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Das Labyrinth der Liebe

Das Labyrinth der Liebe

Roman

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Das Labyrinth der Liebe — Inhalt

 Aufgewachsen in Pflegefamilien und Waisenhäusern, teilen die Sängerin Celeste und der Saxofonist Ted die gleiche schwere Vergangenheit. Doch sie haben einander, und daran wird sich bis an ihr Lebensende auch nichts ändern. Denn ihre Liebe ist unerschütterlich, dessen sind sie sich sicher. Doch als Ted bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wird, hängt ihre gemeinsame Zukunft plötzlich am seidenen Faden. Tag für Tag ringt der Musiker im Krankenhaus um sein Leben, und Tag für Tag sitzt Celeste an seiner Seite. Sie kann den Gedanken nicht ertragen, dass der einzige Mensch, den sie jemals geliebt hat, stirbt. Da unterbreitet man ihr einen ungewöhnlichen Vorschlag …

 

€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 13.10.2014
Übersetzt von: Anja Rüdiger
160 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96731-0

Leseprobe zu „Das Labyrinth der Liebe“

Lessa


Ich habe das Bild noch deutlich vor Augen: Es war gerade erst fünf Uhr nachmittags, aber es wurde bereits dunkel, und Schnee lag in der Luft; man konnte es riechen, es roch frisch, nach Schnee, nach Winter.

Ich weiß nicht, warum er mir auffiel, während ich am Ausgang der U-Bahn auf Nanni wartete, wahrscheinlich weil er gut aussah und irgendwie seltsam. Er klammerte sich an den Lenker seines Fahrrads, als hätte er sich verirrt, als hätte er mitten auf dem einsamen Ozean irgendeinen Anfall erlitten, als hätte er Angst, wenn er das Fahrrad losließ, [...]

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Lessa


Ich habe das Bild noch deutlich vor Augen: Es war gerade erst fünf Uhr nachmittags, aber es wurde bereits dunkel, und Schnee lag in der Luft; man konnte es riechen, es roch frisch, nach Schnee, nach Winter.

Ich weiß nicht, warum er mir auffiel, während ich am Ausgang der U-Bahn auf Nanni wartete, wahrscheinlich weil er gut aussah und irgendwie seltsam. Er klammerte sich an den Lenker seines Fahrrads, als hätte er sich verirrt, als hätte er mitten auf dem einsamen Ozean irgendeinen Anfall erlitten, als hätte er Angst, wenn er das Fahrrad losließ, im Meer der Menschen zu ertrinken.

Später, als wir die Kärtner Straße entlang in Richtung Oper gingen und uns darüber unterhielten, was wohl mit ihm los gewesen war, meinte Nanni, dass wir ihn um seine Handynummer hätten bitten sollen, und ohne zu wissen, warum, musste ich bei der Vorstellung lachen.

„Ich dachte, du willst eine gute Partie machen“, erinnere ich mich, gesagt zu haben. „Der arme Junge arbeitet für einen Botendienst. Damit kann man nicht reich werden. Mit dem, was er verdient, wird er dir nie die schicke Wohnung und die teure Kleidung kaufen können, die du dir wünschst. Außerdem bist du doch mit Lukas verabredet, oder?“

„Vielleicht studiert er Medizin und jobbt nebenbei als Paketbote“, fuhr Nanni fort, ohne auf meine Worte zu achten. „Und irgendwann ist er plastischer Chirurg und verdient sich eine goldene Nase.“

„Kehr um, wenn du möchtest, ich warte hier auf dich.“

„Na, du hast leicht reden, du hast ja einen Freund …“

Ich konnte mir ein glückliches Lächeln nicht verkneifen. Ted war nicht nur seit einem Jahr, zwei Monaten und achtzehn Tagen mein Freund. Ted war alles für mich, genau wie ich für ihn. Und alle wussten es.

Wir waren gerade unterwegs, um ihm ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen, ein Geschenk, für das ich das ganze Jahr gespart hatte, und danach, um halb acht, würden wir in das Lokal gehen, in dem er und seine Band an diesem Abend spielten.

Auch ich würde bald achtzehn Jahre alt werden, und obwohl ich mich – so wie jedes Mädchen in meinem Alter – leicht beunruhigt fragte, was die Zukunft wohl bringen würde, wollte ich mir nicht allzu viele Gedanken deswegen machen. Die Heimleiterin hatte mir versichert, ich könne wohnen bleiben, bis ich ein Studentenzimmer gefunden hatte, das ich mir von meinem Stipendium leisten konnte. Sie hatte sogar angedeutet, dass ich mir, wenn ich bereit wäre, mich ein wenig um die kleineren Kinder zu kümmern, etwas dazuverdienen könne, wobei sich das Waisenhaus natürlich nicht allzu viele Zusatzkosten erlauben konnte. Und zu helfen war für mich immer selbstverständlich gewesen. Nicht nur das, sondern es hatte mir auch die Sicherheit gegeben, die ich brauchte.

Andere Menschen haben Eltern, Geschwister, eine Familie. Wir nicht. Nanni, Ted, all unsere Freunde … wir haben nur uns. Daher ist es wichtig, dass wir den Kleineren das geben, was wir gern gehabt hätten.

In Kürze würde ich die Matura machen und mein Studium am Konservatorium beginnen, an dem ich im letzten Frühjahr die Aufnahmeprüfung bestanden hatte. Ich würde mich voll auf mein Gesangsstudium konzentrieren und nach und nach meinen Platz in der Gesellschaft finden, zu der ich bisher nie gehört hatte, weil meine Eltern mich aus irgendwelchen Gründen gleich nach meiner Geburt weggegeben hatten.

Nie habe ich erfahren, wer sie waren oder woher ich komme. Im Heim wird erzählt, dass die Leitung, wenn einer der Bewohner achtzehn wird und die Schule abschließt, alles über dessen Herkunft preisgibt, was sie weiß, oder ihm zumindest die eigene Akte zu lesen gibt.

Ich glaube nicht, dass das stimmt, und ich weiß auch nicht, ob ich etwas über meine Herkunft erfahren wollte, wenn dem so wäre. Was würde es bringen?

Ich hatte Ted, der genauso war wie ich, der auch nicht wusste, woher er kam und wer seine Eltern waren. Ted, der mich liebte, so wie ich ihn liebte. Ohne Fragen. Bedingungslos. Ted, der alles für mich war.

 

 

Ted


Ich habe sie gleich gesehen, als sie kamen – zu spät, wie immer –, und hätte mich vor Lachen beinahe an meinem Saxofon verschluckt. Nanni hatte Schuhe mit hohen Absätzen an, auf denen sie kaum laufen konnte, und wäre fast die beiden Stufen hinuntergefallen, die von der Eingangstür in den Bereich vor der Bühne hinunterführten, in dem die Tische standen. Natürlich haben alle zu ihr rübergesehen, zuerst erschreckt, dann lächelnd. Zu ihr und Les.

So als wären sie wie alle anderen. Als wären sie einfach nur zwei hübsche, ein wenig verrückte Mädchen, das eine blond, das andere dunkelhaarig. Als wäre Les eine ganz normale Frau und nicht das wunderbarste Wesen auf der Welt.

Manchmal kam es mir seltsam vor, dass es anderen nicht auffiel. Wie war es möglich, dass sie nicht bemerkten, dass sie nicht einfach nur hübsch war, sondern sensationell aussah? Natürlich war das ein Glück für mich, weil so alle unsere Freunde sich für uns freuten und noch nie jemand versucht hatte, sie mir auszuspannen; zumindest nicht, dass ich wüsste.

Wie immer, wenn ich sie sah, spürte ich einen Klos im Hals und Schmetterlinge im Bauch. Doch ich versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen, und spielte weiter, als wäre nichts, obwohl ich den Blick nicht von der Ecke des Lokals abwenden konnte, wo sie und Nanni sich zu unseren Freunden gesetzt hatten, als wäre Les ein strahlender Scheinwerfer, der alles andere in den Schatten stellte.

Sie war mein Licht, das einzige Licht in meinem ganzen Leben.

Vor fünfzehn Monaten noch hätte ich nie geglaubt, dass mir so etwas je passieren könnte. Ich bin immer ein Einzelgänger gewesen, und seit ich dreizehn, vierzehn Jahre alt war, hatte ich mich noch mehr von den anderen zurückgezogen; für mich gab es nur meine Musik, sodass ich ununterbrochen übte, immer, wenn es möglich war, um mehr und mehr Instrumente spielen zu lernen, mit jedem, der mir etwas beibringen konnte; wobei das Instrument, auf dem meine Hoffnungen für die Zukunft ruhten, die Geige war, denn ein wirklich guter Violinist konnte eine Festanstellung in einem Orchester erlangen und sich den Lebensunterhalt als Berufsmusiker verdienen.

Im Moment spielte ich jedoch hauptsächlich Saxofon und Klavier. Allmählich machten wir uns einen Namen und verdienten ein wenig mit gelegentlichen Gigs und den Auftritten jeden Dienstagabend im Averno. Obwohl wir dort erst seit drei Wochen regelmäßig von sieben bis zehn spielten, hatten wir uns schon ein ziemlich treues Publikum erobert, sodass der Besitzer mit uns zufrieden war. Und es kamen nicht nur Leute in unserem Alter; diesmal waren auch ein paar ältere Männer dabei, die wirklich etwas von der Sache verstanden und, mit einem Glas Whisky in der Hand, begeistert zuhörten. Einer von ihnen war mir aufgefallen, weil er Rotwein trank, was hier selten vorkam, und mir eine ganze Weile mit anerkennendem Blick beim Spielen zugesehen hatte. Was er sah und hörte, schien ihm außerordentlich zu gefallen, bis er plötzlich aufstand – entweder hatte sein Handy geklingelt, oder er wollte eine Zigarette rauchen – und in dem Gang verschwand, der zu den Toiletten und zur Hintertür führte.

In derartigen Momenten träumte ich gern von der Zukunft, sah lukrative Verträge, Konzerte im Blue Note und ein glückliches, erfülltes Leben vor mir, das ganz der Musik gewidmet war; Les und ich würden zusammen die Welt erobern.

Sie sah mich mit einem Lächeln an, das beinahe dazu führte, dass ich das Saxofon weglegte und mich in ihre Arme stürzte, nur um zu spüren, dass es wahr war, dass es sie wirklich gab, dass sie da war und tatsächlich zu mir gehörte, mich liebte.

Schon immer habe ich mich darüber gewundert, dass viele Frauen denken, uns Männern wären Gefühle, vor allem die Liebe, nicht wichtig. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Es ist uns so wichtig, geliebt zu werden, wir sehnen uns so sehr danach, dass wir es verbergen müssen, damit die Frauen nicht merken, wie leicht sie uns manipulieren können.

Ich erinnere mich daran, dass ich mit geschlossenen Augen – es gibt Stücke, die man nur mit geschlossenen Augen spielen kann – die letzten Takte von Just You in My Life erklingen ließ, einem Song, den ich für Les geschrieben hatte, und als ich die Augen wieder öffnete, sah sie mich an. Da habe ich gedacht, dass ich trotz allem, trotz meiner miserablen Kindheit und all der vielen Momente, in denen ich vor Elend geheult habe, das große Los gezogen hatte, weil all das zu diesem Moment geführt hatte, zu diesem Blick von ihr.

Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen, an ihre glänzenden Augen, ihr stolzes Lächeln, ihre Hand, mit der sie über den Anhänger strich, den ich ihr zu unserem Jahrestag geschenkt hatte.

Diesen Moment werde ich nie vergessen, denn in diesem Augenblick war ich absolut glücklich. Es war genau eine Woche vor meinem Geburtstag – und genau eine Woche, bevor der Albtraum begann.

Elia Barceló

Über Elia Barceló

Biografie

Elia Barceló, in Elda bei Alicante geboren, lebt seit vielen Jahren in Innsbruck, wo sie an der Universität spanische Literatur unterrichtet hat. Sie ist mit einem Österreicher verheiratet und hat zwei Kinder. Bereits mit ihrem ersten auf Deutsch erschienenen Buch „Das Geheimnis des Goldschmieds“,...

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