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Das geheime Rezept der Familie OlivaresDas geheime Rezept der Familie Olivares

Das geheime Rezept der Familie Olivares

Roman

Taschenbuch
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Das geheime Rezept der Familie Olivares — Inhalt

Ihr Vater benennt nach jedem seiner Kinder eine Kaffeemischung und ihre Mutter liest den Kunden die Zukunft aus dem Kaffeesatz. Die junge Genziana möchte eigentlich nur die elterliche Kaffeerösterei weiterführen und ein bisschen vielleicht auch die Liebe des Nachbarjungen Medoro gewinnen. Doch im Palermo der Vierzigerjahre scheint das fast aussichtslos. Es ist Krieg und Medoro kämpft im Widerstand ....

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 01.04.2016
Übersetzt von: Verena von Koskull
320 Seiten, Broschur
EAN 978-3-8333-1061-4
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 30.03.2015
Übersetzt von: Verena von Koskull
320 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7778-3
»Stimmungsvoller Roman, der eindrücklich die Verhältnisse in Italien der 1940er Jahre lebendig werden lässt.«
Der Evangelische Buchberater

Leseprobe zu »Das geheime Rezept der Familie Olivares«

Der Drache

Orlando füllte den winzigen Laden in der Via Discesa dei Giudici fast vollkommen aus. Er war einfach riesig, so beengt es auch sein mochte. Wenn man ihn nicht kannte, konnten seine bullige Statur und sein hitziges Temperament einem Bange machen. Wusste man ihn aber zu nehmen, war er ein Segen: Er besaß ein gütiges Wesen und ein weites Herz. Zwei sinnliche, ausladende Kurven - die eine gewölbt wie ein Bauch, die andere plateauähnlich aufragend wie ein Hinterteil - gaben ihm etwas Solides und Verlässliches. Aus dem runden Kopf ragte ein [...]

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Der Drache

Orlando füllte den winzigen Laden in der Via Discesa dei Giudici fast vollkommen aus. Er war einfach riesig, so beengt es auch sein mochte. Wenn man ihn nicht kannte, konnten seine bullige Statur und sein hitziges Temperament einem Bange machen. Wusste man ihn aber zu nehmen, war er ein Segen: Er besaß ein gütiges Wesen und ein weites Herz. Zwei sinnliche, ausladende Kurven - die eine gewölbt wie ein Bauch, die andere plateauähnlich aufragend wie ein Hinterteil - gaben ihm etwas Solides und Verlässliches. Aus dem runden Kopf ragte ein schmales, zylinderhutähnliches Rohr. Ein gedrungener, an mehreren Punkten verengter Hals verband das Haupt mit dem massigen Körper. Die Unproportioniertheit seiner Formen stand der Harmonie seiner Funktion zuwider. Er war hässlich, und sein flaches Gesicht blickte beängstigend finster drein. Je nach Röstphase fingen seine Augen an zu funkeln und zu glühen und sein Blick bekam etwas Diabolisches, was an den in der Hitze wirbelnden Bohnen lag. »Hässlich, aber unwiderstehlich«, verteidigte ihn der alte Olivares, der seine gesamten Ersparnisse in dieses Ungeheuer gesteckt hatte. Orlando strahlte eine geheimnisvolle Kraft aus. Tief in seinen Eingeweiden brodelte urzeitliche Energie. Der drohend verzogene Mund nahm die gesamte Breite des kantigen Kiefers ein. Die Unterlippe, ein riesiges, konkav gewölbtes Blech, stülpte sich steil nach vorn, bereit, zuzuschnappen. Doch war dieser moderne Titanosaurus kein Fleischfresser, er liebte Holz, vertilgte Kohle und verschlang Papier. Obgleich er als autonomes Wesen unter der Knechtschaft litt, hatte er nie den Aufstand geprobt und war treu wie ein Hund. Grunzend, murrend und rasselnd tat er seine Arbeit. Nicht nur das Überleben der Familie Olivares hing von ihm ab, deren männliche Mitglieder einander seit Generationen die Kunst des Kaffeeröstens weitergaben, sondern auch das Wohl des gesamten Viertels, schließlich war die Rösterei ein wichtiger Arbeitgeber. Doch nur einer durfte diesen mechanischen Prometheus bedienen. Gewissenhaft wie ein Arzt umsorgte Giovanni mit Handschuhen und Schmieröl den ausgeklügelten Mechanismus, der Orlando am Leben hielt, um ihn vor Verschleiß zu schützen. Sanft wischte er austretende Flüssigkeiten fort, trocknete jede Ritze und setzte alles daran, jedweden Pannen oder Störungen, die die Güte des Kaffees beeinträchtigen könnten, zuvorzukommen. Wie bei einem Opferritual fütterte er den großen Heizkessel, auf dem der Drache thronte, mit Reisigbündeln, Obstkisten, Pappschachteln, Altpapier, trockenem Laub und Lumpen. Die Flammen mussten konstant bleiben, damit die Temperatur nicht absackte und die Röstung zur faden Dampfgarung verkam. »Hier wird Kaffee geröstet und kein Mais gekocht!«, rief Giovanni und starrte in das rote Flackern, das durch die Ritzen der Feuerung blitzte.

 

1

In der vormorgendlichen Stille verkündete das Prasseln der Flammen den Familien der Discesa dei Giudici den Tagesanbruch. Während der Drache seine Eingeweide wärmte, schleppte der Laufjunge die prallen Säcke aus dem nahegelegenen Lager in der Via degli Schioppetieri herbei und zerrte sie über die marmornen Gehwegplatten. Ein sinnliches Schleifgeräusch erfüllte die Straße, bis die Jute über die Ladenschwelle scharrte und lautlos über den Terrazzoboden glitt. Mit einem Schwung wurden die rohen Bohnen in den Fülltrichter gekippt, der wie ein drolliger, deckelloser Hut auf Orlandos hirnlosem Kopf saß. Ein Geruch nach frischem Salat erfüllte den Raum, brachte die Mägen der Anwesenden zum Knurren und ließ ihnen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die Bohnen vollführten einen wirbelnden Tanz, glitten geschmeidig fließend die eiserne Kehle hinab, sammelten sich in Orlandos heißem Bauch und wechselten die Farbe. Das kränkliche Grün wurde zu Gold, dann zu Kupfer und schließlich zu Bronzebraun. Ein leises, für das ungeschulte Ohr nicht wahrnehmbares Seufzen meldete, dass die Rüstung fast fertig war. Giovanni machte sich bereit. Während dieser heiklen Phase konnte die kleinste Unaufmerksamkeit alles verderben. Das Herz des Mannes und das der Maschine schlugen im Gleichtakt, keuchend, schnaufend und seufzend holten ihre Atemzüge einander ein und wurden schließlich eins. Dort, wo die linksseitige Rundung der Metallwange in die Senkrechte überging, prangte ein kleiner, geradezu schelmisch wirkender Leberfleck im grimmigen Antlitz des Drachen. Es war der Griff des schmalen Schäufelchens, das sich wie ein langer Keil in den Drachenleib bohrte, um Probebohnen zu entnehmen und den Röstgrad zu kontrollieren. Als Giovanni mit seinen großen, kräftigen Fingern mehrmals rüttelnd daran zog, entstand ein zikadenartiges Zirpen. Rauchschwaden verhüllten die Bohnen und ein feiner, öliger Film beschlug Giovannis Brille. Mit einer jähen Bewegung zerdrückte er eine Bohne wie eine Laus zwischen Daumen und Zeigefinger, verbrannte sich, fluchte laut, wedelte mit den Fingern und stieß das Schäufelchen mit der anderen Hand in seinen Schacht zurück. Dann legte er das Ohr horchend wie eine Hebamme an den Drachenbauch. Ein dumpfes Dröhnen erscholl, dann ein vielfaches Krack, und ein unablässiges, scharfes Peitschen erfüllte die Luft. »Es ist soweit!«, rief Giovanni, und in seiner Stimme lag ein erregtes Zittern. Dies war der entscheidende Moment. Blitzschnell drehte Giovanni an einer Kurbel und der Drache sperrte sein Maul auf und fing an zu spucken. Der geröstete Kaffee prasselte in eine riesige Pfanne wie Hagel aufs Straßenpflaster. Vier kräftige Schaufeln begannen sich zu drehen und durch die braunen Bohnen zu pflügen, bis ein glänzender Schimmer sie überzog. Als der Dampf verflog, erhob sich ein fröhliches, in der Rösterei „Kaffeegesang“ genanntes Murmeln, das, begleitet von einem unwiderstehlichen Duft, in wenigen Sekunden zur Tür hinaus war und sich im gesamten Viertel verteilte, den Bleichlaugegestank der benachbarten Wäscherei vertrieb und sich mit dem Geruch nach Elend mischte, der aus den Mauern des Tribunali-Viertels sickerte. Mit Schweißerhandschuhen, die ihm bis zu den Ellenbogen reichten, vergrub Giovanni die Arme in der dunklen, duftenden Masse und stieß einen sehnsüchtigen Seufzer aus: Könnte er doch in diesem Meer ertrinken. Zufrieden ließ er die Bohnen durch die Finger gleiten, pickte sich die größten heraus und steckte sie in die Taschen. Kaum hatte sich der letzte weiße Dampf verzogen, war Orlando nicht mehr das furchterregende Ungeheuer im zwielichtigen Tagesgrauen, sondern eine zitterig erschöpfte Wöchnerin. Das Feuer verglomm und der Senfton seines Panzers wechselte zu Glutorange. Seine Augen wurden matt, das zahnlose Maul war in einem seligen Lächeln geöffnet und sein Bauch grummelte und gurgelte wie nach einer Magenverstimmung. Leer und benommen stieß der Drache ein paar letzte Rülpser aus und fiel ächzend in den Schlaf. Wie steif gewordene Gelenke knarrten die Bolzen vor sich hin, während der Laden sich mit dem geschäftigen Kommen und Gehen der Kunden belebte. Giovanni trocknete sich den Schweiß, schlüpfte in ein sauberes Hemd, strich sich das Haar zurecht, verzog den schmalen Mund zu einem strahlenden kleinen Lächeln und stieg, die Taschen voll der besten Bohnen, die Treppe des Hauses neben der Rösterei hinauf. Viola Olivares stand ganz oben in der Wohnungstür und erwartete ihn. In einen roten, mit kleinen goldenen Stickereien verzierten Morgenmantel gehüllt, das Haar um das hübsche Gesicht zerzaust, die Lider noch halb verschlossen vor dem kommenden Tag, hielt sie ihm die hohlen Hände entgegen. Die Bohnen glitten durch ihre weißen Finger und verschwanden in der dunklen, eisernen Kaffeemühle. Eilends machte sich die versierte Kaffeesatzleserin Viola Olivares daran, eine Kanne türkischen Kaffee aufzusetzen. Ihre geheimnisvolle Gabe, das Schicksal auf dem Grund einer Tasse zu lesen, hatte ihr den Respekt des gesamten Viertels sowie den Titel „Principessa der[1] Quattro Mandamenti eingebracht.

Giuseppina Torregrossa

Über Giuseppina Torregrossa

Biografie

Giuseppina Torregrossa wurde 1956 in Palermo geboren, studierte Medizin in Rom und arbeitete dort viele Jahre als Gynäkologin. Mit dem Bestseller "Il conto delle minne" (dt. "Kirschen auf Ricottaschnee") feierte sie ihren Durchbruch als Autorin."Die Kaffeerösterin", ihr vierter Roman, ist ihr...

Pressestimmen

Der Evangelische Buchberater

»Stimmungsvoller Roman, der eindrücklich die Verhältnisse in Italien der 1940er Jahre lebendig werden lässt.«

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