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Das Licht der letzten TageDas Licht der letzten TageDas Licht der letzten Tage

Das Licht der letzten Tage

Roman

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Das Licht der letzten Tage — Inhalt

Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.

€ 14,99 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 14.09.2015
Übersetzer: Wibke Kuhn
416 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-492-06022-6
€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 01.02.2017
Übersetzer: Wibke Kuhn
416 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31023-9
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 14.09.2015
Übersetzer: Wibke Kuhn
416 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97147-8

Leseprobe zu »Das Licht der letzten Tage«

Teil 1

Das Theater

 

1

 

Der König stand schwankend in einer Lache aus blauem Licht. Es war der 4. Akt von König Lear, an einem Winterabend im Elgin Theatre in Toronto. Zuvor, während das Publikum in den Saal kam und seine Plätze einnahm, hatten drei Mädchen auf der Bühne ein Klatsch-Spiel gespielt, kindliche Versionen von Lears Töchtern, und jetzt kehrten sie in der Wahnsinnsszene als Halluzinationen zurück. Der König stolperte umher und versuchte sie festzuhalten, während sie in den Schatten hierhin und dorthin huschten. Er hieß Arthur Leander. Er war [...]

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Teil 1

Das Theater

 

1

 

Der König stand schwankend in einer Lache aus blauem Licht. Es war der 4. Akt von König Lear, an einem Winterabend im Elgin Theatre in Toronto. Zuvor, während das Publikum in den Saal kam und seine Plätze einnahm, hatten drei Mädchen auf der Bühne ein Klatsch-Spiel gespielt, kindliche Versionen von Lears Töchtern, und jetzt kehrten sie in der Wahnsinnsszene als Halluzinationen zurück. Der König stolperte umher und versuchte sie festzuhalten, während sie in den Schatten hierhin und dorthin huschten. Er hieß Arthur Leander. Er war einundfünfzig und trug Blumen im Haar.

»Kennst du mich wohl?«, fragte der Schauspieler, der den Gloucester spielte.

»Ich erinnere mich deiner Augen recht gut«, sagte Arthur, abgelenkt von der kindlichen Version der Cordelia, und genau in diesem Moment geschah es. Auf einmal veränderte sich sein Gesichtsausdruck, er stolperte, er wollte Halt an einer Säule suchen, verschätzte sich aber im Abstand und schlug sich schmerzhaft die Hand an.

»Vom Gürtel nieder sind’s Centauren«, sagte er. Ganz abgesehen davon, dass es die falsche Zeile war, brachte er sie auch noch seltsam gepresst vor, mit kaum hörbarer Stimme. Er drückte sich die Hand an die Brust wie einen verletzten Vogel. Der Schauspieler, der den Edgar spielte, beobachtete ihn scharf. In diesem Moment bestand immer die Möglichkeit, dass Arthur schauspielerte, aber in der ersten Reihe hinter dem Orchester stand gerade ein Mann auf, der eine Sanitäterausbildung hatte. Seine Freundin zog ihn am Ärmel und zischte: »Jeevan! Was machst du denn?« Jeevan wusste es selbst nicht so recht, und aus den Reihen hinter ihm raunte man ihm zu, er möge sich doch wieder hinsetzen. Ein Platzanweiser steuerte auf ihn zu. Auf der Bühne begann Schnee zu fallen.

»Der Zeisig tut’s«, flüsterte Arthur, und Jeevan, der das Stück sehr gut kannte, wusste, dass der Schauspieler gerade zwölf Zeilen im Text zurückgerutscht war. »Der Zeisig …«

»Sir«, sagte der Platzanweiser, »würden Sie bitte …«

Doch Arthur Leanders Zeit lief ab. Er schwankte, sein Blick war ins Unbestimmte gerichtet, und Jeevan war klar, dass der Schauspieler jetzt nicht mehr König Lear war. Er schob den Platzanweiser beiseite und rannte zu den Stufen, die auf die Bühne führten, aber da kam schon ein zweiter Platzanweiser den Gang entlanggerannt, sodass Jeevan sich gezwungen sah, sich ohne die Hilfe einer Treppe einfach auf die Bühne zu hangeln. Sie war höher, als er gedacht hatte, und er musste den ersten Platzanweiser, der ihn am Ärmel gepackt hatte, mit dem Fuß wegstoßen. Der Schnee war aus Plastik, wie Jeevan unbewusst zur Kenntnis nahm, zahllose kleine Stückchen aus durchscheinendem Plastik, die an seiner Jacke hängen blieben und auf seiner Haut scheuerten. Edgar und Gloucester wurden einen Augenblick von dem Getöse abgelenkt. Keiner schaute zu Arthur, der sich mittlerweile mit leerem Blick gegen die Sperrholzsäule lehnte.

Man hörte Rufe aus dem Backstagebereich, zwei Schatten kamen herangeeilt, doch Jeevan hatte Arthur jetzt erreicht, fing den Schauspieler auf, als er ohnmächtig wurde, und ließ ihn behutsam auf den Boden gleiten. Rundherum segelten die Schneeflocken jetzt immer dichter herab, sie schimmerten im bläulich weißen Licht. Arthur atmete nicht mehr. Die zwei Schatten – Security-Mitarbeiter – waren in ein paar Schritt Abstand stehen geblieben und kapierten wohl langsam, dass Jeevan kein geistesgestörter Zuschauer war. Im Publikum wildes Stimmengewirr, blitzende Handykameras, unverständliche Ausrufe im Dunkel.

»Lieber Gott«, sagte Edgar. »Du lieber Gott.« Er hatte den britischen Akzent, dessen er sich vorher bedient hatte, völlig fallen gelassen und klang jetzt so, als käme er aus dem tiefsten Alabama. Was ja auch der Wahrheit entsprach. Gloucester hatte die Mullbinde weggezogen, die sein halbes Gesicht verbarg – zu diesem Zeitpunkt hatte man seiner Figur bereits die Augen ausgestochen –, und stand da wie angewurzelt. Sein Mund öffnete und schloss sich wie bei einem Fisch.

Arthurs Herz schlug nicht. Jeevan begann mit Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Irgendjemand rief einen Befehl, und der Vorhang fiel, ein wisch! aus Stoff und Schatten, das das Publikum aus der Gleichung nahm und der Bühne die Hälfte ihres Glanzes raubte. Die Security-Leute hatten sich zurückgezogen. Die Beleuchtung veränderte sich, das Blau und Weiß des Schneesturms wurde von einem grell fluoreszierenden Licht ersetzt, das sich im Vergleich fast gelb ausnahm. Jeevan arbeitete schweigend in diesem Margarinelicht, wobei er ab und zu einen Blick auf Arthurs Gesicht warf. Bitte, dachte er, bitte. Arthurs Augen waren geschlossen. Der Vorhang bewegte sich, irgendjemand schlug von außen dagegen und suchte nach einem Durchlass. Dann kniete auf einmal ein älterer Herr im grauen Anzug neben Arthur.

»Ich bin Kardiologe«, sagte er. »Walter Jacobi.« Seine Augen wurden durch seine Brillengläser vergrößert, und auf seinem Schädel stand das Haar in schütteren Büscheln.

»Jeevan Chaudhary«, sagte Jeevan. Er hätte nicht sagen können, wie lange er schon hier war. Ringsum liefen Menschen hin und her, aber außer Arthur kamen sie ihm alle weit entfernt und unscharf vor, und jetzt hatte sich auch noch dieser Mann dazugesellt. Es fühlte sich an, als wären sie im Auge eines Orkans, dachte Jeevan, er und Walter und Arthur, zu dritt in dieser absoluten Stille. Walter berührte kurz die Stirn des Schauspielers, ganz sanft wie eine Mutter, die ihr fieberndes Kind beruhigen will.

»Man hat schon einen Krankenwagen gerufen«, sagte Walter.

Der heruntergelassene Vorhang verlieh der Bühne etwas unerwartet Intimes. Jeevan musste an die Zeit denken, als er Arthur in Los Angeles interviewt hatte – das war mittlerweile schon Jahre her –, während seiner kurzen Karriere als Kulturjournalist. Er musste an seine Freundin Laura denken und überlegte, ob sie wohl noch auf ihrem Platz in der ersten Reihe saß oder vielleicht ins Foyer gegangen war. Und dabei dachte er, bitte, fang wieder an zu atmen, bitte. Er dachte sich, dass der heruntergelassene Vorhang die vierte Seite abschloss und die Bühne in einen Raum verwandelte, wenn auch einen Raum mit einem Hohlraum als Decke und meilenweitem Gewirr aus Stegen für das Personal und Scheinwerfern, zwischen denen eine Seele unbemerkt davongleiten konnte. Was für ein lächerlicher Gedanke, sagte sich Jeevan. Sei nicht blöd. Aber jetzt spürte er auf einmal so ein Prickeln im Nacken, als würde er von oben beobachtet.

»Soll ich Sie ablösen?«, bot Walter an. Jeevan begriff, dass der Kardiologe sich nutzlos fühlte, also nickte er und nahm die Hände von Arthurs Brustkorb, woraufhin Walter im gleichen Rhythmus weitermachte.

Kein richtiger Raum, dachte Jeevan, während er sich auf der Bühne umschaute. Es war alles zu flüchtig, diese ganzen Gänge und dunklen Räume zwischen den Seitenbühnen, die fehlende Decke. Es war eher wie ein Terminal, dachte er, ein Bahnhof oder ein Flughafen, ein Ort, durch den jeder nur kurz hindurchgeht. Inzwischen war der Krankenwagen gekommen, zwei Ärzte näherten sich durch den absurd still fallenden Schnee, und dann kauerten sie auch schon über dem Schauspieler wie Krähen. Ein Mann und eine Frau in dunkler Uniform, die Jeevan beiseitedrängten. Die Frau war so jung, dass sie sogar noch unter zwanzig hätte sein können. Jeevan stand auf und trat zurück. Die Säule, an der Arthur zusammengesackt war, fühlte sich unter seinen Fingerspitzen glatt und blank poliert an. Holz, das so bemalt worden war, dass es wie Stein wirkte.

Überall Bühnenhelfer, Schauspieler, namenlose Funktionäre mit Klemmbrettern. »Verdammt noch mal«, hörte Jeevan jemand sagen. »Kann nicht endlich mal jemand diesen blöden Schnee abstellen?« Regan und Cordelia standen weinend am Vorhang und hielten sich an den Händen, Edgar saß im Schneidersitz auf dem Boden und hielt sich die Hand vor den Mund. Goneril sprach leise in ihr Handy. Die falschen Wimpern warfen Schatten über ihre Augen.

Niemand schaute Jeevan an, und ihm dämmerte, dass seine Rolle in diesem Stück beendet war. Die Ärzte schienen keinen Erfolg zu haben. Er wollte Laura suchen. Wahrscheinlich stand sie ganz aufgelöst in der Lobby und wartete auf ihn. Vielleicht – es war nur eine entfernte Überlegung, aber doch eine Überlegung – fand sie sein Einschreiten ja bewundernswert.

Irgendjemand gelang es schließlich, den Schnee abzustellen, es segelten nur noch ein paar letzte durchscheinende Plastikflocken herab. Jeevan sah sich um, um den einfachsten Weg von der Bühne zu finden, da hörte er ein Wimmern und sah ein Kind, das er vorher gar nicht bemerkt hatte, eine kleine Schauspielerin, die links von ihm neben der nächsten Sperrholzsäule kniete. Jeevan hatte das Stück schon viermal gesehen, aber noch nie mit Kindern, und er fand dieses Detail der Inszenierung sehr innovativ. Das Mädchen war sieben oder acht. In regelmäßigen Abständen wischte sie sich die Augen mit einer Bewegung ab, die Make-up-Streifen auf ihrem Gesicht und ihrem Handrücken hinterließ.

»Vorsicht«, sagte einer der Notärzte, und der andere trat zurück, während der erste dem Mann einen Elektroschock verpasste.

»Hallo«, sagte Jeevan zu dem Mädchen. Er kniete sich vor sie. Warum war niemand gekommen, um sie hier wegzuholen? Sie beobachtete die Ärzte. Er war nicht sicher, wie er mit ihr reden sollte, denn er hatte keinerlei Erfahrung mit Kindern, obwohl er schon immer gedacht hatte, dass er selbst einmal zwei haben wollte.

»Vorsicht«, sagte der Notarzt wieder.

»Das solltest du dir jetzt aber nicht mit anschauen«, meinte Jeevan.

»Er wird sterben, stimmt’s?« Ihr Atem kam in kleinen Schluchzern.

»Ich weiß nicht.« Er wollte ihr etwas Beruhigendes sagen, aber er musste selbst zugeben, dass das alles nicht gut aussah. Arthur lag reglos auf der Bühne, auch nach dem zweiten Elektroschock. Walter fasste sein Handgelenk und starrte finster in die Ferne, während er auf einen Puls wartete. »Wie heißt du?«

»Kirsten«, sagte das Mädchen. »Ich bin Kirsten Raymonde.« Das Bühnen-Make-up wirkte befremdend an dem kleinen Mädchen.

»Kirsten«, sagte Jeevan. »Wo ist denn deine Mutter?«

»Die holt mich erst um elf.«

»Vergiss es«, sagte ein Notarzt.

»Und wer kümmert sich um dich, wenn du hier bist?«

»Tanya, die Tierpflegerin.« Das Mädchen starrte immer noch auf Arthur. Jeevan stellte sich vor sie, um ihr die Sicht zu verstellen.

»Einundzwanzig Uhr vierzehn«, sagte Walter Jacobi.

»Die Tierpflegerin?«, wiederholte Jeevan.

»So nennen die anderen sie alle«, sagte sie. »Sie kümmert sich um mich, wenn ich hier bin.« Ein Mann im Anzug war auf der rechten Seite der Bühne erschienen und redete jetzt eindringlich auf die Notärzte ein, die Arthur auf einer Bahre festschnallten. Einer von ihnen zuckte mit den Schultern und zog die Decke herunter, um eine Sauerstoffmaske auf Arthurs Gesicht zu befestigen. Jeevan war klar, dass diese Scharade für Arthurs Familie bestimmt war, damit sie nicht aus den Abendnachrichten von seinem Tod erfuhren. Die feinfühlige Geste berührte ihn.

Jeevan stand auf und streckte dem schniefenden Kind die Hand hin. »Komm«, sagte er. »Wir gehen Tanya suchen. Sie sucht dich wahrscheinlich auch schon.«

Das stand zu bezweifeln. Wenn Tanya sie gesucht hätte, dann hätte sie sie inzwischen bestimmt gefunden. Er führte das kleine Mädchen zum seitlichen Bühnenrand, aber der Mann im Anzug war schon wieder verschwunden. Der Backstagebereich war chaotisch, nichts als Lärm und Gerenne, irgendjemand rief, dass die anderen Platz machen sollten für Arthurs Prozession. Walter ging neben der Bahre. Die Prozession verschwand über den Korridor durch die Bühnenausgänge, und im Kielwasser des Zuges schwoll die Unruhe noch weiter an, die Leute weinten oder sprachen in ihre Handys oder standen in kleinen Gruppen zusammen, um sich die Geschichte immer noch einmal zu erzählen: »Dann hab ich rübergeschaut, und er fiel einfach …«, oder um Anweisungen zu bellen oder die Anweisungen anderer Leute zu ignorieren.

»Die ganzen Leute hier«, sagte Jeevan. Er hatte nicht viel für Menschenmengen übrig. »Kannst du Tanya irgendwo sehen?«

»Nein. Ich seh sie nirgends.«

»Tja«, meinte Jeevan. »Dann sollten wir vielleicht an einem Ort bleiben und warten, bis sie uns findet.« Er erinnerte sich, dass er diesen Hinweis einmal in einer Broschüre gelesen hatte, die Tipps gab, wie man sich verhalten sollte, wenn man sich im Wald verlaufen hatte. An der Rückwand standen ein paar vereinzelte Stühle, und er setzte sich. Von seinem Platz aus konnte er die unbearbeitete Rückseite der Sperrholzkulisse sehen. Ein Bühnenarbeiter fegte den Schnee zusammen.

»Wird Arthur wieder gesund?« Kirsten war auf den Stuhl neben ihm geklettert und hatte die Hände in ihr Kleid gekrallt.

»In diesem Moment«, sagte Jeevan, »hat er das getan, was er auf der Welt am meisten geliebt hat.« Diese Feststellung basierte auf einem Interview mit Arthur, das er vor einem Monat im The Globe and Mail gelesen hatte: »Ich hab mein Leben lang darauf gewartet, alt genug zu sein, um Lear spielen zu können, und es gibt nichts, was ich mehr liebe, als auf der Bühne zu stehen, diese Unmittelbarkeit zu fühlen …« – aber rückblickend kamen ihm die Worte seltsam hohl vor. Arthur war in erster Linie Filmschauspieler gewesen, und wer in Hollywood würde sich schon danach sehnen, älter zu werden?

Kirsten war ganz still.

»Damit wollte ich sagen, wenn er als Letztes auf der Bühne stand«, sagte Jeevan, »dann war das Letzte, was er in seinem Leben getan hat, etwas, was ihn glücklich gemacht hat.«

»War das denn das Letzte, was er in seinem Leben getan hat?«

»Ich glaube schon. Tut mir leid.«

Der Schnee war jetzt ein glitzernder Haufen hinter der Kulisse, ein kleiner Berg.

»Es ist auch das, was ich auf der Welt am meisten mag«, sagte Kirsten nach einer Weile.

»Was?«

»Schauspielern«, antwortete sie, und in diesem Moment löste sich eine junge Frau mit sichtbaren Tränenspuren im Gesicht aus der Menge und kam mit ausgestreckten Armen auf sie zu. Sie würdigte Jeevan kaum eines Blickes, als sie Kirsten bei der Hand nahm. Kirsten schaute noch einmal über die Schulter zurück, dann war sie weg.

Jeevan stand auf und ging wieder auf die Bühne hinaus. Niemand hielt ihn zurück. Halb erwartete er, Laura direkt vor der Bühne zu finden, wo sie sich zuletzt gesehen hatten – wie viel Zeit war seitdem wohl vergangen? –, aber als er endlich die Stelle gefunden hatte, an der er die Samtvorhänge teilen konnte, war das Publikum schon weg. Die Platzanweiser fegten zwischen den Sitzreihen und hoben Programmhefte auf oder hie und da einen Schal, den jemand auf der Rückenlehne vergessen hatte. Jeevan ging in die mit prunkvollem rotem Teppich ausgelegte Lobby, wobei er jeden Blickkontakt mit den Platzanweisern vermied. Ein paar einzelne Theaterbesucher standen noch herum, aber Laura war nicht unter ihnen. Er rief sie an, aber sie hatte ihr Telefon vor der Vorstellung ausgemacht und offenbar noch nicht wieder eingeschaltet.

»Laura«, sprach er auf ihre Mailbox. »Ich bin in der Lobby, ich weiß nicht, wo du bist.«

Er ging bis an die Schwelle der Damentoiletten und sprach eine Mitarbeiterin an, aber sie erklärte, es sei niemand mehr da. Nachdem er noch eine Runde in der Lobby gedreht hatte, ging er zur Garderobe, wo sein Mantel als einer der letzten noch an den Haken hing. Lauras blauer Mantel war schon weg.

Schnee fiel auf die Yonge Street. Er irritierte Jeevan, als er das Theater verließ, denn die letzten Reste der durchsichtigen Plastikschneeflocken von der Bühne hingen immer noch an seiner Jacke. Ein halbes Dutzend Paparazzi hatte den Abend vor dem Bühnenausgang verbracht. Arthur war nicht mehr so berühmt wie früher, aber seine Bilder ließen sich immer noch verkaufen, vor allem jetzt, wo er sich im Scheidungskrieg befand mit seiner Model-Schauspielerin-Frau, die ihn mit einem Regisseur betrogen hatte.

Bis vor Kurzem war Jeevan selbst Paparazzo gewesen. Er hatte gehofft, sich unerkannt an seinen Exkollegen vorbeischleichen zu können, aber diese Männer verstanden sich von Berufs wegen darauf, Leute zu bemerken, die sich unerkannt an ihnen vorbeischleichen wollten, deswegen umringten sie ihn im nächsten Moment auch schon.

»Gut siehst du aus«, sagte einer von ihnen. »Schicken Mantel hast du da an.«

Jeevan trug seine Kabanjacke, die nicht unbedingt warm genug war, aber den erwünschten Effekt hatte, ihn äußerlich ein wenig von seinen Exkollegen zu unterscheiden, die zu dicken Daunenjacken und Jeans tendierten. »Wo bist du denn gewesen in letzter Zeit?«

»Hab als Barkeeper gearbeitet«, sagte Jeevan. »Und eine Ausbildung zum Sanitäter gemacht.«

»Bei den Sanis? Echt? Willst du deinen Lebensunterhalt jetzt damit verdienen, Besoffene vom Bürgersteig zu kratzen?«

»Ich möchte eine sinnvolle Tätigkeit ausüben, wenn du das meinst.«

»Ja, schon gut. Hör mal, du warst doch da drinnen, oder nicht? Was ist denn da passiert?« Ein paar Fotografen sprachen in ihre Handys. »Ich sag euch doch, der Mann ist tot«, sagte gerade einer direkt neben Jeevan. »Ja, klar, der Schnee macht das Bild nicht besser, aber wenn ihr euch anschaut, was ich euch grade geschickt habe, sein Gesicht, als sie ihn grade in den Krankenwagen schieben …«

»Ich weiß auch nicht, was passiert ist«, sagte Jeevan. »Sie haben einfach mitten im vierten Akt den Vorhang runtergelassen.« Zum einen wollte er im Moment mit niemand sprechen, außer mit Laura vielleicht, zum andern wollte er eigentlich vor allem mit ihnen nicht sprechen. »Habt ihr gesehen, wie sie ihn in den Krankenwagen verfrachtet haben?«

»Die haben ihn hier durch den Bühnenausgang rausgerollt«, sagte einer der Fotografen. Er rauchte eine Zigarette mit raschen, nervösen Bewegungen. »Ärzte, Krankenwagen, die ganze Show.«

»Wie sah er aus?«

»Soll ich ehrlich sein? Wie eine Leiche, Mann.«

»Es gibt Botox, aber es gibt auch … Botox«, sagte einer.

»Hat jemand eine Erklärung abgegeben?«, fragte Jeevan.

»So ’n Anzugtyp ist rausgekommen und hat kurz mit uns gesprochen. Erschöpfung und Dehydrierung.« Ein paar Fotografen lachten. »Bei den Leuten ist es immer Erschöpfung und Dehydrierung, oder?«

»Könnte ihnen doch einfach mal jemand sagen, oder?«, meinte der Botox-Mann. »Müsste sich einfach mal jemand ein Herz fassen und ein, zwei von diesen Schauspielern beiseitenehmen und ihm sagen: ›Hör mal, Kumpel, sag das mal deinen ganzen Kollegen weiter: Ihr müsst immer schön Flüssigkeit zu euch nehmen und ab und zu auch mal schlafen, okay?‹«

»Ich befürchte, ich hab weniger gesehen als ihr«, sagte Jeevan und tat so, als bekäme er einen wichtigen Anruf. Er ging die Yonge Street hoch, drückte sich sein kaltes Handy ans Ohr und trat eine Straße weiter in einen Eingang, um Lauras Nummer zu wählen. Ihr Telefon war noch immer ausgeschaltet.

Wenn er sich ein Taxi rief, war er in einer halben Stunde zu Hause, aber er war gerade ganz gerne an der frischen Luft, weit weg von anderen Menschen. Der Schnee fiel jetzt dichter. Er fühlte sich auf eine irgendwie schuldige Art extrem lebendig. Das war alles so unfair – sein Herz schlug tadellos und unbeirrbar, während Arthur jetzt irgendwo ganz kalt und still dalag. Er spazierte die Yonge Street in nördliche Richtung weiter, vergrub die Hände tief in den Taschen und spürte die Schneeflocken stechend auf dem Gesicht.

Jeevan wohnte im Viertel Cabbagetown, das nördlich und östlich vom Theater lag. Die Art von Fußweg, die er mit zwanzig gemacht hätte, ohne groß zu überlegen, ein paar Kilometer Stadt, während die roten Straßenbahnen an ihm vorbeifuhren. Aber jetzt war er die Strecke schon lange nicht mehr gegangen. Er war nicht sicher, ob er sie jetzt komplett zu Fuß gehen wollte, aber als er nach rechts auf die Carlton Street einbog, spürte er doch einen gewissen Schwung in sich, und der trug ihn schon mal an der ersten Straßenbahnhaltestelle vorbei.

Er erreichte den Allan Gardens Park, der mehr oder weniger die Hälfte der Strecke markierte, und hier befiel ihn eine unerwartete Freude. Arthur ist gestorben, sagte er sich, du konntest ihn nicht retten, es gibt keinen Grund zum Fröhlichsein. Und doch war er geradezu heiterer Stimmung, denn er hatte sich sein Leben lang gefragt, was für einen Beruf er einmal ausüben sollte, und jetzt war er sicher, absolut sicher, dass er Sanitäter werden wollte. In Momenten, in denen andere einfach nur danebenstanden und gafften, wollte er jemand sein, der vortrat und etwas tat.

Er spürte ein absurdes Verlangen, in den Park zu laufen. Er sah durch den Sturm ganz verändert aus, nichts als Schnee und Schatten, die schwarzen Silhouetten der Bäume, der Unterwasserglanz eines gläsernen Gewächshauses. Als er noch klein war, lag er gerne auf dem Rücken im Garten und schaute nach oben, wie die Schneeflocken auf ihn herunterfielen. Cabbagetown war mittlerweile in einiger Entfernung zu sehen, die vom Schnee gedämpften Lichter der Parliament Street. Sein Handy vibrierte in der Tasche. Er blieb stehen und las eine SMS von Laura: »Ich hatte Kopfweh und bin nach Hause gegangen. Kannst du Milch mitbringen?«

Und in diesem Augenblick verließ ihn sein ganzer Schwung. Er konnte nicht mehr weitergehen. Die Theaterkarten hatten eine romantische Geste sein sollen, ein Lass-uns-mal-wieder-was-Romantisches-tun-weil-wir-bloß-noch-streiten, und sie hatte ihn alleingelassen, hatte ihn einfach stehen lassen, während er auf der Bühne Wiederbelebungsmaßnahmen an einem toten Schauspieler durchführte, und war nach Hause gegangen. Und jetzt wollte sie, dass er Milch mitbrachte. Jetzt, wo er aufgehört hatte zu gehen, wurde Jeevan kalt. Seine Zehen waren ganz taub. Die ganze Magie dieses Sturms hatte ihn verlassen, und die Fröhlichkeit, die er kurz zuvor noch gespürt hatte, verflog. Die Nacht war dunkel und voller Bewegung, der Schnee fiel dicht und lautlos, die Autos, die an der Straße parkten, schwollen zu weich gezeichneten Konturen ihrer selbst. Er hatte Angst davor, was er sagen würde, wenn er zu Laura nach Hause kam. Er überlegte, ob er irgendwo eine Bar suchen sollte, aber er wollte auch mit niemand sprechen, und wenn er genauer überlegte, hatte er noch weniger Lust, betrunken zu sein. Er wollte nur einen Moment allein sein, während er beschloss, wohin er als Nächstes gehen wollte. Er trat in die Stille des Parks.

 

 

2

 

Jetzt waren nur noch wenige Personen im Elgin Theatre. Eine Frau, die in der Garderobe Kostüme wusch, und ein Mann, der neben ihr andere Kostüme bügelte. Eine Schauspielerin – sie hatte die Cordelia gespielt – trank hinter der Bühne Tequila mit dem zweiten Inspizienten. Ein junger Bühnenarbeiter wischte die Bühne und nickte im Takt der Musik, die er auf seinem iPod hörte. In einer Garderobe versuchte die Frau, zu deren Aufgaben die Betreuung von minderjährigen Schauspielern gehörte, das schluchzende kleine Mädchen zu trösten, das auf der Bühne gewesen war, als Arthur starb.

Sechs Übriggebliebene waren zur Bar in der Lobby abgewandert, wo der Barkeeper netterweise noch nicht zugemacht hatte. Der Inspizient war dort, des Weiteren Edgar und Gloucester, ein Visagist, Goneril und ein Produzent, der im Publikum gewesen war. In dem Augenblick, als Jeevan durch die Schneewehen in Allan Gardens stapfte, goss der Barkeeper Goneril einen Whisky ein. Das Gespräch drehte sich gerade darum, wie man es den Angehörigen mitteilen sollte.

»Wer war denn überhaupt seine Familie?« Goneril hockte auf ihrem Barhocker. Ihre Augen waren rot. Ohne Make-up sah sie aus wie eine Murmel, mit der blassesten und makellosesten Haut, die der Barkeeper je gesehen hatte. Jenseits der Bühne wirkte sie viel kleiner und bei Weitem nicht so böse. »Wen hatte er denn?«

»Er hatte einen Sohn«, sagte der Visagist. »Tyler.«

»Wie alt ist der?«

»Sieben oder acht?« Der Visagist wusste genau, wie alt Arthurs Sohn war, wollte aber ungern verraten, dass er die Klatschpresse las. »Ich glaube, er wohnt bei seiner Mutter in Israel, vielleicht in Jerusalem oder Tel Aviv.« Er wusste auch, dass es Jerusalem war.

»Ach ja, stimmt, diese blonde Schauspielerin«, sagte Edgar. »Elizabeth, oder? Eliza? Irgendwas in der Richtung.«

»Exfrau Nummer drei?« Das war der Produzent.

»Ich glaube, die Mutter des Kindes war Exfrau Nummer zwei.«

»Armes Kind«, meinte der Produzent. »Hatte Arthur jemand, der ihm nahestand?«

Die Frage rief unbehagliches Schweigen hervor. Arthur hatte eine Affäre mit der Frau gehabt, die sich um die minderjährigen Schauspieler kümmerte. Jeder der Anwesenden wusste das, außer dem Produzenten, aber keiner wusste, ob es die anderen wussten. Gloucester war derjenige, der den Namen der Frau aussprach.

»Wo ist eigentlich Tanya?«

»Wer ist Tanya?«, fragte der Produzent.

»Eins von den Kindern ist noch nicht abgeholt worden. Ich glaube, Tanya ist in der Kindergarderobe.« Der Inspizient hatte noch nie jemand sterben sehen. Er hatte das ganz dringende Verlangen nach einer Zigarette.

»Tja«, sagte Goneril. »Wer noch? Tanya, der kleine Junge, die ganzen Exfrauen – sonst noch irgendjemand? Geschwister, Eltern?«

»Wer ist Tanya?«, wiederholte der Produzent.

»Von wie vielen Exfrauen ist denn hier die Rede?« Der Barkeeper polierte ein Glas.

»Er hat noch einen Bruder«, sagte der Visagist, »aber ich kann mich nicht mehr an seinen Namen erinnern. Ich weiß bloß noch, dass er mal erwähnt hat, er hätte einen kleinen Bruder.«

»Ich glaube, es waren drei oder vier«, erklärte Goneril zum Thema Exfrauen. »Drei, oder?«

»Drei.« Der Visagist blinzelte seine Tränen weg. »Aber ich bin nicht sicher, ob die letzte Scheidung schon durch war.«

»Arthur war also mit niemand verheiratet zum Zeitpunkt … er war also heute Abend mit niemand verheiratet?« Der Produzent wusste, dass es dämlich klang, aber er wusste nicht, wie er es anders hätte formulieren sollen. Vor ein paar Stunden war Arthur Leander ins Theater spaziert, und es war einfach unbegreiflich, dass er morgen nicht wieder hereinspazieren würde.

»Drei Scheidungen«, sagte Gloucester. »Könnt ihr euch so was vorstellen?« Er hatte sich selbst erst kürzlich scheiden lassen. Er versuchte, sich an die letzten Worte zu erinnern, die Arthur zu ihm gesagt hatte. Irgendetwas über die Personenanordnung im zweiten Akt? Er wünschte, er könnte sich noch erinnern. »Ist jemand informiert worden? Wen sollen wir anrufen?«

»Ich sollte seinen Anwalt anrufen«, meinte der Produzent.

Diese Lösung war unbestreitbar korrekt, aber so deprimierend, dass die Gruppe mehrere Minuten schweigend trank, bevor sich jemand wieder ein Herz fasste und etwas sagte.

»Seinen Anwalt«, sagte der Barkeeper. »O Gott, das muss man sich mal geben. Da stirbst du, und dann rufen die Leute deinen Anwalt an.«

»Wen denn sonst?«, fragte Goneril. »Seinen Agenten? Den Siebenjährigen? Die Exfrauen? Tanya?«

»Ich weiß, ich weiß«, erwiderte der Barkeeper. »Trotzdem, das ist einfach heftig.«

Wieder wurde geschwiegen. Irgendjemand machte eine Bemerkung darüber, wie heftig es schneite, und das stimmte auch, sie konnten es alle durch die Glastüren am Ende der Lobby sehen. Von der Bar gesehen hatte der Schnee fast etwas Abstraktes wie ein Film über schlechtes Wetter in einer verlassenen Straße.

»Tja, dann … auf Arthur«, sagte der Barkeeper.

In der Garderobe für die Kinderschauspieler drückte Tanya Kirsten gerade einen Briefbeschwerer in die Hand. »Hier«, sagte sie, als sie ihn dem Mädchen gab. »Ich versuche jetzt, deine Eltern zu erreichen, und in der Zwischenzeit versuchst du bitte, mit dem Weinen aufzuhören, und schaust einfach diesen hübschen Briefbeschwerer an …« Und Kirsten, die kurz vor ihrem achten Geburtstag stand, starrte ihn atemlos und mit verweinten Augen an und dachte sich, dass er das Schönste, Wunderbarste, Seltsamste war, was ihr jemals jemand geschenkt hatte. Es war ein Glasklumpen, in dem eine Gewitterwolke steckte.

In der Lobby sammelten sich die Leute an der Bar und stießen an. »Auf Arthur«, sagten sie. Sie tranken noch eine Weile, dann gingen sie alle ihrer Wege, hinaus in den Sturm.

Von allen Personen, die in dieser Nacht in der Bar gewesen waren, war der Barkeeper derjenige, der noch am längsten leben sollte. Er starb drei Wochen später auf der Straße, über die er die Stadt verlassen wollte.

Emily St. John Mandel

Über Emily St. John Mandel

Biografie

Emily St. John Mandel, geboren 1979, wuchs an der Westküste von British Columbia in Kanada auf. Sie studierte zeitgenössischen Tanz an der »School of Toronto Dance Theatre« und lebte danach kurze Zeit in Montreal, bevor sie nach New York umzog und anfing, für das literarische Online-Magazin »The...

Medien zu »Das Licht der letzten Tage«




Pressestimmen

fastforward-magazine.de

»Emily St. John Mandel entwirft eine apokalyptische Vision - düster, traurig, aber auch hoffnungsvoll und berührend poetisch.«

Die Rheinpfalz

»das Faszinierende an diesem Roman ist die Sprache, die elegant und feinfühlig eine feindselige Welt beschreibt und der Dystopie einen großen Teil ihres Schreckens nimmt.«

Hamburger Morgenpost

»eine grandios erzählte post-apokalyptische Geschichte«

Brigitte

»Die Rückblenden dieses Endzeit-Romans öffnen die Augen für die zerbrechliche Schönheit unserer Welt und ihrer Kultur.«

Südkurier

»Emily St. John Mandel ist mit ihrem Buch ein kleines Wunder geglückt.«

Brigitte

»mein Jahres-Lieblingsbuch. Emily St. John Mandel schafft es, Herzenswärme in die Apokalypse zu bringen, und erzählt wunderbar leise.«

Mitteldeutsche Zeitung

»Prädikat ›besonders‹«

Braunschweiger Zeitung

»Ein ruhiger und nachdenklicher Endzeitroman... Der uns Dinge, die wir in unserer zivilisierten Welt als selbstverständlich wahrnehmen, wieder schätzen lässt.«

Die Welt

»Liebeserklärung an die komplexe Gesellschaft«

Neue Westfälische

»ein Kunstwerk von beeindruckender Komplexität, das sich trotzdem richtig gut lesen lässt und einen sofort in seinen Bann zieht.«

Captain Fantastic

»eine dystopische Geschichte der etwas anderen Art (...) der gelungene, poetische Schreibstil und die geschickte Verknüpfung der Handlungsstränge regen auch nach dem Lesen noch zum Nachdenken an«

Schweizer Illustrierte Style

»So poetisch und spannend wurde die Endzeit noch selten herbeifantasiert.«

zeichenundzeiten.com

»Ein klug komponiertes und vielschichtiges Erzählwunder«

Brigitte EXTRA

»Mich hat dieser Roman mit seinem Anstand und seiner unbändigen Lebenswut tief beeindruckt. Ein Blick in die Zukunft, der mit melancholischen Rückblenden die Augen öffnet für die Schönheit unserer Welt und ihrer Kultur.«

zeichenundzeiten.com

»überaus intelligent und originell«

WDR 1 LIVE Klubbing

»Der Roman lässt alle Genres hinter sich und ist ein literarisches Ereignis, weil er so kunstvoll inszeniert ist.«

ELLE

»poetische, spannende Dystopie«

Cosmopolitan

»Emily St. John Mandel schreibt so ergreifend, dass man jedes Gefühl selbst durchlebt«

Bücherstadt Kurier

»Diese Dystopie ist so schonungslos und grausam geschrieben, dass man sie verschlingen muss.«

Phantastisch!

»Ungewöhnlicher, ruhiger und ausgesprochen literarischer Ansatz für die multimedial boomende Postapokalypse.«

Kommentare zum Buch

Postapokalyptischer Plot, der erst ab der zweiten Hälfte des Romans an Spannung und Emotionen zulegte
Lena am 12.07.2017

In Georgien bricht eine tödliche Grippeerkrankung aus, die sich als Pandemie schnell bis nach Nordamerika und die ganze Welt ausbreitet. Innerhalb kürzester Zeit sterben die Menschen, die mit den Erkrankten in Kontakt kommen.   Den Ausbruch der Katastrophe erlebt der Leser mit Jeevan, einem ehemaligen Paparazzi und Journalist, der gerade noch als Zuschauer im Theaterstück "König Lear" sitzt und miterlebt, wie König Lear, gespielt von Arthur Leander, während der Aufführung an einem Herzinfarkt stirbt. Noch am selben Abend wird ihm von einem befreundeten Arzt empfohlen wegen des Ausbruchs der georgischen Grippe, die Stadt zu verlassen, weshalb er damit beginnt, Lebensmittel zu bevorraten und bei seinem gehbehinderten Bruder einzuziehen. In den Nachrichten erfahren sie, wie sich die Pandemie ausbreitet und letztlich muss sich Jeevan allein auf den Weg in Richtung Süden machen, als die Vorräte zu neige gehen.   19 Jahre später ist die "Symphonie" unterwegs und zieht als Theater-/ Musikergruppe durch verlassene Städte an der Küste der USA. Dort haben sich vereinzelt autarke Gruppen von Menschen zusammengeschlossen, die das Zusammenleben neu organisieren mussten. Ohne die Annehmlichkeiten, an die man sich in der Gegenwart gewöhnt hatte, leben die Menschen jetzt ohne Benzin, Strom etc. wie in vergangenen Jahrhunderten - mit dem Unterschied, dass sie ein anderes, komfortableres, sicheres Leben kennengelernt hatten.   Der Roman wechselt zwischen Vergangenheit (vor der Katastrophe) und der gegenwärtigen Situation (knapp 20 Jahre nach der Katastrophe) ab. Beide Erzählstränge sind durch den Comic "Station Eleven", eine Grafic Novel, die die Künstlerin Miranda, die die Ex-Ehefrau von Arthur ist, gezeichnet hat und die Lebensgeschichte des Schauspielers miteinander verknüpft. In den verlassenen Häusern, in denen das Symphonie-Mitglied Kristen einbricht, macht sie sich auf die Suche nach Veröffentlichungen des Comics und nach Presseartikeln über Arthur Leander, mit dem sie als Kinderschauspielerin auf der Bühne stand.   Auf dem Flughafen Severn City in Michigan sind kurz nach dem Ausbruch der Katastrophe, als die Grundversorgung zusammengebrochen ist, die Passagiere mehrere Flugzeuge, darunter auch eine der Ex-Ehefrauen von Arthur und sein Sohn Tyler, gestrandet. Sie harren mehrere Tage am Flughafen aus, bis es an Tag 29 ein Pilot wagt, nach Los Angeles abzufliegen. Die restlichen Menschen verbleiben am Flughafen, ernähren sich vom Wild, das sie in den Wäldern jagen und beginnen sich wieder ein zivilisiertes Leben aufzubauen. Es entsteht sogar ein eigenes kleines Museum, wo sie Dinge sammeln, die sie an ihr altes Leben erinnern, aber nun nutzlos geworden sind. Severn City wird die größte Menschenansammlung in Nordamerika werden.   Ich hatte mich auf den interessanten Plot dieses Katastrophenromans gefreut, fand die Umsetzung der Erzählung aber unnötig kompliziert und verwirrend und vor allem den Alltag nach der Katastrophe nicht ganz schlüssig nachvollziehbar.   Durch die georgische Grippe wurde ein Großteil der Menschheit ausgelöscht. Die Überlebenden werden in Form der "Symphonie" beschrieben, eine Gruppe von (Laien-)schauspielern und Musikern, die durch die USA ziehen und den verbliebenen Bewohnern der Städte ein Stück Vergangenheit durch die Aufführung von Shakespeare-Stücken zurückbringen.   Ich habe nicht ganz nachvollziehen können, warum die Menschen es nicht schaffen bzw. gar nicht erst versuchen, wieder eine Infrastruktur aufzubauen und sich damit abfinden, dass sie sich per Pferd fortbewegen und ohne Stromversorgung auskommen. Auch war mir schleierhaft, warum sie sich in Kleingruppen in Tankstellen und Restaurants zusammentun und nicht in ihre Wohnhäuser zurückkehren.   Ich musste mich wirklich lange in "Das Licht der letzten Tage" einlesen und ab Seite 200 ziehen sich die Fäden dann auch zusammen, der Roman wird runder und spannender zu lesen. Erst dann kann man auch die große Anzahl von Protagonisten unterscheiden und wie sie miteinander zusammenhängen und mit ihren Schicksalen mitfühlen.   Die offenen Fragen und eine Handlung, die nach der Katastrophe immer wieder durch Rückblicken in Arthurs Leben unterbrochen wird und darüber hinaus sich etwas ereignislos in die Länge zieht, störten mich lange in meinem Lesefluss, wobei der Roman in der zweiten Hälfte deutlich an Spannung und Emotionen gewinnen konnte. Der postapokalyptische Plot und die unterschiedlichen Charaktere zusammen mit der melancholische Stimmung hätten durchaus mehr Potenzial gehabt, das die Autorin nicht ganz ausgeschöpft hat. 

Der Piper-Buchtipp: »Das Licht der letzten Tage«
Melanie Miklautsch / Piper Verlag am 22.05.2017

»So stand ich da, blickte auf mein zerstörtes Zuhause und versuchte zu vergessen, wie süß das Leben auf der Erde gewesen war.« Dr. Eleven   Die meisten Bewohner der Erde dahingerafft von einem Virus, gegen den die vermeintliche wissenschaftliche Allmacht der Menschheit nichts auszurichten vermochte. Apokalypse, Endzeit?   So weit kein uns unbekanntes Szenario, vielmehr ein Thema, das Filmemacher und Schriftsteller seit jeher beschäftigt und in Anbetracht der aktuellen Ereignisse erschreckend vorstellbar scheint.   Doch entgegen der üblichen übertriebenen Dramatik und Düsternis schildert Marie St. John Mandel das Ende der Welt auf eine unerwartet einfühlsame, ja beinahe schöne Weise.   Umstände werden nebensächlich, vielmehr geht es um ausgelöschte Lebensentwürfe, Verlust, Rivalität aber auch Zusammenhalt und den Entschluss zum Neuanfang,   Die Menschen sind beherrscht von einer tiefen Sehnsucht nach der Welt, im Licht der letzten Tage erkennen sie, was sie einst erreicht haben und wie wenig sie es zu schätzen wussten. Gleichzeitig sind sie nicht bereit diese Erinnerungen der Vergangenheit zu übergeben. Und über allem steht die Gewissheit: was einmal möglich war, wird wieder möglich sein.

Bezaubernd gut
Fragmentage am 24.01.2016

20 Jahre nach unserer Zeitrechnung befindet sich die Erde in einer Realität, in der die technischen Errungenschaften unserer Gegenwart unwiderruflich vergangen sind. Ein Wimpernschlag der Geschichte hat die moderne Zivilisation, von der keiner gedacht hätte, wie zerbrechlich sie ist, zum Zusammenbruch gebracht. Nur noch rund ein Prozent der Weltbevölkerung ist übrig - Überlebende, für die jeder Tag voller Ungewissheit und Risiken steckt, auf die man früher keinen Gedanken verschwendet hätte. Es gibt keinen Strom mehr, kein Benzin, keine Medikamente, kein Telefon und kein Internet. Regierungen und Städte sind untergegangen, Menschen wandern rastlos durch die gesetzlose Wildnis oder lassen sich in Gruppen in Siedlungen nieder, denn Gefahren lauern überall. Und dennoch gibt es noch Schönheit und Licht in dieser tristen neuen Welt, denn die Menschen halten mit aller Kraft an den Resten der Zivilisation fest und suchen zu bewahren, was für immer verloren scheint.   Eine Musik- und Theatergruppe zieht durch das post-apokalyptische Nordamerika, Gaukler gewissermaßen, aber mit höchstem Anspruch an ihre künstlerischen Darbietungen mit denen sie ihr Publikum verzaubern. Die Reise der "Travelling Symphony" bildet den Rahmen für Mandels atmosphärischen Roman, der von den Erzählungen und Erinnerungen ihrer Personen lebt, die zunächst fast willkürlich angeordnet erscheinen, bis klar wird, wie kunstvoll sie miteinander verflochten sind.   Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so fasziniert und verzaubert hat, wie Station Eleven. So viel Weisheit und Philosophie steckt darin, dass ich ihn wohl noch einige Male lesen werde, um alle Facetten zu erfassen. Die Vorstellung des Lebens nach der Apokalypse ist düster, wird aber durch die wunderbaren Menschen in dieser Geschichte erhellt, die überlebt haben, die füreinander einstehen und an den guten Dingen der Vergangenheit festhalten, während sie an einer lebbaren Zukunft bauen. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger erinnert die Autorin daran, wie viel wir heute als selbstverständlich hinnehmen, wie glücklich wir uns schätzen müssen, dass wir gerade in diesem Kapitel der Weltgeschichte in diesem westlichen Überfluss leben dürfen. Sie zeigt auch, dass es viele Möglichkeiten gibt, ein anständiger Mensch zu sein, ungeachtet der Umstände, und dass auch kleine Entscheidungen einen großen Unterschied machen können.   Wenn man betrachtet, wie grausam der Menschheit mitgespielt wurde, muss man den Roman wohl als Dystopie bezeichnen. Dennoch schimmern immer wieder fast utopische Momente hindurch, die bei mir ein sehr hoffnungsvolles Gefühl hinterlassen haben.

Ein wundervoller Schreibstil - Zu viele Perspektiven
Kopfkino-Blog am 23.12.2015

Das Cover ist schlichtweg ein Traum. Es war Liebe auf den ersten Blick und passt meines Erachtens, ebenso wie der Titel, perfekt zum Inhalt des Buches. Auch wenn der Klappentext ebenfalls gut passt, könnte er dennoch ein falsches Bild von dem Buch vermitteln. "Das Licht der letzten Tage" ist keineswegs eine Dystopie im klassischen Sinne und beinhaltet weder eine rasante noch eine actionreiche Handlung. Vielmehr lebt dieses Buch von den ruhigen Tönen der Autorin.     Der Schreibstil von Emily St. John Mandel ist ein wahrer Genuss. Eindringlich, poetisch, malerisch und teilweise anspruchsvoll erzählt die Autorin die Geschichte einer Welt, in welcher 99% der Menschheit an der georgischen Grippe starb. Vor allem aber trägt sie den Leser an verschiedene Orte, zwingt ihn, aus verschiedenen Perspektiven zu sehen und hüllt ihn in eine dichte Atmosphäre, sodass der Leser sich fühlt, als lebe er selbst in der Welt, welche die Autorin in "Das Licht der letzten Tage" zeichnete.     Die Charaktere sind allesamt authentisch. Manche sind sympathisch, andere weniger, doch insgesamt hat Emily St. John Mandel auch hier einen sehr guten Job gemacht.     Das Buch umfasst 55 recht kurze Kapitel und ist in neun Teile unterteilt. Hierbei wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Und hier kommen wir auch schon zum Knackpunkt, weshalb ich dem Buch keine vollen fünf Sterne gebe. Ich kann die Anzahl der verschiedenen Perspektiven leider nicht benennen und so gerne ich Perspektivenwechsel auch mag: Hier waren es für mich ein paar zu viel davon.     Einen klaren Protagonisten gibt es nicht, auch wenn sich in dem Buch alles um den Schauspieler Arthur Leander dreht. Den Handlungsstrang um Miranda mochte ich, auch wenn er in der Zeit vor der georgischen Grippe spielte, am liebsten. Mit dem Handlungsstrang von Kirsten, einer jungen Frau aus der Zeit nach der georgischen Grippe, die völlig fasziniert von Arthur Leander und die Comics "Das Licht der letzten Tage" von Miranda ist, mochte ich hingegen leider weniger. Sie zieht mit einer Symphonie, in der die Charaktere lediglich die Namen ihrer Instrumente tragen (Tuba, Geige, etc.), durch das Land. Zwar konnten mir diese Kapitel ein gutes Bild von der Welt nach der Grippe vermitteln, doch der Funke sprang bei mir einfach nicht über. Oftmals geriet ich sogar in Versuchung Passagen oder sogar ganze Seiten zu überspringen, weil mich einfach nicht interessierte, wie es mit der Synphonie weiter ging.     Fazit: Wie bewertet man ein Buch, dass man stellenweise für seine Poesie, seine Charaktere und die Atmosphäre liebte und sich dann wieder seitenlang langweilte? Ich weiß es nicht. Ich gebe dem Buch 3,5 Sterne, weil sich diese am ehesten "richtig" anfühlen. Dennoch möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, der einen guten Schreibstil und eine tolle Atmosphäre zu schätzen weiß.

~ langatmig ~ zäh ~ verwirrend
Katis-Buecherwelt am 24.11.2015

Meine Meinung: Dieses Buch habe ich recht schnell nach der Veröffentlichung auf meiner Wunschliste festgehalten und war sehr froh, als ich es dann per eBook lesen durfte. Meine Vorfreude jedoch war nur für kurze Dauer.   Ein folgenschwerer Virus vernichtet fast 99 % der Bevölkerung. Eine kleine Truppe von Menschen ziehen von Stadt zu Stadt und heitern die restlichen Bewohner durch Theatervorstellungen auf. Dieses reisende Theater nennt sich "Die Symphonie".   Zu Beginn möchte ich einwerfen, dass ich dieses Buch ab der Seite 158 abgebrochen habe. Es war mir unmöglich mich weiter an der Geschichte zu versuchen. Aus diesem Grund werde ich auch keine Bewertung zum Titel abgeben.   Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar, doch die vielen Zeitsprünge und langatmigen Erzählungen verhinderten mir ein Eintauchen in die Geschichte und ermüdeten mich. Mir war es kaum noch möglich einen Handlungsstrang festzuhalten, an dem ich mich hätte orientieren können. Meine Erwartungen lagen bei einem dystopieartigen Roman, so wie dieser anfänglich auch begonnen hatte. Es war spannend zu lesen und ich fand schnell Interesse an die Art von Virus, der die Stadt in Angst und Schrecken versetzt hat. Was sich ab dem ersten Zeitsprung völlig veränderte. Ich fand keinen Bezug zu den Protagonisten und zur Geschichte. Es fehlte die Spannung die sich hier in keinster Weise aufbaute und ein mitreißen der Story ermöglicht. Nach einigen Lesepausen und neuen Versuchen habe ich mich entschlossen dieses Buch zu beenden.   Fazit: "Das Licht der letzten Tage" hat meinen Erwartungen nicht entsprochen, was zu einem Abbruch des Buches führte. ~ langatmig ~ zäh ~ verwirrend 

Wie geht es weiter, wenn nichts mehr ist, wie es war?
JessSoul am 20.10.2015

"In der Lobby sammelten sich die Leute an der Bar und stießen an. "Auf Arthur", sagten sie. Sie tranken noch eine Weile, dann gingen sie alle ihrer Wege, hinaus in den Sturm. Von allen Personen, die in dieser Nacht in der Bar gewesen waren, war der Barkeeper derjenige, der noch am längsten Leben sollte. Er starb drei Wochen später auf der Straße, über die er die Stadt verlassen wollte."   Auf der Welt bricht eine rasante und extrem tödliche Grippeepidemie aus, die in kürzester Zeit einen Großteil der Menschheit auslöscht. Unsere Erde befindet sich im Ausnahmezustand und nur wenige kommen mit dem Leben davon. 20 Jahre nach der Epidemie hat sich das Weltbild massiv gewandelt, die Überlebenden existieren fernab von unserer heutigen technischen und medizinischen Evolution, es ist, als hätte man die Zeit um mehr als 100 Jahre zurückgedreht.   "Das Licht der letzten Tage" von Emily St. John Mandel ist ein "Endzeitroman" der besonderen Art, denn er handelt nicht nur davon, was danach geschieht, sondern er wirft auch einen kritischen Blick in die Zeit davor. Doch nicht nur das macht diesen Roman zu einer einzigartigen Geschichte, sondern auch der besonders feine Schreibstil und der Verzicht auf übermäßig brutale Szenen, wie wir sie aus vielen Dystopien nur zu gut kennen. Diese Mischung gibt dem "Endzeitszenario" eine feine melancholische Nuance, die Charaktere sind sehr detailliert ausgearbeitet und halten uns mitunter den Spiegel vor das Gesicht. Aber nicht, weil sie uns vorwerfen, wie wir ökologisch gesehen unsere Erde in die Zerstörung treiben, wie man es auch in vielen solcher Geschichten findet, sondern weil sie uns zeigen, dass wir mitunter vieles für viel zu selbstverständlich nehmen und ähnlich einem "Schlafwandler" durch unser Leben gehen.   Für alle, die genug von "Special effects" und Horrorendzeitszenarien haben und statt dessen einen Roman über das Leben und die Menschen unter verschiedenen Bedingungen lesen wollen, ist dieses Buch genau richtig.

Enttäuschende Dystopie
britta70 am 18.10.2015

"Das Licht der letzten Tage" ist eine Dystopie. Es geht um den Ausbruch der Gregorianischen Grippe, die dadurch ausgelöste Endzeitstimmung und deren Konsequenzen. Eine Story, die zunächst einmal spannend klingt. ich kenne noch nicht allzu viele Dystopien, und so war ich auf diese hier sehr gerade auch wegen der überaus positiven Kritiken gespannt. Ich habe eine anspruchsvolle Endzeitgeschichte, vielleicht vergleichbar mit Saramagos "Die Stadt der Blinden" erwartet - eine hohe Erwartungshaltung, denn "Die Stadt der Blinden" gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Leider erwies sie sich als zu hoch.   Der Sprachstil an sich gefällt mir sehr gut. Ebenso gefällt es mir, dass die Geschichte auf zwei Ebenen angesiedelt ist. Eine Perspektive handelt von dem Leben vor dem Ausbruch der Epidemie, die andere von dem Leben danach. Leider habe ich die Erzählung über weite Strecken als sehr langatmig und mühsam empfunden. Mit den Protagonisten hatte ich auch so meine Probleme, insbesondere die Mitglieder der Symphonie waren mir irgendwie zu abstrakt. So fiel es mir sehr schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Spannend wurde es, wo es um die konkreten Auswirkungen der Epidemie und den Überlebenskampf der Protagonisten ging. Davon hätte ich sehr gerne mehr gelesen.   Kein schlechtes Buch, aber eines, das mich nicht wie erwartet fesseln konnte. Aufgrund des schönen Sprachstils und der Grundidee würde ich weiteren Büchern der Autorin aber auf jeden Fall eine Chance geben.

Das Ende der Welt, wie wir sie kennen - und dann???
SweetSmile am 13.10.2015

Persönliche Wertung:   "Das Licht der letzten Tage" ist ein Buch, dessen Inhalt sich hoffentlich niemals verwirklicht... Das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen. Ich persönlich lese ja nicht so gern Bücher mit dem Endzeitthema, aber auf dieses war ich sehr gespannt.   Ich muss sagen, dass mich hier vor allem das Cover sehr angesprochen hat! Dieser super schöne Sternenhimmel und das rötliche Licht über der Skyline - perfekt abgestimmt zum Titel des Buches - einfach toll! :)   In dieser Geschichte haben mich am meisten die Berichte über den Zusammenbruch und das "Danach" begeistert. Sie sind super geschrieben und wirklich spannend. Die Autorin schreibt sehr bildhaft und gibt dem Leser einen tollen Einblick in diese neue Welt!   Interessant fand ich auch, dass die vielen Protagonisten alle irgendwie miteinander verbunden sind. Obwohl es anfangs sehr zusammengewürfelt wirkte, gab es am Ende eine Verbindung.   Leider gab es auch ein Paar Aspekte, die mir nicht so gut gefallen haben, zum Beispiel die Lebensgeschichte von Arthur oder das ständige Hin- und Herspringen zwischen den Zeiten. Prinzipiell habe ich damit eigentlich kein Problem - nur wenn es in einem Kapitel mehrere Zeitsprünge gibt, empfinde ich das schon als nervig. Die Erzählungen von Arthur waren für mich irgendwie uninteressant und störten meinen Lesefluss. Meiner Meinung nach hätte man diese deutlich verkürzen können, ohne dass sich die Handlung verändern würde!     Fazit:   Trotz aller Schwierigkeiten, die ich mit dem Buch hatte, bin ich froh, dass ich es bis zum Ende gelesen habe, denn ein großer Teil der Geschichte war wirklich spannend und zum Nachdenken anregend!

Ein besonderes Buch, dessen Ende mich leider enttäuscht hat.
Yvonne am 13.10.2015

Dies ist das erste Buch, welches ich in der Lovelybooks.de-Lesechallenge gelesen habe. Ich wurde durch die tolle Leseprobe und das fantastische Cover auf das Buch aufmerksam. Die ersten Seiten des Buches kannte ich daher auch schon aus der Leseprobe. Ich wusste nicht was mich erwarten wird und das ging mir das ganze Buch über noch so.   Das Buch beginnt mit dem Tod von Arthur, einem Schauspieler, den wir im Laufe der Erzählungen noch besser kennenlernen werden. Kurz nach seinem Tod wird schnell klar, dass eine Epidemie ausgebrochen ist, denn er ist nicht der einzige Tote. In weniger als einer Woche stirbt 99% der Bevölkerung. Es handelt sich um einen sehr ausgeprägten Grippevirus. Nur sehr wenige Menschen haben überlebt und von einigen wird in diesem Buch erzählt.   Arthur nimmt auch nach seinem Tod eine große Rolle in diesem Buch ein. Es werden sehr viele Abschnitte seines Lebens beleuchtet. Dadurch bekommt auch sein Umfeld eine Rolle, wie z.B. seine Exfrauen, sein Sohn und sein Jugendfreund. Neben diesen Personen gibt es dann noch Jeevan. Jeevan hat mit dem Clan um Arthur eigentlich gar nichts zu tun. Er ist derjenige, der beim Tod von Arthur zufällig zugegen war und ärztliche Hilfestellung leisten wollte. Er ist zwar kein richtiger Arzt, hätte aber gerne eine medizinische Laufbahn eingeschlagen.   Jeevan kam mir in diesem Buch leider etwas zu kurz. Über ihn hätte ich gerne mehr erfahren. Es ist nicht so, dass wir gar nichts über ihn wissen oder erfahren werden, aber wenn ihr das Buch gelesen habt, wisst ihr bestimmt was ich meine. Was bei dem einen zu viel erzählt wurde, fehlte bei dem anderen. So geht es das ganze Buch über. Es gibt auch noch Kirsten. Ein Mädchen, das zu Beginn des Buches noch recht jung ist und mit der Krise und den Zeitsprüngen älter wird. Von ihr erfahren wir gefühlt nur kleine Fetzen. Es war dennoch sehr schön, dass Leben und Altern der Figuren über so einen langen Zeitraum mitzuerleben.   Der Schreibstil der Autorin hat mir wirklich richtig gut gefallen und das war auch sehr wichtig für das Buch, weil ich mich sonst stellenweise echt hätte durchquälen müssen. Durch ihre Art zu schreiben blieb man doch auf eine Art und Weise dran und möchte unbedingt wissen wie es mit den Charakteren weitergeht. Sie hat es sogar geschafft richtig viele verschiedene Personen, Handlungsstränge und Zeitsprünge aufzugreifen und doch am Ende alles so zusammenzufügen, dass es einen Sinn ergibt.   Der Perspektivwechsel ist ihr ausnahmslos gut gelungen. Und das ist eine Sache, die meiner Meinung nach, nur wenigen so gut gelingt. Es bleiben zwar auch am Ende noch ein paar Fragen offen, aber das sind Kleinigkeiten, die vielleicht auch die Fantasie nach dem lesen anregen sollten. Einerseits hat mich das Ende durch meine noch offenen Fragen etwas enttäuscht, andererseits kann man halt auch noch selbst weiterfantasieren. Es mag vielleicht auch so sein, dass ich den Sinn hinter dieser Geschichte einfach nicht verstanden habe. Vielleicht gibt es aber auch keinen bestimmten Sinn und ich habe zu viel darüber nachgedacht.   Abschließend kann ich sagen, dass mir das Buch schon irgendwie gefallen hat. Es fällt mir schwer meine Meinung dazu in die richtigen Worte zu fassen, weil dieses Buch einfach anders ist. Es ist etwas Besonderes. Dennoch lässt mich das Ende etwas sprachlos zurück und hat mich auch etwas enttäuscht. Ich hatte wohl unbewusst auf ein richtiges Ende gehofft und das bleibt für mich persönlich irgendwie aus.   Falls es einen zweiten Teil geben soll, würde meine Meinung etwas anders ausfallen, aber bisher habe ich die Information, dass es sich um einen Einzelband handelt und daher schwanke ich bei meiner Bewertung so.   Fazit: Ein besonderes Buch, dessen Ende mich leider enttäuscht hat.

gut aber anders als erwartet
SLovesBooks am 12.10.2015

Ich bin mit recht hohen Erwartungen an das Buch herangegangen. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe kann ich sagen, dass sie zwar nicht vollkommen erfüllt wurden, aber zum größten Teil. Ich hatte mir unter dem Buch zwar irgendwie eine andere Geschichte mit etwas mehr Endzeitstimmung und Hektik erwartet, aber die bisweilen poetische Herangehensweise der Autorin konnte mich auch begeistern. Leider gibt es immer mal wieder Erzählabschnitte, die ziemlich langatmig sind und auch hätten gekürzt werden können, aber dann folgt wieder ein enorm spannender Abschnitt, der mich vollkommen mitreißen kann.   Die Charaktere sind überwiegend aussagekräftig gestaltet und haben ein gut illustriertes Innenleben. Ihre Gedanken und Gefühle sind nachvollziehbar. Auch die Dialoge vermögen zu überzeugen.   Sprachlich hat das Buch alle meine Erwartungen übertroffen. Ich finde die Lexik der Autorin herausragend. Gerade die inhaltlich guten Stellen sind sehr spannend und somit gelungen geschrieben. Leider sind gewisse Stellen die inhaltlich schwach sind auch durch die Sprache und den Erzählstil nicht mehr zu retten. Eine Kürzung wäre hier keine schlechte Idee gewesen. Der Erzählstil in Form von drei verschiedenen Erzählsträngen in drei unterschiedlichen Zeitebenen ist zum Teil recht anstrengend zu lesen, da es manchmal etwas verwirrend ist, wenn ein plötzlicher Wechsel eintritt. Aber die Idee hat mir gut gefallen. Das ist auf jeden Fall mal eine andere Art von Dystopie oder Endzeitgeschichte.   Insgesamt gefällt mir die Message des Buches und die Tatsache, dass es zum Nachdenken anregt. Wie würden wir uns angesichts einer Bedrohung für die Menschheit verhalten?

Das Licht der letzten Tage
Elizzy am 09.10.2015

Das Buch fing spannend an und schnell wurde einem klar, dass die Krankheit ganz in der Nähe ist. Doch was mir von Anfang an fehlte, war das hineinnehmen ins Drama. Auf einmal wechselte das Kapitel nämlich ins Jahr 20. Also ganze 20 Jahre nach dem Untergang der Zivilisation.   Ich musste mich zuerst wieder zurechtfinden und mich an die neuen Personen gewöhnen. Und kaum wurde es mal spannend, wechselte es zu einer anderen Person und man erfuhr wieder einen Teil aus der Vergangenheit.   Miranda Miranda ist die erste Frau von Arthur und hat das, für die Geschichte sehr wichtige, Comic gezeichnet. Dieses Comic begleitet Kirsten wie auch den Propheten durch die Neue Welt und spielt somit eine grössere Rolle.     “So stand ich da, blickte auf mein zerstörtes Zuhause und versuchte zu vergessen, wie süss das Leben auf der Erde war.” S. 132   Arthur     “Die Liebe erhebt sich wie des Löwen Pranke.” S. 195       Er stirbt noch vor der Pandemie an einem Herzinfarkt – und obwohl er damit eigentlich keine weitere Handlung in der Zukunft einnimmt – erhält er grossen Platz im Buch. Ja wenn ich es mir recht überlege, dreht es sich hauptsächlich um ihn. Denn jede andere Person im Buch, hat irgend eine Verbindung zu ihm.   Kirsten     “Erst wollen wir nur gesehen werden, aber sobald wir gesehen werden, reicht uns das nicht mehr. Danach wollen wir, dass man sich an uns erinnert.” S. 227   Von ihr hätte ich gerne noch viel mehr gelesen, ich hätte mir gewünscht, dass das Buch mehr über sie erzählen würde. Doch leider erfuhr man meiner Meinung nach nur sehr oberflächlich über ihre Person und ihre Lebensgeschichte.     “An je mehr Sie sich erinnern können, umso mehr haben Sie verloren.” S. 236   Fazit Ich hatte mehr vom Buch erwartet. Es konnte mich nicht wirklich mitreissen, weil ich keine feste Bezugsperson hatte, mit der ich mitfühlen konnte. So war ich zum Beispiel auch nicht besonders traurig als Dieter starb, da ich vorher nur 1-2 Kapitel von ihm las und mich so gar nicht in ihn oder die Trauer von Kirsten versetzen konnte.   Ich hätte es besser gefunden, wenn die Handlung fließend und nicht sprunghaft gewesen wäre.

Irgendwie hat das gewisse Etwas im Buch gefehlt
GrOtEsQuE am 07.10.2015

Zuerst muss ich ehrlich sagen, dass ich auf das Buch wohl niemals aufmerksam geworden wäre, wenn es bei LovelyBooks keine Challenge dazu gegeben hätte. Das Cover ist zwar schön, aber ziemlich unauffällig und auch vom Klappentext her wäre ich in einer Buchhandlung nicht unbedingt neugierig geworden.   Daher bin ich auch ohne große Erwartungen an das Buch gegangen. Ich konnte mir zwar schon denken, dass es nicht ein typisches Endzeit-Buch werden wird, aber dennoch habe ich dem Buch eine Chance gegeben.   Immerhin wurde dies dann auch während des Lesens bestätigt, es war kein typisches Endzeit-Buch. Für meine Verhältnisse ging es viel zu ruhig zu, mir haben die hysterischen Massen gefehlt und die Story konnte mich auch nicht komplett fesseln. Es gab immer mal wieder Stellen, wo Hoffnungen aufkamen, dass es ein richtig gutes Buch wird, aber dann kam doch weniger Spannung auf als erwartet. Aber immerhin war das Buch nicht so schlecht, dass ich es abbrechen musste.   Meiner Meinung nach ging es in dem Buch viel zu viel um "Davor". Ich hätte mir mehr "Danach" gewünscht, ich denke, dann wäre meine Bewertung auch einen Stern günstiger ausgefallen. Aber so konnte ich leider nur 3 Sterne vergeben.   Es war keineswegs schlecht das Buch, aber auch nicht umwerfend gut.

Das Licht der letzten Tage
Kim G. am 03.10.2015

Das Licht der letzten Tage war ein Buch, auf das ich mich sehr gefreut hatte, denn die Geschichte klang unglaublich interessant und auch plausibel, denn es wäre ja wirklich möglich, das so etwas wirklich passieren könnte. Leider wurde ich von dem Buch enttäuscht. Erstmal aber zum Inhalt. Arthur bricht auf einer Theaterbühne zusammen und stirbt, was niemand weiß, nur wenige Tage später, sterben tausende Menschen auf der ganzen Welt. Jeevan ist einer der ersten, der erfährt, dass die Georgische Grippe sich rasend schnell ausbreitet. Einige Flugzeugpassagiere bringen die Krankheit nach Amerika, wo sie sich dann rasend schnell ausbreitet. Die Menschen, die sich mit der Grippe infizieren, sterben unglaublich schnell. Am Ende der Epidemie sind 99% der Bevölkerung gestorben. Er besorgt sich Unmengen an Lebensmitteln und versteckt sich mit seinem Bruder in dessen Wohnung. Dann gibt es auch noch Kirsten. Sie war dabei als Arthur auf der Bühne starb. Damals war sie 8 Jahre alt. Ihre Geschichte spielt 20 Jahre nach dem Ausbruch der Grippe. Sie reist mit einer Symphonie durch die Gegend und führt Theaterstücke auf. Sie lebt in einer Welt, die wir uns gar nicht vorstellen können. Insgesamt also eine tolle Idee für eine unglaublich interessante und auch spannende Geschichte. Ich finde man hätte so viel aus dieser Idee machen können, was aber leider nicht passiert ist. Der Schreibstil von Mandel konnte mich leider nicht überzeugen. Es gab für mich kaum Spannung und an einigen Stellen war es sehr langatmig zu lesen. Mandel wechselt in ihrem Buch oft die Perspektiven und auch die Welten. So erfährt man mehr über die unterschiedlichen Geschichten und auch die Charaktere, die am Ende ein großes Gesamtbild ergeben, jedoch muss ich sagen, dass mich die ständigen Wechsel nur verwirrt und irgendwann auch sehr genervt haben. Ich musste ständig überlegen, bei welchem Charakter und in welcher Zeit ich gerade bin. Insgesamt handelte es sich, um eine gute Idee, die meiner Meinung nach leider nicht gut umgesetzt wurde. Die Geschichte konnte mich nicht fesseln und mir fehlte die Spannung. Schade!

Hatte leider etwas völlig anderes erwartet...
Dora am 02.10.2015

Klappentext: Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.   Meine Meinung: Aufgrund des Klappentextes habe ich einen spannenden Endzeitroman erwartet, leider wurden diese Erwartungen nicht erfüllt. Die Geschichte beginnt in Toronto, wo Arthur Leander, der eine zentrale Rolle im Buch einnehmen wird, plötzlich auf der Bühne zusammenbricht und kurz darauf stirbt. Er spielte gerade den König Lear während einer Shakespeare-Aufführung. Des Weiteren erfahren wir, dass zu eben dieser Zeit eine Grippe ausbricht die sich rasend schnell verbreitet und den Großteil der Bevölkerung auslöscht. Es gibt nur ganz wenig Überlebende, dazu gehört unter anderem eine fahrende Symphonie, eine Gruppe von Schauspielern und Musikern, die sich nach dem Untergang der Welt zusammengeschlossen haben und nun von Ortschaft zu Ortschaft fahren um dort ihre Stücke, insbesondere Shakespeare aufzuführen. An sich klingt das alles sehr spannend, man möchte unbedingt wissen wie es den Überlebenden geht und wie sie mit ihrer veränderten Lebenssituation (kein Strom, kein Benzin usw.) umgehen. Leider nimmt die Geschichte um Arthur für meinen Geschmack einen zu großen Teil des Buches ein. Wir erfahren eigentlich alles über Arthur und sein Leben mit Höhen und Tiefen, das Leben „Danach“, also nach der Epidemie, kommt meiner Meinung nach viel zu kurz. Ich hatte mit einer völlig anderen Geschichte gerechnet, weswegen mir das Buch vielleicht nicht so gut gefallen hat. Möglicherweise habe ich auch den tieferen Sinn dahinter nicht wirklich verstanden. Jedenfalls blieben viele Dinge, über die im Buch ausschweifend berichtet wurde, völlig ungeklärt und waren deshalb einfach unnütz (Briefe an V., eingeritztes „t-„, Was wurde aus Elizabeth…). Die Autorin hat einen angenehmen, wenn auch nicht immer flüssigen Schreibstil, welcher es mir am Anfang recht schwer machte richtig in die Geschichte einzutauchen. Manche Sätze musste ich dreimal lesen um sie zu verinnerlichen. Es wird immer im Wechsel zwischen „nach der Grippe“ und „vor der Grippe“ geschrieben, ich hätte mir jedoch mehr vom „Danach“ gewünscht. Emily St. John Mandel versucht uns mit viel Einfühlungsvermögen das Ende der Welt darzubringen, aber mir persönlich ging es zu viel um Theater, Shakespeare und Comics. Wen diese Themen nicht abschrecken, wer Lust auf eine einfühlsame und mitfühlende Geschichte über den Weltuntergang fast ohne Blut und Grausamkeiten hat, der wird an diesem Buch sicher seine Freude haben.

Neue Ideen für ein beliebtes Genre
paevalill am 30.09.2015

Gleich zu Beginn sollte festgehalten werden, dass "Das Licht der letzten Tage" von Emily St. John Mandel alles andere als eine typische Dystopie ist. Wäre das Grundthema nicht das Leben vor/nach einer tödlichen Pandemie, würde ich es gar nicht erst in dieses Genre einsortieren.   Nun aber der Reihe nach.   Üblicherweise schreibe ich selten etwas über das Cover eines Buchs. Da mich dieses aber von Anfang an verzaubern konnte, möchte ich das nicht missen.   Cover: Mich machte die wunderhübsche Aufmachung des Buchs sowie die geheimnisvolle, vielversprechende Kurzbeschreibung auf der Rückseite sofort aufmerksam. Im unteren Viertel ist eine Großstadt in trostlosen Wüstenfarben abgebildet, im Rest - im Kontrast - der Himmel mit zahlreichen hoffnungsvollen Sternen. Auch der Titel selbst, der nach meinem Geschmack eigentlich viel zu groß ausfiel, besteht aus angedeuteten Kontrasten: Beim Gedanken an die letzten (Lebens-)Tage denke ich jedenfalls nicht an "Licht".   Inhalt: Noch vor Ausbruch des Virus, der innerhalb kürzester Zeit beinahe die gesamte global vernetzte Weltbevölkerung ausrottet, begegnet die zu jenem Zeitpunkt noch sehr junge Kinder-Schauspielerin Kirsten dem weltbekannten Schauspieler Arthur. Obwohl dieser zur Gegenwart des vorliegendes Buchs schon lange nicht mehr lebt, verknüpft er in Erinnerungen und Rückblenden, aber auch Begegnungen, einige Schicksale in der postapokalyptischen Welt: Den Lebensretter Jeevan, die weiterhin schauspielernde Kirsten, den ehemals besten Freund Clark und den gewaltvertretenden Propheten, die sich allesamt in der neuen, eigentlich trostlosen Welt zurechtfinden müssen.   Titel des Buchs: Da der Titel in der englischen Originalausgabe viel offensichtlicher lautet ("Station Eleven"), verrate ich hiermit also gewiss nicht zu viel. Denn "Das Licht der letzten Tage" entspricht dem Titel der Erstausgabe eines im Buch immer wieder genannten Comics, der für einige Hauptcharaktere eine tragende Rolle spielt - wenn auch auf jeweils völlig unterschiedliche Art und Weise. Wen das stört, sollte das Buch von vornherein meiden.   Aufbau, Sprache: Den Aufbau des Buchs fand ich besonders ungewöhnlich. Während die ersten beiden Kapiteln noch eindeutig in die Zeit vor und nach der Pandemie getrennt sind, spielt alles weitere in zunächst undurchschaubarer Reihenfolge vor, nach und während des Unglücks statt. Mit jedem neuen Fragment ergibt sich ein immer größer werdendes Gesamtbild über die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Leuten vor und nach dem Virusbefall. Einen wirklich nachvollziehbaren Spannungsbogen gibt es demnach nicht, wer aber offen für diese Herangehensweise ist, darf sich über das Rätselraten (im positiven Sinn!) freuen. Auch sprachlich überzeugte mich die Autorin vollkommen. Während zahlreiche andere Autoren eine zumeist dreckige, düstere Welt in postapokalyptischen Abhandlungen erschaffen wollen, setzt Emily St. John Mandel auf eine fast schon zarte Herangehensweise an ein solches Thema.   Inwiefern sämtliche vom Leser gefundenen Rätsel am Ende des Buchs aufgelöst werden, bleibt auch in dessen Hand. Es werden nämlich gewiss nicht alle Fragen beantwortet, vieles bleibt Interpretationssache des Lesers. Ein Vorzug des Buchs ist es aber, den Leser mit wirklich vielen neuen Gedanken anzuregen - zu den wirklich unterschiedlichsten Themen, die einem spontan zum Buch einfallen können.   Bevor jemand einen Fehlkauf tätigt, hier also mein Rat: Wer eine düstere Dystopie mit übernatürlichen oder genial-unwahrscheinlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen erwartet, wird mit 100% sicherer Wahrscheinlichkeit bitter enttäuscht werden. Wer sich jedoch auf eine zarte und dadurch völlig neue Herangehensweise mit einem gewissen Anspruch und Bezug zur Realität sucht, sich zudem für Schauspieler und das Theater erwärmen kann, wird sich hier auf alle Fälle an dem wunderschönen Werk erfreuen können.

Besondere Geschichte, die aber doch nicht ganz zusammen passt
rainbowly am 30.09.2015

Erster Satz Der König stand schwankend in einer Lache aus blauem Licht.     Inhalt "Das Licht der letzten Tage" von Emily St. John Mandel erzählt eine ganz besondere Weltuntergangsgeschichte. Es wird die Lebensgeschichte von Arthur vor der Pandemie mit dem Leben in einer komplett veränderten Welt nach dem Zusammenbruch der Zivilisation verknüpft.         Charaktere Die Hautpersonen sind in dieser Geschichte wohl: Arthur - ein erfolgreicher Schauspieler, der aber nie richtig glücklich mit seinem Leben war. Kirstin - die beim Zusammenbruch noch sehr jung war und sich in der Zukunft durch das Leben kämpft. Clark - ein Geschäftsmann und bester Freund von Arthur, der nach der Pandemie alles verloren hat und doch die Hoffnung nicht aufgibt. Und Jeevan - der im alten Leben unentschlossen und unsicher war, in der neuen Welt aber sein Glück findet.         Cover Ich finde das Cover wunderschön. Die Farben sind harmonisch und trotzdem hat man so ein melancholisches Gefühl, wenn man das Bild betrachtet. Vor dem Lesen der Geschichte dachte ich noch es ist eigentlich zu friedlich für eine Weltuntergangsgeschichte. Da sich die Erzählung aber nur sehr wenig um die Katastrophe an sich dreht, sondern eher um das Überleben danach, finde ich es jetzt sehr passend. Es ist genau so wie die Geschichte auch - ruhig, melancholisch, hoffnungsvoll.         Sprache Emily St. John Mandel hat eine ganz besondere Art zu erzählen. Mir gefällt sie ganz gut, aber sie ist eben gewöhnungsbedürftig. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt - einmal aus Arthurs Sicht vor der Pandemie, dann aus Kirstins Sicht nach der Pandemie und aus Clarks und Jeevans Sicht, die sowohl aus der Zeit vor der Pandemie als auch danach erzählen. Ihr merkt schon, es gibt viele einzelne Handlungsstränge die sich in der Story und auch in der Zeit unterscheiden. Das führt zu vielen Zeitsprüngen und Sichtwechseln, die ich sehr spannend fand. Und dann gibt es auch noch eingefügte Kapitel, die aus Briefen und Interviews bestehen. Außerdem arbeitet Mandel zig kleine Details in die Geschichte ein, die alle Charaktere verbinden und man hat in der Geschichte immer wieder den Effekt des Wiedererkennens.       Fazit Jetzt fragt ihr euch vielleicht, wo sind die Kritikpunkte? Wieso nur 3 Sterne? Ich kann es ehrlich gesagt selbst nur schwer erklären. Aber die Theaterszenen, die sich durch das ganze Buch ziehen, nerven mich einfach. Und so schön wie ich die Details finde, hat es mich am Ende enttäuscht, dass einige einfach ohne tieferen Sinn oder eine Auflösung verschwunden sind. Außerdem agieren die Charaktere für mich viel zu wenig miteinander. Die Wege kreuzen sich zwar, aber es wird sich nicht ausgetauscht. Und die Hoffnung und das Anpacken das im Klappentext versprochen wurde, blitzt für mich nur ganz selten mal auf. Wer also eine typische Katastrophenstory mit Chaos, Verzweiflung und Panik erwartet, liegt hier ganz falsch. Es ist eine ganz filigrane Erzählung über das Leben und seine Tücken.

Der Untergang der Welt ist der Beginn einer neuen.
FabAusten am 29.09.2015

Jeevan eilt dem Schauspieler Arthur zu Hilfe, der auf der Bühne während des „King Lear“ zusammengebrochen ist. Er kommt zu spät. Arthur stirbt und im Rückblick hat Jeevan den Eindruck als markiere dieser Moment einen Wendepunkt. Nicht nur für ihn sondern für die Menschheit. Denn noch am selben Abend bricht eine Pandemie aus, die das Leben vollkommen aus den Angeln hebt. Millionen von Menschen sterben und die Überlebenden müssen sich in einer postapokalyptischen Welt zurechtfinden. Zu diesen Menschen gehören neben Jeevan, Arthurs Ex-Frauen Miranda, Elizabeth auch sein Freund Clark sowie Kirsten, die in „King Lear“ mitgewirkt hat.   Die Struktur von „Das Licht der letzten Tage“ erinnert an ein Spinnennetz. Arthur befindet sich in seinem Zentrum. Die einzelnen Handlungsfäden nehmen dort ihren Ausgang, werden durch ihn beeinflusst und sind durch ihn verbunden. Jeder von ihnen verfolgt das Leben und die Gefühlswelt einer der Figuren. Die Pandemie liefert den Stoff aus dem die Fäden bestehen.   Es wird aus der Sicht der Figuren von ihrem Leben erzählt. Wie es vor der Pandemie gewesen ist, wie sie deren Ausbruch und den Zusammenbruch der Zivilisation erleben und von den Zuständen zwanzig Jahre später. Neben dieser globalen Umwälzung ist ihre jeweilige Beziehung zu Arthur die Schnittmenge, die alle Figuren eint. Genauso wie die Georgische Grippe hat auch er das Leben derer stark beeinflusst, die mit ihm in Kontakt kamen. Die geschickten Zeitsprünge, die Querverbindungen zwischen den Erzählsträngen und die interessanten, authentischen Charaktere verbinden sich langsam zu einem interessanten, vielteiligen Mosaik.   Hin und wieder schießt die Autorin ein wenig über das Ziel hinaus. Während des Lesens fällt das nicht so sehr auf, da noch nicht erkennbar ist, was schlussendlich wirklich von Belang sein wird. Doch nach Abschluss des Romans lässt sich manch überflüssige Kapriole ausmachen. Dies betrifft vor allem die Abschnitte, die Arthurs Leben und seine Perspektive beinhalten. Der Roman würde genauso gut ohne sie funktionieren. Die wiederkehrenden Bezüge auf die Lichtverhältnisse sind zwar symbolträchtig, wirken mit der Zeit jedoch aufdringlich. Die Idee eines Propheten wird stark aufgebaut, endet jedoch in einer Auflösung ohne großen Effekt. Andere interessante Spuren werden hingegen nicht verfolgt.   Doch die seltenen Kritikpunkte werden durch den wundervollen Stil der Autorin aufgewogen. Ihre Sprache besticht durch Leichtigkeit und treffsichere Formulierungen. Die Worte tragen den Leser schwerelos durch die tiefgründigen, bewegenden und mitunter schwermütigen Gefilde des Romans. Die Zeit vor, während und nach dem Ausbruch der Pandemie wird realistisch dargestellt. Der Realismus besteht nicht in besonders graphischen Beschreibungen der Krankheit oder des Überlebenskampfs Stattdessen kreiert Emily St. John Mandel eine ganz eigene Atmosphäre, in der die Ängste, Nöte und Empfindungen der Menschen erfahrbar werden, den Leser aber nicht bedrücken. Die Figuren sind glaubwürdig, werden mit ihren positiven und negativen Eigenschaften gezeigt.   Emily St. John Mandel hat eine andere Art von apokalyptischer Literatur geschaffen. Eine, die sich deutlich von den üblichen Genrevertretern abhebt. Es gelingt ihr dem Leser bewusst zu machen, welche Annehmlichkeiten und Möglichkeiten ihm zur Verfügung stehen und wie es für die Menschen wäre, wenn all dies von jetzt auf gleich wegbrechen würde. Der Roman baut nicht auf vordergründige Spannung. Vielmehr werden immer wieder interessante Köder ausgeworfen, deren Sinn sich erst später oder vielleicht auch gar nicht erschließt, die den Leser aber in einem Zustand der Neugier halten. Er weiß nicht, wie sich am Ende alles zusammenfügen wird. Welches Schicksal Jeevan, Miranda und die anderen, ja die gesamte Welt, erwartet. Doch eins steht fest, den Leser selbst erwartet eine besondere Geschichte, die ihn über die letzte Seite hinaus beschäftigen wird. 

Leider nicht ganz mein Buch
Leseratte999 am 29.09.2015

Ich bin leider nicht wirklich von diesem Buch überzeugt. Aber erstmal zum Inhalt von diesem Buch: Es geht um einen Weltuntergang, der durch eine Pandomie ausgelöst wird. In den ersten paar Seiten wird dieser Weltuntergang beschrieben, wie alles mit einem infizierten Flugzeug anfing. Diese Georgische Grippe verbreitete sich so schnell, dass man sogar Krankenhäuser wegen Überfüllung und, nicht mehr retten könnenden Leuten, schließen mussten. Doch das alles half nichts und immer mehr Personen starben und die, die noch lebten, versuchten verzweifelt noch zu fliehen. Doch das alles half auch nichts, denn die Grippe hat sich schon in der ganzen Welt verbreitet. Die nach dem Untergang überlebt haben, versuchten diese Welt wieder "aufzubauen" und wieder lebendig zu machen.   Dieses Buch pendelt immer zwischen der Vergangenheit und der Gegenwar hin und her. Ich persönlich finde es nicht so gut, denn es gibt nur wenige Stellen die wirklich Spaß machen zu lesen. Die meisten sind zäh und langweilig oder auch anstrengend zu lesen. Also ich würde dieses Buch nicht weiter empfehelen, doch gewissermaßen muss jeder selber entscheiden ob er das Buch mag oder nicht, denn es gibt auch Leute denen dieses Buch sehr gut gefallen hat.

It’s the end of he world as we know it
TanyBee am 28.09.2015

It’s the end of he world as we know it: dieser REM Song passt bestens zur Situation auf der Erde in diesem Buch: Die georgische Grippe ist ausgebrochen und die Menschen sterben nach der Ansteckung innerhalb weniger Stunden. Einige Menschen überleben, doch mit so wenigen Menschen lässt sich die Zivilisation, wie wir sie kennen, nicht aufrechterhalten. Bald gibt es keinen Strom mehr, kein Benzin und natürlich kein Internet. Eigentlich dreht sich in diesem Roman alles um Arthur Leander, einen Schauspieler, obwohl dieser bereits vor dem Ausbruch der Grippe gestorben ist. In Rückblenden erfahren wir viel aus seinem Leben. Das Buch spielt also nicht komplett in der Zeit nach dem Zusammenbruch, wir erfahren auch viel aus dem Leben der Hauptpersonen vorher. Es handelt sich hier im einen sehr realistischen Endzeit-Roman, ohne Fantasy- oder Science-Fiction-Elemente und (fast) ohne Kämpfe. Doch genau das hat es für mich so spannend gemacht. Denn: So wie es hier beschrieben wird, so könnte es wirklich kommen. Ein sehr spannendes Gedankenexperiment! Besonders interessant fand ich, dass die Menschen im Jahr 20 (nach dem Zusammenbruch) fast leben wie im Mittelalter, aber die Produkte der alten Welt sind ja noch da und erinnern jeden Tag daran, wie es einmal gewesen ist. So werden alte Flugzeuge als Häuser genutzt oder Pickups werden entkernt und zu Wohnwagen umgebaut, die von Pferden gezogen werden. Inzwischen gibt es auch junge Erwachsene, die die alte Welt gar nicht kennen. Manche, die zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs Kinder waren, können sich nur noch schemenhaft an die alte Zeit erinnern. Ein tolles Setting, das viele philosophische Fragen aufwirft! Die Autorin hat ein Talent dafür Atmosphäre auf zu bauen und liefert dem Leser wunderbare Bilder fürs Kopfkino. Für mich hat das Buch einen großen Sog entwickelt und ich wollte es kaum aus der Hand legen. Die Geschichte ist so aufgebaut, dass der Leser erst einmal viele Fragezeichen im Kopf hat, aber nach und nach fällt jedes Puzzleteil an seinen Platz und es ist herrlich, wie einfach die Lösung manchmal ist. Einige der Zusammenhänge wirkten etwas konstruiert und ein paar Handlungsstränge hätte man vielleicht noch vertiefen können, deswegen ziehe ich einen Stern ab. Aber es ist trotzdem ein großartiges Buch, über das ich noch lange Nachdenken werde.

Das Licht hat mich nicht erleuchtet
thora01 am 25.09.2015

Dieses Buch hat mich leider nicht vom Hocker gerissen. Der Schreibstil alleine hat mir sehr gut gefallen. Der Handlungsaufbau hat mir Schwierigkeiten bereitet. Die häufigen Zeitsprünge haben mich sehr verwirrt. Auch waren die Protagonisten meiner Meinung nach relativ unscheinbar. Ich konnte mich auf keinen so richtig einlassen. Sehr gut fand ich den Zusammenhang zu realen Ereignisse. Die Abschnitte rund um Arthur haben in diesem Werk überhand genommen. Dabei konnte ich keinen Zusammenhang zu den restlichen Abschnitten sehen. Der Abschluss hat mich sehr enttäuscht. Er hat leider meine Frage die ich während dem Lesen hatte nicht beantworten können.   Ich vergebe diesem Werk 3 Sterne.

Das Licht der letzten Tage
Carola Herrmann, c/o Hohenlimburger Buchhandlung am 22.09.2015

Der Roman erzählt vom Leben vor, während und nach der „Georgischen Grippe“, welche in einem nicht benannten Jahr mit einer enorm schnellen Inkubationszeit und fast 100-prozentiger Mortatlitätsrate nahezu die ganze Weltbevölkerung „hinwegrafft“. In großen Teilen ist es ein „postapokalytischer“ Roman, der aber nicht auf Zombies und Action baut, um den Leser gefesselt zu halten. Vielmehr sind es die Einzelschicksale, Personen, deren Leben wir zu wechselnden Zeiten vor, während und nach der Katastrophe beobachten dürfen. In jedem Teil finden wir Puzzlestücke, die sich nach und nach zu einem Bild formen, was das Lesen so spannend macht. Die Geschichte beginnt ganz klassisch mit einer Theateraufführung von Shakespeares „King Lear“, bei der ein bekannter Schauspieler, Arthur, ganz profan an einem Herzinfarkt auf der Bühne stirbt. Seines und die Leben seiner nächsten Menschen stehen im Mittelpunkt des Romans: Da ist seine erste Frau Miranda, Künstlerin, die einen (ebenfalls) postapokalytischen Comic geschrieben und illustriert hat, seine spirituelle zweite Frau Elizabeth mit dem gemeinsamen Sohn Tyler, Arthurs bester Freund aus Jugendtagen Clark sowie Kirsten, eine Jungschauspielerin aus der „King Lear“-Aufführung und Jeevan, der Ersthelfer beim Herzinfarkt auf der Bühne, der aber Arthur noch aus seiner Zeit als Paparazzo und Klatschjournalist kennt. Beim Lesen wird einem bewusst, wie leicht sich unser „gutes“ Leben ändern kann, was es bedeutet, ohne Strom, Kommunikation, fließend Wasser, Motorisierung und Medikamente auszukommen. Wer nicht an der Grippe starb, konnte gut an den Folgen einer Verletzung, durch nicht behandelte chronische Krankheiten oder gar durch Plünderer und Straßenräuber sterben.   Mich hat das Buch ungeheuer gefesselt. Sowohl die Geschichte an sich, als auch der Stil, in dem sie geschrieben ist, hat mir ausnehmend gut gefallen.

Warum nur, warum?
sursulapitschi am 21.09.2015

Von diesem Buch habe ich mir sehr viel versprochen. Die Beschreibung klang spannend und ungewöhnlich und George R.R.Martin lobt es in höchsten Tönen. Wow. Nach dem Lesen denke ich, Herr Martin ist wohl ein sehr netter, genügsamer Mann. Mich hat dieses Buch nicht so richtig umgehauen.   Ja, hier kann man den Weltuntergang miterleben. Ein Killervirus rafft in kürzester Zeit 99% der Weltbevölkerung dahin. Im Jahr 20 nach der Katastrophe sieht das Leben auf der Erde ganz anders aus. Es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Supermärkte und keine Medikamente, keine Ärzte… In Vor-und Rückblenden erfährt man, wie einige Menschen mit der Situation fertig wurden. Kirsten, zum Beispiel, war damals 8 Jahre alt und irrte mit ihrem Bruder durch die verlassene Gegend. Jetzt ist sie Mitglied einer fahrenden Schauspieltruppe. Das ist spannend, ungewöhnlich und toll erzählt, vermittelt eine dystopische Stimmung, die bedrückend ist, aber auch Hoffnung lässt. Die Welt, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr, aber man kann aus den Trümmern etwas Neues errichten.   Der rote Faden, der das Buch durchzieht, ist Arthur Leander, ein berühmter Filmschauspieler, der eins der ersten Opfer der Pandemie war und den jeder der Protagonisten gekannt hat. Das ist eine gute Idee und bringt unterschiedlichste Menschen in eine Beziehung. Nur spielt Arthur für den Fortgang der Geschichte überhaupt keine Rolle, er stirbt auf Seite 10, trotzdem wird lange und ausführlich immer wieder sein Leben durchleuchtet. Seine Jugend, seine drei gescheiterten Ehen, sein Erfolg, seine Midlifekrise, alles erfährt man hier und das ist herzlich langweilig. Man fragt sich warum und sucht nach Gründen. Ein seltenes Comic taucht immer wieder auf und gibt Rätsel auf. Arthurs Frau hat es gezeichnet. Man bekommt die ganze Entstehungsgeschichte erzählt und vermutet dubiose Zusammenhänge, die es dann leider nicht gibt. Es ist nur ein Comic.   Hier wurden zahlreiche Nebenschauplätze so geheimnisvoll eingeführt, dass man Zusammenhänge größerer Tragweite erwartet, die dann nicht existieren. Das lässt einen ziemlich enttäuscht zurück. Dazu wird noch die eigentlich tolle Geschichte ständig ausgebremst durch langweilige Episoden aus Arthurs Leben. Am Ende hat man seine letzten Stunden bestimmt fünfmal aus jeder nur möglichen Sicht erlebt und fragt sich: Warum nur, warum?   Fazit: Tolles, ungewöhnliches Endzeitszenario, das leider in einer banalen Rahmenhandlung untergeht. Schade. 

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