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Dark SpaceDark Space

Dark Space

Der unsichtbare Krieg

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Dark Space — Inhalt

Der zweite Band der actionreichen Saga von Jasper T. Scott: Die Menschen haben die Sterne erobert. Immer neue Welten haben sie in ihr Imperium eingegliedert. Doch im Universum gibt es Geschöpfe, die etwas dagegen haben. Und nun schlagen sie zurück. Angesichts der Übermacht der Feinde müssen sich die Menschen in den Dunklen Raum, einen abgeschotteten Teil des Alls, zurückziehen. Und dort wird sich das Schicksal der Menschen entscheiden ... Pilot Ethan Ortane hat seinen verloren geglaubten Sohn Atton wiedergefunden, aber die Umstände könnten besser sein: Mit dem Schiff Defiant müssen sie durch das Gebiet der feindlichen Sythianer reisen. Und der finstere Alec Brondi hat ein gigantisches, kilometerlanges Schiff gekapert, mit dessen Hilfe er die letzten freien Menschen im Dunklen Raum unterjochen will. Ethans Chancen zu überleben waren minimal. Und nun sind sie nochmals gesunken ...

 

 

Erschienen am 01.09.2016
Übersetzer: Andreas Decker
432 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-492-70407-6
Erschienen am 01.09.2016
Übersetzer: Andreas Decker
432 Seiten
ISBN 978-3-492-97466-0

Leseprobe zu »Dark Space«

Prolog

 

Im grellen Schein der Flutlichter zeichneten sich die zerklüfteten weißen und grauen Konturen der Berge vor dem Horizont ab. Schnee fiel und türmte sich auf dem glänzenden grauen Asphalt, wo er schnell schmolz und sich in flachen Pfützen sammelte, in denen sich der mitternächtliche Himmel spiegelte. Die Luftschutzsirenen von Roka City heulten und erinnerten jeden daran, dass nicht mehr viel Zeit war. Aber auch so schon drückten Scharen schreiender Menschen gegen die schmale Reihe aus Raumsoldaten und Mechs, die den einfachen Drahtzaun hinter [...]

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Prolog

 

Im grellen Schein der Flutlichter zeichneten sich die zerklüfteten weißen und grauen Konturen der Berge vor dem Horizont ab. Schnee fiel und türmte sich auf dem glänzenden grauen Asphalt, wo er schnell schmolz und sich in flachen Pfützen sammelte, in denen sich der mitternächtliche Himmel spiegelte. Die Luftschutzsirenen von Roka City heulten und erinnerten jeden daran, dass nicht mehr viel Zeit war. Aber auch so schon drückten Scharen schreiender Menschen gegen die schmale Reihe aus Raumsoldaten und Mechs, die den einfachen Drahtzaun hinter Destra bewachten. Sie stand auf der anderen Seite, der sicheren Seite. Aber jetzt warf sie einen besorgten Blick über die Schulter zu der wütenden Menge und hielt Attons kleine Hand etwas fester.

»Warum sind sie so böse?«, fragte Atton, der ihrem Blick zum Zaun gefolgt war.

Destra lächelte ihren siebenjährigen Sohn an, und er schaute mit seinen hellgrünen Augen zu ihr hoch. Er hatte Ethans Augen, die Augen ihres Mannes. »Weil sie nicht im Raumschiff mitfliegen dürfen«, antwortete sie und strich ihm übers Haar.

In der Ferne erschienen die Scheinwerfer eines Militärschwebers und erhellten den Schnee. Ein Megafon erscholl und übertönte selbst den Lärm der Sirenen. »Gehen Sie auseinander und begeben Sie sich ordnungsgemäß zum nächsten Minenshuttle!«

Schon längst hätten alle in die Minen evakuiert werden sollen, aber jedermann mit einem Funken Verstand wusste, dass sie das nicht retten würde. Es würde ihnen lediglich Zeit erkaufen, und vielleicht nicht einmal das. Mit einem allgemeinen Aufschrei wandte sich die Menge dem herankommenden Schweber zu. Sie würden nicht friedlich gehen. Destras Blick fiel auf einen kleinen blonden Jungen, der sich am Zaun festklammerte und hoffnungslos zu ihnen herüberstarrte. Seine Mutter bemerkte es und zeigte auf sie. »Hoi! Warum darf sie gehen?«, schrie die Frau.

Destras Lippen verzogen sich zu einem bitteren Lächeln. Die Frau hatte keine Ahnung, wie sehr sie sich irrte. Destra würde nirgendwohin gehen. Der Raumtransporter auf dem Landefeld war bereits überfüllt. Ihr war übel, und sie wandte sich ab und bedeutete Atton mit einem Händedruck, ihrem Beispiel zu folgen.

Attons Augen waren weit aufgerissen. Er hatte seine Mutter so fest gepackt, dass sich seine Hand wie ein überreifes Stück Obst anfühlte und das Pochen seines Pulses zu spüren war. Es würde schwer werden, ihn loszuwerden, wenn der Augenblick gekommen war – und noch schwerer, sich selbst von ihm zu lösen. Destra betrachtete ihren Sohn mit einem matten Lächeln. Er drückte sich Tibby, sein Lieblingsstofftier, an die Brust. Es war ein Diger, ein weißes Katzentier aus den eisbedeckten Meeren und dampfenden, mit Schnee bestäubten Magmafeldern von Ossus. Atton liebte die pelzige Karikatur eines tödlichen Raubtiers.

Destra sah weg. Etwas Feuchtes berührte ihre Wange, aber das war keine Schneeflocke – sie standen unter dem Dachrand des Kontrollturms des Raumhafens. Destra Ortane legte den Kopf in den Nacken und beschattete ihre Augen mit der Hand vor dem Schein der Landeplatzbefeuerung. Sie suchte die brodelnde Dunkelheit nach den verräterischen Lichtstreifen ab, die den Eintritt eines Raumschiffs in die obere Atmosphäre von Roka verrieten. Angeblich sollten zwei Korvetten der Seraphim-Klasse kommen, um den letzten Transport von Roka IV zu eskortieren, aber bis jetzt war nichts zu sehen. Entweder verspäteten sie sich oder …

Diesen Gedanken wollte Destra nicht zu Ende denken. Die Schlacht verlief nicht gut. Das Rokasystem wurde von mehr als einem Dutzend Schlachtschiffen verteidigt, was jedoch nicht einmal annähernd gegen eine hundertfach überlegene Invasionsstreitmacht ausreichte.

Die Gravlifte des Raumtransporters dröhnten und zogen Destras Aufmerksamkeit auf sich. Sie musterte das große Schiff. Ihr Blick glitt über den mitgenommenen weißen Anstrich und fand das verblichene und abblätternde goldene Symbol des Imperiums – sechs Sterne um eine geballte Faust. Es war ein Symbol der Stärke und Sicherheit, aber in Zeiten wie diesen waren die fahlen Farben eher symbolisch zu verstehen. Die letzten Tage des Imperiums waren angebrochen. Roka IV würde als eine der letzten Welten fallen, aber fallen würde es, und Destra machte sich keine Illusionen darüber, was dann mit ihr und allen anderen Zurückgebliebenen geschehen würde. Die Sythianer nahmen keine Geiseln und ließen niemals Überlebende zurück.

Destra kaute auf der Unterlippe herum und hoffte trotz allem, dass das Schiff überleben würde. Es handelte sich nur um einen in aller Eile umgebauten Erztransporter. Er hätte niemals in einem Krieg fliegen sollen. Vielleicht würden ihn die Sythianer inmitten des ganzen Chaos übersehen. Der Transporter beherbergte die letzten Evakuierten von Roka City – mehr als sechstausend Führungskräfte aller möglichen Konzerne, dazu Regierungsbeamte und Flottenoffiziere. Nur die wichtigen Leute. Natürlich. Maden wie sie zählten nicht, aber Atton … Atton war etwas anderes. Ihn übersah man leicht, ihn konnte man leicht einschmuggeln. Destra hatte Glück – ihr Onkel war Captain Reichland, der Stellvertretende Kommandant auf der mächtigen Valiant, dem Flaggschiff der Ersten Flotte. Zu Beginn der Invasion war er auf Roka gewesen. Jetzt flog Captain Reichland zurück zu seinem Kommando, zurück in den Krieg. Der Overlord hatte eine flottenweite Neugruppierung angeordnet.

Destra schnaubte. Sie wusste, was das in Wirklichkeit bedeutete. Man ließ sie im Stich. Bald würden die neu gruppierten Reste der Flotte alles sein, was noch von der Menschheit übrig war, und falls dieser Rest weiter gegen das Unausweichliche kämpfte, würde nicht einmal er überleben. Destra hätte nie geglaubt, dass ihr Sohn besser bei ihrem Onkel an Bord der Valiant aufgehoben wäre, hätte er sie nicht an einer kleinen, der Geheimhaltung unterliegenden Information teilhaben lassen. Die Flotte traf sich im Dark Space. Offiziell wusste niemand, wo sich dieser Sektor befand. Es war lediglich bekannt, dass man Kriminelle dorthin schickte und es nur einen Weg hinein gab. Ihr Onkel hatte ihr die Entscheidung erklärt – der Overlord hatte nicht die Absicht, zurückzukehren und einen Krieg zu führen. Der Krieg war vorbei. Das war ein Rückzug auf der ganzen Linie, und alle Menschen, die zu reich und mächtig waren, um die Niederlage zu akzeptieren, hatten sich entschieden, sich lieber bei einer Horde Krimineller zu verstecken, als in ihren Betten zu sterben.

Wäre Destra berechtigt gewesen, sich ihnen anzuschließen, hätte sie die gleiche Entscheidung getroffen, vor allem, da sie sowieso in den Dark Space wollte. Auch wenn sie persönliche Gründe dafür hatte. Sie brauchte nur eine Transportmöglichkeit, aber so, wie es aussah, würden die Sythianer in der ganzen Galaxis nicht genügend Technik übrig lassen, um ein einzelnes funktionsfähiges Schiff zusammenbauen zu können. Also würde sie ihren Mann Ethan niemals wiedersehen, aber zumindest Atton würde überleben. Er würde es in den Dark Space schaffen und vielleicht sogar eines Tages dort seinen Vater finden, wenn es die Unsterblichen wollten.

Destras Gedanken wurden unterbrochen, als der Schweber über den Zaun flog und das Drahtgeflecht erzittern ließ, bevor er ein paar Dutzend Meter zu ihrer Rechten landete. Sie zog an der Hand ihres Sohns, und er folgte ihr aus dem Schutz des Dachs. Er beklagte sich mit keinem Ton und blieb dicht bei ihr. Der fallende Schnee landete auf ihren Haaren und der Kleidung und durchnässte sie in wenigen Sekunden bis auf die Haut. Ein kalter Wind ließ sie frösteln, und Atton fing an zu weinen.

»Mir ist kalt.«

»Atton!«

»Ich will nach Hause!«

Destra blieb stehen und bückte sich, um ihn fest zu umarmen. »Atton, hör mir zu! Du kannst nicht nach Hause. Du fliegst mit deinem Onkel in dem Raumschiff, weißt du noch?«

Sie löste sich weit genug von ihm, um zu sehen, wie Atton nickte und mit zu Boden gerichteten Blick Schnee aus Tibbys weißem Pelz pflückte. »Das weiß ich«, schniefte er. »Und du kommst mit, richtig?«

Destra zuckte zusammen und lächelte. In ihren Augen funkelten Tränen. »Ja, mein Schatz, aber nicht sofort. Du musst auf mich warten, okay?«

Attons Lippen bebten. Er schüttelte den Kopf. »Tibby will, dass du jetzt mitkommst!«

Destras Lächeln wurde breiter, und die Tränen zitterten an ihren Wimpern. Sie blinzelte sie weg und schüttelte den Kopf. »Sag Tibby, dass ich ihn auch brauche, okay? Aber wir haben keine Wahl. Ich hole dich später ein.« Destra richtete sich wieder auf. Sie erstickte beinahe an der Lüge, aber irgendwie brachte sie es fertig, weiter zu lächeln und Schnee aus Attons Haar zu streichen, als wäre alles in Ordnung. Sie überquerten die Landeplattform und hielten auf den wartenden Schweber zu. Atton drückte den Diger nun fester an sich.

Sie erreichten den Schweber in dem Augenblick, in dem die Türen aufglitten und Captain Reichland in seiner funkelnden schwarzen und weißen Uniform ausstieg. Grimmig kam er auf Destra zu und umarmte sie mit aller Kraft.

»Ich wünschte, es ginge anders«, flüsterte er ihr ins Ohr.

»Ich auch«, flüsterte sie zurück, und ihre Tränen fielen auf die schneebedeckte Schulter des Raumoffiziers.

»Ich kümmere mich gut um ihn.«

»Das solltest du auch besser«, warnte sie, als sie sich voneinander lösten. Sie schenkte ihm ein mühsames Lächeln und drohte ihm mit dem Finger. »Oder ich jage dich und verfüttere dich an die Sythianer.«

Er hielt ihrem Blick stand. »Das bezweifle ich keine Sekunde lang.«

»Hallo, Onkel«, sagte Atton leise.

Der Captain schaute zu ihm hinunter. »Hoi, Kleiner, hast du Lust, heute auf große Fahrt zu gehen?«

Destra warf wieder einen Blick auf den Raumtransporter. Sie runzelte beunruhigt die Stirn. Er sah nicht aus, als hätte er eine große Chance.

Sie wandte sich wieder ihrem Onkel zu und wollte ihre Zweifel zum Ausdruck bringen, aber ein Überschallknall ließ den Himmel erbeben und schnitt ihr das Wort ab. Alle drehten sich um. Zwei grelle Lichtstreifen durchschnitten die dunklen Wolken. Sie kamen auf den Raumhafen zu und blendeten die Beobachter mit ihren Landescheinwerfern.

»Das ist unser Schiff«, sagte Reichland.

»Ich dachte, ihr würdet den Transporter nehmen?«

Der Captain fing Destras Blick ein und sagte nichts, erweckte aber den Eindruck, dass er es gern getan hätte. »Nun …« Er lächelte kurz, aber das Lächeln erreichte nie seine Augen. »Da gab es eine Planänderung«, vollendete er den Satz.

»Aber ihr fliegt noch immer in den Dark Space?«, wollte sie wissen.

»Ja, natürlich …« Der Captain warf einen besorgten Blick auf den Schweber. Die Türen öffneten sich, und andere Offiziere stiegen aus. Mit einer Grimasse wandte sich Reichland ihr wieder zu.

Destra entging seine Reaktion nicht. »Was ist los?«

Er schüttelte den Kopf und beugte sich näher an sie heran, um flüstern zu können. »Sie werden es nicht schaffen, Des.« Er setzte ein falsches Lächeln auf, als einer der Offiziere auf sie zutrat.

»Zur Abreise bereit, Captain?«, fragte der Mann.

Reichland nickte. »Ich warte nur auf die Landung unserer Eskorte, dann geht es los. Gehen Sie schon an Bord des Transporters. Ich fliege in einer der Korvetten.«

Der Mann zögerte, als verstünde er, was das bedeutete, aber dann nickte er und salutierte schneidig. »Ja, Sir.«

Sobald die Offiziere gegangen waren, gestattete sich Destra den Ausdruck tiefen Entsetzens, den sie bisher mühsam unterdrückt hatte.

Reichland schüttelte den Kopf. »Mach dir keine Sorgen. Des, ich verspreche dir, dass dein Sohn und ich es schaffen werden. Ich steuere die Korvette selbst.«

»Aber sollst du nicht den Transporter eskortieren? Ihn beschützen? Kämpfen?«

Reichland zögerte. »Des, im Augenblick ist jeder auf sich gestellt. Unsere Befehle lauten, so schnell zu fliehen, wie das nur möglich ist, und nicht den Feind in Kämpfe zu verwickeln. Dieser Raumtransporter hat nicht die geringste Chance, hier wegzukommen, und daran werden auch zwei Korvetten nichts ändern. Es gibt keine Helden unter den Toten, nur weitere Leichen.«

»Sorg für Attons Sicherheit, mehr verlange ich nicht.«

Reichland nickte, dann drehten sich beide um und betrachteten die Scheinwerfer der näher kommenden Raumschiffe. Einen Moment später vermochte Destra sie zu identifizieren – wie erwartet waren es zwei Korvetten der Seraphim-Klasse, aber sie erschienen viel zu winzig und zerbrechlich, um ihnen das Leben ihres Sohnes anzuvertrauen. Sie hoffte, dass sie klein genug waren, um der Aufmerksamkeit der Sythianer zu entgehen.

Reichland ging den landenden Schiffen bereits entgegen, und Destra eilte ihm mit Atton hinterher.

Wieder ertönte ein Überschallknall, dem mehrere Echos folgten, und wieder wurde ihre Aufmerksamkeit in den Himmel gelenkt. Destra erreichte den Captain, als dieser gerade drängend in sein Funkgerät sprach.

»Landen Sie sofort! Nummer zwei soll Ihre Landung decken. Ich bin an Bord, bevor Ihr Aufleger den Boden berührt.«

»Was ist das?« Destra zeigte auf das nahende Quintett feuriger Kometenschweife.

Der Captain schüttelte den Kopf. »Beeilt euch!«

Sie liefen auf die Korvette zu, die zur Landeplattform schwebte. Destras Herz schlug gegen ihr Brustbein, der schwindelerregende Rausch des Adrenalins verlieh ihr die Kraft, Atton in die Arme zu reißen und schneller zu laufen.

Atton wollte sich befreien, aber Destra verstärkte ihren Griff. Er fing wieder an zu weinen.

»Sei still!«

»Tibby«, rief er.

Plötzlich verstand Destra. Ein schneller Blick über die Schulter zeigte ihr den pelzigen Diger, der in einer schmutzigen Schneepfütze lag. »Mist!«, stieß sie hervor.

»Des!« Der Captain brüllte gegen den Lärm der Gravlifte der wartenden Korvette an. »Wir müssen sofort los!«

Destra hörte ein lautes, pulsierendes Kreischen, das anschwoll, dann schoss ein gleißender roter Lichtstrahl aus der anderen Korvette. Sie schwebte in der Nähe, um die ankommenden Feindschiffe abzuwehren. Destra rannte noch schneller auf das wartende Schiff zu.

»Tibby!«, schluchzte Atton.

»Vergiss Tibby!«, fauchte seine Mutter. »Er ist nicht wichtig.«

»Doch, das ist er! Nein … Tibby! Wir können ihn nicht zurücklassen!«

Destra erreichte die wartende Korvette in dem Augenblick, da von den Feindschiffen rotierende Purpursterne auf sie zuflogen. Der Feind verschmolz völlig mit der Nacht. Diese Schiffe benutzten keine Landescheinwerfer.

Die Deckung gebende Korvette flog ein Ausweichmanöver, während sie weiter mit ihren Lasern schoss. Ein greller Lichtblitz zeichnete sich vor dem Horizont ab, als sie einen Treffer landete, dem eine ferne Detonation folgte. Dann erreichten die Purpursterne das Schiff, explodierten und schickten Trümmer in alle Richtungen. Eine Sekunde später flog die Korvette auseinander und tauchte die Welt in einen weißen Schein. Die Schockwelle schickte Destra mit einem heißen Luftschwall auf den Boden der Landeplattform.

Ihre Ohren dröhnten. Im Moment war sie noch immer blind, und ihr Rücken war nass. Sie betete, dass sie in einer Pfütze lag und dass es sich nicht um eine schlimme Verletzung handelte, die sie wegen des Adrenalins noch nicht spürte. Dann griffen starke Hände nach ihr, rissen sie auf die Füße und hoben den schreienden Atton von ihrer Brust. Sie blinzelte hektisch. Die unscharfen Umrisse ihres Onkels traten zum Vorschein, dann konnte sie zwei Offiziere ausmachen, die mit ihrem Sohn wegliefen. Atton schrie und streckte beide Hände nach ihr aus.

»Mama!«, schrie er.

»Wir sehen uns bald wieder«, rief sie zurück.

»Des!« Reichland schüttelte sie. »Lauf zu dem Schweber! Verschwinde hier!« Und dann rannte er hinter ihrem Sohn die Landerampe hinauf. Die Rampe hob sich und war in der nächsten Sekunde im Inneren der Korvette verschwunden. Destra stand schluchzend da und wischte sich Tränen aus den Augen, während um sie herum noch immer brennende Trümmer herabregneten. Wie betäubt sah sie der Korvette nach, die mit Höchstgeschwindigkeit in den Himmel stieg, ein blendender weißer Schemen, der auf dem hellroten Feuerstrahl seiner Schubdüsen davonraste. Dann war er verschwunden und hatte alles, was ihr in diesem Universum etwas bedeutete, mit sich genommen.

Hinter ihr ertönte ein lautes Tosen. Destra drehte sich um und musste zusehen, wie der alte Raumtransporter langsam in die Höhe stieg. Im nächsten Augenblick schlug der erste Purpurstern in den umgebauten Erzfrachter ein und explodierte mit einem blendend hellen Lichtblitz.

Jasper T. Scott

Über Jasper T. Scott

Biographie

Jasper T. Scott ist USA-Today-Bestsellerautor und wuchs als Kind südafrikanischer Eltern in Kanada auf. Nachdem er lange Zeit sein Dasein als hungernder Künstler fristete und sich mit zahlreichen Jobs über Wasser hielt, setzte er schließlich alles auf eine Karte und wurde freier Schriftsteller –...

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