Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Der Kampf des Jahrhunderts

Der Kampf des Jahrhunderts

Roman

E-Book
€ 9,99
€ 9,99 inkl. MwSt.
sofort lieferbar
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Der Kampf des Jahrhunderts — Inhalt

Ohne das königliche Geschlecht derer von Grymmenstein wäre das Koboldreich Arkzul sicherlich nie geworden, was es heute ist: Ein einzigartiger Ort voller Leben, Leid und Unterdrückung. Und Hunger natürlich. Glücklicherweise hat Horfax der Dritte von Grymmenstein sein Volk fest in seiner kleinen, fetten Hand (auch wenn er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat). Doch kurz nachdem er sich selbst zum Gott erklärt hat, wird sein Leben von einem ehrenhaften Schmied durcheinander geworfen, der eine Rebellion anzettelt. Horfax muss fliehen, aber eines weiß er sicher: Er wird wiederkommen. Har, har!

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 10.11.2014
336 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96740-2

Leseprobe zu »Der Kampf des Jahrhunderts«

Erster Teil: Was hoch steigt ...

 

Kapitel 1

Wenn Horfax der Dritte von Grymmenstein eines ohne jeden Zweifel nicht war, dann ein netter Kerl.

Und damit machte er seinem Namen alle Ehre, denn die Grymmensteins durften sich rühmen, auf eine lange Ahnenreihe von Bösewichten, Finsterlingen, Tyrannen und Größenwahnsinnigen zurückzublicken.

Während man in anderen Familien bemüht war, dem Nachwuchs wenigstens ein Mindestmaß an gutem Benehmen und Anstand zu vermitteln, lernte ein echter Grymmenstein bereits von klein auf, dass es nichts Erstrebenswerteres gab [...]

weiterlesen

Erster Teil: Was hoch steigt ...

 

Kapitel 1

Wenn Horfax der Dritte von Grymmenstein eines ohne jeden Zweifel nicht war, dann ein netter Kerl.

Und damit machte er seinem Namen alle Ehre, denn die Grymmensteins durften sich rühmen, auf eine lange Ahnenreihe von Bösewichten, Finsterlingen, Tyrannen und Größenwahnsinnigen zurückzublicken.

Während man in anderen Familien bemüht war, dem Nachwuchs wenigstens ein Mindestmaß an gutem Benehmen und Anstand zu vermitteln, lernte ein echter Grymmenstein bereits von klein auf, dass es nichts Erstrebenswerteres gab als die vollendete Flegelhaftigkeit.

Ein Spross aus dem Hause Grymmenstein, der dabei erwischt wurde, wie er heimlich eine gute Tat beging, musste damit rechnen, dass ihm die Schattenkobold-Ohren gehörig lang gezogen wurden.

Als König Horfax der Zweite, der Vater des Helden dieser Geschichte, auf seinem Sterbebett lag, ermahnte er seinen Sohn und rechtmäßigen Thronerben daher mit folgenden Worten :

»Mein Sohn, wir beide wissen, dass es mit mir zu Ende geht. Ich weiß es, weil ich spüre, wie der Tod jede Minute auf knöchernen Sohlen näher kommt, und du weißt es, weil du zweifellos die Wirkungsweise und Dosis des Giftes kennen wirst, das du in mein Abendessen gemischt hast. Vielleicht habe ich es dir nicht oft genug gesagt, mein Sohn, daher möchte ich es wenigstens mit meinen letzten Atemzügen nachholen und dich wissen lassen, dass ich stolz auf dich bin. Heute hast du eine altehrwürdige Familientradition fortgeführt und dir damit den Platz als mein Nachfolger auf dem Thron der Schatten redlich verdient. Auch ich selbst habe meinen alten Herrn auf diese Weise aus dem Weg geräumt, als die Zeit dazu gekommen war, so wie er seinen Vater und dieser wiederum seinen Vater, deinen Ur-Urgroßvater, aus dem Weg räumte. Und wenn die Dämonenfürsten es so wollen – was ich dir von ganzem Herzen wünsche –, dann werden eines Tages auch deine Kinder dir das Licht ausknipsen. Wie dem auch sei …« Der alte Schattenkobold hustete schwach. »Ich fühle, dass die Teufel bereits an meinen Füßen zerren, um mit mir zur Hölle zu fahren, daher die Kurzversion. Denk immer daran, dass du ein Grymmenstein bist, mein Sohn. Tu Böses, wo du nur kannst. Wenn dir jemand die Hand entgegenstreckt und dir seine Freundschaft anbietet, dann lehne sie nicht ab. Wenn er dir den Rücken zuwendet, weil er glaubt, dir vertrauen zu können, ist es an der Zeit, den Dolch zu zücken. Lebe so, als wäre jeder deiner Tage der letzte vieler anderer Leute. Höre auf die heimtückische Stimme deines verdorbenen Grymmenstein-Herzens. Und wenn du deine Mutter mal wieder sehen solltest, diese falsche Schlange, dann sag ihr, dass ich in der Hölle auf sie warte. Lebe schlecht, mein Sohn !«

Damit verschied Horfax der Zweite von Grymmenstein mit einem allerletzten Seufzer.

Nachdem er einige bittere Tränen vergossen hatte – denn auch wenn er der Mörder seines Vaters war, bedeutete dies keineswegs, dass er ihn nicht liebte –, ließ Horfax der Dritte sich offiziell zum neuen König des unterirdischen Reiches Arkzul krönen und schmiss zur Feier des Abtretens seines Erzeugers eine drei Wochen lang tobende Orgie, die in Sachen Wein, Weib und Gesang wirklich nichts zu wünschen übrig ließ.

Als der Kater endlich abgeklungen war und Heerscharen von Sklaven den Boden des königlichen Palastes von den verschiedenen unappetitlichen Hinterlassenschaften der Feiernden gereinigt hatten, wurde es allmählich Zeit, an die Regierungsgeschäfte zu gehen.

Wie Horfax bald feststellte, besaß er ein wahres Naturtalent, was das Herrschen betraf.

Es war geradezu lächerlich einfach.

Ab und zu musste ein ungerechtes Gerichtsurteil unterzeichnet oder ein tyrannisches Gesetz verabschiedet werden, und gelegentlich galt es, den ein oder anderen Raubzug in ein Nachbarland zu planen.

Aber das war auch schon alles.

Mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Berater waren diese amüsanten Pflichten schnellstens erledigt, sodass sich Horfax den Rest des Tages ganz seinen verschiedenen Leidenschaften widmen konnte.

Gerne verbrachte er zum Beispiel den Nachmittag in der Arena und sah zu, wie Sklaven im blutigen Kampf gegen ausgewählte Untiere antraten.

Meistens gewannen die Untiere.

Oder Horfax schäkerte mit seinen zahllosen Konkubinen, ließ sich von ihnen mit allerlei Köstlichkeiten füttern und sein feistes Doppelkinn kraulen.

Meistens kraulten sie dann auch noch andere Körperteile.

Ja, Horfax der Dritte von Grymmenstein war wirklich der geborene Herrscher.

 

Kapitel II

Der naheliegende Gedanke, sich zum Gott ausrufen zu lassen, kam ihm, als er gerade in seiner goldenen Wanne ein Vollbad nahm und seine schwabbeligen Körpermassen von ein paar Mätressen schrubben ließ.

Grunzend vor Wohlbehagen ging Horfax dabei der theoretischen Frage nach, ob es überhaupt jemanden geben konnte, der großartiger, vollkommener und mächtiger war als er selbst.

Und während er grüblerisch mit seiner Lieblingsbadefigur spielte – ein aus einem Schwamm geschnitztes Unterweltscheusal namens Gnumpi –, traf ihn die Erkenntnis ganz plötzlich mit der ungeheuren Wucht einer göttlichen Selbstoffenbarung.

Nein, es gab eindeutig niemanden, der großartiger, vollkommener und mächtiger war als er selbst !

Er war das, worüber hinaus nichts Großartigeres gedacht werden konnte !

Und daraus folgte glasklar : Er war ein Gott !

»Ich bin ein Gott !«, teilte Horfax diese triumphale Einsicht sofort dem Rest der Welt mit und richtete sich so abrupt auf, dass sich ein Schwall überschwappenden Badewassers über die erschrocken quiekenden Konkubinen ergoss.

»Ich bin ein Gott !«, rief er, kletterte aus der Wanne, rutschte auf den glitschigen Fliesen aus, kam wieder auf die Beine und rannte unter weiteren Kundgebungen seiner Göttlichkeit aus der Halle.

Die Konkubinen tauschten überraschte Blicke.

Wenn es der Wille ihres Herrn und Meisters war, sich zum Gott zu erklären, dann waren sie die Letzten, ihm zu widersprechen.

Obwohl sie, trotz seiner im Ganzen genommen durchaus beträchtlichen Leibesfülle, aus näherer Anschauung wussten, dass die Behauptung »Das, worüber nichts Größeres gedacht werden konnte« hinsichtlich gewisser anatomischer Detailfragen nur zutraf, wenn man ein überaus begrenztes Vorstellungsvermögen zugrunde legte.

Aufgrund der grymmensteinschen Tradition des Vatermords und der dadurch beschleunigten Erbfolge war es für die Hofbeamten nicht ungewöhnlich, gleich unter mehreren Herrschergenerationen Dienste zu tun.

Der Großwesir Schorak hatte bereits zur Zeit von Gorfax dem Brutalen, dem Urgroßvater des jetzigen Herrschers, die Geschicke von Arkzul im Hintergrund gelenkt und galt als einer der erfahrensten Politiker des Reiches.

Es wäre durchaus gerechtfertigt gewesen, Schorak den Titel einer Grauen Eminenz zu verleihen, und dies nicht allein aufgrund seines tatsächlich in Ehren ergrauten Bartes.

Er war es, der heimlich die Fäden zog, das tägliche Schauspiel der Politik inszenierte und sich darum kümmerte, dass in der großen Staatsmaschine von Arkzul auch das kleinste Rädchen ordnungsgemäß seinen Dienst versah.

Dabei war er selbst keineswegs machthungrig oder herrschsüchtig, sondern übte sich in einer geradezu vollendeten Bescheidenheit.

Nach der festen Überzeugung des Großwesirs stellte die Vorsehung in ihrer Weisheit jeden genau an den Ort, der ihm seinem Wesen nach zugemessen war.

Und Schoraks eigener Platz war nicht auf dem Thron, sondern in den Schatten dahinter.

Von den Sklaven, die in der finsteren Tiefe der Minenschächte nach Edelsteinen gruben, über die fluchenden und peitschenschwingenden Aufseher bis hin zu den geschmückten, juwelenbehangenen Edelfräulein bei Hofe bildete die Gesellschaft ein großes Ganzes, ein vollendetes Gebäude, das nach den immerwährenden Gesetzen des Schicksals errichtet worden war.

Über allem thronte der König in seinem Glanz und seiner Herrlichkeit, die Verkörperung des Schicksals und der Ordnung selbst.

Wären Schorak gewisse fortschrittliche Theorien zu Ohren gekommen, denen zufolge der Herrscher nur der erste Diener des Staates sei, so hätte er sich über derart frevlerische Vorstellungen rechtschaffen empört.

Denn was war das Volk ohne seinen König anderes als ein Haufen welken Herbstlaubs, den ein schwacher Lufthauch auf einen Streich in sämtliche Winde verstreuen konnte ?

Schuldeten die Untertanen ihrem König nicht alles, einschließlich ihres Lebens, ja sogar noch die Ehre, für ihn sterben zu dürfen ?

An seiner Hand trug Schorak einen Siegelring, ein Familienerbstück, in den auf Schattenkoboldianisch das Motto eingraviert war :

Zrark n’klak, gnur zrasch blak.

Alle müssen dienen, damit einer frei sein kann.

Während nebenan im Palast Horfax seine Freiheit dazu benutzte, eine Orgie nach der anderen zu schmeißen, verbrachte der Großwesir seine Feierabende in Pantoffeln am Schreibtisch seines Arbeitszimmers, die Brille auf der Nase, und überprüfte noch einmal den Bericht der letzten Außenhandelsbilanz oder las die neuesten Depeschen der Botschafter aus aller Welt.

Denn Schorak war der vollendete Diener.

 

»Schori !«

Der Großwesir blickte von den Akten auf.

In der Tür seines Arbeitszimmers stand Horfax, triefend vor Nässe und splitternackt – seine Blöße wurde nur durch die Tatsache einigermaßen bedeckt, dass seine enorme Wampe vor den intimeren Regionen des herrschaftlichen Körpers eine Art Überhang schuf.

»Wie kann ich Euer Majestät zu Diensten sein ?«, fragte Schorak und legte die Schreibfeder zur Seite.

Er war es gewohnt, dass der Herrscher zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne zu klopfen in seinen Privatgemächern erschien, und dieser Auftritt war nicht einmal sonderlich bemerkenswert verglichen mit anderen, deren Zeuge zu sein er schon früher die Ehre gehabt hatte.

»Schori !«, wiederholte Horfax atemlos, einen Kosenamen verwendend, der noch aus seinen Kindertagen stammte, als er auf den Stufen des Throns mit seinen Monsterpuppen gespielt hatte, während sich sein Vater und Schorak mit Politik befassten. »Schori ! Ich hatte eben gerade eine Idee ! Ich werde mich zum Gott erklären !«

»Das ist eine ausgezeichnete Idee, Euer Majestät«, entgegnete Schorak, ohne nachzudenken.

Selbstverständlich war es eine ausgezeichnete Idee – jede Idee, die vom Herrscher persönlich kam, war ausgezeichnet, einschließlich solcher, die unter gewöhnlichen, nicht majestätischen Umständen genügten, ihrem Urheber einen unbefristeten Aufenthalt in der geschlossenen Abteilung einer Nervenklinik zu bescheren.

»Natürlich ist es eine ausgezeichnete Idee !«, rief Horfax. »Sie kommt ja auch von mir ! Ich will, dass das Volk sofort davon erfährt !«

»Gewiss, Euer Majestät. Ich werde gleich morgen früh veranlassen, dass sämtliche Zeitungen des Reiches die entsprechende Nachricht auf den Titelseiten bringen.«

Horfax stampfte mit dem Fuß auf.

»Nicht erst morgen ! Ich sagte : Sofort ! Ich will, dass das Kolosseum in zwei Stunden bis zum billigsten Stehplatz voll ist ! Ich will, dass das Volk seinem neuen Gott zujubelt !«

»Der Wille Eurer Majestät ist selbstverständlich Befehl. Darf ich dennoch zu bedenken geben, dass es bereits nach zwölf Uhr ist ? Die meisten Eurer hart arbeitenden Untertanen dürften um diese Zeit schlafen. Mit etwas mehr Planungszeit könnten wir auch einen angemessenen zeremoniellen Rahmen für dieses würdige Ereignis schaffen. Ich dächte da etwa an eine große Parade durch die ganze Stadt bis zum Kolosseum.«

»Parade ?« Horfax horchte auf. Er mochte Paraden. »Au ja !«, rief er und klatschte in die Hände. »Ich will zwanzig Kriegsmammuts in goldenen Rüstungen ! Und ein Feuerwerk ! Das beste Feuerwerk aller Zeiten !«

Schorak nahm einen unbeschriebenen Zettel und tunkte die Feder in das Tintenfass.

»Zwanzig Mammuts, bestes Feuerwerk aller Zeiten«, notierte er. »Ausgezeichnet.«

Horax ließ sich, nackt und nass wie er war, in einen Sessel plumpsen und tippte mit dem Zeigefinger nachdenklich gegen sein Doppelkinn.

»Sagen wir lieber dreißig Mammuts«, korrigierte er. »Mammuts kann man nie genug haben. Und Höhlenbären. Sagen wir hundert Höhlenbären. Oder lieber zweihundert.«

»Zweihundert Höhlenbären«, bestätigte Schorak.

»Und dann brauchen wir noch Artisten. Feuerspucker, Jongleure und lustige Clowns ! Und die Clowns sollen in der Arena gegen die Höhlenbären kämpfen !«

»Majestät sind heute wieder außerordentlich kreativ.«

»Und … und … und dann sollen die Mammuts mit den Bären kämpfen. Vielleicht kann man die Mammuts irgendwie anzünden, als zusätzlichen Gag. Und dann … und dann …« Horfax schlug sich patschend aufs Knie, als wäre ihm plötzlich der beste Einfall von allen gekommen. »Und nach der Vorstellung soll das Kolosseum eingerissen werden, und dann sollen die Truppen die ganze Stadt dem Erdboden gleichmachen, zum Zeichen, dass eine neue Ära beginnt !«

Schoraks Hand, die eben noch fleißig mitgeschrieben hatte, hielt inne.

»Ja«, erwiderte der Wesir diplomatisch. »Das ist eine wahrhaft königliche Idee, die wir keinesfalls aus den Augen verlieren dürfen.« Wie bereits ewähnt, galt jede Idee, die vom Herrscher persönlich stammte, als unzweifelhaft brillant. Doch als Realpolitiker gehörte es auch zu Schoraks Aufgaben, hin und wieder zwischen der überirdischen Genialität des Königs und den beschränkten Möglichkeiten der banalen Wirklichkeit zu vermitteln. Erfahrungsgemäß war es in Fällen wie diesen oft das Beste, sich auf die recht bescheidenen Kapazitäten des grymmensteinschen Langzeitgedächtnisses zu verlassen. »Dann bleibt nur noch die Frage der Finanzierung.«

Horfax winkte ab.

»Das überlasse ich dir, Schori«, gähnte er. »Setz die Steuern rauf oder verkauf ein paar Untertanen in die Sklaverei. Hauptsache, ich krieg meine Mammuts.«

Selbstverständlich wurden die Feierlichkeiten anlässlich Horfax’ Vergöttlichung ein Riesenerfolg, wofür allein schon die eigens aufmarschierten Armeetruppen sorgten, die schwer bewaffnet und mit grimmigen Gesichtern darauf achteten, dass sich auch wirklich alle gebührend amüsierten.

Horfax selbst war viel zu berauscht von seiner eigenen Großartigkeit und dem Jubel seiner Untertanen, um zu merken, dass die zehn Mammuts, die Schorak zu günstigen Bedingungen von einem Nachbarstaat ausgeliehen hatte, nur Messingrüstungen trugen, die mit Goldfarbe lackiert worden waren. Dass die Zahl der Höhlenbären nach einem ersten Kostenvoranschlag von zweihundert auf fünfundzwanzig reduziert worden war, tat dem Spektakel auch keinen wesentlichen Abbruch.

Außerordentlich gut kam derjenige Teil der Veranstaltung an, bei dem die Bären auf die Clowns losgelassen wurden, wenn auch nicht bei diesen selbst. Empört beriefen sie sich auf ihre Künstlerverträge, in denen diese zusätzliche Showeinlage mit keinem Wort erwähnt war.

Nachdem sie von den anwesenden Wachen freundlich darauf hingewiesen worden waren, dass höhlenbärenverursachtes Ableben im Vergleich mit anderen Todesarten eigentlich gar nicht so übel war, zogen sich die Clowns als echte Improvisationskünstler dennoch recht souverän aus der Affäre. Wobei hinzugefügt werden muss, dass die ausgehungerten Höhlenbären, die zuvor ausgiebig mit Spießen gepiesackt und solcherart zur Weißglut getrieben worden waren, sich ebenfalls wie Profis verhielten und unangefochten als die eigentlichen Stars des Abends gelten konnten. Unangefochten auch deswegen, weil der geplante Auftritt der Mammuts aufgrund der Tatsache ausfallen musste, dass der Mietvertrag Kämpfe auf Leben und Tod ausdrücklich untersagte, vom mutwilligen In-Brand-Setzen der Leihgabe ganz zu schweigen.

Doch wie gesagt, die Vorstellung war auch so ein voller Erfolg.

Unter dem Baldachin der Herrschertribüne saß Horfax auf einem Kissenberg, grinste zufrieden wie sein eigenes Götzenbild und ließ sich von kichernden Konkubinen mit allerlei frittierten Köstlichkeiten füttern.

Hin und wieder sorgte er mithilfe einer Pfauenfeder für neuen Platz in seinen göttlichen Eingeweiden, wobei er sich eines goldenen Eimers bediente, der neben ihm bereitstand und regelmäßig von einem ausschließlich für diese Aufgabe zuständigen Sklaven geleert wurde. (Die offizielle Bezeichnung dieses bei Hof sehr begehrten Amtes lautete »Erster Peristaltischer Zeremonienmeister und Oberster Wächter des Königlichen Magenkübels«, wurde jedoch umgangssprachlich oft zu dem weniger umständlichen, wenn auch unpoetischeren »Kotzmeister« verkürzt.)

 

Jan Oldenburg

Über Jan Oldenburg

Biografie

Jan Oldenburg, geboren 1979, studierte Literaturwissenschaft und ist in seinem künstlerischen Schaffen so kreativ wie vielfältig: Neben dem Verfassen von Drehbüchern, Kurzgeschichten und Theaterstücken, arbeitete er an diversen Kurzfilmprojekten mit. Mit »Fantastik AG« gelang ihm ein großartiges...

Pressestimmen

Ruhr Nachrichten

»Jan Oldenburg ist zum Schreien komisch. Ein genialer Spaß!«

ruth-m-fuchs.blogspot.de

»Die Lachmuskeln kriegen ganz sicher was zu tun.«

phantastiknews.de

»Vergnüglich und kurzweilig. (...) Dies ist ein Roman, der seine Leser ›nur‹ unterhält, der lustig ist, ohne gleich die Welt verbessern zu wollen, der sich angenehm und flüssig liest und zum Einläuten eines Wochenendes für Entspannung sorgt.«

Kommentare zum Buch

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden