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Das letzte GeleitDas letzte Geleit

Das letzte Geleit

Kriminalroman

Taschenbuch
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Das letzte Geleit — Inhalt

Eine Leiche ist für Theo Matthies nichts Besonderes – immerhin ist er Bestatter. Doch der Tod der alten Anna, die erfroren am Elbstrand lag, weckt sein Misstrauen. Als die Polizei den Fall abschließt, ermittelt der studierte Mediziner selbst. Dabei stößt er auf ein schreckliches Verbrechen, das im Zweiten Weltkrieg geschah – und auf einen Mörder, der offiziell seit Jahrzehnten tot ist.

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 16.04.2012
304 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-27396-1
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 16.04.2012
304 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-95477-8

Leseprobe zu »Das letzte Geleit«

Für Alain

 

Prolog

 

An der Alster

 

Vorsichtig stieg die alte Frau auf die unterste Stufe der Rolltreppe, die Hände fest an ihr Einkaufswägelchen geklammert. Erik, ihr Sohn, hatte ihr die rosenbedruckte Scheußlichkeit zu ihrem 84. Geburtstag geschenkt. Inzwischen musste sie widerwillig zugeben, dass das Gerät für ihre müden Knochen bequemer war als der verschlissene Rucksack, den sie so lange für ihre Einkäufe benutzt hatte.

 

Als die Rolltreppe sie dreißig Sekunden später in den Sonnenschein am Jungfernstieg spuckte, atmete sie unwillkürlich auf. [...]

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Für Alain

 

Prolog

 

An der Alster

 

Vorsichtig stieg die alte Frau auf die unterste Stufe der Rolltreppe, die Hände fest an ihr Einkaufswägelchen geklammert. Erik, ihr Sohn, hatte ihr die rosenbedruckte Scheußlichkeit zu ihrem 84. Geburtstag geschenkt. Inzwischen musste sie widerwillig zugeben, dass das Gerät für ihre müden Knochen bequemer war als der verschlissene Rucksack, den sie so lange für ihre Einkäufe benutzt hatte.

 

Als die Rolltreppe sie dreißig Sekunden später in den Sonnenschein am Jungfernstieg spuckte, atmete sie unwillkürlich auf. Unter der Erde war ihr stets beklommen zumute – wie so vielen Menschen ihrer Generation. Zu viele Nächte hatte sie in Kellerlöchern und Bunkern ausgeharrt, während über ihr der Luftkrieg tobte. Nach dem Zwielicht des U-Bahn-Schachts kniff sie die Augen zusammen. Was für ein strahlender Wintertag! Ein kräftiger Wind ließ die internationalen Flaggen am Alsteranleger im Wind knattern. Statt der hohen Wasserfontäne, die sonst in der Mitte der Binnenalster Kapriolen schlägt, stand dort ein riesiger, illuminierter Christbaum.

 

Tief sog sie die kühle Luft in ihre erschöpften Lungen, die der Wind vom nahen Hafen herüberblies. Sie schmeckte nach Teer und Salz.
Hanseatenwind, dachte sie. Seit einer Ewigkeit war sie nicht mehr in der Innenstadt gewesen. Spontan beschloss sie, einen Kaffee im Alsterpavillon zu trinken. Auf der Terrasse trotzten bereits zahlreiche, mit Wolldecken ausgerüstete Gäste der Jahreszeit. In ihrer Jugend wäre kein Mensch auf die Idee gekommen, im Winter draußen Kaffee zu trinken. In ihrer Jugend hatte es aber auch keine zentralbeheizten Wohnungen mit Thermoverglasung gegeben. Und erst recht keine Heizstrahler auf Restaurantterrassen.

 

Die Bedienung war jung, hübsch und gelangweilt. »Latte, Cappuccino, Espresso …«, begann sie die Liste der angebotenen Kaffeespezialitäten herunterzuspulen. »Ein Kännchen Filterkaffee, bitte«, unterbrach sie die alte Frau unbeeindruckt und ließ den Blick über die anderen Besucher schweifen.

 

Wie vor siebzig Jahren war das Publikum auch heute bunt gemischt. Damals hatte an dieser Stelle noch ein prunkvoller Jugendstilbau mit Spitzdach gestanden. Als junges Mädchen hatte Anna hier viel Zeit verbracht. Der Alsterpavillon hatte als eines der letzten Caféhäuser noch eine Swingband beschäftigt. Die »Negermusik« war den Nazis verhasst gewesen und hatte dem Café den Namen »Judenaquarium« eingebracht. Die alte Frau erinnerte sich noch gut an den Abend, als eine Horde älterer Hitlerbengel in den Pavillon eingedrungen war. Systematisch hatte die Bande die Leinentücher von den Tischen gezerrt und so innerhalb kürzester Zeit eine Schneise der Verwüstung durch das Lokal geschlagen. Gäste und Personal hatten schreckensstarr ausgeharrt, bis auf den Saxofonisten, der ungerührt weiterspielte. Zu ihrer Verblüffung gingen die Burschen nicht auf ihn los, sondern begnügten sich damit, vor ihm auf den Boden zu spucken. Dass sie nicht einmal betrunken waren, machte die brutale Aktion noch erschreckender.

 

Heute saßen hier Geschäftsmänner mit gelockerter Krawatte vor der Glasfassade. Eine junge Mutter beschwichtigte ein greinendes Kleinkind mit Erdbeereis. Ein paar Mädels rauchten lässig auf der Treppe zum Anleger der Alsterdampfer und versuchten so zu tun, als seien die Jungen nebenan Luft. Zwei Damen nippten an ihrem Tee.
Ungefähr mein Alter, dachte die alte Frau, aber viel eleganter. Vergnügt blickte sie auf ihre ausgetretenen silbernen Turnschuhe aus dem Schlussverkauf hinunter. Aus schicken Kleidern hatte sie sich noch nie viel gemacht.

 

Am Tisch schräg gegenüber saß mit dem Rücken zu ihr ein älterer Herr – vielmehr ein alter Mann. Sie runzelte die Stirn. Er erinnerte sie vage an jemanden aus ihrer Jugendzeit. Ein Schauspieler? Unwillkürlich versuchte sie, sein Alter zu schätzen. Er war schlank und hielt sich sehr aufrecht, doch den gebräunten Nacken unter der perfekt gestutzten Frisur durchzogen tiefe Furchen. Routiniert schlug er seine Zeitung zusammen und wandte sich zur Seite, um der Bedienung zu winken. Bis auf die hohen Geheimratsecken war sein weißes Haar noch voll. Es war weniger das Profil als die gebieterische Geste, die Anna ins Mark traf. »Da hol mich doch der Teufel«, flüsterte sie tonlos. Die Weihnachtseinkäufe für ihre Enkelin waren vergessen. Der alte Mann, der nur drei Meter von ihr entfernt saß, war seit Jahrzehnten tot.

 

Kapitel 1

 

Wintersturm

 

Sonnabend, 13. Dezember 2008
Windstärke 8, in Böen 9. Das Wasser donnerte Faustschläge auf das Wagendach. Die Scheibenwischer unternahmen einen weiteren hilflosen Versuch, die Wassermassen von der Scheibe zu schaufeln, die sich unmittelbar hinter ihnen wieder zu einem millimetertiefen Strom vereinigten.
»Definitiv eine neue Sintflut«, murmelte Theo Matthies. Sein alter Citroën hatte sich wieder einmal den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ausgesucht, um zu streiken, sodass Theo nach einem Kundenbesuch die Zündkerzen im strömenden Regen trocken kriegen musste. Die Welt draußen war nur noch schemenhaft zu erkennen: ein zerlaufenes Aquarell in Grün und Grau, darin der Briefkasten als leuchtend gelber Klecks. Der Lastwagen, der vernünftigerweise am Straßenrand stehen geblieben war, brachte einen knallroten Farbtupfer in die Szenerie. Wider besseres Wissen steuerte Theo seinen Wagen im Schneckentempo die vierspurige Hauptstraße Kornweide entlang. Immerhin, tröstete er sich, kannte er die Strecke im Schlaf. Wenige Hundert Meter vor seinem Ziel hatte er keine Lust, anzuhalten und abzuwarten, bis das Unwetter vorbei war. Sein schwarzer Rollkragenpullover und die Jeans klebten ihm wie kalte, nasse Waschlappen am Körper, und er sehnte sich nach einem starken Kaffee.
Vor wenigen Tagen hatte noch schreckliche Kälte geherrscht. Die Erde spielt verrückt, dachte er. Solche Regengüsse gab’s in Hamburg sonst nur im Frühjahr und im Herbst – und nicht mitten im Dezember.

 

Bei Sturm war ihm auf der Elbinsel Wilhelmsburg immer mulmig zumute, obwohl es in den 34 Jahren seines Lebens hier nie eine größere Katastrophe gegeben hatte. Doch zeugten noch viele Schilder an älteren Hauswänden von den Pegelständen der Sturmflut, die im Februar 1962 unbarmherzig Löcher in den Deich gefressen und schließlich die Insel überflutet hatte. 315 Todesopfer hatte es damals in Wilhelmsburg gegeben, und ein noch weitgehend unbekannter hanseatischer Polizeisenator namens Helmut Schmidt konnte dem ganzen Land seine Tatkraft vorführen. Als Kind hatte sich Theo immer unter die Messingmarkierungen gestellt und geprüft, ob sein Kopf inzwischen über die Schicksalslinie reichte. Der Tag, an dem er sich erstmals oberhalb der eingebildeten Wasseroberfläche befand, war ein großer gewesen.

 

Jetzt holte er tief Luft und stemmte die Autotür gegen den Sturm, der sogleich wie ein Rudel wütender Hunde an seinem Schal zerrte. Mühsam kämpfte er sich unter den Schutz der Reetdach-Markise und dann ins Innere des Hauses. Auf den abgetretenen Steinfliesen in der Diele sammelten sich Pfützen. Ein Windstoß ließ die Geburtstagskuchenkerzen verlöschen, die links und rechts neben der feierlichen Aufbahrung geflackert hatten.

 

Schnell schloss Theo die Tür hinter sich und blickte direkt in ein Paar gewitterschwarze Augen. Theo kannte niemanden, der derart vorwurfsvoll gucken konnte wie Lilly. Dabei war sie erst neun Jahre alt und sah aus wie eine chinesische Porzellanpuppe.
»Du hast mein Begräbnis ruiniert«, schimpfte das Kind empört und deutete auf einen rosafarbenen Miniatursarg, in dem fein säuberlich eine Barbiepuppe aufgebahrt lag. Ein zerrupftes Kunstblumengebinde schmückte die Plastikleiche.
»Woran ist die Ärmste denn heute gestorben?« Erfolglos rubbelte sich Theo mit seinem triefenden Schal das Haar.
»Kindbettfieber«, verkündete Lilly, die eine Vorliebe für exotische Todesursachen hatte. Wenn sie nicht gerade mit ihrer Barbie spielte, schmökerte sie in Theos alten Medizinbüchern, die er aus sentimentalen Gründen in seinem Büro aufbewahrte.
»Lilly, willst du nicht mal was anderes spielen als Beerdigung?«
»Was denn, Heiraten vielleicht?« Lilly schnaubte verächtlich.

 

Mitunter fragte sich Theo, ob ein Bestattungsinstitut das richtige Umfeld für ein kleines Mädchen war.
»Deine Tochter entwickelt eine völlig morbide Weltsicht«, hatte er einmal zu May gesagt, die ihm dabei half, die Toten herzurichten.
»Seltsam ist es ja wohl eher, so zu tun, als sei Sterben irgendwie anstößig«, hatte die junge Halbasiatin nur gefaucht. Da musste ihr Theo zweifellos recht geben. Zu Lillys letztem Geburtstag hatte er ihr darum einen Barbiesarg geschreinert. Es war ein voller Erfolg gewesen.

 

Vor fast zwei Jahren hatte Fräulein Huber, die, seit er denken konnte, seinem Vater zur Hand gegangen war, ihren blassgrünen OP-Kittel säuberlich zusammengefaltet. »Des war jetzt meine dreitausendste Leiche, des is genug für a Menschenleben!«, hatte sie in ihrem bayrisch gefärbten Dialekt verkündet, der sich auch nach einem halben Jahrhundert in der Hansestadt nicht abgeschliffen hatte. Theo, der damals erst vor Kurzem das Geschäft seines verstorbenen Vaters übernommen hatte, war entsetzt gewesen.
»Mach dir mal keine Gedanken, Bub«, hatte Fräulein Huber nur gesagt und ihm mütterlich die Wange getätschelt.

 

Theo erinnerte sich noch gut an die erste Begegnung mit May. Am Tag nach ihrer schockierenden Ankündigung, das Institut verlassen zu wollen, hatte Fräulein Huber mit einem zarten, schwarzhaarigen Mädchen vor der Tür gestanden, das ein schlafendes Kind auf dem Arm trug – May und Lilly. »Das Maderl kann gleich heute anfangen«, hatte die Huber zufrieden gesagt. Zweifelnd hatte Theo auf das zierliche Persönchen herabgeblickt. Sie sah wie sechzehn aus – höchstens.
»Und außerdem hat sie einen Abschluss als Thanatopraktikerin«, hatte Fräulein Huber triumphiert. Diese Spezies der Bestatter war in Deutschland, anders als in den USA und England, äußerst rar. Thanatopraktiker beherrschten nicht nur das äußere Herrichten der Toten, sie konnten sie auch für eine Aufbahrung vorbereiten und notfalls sogar einbalsamieren.
»Examiniert in London«, hatte May hinzugefügt und ihn herausfordernd angestarrt.
Auch ohne diesen Trumpf hätte Theo der geballten Entschlossenheit der beiden Frauen nichts entgegenzusetzen gehabt. Zum Glück. May gelang es, auch dem erbarmungswürdigsten Toten ein friedvolles Aussehen zu verleihen, sodass sich die Angehörigen verabschieden konnten – ein Ritual, das in der Hansestadt eher unüblich war, das den Hinterbliebenen vom Bestattungsinstitut Matthies aber ans Herz gelegt wurde. So kratzbürstig sich May oft den Lebenden gegenüber gebärdete, so sanft war sie zu den Toten.
»Wie soll man denn die Toten gehen lassen, wenn man sich ned verabschieden hat kinna?«, hatte auch Fräulein Huber die feste Überzeugung von Theos Vater in eigene Worte gefasst.

 

»Du sollst so einen Mann zurückrufen«, teilte Lilly Theo gnädig mit. »Elfzwanzigzwanzigfünffünfachtacht«, rasselte sie herunter. Sie hatte ein phänomenales Gedächtnis.
»Lilly, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du keine Telefonate entgegennehmen sollst?«
»Andauernd«, antwortete Lilly sachlich.
Theo seufzte. »Und, wie hieß der Mann?«
»Hab ich nicht verstanden.«
Kopfschüttelnd ging Theo in sein Büro, um den unbekannten Menschen zurückzurufen.

 

»Mein aufrichtiges Beileid«, sagte Theo zweieinhalb Stunden später zu dem Mann vom Telefon. Er stellte einmal mehr fest, wie stark sein abgelegter und sein neuer Beruf sich mitunter glichen: eine ungewöhnliche Karriere vom Chirurgen zum Bestatter. Der Mann, mit dem er vorhin telefoniert hatte, hieß Erik Florin und entpuppte sich als leicht übergewichtiger Herr Anfang sechzig.
»Es handelt sich um meine Mutter«, sagte er und presste die feuchten Handflächen auf die dicklichen Schenkel. Runde Wangen, volle Lippen, babyblaue Augen hinter Brillengläsern, ergraute Locken, registrierte Theo. Der Mann sah aus wie ein trauriger, überalterter Raffael-Engel.

 

Auch Florin studierte sein Gegenüber. Einen Bestatter hatte er sich anders vorgestellt. Älter auf jeden Fall, mit gelichtetem Haar und Gesichtszügen, die der stete Umgang mit Tod und Trauer geprägt hatte. Einer, der vielleicht sogar ein bisschen unheimlich wirkte. Der jungenhafte Mann von Mitte 30, der hier vor ihm saß, hatte mit diesem Bild rein gar nichts zu tun. Theo trug sein dunkles Haar aus der Stirn gebürstet. Gesicht und Nase waren schmal, die äußeren Augenwinkel lagen etwas tiefer als die inneren, was seinem Blick etwas Melancholisches gab. Sein Lächeln gewann durch die leicht schiefen Zähne zusätzlich an Charme.
Vermutlich ein Frauenschwarm, dachte Erik Florin nüchtern, der den Schmerz, nie ein solcher gewesen zu sein, auch mit über sechzig noch nicht ganz verwunden hatte. Theo Matthies war kaum größer als Florins 179 Zentimeter, gewann aber durch seinen schmalen Körperbau optisch an Größe. Angetan mit dunklen Jeans und (inzwischen getrocknetem) Rollkragenpullover hätte Florin ihn in einem Café eher für einen Universitätsdozenten gehalten.

 

Theo reichte seinem Kunden eine Tasse Friesentee, ein Ritual, das er – wie das Haus und dessen Einrichtung – von seinem Vater übernommen hatte. Mit Sahne und »Kluntjes«, den dicken braunen Kandisbrocken, war das Getränk süß, warm und tröstlich. Auch Erik Florin klammerte sich dankbar an die dickwandige Tasse. Theo selbst verabscheute das Gebräu. Er war ein bekennender Kaffeejunkie.

 

Neugierig blickte Florin sich um. Im Kamin flackerte ein Feuer, vor dem zwei schwere braune Chesterfieldsessel standen, die diskret nach altem Leder und Pfeifentabak dufteten. Theos Vater hatte ein Faible für britisches Ambiente gehabt. Die preußischblau gestrichenen Wände waren fast vollständig mit Regalen zugestellt, in denen sich Hunderte Bücher stapelten. Zu seiner Verblüffung erspähte Florin neben einer ehrwürdigen, in Leder gebundenen Gesamtausgabe der Encyclopædia Britannica aus dem Jahre 1923 auch uralte Seefahrerchroniken und medizinische Fachliteratur jüngeren Datums.
Darüber hinaus gab es auch hanseatische Requisiten. In einer mit Samt ausgeschlagenen Vitrine schimmerten geheimnisvoll nautische Instrumente: ein Kompass, ein Sextant, ein Chronometer. In einer anderen Ecke des Raums stand ein altes Hafenmeisterteleskop, das Theo von seinem Urgroßvater, einem Kapitän, geerbt hatte.

 

Nachdem der alte Käpt’n Matthies 1926 in den Ruhestand gegangen war, hatte er angefangen, Seebestattungen für pensionierte Seeleute zu organisieren. Es hatte viele gegeben, die sich nach einem Leben auf dem Meer wünschten, dort auch ihre letze Ruhe zu finden – Beginn einer Bestatterdynastie in der nunmehr vierten Generation. Lange Zeit hatte es allerdings so ausgesehen, als ob die Tradition mit Theos Vater enden sollte.
Als kleiner Junge hatte Theo noch unbekümmert zwischen den Särgen Verstecken gespielt. Doch das änderte sich schlagartig mit dem Tod seiner Mutter. Von einem Tag auf den anderen war sie fort gewesen. Aufgebahrt im Sarg lag nur noch eine wächserne Puppe, die nicht das Geringste mit seiner Mama zu tun hatte. Ihm kam es vor, als hätte jemand seine Mutter verschleppt und stattdessen dieses Ding dagelassen. Verzweifelt hatte er getobt und geheult. Er wollte seine Mama zurück. Sein Vater hatte ihn auf den Schoß gezogen und den Achtjährigen behutsam hin und her gewiegt. Zornig hatte sich Theo gesträubt. »Warum ist sie einfach weg? Warum?!«
»Es war ein Unfall«, hatte sein Vater hilflos gesagt. »So etwas passiert einfach manchmal.« Von da an war der Junge auf den Tod nicht mehr gut zu sprechen gewesen. Theo wollte keine Toten begraben, Theo wollte Leben retten.

 

Nach dem Medizinstudium hatte er verbissen um jeden Patienten gerungen, der auf seinen OP-Tisch kam. Bis zu jener Nacht vor drei Jahren, in der er gleich zwei geliebte Menschen auf einmal verloren hatte. Der Tod lässt sich nur auf Abstand halten, auf Dauer besiegen lässt er sich nicht, hatte Theo schließlich akzeptieren müssen und erkannt, dass er den Arztberuf aus dem falschen Motiv heraus gewählt hatte: ein sinnloser Kampf gegen das Unabänderliche. So hatte er beschlossen, doch noch Bestatter zu werden. Sich dem Sterben zu stellen. Inzwischen war er sogar fast sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben. Als Bestatter, so hoffte er, würde er irgendwann Frieden mit dem Tod schließen. Manchmal gelang es ihm inzwischen. Oft genug aber auch nicht.

 

So saß er heute hinter dem Eichholzschreibtisch seines Vaters – ein Umstand, der ihn mitunter noch immer verblüffte. Die Platte des hundert Jahre alten Möbels war mit grünem, inzwischen etwas fleckigem Leder überzogen, in dem Theo je nach Stimmung wechselnde Figuren sah. Die unregelmäßigen Konturen des großen, leicht rötlichen Flecks links oben erinnerten ihn heute an ein tanzendes Nilpferd. Der Familienlegende nach hatte sein Vater ihn hinterlassen, als er aus Freude über die Geburt seines Sohnes die unvermeidliche Teetasse umgestoßen hatte.

 

»Ich möchte, dass Sie sich um die Beerdigung kümmern.« Erik Florin schob Theo einen schmuddeligen Zettel zu, der aussah, als hätte er ihn seit Wochen mit sich herumgetragen. »Anna Florin, geb. 15.06.1925, gest. 11.12.2008« stand darauf. Darüber prangte in großen Lettern »Gerichtsmedizin«.
»Man hat sie also obduziert«, stellte Theo fest.
»Der, äh, Fundort war ein wenig ungewöhnlich«, erklärte Florin.

 

Donnerstag, 11. Dezember 2008
Am frühen Morgen des elften Dezembers war Heide Jensch, 65, zu ihrer morgendlichen Runde aufgebrochen. Trotz des plötzlichen Temperatursturzes der letzten Tage hatte sie sich auf ihr klappriges Hollandrad geschwungen. Ihre beiden irischen Wolfshunde, Carla und Cleo, trabten geschmeidig neben ihr her. Für die »Kirchdorfer«, wie sich die Einwohner des alten Siedlungsteils von Wilhelmsburg nennen, bot das Trio seit Jahren ein vertrautes Bild. Anfangs hatten viele die Zottelriesen misstrauisch beäugt, die auf den Hinterbeinen stehend einen ausgewachsenen Mann mühelos überragten. Inzwischen ließen sie sogar ihre Kinder auf den Rücken der gutmütigen Tiere reiten.

 

An diesem Wintermorgen stiegen aus den Mäulern der Hunde dichte weiße Wolken empor. Der Eishauch der Nacht hatte die letzen Beeren und Blätter, die sich noch an die Sträucher klammerten, mit einer dicken Schicht Raureif überzogen. In der Morgensonne funkelten die Früchte wie rosafarbene Kristalle.
Karfunkelsteine, dachte Heide. Spontan beschloss sie, die große Runde zu drehen und bis zu ihrem Lieblingsplätzchen am Leuchtturm zu fahren. Zügig radelte sie die von kleinen Häuschen gesäumte Kornweide herunter, während sich linkerhand die berüchtigten Betonbauten von Kirchdorf Süd türmten. Anfang der 70er-Jahre hatte man die Sozialsiedlung mitten auf der grünen Wiese errichtet. Heide, die damals Lehrerin in der benachbarten Grundschule am Stübenhofer Weg gewesen war, hatte die Arbeit der gigantischen Kräne mit Kummer und Unbehagen verfolgt. In ihren ersten Berufsjahren hatte die Schule noch direkt an einen Bauernhof gegrenzt, aus dem von Zeit zu Zeit ein paar Schweine ausgebrochen waren und unter aufgeregtem Gekreische der Kinder über den Schulhof galoppierten. Zwar gab es noch immer Wiesen und Pferdekoppeln in Sichtweite der Schule, doch die drohende Silhouette der Hochhäuser trübte das Idyll empfindlich.

 

Statt über die breite Otto-Brenner-Straße radelte Heide lieber direkt durch das alte Kirchdorf. Hier waren unter Adolf Hitler Doppelhaushälften im Fachwerkstil für die Wilhelmsburger Industrie- und Hafenarbeiter errichtet worden. Die winzigen Häuschen besaßen große Gärten, in denen die Menschen Obst und Gemüse anbauen konnten. Inzwischen war von dem ursprünglichen Fachwerk nicht mehr viel zu sehen. Die Bewohner hatten mit mehr oder weniger viel Geschmack an- und umgebaut, sodass von der einstigen Reihenhausstereotypie nicht mehr viel übrig war. Jetzt reihten sich hier Plattenverschalungen aus den 70er-Jahren an roten und gelben Klinker aus den 80ern, und Butzenscheiben wechselten sich mit Panoramafenstern ab.

 

Die Hauptstraße querend ließ Heide auch diese Enklave hinter sich. Sie schaltete in den niedrigsten ihrer drei Gänge und überwand die sanfte Steigung am Friedhof Finkenriek vorbei hinauf zum Deich. Hier duckten sich reetgedeckte Bauernhäuser hinter den Schutzwall aus Geröll, Erde und Gras. Oben auf der Deichkrone ließ Heide die Hunde laufen. »Achte den Deich, er schützt dich«, war auf der Messingtafel einer Bank eingraviert. Froh um ihre dicken Gummireifen holperte sie über den Deich, vorbei an der Bushaltestelle, die bei Sturmflutgefahr als Sammelpunkt fungieren sollte.

 

Drei Kilometer weiter machte die Straße eine scharfe Kehre. Hier erstreckten sich die Gebäude eines Schullandheims, in das Heide regelmäßig Tagesausflüge mit ihren Erstklässlern unternommen hatte. Sie hatte noch das Gekreisch der Kinder im Ohr, die im Elbsand ihre Burgen bauten. Damals war der angespülte Schaum noch schmutzig braun gewesen. Inzwischen konnte man in der Elbe wieder baden.

 

Sie streifte die Handschuhe ab, um mit klammen Fingern das Zahlenschloss des Fahrrads zu schließen. Dann lief sie zügig in Richtung Bunthäuser Spitze, dem Ziel ihres Ausflugs. Hier teilte sich der Fluss in Norder- und Süderelbe, die Wilhelmsburg umspülten. Am äußersten Punkt der Landzunge thronte ein spielzeugkleiner, rot und grün lackierter Leuchtturm, den Hilde schon als Kind geliebt hatte.
Carla und Cleo pflügten mit ihren Nasen raschelnd durch das erstarrte Laub unter den Hecken am Wegesrand. Überall witterten sie aufregende Düfte. Plötzlich hob Carla mit einem Ruck den mächtigen Schädel und sog prüfend die kalte Luft ein, die Augen fest auf den Leuchtturm geheftet. Dann fiepte sie leise. Auch Cleo zog nun die Schnauze aus dem Laub und starrte gebannt in dieselbe Richtung. Ein plötzliches Unbehagen packte Hilde. Sie schirmte die Augen gegen die Strahlen der noch tief stehenden Sonne ab, konnte aber nichts Ungewöhnliches entdecken.

 

Kurz entschlossen schnappte sie sich ihre Hunde links und rechts an den schweren Lederhalsbändern und lief, ermutigt von der Kraft der mächtigen Körper, langsam die letzten fünfzig Meter bis zum Leuchtturm. Rund um seinen vielleicht vier Meter breiten Sockel zog sich eine Sitzbank. Hildes Arme breiteten sich aus, als Carla plötzlich den Schwanz einkniff und von dem kleinen Turm wegstrebte, während Cleo in die andere Richtung zerrte. Am Fuße des Türmchens, nahe am Wasser, das unter der Eisdecke durch das Schilf schwappte, lag ausgestreckt eine kleine, vermummte Person mit apfelgrüner Pudelmütze. Heide erkannte die ungewöhnliche Kopfbedeckung sofort. Sie hatte die alte Frau oft bei ihren Spaziergängen auf dem Deich getroffen. Die Sonne hatte noch nicht genügend Kraft gehabt, den Raureif auf der dicken Wolle, dem unförmigen, türkisfarbenen Daunenmantel und den Brauen und Wimpern zu schmelzen. Als Heide die alte Frau an der Wange berührte, löste sich ein Kristall und taumelte in das weit geöffnete Auge, wo er liegen blieb. Rasch trat sie einen Schritt zurück.
Während sie mit klammen Fingern das Handy aus den Tiefen ihrer Manteltasche fummelte, postierten sich die beiden Wolfshunde würdevoll links und rechts der toten Frau.
Wie zwei Sphinxe, dachte Heide und wählte den Notruf.

 

Montag, 8. Dezember 2008
Der alte Mann leerte seine Kaffeetasse und stelle sie energisch auf den Tisch. Er rollte die Zeitung zusammen und erhob sich. Anna spürte, wie Adrenalin durch ihre schockstarren Glieder strömte. Blind grub sie einen Schein aus ihrer Geldbörse mit dem »Hello Kitty«-Druck und schob ihn mit zitternden Fingern unter die Kaffeetasse. Das Portemonnaie hatte Entchen, ihre siebenjährige Urenkelin, für sie ausgesucht. Anna zögerte kurz und warf einen Blick auf ihren Blümchenrollwagen. Bananen. Zahnpasta. Ein kleiner Schokoweihnachtsmann für Entchen. Nichts, was wichtig wäre. Der Mann hatte die Zeitung auf dem Tisch liegen gelassen und schon einige weitausholende Schritte Vorsprung. Um sie herum saßen die schicken alten Damen, die jungen Mädchen, die Herren mit Schlips. Niemand ahnte, dass hier das Schicksal einen mutwilligen Bocksprung vollführte.

 

Sie ließ den Rollwagen Rollwagen sein und warf einen liebevollen Blick auf ihre Füße. Viel besser als Pumps, dachte sie grimmig und nahm die Verfolgung auf.

 

Sonnabend, 13. Dezember 2008
Theo warf einen Blick auf den Totenschein.
»Hypothermie«, las er laut und schob rasch die medizinische Terminologie verlassend hinterher, »sie ist an Unterkühlung gestorben?«
Erik Florin nickte. »Schrecklich, nicht wahr? Eine Spaziergängerin hat sie an der Bunthäuser Spitze gefunden. Sie muss dort die ganze Nacht gelegen haben.« Er fummelte an der runden Brille auf seiner Nase, bis diese noch schiefer saß als zuvor. »Ich habe so etwas noch nie gemacht«, gestand er dann. »Mich um eine Beerdigung gekümmert, meine ich. Was kostet denn so was?« Verschämt tauchte er seine Knubbelnase in den Becher. Erst seit er das Geschäft ganz übernommen hatte, hatte Theo die Arbeit seines Vaters wirklich zu würdigen gelernt – ein ständiger Drahtseiltanz zwischen Geschäftssinn und Mitgefühl. Theo, der das Bestattergewerbe von Kindesbeinen an kannte, hatte schnell gelernt, die mehr oder weniger kummervollen Hinterbliebenen zuverlässig einzuschätzen. Da gab es die Tieftrauernden, die ihr letztes Hemd und noch mehr für den geliebten Verstorbenen hergeben wollten, alte Männer und Frauen, die er freundlich, aber entschieden, davor bewahrte, sich hoffnungslos zu verschulden, damit »der liebe Heinz« oder »die geliebte Hilde« ein stattliches Begräbnis bekam.
Er erkannte inzwischen schnell den Unterschied zwischen echten Geizhälsen und Pragmatikern, die es erst sinnlos fanden, so viel gutes Geld unter die Erde zu bringen, und später ob ihrer Knauserigkeit mit sich hadern würden. Für jeden musste er die richtigen Worte, die richtigen Gesten und die beste Lösung finden.

 

»Was für … Möglichkeiten gibt es denn überhaupt?«, fragte Erik Florin. Verglichen mit vielen Nachbarländern, erklärte Theo, herrschten in Deutschland geradezu rigide Bestattungsvorschriften. Anders als beispielsweise in den Niederlanden, in England oder der Schweiz dürfe man die Asche seiner Lieben weder auf dem Kaminsims aufbewahren noch im eigenen Garten verstreuen.
»In Deutschland heißt es ›Sarg oder Urne‹, und beides gehört auf den Friedhof – oder wenige ausgewählte Orte«, erklärte Theo. Man könne sich beispielsweise in speziellen Waldstücken, den sogenannten Friedhainen, beisetzen lassen. Und so mancher waschechte Hanseat wünsche sich ein zünftiges Seemannsgrab: Dann wurde eine zur zügigen Verrottung konzipierte Urne in der Ostsee versenkt – die einzige offizielle Möglichkeit, in Deutschland nicht unter die Erde zu kommen. Ebendas war, dank alter Familientradition, eine besondere Spezialität des Matthiesschen Bestattungsinstituts.
Extravagante Trauernde könnten allerdings die Asche des Verblichenen über die Grenze schaffen und den enthaltenen Kohlenstoff zum Diamanten pressen lassen, berichtete Theo. Ein recht kostspieliges Unterfangen, das sich im weniger gut betuchten Wilhelmsburg seines Wissens noch nie jemand geleistet hatte. Die Kosten für die Bestattung der restlichen Asche kämen natürlich noch hinzu.
»Die meisten entscheiden sich für eine Feuerbestattung«, sagte Theo freundlich. »In Hamburg sind die Friedhofsplätze teuer, und so ein Urnengrab kostet weniger – auch wenn die Kosten für das Krematorium hinzukommen.«

 

Hilflos blätterte Erik in dem Katalog mit den Sarg- und Urnenmodellen. »Meine Mutter hätte gelacht, weil ich darum so ein Tamtam mache«, sagte er schließlich bitter. »Die hätte sich vermutlich einäschern lassen, und dann ab in irgendein anonymes Loch. Aber ich – ich hätte doch gern etwas Besonderes für sie.« Er zögerte. »Sie war ein eher unkonventioneller Typ.«
»Na, dann kommen Sie mal mit. Ich zeige Ihnen ein paar Spezialmodelle.« Schnaufend erhob sich der pummelige Mann und trottete Theo hinterher.

 

Im Sarglager, das nebenan in einer ehemaligen Scheune untergebracht war, waren immer die gängigsten Modelle vorrätig. Es gab pompöse Exemplare Typ Gelsenkirchener Barock aus geschnitzter Eiche mit üppigen Messingbeschlägen, schlichte Varianten aus Kiefernholz, imposante, schwarz lackierte Versionen, in denen sich jeder Vampir gern häuslich eingerichtet hätte, und schneeweiße, herzzerreißend winzige Kindersärge. Manche Modelle aber waren nach den Wünschen der Kunden gestaltet worden, kunstvoll bemalt von Theos bestem Freund, Lars Hansen.

 

Zweifelnd blickte Florin sich um. Dann fiel sein Blick auf die Urnen, die aufgereiht in einem Regal standen. Auch hier hatte der Sargkünstler seiner Phantasie freien Lauf gelassen. Staunend betrachtete Florin ein Exemplar, das über und über mit Seerosen bemalt war. Oben auf dem Deckel thronte ein freundlicher Froschkönig. Verschämt kratzte er dem Tierchen den grün gesprenkelten Rücken.
»Ist so was überhaupt erlaubt?«
»Es geht alles, was keine Giftstoffe freisetzt«, sagte Theo aufmunternd. Erst vor Kurzem hatten sie die Asche eines eingefleischten St.-Pauli-Fans in einer Urne bestattet, die mit dem Vereinsemblem geschmückt war: ein Totenkopf auf schwarzem Grund. »War Opa ein Pirat?«, hatte der vierjährige Enkel des Verstorbenen mit leuchtenden Augen gefragt und so für ungewohnte Heiterkeit am Grab gesorgt.

 

»Fällt Ihnen vielleicht etwas ein, das Sie besonders mit Ihrer Mutter verbinden?«
Erik schüttelte bedauernd den Kopf. »Wissen Sie, wir standen uns nicht besonders nahe, meine Mutter und ich.« Dann hellte sich sein Gesicht auf: »Afrika«, sagte er dann enthusiastisch, »Anna hat viel Zeit für ›Ärzte ohne Grenzen‹ in Afrika verbracht. Vielleicht können Sie eine Urne mit afrikanischen Motiven bemalen lassen.« Doch dann verließ ihn wieder der Mut. Die Froschkönig-Urne in der Hand setzte er sich auf einen Holzblock.
»Ich weiß gar nicht, wie ich das alles schaffen soll«, stöhnte er. »Die ganze Beerdigung organisieren. Und was mache ich bloß mit der Wohnung?«
»Um Ersteres kümmere ich mich, und für die Wohnung, da hätte ich auch schon eine Idee.« Theo kramte eine Visitenkarte aus den Tiefen seiner Brieftasche. ›Lars Hansen – Antiquitäten, Wohnungsauflösungen, Entrümpelungen aller Art‹, stand darauf. »Unser Sargkünstler hier hat nämlich noch eine weitere Einkommensquelle.«

Christiane Fux

Über Christiane Fux

Biografie

Christiane Fux, Jahrgang 1966, ist in Hamburg aufgewachsen und hat dort Germanistik mit den Schwerpunkten Journalistik und Psychologie studiert. Vor 20 Jahren hat es sie nach München verschlagen, wo sie in ihrer Freizeit auf die umliegenden Berge klettert. Sie schreibt als Medizinredakteurin für...

Weitere Titel der Serie »Theo-Matthies-Reihe«

In ihrer Reihe schickt Christiane Fux den jungen Bestatter Theo Matthies auf Verbrecherjagd. In Hamburg wird er bei seiner Arbeit immer wieder mit Ungereimtheiten konfrontiert und beweist bei der Aufklärung der Fälle kriminalistisches Geschick.

Pressestimmen

Hessische/Niedersächsische Allgemeine

»Vielschichtig, tiefgründig, bedeutsames Thema! Hoffentlich nicht der letzte Fall von Theo Matthies!«

Cellesche Zeitung

»Story, Figuren und Hintergrund – bei diesem Krimi stimmt so ziemlich alles.«

MDR Drei-Länder-Nacht

»Ein packender Krimi mit hinreißenden, quicklebendigen Figuren; rasant erzählt, witzig aufgepeppt und – mit überraschenden Wendungen, die sich gewaschen haben.«

news - Stadtmagzin Bielefeld

»Das Krimi-Debüt (...) fesselt vor allem durch den historischen Hintergrund des Verbrechens, aber auch durch den außergewöhnlichen und sympathischen Ermittler sowie seine Freunde, von denen man gerne mehr lesen möchte.«

Buchkultur (A)

»Lokalkolorit wird fein dosiert eingesetzt, man freut sich am durchgehaltenen Spannungsbogen, gut recherchierten Fakten, einem originellen Fahnder.«

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