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Bound to YouBound to You

Bound to You

Eden

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Bound to You — Inhalt

Wenn man den alten Weissagungen Glauben schenkt, dann hätte sich Nina Grey niemals in einen Engel verlieben dürfen - und erst recht nicht von ihm schwanger werden, denn ihr gemeinsames Kind könnte die Welt aus den Angeln heben. Aber Jared ist die Liebe ihres Lebens und Nina ist bereit, alles für ihn zu riskieren. Jared darf sich keinen Fehler erlauben, um sie und ihr ungeborenes Kind zu schützen, denn Himmel und Hölle sind ihnen dicht auf den Fersen. Doch es gibt ein Versprechen, an das Jared gebunden ist: Er muss das Buch der Dämonen nach Jerusalem zurückbringen. Um sich auf die Reise vorzubereiten, kehrt Jared nach St. Ann zurück, und erfährt dort endlich die ganze Wahrheit.

Erschienen am 05.10.2015
Übersetzer: Frauke Meier
288 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-492-70354-3
Erschienen am 05.10.2015
Übersetzer: Frauke Meier
288 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97152-2

Leseprobe zu »Bound to You«

Kapitel 1: Morgen

 

Und so lebten sie glücklich und in Frieden. So heißt es doch am Ende, nicht wahr? Der schwere Teil war vorbei. Nun segelten wir in ruhigen Gewässern. Ich lag im Bett, gleich neben meinem schönen, himmlischen Märchenprinzen, und ein tropisches Lüftchen wehte durch die Fliegengitter vor den Fenstern unserer kleinen karibischen Hütte, während ich darauf wartete, dass die Sonne aufging und der Tag begann, an dem ich heiraten würde.
Schon komisch, dass glücklich und in Frieden doch gar nicht das Ende ist … jedenfalls nicht, wenn die Hölle [...]

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Kapitel 1: Morgen

 

Und so lebten sie glücklich und in Frieden. So heißt es doch am Ende, nicht wahr? Der schwere Teil war vorbei. Nun segelten wir in ruhigen Gewässern. Ich lag im Bett, gleich neben meinem schönen, himmlischen Märchenprinzen, und ein tropisches Lüftchen wehte durch die Fliegengitter vor den Fenstern unserer kleinen karibischen Hütte, während ich darauf wartete, dass die Sonne aufging und der Tag begann, an dem ich heiraten würde.
Schon komisch, dass glücklich und in Frieden doch gar nicht das Ende ist … jedenfalls nicht, wenn die Hölle einem ans Leben will.
Diese triviale Tatsache ließ sich allerdings mühelos ignorieren, solange ein leichter Regen auf das Blechdach trommelte und die Palmwedel vor unserer Casita raschelten, während der Wind sanft durch die Bäume strich. Die ersten Sonnenstrahlen tanzten über die Decke wie ein goldener Schimmer behaglicher Wärme. Diese zitternden, glühenden Punkte über mir waren das Erste, was ich sah, als ich die Augen aufschlug. Jared Ryel war das Zweite. Er lächelte und wartete darauf, dass mein Blick sich klärte.
»Es ist Morgen«, flüsterte er.
Pink- und purpurfarbene Lichtsprenkel waren soeben durch das Fenster hereingefallen, und der Regen war bereits auf dem Weg zu der größeren Insel und ließ nur ein Tröpfeln zurück. Die verblassenden rötlich blauen Flecke auf Jareds Stirn, Wangen und Kinn traten in dem frühen Tageslicht besonders deutlich hervor und riefen eine Flut der Erinnerungen an die vorangegangenen Tage herbei.
Das Unmögliche hatten er und ich bereits überlebt – als wir von Angesicht zu Angesicht mit einer der furchterregendsten Kreaturen der Hölle und einigen Hundert ihrer Lakaien, dämonischer und menschlicher gleichermaßen, gestanden haben. Da war ein neuer Morgen schon Grund genug zu feiern. In diesem Moment setzte die Erkenntnis ein, und Jareds Augen funkelten vergnügt, als mein verschlafener Gesichtsausdruck plötzlicher Munterkeit wich.
»Es ist heute?«, fragte ich leise, streckte die Hand aus und berührte seine Haut und die verbliebenen Spuren seines Kampfes mit Shax.
Jared stützte sich auf die Ellbogen und beugte sich mit seinem Kopf nah an meinen Bauch heran. »Guten Morgen, kleines Böhnchen.«
»Böhnchen?«, fragte ich, und meine Brauen ruckten aufwärts.
»Ja. Sie ist nicht größer als ein Böhnchen. So steht es jedenfalls im Buch.«
»Buch.«
Jared hob ein dickes Buch vom Boden auf, dessen Einband nur so troff vor scheußlichen Pastellfarben und kindlicher Schrift.
»Ich dachte, ich sollte auf alles, was passieren könnte, vor­bereitet sein.« Er blätterte in den Seiten. Dann sah er mich an, als würde er auf eine Bestätigung warten.
»Gibt es da auch ein Kapitel über Dreimonatskoliken bei Engelskindern?«, erkundigte ich mich grinsend, als Jared die Stirn in Falten legte.
Er warf das Buch auf den Boden und platzierte sich dann spielerisch auf mir und schnüffelte an meinem Hals.
»Jared!«, quiekte ich und machte einen kläglichen Versuch, ihn wegzustoßen. »Hör auf!«
»Ich höre auf, wenn du es sagst«, ertönte seine Stimme gedämpft an meiner Haut.
»Wenn ich was sage?« Kichernd und vergeblich wand ich mich unter ihm.
Jared hob den Kopf und sah mir in die Augen. »Böhnchen«, sagte er, und seine Augen leuchteten in einem weichen Blaugrau.
Ich presste die Lippen zu einem strengen Ausdruck zusammen, doch als er mich erneut mit seinem Atem kitzelte, gab ich auf. »Okay!«, kreischte ich. »Böhnchen!«
Ein breites Grinsen zeigte sich in seinen Zügen. »Ich wünsch­­te, ich hätte vor drei Jahren schon gewusst, wie gut diese Taktik bei dir funktioniert. Mein Leben wäre viel einfacher gewesen.«
Ich schlug nach ihm, wohl wissend, dass er ausweichen würde. »Das ist nicht fair.«
Jared küsste mich, und seine Wärme drang durch meine Haut. Er kam mir nicht so warm vor wie sonst, aber das schob ich auf die tropische Hitze, die meine eigene Körpertemperatur nach oben getrieben haben mochte.
»Weißt du, was nicht fair ist? Ich bekomme dich erst heute Nachmittag wieder zu sehen.« Damit ließ er mich im Bett allein und zog sich ein weißes T-Shirt über den Kopf.
»Was soll das heißen?«, fragte ich und stemmte mich auf die Ellbogen.
»Du solltest dich lieber anziehen, Süße. Wir bekommen in fünf Minuten Besuch.«
»Besuch?«
Jared warf mir ein hellbraunes Sommerkleid auf das Bett, und ich beeilte mich, hineinzuschlüpfen. Niemand wusste besser als ich, dass Jared sich in solchen Dingen niemals irrte. Ich band mir das Haar zu einem unordentlichen Pferdeschwanz und stand unbeholfen auf, während Jared die Blechtür öffnete. Eine Gruppe Dorfbewohner war auf dem Weg zu unserer Casita, angeführt von einer erschöpft aussehenden Beth. Sie trug einen weißen Kleidersack, und als sich unsere Blicke trafen, lächelte sie, wie es breiter nicht mehr ging.
»Beth!«, rief ich und stürzte die Stufen hinab. Meine nackten Füße matschten im Schlamm, als ich zu ihr rannte und die Arme um sie schlang. Ihr kastanienbraunes Haar war feucht und klebte ihr an Stirn und Wangen im stark geröteten Gesicht. Sie war verschwitzt und rang nach Atem, als Chad ihr den Kleiderbeutel abnahm.
»Sie wollte ihn unbedingt selbst tragen«, erklärte er kopfschüttelnd und hielt Jared den Beutel hin, doch Beth riss ihn sogleich wieder an sich und schlug seine Hand weg.
Belustigt versicherte Jared: »Ich schaue nicht rein, Beth. Ich werde jetzt mit Chad zur Kapelle gehen. Ihr zwei habt den ganzen Tag Zeit.«
Das hätte mich nicht überraschen dürfen – Jared bekam einfach alles hin –, trotzdem war ich sprachlos. Beth und Chad waren gerade mal acht Stunden nach uns eingetroffen.
»Wie hast du …?«, fing ich an.
Jareds Lächeln wurde noch etwas strahlender. »Wir haben uns um alles gekümmert. Ich wollte nicht, dass du dich damit belasten musst.«
»Wir …?« Noch verwirrter als zuvor runzelte ich die Stirn.
»Mom wartet an der Kapelle auf mich. Wir sehen uns dort.« Er grinste von einem Ohr zum anderen. So glücklich hatte ich ihn noch nie erlebt. Er beugte sich zu mir und küsste mich auf die Wange, ehe er Chad zuwinkte, ihm zu folgen.
»Bist du schon mal Motorrad gefahren?«
Chad stutzte. »Ja. Warum?«
»Der Weg ist nicht ganz einfach.« Jared klopfte Chad aufmunternd auf die Schulter. Der arme Chad sah aus, als würde er sich arg fehl am Platz fühlen, aber obwohl die beiden Männer sich nicht sehr nahestanden, vertraute ich voll und ganz darauf, dass mein künftiger Ehemann sein Unbehagen erfolgreich würde vertreiben können.
»Warte nur, bis du das Kleid siehst!«, quiekte Beth und zog mich in die Hütte. Sie hängte den Beutel an den hölzernen Rahmen des Wandschranks und rieb sich die wunde Schulter. »Das war ein langer, schmutziger Weg.«
»Das war es.« Ich nickte. »Soll ich dir etwas Eis für deine Schulter holen?«
Beth’ Augen funkelten wieder, und sie zog den Reißverschluss des Kleiderbeutels auf und drehte sich zu mir um.
Ich blinzelte fassungslos. »Das ist das … äh …«
Nun funkelten Beth’ Augen vor Aufregung. »Das Kleid aus dem Brautmodemagazin, das du dir vor zwei Jahren ausgesucht hast? Ja!«
»Aber … wie kommt das hierher? Wie hat er …?«
Beth konnte nicht warten, bis ich fertig war. »Ich habe das Ding ewig versteckt, kannst du dir das vorstellen? Lillian hat es zu uns gebracht und gesagt, du hättest es ausgesucht, und Jared hätte es gekauft. Und dann haben sie mich gezwungen, es zwei Jahre lang aufzubewahren! Das war schrecklich! Warum meinst du, habe ich dich die ganze Zeit wegen eines Hochzeitstermins gepiesackt?«
»Aber … warum?«
Beth nickte. »Tja, das habe ich sie auch gefragt. Seine Mom hat gesagt, er wäre zu aufgeregt und wollte dich überraschen, blablabla. Aber ich glaube, er wollte mich nur quälen, denn das war die Hölle.«
Ich konnte nicht aufhören, das fließende, seidige Weiß vor meinen Augen anzustarren. Ich weiß noch, wie ich, während ich mich von meiner Verwundung erholt hatte, auf unserem Sofa gesessen und mit Lillian in den Magazinen geblättert hatte, bis ich plötzlich an einem Bild hängen geblieben war, unfähig, noch eine Seite weiterzublättern. Das war kurz nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus gewesen, an dem Tag, an dem Claire aufgebrochen war, um all die Menschen zu eliminieren, die uns bedrohten. Und nun baumelte direkt vor meiner Nase ein Kleid, das mit dem, das vor zwei Jahren mein ungeteiltes Interesse gewonnen hatte, vollkommen identisch war.
»Beth?«, sagte ich, ohne den Blick von dem Kleid zu lösen.
»Ja?«
»Du musst ein bisschen runterschalten. Ich fühle mich etwas überfordert.«
Beth’ Kopf machte eine ruckartige Bewegung, was wohl
ein Nicken sein sollte. Dann setzte sie sich in eine Ecke. Nach einem tiefen Atemzug setzte sie erneut zu sprechen an. »Es ist wunderschön.«
Beinahe hätte ich Beth gefragt, warum Lillian das Kleid nicht in ihrem Haus behalten hatte, aber das war eine dumme Frage. Beth war sicher. Niemand würde ihre Wohnung in die Luft jagen oder mitten in der Nacht durch das Fenster einbrechen – und auf diese Weise hatte Jared einen weiteren Verbündeten im Kampf um die Festsetzung eines Hochzeitstermins gewonnen.
»Er ist brillant«, hauchte ich voller Bewunderung.
»Was?«
»Nichts.«
Beth umfasste ihre Knie und biss sich auf die Lippe, kämpfte mit jeder vorüberziehenden Sekunde.
»Bist du immer noch überfordert?«
»Es geht mir schon wieder besser.«
Sogleich verlor sie den Kampf um ihre Selbstbeherrschung und beugte sich auf ihrem Sitz vor. »Ich habe zwei übervolle Tüten mit Make-up, Haarspray und Lockenstäben dabei. Ich glaube, ich habe jede nur mögliche Größe eingepackt. Ich kann dir alles bieten von großen Wellen bis hin zu kleinen Korkenzieherlöckchen. Falls du keine Locken willst, habe ich auch ein Glätteisen dabei …«
»Beth?«
»Sorry.«
»Du nimmst eine Valium, ich nehme eine Dusche … warte. Ist es nicht ziemlich idiotisch, dass ich nicht einmal weiß, um welche Uhrzeit meine Hochzeit losgeht?«
»Ein Uhr. Wir haben jede Menge Zeit.«
Ich nickte und schnappte mir meinen Bademantel und ein Handtuch. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie schwer die Warterei für sie gewesen sein muss. Das war einerseits liebenswert, andererseits auch aufwühlend.
Im warmen Regen der bescheidenen Dusche in unserer Casita fiel es mir leicht, die Anspannung loszulassen. Auf jedem Ast der Bäume sangen Vögel, und das Rauschen des Meeres verriet, wie nahe es war. Stress zu empfinden war im Paradies traumhafterweise unmöglich.
»Willst du eine Hochsteckfrisur? Ich habe für alle Fälle Haarklammern mitgebracht!«, rief Beth.
»Ich höre dich nicht!«, entgegnete ich und massierte mir Shampoo ins Haar. Derweil fragte ich mich, ob sie sich wohl über Jareds bereits verblassende Blutergüsse wunderte oder ob sie sie gar nicht bemerkt hatte. Chad würden sie gewiss nicht entgehen. Wenn sie den Vormittag zusammen verbrachten, musste er sie irgendwann sehen. Jared konnte sich bestimmt herausreden, aber wenn Beth mich danach fragte und ich eine andere Geschichte erzählte als er, würde das die Dinge nicht gerade vereinfachen. Sie zu überzeugen, dass ich einen Leibwächter brauchte, war leicht – schließlich hatte sie meinen Zusammenstoß mit Mr. Dawson miterlebt. Soweit sie sich nicht auf das Training zurückführen ließen, waren Jareds blaue Flecken ein verräterisches Zeichen dafür, dass ich in Gefahr gewesen war. Aber zwei Jahre Erfahrung sagten mir, dass Beth viel zu sehr mit den Details meiner Hochzeit beschäftigt war, also drängte ich die Sorge beiseite.
Beim Gedanken an Jareds Prellungen nahm der Rest seines Gesichts in meinem Kopf Gestalt an, und plötzlich konnte ich gar nicht schnell genug unter der Dusche vorkommen.
So lange warten zu müssen, bis ich ihn wiedersah, machte mir Angst.
In mein Handtuch gewickelt, das Haar tropfnass, rauschte ich zurück ins Schlafzimmer und schlüpfte in meinen Mor­genrock.
»Was hast du vor?«
»Ich gehe spazieren«, sagte ich und zog mir ein Paar San­dalen an.
»O nein, das tust du nicht. Wir müssen ein ganzes Tagespensum an Styling in ein paar Stunden schaffen! Schaff deinen Hintern auf diesen Stuhl, junge Dame!«, befahl Beth.
»Dauert nur eine Minute«, entgegnete ich und winkte ab. Dann öffnete ich die Tür der Casita, nur um Bex vor mir stehen zu sehen.
»Morgen.« Er lächelte. »Willst du irgendwohin?«
»Nur spazieren.« Ich zuckte mit den Schultern.
»Hast du nicht noch irgendwelche Mädchensachen zu regeln? Du heiratest schließlich in ein paar Stunden.«
Ich runzelte die Stirn. »Wollt ihr mich hier gefangen halten?«
Bex spiegelte meine Miene wider. »Nein, du paranoide Schizo. Dein Wächter-Schrägstrich-Fastehemann ist auf der anderen Seite der Insel, und du und dein ungeborenes Baby steht beide ganz oben auf der Fahndungsliste der Hölle. Ich bin hier, um für deine Sicherheit zu sorgen. Wenn du gehen willst, geh. Aber ich muss dich begleiten.«
»Oh«, machte ich und kam mir ziemlich dumm vor. »Okay, also, ich will gehen.«
Beth packte mein Handgelenk, einen Haartrockner in der anderen Hand. »Ich bin in null Komma nix in ein Flugzeug gehüpft. Ich bin in einem Boot über unbekanntes Gewässer gefahren – in strömendem Regen. Unter meinen frisch lackierten Fingernägeln klebt Dreck, und ich bin ziemlich sicher, dass mir auf dem Weg hierher ein Vogel auf den Kopf geschissen hat. Das alles habe ich auf mich genommen, um herzukommen und dir zu helfen, dich für eine Hochzeit zurechtzumachen, über die ich zwei Jahre Schweigen bewahrt habe. Du kannst mir wenigstens ein paar Stunden gönnen!«
»Okay! Du hast recht. Tut mir leid«, sagte ich, folgte Beth wieder hinein und setzte mich auf den Stuhl, den sie vor den improvisierten Kosmetiktisch gestellt hatte.
»Wow«, ächzte Bex und setzte sich auf das Bett. »Mädchen sind wahnsinnig.«
Auf dem Tisch lag ein Gewirr aus Kabeln, an denen diverse heiße Glätt- und Lockeneisen hingen, Schminkutensilien, Bürsten, Lockenwickler, Kämme und Haarpflegemittel. Die schwarzen Kabel steckten in einer orangefarbenen Mehrfachsteckdose, deren eigenes Kabel hinaus zu dem solar betriebenen Generator führte, den Jared draußen aufgebaut hatte. Das Chaos mochte das Auge beleidigen, aber zumindest hatten wir Strom, ohne das ärgerliche Dröhnen eines benzinbetriebenen Generators erdulden zu müssen. Beth schaltete mehrere Lampen an, um das begrenzte natürliche Licht zu ergänzen, das durch die Fenster hereinfiel. Anschließend stöpselte sie ein Maniküre-Pediküre-Gerät ein. Eine große Kamera fand sich auch noch in dem Durcheinander. Und zwei Packungen mit noch unbenutzten Speicherkarten für die Kamera.
»Danke, Beth«, sagte ich. Allein die Planung musste enorm zeitaufwendig gewesen sein.
»So etwas tun beste Freunde eben.«
Nach stundenlangem Kämmen, Schrubben, Pudern und Polieren war ich endlich bereit, in mein Hochzeitskleid zu schlüpfen.
»Ich gehe solange raus«, verkündete Bex. »Ich brauche sowieso ein bisschen frische Luft.«
Beth wartete, bis Bex weg war, und seufzte. »Wir müssen mit dem Kleid noch warten«, erklärte sie dann nervös.
»Du machst Witze«, gab ich zurück und tat einen Schritt auf mein Kleid zu, aber Beth verstellte mir den Weg und streckte beide Arme aus, um das Kleid vor mir abzuschirmen.
»Nein! Ich mache keine Witze. Wir warten.«
Ich musterte sie argwöhnisch. »Du bist völlig durchgedreht, Beth?«, kommentierte ich und ließ mich schmollend auf den Stuhl fallen.
Sie lächelte. »Du siehst wunderschön aus.«
»Ich bin es ja gewohnt, größtenteils im Dunkeln gelassen zu werden, aber an meinem Hochzeitstag wäre ich gern mal eingeweiht.«
»Das verstehe ich«, sagte Beth mit bedauerndem Ton. »Es ist nur, dass …«
Es klopfte leise an der Tür, und sofort veränderte sich Beth’ Stimmung. »Komme«, rief sie erleichtert.
Cynthia stand auf der Schwelle. Wie üblich gab ihr Gesicht keinerlei Gefühlsregung preis. »Nun?«, rief sie nach draußen. »Bring meine Sachen in die Hütte nebenan. Danke.« Ihr Ton vermittelte etwas völlig anderes als ihre Worte – wiederum wie üblich.
»Mutter«, keuchte ich verblüfft.
Sie trug ein champagnerfarbenes Etuikleid, das, ebenso wie ihre Schuhe, makellos war, obwohl sie gerade mit Fünfzehn-Zentimeter-Absätzen in einem tropischen Regenschauer durch den Schlamm marschiert war. Ihr Haar hatte sie zu dem üb­lichen festen Knoten frisiert, wodurch ihre Augen noch strenger wirkten, als sie mit einem leisen Schnauben die Sonnenbrille abnahm.
»Ich muss mich für mein spätes Erscheinen entschuldigen, Nina, Liebes. Ich musste mehrere Termine verlegen, da ich erst so kurzfristig erfahren habe, dass meine Anwesenheit erforderlich ist.«
»Sorry«, sagten Beth und ich wie aus einem Mund.
»Tja«, seufzte sie. »Du bist meine einzige Tochter. Man tut, was man tun muss.« Ich lächelte, und Cynthia tat ein paar Schritte, um mir eine kühle Umarmung anzudienen. Diese unbeholfene Geste war alles, was sie zu bieten hatte, und weil ich das wusste, schätzte ich es mehr, als es jemand anderes vermutlich hätte tun können. Rasch löste sie sich wieder von mir und bedachte mich mit einem höflichen Lächeln. »Du siehst großartig aus, Liebes.«
»Danke. Ich wollte gerade mein Kleid anziehen …«
»Oh. Nun, dann gehe ich solange hinaus«, entgegnete Cynthia.
»Würde es dir etwas ausmachen, mir zu helfen?«, fragte ich nervös.
Cynthia zögerte. »Äh … ist Beth nicht deswegen hier?«
»Nein.« Beth strahlte sie an. »Wir haben auf Sie gewartet.«
Cynthias Blick wanderte über mein Kleid und die endlosen Meter weißer Seide, und ihr traten die Tränen in die Augen. »Meine Güte«, flüsterte sie und zog ein Taschentuch hervor.
Damit hatte ich nicht gerechnet, Cynthia weinte nicht gerade häufig. Genauer gesagt, hatte sie im Laufe meines Lebens nur zwei Gelegenheiten dazu genutzt, und beide hatten mehr mit meinem Vater zu tun.
»Schon gut, Mutter.« Unsicher suchte ich nach einem passenden Ort, um mich tröstend zu nähern, entschied mich für ihre Schulter und klopfte ein paarmal unbeholfen darauf.
Sie schniefte einmal und reckte das Kinn hoch, um die unerwünschten Gefühle abzuwehren. »Es ist nur, weil Charmeuse so leicht verknittert.«
Ich nickte. »Ich weiß.«
Als sie sich die Augen ein letztes Mal mit dem Taschentuch abgetupft hatte, drehte sie sich um. »Beth, es ist besser, wenn du ihr hilfst, Schätzchen. Ruft mich, wenn du angezogen bist.« Damit schloss sie die Tür hinter sich, und ich starrte Beth wortlos an.
»Tut mir so leid«, wisperte sie. »Ich dachte … ich habe auf sie gewartet, weil ich dachte, sie wäre gern dabei. Ich hätte es besser wissen müssen. Jetzt fühlt ihr euch nur beide unbe­haglich.«
»Einen Versuch war es wert. Bei Cynthia weiß man schließlich nie. Womöglich wäre sie gekränkt gewesen, hätte ich sie nicht gefragt, also hast du das Richtige getan.«
»Habe ich?«
Ich lächelte. »Hast du. Und jetzt hilf mir, das Ding anzuziehen. Und pass auf, dass wir es nicht zerknittern. Ich möchte ja nicht, dass meine Mutter sich aufregen muss.«
Beth nickte und nahm vorsichtig das Kleid vom Bügel. »Ich auch nicht.«

Jamie McGuire

Über Jamie McGuire

Biografie

Jamie McGuire ist in Tulsa, Oklahoma, aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in der Nähe ihrer Heimatstadt. Ihr erster Roman, »Beautiful Disaster«, war ein internationaler Erfolg, an den sich weitere New-York-Times-Bestseller anschlossen.

Kommentare zum Buch

Henrike @ WatchedStuff am 18.03.2016

Eine ganze Weile habe ich auf dieses Finale der Bound to You-Trilogie gewartet, nachdem ich von den ersten beiden Teilen schwer begeistert war. Jamie McGuire hat einen tollen Schreibstil, der mich auch hier wieder von sich überzeugen konnte. Leider fehlte es diesmal etwas an Tiefgang – was sowohl inhaltlich als auch stilistisch wirklich zu vermeiden gewesen wäre, da die Handlung beinah nahtlos an den zweiten Band anknüpft und entsprechend viel Drama mit sich bringt. Dieser dritte Band ist wesentlich kürzer und damit dünner als die vorhergehenden Teile. Um einen zu schmalen Buchrücken zu vermeiden, hat man schlicht dickeres Papier genommen – ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, was genau mich störte, aber es war tatsächlich das dickere Papier. Der Unterschied der Seitenzahl zu den anderen Bänden ist, für den Fall, dass jemand von euch tatsächlich nachgeschaut hat, nicht wirklich hoch, aber inhaltlich machen diese gut 20 Seiten doch einen gewaltigen Unterschied. Die Charakterentwicklung gefällt mir jedoch sehr gut. Nina, bisher eher nerviges kleines Mitläuferchen, das mit dem Himmel-und-Hölle-Drama lange ziemlich überfordert war, erkennt endlich ihre Stärken, ohne die das ganze Team schlussendlich doch aufgeschmissen wäre; Jared wird mir leider immer unsympathischer, je selbstständiger Nina wird. Ich mag ihn wohl in der Rolle des ewig übervorsichtigen Beschützers lieber als in der Rolle des gleichgestellten Partners. Claire und Ryan kommen sich endlich – endlich! – näher und sogar Sasha und Cynthia lassen einen Hauch Menschlichkeit erkennen. Es wird immer schwerer, Himmel und Hölle auseinander zu halten, aber das Team bekommt von Oben Unterstützung, von diversen Posten. Eli zum Beispiel mag ich sehr, und auch Gabriel und Samuel wachsen mir ans Herz. Michael ist ein Ar***gesicht, aber so kenne ich ihn ja schon aus anderen Quellen (Supernatural, hust), daher ist das keine Überraschung mehr gewesen. Allerdings werden innerhalb der Handlung Entscheidungen getroffen, die zwar durch die vorhergehende Handlung begründet sind, aber dennoch keinerlei Sinn ergeben. Ich hoffe, dass in der ursprünglichen Version des Buches diese Entscheidungen erklärt wurden, diese aber beim Lektoratsvorgang dummerweise heraus gestrichen wurden. Das würde es erklären, ohne der Autorin Handlungslücken vorwerfen zu müssen – was ich nur ungern täte. Leider findet dieses Finale einen für mich nicht zufriedenstellenden Schluss, ich hatte wesentlich mehr und einen wirklich gigantischen Showdown erwartet. Nichts davon ist eingetroffen und auf den lezten Seiten tröpfelt die Geschichte von Nina, Jared und Eden einfach nur noch so dahin. Gut finde ich aber die Namensgebung “Eden”. Das hat so viele Bedeutungen und darin sind einige Witze versteckt, die möglicherweise nur ich verstehe, weil ich nicht einmal sicher bin, ob diese Witze irgendwo existieren, also, außerhalb meines Hirns… :)   FAZIT Die meiste Zeit nicht halb so gut wie erwartet mit einem noch viel schwächeren Ende – aber immerhin Abschluss einer so gut gestarteten Trilogie.

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