weise ja lernfähig genug, sind ja keine Idioten, die Vierbeiner – was von deren zweibeinigen Besitzern nicht unbedingt flächendeckend behauptet werden kann. Dass sich beispielsweise als Mitbewohner im Familienverband oder als Streicheltier am Kinderspielplatz eventuell ein freundlicheres Exemplar anböte als ein Pitbullterrier oder Rottweiler, verleugnet so mancher Tierliebhaber ja selbst noch vor dem Grabstein des kleinen Jonas, drei Jahre, diesem dummen Jungen, der eben nicht verstanden hat, dass das Viecherl in Wahrheit ja nur spielen wollte. Ausschließlich am Besitzer hapert es also, wie auch hier im Umkreis der Hundezone deutlich zu erkennen ist. So ist sie eben, die Menschheit: ins eigene Wohnzimmer scheißen, niemals, ins Wohnzimmer der anderen, das ist schon ganz etwas anderes.

Zwei Ausnahmen gibt es:

Menschen, die intelligenterweise unter Wohnzimmer auch jenen von ihnen frequentierten Lebensraum verstehen, der über die eigenen vier Wände hinausgeht, also ihre Umwelt; oder Menschen, die bedauerlicherweise gar keine eigenen vier Wände besitzen und folglich ihre Umwelt zwangsweise als eigenes Wohnzimmer verstehen müssen. In beiden Fällen gilt auch hier: ins eigene Wohnzimmer scheißen – niemals.

Und so muss der durch den Park manövrierende Metzger jetzt gar nicht erst den Pavillon und den dort geparkten Einkaufswagen ansteuern, um das Ziel seines Spazierganges zu erreichen.

»Liegen lassen, überall, den Dreck liegen lassen, den Kot, den Unrat, den Menschen, einfach liegen lassen. Gut gemacht Nummer 22 – hopp, hopp hinein in die gute Stube, weg vom Weg. Weg, weg, sonst weckt es den Eiligen, hopp, hopp. Ja, ja, gleich Nummer 23, gleich kommst du an die Reihe, hinein zu den anderen. Und patsch. Patsch macht es, wie ein Stück Topfenstrudel hinein in die Vanillesoße. Geht es dir gut, Mutter, Kaiserin des Topfenstrudels, patsch, geht es dir gut!«

Hektisch läuft der Mann mit Vollbart und ohne Meldezettel durch den Park, einen Plastiksack in der einen, eine als Schaufel zweckentfremdete Zeitung in der anderen Hand, und räumt vor sich hin murmelnd den Weg. Ohne den Metzger eines Blickes zu würdigen, widmet er sich dem nächsten Hundehaufen.

»Schwups, Nummer 23 – hinauf auf die Zeitung. Zei-tung, Zeit und Dung, dreckige Geschichten. Überall liegt er, der Dreck, überall, darunter und darüber. Darüber ist wichtig, das verbirgt das Darunter, wichtig. Dreck als Tarnung für Dreck, Menschen als Vorwand für Menschen. Und Patsch Nummer 23, hinein in die gute Stube, geschafft, geschafft, geschafft, geschafft!«

»Hallo, dürfte ich Sie kurz sprechen …!«

Der Metzger tritt zwecks Kontaktaufnahme einen Schritt näher, was sein Gesprächspartner zum Anlass nimmt, sich ruckartig zu erheben und weiterzulaufen. Schneller wird seine Gangart, undeutlicher die Worte, der Restaurator muss ein für ihn ungewohntes Tempo einschlagen, um überhaupt mithalten zu können. Offenbar hat sich nun die Aufgabenstellung geändert, denn Nummer 24, 25, 26 werden ignoriert, unterwegs verschwindet der Plastiksack in einem Mistkübel, es geht vorbei an Nummer 27, was den Metzger betrifft nur haarscharf, gerade noch kann er einen letzten rettenden Haken schlagen. Auch der Vordermann ändert unvermutet die Richtung. Blitzartig geht es hinein in die kniehoch verschneite Wiese. Und da kommt nun die Größe des gebückt gehenden Herrn so richtig zur Geltung, denn nur wegen einer schlampigen Haltung werden ja schließlich die Beine nicht kürzer. Mit gewaltigen Schritten springt er überraschend leichtfüßig durch den hohen Schnee hinauf in Richtung Pavillon, abwechselnd blitzen die roten Moonboots auf, links ein Leuchten, rechts ein Leuchten. Gleichzeitig vernebelt ein Schnaufen die Luft, und ein Rufen dröhnt durch den Parkt: »Bitte warten Sie doch, ich möchte mit Ihnen reden!«

Da sitzt der Obdachlose längst schon entspannt auf der Bank, erreicht schließlich auch der Metzger völlig außer Atem sein Ziel. Überraschend geräumig ist es unter dem Pavillon. Im Sommer als Schattenspender gedacht, wünscht man sich hier im Winter nichts anderes als Wärme. Gut, wenn einen Erdenbürger schon das Leben nicht vor Niederschlägen bewahren kann, kann es vielleicht das vorhandene Dach – das ist dann aber schon alles. Eisig pfeift der Wind durch die Holzsäulen, kalt wie der Flaschenhals all jener perfekt temperierten Schaumweine, mit denen vor Kurzem erst das neue Jahr begrüßt wurde, ist der gusseiserne Rahmen der Parkbank, und frostig die Begrüßung. Ohne den Metzger eines Blickes zu würdigen, murmelt der Bärtige weiterhin in monotonem Tonfall und in einem Höllentempo vor sich hin:

»Der Mann mit dem anderen Wagen, mit dem anderen Wagen. Kinderwagen. Kind oder nicht Kind, das ist hier die Frage, egal wie edel im Gemüt, man weiß es nicht, man sieht es nicht, wenn man nicht hingeht und hineinsieht, weiß man es nicht. Vielleicht ein Kinderwagen ohne Kind, so wie ein Einkaufswagen ohne Einkauf, so wie mein Einkaufswagen. Der Mann mit dem anderen Wagen. Was restauriert ein Metzger, ein Metzger gegenüber in der Werkstatt, totes Fleisch ist totes Fleisch, es gibt kein Zurück, was restauriert ein Metzger. Tote Kinder sind tote Kinder, es gibt kein Zurück, kein Zurück. Null ist Null ist eine natürliche Zahl, jede natürliche Zahl hat einen Nachfolger, nur Null ist kein Nachfolger einer natürlichen Zahl. Null ist der Anfang. Ich bin eine Null, ich bin am Anfang, nicht am Ende, Punkt. Am Nullpunkt …«

»Darf ich mich zu Ihnen setzen?«, unterbricht der Metzger diesen unentwegten Fluss der Worte und nimmt Platz. Kurz hält der Angesprochene inne, dann geht es weiter:

»Nächster bitte. Bitte setzen, auch wenn er schon sitzt, egal, bitte setzen. Ausweis bitte, hat er ansteckende Krankheiten, Krankheiten, die sich fortpflanzen, ruckzuck, Neid, Gier, Hass, Unrecht, ansteckende Krankheiten, hat er das, hat er das und weiß es nicht, noch schlimmer: Hat er das und weiß es. Hat er ein eigenes Bett, so wie dieses, so warm wie dieses, so frei wie dieses, hat er etwas zu essen, wuff wuff, zu essen, so wie dieses, wuff, hat er…«

Die offene Dose Hundefutter zu Füßen des Mannes ist dem Metzger bereits beim Hinsetzen aufgefallen. Um 17 Uhr wandert im Supermarkt die Armut mit brauchbarem Hundefutter bei der Vordertür hinaus in die Kälte, ab 19 Uhr wandert die zumindest bis zum Ladenschluss noch brauchbar gewesene Ware bei der Hintertür hinein in die von Eisengittern und Vorhängeschlössern umgrenzten Mülltonnen – es ist, wie es ist, sagt die Liebe.

Ein Klumpen, der beim Gedanken an die eigenen Küchenabfälle nicht kleiner wird, liegt dem Restaurator im Magen. Winzig kommt er sich vor in Gegenwart dieses heruntergekommenen Mannes, winzig und belanglos. Wie alt wird er wohl sein, geht es ihm durch den Kopf. Sicher, Schmutz, Müdigkeit, Alkohol, Unterernährung und ein Vollbart machen nicht jünger, auf mehr als vierzig Jahre schätzt er seinen Sitznachbarn aber trotzdem nicht. Regungslos blickt dieser auf seinen Block und füllt Zeile für Zeile. Schlecht in Mathematik war der Metzger ja nie, zumindest im Vergleich zu seinen Mitschülern, von all den hier notierten Zahlen und Zeichen versteht er allerdings nichts. Nicht einmal ansatzweise.

Abermals beginnt er das Gespräch, diesmal eingeleitet von einer auf die Bank gelegten Visitenkarte.

»Das bin ich, Metzger mein Name. Mit wem hab ich denn das Vergnügen?«

Unbeirrt wird weiter aufs Papier gekritzelt.

Daran ändert sich auch nichts, obwohl der Metzger wiederholt höflich um Auskunft bittet und den Vorschlag offenbart, beim Würstelstand ums Eck ein Abendessen und ein Bier ausgeben zu wollen. Einzige Antwort: »Alkohol, nein danke, Atomkraft, nein danke, Menschen, nein danke.«

»Einen guten Überblick hat man von hier…!«, nutzt der Metzger die neuerliche Gesprächigkeit seines Sitznachbarn aus.

»Nicht vorgesehen, ein guter Überblick, nicht vorgesehen, nicht gesund. Bevor man weise wird, wird man Vollwaise.«

Nun unterbricht auch der Metzger: »Sie haben gerade einem Kind das Leben gerettet. Es ist so unglaublich…«

»So unglaublich ist alles, wirklich alles, unglaublich. Das Wasser, die Ölpest, der Backfisch, der Schnee, der Klimawandel, die Schneeglöckchen, der Hefeteig, das Töten, die Hände, das wohltemperierte Klavier, alles. Unglaublich ist alles. Unglaublich, wie ein dummes Menschhirn, ein dummes, kleines Menschhirn behaupten können will, zu wissen, woran man glauben soll, wenn doch alles so unglaublich ist, viel zu unglaublich. Nur Klauben ist sinnvoll, Obst und Nüsse unter Bäumen, Menschen von der Straße, nur Klauben ist sinnvoll. Die Menschen glauben einander zu viel und klauben einander zu wenig auf. Überflüssig und anmaßend, das Glauben, überflüssig. Hat er ein eigenes Bett, so wie dieses, so warm wie dieses, so frei wie dieses, hat er? Oder eines wie Anna? Hat er? Annas Bett ist nicht gemacht, noch nicht gemacht. Sie wird sterben, aber nicht jetzt, vielleicht in siebzig Jahren, aber nicht jetzt, nicht vor mir, bitte nicht vor mir.« Dann verstummt er. Plötzlich sind die von seinem angenagten Bleistift am Papier hinterlassenen Zeichen deutlich dunkler und dicker.

»Was meinten Sie vorhin mit: ›Jetzt geht es wieder los das Sterben, es geht wieder los!‹?«, hakt der Metzger nach. Doch vergeblich. Schlagartig ist Schluss mit den Notizen, der Obdachlose blickt starr ins Nichts. Endlos scheint dem Metzger die Stille. Schließlich wendet sich langsam der Kopf seines Nachbarn, aus dem Mund unter dem dichten rothaarigen Vollbart kommen flüsternd unverständliche Worte hervor, unheimlich klingen sie, dann heben sich die dichten rötlichen Augenbrauen, und tiefe, fast schwarze Pupillen heften sich an den erstaunten Blick des Metzgers. Kein Wort bringt er heraus, der Willibald, sieht hypnotisiert in diese tiefgründigen, traurigen und zugleich gütigen Augen, sieht keine Frage darin, nur eine sonderbare Abgeklärtheit, und sieht den Blick schließlich wieder unter den Augenbrauen verschwinden. Behäbig breitet sich der Mann auf seinem Karton aus, schlüpft in seinen Schlafsack und umhüllt sich mit einer Decke. Seine Schuhsohlen berühren die Oberschenkel des Restaurators, und nur schwer kann er sich lösen, der Metzger, durchströmt von einer seltsamen Verbundenheit.

»Guten Tag«, meint er zum Abschied, und es erscheint ihm wie eine Verhöhnung. Was soll an einem Tag ohne Dach über dem Kopf schon gut sein.

Thomas Raab

Über Thomas Raab

Biografie

Thomas Raab, geboren 1970, lebt nach abgeschlossenem Mathematik- und Sportstudium als Schriftsteller, Komponist und Musiker mit seiner Familie in Wien. Zahlreiche literarische und musikalische Nominierungen und Preise, zuletzt den Leo-Perutz-Preis 2013. Die Kriminalromane rund um den Restaurator...

Medien zu »Der Metzger bricht das Eis«

Weitere Titel der Serie »Metzger-Krimis«

Mit dem Restaurator Willibald Adrian Metzger schuf Autor Thomas Raab nicht nur einen der originellsten Ermittler der Krimiszene, sondern auch einen der erfolgreichsten: Nominiert für den Friedrich-Glauser- und den Leo-Perutz-Preis stürmten alle Metzger-Bände die österreichischen Bestsellerlisten.

Pressestimmen

Siegener Zeitung

»Thomas Raab erzählt mit dem ihm eigenen Sprachwitz und wahrlich rabenschwarzen Humor.«

Buchjournal

»Thomas Raab flapst sich durch Mord und Totschlag und versprüht dabei so viel Witz und Situationskomik, dass die Suche nach dem Mörder zeitweise ganz aus dem Blickfeld gerät.«

Bücherschau Wien

»Ein witziger Krimi voll skurriler Situationen.«

Neues Volksblatt

»Kriminalroman müsste bei Raab als Zusatz die Bezeichnung kritisch-komische Gesellschaftsbeobachtung erhalten. Treffend, karikierend und doch so wahr beschreibt Raab die Welt der beiden Protagonisten (…), baut scheinbar ohne Mühe eine Spannung auf, die am Ende selbst hartgesottene Krimileser noch überraschen kann.«

Österreich (A)

»...packend zu lesen.«

News

»Humorvoll, spannend erzählt.«

Tiroler Tageszeitung

»Thomas Raab entwickelt Metzger weiter, lässt die Familie um ihn herum wachsen und gibt allen authentisches Leben. Mit seinem Ausflug in das Reich der Skikaiser trifft er eine wunde Stelle der heilen Winterwunderwelt.«

Österreich (A)

»Ironisch, bissig, wunderbar politisch inkorrekt und geschmückt mit zahlreichen Bonmots erzählt Raab einen sehr österreichischen Krimi, in dem auch über Gott und die Welt und die kleinen und großen Leute darin philosophiert wird. Im Gegensatz zu den tierisch ernsten, gewalttätigen, nervenzerfetzenden nordischen Thrillern ist Raabs Roman heiter und makaber, verspielt und witzig. Und außerdem sehr gut geschrieben.«

TV Media

»Gehört zum Besten, was der Austrokrimi im Moment zu bieten hat.«

Münchner Merkur

»Gewohnt boshaft und witzig, sprachlich virtuos und komplex konstruiert.«

Wienerin

»Mitreißend...«

OÖ Nachrichten

»Kauzige Figuren, ein verwinkelter Plot, bissige Dialoge, die vor Ironie triefen, und jede Menge tiefschwarzer Humor, der gerne mit einer Extraportion Splatter-Grauslichkeit daherkommt. 'Der Metzger bricht das Eis' ist ein Volltreffer!«

Die Presse am Sonntag

»Ein zutiefst österreichischer Krimi. Im besten Sinn.«

Neue Vorarlberger Tageszeitung

»Skurril, milieustark, witzig, spannend und sozial engagiert.«

Freundin

Ein neuer Stern am Krimi-Himmel.

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