Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Blick ins Buch
CassadaCassada

Cassada

Roman

Taschenbuch
€ 9,99
E-Book
€ 9,99
€ 9,99 inkl. MwSt.
Lieferzeit 2-3 Werktage
In den Warenkorb Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen
€ 9,99 inkl. MwSt.
sofort lieferbar
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Cassada — Inhalt

Ein amerikanischer Air-Force-Stützpunkt im Deutschland der fünfziger Jahre: zwei Düsenjägerpiloten, in Marseille gestartet, versuchen bei schlechtem Wetter zu landen. Die niedrige Wolkendecke verhindert einen präzisen Anflug, den beiden geht der Treibstoff aus und sie geraten in eine verzweifelte Lage. Captain Isbell und Lieutenant Cassada sind Freunde und Rivalen zugleich, denn beide lieben sie dieselbe Frau und müssen sich nun trotzdem blind aufeinander verlassen.

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 16.02.2015
Übersetzt von: Malte Friedrich
208 Seiten, Broschur
EAN 978-3-8333-0996-0
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 16.02.2015
Übersetzt von: Malte Friedrich
204 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7811-7

Leseprobe zu »Cassada«

Den Offizieren und den Mannschaften und Norm PhillipsI

Gegen Ende des Nachmittags saß Dunning im Büro, sah Papiere durch, leckte von Zeit zu Zeit am Daumen, wenn er eine Seite umblätterte. Beim Lesen legte er die breite Stirn in Falten, aber er war der Inbegriff von Ruhe, wie ein Ric hter, der Anklageschriften prüft. Draußen war der Himmel dunkel, die Wolken drohten Regen an. Das war schon seit dem Morgen so gewesen. Von Zeit zu Zeit drangen die Rufe der Krähen durch die Stille, die auf Zaunpfosten saßen oder auf nackten Ästen am Rande des Flugplatzes. [...]

weiterlesen

Den Offizieren und den Mannschaften und Norm PhillipsI

Gegen Ende des Nachmittags saß Dunning im Büro, sah Papiere durch, leckte von Zeit zu Zeit am Daumen, wenn er eine Seite umblätterte. Beim Lesen legte er die breite Stirn in Falten, aber er war der Inbegriff von Ruhe, wie ein Ric hter, der Anklageschriften prüft. Draußen war der Himmel dunkel, die Wolken drohten Regen an. Das war schon seit dem Morgen so gewesen. Von Zeit zu Zeit drangen die Rufe der Krähen durch die Stille, die auf Zaunpfosten saßen oder auf nackten Ästen am Rande des Flugplatzes. Später Sam stagnachmittag. Fast alle waren weg. Ein tiefes Geräusch, zu Beginn kaum hörbar, ließ ihn den Kopf heben. Einen Moment schien er fast verwundert. Das Geräusch war schwach, aber es wuchs an, und es war nicht zu überhören, wie ferner Donner. Es waren Triebwerke, weit aufgerissen. Und sie schienen auf ihn zuzukommen. Er konnte sie hören, voll und nicht nachlassend, plötzlich sehr nahe, fast über ihm, sie donnerten die Landebahn hinunter, niedrig, aber in den Wolken. Er sah die Maschinen nicht. Dann waren sie vorüber, doch das Geräusch blieb da, schwer und prophetisch, bevor es langsam schwächer wurde und dann Stille hinterließ. Dunning griff zum Telefon, deutsches Fabrikat wie fast alles hier, und wählte eine Nummer. Wä hrend er darauf wartete, dass jemand antwortete, wandte er sich wieder zum Fenster. Es war vollkommen still, die Kr ähen hatte sich wieder in den Bäumen niedergelassen. U ngeduldig öffnete er das dünne Verzeichnis, um die Nummer noch einmal zu überprüfen, als eine Stimme sagte: »Wette rstation.«
»Geben Sie mir den Mann, der die Vorhersage macht«, befahl Dunning.
»Is nich hier, Sir.«
»Wo ist er?«
»Weiß nich. Vielleicht unten, Kaffee trinken.«
»Holen Sie ihn sofort an den Apparat.«
»Na ja, ich weiß nich so genau, wo er im Moment is. Kann
er zurückrufen?«
»Nein, gottverdammt! Holen Sie ihn! Finden Sie ihn, los!«
»Ich darf die Wetterstation nicht verlassen«, sagte die
Stimme klagend, fast beleidigt.
»Ist mir scheißegal, was Sie dürfen oder nicht. Hier ist Major
Dunning. Sie suchen ihn jetzt auf der Stelle!«
Der Mann antwortete nicht, nur ein leises Atmen war zu
hören.
»Haben Sie mich verstanden?«, sagte Dunning.
»Jawohl, Sir.«
»Dann holen Sie ihn endlich!«
Nach einem Moment hörte man, wie der Hörer hingelegtwurde. Dunning versuchte selbst, die Höhe der Wolke ndecke abzuschätzen. Er konnte den Kontrollturm geradenoch sehen, der eine Meile von ihm entfernt war, die Signa llampe an der Spitze drehte sich stetig, leer und blass, wie derBlick eines Blinden. Da waren dunkle, rauchige Wolkenfetzen in seiner Nähe, kaum höher als der Tower. Er schob das Fenster hoch, um besser hören zu können. Stille, umfa ssender noch, als sie ihm vorher erschienen war. Jemand nahm den Hörer auf. Ein Räuspern.
»Wettervorhersage hier.«
»Wer sind Sie?«, sagte Dunning fordernd.
»Sergeant McEnerny, Sir.«
»Wo zum Teufel sind Sie gewesen? Sie sind doch im Dienst, oder?«
»Ja, Sir«, sagte der Sergeant, »ich hab Dienst. Ich bin die ganze Zeit hier im Gebäude gewesen.«
»Ich krieg schon raus, wo Sie gewesen sind, machen Sie sich keine Sorgen. Wie sieht die Wetterlage aus? Jemand hat hier gerade einen missglückten Landeanflug gemacht.«
»Major Dunning, Sir?«
»Ja, das bin ich.«
»Gut, Sir«, sagte der Sergeant. »Nach unserer letzten B eobachtung ist die Wolkenuntergrenze durchgehend bei 500 Fuß«, er las von einem gelben Blatt Papier ab, »und ei neinhalb Meilen Sicht in leichtem Nebel.«
»Wann haben Sie das denn gemessen? Gucken Sie mal aus dem Fenster.«
»Die Beobachtung wurde zur vollen Stunde gemacht. Das ist genau …«, eine Pause, »vor achtzehn Minuten.«
»Was hat Spangdahlen?«, sagte Dunning. Er konnte die Bewegung am anderen Ende hören, das Aufheben eines Klemmbordes.
»Moment. Sie melden etwas niedriger, Major. Sie sagen dreihundert.«
»Dachte ich mir.«
»Dreihundert aufgelockert, fünfhundert durchgehend, eine Meile Sicht im Nebel.«
»Das kommt der Sache schon näher.«
»Na ja, Sir, wir haben fünfhundert und anderthalb Meilen.
Das ist der Stand.«
»Machen Sie noch eine Messung, Sergeant«, sagte Dunning, »und rufen Sie zurück. Das ist ein Befehl.«
Das Geräusch von Fußtritten unterbrach ihn. Jemand kam den Korridor heruntergelaufen. Ein Kopf erschien in der Tür. Godchaux, eins seiner Asse.
»Major?« Da war etwas in seiner Stimme.
»Was ist los?«, sagte Dunning, nun ganz wach.
»Das waren zwei von unsern.«

* * * Dunning war Staffelchef, eine erhabene Position. Er war auf jener letzten Kommandoebene, bei der man noch alle Mä nner unter sich kennen konnte, etwa fünfunddreißig Piloten und hundertvierzig Mann, einige von ihnen Veteranen, a ndere in ihrer unvergesslichen ersten Einheit, viele darunter, die er beim Vornamen hätte nennen können, aber er sprach die Rangbezeichnung gerne aus, ließ sie von der Zunge ro llen, Sergeant irgendwer, Lieutenant. Sein Mund zog sich dabei merkwürdig zusammen. Er kam aus den Südstaaten; er hatte einen Schuss Förmlichkeit im Blut. Er war im Geschwader und darüber hinaus bekannt. Er war seit sechs Jahren Major, seine Frau, Mayann, war Vorsitzende des Clubs der Offiziersfrauen gewesen. Eine vom Pentagon in Auftrag gegebene vertrauliche Liste des Zwölften Geschw aders der Air Force hatte zwanzig Offiziere im Majorsrang aufgeführt, die ohne Rücksicht auf Dienstzeit für die Befö rderung zum Lieutenant Colonel empfohlen wurden. Davis R. Dunning, Kommandeur der Vierundvierzigsten Jagdsta ffel, war der erste Name darauf. Niemand wusste bisher, was aus der Liste geworden war, ob nach ihr verfahren werden würde. Isbell war sein Einsatzoffizier und seine rechte Hand. Er war Captain, und er unterschied sich von seinem Major, er war äußerlich kühl und innerlich noch kühler, aber er hatte einen Fehler: Er war ein Idealist. Davon abgesehen, besaß er fast alles, was es brauchte. Er war erfahren, selbstbewusst, unermüdlich. Er hatte siebenhundert Flugstunden in der neuen Maschine und zweitausend in anderen, hundertsec hzig davon bei Gefechtsflügen gegen die Russen und Ch inesen in Korea, gefährliche Flüge am Yalu entlang. Auße rdem kannte er Dunning gut. Sie waren jetzt seit mehr als zwei Jahren zusammen. Zusammen mit dem First Sergeant, Banda, einem Ex-Marine, bildeten sie ein Triumvirat. Alles, was zu tun und zu lassen war, ging von ihnen aus. Giebelstadt. Es war typisch für Isbell, vor dem Morgengrauen aufzustehen, um sich um den Alarmflug zu kümmern. Es war Frühherbst. Der Sommer war kurz gewesen, etwa eine W oche statt der üblichen zwei, wie Dunning bemerkte. Früher Frost tönte das Gras silbrig und legte weiße Flecken auf die Planen, unter denen die Maschinen standen. Der kühle G eruch von Schnee war schon in der Luft, zusammen mit dem Krähen eines fernen Hahns. Isbell ging in der Dunkelheit zur Toilette hinunter. Das Wasser war laut, als er es anstellte. Eine Weile wärmte er die Hände darunter. Die Kälte drang durch die Flügelfenster. Dunning schlief noch in ihrem Zelt, er lag wie ein alter Bär unter einem Haufen Decken. Er würde frühestens in einer Stunde aufwachen, stöhnend und die Arme streckend. Er schlief in seiner Khaki-Unterwäsche und empfing manc hmal den First Sergeant darin – das verminderte seine Aut orität nicht. Er würde zur Messe gehen, um einen Kaffee zu trinken, ein bisschen mit irgendjemandem, der gerade da war, reden, und dann zur Flugleitung hinüberwandern. Isbell war schon die lange schwarze Straße hinuntergefa hren, ins Offene hinaus, an den Bäumen vorbei, hinter denen die stille Start- und Landebahn lag wie ein geheimnisvoller Strom. Es war windig, ein deutscher Oktoberwind, kalt, mit ein paar Regentropfen darin. Sie waren zu Manövern hie rher geschickt worden, es gab nur eine einsame Start- und Landebahn, das eine oder andere Gebäude. Sterne standen noch am Himmel und Positionslichter zwischen den in einer langen Linie parkenden Maschinen. In der Wachstube saß Ferguson am Ofen, der Schürhaken hing in seinen Händen. Ein wütendes Geräusch erfüllte den Raum. Es kam vom Ofen, der am Boden rot glänzte, die Klappe und das Rohr glühten auch. Draußen tanzte ein Strom wilder Funken über dem dunklen Dach. »Kommen Sie rein und wärmen Sie sich auf, Chef«, lud Ferguson ihn ein. »Ein Geschenk des ›B‹-Schwarms.« »Es wird Ihnen heiß genug werden, wenn das Ding e xplodiert.« »Das müssen wir riskieren, Cap’n«, sagte Ferguson. »Die Natchez versucht uns zu überholen.« »Welche Natchez?« »Sie ist direkt hinter uns, Cap’n. Nur ’ne halbe Seemeile zurück und holt die ganze Zeit auf.« »Sie sollten lieber die Zugluft ein bisschen kleiner machen«, sagte Isbell. Ferguson hob den Stiefel und stieß die Klappe zu. Auf dem Fußboden lag eine Seite der Stars and Stripes, die er mit der glühenden Spitze des Schürhakens durchbohrt hatte. Ein Mädchen im Badeanzug nahm die ganze Seite ein. Nur ihr Kopf und ihre Schultern waren unberührt. »Wann gehen Sie auf Bereitschaft?« »In etwa fünf Minuten.« Gerade als er das sagte, läutete das Alarmtelefon. Ein Le itungscheck. Als Ferguson auflegte, kamen die anderen nach und nach herein, händereibend stellten sie sich vor den Ofen. Godchaux war der Letzte. Er war zwanzig und gehörte der Staffel seit gut einem Jahr an. Er war Dunnings Liebling, »das beste Naturtalent von Pilot, das ich je gesehen hab«. Isbell bestritt das nicht. Weiße Zähne und das Lächeln eines Engels. Zeig mir einen Mann, der lügen kann, und ich zeig dir ein Lächeln von echter Schönheit, ich zeig dir jemand, der weiß, wie es läuft in dieser Welt. Godchaux stand mit dem Rücken zum Ofen, die Ellenbogen abstehend, der Glut breit ausgesetzt, fast satanisch. Isbell rief ihn mit einem Heben des Kinns zu sich. »Ja, Sir«, antwortete Godchaux, ohne sich zu bewegen. Isbell machte eine Bewegung. Godchaux trat einen Schritt vor.
»Hatten Sie eine Taschenlampe da draußen?«
Godchaux’ Unschuld hielt sich einen Moment in seinem Gesicht, dann schüttelte er den Kopf, nur leicht, wie ein böser Junge, dem man schon verziehen hat.
»Wie haben Sie dann die Maschine inspiziert?«, sagte Isbell.
»Ich hab die vom Bodendienstchef geborgt.«
»Ach ja? Wo ist Ihre? Was ist los, haben Sie keine?«
»Doch, Sir.«
»Und wo ist die?«
»Die Batterien taugen nichts mehr, Captain. Sie sind leer.«
»Na, dann kaufen Sie welche«, sagte Isbell. »Sie verdienen genug.«
»Ja, Sir.«
»Heute.«
Grace, Kommandeur des »B«-Schwarms, schüttelte in väte rlicher Enttäuschung den Kopf, als stimmte er dem zu. Sehr wahrscheinlich hatte er auch keine Taschenlampe. Kurz darauf kam das ungleichmäßige Klingeln des Feldtel efons, und der erste Flug startete, zwei Maschinen glitten die Bahn hinunter, vor einem Donner flüchtend, der über das Feld flutete wie aus einer plötzlich aufgerissenen Hoc hofentür und das Wellblech der Wände erzittern ließ. Isbell sah zu, wie sie zusammen die Bäume überflogen, das Fah rwerk einziehend. Eine Stunde der Absolution am sauberen, heiligen Morgen. Eineinhalb Stunden. Wie oft hatte er selbst sich darauf verlassen, ein Gefühl des Makellosen mit unbekannten Städten unten und im kalten Schweigen das Schwinden des Frühnebels auf den Hügeln.


* * * Dunning kam etwas später zum Pilotenbriefing. Er tauchte ein paar Minuten vor acht in der Tür auf, während jemand gerade hinauszugehen versuchte, und stand da, füllte den ganzen Türrahmen aus, wartete darauf, dass sie zu Sinnen kamen und beiseite traten. Er war ein bulliger Mann, hatte zwei Jahre lang im College Football gespielt, als Lineman. Er hatte den Mechanikern befohlen, die Lehne von seinem Pilotensitz abzumontieren. Infolgedessen war es nicht ei nfach, seine Maschine zu fliegen. Es war, als säße man auf dem Bett. »Was halten Sie von meinem Vogel?«, sagte er manchmal. »Ja, Sir. Der ist in Ordnung.« »Ein bisschen langsam«, sagte Godchaux. »Langsam? Langsam? Sie sind verrückt. Das ist der schnellste Vogel in der Staffel.« »Wenn Sie das sagen, Major.« »Sie können’s ja ausprobieren.« »Sie ist vielleicht nicht so schnell, aber sie ist geräumig.« »Was soll das heißen?« »Man kommt kaum an den Knüppel. Man braucht Arme wie ’n Gorilla.«
»Du brauchst nur noch ein bisschen zu wachsen, das ist alles«, sagte Dunning. Er sah sich grinsend um. Es gab immer ein, zwei Minuten dieser Art. Nichts geschah, bis Dunning sich mit einem erwartungsvollen Gesichtsau sdruck zurücklehnte und seine Zigarre paffte. Er hörte au fmerksam zu, die Hände im Schoß übereinander liegend, Daumen wie Besenstiele. Nachdem Isbell durch war, stand er auf, um selbst ein paar Worte zu sagen, ging wie der Hau sbesitzer nach vorne, die Hände in den Taschen seines Flu ganzugs. Er begann mit einem höflichen »Gentlemen. Ich möchte Ihnen noch ein paar Dinge nahe legen«, sagte er, »auch wenn wir sie schon erwähnt haben. Sehr wichtige Dinge. Dieser Flugplatz, Gentlemen, ist schön, hat aber ein paar Mängel, deren Sie sich bewusst sein sollten. Können Sie einen davon nennen, Lieutenant Godchaux?« »Kein Radar«, sagte Godchaux. »Kein Radaranflug, Gentlemen. Wenn das Wetter schlecht wird, gehen Sie auf Nummer sicher, hier unten ist ni emand, der Sie runtersprechen kann. Was sonst, Lieutenant Grace?« »Die Bahn ist tausend Fuß kürzer als bei uns, Sir.« »Kürzere Landebahn. Und sie ist Ihnen nicht vertraut. Die Straße, an der Sie sich zu Hause bei der Base-Strecke orie ntieren – Sie wissen, welche ich meine –, die gibt’s hier nicht. Sie müssen also bei der Landung die Bedingungen genau beurteilen. Kurz und unvertraut. Verstanden? Lieutenant Ferguson, was sonst noch?« Gedehnt sagte Ferguson: »Ist ziemlich weit zur Stadt.« Unter dem Gelächter sagte jemand: »Aber wenn man erst mal da ist …« »Gutes Bier«, fügte Ferguson hinzu. »Nette professionelle Einstellung«, sagte Dunning. Vie lleicht nahm er’s leicht, vielleicht nicht, es war schwer ei nzuschätzen. Als die Besprechung vorüber war, bildete sich ein kleiner Kreis. Harlan, derb und gewöhnlich voller Misstrauen, sprach das unvermeidliche Thema an, Flugzeit, und wie viel davon ihre Rivalen, die Zweiundsiebzigste Staffel, bekam. Sie hatten in diesem Monat schon über fünfhundert Stu nden. Sie wollten’s wissen. »Es heißt, dass Pine behauptet, er kriegt zwölfhundert z usammen.« Dunning lächelte ihn an, ein falsches V, nichts Humorvolles darin, nur ein Saum im Gesicht wie der Strich auf einer Stoffpuppe. Harlan zuckte leicht mit den Schultern. »Das hör ich.« »Ich würd da nicht viel drauf geben«, sagte Dunning übe rlegen. »Es gibt ein paar Dinge, von denen Captain Pine nichts weiß.« »Das ist das Problem«, murmelte Harlan. Er war ein Junge vom Land. Seine Hände waren auch groß. »Er weiß nichts, also macht er’s wahrscheinlich einfach und fliegt zwöl fhundert.« Dunning nickte ein bisschen, als wöge er das ab. »Ich würd mir darüber keine Sorgen machen, Lieutenant«, sagte er. Dunnings Staffel war die mit dem roten Heck. Er würde nie zugeben, dass er fürchtete, von den Gelben übertroffen zu werden. Pine war berühmt für seine Überzeugung, dass Flu gstunden die magische Formel waren. »Tragt bei jedem Flug zwei Stunden ein, egal ob’s so viel war oder nicht.« Isbell war nicht so großzügig. Eine Unterschrift hatte eine Bedeutung, es war ein offizielles Dokument. »Ein paar von denen haben schon über zwanzig Stunden«, sagte Harlan, als Dunning weg war. »Das weiß ich sicher.«
Das Alarmtelefon klingelte. Die beiden Bereitschaftspiloten waren schon aus der Tür und liefen über das Gras, als die Sirene ertönte. Isbell sah auf die Uhr. Es schien lange zu dauern, bis die Triebwerke starteten. Dann kam ein gewa ltiges Anschwellen, als die Maschinen sich in Bewegung setzten und zur Startbahn rollten, sie bewegten sich schnell. Allmählich kehrte die Stille zurück. Etwa eine Minute sp äter sah man, wie sie abhoben. »Trotzdem, ich wette, dass sie zwölfhundert kriegen«, sagte Harlan. »Die kriegen immer viel Zeit. Vielleicht briefen die nicht so viel.« Den ganzen Morgen über gab es immer wieder Alarm, mi ndestens vier- oder fünfmal. Der »B«-Schwarm hatte Glück. Es gab Tage, an denen das Telefon nie klingelte. Wickenden, der Kommandeur des »A«-Schwarms, hatte ein Chart g ezeichnet, um nachzuweisen, dass sein Schwarm vier Tage Schlechtwetter gehabt hatte, seit sie hier waren, und Graces Schwarm keinen; die kriegten all die Flugzeit, klagte er. »Das gleicht sich wieder aus«, sagte Isbell. »Das tut es nie«, sagte Wickenden. Er hatte Phipps in se inem Schwarm, der zur gleichen Zeit wie Godchaux zu ihnen gestoßen war, sie waren zusammen aus der Flugausbildung gekommen. Godchaux hatte jetzt fast hundert Stunden mehr. »Warum?«, sagte Isbell. »Er ist in Graces Schwarm. Grace ist wie Pine. Sie wissen das.« »Das glaub ich nicht«, sagte Isbell. Am Mittag kam das Kurierflugzeug herein, silberfarben und langsam, schwebte lange über der Bahn, bevor seine Räder sie berührten. Die Nase erhoben, rollte es heran. Phipps ging hinüber. Er stand in einiger Entfernung und sah zu, wie es umkehrte, das Gras zitterte hinter ihm, und kleine Kiesel schossen vom Beton. Als die Motoren verstummten, ging er hinüber und wartete darauf, dass die Tür sich öffnete. Es gab Post, Ersatzteile und einen Passagier, einen Second Lie utenant, der einen Mantel trug. Sein Gepäck wurde heru ntergereicht. Es stellte sich heraus, dass er sich der Staffel a nschließen sollte. »Das ist hier doch die Vierundvierzigste, oder?«
»Ja, das ist sie. Na, da haben Sie ja Glück gehabt.«
»Was meinen Sie damit?«
»Nichts«, sagte Phipps. »Das ist nur das, was sie mir gesagt haben.«
Der Name des Neuen war Cassada. Er war etwa so groß wie Phipps, sein Haar war etwas blonder und glatt zurüc kgekämmt, wie bei einem Engländer. Phipps half ihm sein Gepäck tragen, war aber sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, Fragen zu beantworten. Cassada sah sich um, während sie auf die Gebäude zugingen. Waren das ihre Maschinen, wollte er wissen. Bekam jeder Pilot eine Maschine zugewi esen? Wurden ihre Namen darauf gemalt? Phipps sagte ja.
»Ich bring Sie rüber zu Captain Isbell«, sagte er.
»Ist er der Staffelkapitän?«
»Wer, Captain Isbell? Nein, der ist Einsatzoffizier.«
»Oh«, sagte Cassada.
Er hatte die Flugausbildung gerade hinter sich, aber er hatte vorher schon zwei Jahre als Soldat gedient. Er wirkte sehr jung. In der Messe fanden sie sowohl den Major als auch Isbell. Phipps stellte den neuen Mann vor.
»Cassada«, wiederholte der Major, als erinnerte er sich an den Namen.
»Ja, Sir.« Er kannte keines der Gesichter um ihn herum.
»Das ist ein ziemlich berühmter Name«, sagte Dunning. »Sie haben nicht zufällig jemanden in der Familie, der gedient hat?«
»Nur meinen Onkel, Sir.«
Dunning hörte auf zu kauen. »Ihr Onkel? Das ist nicht z ufällig der General?«
»Nein, Sir. Er war einfacher Soldat.«
»Sie sind mit dem General nicht verwandt?«
»Nein, Sir. Der schreibt sich mit QUE, glaub ich. Mein Name fängt mit CAS S an.«
»CAS S.«
»Cassada.«
Dunning begann wieder zu essen. »Sind Sie gerade ang ekommen?«
»Er ist gerade mit dem Kurier reingekommen«, sagte Phipps.
»Ich rede mit Lieutenant Cassada.«
»Ja, Sir.«
»Haben Sie schon zu Mittag gegessen?«
»Nein, Sir.«
»Holen Sie sich was und kommen Sie wieder her«, sagte Dunning.
Während Cassada aß, stellte ihm Dunning eine Reihe Fr agen. Wo er die Flugausbildung gemacht hatte, wie viele Flu gstunden er hatte, woher er kam, aber in Wirklichkeit hörte er nur bei einer oder zwei der Antworten richtig zu. Er sagte Cassada, dass er bei einer herausragenden Staffel gelandet sei, und stocherte in den Zähnen herum, während er redete. Er wirkte abwesend. Er verließ sich auf seinen Instinkt, en tschied nach ein paar Sekunden, ob ein Mann es schaffen würde oder nicht. Im Falle von Cassada, der nicht viel g esagt hatte, vielleicht ein Dutzend Wörter, war Dunning nicht sehr beeindruckt. Er mochte Lieutenants, die ihn an die Zeit erinnerten, als er einer gewesen war. Laut und drauf. gängerisch. Nichts als Unfug im Kopf, wie Baysinger, der eine breite Lücke zwischen den Schneidezähnen hatte und eines Abends im Club, ebenso betrunken wie Dunning, mit ihm einen Ringkampf veranstaltet hatte, bei dem Dunning sich das Bein brach. Baysinger hatte seine Runde hinter sich und war längst wieder fort, genauso wie die Krücken, an denen Dunning zwei Monate lang herumgehumpelt war.


* * * Dunning trug ein Wollhemd, einen grünen Schlips und ein Tweedjackett. Er schüttete sich etwas Haarwasser auf den Kopf und kämmte das Haar glatt. Ein feuchtes Handtuch hing am Fuß des Bettes. Er nahm es und säuberte damit seine Schuhe. Als letzte Raffinesse stopfte er ein khakifarbenes Taschentuch in die Brusttasche und steckte sein dickes z usammengeklapptes Portemonnaie in die Gesäßtasche seiner Hose. »Kann ’ne richtig heiße Angelegenheit werden«, sagte er zu Isbell. An der langen baumbestandenen Allee, die zur Stadt führte, stand ein unscheinbar wirkendes Gasthaus. Dunning hatte die Frau, die es leitete, gut genug kennen gelernt, um ihr einen vertraulichen Klaps auf den Hintern zu geben und ihr zu sagen, was sie bringen sollte, was immer es war, ein o rdentliches Schnitzel oder den guten Wein, nicht das billige Zeug. Er konnte ein bisschen Deutsch. Er konnte sagen, dass etwas schmeckte wie Rattengift, was immer für einen Lacher gut war. Begrüßungsjubel erhob sich, als er und Isbell hereinkamen. Alle waren da, mussten auch da sein, sogar die Versorgung sund Verbindungsoffiziere. Alle vier Schwarmführer, die aber nicht zusammensaßen, sondern unter den anderen verteilt, Wickenden, Grace, Reeves und Cunati, der falsche Schne idezähne hatte, die Geschichte seiner echten war unbekannt. Isbell setzte sich neben Harlan, der wie üblich etwas en tlarvte, in diesem Fall den Krieg, der vor mehr als einem Jahrzehnt zu Ende gegangen war. So viel wusste er darüber nicht, gab er zu, während er am Etikett einer feuchten Fl asche herumpulte, aber eins wusste er: Wir hätten uns da nie einmischen dürfen. Das war niemals unsere Sache. Seine blassblauen Augen beobachteten, was seine Finger taten. Es hat uns überhaupt nichts genützt. Grace war anderer Meinung: Das war alles Teil eines gr ößeren Kampfes.
»Was für ’n größerer Kampf?«
»Gegen den Kommunismus. Die Deutschen haben uns in Wirklichkeit geholfen.«
»Du meinst, die waren auf unserer Seite?«
»Gewissermaßen.«
»Das ist mir neu.«
»Wie so vieles«, sagte Grace.
»Ach ja?« Harlan wandte den Kopf. »Was sagen Sie, Ca ptain?«
»Ich glaub, es ist unentschieden.«
»Was meinen Sie mit unentschieden?«
»Keiner von euch weiß, wovon er redet.«
»Kommen Sie, versuchen Sie nicht, uns zu schmeicheln.«
»Mann, das ist ein großes Wort für dich«, sagte Grace.
Es war Freitagabend, der Abend, an dem getrunken wurde.
Das konnte noch Stunden so gehen. Isbell saß da, hörte nicht wirklich zu, sein Blick ging über die Männer hi nweg, gleichgültig, aber suchend, er wusste nicht genau, was. Wahre Kameraden vielleicht. Sogar Freunde. Reeves, dachte er, als sein Blick auf ihn fiel, ein wirklich undurchschaubarer Mann. Wickenden. Er zögerte. Wicke ndens runder Kopf, das kurze Haar, rasiert wie bei einem Ru ssen, die Kopfhaut schien durch. Er redete über die Jagd, die neuen Hochgeschwindigkeitsgeschosse, der enorme Schock des Einschlags. Selbst ein Treffer im Bauch der Tiere brachte sie jetzt zur Strecke – zerstörte ihr Nervensystem. Er fand das nicht gut. Seine Lippen spannten sich. Zu viel Zerstörung skraft, das hatte nichts mehr mit Jagdsport zu tun. Man sollte sie genau treffen müssen, an einem Fleck von der Größe einer Pflaume. Genau ins Blatt. Das Herz. Oder man kriegte sie nicht. »Gib dem Biest ’ne Chance.« Es war ein kalter Abend. Auf der anderen Seite des hal bdunklen Feldes konnte Isbell eine Bewegung sehen, irgen dein Tier. Dann konnte er es erkennen, ein Hirsch, der kein gutes Ziel abgegeben hatte, er trieb langsam durch die dun klen Wälder, der schöne Kopf und das Geweih. Es herrschte harter Frost. Der Hirsch trat schlankbeinig durchs Unte rholz, unsicher, aber mit unvergleichlicher Grazie, alle zwei Schritte stehen bleibend, während sein Bauch sich mit Blut füllte. Die Flanken seines Körpers waren nass davon, sie hoben sich sanft, etwas war hinter ihm her, verfolgte ihn im Dunkel. Hierher! Etwas brach durch steif gefrorene Äste. Der Hirsch, der zum ersten Mal einen schreckerregenden Schwindel empfindet, beginnt sich schneller zu bewegen, in Panik. Die Zweige brechen mit lautem Knacken. Hier h erüber! Hierher! Wer unter ihnen? fragte sich Isbell. Irgendeiner vielleicht, den er fast übersehen hatte, still und nachdenklich, oder ein anderer, streitlustig und intensiv? Godchaux – er war all das, worum es hier ging. Grace. Die besten Piloten. Auf der a nderen Seite des Raums, zwischen Männern eingekeilt, die er nicht kannte, war der Neue. Blondes Haar, Augenbrauen, die einander in der Mitte fast berührten. Man soll nie j emandem trauen, dessen Augenbrauen zusammengewachsen sind, heißt es. Eine Regel, so gut wie alle anderen, und der neue Mann, der alles um sich beobachtete, begann gerade, sich ein paar neue Idole auszusuchen, Isbell hätte das für ihn tun können, der falsche Glanz. Er leerte sein Glas und hob den Finger, um ein neues zu b estellen. Es war seltsam. Zuzeiten konnte er sie in einem ganz anderen Licht sehen, konnte sehen, was sie waren, voll ei nfachen Mutes und jung. Godchaux hatte ein Lächeln, das auch der Tod nicht auslöschen konnte. Dumfries, dieser Idiot, mit vollen Wangen, lächelnd, hatte auch etwas, er war anständig und bewundernswert. Es gab Zeiten, da traute Isbell ihnen allen. Sie waren aneinander gebunden, sie alle, er und Dunning auch, sie bewegten sich in einer weiten Umlaufbahn, manchmal kamen sie einem normalen Leben trügerisch nahe, dann waren sie wieder weit davon entfernt. Die Extreme waren Nordafrika, wohin sie ein- oder zweimal im Jahr flogen, um Schießtraining zu machen, und am a nderen Ende die Himmel von England, wo manchmal große Scheinschlachten geschlagen wurden. Der Rest spielte sich zu Hause im Rheinland ab, Gerüchte, Routine, gelegen tliche Verlegungen, ab und zu München. Sie beflogen die westliche Welt zusammen, landeten in Rom, um aufzuta nken. Schlechtes Wetter? Umgeleitet nach Neapel – achte auf die Olivenbäume, wenn du westwärts landest. Irgendetwas Neues begann gewöhnlich, bevor das Letzte endete. Isbells wahre Aufgabe war biblisch. Es war die Aufgabe Moses’ – er würde sie bis in Sichtweite des Versprochenen führen, aber nicht weiter. Zu den Toren des Himmels, von deren Existenz niemand etwas wusste.


* * *
Dunning trank Kaffee und sprach mit zwei Offizieren von der Bodentruppe. Godchaux und Phipps setzten sich in der Nähe hin. Es war ein wolkiger Morgen. Die letzten Masch inen landeten. Als die Mechaniker gegangen waren, wandte Dunning sich um. Er betrachtete Godchaux einen Moment. »Wir sind ja heut Morgen sehr modisch, was?«
»Sir?«
»Was ist das?«, fragte Dunning, auf Godchaux’ Füße bl ickend, »neue Bekleidungsordnung der Air Force?«
»Wie bitte, Sir?«
»Ich hatte den Eindruck, dass wir uns alle mehr oder w eniger auf eine Farbe geeinigt hätten.«
»Oh, Sie meinen die hier.« Es war ein rotes Paar Socken.
»Ich glaub, ich hab nicht aufgepasst. Ich dachte, die Kombi würde sie sowieso verdecken. Ich nehm an, ich sollte sie wechseln.«
»Das würde ich vorschlagen, Lieutenant.«
Phipps sah Godchaux an und machte eine schnelle seitliche Bewegung mit den Augen.
»Gleich jetzt, meinen Sie?«, fragte Godchaux Dunning.
»Einfach so schnell wie möglich.«
Da sah Godchaux den schmalen Streifen aus grünem und schwarzem Karo.
»Ja, Sir«, sagte er.
»Na?«, sagte Dunning. Godchaux hatte sich nicht bewegt.
»Sir, kann ich Ihren Jeep borgen?«
»Nein.«
Godchaux stand auf.
»Setzen Sie sich«, sagte Dunning, ohne ihn anzusehen.
»Ich wechsel sie, wenn ich mittags zurückgeh«, sagte Go dchaux. »Nur eins noch …«
»Was?«
»Soll ich Ihnen auch ein Paar mitbringen?«
Phipps erstickte ein Lachen. Dunning starrte ihn missbill igend an, wie jemanden, der eine dumme Frage gestellt hat.
»Was ist denn mit Ihnen los?«
»Nichts, Sir«, sagte Phipps, der immer noch glaubte, dass es Spaß war. Dann wurde er unsicher und setzte einen anderen Gesichtsausdruck auf. Er sah verlegen aus. Er rieb sich nervös die Nasenspitze. Die Laune des Staffelchefs war unbereche nbar – dieser breite Mann, der Jagdbomber-Missionen in Korea geflogen hatte, das Unterbrechen von Eisenbahngle isen weit im Norden, von denen er erschöpft und dunkel von Schweiß zurückgekehrt war. Dunning redete nicht darüber, das musste er nicht. Es war Teil seiner Aura. Cassada kam heran, allein, in einer Fliegerjacke, die zu groß für ihn war. Die Ärmel berührten fast seine Handknöchel. Er sah, dass Dunning ihn heranwinkte, und setzte sich zu ihnen. Wie lief ’s bei ihm? wollte Dunning wissen. Gut, sagte Cassada.
»Hat Captain Isbell schon jemanden für die Einweisung
zugeteilt?«
»Ja, Sir. Lieutenant Grace.«
»Gut. Da sind Sie in guten Händen. Tasse Kaffee?«
»Nein danke.«
»Wieso? Trinken Sie keinen Kaffee?«
»Nein, Sir.«
»Ich hab noch nie von einem Kampfflieger gehört, der ke inen Kaffee trinkt. Was ist das, Teil Ihrer Religion, oder was?«
»Es ist das Koffein, Sir, ich reagier anscheinend empfindlich
auf Koffein.«
»Was trinken Sie denn?«
»Na ja, manchmal Tee, Sir.«
»Tee?«
Ferguson trank Kaffee. Und er brauchte ihn dringend. Er war vor ein paar Minuten gelandet und mit einem Kater geflogen. Der Abdruck der Sauerstoffmaske war noch in se inem Gesicht.
»Geht’s Ihnen nicht gut?«, fragte Dunning.
Ferguson hielt die Tasse in beiden fast bebenden Händen.
»Sie sehen etwas blass aus«, fuhr Dunning fort.
»Nein, Sir, Major. Mir geht’s gut.«
»Waren Sie gestern Abend in der Stadt?«
»Nein, Sir, nur ein bisschen Druck hier oben«, er berührte
seinen Nasenrücken, »Nebenhöhlen, das ist alles.«
»Vielleicht brauchen Sie etwas Tee.«
»Sir?«
»Tee«, sagte der Major.
Ferguson, groß und ein wenig ziellos, stand vor einem Rä tsel. Irgendwas musste er verpasst haben. »Ich glaub nicht«,
sagte er, sich umsehend. Irgendetwas ging hier vor.
Als Dunning gegangen war, sagte Ferguson: »Worum ging’s denn?«
»Frag Cassada.«
»Ich hab nur gesagt, dass ich keinen Kaffee trinke. Das Ko ffein«, sagte Cassada.
»Er hat nie einen Kampfflieger getroffen, der keinen Kaffee
trinkt«, sagte Phipps.
»Ich hoffe, Sie mögen Bier«, sagte Godchaux.

James Salter

Über James Salter

Biografie

James Salter, 1925 in Washington, D.C. geboren und in New York aufgewachsen, wurde mit seinen großen Romanen »Lichtjahre« und »Ein Spiel und ein Zeitvertreib« auch in Deutschland berühmt. Er diente als Kampfflieger zwölf Jahre lang in der US Air Force und nahm 1957 seinen Abschied, als sein Debüt,...

Kommentare zum Buch

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden