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Das sind unsere besten JahreDas sind unsere besten Jahre

Das sind unsere besten Jahre

41 Ermutigungen für Eltern aus der Kinderarztpraxis

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Das sind unsere besten Jahre — Inhalt

Was tun, wenn das Kind schreit und bockt, obwohl man doch nur sein Bestes will? Wenn man versucht, alles richtig zu machen, und alle Bemühungen trotzdem ins Leere laufen?

Josef Althaus’ Buch unterstützt verunsicherte Eltern mit vielfach bewährten Ratschlägen aus der Praxis. Es ermutigt, sich auf seine Intuition zu verlassen und zeigt, wie man ein verlässliches Vorbild ist. Ein bestärkendes Plädoyer für einen offenen Umgang mit den eigenen Kindern und ein Muss für alle Eltern, die im Rückblick sagen möchten: »Das waren unsere besten Jahre.«

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 13.10.2014
192 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30657-7
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 13.10.2014
176 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96734-1

Leseprobe zu »Das sind unsere besten Jahre«

VORWORT

 

 


Die Klage »Ich muss meinem Kind alles zehnmal sagen!« beweist, dass das Kind bis zehn mitzählen kann.

Kinder merken mehr, als Eltern sich träumen lassen. Denn zehnmal sagen bedeutet für sie, dass es die ersten neun Male nicht ernst gemeint war. Kinder können zwischen den Zeilen lesen. Sie riechen den Braten und mögen nichts anbrennen lassen.

Ihre Spürnasen sind unbestechlich. Wenn Eltern diesen Spürnasen folgen, werden sie selber zum Entdecker – und zum Gefährten der Fährtenleser.

Ist man einmal auf der richtigen Spur, so lassen sich [...]

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VORWORT

 

 


Die Klage »Ich muss meinem Kind alles zehnmal sagen!« beweist, dass das Kind bis zehn mitzählen kann.

Kinder merken mehr, als Eltern sich träumen lassen. Denn zehnmal sagen bedeutet für sie, dass es die ersten neun Male nicht ernst gemeint war. Kinder können zwischen den Zeilen lesen. Sie riechen den Braten und mögen nichts anbrennen lassen.

Ihre Spürnasen sind unbestechlich. Wenn Eltern diesen Spürnasen folgen, werden sie selber zum Entdecker – und zum Gefährten der Fährtenleser.

Ist man einmal auf der richtigen Spur, so lassen sich überraschende Antworten finden auf Fragen, die sich immer wieder stellen.

Weil das Zusammenleben mit Kindern oft wenig Zeit lässt, sich in Lektüre zu vertiefen, bietet dieses Buch seine Themen in mehr oder weniger kurzen, eigenständigen Kapiteln an, auch wenn alles immer » irgendwie « zusammenhängt. Es sind Themen aus der kinder- und jugendärztlichen Sprechstunde. Sie enthalten Gedanken und Erfahrungen, die Eltern ermutigt haben. Wie im Kabarett endet dabei mancher Gedankengang in einem befreienden Lachen, befreit vom Zwang, auf der falschen Fährte zu bleiben. Wer über sich selbst lachen kann, wird sich seiner selbst bewusst – und selbstbewusst genug, etwas zu ändern. Wann könnten wir offener, mutiger und bereiter dazu sein, als in der Sorge um das Glück unserer Kinder? Wie glücklich können Erinnerungen sein, wenn sie einst erlauben, zu sagen: das waren unsere besten Jahre – wir haben sie genossen.

 

 

 

 

1
Raus mit der Sprache!
Vom Segen der Sackgasse

 

 


Eltern sind selbst Kinder gewesen. Ihr Erwachsensein enthält die Spuren der eigenen Erziehung; in ihrer Lebensgestaltung finden diese Spuren sich wieder, meist unbemerkt, bisweilen vorsätzlich. Der eine will es seinen Eltern nachtun, der andere probiert in allem genau das Gegenteil. Unübersehbar aber werden diese Spuren, wenn eigene Kinder kommen und eigene Erziehungsideale gefragt sind. Da beginnt Selbsterfahrung. Da taut der Altschnee, kommt Vergessenes, Verleugnetes, Verdrängtes wie eine Dach­lawine ins Rutschen, da fallen Standpunkte und Selbst­bilder wie auf Glatteis in sich zusammen. Nichts führt unmittelbarer auf das eigene Ich als das eigene Kind. Die Geburt eines Kindes bedeutet auch eine psychische Neugeburt der Eltern. Dies mag wie eine Last erscheinen, und natürlich belastet es; nicht zuletzt bringt ein Neugeborenes eine gravierende Form des Schlafentzuges mit sich. Aber es ist – viel wichtiger – eine Chance, die (fast) nur bekommt, wer Kinder bekommt. Es gibt keine bessere Motivation, Problemen nicht auszuweichen, sich nichts vorzumachen, an Illusionen nicht kleben zu bleiben, Herausforderungen anzunehmen, Gefühle zuzulassen – kurzum, sich selbst zu erkennen: die eigenen Angst- und Unzulänglichkeitsgefühle, das Vermeidenwollen und Fliehenwollen, das eigene Kämpfen und Resignieren, die eigenen Bedürfnisse und Opfer. Ein heilsamer Zwang zur Selbsterkenntnis.

Kinder konfrontieren uns auf die direkteste Weise mit den uns anhaftenden Spuren. Wofür schlägt mein Herz? Auf welche innere Stimme höre ich? Kinder helfen uns, zu merken, was wir bisher nicht gemerkt haben, nicht merken mussten, weil wir Eltern hatten, aber noch keine waren. Eltern zu werden, bedeutet darum, selbst ein Stück erwachsener zu werden, die eigenen kindlichen Bedürfnisse und Erfahrungen, die eigene kindliche Identifikation ans Licht zu holen. Wer sich als Opfer kindlicher Wünsche sieht, selbstvergessen dem Kind stets nachgibt, im Zweifelsfall lieber erduldet als fordert, der könnte das alte Kind in sich entdecken: » Ich musste mich immer unterordnen «, » Ich konnte nie etwas recht machen «, » Ich war schon immer ängstlich «. So verdreht es klingen mag: Eltern, die selbst noch bedürftig sind, haben es schwerer, die Bedürfnisse ihres Kindes wahrzunehmen. Und in kindlicher Identifikation verhalten sie sich ihren Kindern gegenüber sogar nach dem gleichen Muster wie gegenüber den eigenen Eltern: zuwendungsbedürftig, duldsam, opferbereit, nachgiebig, selbstvergessen, harmoniebedacht, aber in ihrer Elternrolle doch unterschwellig fordernd.

Auch am Arbeitsplatz dürfte man damit Probleme bekommen. Aber hier bieten sich genügend entlastende Erklärungen: Der Chef ist unmöglich, die Kollegen sind so rücksichtslos, die Zeiten so schwierig. Kinder aber sind nicht rücksichtslos und schwierig und unmöglich. Sie fordern dazu auf, nach anderen Gründen zu suchen. Es sagt sich zu leicht vom Kind: Es hatte gar keinen Grund, so frech zu sein. Die Wahrheit ist, dass Eltern den Grund eben auch bei sich suchen müssen, aber nicht von heute auf morgen finden werden.

 

 

»Beständigkeit ist oft nur die Furcht, schwach zu erscheinen, wenn man seine Meinung ändert.« (Alberto Moravia)

 


Der erste Schritt ist der schwerste. Das Neue lockt nicht. Im Vertrauten, auch wenn es kneift, kennen wir uns aus, fühlen wir uns sicherer. Die übliche Antwort in einer Krise ist: mehr desselben. Wie beim Helfen: Ausbleibender Erfolg verstärkt die Hilfeleistung, obwohl durch Hilfe nichts besser wurde. Wer als einziges Werkzeug einen Hammer hat, für den ist jedes Problem ein Nagel.

Die Tochter eines Ordnungsfanatikers, die sich genervt geschworen hat, niemals an einen Partner mit den Eigenschaften des Vaters zu geraten, stellt vielleicht im Laufe ihrer Ehe fest, dass sie in den Armen eines Pedanten gelandet ist. Das Muster, das sie in Anpassung an ihren Vater entwickelt hatte, war ihr vertraut, gab ihr Selbstsicherheit. So wie ihr Männer mit anderen Mustern fremd und unvertraut erschienen. Nur das Vertraute gibt Sicherheit. Sie hatte das vertraute Muster unbewusst erkannt, bevor sich Jahre später die Wiederholung offenbarte.

Es ist wie beim Befahren einer Sackgasse: Das Schild hat man übersehen, es fährt sich wie auf der vermeintlichen Hauptstraße. Dann wird der Richtungsverkehr immer dünner, der Gegenverkehr stärker. Man stutzt; hier stimmt doch was nicht. Aber was? Umkehren? Und wenn es doch weitergeht? So schnell gibt man den eingeschlagenen Weg nicht auf. Natürlich ist man unsicher, hat man sich vorher schon mal verfahren. Je weiter man aber fährt, desto schwieriger fällt der Gedanke an Umkehr. Das Erreichte, das für richtig Gehaltene lässt man nicht so schnell los. Erst am Ende der Sackgasse ist die richtige Richtung klar. Hatte man es nicht schon geahnt? Hätte man sich das letzte Stück nicht sparen können? Eben nicht. Für eine Richtungsänderung, für eine Umkehr bedarf es guter, klarer Gründe. Wie bei einer Krise: Erst der Höhepunkt, erst das Ende der Sackgasse ist auch der Wendepunkt. Der Preis der sicheren Entscheidung ist der Irrweg, der Irrtum. Das Ende einer Sackgasse ist der Ort großer Klarheit, großer Enttäuschung und großer Hoffnung.

Wer unwissend den falschen Weg einschlägt, tut es doch in bester Absicht.
Auch bei der Erziehung geht niemand den falschen Weg in böser Absicht, sondern guten Glaubens. Muss nicht eine Richtungsänderung zunächst wie die Aufgabe guter Absichten erscheinen? Um dann schließlich doch Gelegenheit zu sein, es besser zu machen, weil man das Beste will.

 

 

»Die Schwierigkeit liegt nicht darin, die neuen Ideen zu finden, sondern darin, die alten loszuwerden.« (John M. Keynes)

 


Kinder bringen Eltern immer wieder in schwierige Situationen. Als Werkzeug, Probleme zu meistern, reicht ein Hammer nicht; Eltern müssen sich eine Werkstatt einrichten. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und eine bessere Ausbildung als mit Kindern gibt es nicht. Wenn der Altschnee ins Tauen kommt und die eigenen unbewussten Motivationen aus dem Oberstübchen vor die Füße fallen, dann werden diese erkennbar, sind zur Rede gestellt und werden ideal­erweise zur Sprache gebracht. Weniger den Kindern als den Eltern gilt so die Aufforderung: Raus mit der Sprache! Sprecht über eure Probleme, eure Sackgassen und Irrwege. Dafür sollte auch die Sprechstunde beim Kinderarzt offen sein. Ohne Kinder bleibt einem eventuell nur der Gang zum Paartherapeuten.

Roberto Assagioli, ein Pionier der Psychiatrie und Psychotherapie, sagt es so: »Geschieht etwas zur rechten Zeit, nennen wir es Erziehung; geschieht etwas zu spät, nennen wir es Therapie.«
Kinder lassen einem weniger Zeit, erwachsen zu werden. Sie verkürzen den Weg zu Ausreden, sie verstellen das Ausweichen, Sie gestalten die Landkarte neu:

 

 

Der kürzeste Weg ist der Umweg.

Josef Althaus

Über Josef Althaus

Biografie

Dr. Josef Althaus, geboren 1949 im Kreis Coesfeld/Westfalen, praktiziert als Kinderarzt und Psychotherapeut in Lübeck. Er ist Gründungsmitglied des Kinderschutzzentrums Lübeck und lehrt als Dozent an der Akademie für Fort- und Weiterbildung der Ärztekammer Schleswig-Holstein Psychosomatik im...

Inhaltsangabe

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort


1 Raus mit der Sprache!

Vom Segen der Sackgasse


2 Sollen wir den Kindergarten wechseln?

Vom Vorbild der Eltern


3 Wer schlafen will, muss fröhlich sein – Von der kindlichen Fähigkeit des Gedankenlesens


4 Sorgt euch nicht!

Vom Planen, Hoffen, Wünschen


5 Was man nicht merkt, kann man nicht lassen

Von Selbsterkenntnis und Gelassenheit


6 Besser elastisch als perfekt

Von der frühen Bindung


7 Ich möchte so gern in euer Bett

Von Regeln, Ausnahmen und Konsequenz


8 Gottseidank hat er wenigstens den Fruchtzwerg gegessen – Von der Stimmung am Esstisch


9 Das bringe ich nicht übers Herz
Von Eindeutigkeiten und Zweideutigkeiten


10 Wat mutt, dat mutt

Vom Gegenüber und Nebeneinander


11 Das soll mal eine selbstbewusste Persönlichkeit werden – Vom Gleichberechtigten und Gleichwürdigen


12 Es kann ja nicht schaden, sympathisch zu sein

Von Engelsschleifen und Teufelskreisen


13 In deinem Zimmer kannst du dich beruhigen

Vom Halten und Haltgeben


14 Wenn der Schwanz mit dem Hund wackelt

Von Stärke und Gewalt


15 Ich möchte gern mal wieder durchschlafen

Von Eltern, denen das Lachen vergeht


16 Warum schreit er bloß immer so?

Vom Wunsch und vom Bedürfnis

17 Man darf auch mal danebenliegen

Vom Keuchhusten-Tic

18 Wie der Habicht fliegen lernt

Vom Behüten und Belasten

19 Hoffentlich versteht er sich mit seinem neuen Schwesterchen

Vom Vorbereiten und Entschädigen


20 Da kann er richtig sauer werden

Von der guten Miene zu bösem Spiel


21 Fall mir nicht die Treppe runter!

Vom Ermutigen und Entmutigen


22 In der Schule ist sie so gut, daran kann es nicht liegen – Von Schiss und Stress

23 Zuhause kann er alles; bei den Arbeiten ist es weg – Vom Zumuten und Zutrauen

24 Ich weiß doch, dass du das kannst

Vom Loben und Kränken

25 Was gibt’s denn da zu lachen?

Vom Predigen und Tadeln

26 Bin ich wirklich euer Kind?

Vom Besondern und Absondern

27 Seit unserer Trennung dreht er durch

Vom Wiedergutmachen und Bessermachen

28 Der will mich ärgern

Vom Wiederholen und Wüten

29 Hast du das immer noch nicht verstanden?

Vom Erklären und Klarmachen

30 Ich will ja nicht nur meckern

Vom richtigen Ton und vom Verdünnen

31 Darf ich zwischen euch?

Vom Dreieck Mutter-Vater-Kind

32 Wir haben nie vor den Kindern gestritten

Von Harmonie und Konflikt

33 Immer, wenn sie vom Vater kommt, weint sie

Von Rosenkrieg und Wochenendvätern

34 Mein Sohn und ich entscheiden jetzt zu zweit

Von Alleinerziehenden und Stellvertretern

35 Ihr mögt meine kleine Schwester viel lieber

Von der Waage der Gerechtigkeit

36 Zum Kochen komme ich nur, wenn der Kleine schläft

Von Stimulation und Entertainment

37 Ich nehme ihn dir mal ab

Von Verwandten und Elefanten

38 Wenn Blödsein schlau ist

Von Pubertät und Geduld

39 Soll ich mein Kind mit zur Beerdigung nehmen? – Von der Trauer

40 Das Leben ist kein Wunschkonzert

Vom wirklich Wichtigen

41 Wie soll das alles enden?

Von Luftlöchern und klugen Eltern

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