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Borderless

Thriller

Paperback
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Borderless — Inhalt

Brillant recherchiert und hochspannend erzählt Veit Heinichen von den Verstrickungen des internationalen Verbrechens mit der Politik. 

Commissario Xenia Zannier will sich an den Mördern ihres Bruders rächen. Ihr Hass gilt der skrupellosen Senatorin Romana Castelli de Poltieri, deren korruptes Netzwerk sich von Grado bis nach Rom, München, Berlin, Salzburg und Rijeka erstreckt. Bald setzt ein Frachter syrische Flüchtlinge vor dem Adria-Bad ab, und ein befreundeter Investigativ-Journalist wird brutal ermordet. Die Spur führt Xenia vom BND zu Waffenschiebereien über Kroatien in den Nahen Osten. Bei der Senatorin laufen alle Fäden zusammen, und Xenia ahnt, dass diese alles tun wird, um ihre Macht zu erhalten. Ein Roman von brennender Aktualität.

€ 16,99 [D], € 17,50 [A]
Erschienen am 02.05.2019
464 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06147-6
€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 31.08.2020
464 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31608-8
€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 02.05.2019
400 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99397-5
„Ein toll recherchierter Marsch durch den Macht- und Gier-Sumpf internationaler Politik.“
Stern
„Der Roman bietet eine schon lange notwendige Darstellung der Periode vor der ›Wende‹ bis in den Frühsommer 2015.“
Der Standard
„Borderless heißt der neue Thriller. Und er spielt so nahe an der Wirklichkeit, dass man manchmal vergessen könnte, dass man es mit einem Roman zu tun hat.“
ORF2 "ZIB"

Leseprobe zu „Borderless“

1. Grado Pineta, Via delle Pleiadi.

Such dir einen neuen Job, Flittchen. Ich mach dich fertig. Groß wie die Headline einer Boulevardzeitung prangt der Satz in fetten Lettern an der weißen Wand über einer Serie von Fotos der Senatorin und ihres Bruders Carletto. Zeugnisse, die einen langen Zeitraum umspannen. Romana Castelli de Poltieri von ihren politischen Anfängen als blutjunge Agitatorin gegen die Liberalisierung des Abtreibungsverbots in den Siebzigerjahren, später als Stadträtin von Triest und schließlich die Wahl in den Senat in Rom, in dem sie [...]

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1. Grado Pineta, Via delle Pleiadi.

Such dir einen neuen Job, Flittchen. Ich mach dich fertig. Groß wie die Headline einer Boulevardzeitung prangt der Satz in fetten Lettern an der weißen Wand über einer Serie von Fotos der Senatorin und ihres Bruders Carletto. Zeugnisse, die einen langen Zeitraum umspannen. Romana Castelli de Poltieri von ihren politischen Anfängen als blutjunge Agitatorin gegen die Liberalisierung des Abtreibungsverbots in den Siebzigerjahren, später als Stadträtin von Triest und schließlich die Wahl in den Senat in Rom, in dem sie in der fünften Legislaturperiode sitzt.

Ein plakatgroßer Bogen Papier voller Linien, Zahlen und Zeichen zeigt das komplizierte Beziehungsgeflecht der Dame, samt Anlässen und Daten, die weiter ergänzt werden können. Schon die Wände des Büros im römischen Vorort Ostia, ihrer ersten eigenen Dienststelle, hatte Kommissarin Xenia Zannier bei komplexen Fällen so mit Fakten tapeziert, dass ihr kein Detail entgehen konnte. Zufälle, üble Überraschungen lassen sich vermeiden, wenn man sich nur genug in die Sache vertieft. Die Methodik der Kommissarin zeigte auch dank ihrer Durchsetzungsfähigkeit rasch Erfolg. Kurz nach der nächsten Beförderung schlug sie allerdings eine attraktive Stelle bei der DIA aus, den direkt dem Innenministerium angegliederten Antimafia-Spezialisten, und ließ sich zur Überraschung aller in den Nordosten zurückversetzen. Ausgerechnet in den verschlafenen Adria-Badeort Grado. Heimweh, meinten viele, die sich ihre Entscheidung nicht anders erklären konnten. Sie hatten die junge Frau bisher für eine eiskalte Karrierepolizistin gehalten: verbissen, vielsprachig, intelligent und unberechenbar.

Als müsste sie sich an das Motiv ihrer Versetzung erinnern, starrt Xenia auf die Wand in ihrem Zimmer im Erdgeschoss des kleinen Fertigbauhäuschens aus den Sechzigerjahren. Kein Laut dringt mehr von draußen herein, die Nachbarn sind längst schlafen gegangen. Um das kalte Licht der nackten Glühbirne kreisen Mücken. Auf ihrem Schreibtisch, einer Holzplatte auf zwei Böcken, sind Berge von Akten ausgebreitet, systematische Aufzeichnungen, die die Kommissarin über Jahre zusammengetragen hat. Ein Mosaik mehr oder weniger bedeutungsvoller Fakten, ein Gewebe von Indizien, gleichwohl noch keine eindeutigen Beweise. Nach denen wird sie so lange suchen, bis sie die Senatorin und ihren Bruder endlich zur Strecke bringen kann.

 

»Du bist doch nicht anders, Xenia, nur weil du blond bist. Du hast halt die Haare deines Papas …« Floriano saß neben seiner kleinen Schwester zwischen den Rebreihen auf dem Monte Calvario im hohen Gras, wo sie Schinken und Käse aßen.

„Was meinst du damit, Flori?“ Sie zog ihn neckisch an einer Locke. „Papa hat doch schwarze Haare wie du, du Esel“, lachte die Achtjährige, die ihren großen Bruder immer gerne zur Arbeit im Weinberg begleitete.

Zu spät, um sich auf die Zunge zu beißen. Floriano blickte auf die Tiefebene zwischen dem Meer und dem hügeligen Weinland hinunter. Arglos hatte er das Familiengeheimnis ausgeplaudert, trotz der Ermahnung seiner Eltern, doch eines Tages hätte die Kleine es ohnehin entdeckt.

„Ach, Xixi.“ Floriano legte seinen Arm um die strohblonde Xenia und drückte sie zärtlich an sich. „Das Leben zeichnet Wege, die wir nicht immer gleich verstehen können. Dass du blonde Haare hast und ich schwarze, spielt doch überhaupt keine Rolle, solange wir uns mögen. Und ich werde dich immer mögen, Teufelchen. Du mich doch auch, oder?“

„Ja, schon, aber irgendwie auch nicht. Ich bin nicht wie ihr. Oder hast du etwa Angst, wenn alle Fenster geschlossen sind oder wenn die ganze Klasse dich umzingelt und sie sich daran freut, dass du das nicht aushältst? Dann sperren sie mich in den Schrank oder in die Besenkammer und lachen wie die Idioten.“

„Was tun die? Das hast du mir nie erzählt.“

Floriano war immer in Sorge, dass ihr etwas passieren könnte, und stellte sich schützend vor sie. Selbst wenn sie zu Hause etwas angestellt hatte, nahm er das oft auf seine Kappe, ließ die Strafpredigten gleichmütig über sich ergehen und zwinkerte ihr verschwörerisch zu.

„Na ja, bis ich dann so tobe, dass entweder der Schrank kaputtgeht oder ein Lehrer kommt, der mich befreit. Aber die Schuldige bin immer ich, Flori.“

„Ich werde dafür sorgen, dass sie das nicht mehr tun. In Zukunft sagst du es mir gleich, Xixi. Versprochen?“ Floriano atmete auf, offensichtlich hatte sie das eigentliche Thema schon vergessen.

„Ich gebe es denen schon selber, Flori.“ Xenia sprang auf und zeigte ihre kleinen Muskeln. „Bring mir ein paar Tricks bei, die du immer im Training machst.“

„Das sind keine Tricks, das sind Techniken. Das heißt Wing Tsun Kung Fu. Wenn du willst, dann nehme ich dich morgen mit, und du schaust uns zu.“

„Flori, ist es ein Zufall, dass mein Geburtsort Gemona und nicht Gorizia ist, wie bei dir und Mama und Papa?“

Xenia setzte sich wieder neben ihn und umklammerte den kräftigen Arm ihres großen Bruders, während er ihren blonden Schopf streichelte und zaghaft nach den richtigen Worten suchte. Es gab jetzt keinen Ausweg mehr.

„Zufälle gibt es nicht, Xixi. Wir sagen das nur, wenn wir uns die Dinge nicht erklären können oder wollen.“

 

Die frische Nachtluft, die durch die sperrangelweit geöffneten Fenster ihres hell erleuchteten Arbeitszimmers strömt, riecht nach Frühling. Xenia sitzt vornübergebeugt auf einem dreibeinigen Holzschemel, Tränen laufen ihr unaufhaltsam über die Wangen, doch sie schluchzt nicht. Ihr Blick ist starr auf ein mit schwarzem Rand eingefasstes Porträt in einem silbernen Bilderahmen gerichtet. Das Gesicht eines fröhlichen jungen Mannes. Floriano Benes 31. 1. 1966 – 9. 6. 1990 steht darunter. Xenia hat es von der Wand genommen und ist in Erinnerungen versunken. Arne war irgendwann hereingekommen, ihr Freund, nachdem er zuvor lange in der Tür gestanden hatte, ohne dass sie ihn bemerkte. Er umarmte sie und versuchte, ihr zuzureden, nach vorne zu sehen.

„Ein Teil der Zukunft liegt in der Vergangenheit“, hatte sie tonlos gesagt, „das verstehst du nicht. Geh schlafen.“

Sie schüttelte ihn steif ab, und ihm blieb nichts übrig, als ihr einen Kuss auf die Stirn zu drücken und sie zu mahnen, nicht die ganze Nacht in Hader zu versinken.

Xenia ist allein. Auch wenn sie seit fast einem Jahr mit ihm zusammenlebt. Sie erinnert sich nicht an den genauen Tag, an dem er in ihr Leben trat. Absurd genug, eine italienische Polizistin und ein arbeitsloser Jungarchäologe aus Dortmund, dessen Eltern ein Bestattungsinstitut führen. Vielleicht wird sie sich noch an ihn gewöhnen, an seine Ansprüche einer trauten Zweisamkeit. Ohne dass es ihr zu eng wird. Ohne ein weiteres Mal davonzulaufen. Ein netter Kerl, der in sie verliebt ist.

 

Erst seit jenem Nachmittag im Weinberg weiß Xenia, dass Safiria Lepore in Wahrheit die Schwester ihrer leiblichen Mutter ist und sie zusammen mit ihrem Mann Danilo zwei Tage nach ihrer Geburt adoptiert hatte.

Ihr Babyfoto war durch die europäische Presse gegangen: Hoffnung im Leid, Das Wunder von Gemona oder Das Leben aus der Nacht des Todes lauteten die pathetischen Headlines. Jordan S. Becker, ein österreichischer Journalist, lässt es sich nicht nehmen, an jedem Jahrestag über ihren Werdegang zu berichten. Mit der Zeit wurde er zu einem fernen Freund, mit dem sie sporadisch telefoniert, wenn er nicht unverhofft auf der Schwelle steht. Selbst in Ostia besuchte sie der groß gewachsene Mann mit dem grauen halblangen Haar eines Tages in ihrem Kommissariat. In diesem Jahr ist sein Besuch längst überfällig.

Schon ihre leibliche Mutter war auf den Namen Xenia getauft gewesen. Sie hatte in Gemona die städtische Bibliothek geleitet und war im siebten Monat, als sie beim großen Erdbeben im Friaul eine einstürzende Mauer ihres Wohnhauses unter sich begrub. Stunden später hatte eine erste Rettungsmannschaft ihre verzweifelten Rufe aus den Trümmern vernommen, die Siebenundzwanzigjährige befreit und zu einem eilig errichteten Militärlazarett gebracht. Um 4 Uhr 37 des 7. Mai 1976 hauchte die junge Frau nach dem Notkaiserschnitt ihr Leben aus. In der Nacht des Todes erblickte Xenia Ylenia Zannier zwei Monate zu früh das Licht der Welt. Fast tausend Menschen hatten ihr Leben verloren und über fünfundvierzigtausend das Dach über dem Kopf. Die Medien hatten sich auf das Neugeborene gestürzt wie auf ein Wunder. Gab es doch Hoffnung im Tod?

Xenia wurde als Vollwaise geboren, auch ihren Vater Gaetano Zannier hatte sie nie kennengelernt. Helfer bargen die Leiche des Gemeindepolizisten erst drei Tage später aus den Trümmern. Und ihr Onkel Danilo Benes wurde dank der unerschütterbaren Entscheidung Safirias, das Baby umgehend zu adoptieren und ihm den Namen der Mutter zu geben, zu dem Mann, den Xenia schließlich Papà nannte. Ihre Tante wurde zur Mamma. Tatsächlich war Floriano also ihr Cousin, für sie aber ihr großer Bruder. Er war schon zehn Jahre alt gewesen und hatte die Kleine von Anfang an in sein Herz geschlossen.

 

Such dir einen neuen Job, Flittchen. Kommissarin Xenia Zannier sitzt mit durchgedrücktem Rückgrat auf dem Holzhocker, fährt sich mit beiden Händen durch das streichholzkurze blonde Haar, ballt die Fäuste, dass sich die Knochen weiß auf dem Handrücken abdrücken und ihre Nägel in die Hand schneiden, bis sie den Schmerz spürt. Sie schnellt blitzartig auf, drei Schritte, ihre Faust trifft das Bild der Senatorin.

Xenia war vierzehn Jahre alt, als sie die Frau zum ersten Mal sah. Im Gerichtssaal während des Prozesses gegen Floriano. Drei Tage bevor er sich angeblich in seiner Zelle erhängte, um sich seinem Urteil zu entziehen. Jahre später hatte Xenia sich die Akten besorgt und selbst mit den Zeugen geredet, um sich ihr eigenes Bild zu machen.

 

1990 hatte Floriano bei der Finanzpolizei in Triest im Dienst gestanden und an einem freien Abend mit zwei Freunden nach dem Kino auf einen Drink in der Bar Bellavia an der Viale XX Settembre gelandet. Die ehrwürdige Platanenallee im Herzen der Stadt, an der das Geburtshaus von Italo Svevo liegt, strotzte damals vor Hakenkreuzschmierereien und antislawischen Hetzplakaten. Der alte faschistische Hass gegen alle, die anders sind, er hatte schon 1920 in der Stadt die ersten Toten gefordert. Ausgelassen unterhielt sich Floriano mit seinen Freunden auf Slowenisch, worauf die Kerle am Tresen sie anpöbelten und den Weg zum Ausgang versperrten. Floriano rief, jemand möge die Polizei verständigen, und stellte sich schützend vor seine Freunde. Die ersten beiden Angreifer brachte er rasch zu Boden und bahnte sich einen Weg nach draußen. Vor der Tür waren sie zu dritt mit Baseballschlägern und einem zerschlagenen Bierkrug auf ihn losgegangen, worauf er sein Repertoire abspulte. Während er sich nur eine Schramme geholt hatte, zogen seine Gegner einen am Boden liegenden Kameraden in die Bar hinein und blockierten die Tür. Floriano und seine beiden Begleiter warteten, bis nach über einer halben Stunde endlich die Polizei vorfuhr. Er wies sich als Beamter der Guardia di Finanza aus und schilderte sachlich den Vorfall, bis die Sirene eines Krankenwagens ihn unterbrach. Einer der Feiglinge wurde auf einer Bahre abtransportiert, während seine Kameraden üble Drohungen ausstießen. Erst als weitere Streifenwagen vorgefahren waren, hatten sich die Polizisten getraut, in die Bar einzudringen, um die Personalien aufzunehmen. Floriano, Albert und Sebastian erstatteten Anzeige wegen Körperverletzung, Beleidigung und rassistischer Übergriffe und waren davon überzeugt, dass die Sache damit erledigt war. Bis Floriano eines Tages zum Kommandanten seiner Einheit gerufen wurde, wo zwei Polizisten in Zivilkleidung ihm einen Haftbefehl aushändigten: Mordversuch mit gefährlicher Körperverletzung. Die Anzeige stammte vom Schlimmsten der Hetzer in der Bellavia: Carletto Castelli de Poltieri. Als Florianos Vorgesetzter ihn aufforderte, Waffe und Uniform abzulegen, ihn vorübergehend vom Dienst suspendierte und ihm riet, in Anbetracht der Schwere der Vorwürfe einen Anwalt zu nehmen, erinnerte er ihn auch daran, dass die Schwester des Klägers über die besten Beziehungen verfügte. Widerstandslos ließ Floriano sich abführen, fest davon überzeugt, dass sich die Sache rasch aufklären ließ. Dann aber standen den drei Aussagen der Freunde plötzlich neun andere gegenüber, die dem Wortlaut nach klar abgesprochen waren. Floriano habe den Streit mit wüsten Beschimpfungen vom Zaun gebrochen und sei tätlich geworden. Die Bar Bellavia sei bekannt dafür, dass sie von ordnungsliebenden, pflichtbewussten Söhnen solider italienischer Familien frequentiert würde. Über die Provokationen militanter Slowenen wisse man schließlich ausreichend Bescheid. Die Anwürfe waren ungeheuerlich. Lügen, die zu enthüllen ein Blick in die Zeitungsarchive genügte. Neofaschistische Übergriffe standen damals auf der Tagesordnung, selbst vor Brandsätzen gegen Schulen, Kindergärten und Studentenwohnheime hatten die Extremisten nicht zurückgeschreckt. Florianos Hinweis auf seine Herkunft, die Mutter Italienerin, sein Vater mit slowenischen Vorfahren, fand vor Gericht kein Gehör. Die gegnerischen Anwälte zerpflückten seine Aussage und die seiner Freunde bis in die Einzelheiten. Die Verletzungen ihres Mandanten ließen Tötungsvorsatz erkennen. Das Urteil war hart: Vier Jahre erschwerte Haft, ein lebenslanges Verbot jeglicher Kampfsportbetätigung und der Ausschluss aus dem Staatsdienst samt einer hohen Schmerzensgeldzahlung in Höhe von sechzig Millionen Lire. Noch im Gerichtssaal rief Floriano, dass er in Berufung gehen würde. Als loyaler Diener eines demokratischen Rechtsstaats dürfe er keine Manipulation von Beweismitteln und Zeugenaussagen zulassen. Am dritten Tag im Gefängnis hatte er seinem Leben angeblich selbst ein Ende gesetzt. Ohne ein einziges Wort zu hinterlassen.

Grado, Diga Nazario Sauro.

Die zarte Sichel des neuen Mondes steht tief am wolkenlosen Himmel über der nachtschwarzen Adria. Nur das matte Licht der Laternen auf der Diga Nazario Sauro, dem Deich mit der Uferpromenade, der die Altstadt des Badeorts vor Überflutungen schützt und bei gutem Wetter die Feriengäste zum Flanieren einlädt, lässt zaghaft den Verlauf der ins Meer reichenden Mole erkennen und die sich anschließenden Sandstrände. Stürme und für die Jahreszeit untypisch starke Niederschläge bestimmten den Saisonaufakt. Nach einem sommerlich heißen April hatte der Mai deutlich zu kalt begonnen, und die Hoteliers der Isola del Sole klagen über nicht kompensierbare Umsatzeinbußen, obwohl das große Geschäft noch bevorsteht.

Weit und breit ist keine Seele zu sehen, die sich fragen könnte, weshalb zwei dunkel gekleidete, stämmige Männer um halb 4 Uhr morgens rauchend aufs Meer stieren. Weit draußen schiebt sich ein Frachtschiff gegen Westen. Das gemächliche Stampfen seiner Maschinen dringt dumpf herüber und wird schließlich vom Lärm zweier höherdrehenden Motoren überlagert, der sich kontinuierlich nähert. Keine Fischkutter, keine Patrouillenboote.

„Das ist die erste Gruppe.“ Der Ältere bläst eine dicke Rauchfahne in die Nachtluft. „Die übernehme ich, du die nächsten. Du kannst schneller rennen.“

„Wer soll uns um diese Zeit schon entdecken?“

„Nur wenn’s pissen würde, könntest du dir da sicher sein. Also sei vorsichtig.“ Er zieht noch einmal an der Kippe zwischen seinen Lippen und spuckt sie aus. Seine Hände stecken tief in den Taschen der speckigen Jacke.

Von der Mole ist das Kratzen einer Bordwand zu vernehmen, kurz darauf eine Gruppe von etwa vierzig Personen zu erkennen, die den Strand heraufeilen. Der Ältere stellt sich in den Schein der Laterne und winkt mit beiden Armen, dann geht er zum Eingang des Strandbads, um sie in Empfang zu nehmen. Ihre Fußspuren sind die ersten im geometrischen Muster, das die Rechen im Sand hinterlassen haben.

 

Suchend tastet Xenias Hand nach dem Mobiltelefon auf der zum Nachttischchen umfunktionierten Obstkiste. Endlich reißt sie das anhaltende Klingeln und Vibrieren des Geräts restlos aus dem Schlaf. Kaum eineinhalb Stunden hat sie geschlafen. Die Kommissarin meldet sich knapp, legt nach ein paar Sekunden auf. Arne sitzt aufrecht im Bett und knipst das Licht an.

„Was ist passiert?“, fragt er blinzelnd und mit belegter Stimme.

„Schlaf weiter.“

Sie ist bereits auf den Beinen, schlüpft in Jeans und Sweatshirt, steckt ihre Dienstwaffe in den Hosenbund. Ohne Helm fährt sie durch das dunkle Viertel und biegt Richtung Zentrum ab. Die Luft ist kühl.

Auch der Busbahnhof ist Opfer der Patria Nostra geworden, einer fremdenfeindlichen Gruppierung, die seit Tagen die Region mit Plakaten voller Hassparolen gegen die Europäische Union und Deutschland zukleistern. Plump in der Aufmachung und in einem Kauderwelsch, das seinesgleichen sucht. Der Kleister ist noch feucht.

 

NIX FRIEDE.

100 anni senza pace.

RAUS dall’Italia!

BASTA. SCHLUSS.

No all’egemonia crucca!

NO ALL’EUROPA INVASORE.

PATRIA NOSTRA.

 

Xenia schüttelt besorgt den Kopf. Bei den unzähligen Feierlichkeiten zum siebzigsten Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs wurden regelmäßig die Errungenschaften des Vereinten Europas betont, während immer mehr Separatistenbewegungen Hass auf alles Fremde versprühen.

Seit zwei Wochen bemühen sich Arbeiter der Stadtverwaltung, die Plakate zu entfernen, bevor die Touristen morgens ihre Hotels verlassen. Vergebliche Anstrengungen, die von den Fanatikern schnell wieder zunichtegemacht werden. Undenkbar bei der knappen Personallage, ihnen durch verstärkte nächtliche Patrouillen das Handwerk zu legen.

Die Scheinwerfer der Streifenwagen der Polizia di Stato, Guardia di Finanza und der Carabinieri sind auf der Piazza Carpaccio auf eine Gruppe ausgezehrter Menschen gerichtet, die stumm auf dem kalten Asphalt kauernd der Dinge harren. Flüchtlinge aus dem Nahen Osten ihrem Äußeren nach. Eine Handvoll Beamte wacht darüber, dass sich keiner von ihnen aus dem Staub macht. Inspektor Rino Refolo, der ranghöchste Kollege unter ihnen, kommt Xenia entgegen und umreißt in knappen Worten die Situation. Er spricht leise, immer wieder schweift sein sorgenvoller Blick zu der Gruppe hinüber.

„Ein Fahrer, der die Tagespresse verteilt, hat die Gruppe gesehen und uns verständigt, Commissario. Einundachtzig Männer oder Jugendliche, acht Frauen. Beim Anrücken der Streifenwagen liefen einige über die Brücke auf die Isola della Schiusa genau in Richtung Kommissariat, wo wir sie aufgreifen konnten. Bis auf zwei. Die sind uns entwischt. Ganz sicher Ortskundige. Dunkle Seemannsjacken, schwarze Mützen, helle Haut. Keine Illegalen, eher Lotsen.“

„Und wie sind diese Leute hierhergekommen? Ausgerechnet hierher?“ Widerborstig steht ihr das Haar vom Kopf ab. Die rote Strieme von der Naht des Kopfkissens auf ihrer Wange gleicht einer langsam verheilenden Narbe.

Refolo zuckt die Achseln und schaut hilflos zu der ihn deutlich überragenden, zehn Jahre jüngeren Vorgesetzten auf.

„Grado ist nur über zwei Brücken erreichbar“, sagt sie. „Niemand flieht in eine Sackgasse. Diese Leute sind übers Meer gekommen. Vor Kurzem erst ausgesetzt von einem größeren Schiff, sofern sich kein maroder Fischkutter vor den Stränden findet. Aber die schaffen die achthundert Seemeilen in die obere Adria nicht.“ Xenia wählt die Nummer des Rettungsdienstes.

Noch vor ihrer Identität muss der Gesundheitszustand dieser Menschen überprüft werden. Gleich darauf verlangt sie bei der Guardia Costiera in Monfalcone nach dem diensthabenden Offizier. Die Küstenwache soll den Schiffsverkehr der letzten Stunden kontrollieren, Satelliten- und Funkmeldungen analysieren und die Verdächtigen festsetzen, bevor sie internationale Gewässer erreichen. Falls es dazu nicht längst zu spät ist.

Die Kommissarin winkt einen Kollegen heran. „Berto, besorg Mineralwasser.“

Der übergewichtige Berto Donadoni verdreht die Augen. Er ist an Trägheit kaum zu überbieten und will protestieren.

„Ich weiß selbst, dass die Läden erst in ein paar Stunden öffnen“, schneidet Xenia ihm das Wort ab. „Hol den Trottel vom Supermarkt aus dem Bett, er ist uns einen Gefallen schuldig. Los, beweg dich endlich.“

„Soll er auch Champagner für die Willkommensparty mitbringen?“

„Stilles Wasser, ohne Kohlensäure. Halbliterflaschen, kein Glas. Kapiert?“

Noch hält sie sich von der Gruppe fern. Das Telefon des Questore klingelt lange und vergebens. Xenia weiß, Polizeipräsident Falsariga wird ihr bittere Vorwürfe machen, falls sie ihn übergeht. Zwei Versuche, nichts. Sie hat keine andere Wahl, als sich direkt an Präfekt Affaiati in Gorizia zu wenden. Es braucht seine Anordnung, um eine Turnhalle als Sammelstelle freizugeben. Nachdem Affaiati sich wach geräuspert hat, stellt er in Aussicht, sich in Kürze mit weiteren Instruktionen zu melden.

Xenia nähert sich, einige der Menschen blicken ängstlich zu ihr auf. Die meisten von ihnen sind sehr jung, die wenigen Frauen sitzen eng im Kreis beieinander. Aus der Sitzordnung ist nicht zu erraten, ob einer der Flüchtlinge einen höheren Rang einnimmt. Sie sind erschöpft von der langen Überfahrt, schmutzig und verwahrlost, doch auf den ersten Blick geht es keinem von ihnen körperlich so schlecht, dass es eine Noteinlieferung verlangt.

„Good Morning. Welcome to Italy.“ Xenia Zannier fühlt sich beschissen. Sie weiß ganz genau, dass in Europa kein Flüchtling mehr willkommen ist. Sie räuspert sich. „I am a police officer of the republic of Italy. Does anybody speak English?“ Sie besinnt sich ihrer Amtssprache. „C’è qualcuno che parla italiano? Sono un commissario della Polizia di Stato della Repubblica Italiana.“

Ihr Blick schweift über die Köpfe. Die Leute schauen sie stumm an. Sie weiß aus ihrer Dienstzeit im Süden, dass jetzt niemand antworten wird. Diese Menschen sind nicht frei. Wenn sie durch eine Schleuserorganisation nach Europa gelotst wurden, haben sie viel Geld dafür bezahlt. Und weit mehr zu verlieren: Sicherheit, Hoffnung – so knapp vor dem Ziel hatten sie geglaubt, das Schlimmste überstanden zu haben.

Auch die Kollegen folgen neugierig ihren Worten. Keiner von ihnen hatte bisher mit der Aufnahme von Flüchtlingen zu tun. Sie kennen die Problematik nur aus den klischeegespickten Fernsehberichten oder der Presse. Und vom Geschwätz an den Tresen der Bars. Die Verkäufer, überwiegend Senegalesen, die in der Fußgängerzone oder am Strand ihren Tand verkaufen, kennen sie längst mit Namen. Wie die Tamilen und Bengalen mit ihren Textilläden verfügen sie über gültige Dokumente.

Xenia entscheidet sich für Englisch. „We know that you have been brought here by a vessel and that you immigrated illegally to our country and the European Union. Two of our busses will arrive in a few minutes. It is warmer inside. We will bring you to a safe place where you will get to drink and to eat. There will also be medical assistance. Please follow our instructions.“

Einer der Männer am Boden übersetzt flüsternd, sie prägt sich sein Gesicht ein. Endlich kommt der Lieferwagen des Supermarkts. Ein hagerer übermüdeter Mann ihres Alters im Trainingsanzug steigt aus. Neulich hatten sie ihm seine Tageseinnahmen vollständig wiederbesorgt, weil er nach Feierabend seine Geldtasche auf dem Autodach vergessen hatte. Bedankt hatte er sich mit keinem Wort. Er öffnet die Hecktüren und stellt wortlos einige Gebinde Plastikflaschen auf den Gehweg. Er wirft ein paar verstohlene Blicke herüber und macht sich, so schnell er kann, wieder davon. Angst vor Eindringlingen und Krankheiten? Schlechtes Gewissen und Mitgefühl schließt Xenia bei diesem Mann aus. Als der Tag über die Nacht siegt, verteilen drei Kollegen die Flaschen. Auch sie vermeiden jeden körperlichen Kontakt, als hätten sie es mit Aussätzigen zu tun.

Die Nummer der Präfektur leuchtet auf dem Display ihres Mobiltelefons. Sie entfernt sich ein paar Schritte, bevor sie das Gespräch annimmt. Dem betont freundlichen Tonfall von Präfekt Antonio Affaiati nach rechnet Xenia damit, den Fall bereits los zu sein, weil er die Flüchtlinge sofort in die nächste größere Stadt verlegen lassen will, wo mehr und vor allem geschultes Personal zur Verfügung steht. Weder Status noch Ausstattung der Dienststelle in Grado machen Hoffnung, dass ausgerechnet sie sich an die Fersen einer mafiosen Schleuserbande heften darf, die offensichtlich ortskundig ist.

„Die Illegalen bleiben vorerst in Ihrer Obhut, Commissario. Die Ordnungskräfte in Monfalcone sind anders gebunden. In Grado haben Sie es dagegen geradezu gemütlich. Außerdem ist das für Ihre Leute eine gute Übung. Die Auffanglager sind alle überfüllt. Ihr Chef ist ganz meiner Meinung“, ergänzt Affaiati.

Auf seinen Anruf hatte Questore Falsariga also geantwortet. Ärger steht ins Haus.

„Falsariga schickt Ihnen Verstärkung aus Gorizia, Leute mit Erfahrung bei der Identitätsermittlung von Illegalen. Bezüglich der Versorgung hat seine Eminenz der Erzbischof rasche Hilfe durch die Caritas zugesagt, und der Bürgermeister sagt, dass im Stadttheater wegen fehlendem Budget keine Vorstellungen stattfinden. Waschräume gibt es auch dort. Sorgen Sie aber bitte dafür, dass diese Leute keinen unnötigen Schmutz machen. Die Illegalen werden so rasch abgeschoben, wie sie angekommen sind. Wir sind hier nicht der Mülleimer Afrikas. Spätestens in drei Tagen ist der Spuk vorbei, und Sie können sich um den besonnenen Verlauf des Pfingsttourismus kümmern.“

Das war klar genug: In Grado sollten sie die Basisarbeit leisten, und danach würde wieder die übliche Langeweile einkehren. Die letzten Instruktionen des Präfekten werden vom Motorengeräusch einfahrender Omnibusse übertönt. Die blau-weiß lackierten Polizeibusse blockieren die Zufahrt, während aus einem Mannschaftswagen Kollegen in Kampfanzügen aussteigen und eine Mauer bilden.

„Eine Frage noch, Dottor Affaiati: Sind die Beamten zur Identitätsermittlung immer mit Helm, Schlagstöcken und Schutzschildern ausgestattet?“

„Was reden Sie da, Commissario?“

„Hier ist soeben eine Spezialeinheit ausgestiegen. Die Situation wird eskalieren, so, wie die sich aufbauen.“ Xenia stellt sich der Truppe entschieden in den Weg und gebietet ihr mit der Hand Einhalt.

„Davon weiß ich nichts. Das Kommando haben Sie, Zannier.“

„Was geht hier vor?“, herrscht sie den Einsatzleiter an, ein etwa fünfzigjähriger Borstenkopf. „Geht das nicht behutsamer?“

„Ein Befehl des Questore, Kollegin. Er sagt, Sie seien mit solchen Situationen überfordert. Wir verfrachten sie ins Theater und sorgen dafür, dass keiner abhaut.“

Breitbeinig und mit verschränkten Armen steht er vor seinen Männern und grinst überheblich. Xenia baut sich eine Armlänge entfernt vor ihm auf.

„Weshalb wohl sitzen die Flüchtlinge hier? Bisher waren sie ruhig. Lösen Sie diese Formation auf. Ihre Leute können dann die Bewachung des Theaters übernehmen. Von außen.“

„Sagen Sie das dem Questore, Zannier. Gehen Sie mir endlich aus dem Weg.“

„Sie können es darauf ankommen lassen, in Grado kommandiere ich. Zeigen Sie mir Ihren Dienstausweis.“ Der Mann bleibt stur stehen, ein nervöses Zucken umspielt seinen linken Mundwinkel. Xenia winkt Refolo und zwei weitere Beamte herbei, die sich in respektvollem Abstand gehalten haben. „Nehmt ihn fest.“

„Sie spinnen, Zannier. Das wird Folgen haben.“

„Worauf Sie sich verlassen können.“

Der Borstenkopf gibt seinen Männern das Zeichen, sich zurückzuziehen. Sie zögern zuerst, doch dann kommen sie dem Befehl nach.

„Sobald die Flüchtlinge im Theater sind, riegeln Sie mit Ihren Leuten die Straße ab, Kollege, und warten auf weitere Befehle. Refolo, lassen Sie diese Menschen einsteigen und bringen Sie sie in die Via Marchesini.“

Xenia rührt sich nicht von der Stelle. Wie ein Wachtturm steht sie zwischen der Spezialeinheit und den Flüchtlingen, die sich langsam erheben und zu den Bussen gehen.

In der Straße vor dem Auditorium Biagio Marin gibt es kein Durchkommen. Die blauen Autobusse blockieren den Verkehr. Vor dem Theater weisen zwei Beamte die Journalisten der regionalen Medien zurück, während die Kollegen aus dem Mannschaftswagen einen Korridor bilden, durch den die Flüchtlinge ins Innere des Gebäudes gehen.

Xenia hängt den Helm an den Rückspiegel des Scooters, mit einer abwehrenden Handbewegung drängt sie sich an den Reportern vorbei. „Wenden Sie sich bitte direkt an den Questore in Gorizia. Er wird noch am Vormittag eine Pressekonferenz einberufen. Am besten fahren Sie gleich rüber, dann verpassen Sie nichts.“

Nur wenige fallen darauf rein. Ein Kameramann des regionalen Fernsehsenders filmt die Helfer der Caritas, die Kleidung und Lebensmittel ins Gebäude schleppen. Xenia übergibt an Inspektor Refolo und fährt ins Kommissariat. Der Anruf von Questore Falsariga wird nicht lange auf sich warten lassen, er wird sie gewiss wegen Eigenmächtigkeit und Kompetenzüberschreitung rügen.

 

Nur Donadoni sitzt im vordersten Büro und stiert auf den Eingang. Immerhin riecht es nach Kaffee, Xenia sieht sich vergeblich nach einer Tasse um, nimmt wortlos die des Beamten und spült sie flüchtig aus.

„Kaffee machen kannst du also auch nicht.“ Sie stellt die Tasse angewidert auf den Schreibtisch. „Dir bringt vermutlich deine Frau den Espresso ans Bett.“

„Und weckt mich mit zärtlichen Küssen. Nein danke, ich bin glücklich geschieden.“

„Hat jemand angerufen?“

Berto Donadoni beugt sich gemächlich über ein Blatt auf dem Schreibtisch. „Die sind übrigens vor der Diga gelandet. Ein orangerotes Boot, den Lackspuren an der Mole zufolge. Und Fußspuren im Sand. Ich hab selbst nachgesehen. Ach ja, vorhin hat einer angerufen.“

„Wer?“

Der Dicke hebt wortlos die Schultern.

„Sein Name?“

„Ein Italiener war es auf jeden Fall nicht“, fügt er sogleich mit erhobenen Händen hinzu, ganz die Unschuld vom Lande.

„Die Telefonnummer?“

Er schreibt ein paar Zahlen auf einen Zettel und legt ihn vor die Kommissarin. „Meine Schicht ist jetzt eigentlich zu Ende.“

„Dann machst du heute eben Überstunden. Du bleibst, bis die Kollegen zurück sind und jemand übernehmen kann.“

Xenia Zannier schüttet den Kaffee zum Fenster hinaus. Refolo hatte die beiden Männer vage beschrieben, die in der Dunkelheit entwischt waren. Ein Altersunterschied wie zwischen Vater und Sohn, abgewetzte schwarze Jacken, die darauf schließen lassen, dass sie diese ständig tragen. Ein Hinweis, dem zu folgen ist. Die Kommissarin wettet darauf, dass man diese Typen in der Stadt kennt und bald auch ihr Stammlokal ausfindig macht. Genau dort muss man sie festnehmen, damit ihre Kumpels gewarnt sind. Die Typen auszuquetschen wird allerdings dauern. Die Fischer in Grado sind zähe Schweiger.

Sie wirft einen Blick auf den Zettel, den Donadoni ihr gegeben hat. Eine österreichische Vorwahl. Sie kennt die Nummer.

Veit Heinichen

Über Veit Heinichen

Biografie

Veit Heinichen, 1957 geboren, wächst auf im extremen Südwesten Deutschlands in einer Gegend voller Grenzen: Die Nähe zu Frankreich und der Schweiz, die Mentalitätsunterschiede zwischen dem katholischen Baden und dem protestantischen Württemberg, der Kontrast zwischen dem kleinen Bauerndorf, in dem...

Weitere Titel der Serie „Xenia Zannier“

Pressestimmen
Stern

„Ein toll recherchierter Marsch durch den Macht- und Gier-Sumpf internationaler Politik.“

Der Standard

„Der Roman bietet eine schon lange notwendige Darstellung der Periode vor der ›Wende‹ bis in den Frühsommer 2015.“

ORF2 "ZIB"

„Borderless heißt der neue Thriller. Und er spielt so nahe an der Wirklichkeit, dass man manchmal vergessen könnte, dass man es mit einem Roman zu tun hat.“

die aktuelle

„Veit Heinichen zieht alle Spannungs-Register“

Ultimo Münster Magazin

„(Veit Heinichen) führt spannend und sehr nah an der Wirklichkeit entlang in die jüngere Balkan-Geschichte (…) und in die italienische Gegenwart.“

Moment. Das Kulturmagazin aus der Mitte Deutschlands

„Spannungs- und actionreicher Roman.“

Weilheimer Tagblatt

„Veit Heinichen, Kenner der Region, hat einen brillant recherchierten Politthriller vorgelegt: glaubwürdig und spannend.“

Österreich

„Hervorragend recherchierter Polit-Thriller.“

Freizeit Sommer

„unglaublich spannender Pageturner, der einen auch bei sommerlichen Temperaturen frösteln lässt.“

culturmag.de

„hochklassiger Gegenwarts-Thriller.“

triest24.com

„Ein internationaler Polit-Thriller, brillant recherchiert und hochspannend erzählt.“

Meine Woche Kärnten

„Neue Kommissarin, gewohnt realitätsnahe Handlung.“

Kleine Zeitung

„Heinichen packt etliche heiße Eisen an, zeigt aber auch, wo die Hauptschuldigen und Drahtzieher sitzen: in der Politik. Brisant, beklemmend, weil recht nahe an der Realität.“

Kurier

„Wenn auch diesmal Commissario Laurenti Pause macht: Veit Heinichens wohltuende Wut ist immer dabei.“

Kronen Zeitung Steiermark

„Einmal mehr ist Veit Heinichen mit ›Borderless‹ ein fesselnder Polit-Thriller gelungen….“

Rondo Mobil (Der Standard)

„Kein Krimi, wie man ihn erwarten würde, sondern ein packender Politthriller.“

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