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Das Ende der Männer

Das Ende der Männer

und der Aufstieg der Frauen

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Das Ende der Männer — Inhalt

Ist die jahrtausendealte Herrschaft des Patriarchats am Ende? Noch nicht, sagt Hanna Rosin, doch die massiven Veränderungen der Berufswelt und des Bildungssystems haben eine Dynamik in Gang gesetzt, die das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nachhaltig verändert. So scheinen viele Anforderungen der modernen Dienstleistungsgesellschaft – Flexibilität, soziale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit – eindeutig Frauen in die Hände zu spielen, während Männer oft von den Umwälzungen überfordert sind. Hanna Rosin zeigt – frei von ideologischen Prämissen –, wie sich heute das Leben von Männern und Frauen unterscheidet, wie sehr sich die Art und Weise geändert hat, wie heute gearbeitet, gelernt, zusammengelebt wird. Differenziert und mit vielen konkreten Beispielen gelingt es Rosin, die Chancen und Schattenseiten des »weiblichen Jahrhunderts« in den Blick zu nehmen. "Das Ende der Männer" ist keine feministische Streitschrift, keine Prophezeiung, sondern eine messerscharfe, weitsichtige Diagnose.

€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 15.01.2013
Übersetzer: Helmut Dierlamm, Heike Schlatterer
400 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7630-4
"Hanna Rosin hat ein vorzügliches Buch geschrieben. Angenehm ist auch ihre Empathie für beide Geschlechter; sie vermeidet jedwede Idealisierungen oder Diabolisierungen, die die gegenwärtige Sexismus-Debatte in Deutschland so eifrig wie unproduktiv transportiert. Rosin spricht auch vieles an, was bisher ignoriert oder auch tabuisiert worden ist. Dazu gehört, dass Männlichkeit - traditionell verstanden - immer mehr zu einem sozialen Problemfall wird."
Der Tagesspiegel
"'Das Ende der Männer': Derlei Überschriften dienen als provokante Hingucker, die für Auflage sorgen. Doch auch in diesem Fall ist die Analyse vielschichtiger als der Titel. Rosin hat ein spannendes und gut recherchiertes Buch vorgelegt. Sie liefert damit wichtige Denkanstöße für Frauen - und für Männer."
Deutschlandfunk "Andruck"
"[...] die vielfach preisgekrönte Autorin argumentiert viel differenzierter, als es der marktschreierische Titel vermuten lässt. Rosins Buch ist keineswegs nur eine feministische Kampfschrift, sondern eine manchmal stark zugespitzte, aber in der Sache oft kluge und wissenschaftlich gut unterfütterte Beschreibung der ökonomischen Verhältnisse in den postindustriellen Gesellschaften von heute."
Hannoversche Allgemeine Zeitung
"Mit der Ansage 'Das Ende der Männer' hat die bislang nur der linksliberalen US-Meinungselite bekannte Journalistin Hanna Rosin die Diskurswippe in der Genderdebatte wieder hoch- und auf ein hohes Niveau geschaukelt."
profil
"Tatsächlich ist das Bemerkenswerte an Rosins Buch, dass es nichts fordert, nichts beklagt, nichts bewertet. Es liegt keine Häme in ihrem Ton und kein Überlegenheitsgefühl."
Die Welt am Sonntag
„Das Buch hat eine Debatte losgetreten. Der Mann überflüssig? In einer Wirtschaft, der er geschaffen hat? … Hanna Rosin hat eine erstaunliche Utopie: Männer und Frauen, liebevoll kooperierend. In einer Ehe des neuen Typs, einer Wippe: Mal hebt der eine ab, mal der andere.“
Die Zeit
"Wer in einem Buch mal eben 'Das Ende der Männer' ausruft, muss mutig sein. Und clever. Die US-Autorin Hanna Rosin hat mit ihrem provokanten Titel genau ins Schwarze getroffen und die Geschlechterdebatte neu befeuert. [...] Wir freuen uns schon auf das nächste Debatten-Thema aus Rosins Feder!"
Brigitte.de
"Die israelisch-amerikanische Autorin Hanna Rosin, 42, diagnostiziert eine Identitätskrise des starken Geschlechts. Männer erklärt sie zu den Verlierern der Wirtschaftskrise, weil sie zu starr und unflexibel seien."
Der Spiegel
„Das Thema Männer erledige sich von selbst, meint die US-Journalistin Hanna Rosin. In ihrem neuen Buch „Das Ende der Männer“ fasst sie zusammen, warum die Wirtschaft keine Männer mehr braucht: Sie sind schlechter in der Schule, machen weniger Hochschulabschlüsse, ihre typischen Jobs sterben aus, und in den USA bestreiten die Frauen schon jetzt die Hälfte des Haushaltseinkommens."
Cosmopolitan
"'The End of Men' heißt das Buch, das Rosin vor einigen Wochen veröffentlicht hat. Das ist ein so verherrender wie genialer Titel, und das Schlimme daran: Er ist nicht, wie üblich unter Feministinnen, eine Forderung. Er ist eine Feststellung."
Der Spiegel

Leseprobe zu »Das Ende der Männer«

Einleitung
Diese Welt hat immer den Männern gehört: Keiner der Gründe,
die dafür angegeben werden, erscheint ausreichend.
Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht


Im Jahr 2009 bemerkte ich in der Küstenstadt, wo ich mit
meiner Familie seit Jahren Urlaub machte, etwas Seltsames:
Wenn ich mich von den gemieteten Häusern der Urlauber
entfernte und zum Beispiel zum Supermarkt oder zur Eisdiele
ging, sah ich kaum noch Männer. Auch am Samstagabend auf
dem Rummelplatz waren kaum welche da, und am Sonntagmorgen
auf den Parkplätzen vor den Kirchen stiegen kaum
mehr [...]

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Einleitung
Diese Welt hat immer den Männern gehört: Keiner der Gründe,
die dafür angegeben werden, erscheint ausreichend.
Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht


Im Jahr 2009 bemerkte ich in der Küstenstadt, wo ich mit
meiner Familie seit Jahren Urlaub machte, etwas Seltsames:
Wenn ich mich von den gemieteten Häusern der Urlauber
entfernte und zum Beispiel zum Supermarkt oder zur Eisdiele
ging, sah ich kaum noch Männer. Auch am Samstagabend auf
dem Rummelplatz waren kaum welche da, und am Sonntagmorgen
auf den Parkplätzen vor den Kirchen stiegen kaum
mehr welche aus den Autos, wie sie es in früheren Zeiten getan
hatten. Wir waren in einer wohlhabenden Arbeiterstadt,
in der eines der wichtigsten Gewerbe immer der Bau gewesen
war. Ich erinnerte mich, dass in früheren Jahren selbst an
Samstagen Gruppen von Männern in Pick-ups die Hauptstraßen
entlangfuhren. Jetzt aber waren kaum mehr Pick-ups
unterwegs, aber viele Chevys und Toyotas mit Frauen und
Kindern, die ihren Wochenendaktivitäten nachgingen.
Eines Nachmittags stieß ich bei einem hektischen Einkauf
im Supermarkt mit dem Einkaufswagen einer anderen Frau
zusammen. Dabei fielen ein paar Müsliriegel zu Boden, die
auf einer Riesenpackung Cheerios gelegen hatten. Ich entschuldigte
mich, und sie verzieh mir. Ja, sie entpuppte sich sogar als eine gesprächsbereite Fremde. Sie hieß Bethenny und
sagte, sie sei neunundzwanzig und betreibe in ihrem Haus eine
Kindertagesstätte (deshalb die Riesenpackung Frühstücks-
Cerealien). Außerdem studierte sie, um einen Abschluss als
Pflegekraft zu machen, und sorgte für eine zehnjährige Tochter.
Weil sie so entgegenkommend war, wagte ich mich näher
an den Kern der Sache. Ob sie verheiratet sei?, fragte ich.
Nein. Ob sie gern verheiratet wäre? Irgendwie schon, sagte
sie. Dann gab sie einen halbironischen Wunschtraum über
einen Doppelgänger von Ryan Reynolds zum Besten, der auf
einem weißen Pferd oder vielleicht auch nur in einem weißen
Chevy daherkommt. Ob es denn irgendeinen normalsterblichen
Mann gebe, der für diese Rolle in Frage komme. »Na
ja, da ist Calvin«, sagte sie und meinte damit den Vater ihrer
Tochter. Sie schaute zu ihrer Tochter hinüber, warf ihr einen
Müsliriegel zu und beide lachten. »Aber mit Calvin hätten
wir zwei einfach einen Müsliriegel weniger.«
Bethenny hatte offenbar in vieler Hinsicht zu kämpfen. Als
ich sie an der Kasse wiedersah, stritt sie gerade wegen irgendwelcher
Gutscheine herum. Trotzdem war sie nicht gerade
der Typ der mitleiderregenden alleinerziehenden Mutter. Ihr
Lachen hatte echte Freude ausgedrückt, eine Art geheimes
Einverständnis mit ihrer Tochter, die Müsliriegel selbst zu
behalten. Ohne es direkt zu sagen, hatte sie mir zu verstehen
gegeben, was ihre Tochter offenbar schon verstanden und
akzeptiert hatte. Wenn sie Calvin auf Distanz hielt, blieb sie
Herrin im Haus, und wenn sie ein Maul weniger stopfen
musste, ging es ihr und ihrer Tochter vielleicht sogar besser.
Wie kam es, dass der Vater ihres Kindes so wenig Einfluss
auf sie hatte? Wie kam es, dass sein Wert gegen den einer
Süßigkeit aufgewogen werden konnte? Ich traute mich, sie
zu fragen, ob ich mit Calvin Kontakt aufnehmen dürfe, und
sie gab mir bereitwillig seine Telefonnummer.
Im Lauf der nächsten paar Monate sprachen Calvin und
ich alle paar Wochen miteinander. Dabei versuchte ich herauszufinden,
wie er so unsichtbar geworden war. Er war ein
netter, ernsthafter Mensch, und es war nicht schwer, ihn zu
mögen. Er erzählte von den vielen Jobs, die er schon gemacht
und gehasst hatte, und ich gab ihm gute Ratschläge in Bezug
auf die Arbeit und andere wichtige Dinge. (Zum Beispiel erklärte
ich ihm, wie man die Mikrowelle im 7-Eleven bedient,
eine permanente Quelle der Frustration, wenn er dort seine
Mittagsmahlzeit kaufte.) Ich kam auf den Gedanken, eine
Geschichte darüber zu schreiben, was im postindustriellen
Zeitalter mit Typen wie Calvin passierte, und hoffte, er könnte
mir vielleicht helfen, das Rätsel der fehlenden Männer zu
lösen.
Die Begriffe Mancession und He-cession für eine Rezession,
durch die vor allem Männer arbeitslos werden, hatten in
jenem Jahr eine wichtige Rolle in den Schlagzeilen gespielt.
Dabei sollte die etwas verkrampfte Eleganz der Wortschöpfungen
wohl die schmerzliche Tatsache erträglicher machen,
dass die Opfer dieser jüngsten ökonomischen Katastrophe
traditionelle Familienernährer wie Calvin waren. Ich fragte
mich, wie diese Männer, die schon von der Rezession der
1990er Jahre arg gebeutelt worden waren, fast 20 Jahre später,
nach dieser neuen Serie von Schlägen, wohl dastanden. Und
wie sie wieder in ein normales Leben zurückfinden würden.
Ich hoffte, so lange mit Calvin in Kontakt bleiben zu können,
bis er den Familieneinkauf wieder zahlen könnte und
nach Hause zurückkehren würde. Ein Teil von mir stellte
sich immer noch irgendeine ferne Zukunft vor, in der Calvin
und Bethenny wie in der Serie »Can this Marriage Be Saved«
aus dem guten alten Ladies’ Home Journal wieder zusammenkommen
und mit ihrer Tochter ein glückliches Trio bilden
würden, eine Zukunft, in der sich die Straßen der Stadt als
dramatischer Höhepunkt der Serie endlich wieder mit Männern
bevölkern würden.
Aber als ich meine Gespräche mit Calvin führte und das
Problem immer genauer recherchierte, entdeckte ich, dass ich
mit den falschen Fragen begonnen hatte. Calvin und seine
Freunde versuchten gar nicht mehr, in die Leben zurückzukehren,
die sie einst geführt hatten, weil es diese Leben
überhaupt nicht mehr gab. Ich verstand allmählich, dass sich
Wirtschaft und Kultur grundlegend verändert hatten, und
zwar nicht nur in Bezug auf die Männer, sondern auch in Bezug
auf die Frauen. Beide Geschlechter würden sich an eine
ganz neue Art, zu arbeiten und zu leben und sogar zu lieben,
anpassen müssen. Calvin würde nicht mit einem Chevy vorfahren
und seinen alten Platz am Kopf der Tafel wieder einnehmen,
weil dort schon Bethenny saß, ganz zu schweigen
davon, das sie die Monatsraten für die Hypothek, die Renovierung
der Küche und ihren eigenen Gebrauchtwagen zahlte.
Bethenny tat zu viel, aber es funktionierte, und sie hatte
ihre Freiheit. Warum sollte sie das alles aufgeben wollen?
Meine Geschichte handelte jetzt nicht mehr davon, wie
tief die Männer gesunken waren; diese Entwicklung war
schon seit mehreren Jahrzehnten im Gange und mehr oder
weniger abgeschlossen. Das neue Thema bestand darin, dass
die Frauen die Männer zum ersten Mal in der Geschichte in
vieler Hinsicht übertroffen hatten. Die Calvins und die Bethennys,
wir alle, hatten das Ende einer zweihunderttausendjährigen
Periode der Menschheitsgeschichte und den Beginn
einer neuen Ära erreicht, und es gab kein Zurück. Sobald ich
mich dieser Möglichkeit stellte, erkannte ich, dass es überall
Hinweise auf sie gab und wir alle nur durch jahrhundertelange
Gewohnheiten und Traditionen daran gehindert wurden,
sie zu sehen.
Nach vielen weiteren Interviews und Recherchen war ich
in der Lage, eine plausible Geschichte zu erzählen. Während
der großen Rezession ab 2007 waren drei Viertel der
7,5 Millionen Arbeitsplätze, die in den USA verloren gingen,
männliche Arbeitsplätze. Die am schwersten betroffenen
Branchen hatten in der weit überwiegenden Mehrheit
männliche Beschäftigte und ein ausgeprägtes Macho-Image:
Bau, Industrieproduktion, Finanzmanagement. Einige dieser
Arbeitsplätze entstanden wieder, aber insgesamt ist die
Veränderung weder zufällig noch vorübergehend. Durch die
Rezession wurde lediglich ein tiefgreifender wirtschaftlicher
Wandel erkennbar (und beschleunigt), der schon 30 Jahre und
in mancher Hinsicht sogar noch länger andauert.
Im Jahr 2009 waren in den USA zum ersten Mal in der
amerikanischen Geschichte mehr Frauen als Männer beschäftigt,
und die Frauen stellen auch heute noch etwa die
Hälfte der amerikanischen Beschäftigten. (Das Vereinigte
Königreich und mehrere andere Länder erreichten den Umschlagpunkt
ein Jahr später.) An allen Hoch- und Fachschulen
auf der ganzen Welt mit Ausnahme Afrikas sind Frauen
in der Überzahl. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel
kommen auf zwei Männer, die einen Bachelor of Arts machen,
jeweils drei Frauen. Von den 15 Kategorien von Tätigkeiten,
deren Zahl in den USA im kommenden Jahrzehnt
vermutlich am stärksten zunehmen wird, werden 12 primär
von Frauen
ausgeübt. Tatsächlich ist die US-Wirtschaft in
mancher Hinsicht mehr und mehr von einer Art rotierender
Schwesternschaft geprägt: Frauen werden berufstätig und
verlassen den Haushalt und schaffen damit Haushaltsjobs
für weitere Frauen. Unsere riesige notleidende Mittelschicht,
in der die Unterschiede zwischen Männern und Frauen am
größten sind, wird langsam zu einem Matriarchat, in dem die
Zahl der Männer sowohl unter den Beschäftigten als auch
in den Haushalten mehr und mehr schwindet und in dem
Frauen alle Entscheidungen treffen.
In der Vergangenheit waren die Männer vor allem wegen
ihrer Körpergröße und Körperkraft im Vorteil, aber in der
postindustriellen Wirtschaft ist Muskelkraft unwichtig geworden.
In einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft
werden genau die gegenteiligen Eigenschaften belohnt,
nämlich solche, die nicht so leicht durch Maschinen zu ersetzen
sind. Diese Eigenschaften – soziale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit,
die Fähigkeit, stillzusitzen und sich zu
konzentrieren – sind keine vornehmlich männlichen Skills, ja
sie scheinen sogar bei Frauen weiter verbreitet zu sein.
In den ärmeren Regionen Indiens lernen die Frauen
schneller Englisch als die Männer, um den Anforderungen
der neuen globalen Call-Center gerecht zu werden. In China
sind mehr als 40 Prozent der Privatunternehmen im Besitz
von Frauen; dort ist ein roter Ferrari das Statussymbol der
Unternehmerin. Im Jahr 2009 machten die Isländer Johanna
Sigurdardottir zu ihrer Ministerpräsidentin; sie wurde die
erste offen lesbisch lebende Staatschefin der Welt. Sigurdardottir
hatte das Ende des »Testosteronzeitalters« propagiert
und ihren Wahlkampf ausdrücklich gegen die männliche
Elite geführt, die ihrer Aussage nach das isländische Bankensystem
zerstört hatte.
Wirtschaftliche Veränderungen können kulturelle Verschiebungen
und Verzerrungen auslösen, und in einigen
Ländern hat die neue Spezies der Powerfrauen einen Schock
ausgelöst. In Japan herrscht helle Aufregung wegen der sogenannten
»Pflanzenfresser«, einer Schar junger Männer, die
sich weigern, mit Frauen auszugehen oder Sex mit ihnen zu
haben. Sie verbringen ihre Zeit lieber mit Gartenarbeit oder
der Organisation von Kaffeekränzchen und benehmen sich
wie Karikaturen des Weiblichen. Die Powerfrauen, vor denen
sie angeblich zu viel Angst haben, um mit ihnen auszugehen,
werden als »Fleischfresserinnen« und manchmal auch als »Jägerinnen
« bezeichnet. In Brasilien finden sogenannte »Tränenmänner
« immer mehr Verbreitung, kirchlich organisierte
Männergruppen, die die wachsende Anzahl von Männern
trösten, deren Frauen mehr verdienen als sie.
Diese Veränderungen reichen weit in die intimen Beziehungen
zwischen Paaren hinein und verändern weltweit die
Einstellung, die Männer und Frauen zu den Themen Liebe,
Ehe und Sex haben. In Asien, wo die Frauen immer mehr an
Macht gewinnen und sich mehr und mehr von dem traditionellen
kulturellen Ideal der perfekten Ehefrau distanzieren,
liegt das durchschnittliche Heiratsalter der Frau inzwischen
bei zweiunddreißig, und die Zahl der Scheidungen nimmt explosionsartig
zu. Das Missverhältnis zwischen traditionell gesinnten
Männern und fortschrittlichen Frauen hat zu einem
internationalen Heiratsmarkt geführt, auf dem Männer aus
der ganzen Welt Frauen suchen, deren Werte (noch) mit ihren
eigenen übereinstimmen. Im Westen bringen Frauen ihre
sexuellen Bedürfnisse inzwischen mit einer Offenheit zum
Ausdruck, die noch vor 20 Jahren unvorstellbar gewesen wäre.
In den Vereinigten Staaten sind die Veränderungen in den
Geschlechterbeziehungen je nach sozialer Schicht sehr unterschiedlich,
ja fast gegensätzlich. Dieser Punkt führt stets
zu Verwirrung, weshalb ich zwei Kapitel über eheliche Beziehungen
geschrieben habe und nicht nur eins. Unser Land
spaltet sich in zwei auseinanderstrebende Gesellschaften, die
jeweils durch bestimmte Ehestrukturen gekennzeichnet sind.
Die eine Gesellschaft besteht aus den 30 Prozent der Amerikaner,
die über einen Hochschulabschluss verfügen, und die
andere besteht aus allen anderen: aus den Armen, aus der
Arbeiterschicht und aus der Gruppe, die die Soziologen als
»mäßig gebildete Mitte« bezeichnen. Damit meine ich Personen,
die einen Highschool-Abschluss und eine gewerbliche
Ausbildung und manchmal auch Hochschulerfahrung haben,
aber keinen vollwertigen Hochschulabschluss besitzen.
In dieser großen zweiten Gruppe geht der Aufstieg der
Frau mit der langsamen Erosion der Institution Ehe und
sogar mit wachsendem Zynismus in Bezug auf die Liebe
einher. Während die Frauen in dieser Gruppe ihr Los langsam
verbessern, stellen sie zugleich höhere Anforderungen an
die Ehe: einen Mann, der wie Ryan Reynolds aussieht, mit
weißem Chevy. Doch die Männer aus ihrer Schicht werden
diesen Anforderungen nicht gerecht. Sie halten vielleicht
noch am traditionellen Ideal des männlichen Ernährers fest,
können es aber längst nicht mehr erfüllen. Aus dieser Schicht
stammen unsere romantischen Vorstellungen von Männlichkeit,
die seit Generationen die Texte der Countrysänger und
die Reden der Politiker inspirieren. Heute jedoch hält die
heranwachsende Generation dauerhafte Liebe für eine Fiktion,
die nur noch in diesen Popsongs und Reden überlebt hat.
In der gebildeten Klasse hat die neue wirtschaftliche
Macht der Frauen zu einer Renaissance der Ehe geführt.
Paare mit Hochschulabschluss sind viel flexibler in Bezug
darauf, wer welche Rolle spielt, wer wie viel Geld verdient,
und in gewissem Ausmaß auch darauf, wer die Kinderlieder
singt. Sie gehen über das Konzept der Gleichheit hinaus und
entwickeln ganz neue Ehemodelle. Diese neue Ehe, in der
das Verdienstverhältnis zwischen Mann und Frau vierzig zu
sechzig oder
achtzig zu zwanzig betragen und sich binnen ein
oder zwei Jahren durchaus umkehren kann, so dass jeder Partner
einmal die Befriedigung hat, mehr zu verdienen, nenne
ich »Ehe mit wechselnden Rollen«. Immer mehr Frauen aus
der Oberschicht werden eine Zeitlang Alleinverdiener, und
dank dieser neuen Freiheit bezeichnen viele dieser Paare ihre
Ehe als »glücklich« oder »sehr glücklich«. Schon eine »glückliche
« Ehe kann jedoch mit versteckten Komplikationen verbunden
sein. Als ich Paare aus dieser Schicht interviewte,
merkte ich, dass die Männer, selbst wenn sie das Kästchen für
glücklich ankreuzten, nicht annähernd so bereit oder scharf
darauf waren, eine neue Rolle auszufüllen, wie die Frauen.
Tatsächlich stieß ich bei all meinen Interviews immer wieder
auf ein Duo, das wie aus einem Comic entsprungen wirkte:
die »Plastikfrau« und der »Mann aus Pappe«. Die Plastikfrau
vollbringt schon ein ganzes Jahrhundert lang wahre Wunder
an Flexibilität. Sie hat zunächst fast gar nicht und dann nur bis
zur Ehe gearbeitet, dann auch während der Ehe und schließlich
auch als Mutter von Kindern und sogar von Säuglingen.
Wenn sie die Gelegenheit sieht, mehr zu verdienen als ihr
Mann, greift sie zu. Sobald sie sich in der Öffentlichkeit nicht
mehr damenhafter Zurückhaltung befleißigen muss, kann sie
durchaus einen Wirtshausstreit vom Zaun brechen. Wenn sie
damit durchkommt, bis weit über dreißig unverheiratet zu
bleiben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, tut sie
auch das. Und wenn die Zeiten sexuelle Abenteuerlust verlangen,
ist sie auch in dieser Beziehung aufgeschlossen.
Sie hat einen geradezu napoleonischen Eroberungsdrang.
Während sie sich eifrig Neues erschließt, hält sie zugleich am
Alten fest und produziert damit ein ganz neues Sortiment
existenzieller Zwickmühlen (zu viel Arbeit und zu viel häusliche
Verantwortung, zu viel Macht und zu viel Verwundbarkeit,
zu viel Nettigkeit und nicht genug Glück). Studien, die
die Karriere von Frauen verfolgen, nachdem sie den Master
of Business Administration gemacht haben, haben sogar eine
neue Superspezies der Plastikfrau entdeckt. Sie verdient mehr
als weibliche Singles und genauso viel wie Männer. Sie hat
Kinder, aber sie arbeitet so viel im Beruf, als ob sie keine hätte.
Sie ist die Mutantin, die von unserer Gesellschaft heute am
meisten belohnt wird, ein Mensch, der die alten weiblichen
und männlichen Pflichten gleichzeitig erfüllt, ohne dabei irgendwie
kürzerzutreten.
Der Mann aus Pappe hingegen ändert sich fast gar nicht.
Ein Jahrhundert kann vergehen, und sein Lebensstil und seine
Ziele sind immer noch fast die Gleichen. Viele Berufe,
in denen früher nur Männer tätig waren, werden heute auch
von Frauen ausgeübt, aber umgekehrt ist dies kaum der Fall.
Fast ein Jahrhundert lang beruhte der männliche Selbstwert
auf dem Beruf, den der Mann ausübte, oder auf seiner Rolle
als Familienoberhaupt. »Bergmann« oder »Kranführer« waren
früher vollständige Identitäten, die den Mann mit einer langen
Traditionslinie von Männern verbanden. Und sie schlossen
die Funktion als Familienoberhaupt mit ein.

Hanna Rosin

Über Hanna Rosin

Biografie

Hanna Rosin hat in Stanford studiert und arbeitet als Journalistin u. a. für SLATE, THE ATLANTIC, THE WASHINGTON POST und THE NEW YORKER. Ihre Beiträge wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet und stießen in den USA oftmals kontroverse Debatten an. Der Artikel »The End of Men« aus dem Jahr 2010...

Pressestimmen

Der Tagesspiegel

"Hanna Rosin hat ein vorzügliches Buch geschrieben. Angenehm ist auch ihre Empathie für beide Geschlechter; sie vermeidet jedwede Idealisierungen oder Diabolisierungen, die die gegenwärtige Sexismus-Debatte in Deutschland so eifrig wie unproduktiv transportiert. Rosin spricht auch vieles an, was bisher ignoriert oder auch tabuisiert worden ist. Dazu gehört, dass Männlichkeit - traditionell verstanden - immer mehr zu einem sozialen Problemfall wird."

Deutschlandfunk "Andruck"

"'Das Ende der Männer': Derlei Überschriften dienen als provokante Hingucker, die für Auflage sorgen. Doch auch in diesem Fall ist die Analyse vielschichtiger als der Titel. Rosin hat ein spannendes und gut recherchiertes Buch vorgelegt. Sie liefert damit wichtige Denkanstöße für Frauen - und für Männer."

Hannoversche Allgemeine Zeitung

"[...] die vielfach preisgekrönte Autorin argumentiert viel differenzierter, als es der marktschreierische Titel vermuten lässt. Rosins Buch ist keineswegs nur eine feministische Kampfschrift, sondern eine manchmal stark zugespitzte, aber in der Sache oft kluge und wissenschaftlich gut unterfütterte Beschreibung der ökonomischen Verhältnisse in den postindustriellen Gesellschaften von heute."

profil

"Mit der Ansage 'Das Ende der Männer' hat die bislang nur der linksliberalen US-Meinungselite bekannte Journalistin Hanna Rosin die Diskurswippe in der Genderdebatte wieder hoch- und auf ein hohes Niveau geschaukelt."

Die Welt am Sonntag

"Tatsächlich ist das Bemerkenswerte an Rosins Buch, dass es nichts fordert, nichts beklagt, nichts bewertet. Es liegt keine Häme in ihrem Ton und kein Überlegenheitsgefühl."

Die Zeit

„Das Buch hat eine Debatte losgetreten. Der Mann überflüssig? In einer Wirtschaft, der er geschaffen hat? … Hanna Rosin hat eine erstaunliche Utopie: Männer und Frauen, liebevoll kooperierend. In einer Ehe des neuen Typs, einer Wippe: Mal hebt der eine ab, mal der andere.“

Brigitte.de

"Wer in einem Buch mal eben 'Das Ende der Männer' ausruft, muss mutig sein. Und clever. Die US-Autorin Hanna Rosin hat mit ihrem provokanten Titel genau ins Schwarze getroffen und die Geschlechterdebatte neu befeuert. [...] Wir freuen uns schon auf das nächste Debatten-Thema aus Rosins Feder!"

Der Spiegel

"Die israelisch-amerikanische Autorin Hanna Rosin, 42, diagnostiziert eine Identitätskrise des starken Geschlechts. Männer erklärt sie zu den Verlierern der Wirtschaftskrise, weil sie zu starr und unflexibel seien."

Cosmopolitan

„Das Thema Männer erledige sich von selbst, meint die US-Journalistin Hanna Rosin. In ihrem neuen Buch „Das Ende der Männer“ fasst sie zusammen, warum die Wirtschaft keine Männer mehr braucht: Sie sind schlechter in der Schule, machen weniger Hochschulabschlüsse, ihre typischen Jobs sterben aus, und in den USA bestreiten die Frauen schon jetzt die Hälfte des Haushaltseinkommens."

Der Spiegel

"'The End of Men' heißt das Buch, das Rosin vor einigen Wochen veröffentlicht hat. Das ist ein so verherrender wie genialer Titel, und das Schlimme daran: Er ist nicht, wie üblich unter Feministinnen, eine Forderung. Er ist eine Feststellung."

Der Standard

"Das Buch ist kein feministisches Manifest und stellt Frauen auch nicht als Opfer oder bessere Menschen dar. Rosin zeigt interessante Entwicklungen auf, über die sich trefflich diskutieren ließe."

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