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Denunziation

Erzählungen aus Nordkorea

Mit einem Vorwort von Thomas Reichart

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Denunziation — Inhalt

Bandi ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus Nordkorea. Sein Buch ist die Sammlung von sieben Geschichten, die in den Neunzigerjahren geschrieben wurden und erst jetzt unter riskanten Umständen aus dem Land gelangt sind. In schlichter Poesie und mit feinem Sinn für Humor erzählt der Autor von einem Leben, das vom totalitären Regime durchdrungen ist. Da ist der junge Bauer, dem die nötige Reisegenehmigung fehlt, um seine sterbende Mutter in einer nahen Provinz zu besuchen. Und die Ehe eines jungen Ingenieurs zerbricht an den vererblichen Hierarchien. Der Autor der Geschichten klagt an, macht keinen Hehl aus seiner Wut auf das Regime. »Denunziation« ist ein einzigartiger Blick in ein abgeschottetes Land und ein so mutiges wie beeindruckendes Stück Literatur.

Erschienen am 02.05.2017
Übersetzer: Ki-Hyang Lee
224 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-492-05822-3
Erscheint am 11.01.2019
Übersetzer: Ki-Hyang Lee
224 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31392-6
Erschienen am 02.05.2017
Übersetzer: Ki-Hyang Lee
224 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96591-0
»Die unter großen Vorsichtsmaßnahmen aus dem Land geschmuggelten und unter dem Pseudonym Bandi 2014 in Südkorea veröffentlichten Texte sind Botschaften aus der Hölle, Notsignale humaner Selbstbehauptung unter totalitären Verhältnissen. Ein erschütternder Einblick in das Alltagsleben mit absurdem Personenkult und allgegenwärtiger Überwachung.«
Welt am Sonntag

Leseprobe zu »Denunziation«

Die Stadt der Gespenster

Am Abend vor dem Nationalfeiertag herrschte in Pjöngjang hektische Betriebsamkeit. Das war nicht weiter verwunderlich, da nur noch wenige Stunden für den Abschluss der Vorbereitungen blieben, die schon vor drei Monaten begonnen hatten.

Als die U-Bahn an der Station Pungnyeon anhielt, war es Han Kyeong-Hui schließlich gelungen, sich einen Sitzplatz zu erkämpfen, indem sie sich unter Zuhilfenahme der Ellbogen zwischen zwei Mitreisende quetschte. Die U-Bahn war genauso bevölkert wie die Straßen. An jeder Station stieg eine Flut von [...]

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Die Stadt der Gespenster

Am Abend vor dem Nationalfeiertag herrschte in Pjöngjang hektische Betriebsamkeit. Das war nicht weiter verwunderlich, da nur noch wenige Stunden für den Abschluss der Vorbereitungen blieben, die schon vor drei Monaten begonnen hatten.

Als die U-Bahn an der Station Pungnyeon anhielt, war es Han Kyeong-Hui schließlich gelungen, sich einen Sitzplatz zu erkämpfen, indem sie sich unter Zuhilfenahme der Ellbogen zwischen zwei Mitreisende quetschte. Die U-Bahn war genauso bevölkert wie die Straßen. An jeder Station stieg eine Flut von Leuten ein und aus: Soldaten, Studenten, Teams aus jungen Arbeitern, die die Arme voll mit Dingen für die Parade hatten, Anwohner mit Blumensträußen, Schüler in Uniform, mit Schlagstöcken bewaffnete junge Pioniere. So wie sie alle angezogen und ausstaffiert waren, bestand kein Zweifel daran, dass sie vorhatten, an der Parade teilzunehmen, die aus mehr als einer Million Mitwirkender bestehen sollte.

Während Kyeong-Hui versuchte, durch leichtes Hin- und Herrutschen ihres Körpers gegen den Druck von beiden Seiten den sekündlich weniger werdenden Platz zu behaupten, ließ sie ihren Sohn nicht aus den Augen. Sie hielt den schmalen zweijährigen Jungen zusammen mit ihrer Aktentasche fest umklammert. Er schmiegte sich an ihre Brust, als wäre er festgewachsen. Eine Wange gegen die gut gepolsterte Brust seiner Mutter gepresst, blickte er unruhig, fast panikartig um sich. Als sich der Zug wieder in Bewegung setzte, mischte sich etwas frische Luft in die stickige Hitze im Abteil, und Kyeong-Hui konnte endlich etwas freier atmen. In ihrem Kopf hörte sie noch einmal die durchdringende Stimme der Kindergärtnerin. Die Leute waren der Meinung, sie beide könnten Schwestern sein: Sie sähen sich auffallend ähnlich und hätten die gleiche hitzköpfige Art. Als Kyeong-Hui vorhin ihren Sohn abgeholt hatte, da hatte die Betreuerin vor den anderen Eltern lautstark verkündet: »Genossin Geschäftsführerin, du hast nicht zufällig deinem Sohn die Geschichte von Eobi erzählt? Du weißt schon, diese schreckliche Bestie, die ungehorsame Kinder in eine Ledertasche steckt und dann in einen Brunnen wirft? Ich frage dich deswegen, weil dein Sohn heute wieder schweißgebadet aus dem Mittagsschlaf hochgeschreckt ist und ›Eobi, Eobi‹ geschrien hat. Dabei hat er am ganzen Körper gezuckt. Es ist schon erstaunlich, dass du mit deinem robusten Körper einen so zartbesaiteten Jungen hervorgebracht hast!«

»Wenn er nach mir gekommen wäre, wäre er aus einem anderen Holz geschnitzt. Das muss er also von jemand anderem geerbt haben, nur um dich zu ärgern. Hahaha!«, hatte Kyeong-Hui etwas gezwungen zu scherzen versucht.

Sie war fünfunddreißig Jahre alt und bekannt für ihren guten Geschäftssinn, den sie als Betreiberin eines Fischladens bewies. Aber vor allem auch für ihre Unerschrockenheit. Und trotzdem hatte sie die Erwähnung Eobis durch die Kindergärtnerin völlig aus der Fassung gebracht. Vielleicht war es nur eine harmlose Bemerkung gewesen, mit Sicherheit in guter Absicht geäußert, aus Sorge um das Wohlergehen des kleinen Jungen. Er litt häufig unter Angstzuständen. Doch Kyeong-Hui vermutete, dass mehr dahintersteckte. Sie fragte sich, ob die Kindergärtnerin nicht das wahre Problem ihres Sohnes erraten hatte. Wieso hätte sie sonst das Wort Eobi erwähnen sollen? Dann wiederum sagte sich Kyeong-Hui: Selbst wenn die Kindergärtnerin recht hatte, gäbe es keinen Grund, sich zu beunruhigen. Nur schwache Menschen machten sich wegen Kleinigkeiten Sorgen.

Sie stieg an der Station Seungri aus und ging, immer noch mit diesem Vorfall beschäftigt, heimwärts. Erst als sie in der Nähe des Kim-Il-Sung-Platzes auf Milizsoldaten traf, die noch einmal ihren Einsatz probten und mehrfach »Hurra« riefen, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Vor ihr stand eine ganze Traube der Soldaten; über ihre Köpfe hinweg konnte sie schon die Fenster ihrer Wohnung sehen. Es war die Nummer 3 im fünften Stock von Block 5. Normalerweise hätte sie nur noch über den Platz zu gehen brauchen, dann wäre sie zu Hause gewesen, aber an diesem Tag war es besser, einen Umweg zu machen. Nicht wegen der Hurrarufe. Würde sie sich einen Weg durch die Menge bahnen, dann sähe ihr Sohn, der ganz gegen seine Gewohnheit um diese Uhrzeit noch nicht schlief, zwangsläufig »Eobi«. Und zwar in Form eines großen Bildes von Marx, das direkt an einer der Hochhausfassaden dort am Platz befestigt war.

»Mein armer Liebling. Warum hast du nur so viel von deinem Vater, diesem Waschlappen …«, tadelte sie entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit ihren Sohn. Sie bog an der nächsten Ecke in die Gasse ein, in der sich ein Geschäft für Kinderbekleidung befand, um sich nun also auf Umwegen ihrer Wohnung zu nähern. Ihr Sohn war wirklich das genaue Abbild seines Erzeugers. Sowohl was seinen zarten Körperbau betraf als auch in Bezug auf seine labile Psyche. Diese war ihrer Meinung nach dafür verantwortlich, dass er bereits beim Anblick eines Bildes Zuckungen bekam. Wenn sich ihr Mann nicht vehement dagegen gewehrt hätte, hätte sie den Kleinen längst im Krankenhaus untersuchen lassen oder andere Maßnahmen ergriffen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aber ihr waren die Hände gebunden, da ihr Mann ihr ausdrücklich verboten hatte, mit jemandem darüber zu reden, sei er auch noch so qualifiziert. Auch wenn ihr Sohn noch keine zwei Jahre alt war, könne es für die ganze Familie dramatische Folgen haben, sollte bekannt werden, dass ausgerechnet das Kind eines Beamten aus dem Propagandaministerium sich beim Anblick von Marx wie ein Wahnsinniger aufführte. Dazu kam, dass in dieser letzten Phase der Vorbereitungen für den Nationalfeiertag alles und jeder in Alarmbereitschaft war. Selbst mitten in der Nacht standen alle stramm. Kyeong-Huis Mann hatte außerdem gehört, dass man nach den Feierlichkeiten den Einsatz eines jeden genau überprüfen werde. Also müsse man es tunlichst vermeiden, auf irgendeine Art Aufmerksamkeit zu erregen, damit man die Festivität unbeschadet überstehe. Das war das Einzige, was ihr Mann in Bezug auf das krankhafte Verhalten ihres Sohnes zu sagen hatte.

Kyeong-Hui hatte das Gefühl, der Kleine wöge plötzlich doppelt so schwer in ihren Armen. Seit einigen Tagen schon türmten sich Wolken auf und fielen dann wieder in sich zusammen. Jetzt erhob sich zudem ein kräftiger Wind aus Süd. In der Gasse mit dem Geschäft für Kinderbekleidung trieben die Böen Pappelblätter und Fetzen von Plastiktüten vor sich her. Sie beeilte sich, in die breite Prachtstraße einzubiegen. So kurz vor der Parade wirkte diese auf Kyeong-Hui wie ein Raubtier, das mit gesträubtem Fell brüllend auf sich aufmerksam machte. Unmengen von Fahnen, die die Straßenränder säumten, knatterten im Wind. Die riesigen, mit Neonbuchstaben bemalten Banner trugen Aufschriften wie »Herzlichen Glückwunsch« oder »Freudenfest«, die dermaßen grell waren, dass dem Betrachter die Augen schmerzten. Überall standen Volkspolizisten, die ohrenbetäubend mit ihren Pfeifen trillerten. Ein blaues Auto mit quäkenden Lautsprechern fuhr schnell vorbei, unverständliche Parolen tönten über die Straße. Über den Hochhäusern, die in der Einflugschneise des Flughafens lagen, dröhnten die Motoren der unablässig startenden und landenden Flugzeuge, sodass der Boden bebte. Die von allen Seiten vom Lärm gepeinigten Fußgänger beeilten sich, ihr Ziel zu erreichen.

Auch Kyeong-Hui ging schnell. Unbewusst hatte sie sich der Geschwindigkeit der anderen angepasst. Sobald sie zu Hause angekommen war, breitete sie einige Spielsachen vor ihrem Sohn aus.

»Schau mal, Myeong-Sik, das ist doch nett, findest du nicht? Komm, lass uns ein bisschen spielen. Tsching, tsching, puff, puff …«

Während ihr Sohn zu spielen begann, zog Kyeong-Hui vor beiden Fenstern die dunkelblauen Übergardinen zu. Ihre Wohnung, im ersten Gebäude einer langen Reihe von Mietshäusern gelegen, befand sich in der Südwestecke. Man sah also aus einem der Fenster das riesige Bild von Marx, das an der Fassade des Verteidigungsministeriums angebracht war, und aus dem anderen das von Kim Il-Sung, das hinter der Tribüne prangte, die man auf dem Platz aufgestellt hatte. Myeong-Sik durfte auf keinen Fall eines der Porträts zu sehen bekommen. Die weißen Nylonvorhänge waren nicht blickdicht. Schlimmer noch, durch den Stoff mussten die schemenhaft erkennbaren Köpfe noch furchterregender wirken. Vor allem auf ein so sensibles und schreckhaftes Kind. Mit seiner blühenden Fantasie würde er bestimmt Albträume davon bekommen.

Alles hatte am Samstag vor einer Woche angefangen. Auf dem Kim-Il-Sung-Platz hatte eine Versammlung stattgefunden, mit der die Leute weiter dazu motiviert werden sollten, sich an den Vorbereitungen für das nationale Großereignis zu beteiligen. Die Versammlung war zu einer Uhrzeit anberaumt worden, zu der die Menschen von der Arbeit nach Hause gingen. Da nur noch wenige Tage verblieben, konnte auf diese Weise der Großteil der Einwohner erreicht werden. Kyeong-Hui hatte sich unter die Menge gemischt, ihren erkälteten Sohn auf dem Arm. Angesichts der Temperatur, die von seinem kleinen Körper ausging, musste er ziemlich hohes Fieber haben. Von Geburt an hatte der Kleine eine schwache Konstitution gehabt und war häufig krank gewesen. Die Nachbarn aus dem Viertel hatten sich in der vorderen linken Ecke des Platzes versammelt, direkt unter dem großen Bild von Marx. Die Straßenlaternen brannten noch nicht, und die untergehende Sonne tauchte das von einem grauen Bart überwucherte Gesicht in ein seltsam dunkelrotes Licht. Selbst einem normalen Menschen konnte dieser Anblick einen Schauer über den Rücken jagen. In diesem Augenblick fiel Kyeong-Hui der erste Satz des kommunistischen Manifests ein, das sie während ihrer Jahre an der Universität gelesen hatte: »Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.«

Hatte Marx die Aufnahme seines Porträts zu dieser Zeit machen lassen? Merkwürdigerweise passte das Wort Gespenst perfekt zu dem Konterfei, das die eine Seite des Kim-Il-Sung-Platzes zierte. Es hatte kaum etwas Menschliches an sich. Es glich tatsächlich einem Gespenst, und zwar einem Gespenst, das für seine Grausamkeit berüchtigt war. Kyeong-Huis düstere Gedanken entsprangen mit Sicherheit ihrer momentanen Gemütsverfassung. Sie machte sich furchtbare Sorgen, dass ihr Sohn während der Kundgebung Angst bekommen könnte. Unglücklicherweise waren ihre Befürchtungen begründet. Sobald der Parteiverantwortliche über Lautsprecher das Wort ergriffen hatte, fing ihr Sohn an zu weinen und laut zu schreien. Offensichtlich hatte ihn der plötzliche Lärm erschreckt. Kyeong-Hui war sofort alarmiert. Auch wenn niemand Notiz von ihnen nahm, glaubte sie doch, von allen Seiten Vorwürfe zu hören, dass sie ihren Sohn überhaupt zu einer so wichtigen Versammlung mitgebracht hatte. Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihn noch fester in den Arm zu nehmen und ihm streng zuzuflüstern: »Eobi! Eobi!« Diese Drohung sollte ihn dazu bringen, mit dem Weinen aufzuhören. Aber der kleine Kerl brüllte nur noch lauter. Es gelang ihr nicht, ihn zu beruhigen. Sie hob ihn hoch, damit er das Bild von Marx sehen konnte, und wiederholte mehrmals: »Eobi! Eobi!« Abrupt hörte er auf. Kyeong-Hui seufzte erleichtert, doch eine Sekunde später spürte sie, wie der Körper ihres Kindes, der mittlerweile glühte wie ein Feuerball, anfing zu zittern. Der Kleine vergrub den Kopf zwischen ihren Brüsten.

»Myeong-Sik, Myeong-Sik! Was ist denn nur mit dir?«

Kyeong-Hui bekam es mit der Angst. Der kleine Junge hatte Schaum vor dem Mund und verdrehte die Augen. Zum Glück war der Mann neben ihr Arzt, sonst hätte es böse ausgehen können. Seither hatte Myeong-Sik noch zwei Anfälle gehabt, ausgelöst durch Spiegelungen von »Eobi« in den Fenstern ihrer Wohnung. Wenn Kyeong-Hui besser aufgepasst und nicht nur den Vorhang auf der Westseite zugezogen hätte, wäre der letzte Anfall vermeidbar gewesen. Aber sie war einfach nicht darauf gekommen, dass in Myeong-Siks Augen das Bild von Kim Il-Sung, das man durch das Nordfenster sah, ebenso ein Eobi sein und ihn vor Schreck erstarren lassen könnte.

Myeong-Sik war glücklich und ganz in seiner Spielzeugwelt versunken. Kyeong-Hui hatte zwar alle Übergardinen zugezogen, war aber immer noch beunruhigt. Es gab noch etwas anderes, das ihr Sorgen bereitete. Sie fürchtete, jeden Moment die schneidende Stimme der Blockwartin zu hören, die von draußen kreischte: »Wohnung Nummer 3 im 5. Stock!« Es wäre dann bereits das dritte Mal, dass dies vorkam, und die Blockverantwortliche würde mit größter Sicherheit keine Nachsicht walten lassen, was die geschlossenen Übergardinen betraf.

»Wohnung Nummer 3 im 5. Stock!«

Kyeong-Hui glaubte, eine akustische Halluzination zu haben.

»Wohnung Nummer 3 im 5. Stock!«

»Ja, ja«, antwortete sie schnell, um einen leichten Ton bemüht.

»Komm bitte sofort herunter!«

Jetzt war das eingetreten, was sie befürchtet hatte. Sie nahm ihren Sohn auf den Arm und stieg die Treppe hinab.

»Genossin Geschäftsführerin, wie lange hast du eigentlich noch vor, dich meinen Anordnungen bezüglich der Vorhänge zu widersetzen?« Trotz ihres Alters von über vierzig trug die Blockwartin einen knallroten Lippenstift und eine Brille mit Fensterglas. Ihre Stimme klang eisig.

»Genossin Verantwortliche, ich bitte dich um Entschuldigung, aber …«

»Ich will nichts hören! Drei Mal habe ich dich schon zurechtgewiesen, und ich werde mir weitere Erklärungen sparen!«, sagte sie und fuhr trotzdem fort, sich über das Thema auszulassen. »Genossin Geschäftsführerin, gibt es etwas, das dir an den weißen Vorhängen nicht gefällt? Anlässlich des Nationalfeiertags werden viele ausländische Gäste erwartet, und unsere Straße liegt im Stadtzentrum. Deswegen hat die Partei uns doch die weißen Vorhänge zukommen lassen, auch wenn wir dafür bezahlen mussten.«

»Nein, es ist nicht so, wie du denkst. Der Grund ist …«

»Hör zu! In allen anderen Wohnungen hier sind die gleichen Vorhänge zu sehen, nur deine tanzt aus der Reihe!« Die Blockwartin deutete auf die Fenster von Kyeong-Huis Wohnung und starrte wütend hinauf.

»Nein, das ist gar nicht, was ich bezwecken will. Wie ich dir bereits sagte …«

»Jedes Mal erklärst du mir dasselbe. Ich verstehe dich nicht! Genossin, warum setzt du deinen eigenen Kopf durch? Ich weiß, dass du einen eisernen Willen hast und auf der Arbeit knallhart durchgreifst, aber es ist keine Art, sich in der Gemeinschaft derart abzugrenzen!«

»Jetzt gehst du aber zu weit!«, protestierte Kyeong-Hui vorsichtig.

»Du findest, ich gehe zu weit?«, ereiferte sich die Blockwartin lauthals. »Soll ich dir mal was zeigen?« Mit diesen Worten schlug sie das rot eingebundene »Meldebuch« auf, das sie bislang unter den Arm geklemmt hatte, und blätterte vehement darin herum. »Ich habe immer gedacht, deine Familie stehe treu zur Partei. Da muss ich also deutlich mit dir werden. Hier, eine Anzeige vom 6. September: Die Fenster der Wohnung Nummer 3 im 5. Stock von Block 5 sind jeden Tag, von sechs Uhr abends bis zum nächsten Morgen, wenn alle zur Arbeit gehen, mit dunkelblauen Übergardinen verhängt. Vielleicht handelt es sich um ein geheimes Zeichen, um mit Spionen Kontakt aufzunehmen.« Die Parteifunktionärin klappte das Meldebuch zu, warf einen kurzen Blick auf Kyeong-Hui und fuhr fort: »Ja, glaubst du denn, diese Meldung ist nur an mich gegangen?«

Kyeong-Hui war einen Augenblick lang starr vor Schreck, dann regte sich etwas in ihr. Vergleichbar mit einer großen Kugel, die ins Rollen geriet. Wie alle disziplinierten Menschen, in denen tiefe Gefühle schlummern, wusste sie sich zu beherrschen und abzuwarten. War jedoch eine gewisse Grenze überschritten, dann war ihr Widerspruchsgeist doppelt so groß.

»Ein geheimes Zeichen, um mit Spionen Kontakt aufzunehmen? Hahahaha!«, brach es aus Kyeong-Hui heraus. Ihr gelang es nicht, das Lachen zu unterdrücken. »Hahaha! … Hahaha!«

»Mama …«, ertönte es furchtsam von dem kleinen Jungen, der in ihren Armen kuschelte und den dieses ungewohnte Gelächter seiner Mutter ängstigte.

Auch die Blockwartin riss etwas eingeschüchtert die Augen auf.

»Gut, ich werde dir alles erzählen«, gab Kyeong-Hui nach und drückte ihren Sohn abermals fest an ihre Brust. Ihre Stimme war nun ganz ruhig und voll Selbstvertrauen. Während ihres Lachanfalls waren die Unruhe und ihre Befürchtungen aus ihr herausgefiltert worden. Als hätte man ihre Gefühle durch ein großes Sieb gepresst. Übrig geblieben war nur der ihr eigene Mut, ein Fels in der Brandung. Sie hatte keine Angst mehr, vor nichts und niemandem.

Schon als sie noch ein kleines Mädchen mit kurzen Haaren gewesen war, hatte Kyeong-Hui immer die rote Armbinde mit den zwei Streifen getragen, die den Schülersprechern vorbehalten war. Vom ersten Schultag bis zur Abschlussfeier auf der Universität. Wenn sie, was selten genug vorkam, auf der Arbeit einen Fehler machte, wusste sie sich von der Tatsache beschützt, dass ein Mitglied ihrer Familie während des Koreakriegs im Kampf gegen die Armee des Südens gefallen war. Was nun ihren Mann betraf, so hatte dieser trotz seiner offensichtlichen Mittelmäßigkeit einen Abschluss von einer der angesehensten kommunistischen Universitäten. Er war von Haus aus ein ängstlicher Typ und machte sich Sorgen wegen nichts und wieder nichts. Aber trotzdem: Warum eigentlich fühlte er sich schuldig und zog den Kopf ein, wo es doch nur um die Hirngespinste eines Kindes ging? Auch wenn ihr kleiner Sohn das Bild von Marx furchterregend fand, bedeutete das doch nicht, dass sie und ihr Mann der Staatsideologie ablehnend gegenüberstanden.

»Wenn ich dir am Ende doch alles erzähle … hahaha … was kann mir Schlimmeres passieren, als der Spionage verdächtigt zu werden!« Die aberwitzige Situation reizte Kyeong-Hui immer noch zum Lachen, aber sie versuchte sich zusammenzunehmen und der Blockverantwortlichen das Problem zu erklären. Was sich auf dem Kim-Il-Sung-Platz ereignet hatte, Myeongs-Siks Angstzustände und warum sie die Übergardinen abends nun schloss.

»Warum machst du dann auch die Vorhänge auf der anderen Seite zu, wenn das gar nicht nötig ist?«

»Weil man auf dieser Seite das Bildnis des Großen Führers sieht, das hinter der Tribüne angebracht ist.«

»Ja und?«

»Kennst du nicht die Binsenweisheit: Ein Kind, das sich vor Schildkröten fürchtet, hat auch Angst vor dem Deckel eines Teekessels?«

»Wie bitte? Er fürchtet sich vor dem Bild unseres Großen Führers?«

Die Augen der Blockwartin funkelten streng hinter ihren Brillengläsern, aber Kyeong-Hui, die ganz mit sich selbst beschäftigt war, bemerkte es nicht.

»Jetzt kennst du den Hintergrund. Das ist die ganze Wahrheit. Nun verstehst du besser, was es mit den Übergardinen auf sich hat. Ich kann mein Kind nicht die ganze Zeit beaufsichtigen, und in einen Schrank sperren kann ich es auch nicht. Was soll ich also machen? Morgen während der Feierlichkeiten werde ich die Gardinen offen lassen.«

»Nein, das ist nicht genug!«, schnitt ihr die Parteifunktionärin das Wort ab und setzte äußerst bestimmt hinzu: »Das ist nicht nur ein kleines Vorhangproblem. Die Sache betrifft die einzigartige Ideologie unserer Partei. Nach den Nationalfeierlichkeiten wird man jeden beurteilen, und man wird sich vor allem auf die Treue zur Partei konzentrieren. Das ist dir doch bekannt, Genossin Geschäftsführerin? Gut, dann habe ich nichts mehr hinzuzufügen.«

Kyeong-Hui wollte noch etwas erwidern, aber die Blockwartin strebte schnell wie ein schwarzer Milan, der sich seiner Beute sicher ist, auf das Kino im Nebengebäude zu. Kaum zwei Stunden später waren die Übergardinen von Kyeong-Huis Fenstern verschwunden. Aber nicht sie hatte sie zurückgezogen, sondern ihr Mann, Pak Seong-Il.

Nachdem die Blockwartin sie so demütigend behandelt hatte, war Kyeong-Huis Laune schlecht. Sie bereitete gerade das Abendessen zu, als ihr Mann früher als gewöhnlich nach Hause kam. Noch unter dem Türrahmen stehend, als hätte er keine Sekunde zu verlieren, fuhr er sie an: »Schatz, warum zum Kuckuck sind die Übergardinen wieder zu?« Seine schwarzen Augenbrauen, die sich gegen seine bleiche Haut extrem abhoben, zog er missbilligend nach oben.

»Warum hacken heute eigentlich alle auf mir herum? Jetzt regst du dich auch noch auf«, erwiderte Kyeong-Hui und zog ihrerseits die Augenbrauen zusammen. Sie hatte die Türen zum Wohnzimmer weit geöffnet, um beim Gemüseschneiden beruhigend auf ihren Sohn einreden zu können.

»Du verstehst wirklich gar nichts!« Mit diesen Worten stürmte ihr Mann ins Wohnzimmer und riss die Vorhänge auf. Dann kam er mit dem Kind auf dem Arm in die Küche. »Wie oft habe ich dir das mit den Vorhängen schon erklärt? Aber du bist offensichtlich taub auf den Ohren! Du lebst doch schon eine ganze Weile nicht mehr auf dem Land, sondern hier mit mir. Trotzdem setzt du dich über die Gepflogenheiten in dieser Stadt einfach hinweg!« Ermattet ließ er sich auf die Türschwelle sinken. Dabei starrte er Kyeong-Hui unverwandt an. »Vorgestern erst habe ich dir die Geschichte von den drei Feldhasen erzählt, die aus Sicherheitsgründen drei verschiedene Schlupflöcher haben. Wir müssen genauso vorsichtig sein wie die Hasen. Bevor man über eine Brücke geht, muss man immer zuerst mit einem Fuß testen, ob sie auch hält. Das sind die Regeln hier in Pjöngjang.«

»Was habt ihr heute bloß alle?«

Ihr Mann antwortete nicht, warf ihr nur einen vielsagenden Blick zu, fischte eine Zigarette aus seiner Brusttasche und zündete sie an. Er zog drei, vier Mal daran, bevor er mit einem geräuschvollen Seufzer den Rauch wieder ausstieß.

»Weißt du, welche These von Marx die bemerkenswerteste ist?«, fragte er und deutete mit dem Arm in Richtung des Konterfeis hinter dem Fenster.

»Ach, du guter Gott! Heute scheint wirklich ein ganz besonderer Tag zu sein. Muss ich jetzt tatsächlich als Studentin an die Uni zurück? Das ist doch nicht dein Ernst!«, lachte sie ihn aus.

»Statt dich über mich lustig zu machen, hör mir lieber zu. Natürlich ist das Ansichtssache, aber ich finde, die interessanteste Theorie von Marx ist weder seine Kritik am Kapitalismus noch die Erschaffung des wissenschaftlichen Sozialismus. Nein, es ist die Theorie über die Diktatur des Proletariats. Wenn die Seele des Kapitalismus das Kapital ist, dann ist die des Sozialismus, zumindest wie wir ihn hier in unserem Land haben, das Proletariat, die Diktatur des Proletariats. Verstehst du? Die Bürger dieser Stadt wissen genau, was das heißt. Deswegen leben auch alle hier wie die Feldhasen, die drei Schlupflöcher haben. Aber du verhältst dich so leichtsinnig, wie es nur irgend geht. Du verlässt dich zu sehr auf das Gewicht, das der Name deiner Familie hat. Als ob er eine Art Zauberstab wäre, der alle Probleme lösen könnte. Aber wenn uns das Proletariat eines Tages etwas vorzuwerfen hat, dann kann dir dein guter Name nicht helfen. Du kennst Eobi aus der Legende, aber du willst nicht wahrhaben, wozu der Eobi im wahren Leben fähig ist.«

In den Augen ihres Mannes lag ein Feuer, wie es Kyeong-Hui bei ihm noch nie gesehen hatte. Woher kam diese Begeisterung? Sie wartete darauf, dass er zum Ende kam, denn tatsächlich war sie anderer Meinung als er. Schließlich wandte sie energisch ein: »Jetzt ist es wirklich genug! Ich weiß nicht, was heute in dich gefahren ist, aber ich bin nicht in der Stimmung für eine philosophische Grundsatzdiskussion!«

»Da hast du es! Das ist genau die Art von Naivität, die ich meine!«, gab er zurück und stampfte gereizt mit dem Fuß auf, immer noch auf der Schwelle sitzend. »Ich komme gerade aus dem Büro des für uns zuständigen Beamten der Staatssicherheit. Hast du gehört? Aus dem Büro der Staatssicherheit!«

»Staatssicherheit?« Kyeong-Hui wurde wieder ernst und schaute ihren Mann an. Jetzt verstand sie, warum er so reagiert hatte. »Ach, jetzt verstehe ich. Wegen des geheimen Zeichens für Spione, oder? Darum ging es? Hahaha!«

»Was? Haben sie dich auch einbestellt?«

»Nein, aber vorhin hat mich die Blockwartin darauf angesprochen. Sie meinte, dass sie mit Sicherheit nicht die Einzige sei, die diese Meldung bekommen hätte.«

»Ich nehme an, du hast ihr alles erzählt. Ich meine, über den Grund, warum wir die Übergardinen zuziehen?«

»Ja, ich habe ihr alles genau erklärt. Nichts ist schlimmer, als der Spionage verdächtigt zu werden, oder nicht? Ein geheimes Zeichen, stell dir vor! Hahaha …«

»Hör endlich auf zu lachen! Das ist überhaupt nicht witzig! Als ich mich vor dem Beamten der Staatssicherheit damit gerechtfertigt habe, dass mein Sohn meine schwache Gesundheit geerbt hätte und unter Angstzuständen leidet, weißt du, was er da gesagt hat?«

»Nein, was denn?«

»Man erbt nicht nur die gesundheitliche Veranlagung. Auch die Geisteshaltung überträgt sich.«

»Die Geisteshaltung?«

»Ja, du und ich hätten unserem Sohn diese Anfälligkeit und Ängstlichkeit vererbt. Und somit auch die Furcht vor dem Großen Führer. Siehst du, wo das hinführt? Begreifst du das endlich? Was will man auf so etwas noch antworten?«

»Na ja …«

»Wie sollen wir uns nur verteidigen? Sag mir das!«

Kyeong-Hui war sprachlos, angesichts der Angriffe ihres Mannes. Plötzlich durchzuckte ein Blitz, scharf wie ein Rasiermesser, den Himmel vor dem Fenster, gefolgt von einem gewaltigen Donnergrollen. Es hörte sich an, als fiele im Treppenhaus des Gebäudes eine große Trommel die Stufen hinunter. In dem Moment, in dem ein heftiger Windstoß die immer noch offene Wohnungstür zuschlug, klatschten auch schon große Wassertropfen an die Fensterscheiben.

Bis spät in die Nacht fiel der Regen in Wellen, mal stärker, mal schwächer. Myeong-Sik mit seinem leichten Schlaf schreckte mehrmals pro Stunde auf. Kyeong-Hui musste die ganze Nacht bei ihm sitzen, um ihn zu trösten und wieder zu beruhigen. Es war der Abend vor den großen Nationalfeierlichkeiten, und die Einwohner der Stadt waren auf Hochtouren damit beschäftigt, die letzten Herausforderungen zu meistern, auch wenn es eine Sisyphusarbeit war. Jedes Mal, wenn der Regen kurz nachließ, wirkten die Lichter der mit bunten Lampen verzierten Inschriften hinter den Fenstern wie wunderbare Blumen. Aber das machte Kyeong-Hui das Herz nur noch schwerer, als es schon war. Diese Festivitäten hatten nichts gemein mit den Familienfeiern, die etwa zu Erntedank oder zu Neujahr abgehalten wurden. Kyeong-Hui dämmerte im Halbschlaf vor sich hin, wachte plötzlich wieder auf und beruhigte instinktiv ihren Sohn, bevor ihr der Kopf abermals auf die Brust sank.

Das Prasseln des Regens, das Tosen des Windes und das Stimmengewirr der Menschen, die draußen in der Nacht noch aktiv waren … All das vermischte sich hinter Kyeong-Huis geschlossenen Lidern zu der ohrenbetäubenden Geräuschkulisse einer ihr unbekannten Welt.

Irgendwo aus der Ferne erklang ein Schrei: »Eobi!« Wie Donner hallte er in der ganzen Stadt wider.

»Was treibt ihr euch hier herum, statt nach Hause zu gehen und euch auszuschlafen? Wollt ihr das Fest morgen ruinieren?«

Was war das für ein haariges Monster, das um sich brüllte, je einen Fuß auf den beiden höchsten Wohngebäuden der Stadt? Ja, natürlich, das war Eobi! In Todesangst sprang Kyeong-Hui auf die Füße und rannte so schnell sie konnte davon, ohne Plan und ohne Ziel. Zu ihrer großen Überraschung waren all jene, die zitternd vor Angst die Nasen an die Fensterscheiben ihrer bienenwabenähnlichen Wohneinheiten pressten, keine Menschen, sondern Feldhasen! Haha, was für ein Witz! Das waren doch nur Nagetiere aus einer Geschichte, die ihr Mann mit schöner Regelmäßigkeit erzählte. Das Seltsamste war, dass auch Kyeong-Hui plötzlich in einer dieser Waben kauerte, ohne zu wissen, wie sie dorthin gekommen war. Sie schaute sich um und entdeckte einen besonders stillen Hasen, der auf einem Bett in der Ecke des Zimmers schlief. Völlig bewegungslos lag er da und schnarchte mitleiderregend mit halb offenem Mund. Der Arme, auf der Flucht vor dem Schrei des Eobi war er sehr abgemagert. Sie sah näher hin. Warum standen denn die Schneidezähne so vor, aus dem Mund ihres Mannes? Auch das noch! Das war gar kein Hase, sondern ihr Mann!

»Ma…mi …«

»Oooh … schlaf, schlaf weiter, mein Kleiner«, murmelte sie mechanisch. Im Halbschlaf streichelte sie ihren Sohn, aber ihre Bewegung wurde immer langsamer. Trotz des tobenden Sturms senkte sich der Schlaf über die erschöpfte Stadt.

Seit Tagesanbruch schauten alle Einwohner der Stadt immer wieder zum Himmel. Alle ohne Ausnahme, Männer, Frauen, Kinder, Alte. Seit drei Monaten hatten sie wie die Kulis für diesen besonderen Tag geschuftet. Und jetzt war das Wetter so schlecht. Schwarze Wolken türmten sich nach wie vor am Himmel, erst gegen sechs Uhr morgens hörte es glücklicherweise auf zu regnen. Überall in den Kasernen, den Schulen, den Fabriken und den Wohnungen regten sich gleichzeitig eine Million Menschen. Aber kaum eine halbe Stunde später schlug das Wetter erneut Kapriolen. Diesmal handelte es sich nicht nur um einen normalen Regen, sondern der Himmel öffnete seine Schleusen zu einer wahrhaftigen Sintflut. In kürzester Zeit ergossen sich schäumende Wassermassen wie Wildbäche in die Unterführungen, in die Vorhallen der öffentlichen Bauten, in die Eingänge und Flure von Wohngebäuden, in U-Bahn-Schächte, in Bushäuschen, sogar aus den Kanaldeckeln sprudelte es heraus.

Die Uhren schlugen acht, dann neun … Erst als die Zeiger auf Viertel nach neun standen, hörte der Wolkenbruch schlagartig auf. Genau eine Dreiviertelstunde vor dem offiziellen Beginn der Feierlichkeiten. Als wollte der Himmel sagen: Jetzt könnt ihr anfangen, wenn euch so viel daran liegt. Ein Regenbogen spannte sich von der Insel Yanggak zur Spitze des Berges Moran. Wie ein Band, das die Aufschrift trug: »Es ist unmöglich, rechtzeitig mit den Feierlichkeiten zu beginnen.« Die Wolken machten einem strahlenden Blau Platz und verkündeten endlich gutes Wetter. Wenn eine Million Einwohner, die in diesem Augenblick über ganz Pjöngjang verstreut waren, es schaffen würden, sich in fünfundvierzig Minuten zu versammeln, dann würde die Nationalfeier zur festgesetzten Zeit beginnen können. In dieser von einem Wasserwirbel sauber gewaschenen Stadt. Aber genauso gut könnte man von einem verdorrten Baum erwarten, dass er blüht! Eine Vielzahl von Meldungen über die Absage des Großereignisses war über den Äther geschickt worden, der sich zu diesem Zeitpunkt wolkenlos präsentierte. Darunter die eines westlichen Journalisten an seine Redaktion: »Die Nationalfeier, von der nordkoreanischen Regierung seit nunmehr drei Monaten vorbereitet, fällt wegen sintflutartiger Regenfälle buchstäblich ins Wasser!« Das war jedoch die unbedarfte Meinung derer, die die Einwohner dieser Stadt nicht kannten.

»Ich informiere alle Bürger von Pjöngjang, dass die Feierlichkeiten stattfinden wie geplant. Alle Mitglieder des Zentralkomitees und alle Teilnehmer der Parade werden aufgefordert, sich unverzüglich zu ihren Treffpunkten zu begeben!«, quäkte es lautstark aus dem Netz der überall angebrachten Lautsprecher, das alle Welt nur »Das Dritte Programm« nannte. Sofort verließen die Leute eilig die Unterführungen, die Vorhallen der öffentlichen Bauten, die Eingänge und Flure der Wohngebäude, die U-Bahn-Schächte, die Bushäuschen … Man mochte meinen, sie wären Gewehrkugeln. Nur Kyeong-Hui blieb ruhig in ihrem Zimmer und hörte Radio. Sie war eigentlich für eine Organisationseinheit verantwortlich gewesen, war dann aber wegen der Angstzustände ihres Sohnes von der Liste der aktiven Teilnehmer gestrichen worden. Von ihrer Wohnung am Kim-Il-Sung-Platz konnte sie besser als jeder andere verfolgen, was passierte. Die Lautsprecher des »Dritten Programms« dröhnten immer noch und forderten die Menschen auf, unverzüglich und pünktlich zu erscheinen, aber noch war der Platz leer. Die Uhr zeigte bereits neun Uhr fünfundzwanzig.

Es blieben also noch fünfunddreißig Minuten. Dreißig Minuten. Fünfundzwanzig Minuten … Da geschah das Wunder. Zuerst formierten sich zwei Reihen, nicht größer als ein Block Tofu. Dann kamen weitere Reihen dazu. Der Ausdruck »unverzüglich« schien Wirkung zu zeigen und die Leute am einen Ende der Stadt aufzusammeln und am Versammlungsplatz abzusetzen wie ein Bratspieß, von dem die Fleischstückchen abgezogen wurden. Um fünf vor zehn war der Platz schließlich bedeckt mit Blöcken in allen Farben. Von beiden Seiten des Kaufhauses formierte sich der Zug, vorbei am Kunstpalast der Kinder, bis zur Changjeon-Kreuzung. Auch die hochrangigen Militärs und Staatssekretäre trafen nun nach und nach auf der Tribüne ein. Der ganze Platz war in Aufruhr. Er glich dem Meer nach einem Sturm.

»Hiermit verkünde ich den Einwohnern dieser Stadt, dass wir ein Wunder vollbracht haben, das die ganze Welt erzittern lässt. Es ist neun Uhr fünfundfünfzig, und hier sind eine Million Menschen versammelt, hier auf diesem Platz. Nur fünfundvierzig Minuten nach diesem schlimmen Unwetter haben sich eine Million Menschen zusammengefunden, um teilzunehmen …«

Als sie diese mehrfach wiederholte Lautsprecherdurchsage hörte, verschränkte Kyeong-Hui die Hände ineinander und drückte sie langsam auf ihre Brust. Ihr Herz klopfte wild, aber sie wusste nicht, warum.

Schüttelfrost! Das beschrieb ihren Zustand in diesem Moment am treffendsten. Was sie gerade mit eigenen Augen gesehen hatte, rief in ihr kein Gefühl der Erhabenheit hervor, sondern vielmehr eine Angst, die ihr Blut gefrieren ließ. Sie würde nie dermaßen blinden Gehorsam leisten können, selbst wenn sie mit ihrer Weigerung nun unwiederbringlich eine Grenze überschritten hatte – was gefährlich sein konnte! In kaum fünfundvierzig Minuten hatten sich tatsächlich eine Million Personen auf diesem Platz eingefunden, die zuvor über die Stadt verstreut gewesen waren! Was war das für eine furchtbare Macht, die in der Lage war, eine so unglaubliche Leistung zu vollbringen? Zwei Wochen später bekam Kyeong-Hui die Antwort auf diese Frage.

Nach den Feierlichkeiten wurde eine Woche lang Bilanz gezogen. In jeder Stadt des Landes und mit aller Strenge. Besonderes Augenmerk wurde auf Untreue gegenüber der Parteidoktrin gelegt. In jedem Versammlungsraum schlugen die auf einem Podium sitzenden Parteikader mit den Fäusten auf ihre Pulte und brüllten ohne Zurückhaltung auf die vor ihnen sitzenden Angeklagten ein. Angesichts ihrer hoffnungslosen Lage seufzten diese vor sich hin, mit gesenkten Köpfen und mit den Tränen kämpfend.

Jede Kleinigkeit, die als Behinderung des Ablaufs der Feierlichkeiten gelten konnte, wurde eingehend untersucht und aufs Schärfste verurteilt. Die höchste Strafe war Verbannung. Die Betreffenden wurden ohne Gnade fortgejagt. Sobald das Urteil gefallen war, hatten sie nicht einmal mehr das Recht, ihre Sachen selbst zu packen. »Genosse, dein Verhalten in dieser oder jener Sache, an diesem oder jenem Tag, hat den Ablauf unseres großen Ereignisses gestört. Die Partei hat deswegen beschlossen, dich aufs Land zu schicken.« Die Vollstreckung erfolgte sofort. Mehrere Parteifunktionäre kamen mit Säcken und Schnüren, die aus Reishalmen gedreht waren. In Anwesenheit des zuständigen Beamten der Staatssicherheit packten sie im Handumdrehen die Habseligkeiten der betroffenen Familie, bevor diese überhaupt reagieren konnte. Die Räumung fand immer im letzten Moment statt. Gerade rechtzeitig, bevor der Zug zum festgesetzten Ort der Verbannung abfuhr. Der Beamte der Staatssicherheit ließ die Familie keinen Moment aus den Augen und begleitete sie »höflicherweise« im Fahrzeug und danach im Zug bis zum endgültigen Ziel. Dieses lag in der Regel so weit weg von Pjöngjang wie das Ausland.

So kam es, dass gegen dreiundzwanzig Uhr, also gut eine Stunde vor Abfahrt des Zuges in den Norden, die Sachen der Familie von Kyeong-Hui auf einen Lastwagen geladen wurden. Sie waren des folgenden Verbrechens angeklagt: »… haben die Verurteilten die Prinzipien der Revolution zum Wohl der Familie missachtet und bei der Erziehung ihres Sohnes versagt. Nicht nur, dass sie damit der Nationalfeier geschadet haben, sie haben außerdem das Bildnis von Karl Marx, dem Gründer des Kommunismus, respektlos behandelt und das Konterfei unseres Großen Führers mit einem Teekessel verglichen. Daher sind sie schuldig, die Verbreitung unserer Staatsideologie behindert zu haben …«

Vier Leute saßen zwischen den verschieden großen Säcken auf der Ladefläche des Lastwagens. Kyeong-Hui, ihr Mann, ihr Sohn und der Beamte von der Staatssicherheit. Der Mann hatte es vorgezogen, hinten bei ihnen aufzusteigen, obwohl der Sitz neben dem Fahrer somit frei blieb. Es war Mitte September und die Nacht empfindlich kalt. Das Kind, das abrupt aus dem Schlaf gerissen worden war, fing an zu weinen. In seinem Schreien und in dem kleinen, fest um Kyeong-Huis Hals geschlungenen Dreieckstuch drückte sich für die Familie all das Unglück der Verbannten aus. Ihr Mann rauchte eine Zigarette nach der anderen. Glimmende Asche fiel auf einen der Säcke und verursachte ein Loch, das langsam immer größer wurde, aber niemand dachte daran, sie auszudrücken.

Der Motor stotterte ein paarmal, sprang jedoch nicht an. Der Fahrer stieg aus und beugte sich kurz darüber, bevor er sich ruckartig wieder aufrichtete. Während dieser wenigen Sekunden stürmte eine wahre Gedankenflut auf Kyeong-Hui ein. Sie fühlte sich benommen, wie nach einem Schlag auf den Kopf, aber ihr Gedächtnis funktionierte trotzdem noch einwandfrei. Losgelöst von der Wirklichkeit erinnerte sie sich an ihre Kindheit, als sie mit der Puppenküche gespielt, Sand statt Reis in Porzellanscherben serviert und sich mit dem Nachbarsjungen geprügelt hatte. Dieser hatte sie nicht wie ein Mädchen behandelt, weswegen sie kurzerhand die Ärmel hochgekrempelt und es ihm gezeigt hatte. Sie dachte außerdem an die Worte ihrer Großmutter, nachdem sie in stockfinsterer Nacht mit dem Zug angekommen und die zwölf Kilometer vom Bahnhof allein nach Hause gelaufen war. Die alte Dame hatte mit der Zunge geschnalzt und ausgerufen: »Jetzt schau sich doch einer unsere Kleine an! Fürchtet sie sich denn vor gar nichts? Der Geist eines toten Generals muss in sie gefahren sein!« Zu dieser Zeit hatte sie noch studiert und war für die Wintersemesterferien zu ihrer Familie gefahren. Kyeong-Hui hatte von Geburt an ein unglaubliches Selbstbewusstsein besessen. Zudem stammte sie aus einer Familie, die einen getöteten Kriegshelden aufweisen konnte. Bis zu diesem Abend hatte sie gelebt, ohne jemals wirklich Furcht verspürt zu haben. Doch in diesem Augenblick glaubte sie zu verstehen, was Furcht eigentlich hieß.

Die Fahrertür des Lastwagens schloss sich mit einem trockenen Klack. Dann setzte sich das Gefährt in Bewegung. Die Gedanken der jungen Frau lösten sich auf der Stelle in Luft auf. In ihr Blickfeld gerieten stattdessen die Fenster ihrer Wohnung, an der sie so hing. Sie schienen ihr auf Wiedersehen sagen zu wollen. Sie bekam einen Kloß im Hals, fühlte sich aber verpflichtet, die Tränen zurückzuhalten. Vielleicht wegen der Anwesenheit und des Blickes des Beamten der Staatssicherheit, der ebenso durchdringend war wie eine Dolchspitze. Vielleicht aber auch wegen der Lichterketten auf dem Dach des Ministeriums, die blinkten, als wollten sie ihr zurufen: »Pass auf dich auf!« Sie wandte den Kopf nach links, und ihr Blick fiel auf die beiden hell erleuchteten Porträts. Das von Marx, von dessen Gesicht außer dem Bart kaum etwas zu sehen war, und das von Kim Il-Sung, mit ernstem Blick und aufeinandergepressten Lippen. Sie hatte das Gefühl, die beiden roten Gespenster drohten ihr: »Wenn man dir befiehlt, die Stadt zu verlassen, dann hast du dies zu tun, ohne zu murren, anstatt über lauter belanglose Sachen nachzudenken! Du hast geglaubt, die Stadt gehöre dir? Aber keineswegs, sie gehört nur uns allein!« Die unbarmherzigen Vorwürfe dieser Gespenster und die Macht ihrer Fäuste hielten Kyeong-Hui davon ab, sich von der Wehmut überrollen zu lassen, die sich in ihrem Herzen ausbreitete.

Plötzlich fing sie am ganzen Körper an zu zittern. Das war nicht nur die Folge dieser kalten Septembernacht. Sie war sich gerade einer furchtbaren Tatsache bewusst geworden, die ihr einen gewaltigen Schock versetzte. Sie hätte sich schon viel früher darüber klar werden sollen, um weiterhin im Schoß dieser Gesellschaft leben zu können. Sie verstand endlich, von welcher Art die Macht war, die eine Million Menschen dazu gebracht hatte, sich binnen fünfundvierzig Minuten zu versammeln. Wenn ihr Mann ihr erneut die Frage stellen würde: »Weißt du, welche These von Marx die bemerkenswerteste ist?«, würde sie jetzt in der Lage sein, ihm mit der größten Ernsthaftigkeit zu antworten. Ohne Umschweife und mit gelehrter Wortwahl.

Der Lastwagen näherte sich dem Bahnhof von Pjöngjang. Die Fenster der Gebäude zu beiden Seiten der Straße erinnerten sie an die drei Feldhasen und ihre Schlupflöcher, die sie in ihrem Traum in der Nacht vor der Nationalfeier gesehen hatte. Sie spürte die Blicke der Bewohner auf dem Lastwagen ruhen. Es war beinah Mitternacht, aber hinter ihren Fenstern, da waren sie alle rastlos. Eine Million Feldhasen beobachteten die Familie Kyeong-Hui mit einem ängstlichen Gefühl im Bauch, und auf den Befehl des »Eobi« würden sie sich jederzeit wieder beeilen und unverzüglich zu dem Platz gehen. Egal, zu welcher Stunde, sie wären bereit, sich zu versammeln, selbst wenn sie weniger als fünfundvierzig Minuten Zeit dafür bekämen!

 

April 1993

Über Bandi

Biografie

„Bandi“, geboren 1950, ist ein von der nordkoreanischen Regierung anerkannter Schriftsteller und Mitglied des Zentralkomitees der Chosun Schriftsteller-Vereinigung. Nachdem er Zeuge der Ereignisse um den „beschwerlichen Marsch“ wurde, der Hungersnot, die vom Ende der Achtziger Jahre bis in die...

Pressestimmen

Welt am Sonntag

»Die unter großen Vorsichtsmaßnahmen aus dem Land geschmuggelten und unter dem Pseudonym Bandi 2014 in Südkorea veröffentlichten Texte sind Botschaften aus der Hölle, Notsignale humaner Selbstbehauptung unter totalitären Verhältnissen. Ein erschütternder Einblick in das Alltagsleben mit absurdem Personenkult und allgegenwärtiger Überwachung.«

Deutschlandfunk "Büchermarkt"

»Einfach im Ton und genau mit Details, wirken diese Erzählungen wie Fensterbilder in ein Land, von dem man kaum etwas weiß.«

Die Rheinpfalz

»Das Buch ist ein Leuchtzeichen aus einem Land der Finsternis, einer abgeschotteten Enklave, Nordkorea, wo die Atompolitik des Machthabers Kim Jong-un weltweit für Angst und Schrecken sorgt. Es gewährt Einblicke in den Alltag der sogenannten kleinen Leute.«

ttt Titel Thesen Temperamente

»Es ist kein Werk der offiziellen nordkoreanischen Literatur sondern das eines Dissidenten. Er nennt sich Bandi. Dass wir lesen können, was er schreibt ist ein absoluter Glücksfall.«

Frankfurter Neue Presse

»Dieses Buch lohnt sich wirklich.«

WDR 3 "Mosaik"

»Die Geschichten sind einem Realismus verpflichtet, der ein wenig veraltet wirkt. Andererseits aber liefern sie erschütternde und bewegende Eindrücke vom Alltag in einem Land, das fast komplett von der Außenwelt abgeschlossen ist. Eine Art NordkoreaLeaks in Zeiten, in denen die Nachrichten beinahe wöchentlich von neuen Raketentests berichten – als einzige Information aus einem unbekannten Paralleluniversum.«

Kronen Zeitung (A)

»Der unbekannte Autor Bandi erzählt in ›Denunziation‹ bedrückende Geschichten aus dem Alltag in der Diktatur Nordkoreas.«

WDR 59 Stories

»Eine hoch interessante und aufschlussreiche Lektüre über´s Leben im totalitären Post-Sozialismus.«

dpa-StarLine

»Die Erzählungen sind ein Anfang, um eine unbekannte Welt näher kennenzulernen. Und Bandi hat nicht bloß eine triste Welt unter ständiger Beobachtung durch die Staatsorgane aufgezeigt, sondern auch einen einzigartigen Blick auf die Bürger dieses Landes geworfen.«

Nürnberger Nachrichten

»Das Land ist nach wie vor ein schwarzes Loch auf der Weltkarte. Umso kostbarer scheint es, dass Bandis ›Denunziation‹ ein anderes, wenn auch schmerzlicheres Licht als das der Propaganda in die Finsternis bringt.«

SWR 2

»Der Band erzählt Geschichten, die sich hinter der glatten Fassade der nordkoreanischen Massenchoreographien abspielen und die nur sehr selten unseren Buchmarkt erreichen. Das macht diesen Band so besonders.«

Kleine Zeitung

»Bandi zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der das Regime sogar bis ins Schlafzimmer blickt. Wo jeder Nachbar, bisweilen sogar die eigene Familie Teil der Denunziationsmaschine sein kann.«

Kölner Stadt-Anzeiger

»Allemal wird hier nachdrücklichst eine an Orwell und Kafka erinnernde Alptraumwelt lebendig.«

taz

»Bandis Erzählungen sind daher weniger Sensation als vielmehr bittere Mahnung: Auch ein großes Orchester besteht aus Einzelstimmen«

Stern

»Bandi öffnet die Tür zu diesem erratischen und geheimnisvollen Land einen Spalt breit und erlaubt Einblicke in den nordkoreanischen Alltag «

Der Spiegel

»Der Ton der Erzählungen klingt ungewohnt eckig, doch sie offenbaren menschliche Innenwelten, die gar nicht fremd sind. (...) ein Buch, das einen seltenen Einblick gewährt.«

GEO Saison

»Mit klarem Blick und einfühlsamer Sprache erzählt Bandi vom brutalen Regime, vor allem aber vom Versuch der Bevölkerung, dem totalitären System etwas Menschlichkeit abzuringen.«

Alle Welt (A)

»›Denunziation‹ ist ein beeindruckendes Werk, das nachdenklich macht und das repressive Regime anklagt.«

tam.tam Das Stadtmagazin

»Präzise, manchmal in schlichter Poesie gehalten, schildert Bandi das Ringen nach Menschlichkeit in einem totalitären Regime.«

Buchkultur (A)

»Ein teilweise bestürzender Titel, der hier und da auch feinen Humor aufblitzen lässt – ein mutiger literarischer Beitrag in Sachen Regimekritik. Absolute Leseempfehlung.«

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