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Blutsbande

Krieger des Nordens 1

Taschenbuch
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Blutsbande — Inhalt

Die Brüder Seran und Kayo entstammen einer Linie nordischer Krieger. Als Kinder wurden sie ihrer Familie entrissen, nachdem ihr Dorf vom Volk der Thebaner erobert wurde, aber daran erinnern sie sich kaum. Während Kayo als Sklave niederste Dienste verrichten muss, macht der junge Seran Karriere als Offizier im thebanischen Heer. Doch dann wird sein Bruder ermordet, und die Stämme des Nordens erheben sich zum Aufstand gegen das Kaiserreich. Seran muss sich entscheiden: Will er als Feldherr in die Fußstapfen seines thebanischen Ziehvaters treten oder sein Volk befreien?

€ 14,00 [D], € 14,40 [A]
Erschienen am 02.10.2017
560 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-28160-7
€ 11,99 [D], € 11,99 [A]
Erschienen am 02.10.2017
560 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97799-9

Leseprobe zu »Blutsbande«

Prolog

 


Provinz Sevena, 9. Jahr der Herrschaft Ermans


Die Feuer der Belagerer waren erloschen. Hlewar spähte vom Wehrgang in die mondlose Nacht, doch nur noch der Wald zeichnete sich dort unten schwarz gegen den Sternenhimmel ab.
Diese verfluchten Bastarde … Beunruhigt trat er näher an die Brustwehr aus verwitterten Balken. Das Holz wies Sprünge auf, an vielen Stellen faulte es bereits, aber es würde noch immer jeden Pfeil und jeden Speer aufhalten. Zumindest wenn kein Fluch der Göttin Afla darauf lag. Sie hasste es, wenn ihre Wälder gerodet wurden, und [...]

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Prolog

 


Provinz Sevena, 9. Jahr der Herrschaft Ermans


Die Feuer der Belagerer waren erloschen. Hlewar spähte vom Wehrgang in die mondlose Nacht, doch nur noch der Wald zeichnete sich dort unten schwarz gegen den Sternenhimmel ab.
Diese verfluchten Bastarde … Beunruhigt trat er näher an die Brustwehr aus verwitterten Balken. Das Holz wies Sprünge auf, an vielen Stellen faulte es bereits, aber es würde noch immer jeden Pfeil und jeden Speer aufhalten. Zumindest wenn kein Fluch der Göttin Afla darauf lag. Sie hasste es, wenn ihre Wälder gerodet wurden, und doch hatten die Ahnen sämtliche Bäume auf diesem Hügel gefällt, um das mächtige Bollwerk aus Balken, Steinen und Erde zu errichten. Seitdem waren Schäfer mit ihren Herden über die Hänge gezogen, damit kein neuer Wald wuchs und die Sicht versperrte. Einige Bäume waren den Mäulern der Ziegen jedoch entgangen. Nach seiner Ankunft hatte Hlewar befohlen, sie zu entfernen. Er hatte selbst Hand angelegt und eine Axt geschwungen, denn auch wenn sie ihn zum Anführer gewählt haben mochten, war er nur ein Mann unter vielen.
Wie ein wehrhaftes Nest saß die Festung auf der nun wieder kahlen Kuppe, weitläufig genug, um Tausenden Zuflucht zu bieten. Und doch kam es Hlewar vor, als stünde er allein auf der alten Mauer. Allein mit dem Feind, der nach dem steten Hämmern der vergangenen Tage und Nächte plötzlich still und unsichtbar geworden war.
Leise Schritte erinnerten ihn an die anderen Wächter. Zu seiner Linken näherte sich eine große, stämmige Gestalt, auf deren Kopf ein erbeuteter Helm im Sternenlicht glänzte. »Der Schein trügt«, warnte Tanngrid mit heiserer und doch weiblicher Stimme. Solange sie sich nicht auszog, verriet nichts sonst ihr Geschlecht. »Die haben irgendwas vor.«
Hlewar nickte. »Entweder schlafen sie endlich oder sie greifen bald an. Sagt es weiter!«, rief er, damit es alle auf dem Mauerabschnitt hörten. »Wir müssen wachsam bleiben!«
In der Stille tönte der Befehl so unerwartet laut, dass es Hlewar vorkam, als hätte er das Unheil damit herausgefordert. Stirnrunzelnd scheuchte er den Gedanken fort, blickte aber doch den Hang hinab, ob seine Worte dort etwas ausgelöst hatten. Nichts rührte sich in der Finsternis unter den Bäumen, aber selbst wenn sich die Thebaner dort heimlich zum Angriff formierten, waren sie zu weit entfernt, um die unvermeidlichen Geräusche zu hören. Das Knacken von Zweigen, das Flüstern der Drakonen, das leise Knirschen von Leder und Rüstungen aus Eisen … Hlewar wünschte, er hätte wie der Gott Tiwarder ein Ohr geopfert. Dann würden ihm die Windweiber jeden verdächtigen Laut zutragen.
»Die Kriecher schlafen nicht ohne Wachfeuer«, behauptete Tanngrid. »Sie werden angreifen.« Ihre Hand schloss sich um den Griff des Kurzschwerts, das sie ebenso einem Drakonen abgenommen hatte wie den blank polierten Helm mit den breiten Wangenklappen.
Hlewar verspürte einen Anflug von Neid. Er besaß nur ein Messer und ein Bündel Speere, von denen er die meisten selbst angespitzt und im Feuer gehärtet hatte. Nur auf seinem alten Fischspeer saß eine Spitze aus Zwergenstahl. Unwillkürlich griff er danach, um das glatte Holz unter seinen Fingern zu spüren. Wie vielen Fischen hatte er damit den Tod gebracht? Heute Nacht würden es Männer mit eiserner Schuppenhaut sein. Männer, die sich selbst Drakonen, also Teile des Drachens nannten und doch vor dem Abbild irgendeines fernen Kerls im Staub herumkrochen. Tanngrid hatte es gesehen. Sie hatten sie ebenfalls vor dem Schrein auf die Knie gezwungen, und als sie entdeckten, dass sich eine Frau unter ihren Kriegsgefangenen befand, hatten sie ihr gezeigt, wo Thebaner den Platz einer Frau sahen. Bei dem Gedanken verging Hlewar jede Spur von Neid. Niemand hatte Schwert und Helm jemals teurer erkauft.
»Sollen wir alle auf die Mauern rufen?«, fragte Oglan, der so weit rechts von Hlewar stand, dass sein Gesicht in der Dunkelheit verborgen blieb.
Hlewar zögerte. Wenn sich die Thebaner tatsächlich gerade anschlichen, brauchte er jeden Verteidiger, den sein kleines Volk noch aufbieten konnte. Doch falls sie sich nur ausruhten, hätte er seine Leute umsonst um den Schlaf gebracht.
»Wir könnten es leise tun«, schlug Tanngrid vor. »Dann merken sie nicht, dass wir vorbereitet sind.« Obwohl ihre Züge kein Gefühl verrieten, glaubte er, den Hass auf die Vergewaltiger in ihrem Blick zu sehen. Schon wandte sie sich ab, weil sie sein Schweigen für Zustimmung hielt und den Befehl weitergeben wollte.
»Warte!«
Mit ungeduldiger Miene drehte sie sich wieder zu ihm um.
»Dein Rat ist klug, aber wenn du dich irrst, werden wir morgen unnötig geschwächt sein. Wir brauchen Gewissheit.«
»Willst du jetzt doch Späher aussenden?«, fragte sie skeptisch.
Hlewar schüttelte den Kopf. Auf dem Hang gab es keine Deckung. Die Späher der Thebaner konnten sich dagegen am Waldrand verstecken und jeden seiner Kundschafter abfangen. »Oglan!« Mit einem Wink rief er den Mann näher. Oglan war sicher nicht sein wahrer Name, denn welche Eltern hätten ihren Sohn Der Freudlose genannt? Auf Kopf und Gesicht deuteten halb verheilte Verbrennungen an, warum er sich den neuen Namen gegeben hatte. Er war Fischer gewesen, genau wie Hlewar, und vom Fluss aus hatte er Rauch über seinem Dorf gesehen. Wie von Dämonen gehetzt war er zurückgepaddelt und hatte sich in sein brennendes Haus gestürzt. Er war zu spät gekommen. In seiner bärtigen Miene stand die Trauer um die Toten zu lesen, doch auch die Entschlossenheit, seine Familie zu rächen.
»Ich brauche die kräftigsten Schützen«, eröffnete Hlewar ihm und Tanngrid. »Sie müssen nicht treffsicher sein, nur besonders weit schießen.«
»Hast du magische Pfeile, die ihr Ziel auch bei Dunkelheit finden?«, höhnte Oglan.
»Nein, sie sollen Brandpfeile den Hang hinabschießen. Das dürre Gesträuch vom Vorjahr wird Feuer fangen und uns zeigen, ob sich die Bastarde anschlei…« Abrupt verstummte Hlewar. Aus den Wäldern drang das Heulen eines Wolfs herauf. Ein geisterhafter Ruf, den jeder Krieger verstand.
Dennoch sah Oglan ihn ungläubig an.
Hlewar nickte. »Hodrek ruft sein Rudel zum Kampf.«
Plötzlich fielen zahlreiche Stimmen in das Geheul mit ein. Tierhafte Laute vermischten sich mit menschlichen Schreien und lautem Gebrüll. Hlewar hörte Angst und Verwirrung, aber vor allem Wut. Die bronzenen Signalhörner der Thebaner erklangen. Waffen klirrten, Befehle wurden gebrüllt, und das Poltern von Schlägen auf Schilde dröhnte durchs Tal.
»Harass’ Wölfe«, murmelte Tanngrid.
Gebannt starrten sie alle in die Schwärze hinab, doch die Bäume verbargen das Aufglänzen der Waffen.
»Wir sollten einen Ausfall machen! Die Drecksäcke in die Zange nehmen!« In Oglans Augen blitzte unverhohlene Mordlust auf.
»Willst du ihnen den Sieg etwa schenken?«, blaffte Hlewar ihn an. »Sie haben uns umzingelt! Sie sind überall! Wenn wir uns auf dieser Seite ins Tal stürzen, stürmen sie hinter uns die Mauer und schlachten alle ab!«
»Was ist passiert? Werden wir angegriffen?« Geras Stimme ertönte so unvermittelt, dass Hlewar zornig herumfuhr.
»Was machst du hier oben? Das ist gefährlich!«
»Was du nicht sagst«, erwiderte seine Frau kühl. Im Sternenlicht wirkte ihr hellblondes Haar beinahe weiß. Mehr denn je erinnerte sie Hlewar an eine Elfe, schlank und anmutig, aber von unbeugsamem Willen. Sie roch sogar noch immer nach Honig und Wachs, obwohl sie ihre geliebten Bienenvölker im Dorf zurückgelassen hatte. »Wir haben den Lärm gehört und uns gefragt, was vorgeht.« Vage deutete sie ins Innere der Festung hinab, wo Hlewar im Dunkeln die kleinen Gestalten seiner Söhne erahnte.
»Hodrek hat sein Rudel in die Schlacht geführt«, erklärte er knapp.
»Das … ist sehr tapfer«, befand Gera. »Aber auch …«
»Dumm!«, ergänzte Hlewar und blickte unwillkürlich zu Oglan. »Diese Krieger werden uns hier oben bitter fehlen!« Kopfschüttelnd versuchte er, seine Wut zu unterdrücken. »Wir können es nicht ändern.« Er atmete tief durch und bemühte sich um einen anerkennenden Ton. »Sie haben ihr Leben Harass geweiht. Es verstößt gegen ihre Regeln, sich hinter Mauern zu verschanzen.«
Einst hatte auch er vor der Wahl gestanden, sich Hodreks Rudel anzuschließen, doch die Krieger, die sich Wölfe Harass’ nannten, lebten für den Tod, nicht für das Leben. Nachdem sein bester Freund auf ihrem ersten Raubzug gefallen war, hatte er sich gegen diesen Weg entschieden. Dennoch stand ihm nicht zu, jene zu verurteilen, die eine andere Wahl getroffen hatten.
»Seht!«, rief Tanngrid.
Rasch wandte sich Hlewar wieder dem Abhang zu. Unten im Tal waren mehrere Feuer aufgeflammt. Ihr Schein drang durch die Baumkronen, die noch immer die Kämpfenden verbargen, doch umherhuschende Schatten ließen das Licht flackern und verrieten die Schlacht. Hlewar glaubte, weniger Furcht in den Stimmen zu hören. Wütendes Gebrüll und anfeuernde Rufe überwogen. Kein gutes Zeichen. Die Drakonen hatten ihren Schreck überwunden. Nun würde es nicht mehr lange dauern, bis sie Harass’ Wölfe eingekesselt und niedergemetzelt hatten.
»Gera, sorg dafür, dass alle Krieger geweckt werden und sich zum Kampf bereithalten!«
Seine Frau nickte und eilte zu der Treppe, die sie heraufgekommen war.
»Steht nicht rum!«, fuhr Hlewar Tanngrid und Oglan an. »Holt endlich die Bogenschützen, damit wir mehr sehen!«
Die Gescholtenen hasteten in unterschiedliche Richtungen davon. Nur widerstrebend wandte Hlewar dem Abhang den Rücken zu und suchte in der Dunkelheit erneut nach seinen Söhnen. »Askar! Sag deinem Onkel, wir brauchen die Brandpfeile! Und dann bring mir eine Fackel!«
Er sah den blonden Kopf nicken und wegrennen und drehte sich rasch wieder um. Noch immer konnte er nichts Verdächtiges auf dem Hang entdecken. Hatte Hodrek sein Rudel auf schlafende Drakonen gehetzt oder einen Überraschungsangriff durchkreuzt? Stürmten sie den Hang herauf, sobald sie Harass’ Wölfe niedergemacht hatten, oder würden sie sich zurückziehen und ihre Wunden lecken? Die Thebaner waren feige. So feige, dass sie jeden Abend einen Graben und einen Zaun um ihr Lager zogen, selbst wenn sie nur für eine Nacht dortblieben. Aber sie sind auch stur, erinnerte sich Hlewar. Sollten sie ihren Angriff für diese Nacht geplant haben, würde Hodreks Attacke sie nicht umstimmen. Flaute der Kampflärm nicht bereits ab?
Die Ankunft der ersten Schützen riss Hlewar aus seinen Gedanken. Auch Oglan und Tanngrid kehrten zurück und Männer aus dem Lager schleppten ein paar Bündel Brandpfeile herbei.
»Gib mir die Fackel, Junge!«, forderte einer von ihnen. Der kleine Askar reichte dem Hünen nicht einmal bis zum Gürtel. Verunsichert blickte der Junge zu Hlewar herauf.
»Schon gut.« Hlewar nickte ihm zu. »Bleib in Deckung und pass auf deinen Bruder auf!«
Trotzdem reichte Askar dem Fremden nur zögernd die Fackel, weshalb der Mann sie ihm mit einem ungeduldigen Brummen aus der Hand riss. Hlewar wandte sich wieder den Schützen zu, die bereits Brandpfeile auflegten. »Schießt so weit, wie ihr könnt! Ich will, dass eure Pfeile rund um die Festung den Waldrand beleuchten. Es darf kein dunkler Korridor bleiben, durch den sie sich anschleichen können. Hodreks Rudel wird bald den Weg zu Harass antreten, dann ist unsere Zeit gekommen.«
Die Schützen nickten mit ernsten Gesichtern. Unter ihren Blicken wurde Hlewar bewusst, dass er ihren Tod prophezeit hatte. Sei’s drum. Wahrscheinlich hatte er nur die Wahrheit gesagt.
»Du begleitest sie und steckst die Pfeile an!«, befahl er dem Mann mit der Fackel.
Zwei Schützen hielten ihre Pfeile bereits in die Flammen. Die anderen eilten davon, und der Fackelträger folgte ihnen hastig. Schweigend hoben die verbliebenen Männer ihre Bögen. Holz und Sehnen knirschten unter der Spannung, dann gab es ein leises Zischen. Die Geschosse jagten davon, beschrieben hohe, weite Bögen, bevor sie wie fallende Sterne durch die Dunkelheit stoben und beim Aufprall fast erloschen. Im nächsten Augenblick ging um den einen Pfeil trockenes Gestrüpp in Flammen auf. Der andere blieb jedoch das Einzige, was an seiner Einschussstelle brannte.
»Verdammt!«, fluchte Hlewar. Er hätte doch nach mehr Fackeln verlangen sollen. Aber er wollte dem Gegner so wenig wie möglich über die Lage auf der Mauer enthüllen. Vielleicht wussten die Thebaner nicht, dass er nur eintausendfünfhundert waffenfähige Frauen und Männer hatte. »Hol dir noch einmal Feuer!«, herrschte er den glücklosen Schützen an, während der andere bereits weglief.
»Da unten geht irgendwas vor«, warnte Oglan.
Sofort trat Hlewar an seine Seite. Obwohl der Lärm der Schlacht versiegt war, bellten die Anführer der Thebaner erneut Befehle. Dumpfe Schläge drangen aus dem Wald, doch nicht nur von dort, wo der Kampf gegen Harass’ Wölfe getobt hatte. Hlewar lauschte.
»Das kommt von allen Seiten«, flüsterte Tanngrid alarmiert.
Im Schein eines Feuers entdeckte Hlewar zitternde Äste. »Sie fällen noch mehr Bäume. Aflas Fluch über sie!«
»Aber warum?«, wunderte sich Oglan. Ratlos sahen sie sich an.
»Schieß!«, befahl Hlewar dem Schützen, der mit einem brennenden Pfeil zurückgekehrt war.
Dieses Mal lenkte wohl Afla, die jagende Göttin der Wälder, selbst das Geschoss, denn es ertönte ein Schrei. Im Licht der Flammen wurde eine Gestalt sichtbar, aus deren Brust der Pfeil ragte. Sie war zu weit entfernt, um Details zu erkennen, doch sie stolperte rückwärts und brach zusammen.
»Harass holt euch alle!«, brüllte Tanngrid triumphierend. Alle Wächter, die den Treffer gesehen hatten, nahmen den Ruf begeistert auf.
Auch Hlewar stimmte unwillkürlich ein und reckte die Faust mit dem Speer darin. Es tat gut, einen der Bastarde sterben zu sehen und die Wut über die eigenen Toten herauszubrüllen. Hlewar hatte den Thebanern von Anfang an misstraut. Schon einmal hatte jemand versucht, sein Volk auszulöschen, aber seine Ahnen waren dem Gemetzel entkommen, und das würden die Andanen auch heute Nacht tun.
Während der Jubel verebbte, musterte Hlewar den Hang, so weit das Licht der kleinen Brände reichte. Kein anderer Thebaner war zu sehen, also konnte der Tote, dessen Kleidung Feuer gefangen hatte, nur ein Späher gewesen sein. Das Bersten eines Baumstamms übertönte einen Moment lang die Hiebe, dann trat das dunkle Klopfen der Beile wieder in den Vordergrund, bis an anderer Stelle das gleiche Krachen ertönte. Dieses Mal sah Hlewar die Krone des fallenden Baums im Blätterdach verschwinden. Hunderte Äxte fraßen sich am Fuß des Hügels durch den Wald. Das krachende Splittern umstürzender Bäume wollte kein Ende mehr nehmen. In Hlewars Ohren klang es wie Todesschreie. Wären die Göttinnen der Wälder in der Lage gewesen, Blitze zu schleudern, hätte über den Drakonen längst ein schreckliches Unwetter gewütet, doch Rúl, der Herr des Donners, scherte sich nicht um Bäume.
Hoffentlich liegt ihm wenigstens etwas an Menschen! Wütend blickte Hlewar ins Tal hinab. Die ersten Feuer, die seine Schützen gelegt hatten, erstarben bereits wieder. Pflanzen und Erde waren zu feucht für ergiebige Brände. Aber noch genügte das Licht, um einige Thebaner zu entdecken, die sich am Waldrand aus dem Schutz der Dunkelheit wagten. Aufglänzendes Metall verriet, dass sie Helme und Rüstungen trugen.
»Da sind welche!«, rief ein Wächter auf einem anderen Teil der Mauer. Immer mehr Warnungen ertönten, offenbar auf zwei Seiten der Festung. Sonnenaufgang und Mittag, stellte Hlewar fest. Sie wollen über die beiden flacheren Hänge angreifen. Schon trieben die Rufe der Wachposten weitere Krieger auf den Wehrgang. Die Zeit des Wartens schien vorüber.
»Alle Verteidiger auf die Mauer!«, rief Hlewar und setzte das Horn an die Lippen, um seine Warnung bis ans andere Ende der Festung zu tragen. Der Klang beunruhigte selbst das Vieh in den Pferchen. Von den Rindern hallte heiseres Gebrüll herüber. Rasch blickte Hlewar wieder zu den Drakonen hinab, die dem Tumult auf dem Hügel jedoch kaum Beachtung schenkten. Nur ein paar Mann behielten als Wächter den Feind im Auge, während die anderen direkt am Waldrand einen weiteren Baum fällten. Sie mochten sich außer Reichweite feindlicher Schützen befinden, aber warum zur Urschlange verschwendeten sie Zeit damit, sich ihrer eigenen Deckung zu berauben?
»Wollt ihr die ganze Nacht auf wehrlose Bäume einschlagen?«, höhnte ein Krieger und erntete zustimmendes Johlen und Gelächter.
»Kommt endlich her, damit ich euch aus euren eisernen Schalen schneiden kann!«, forderte ein zweiter.
»Ich schneide ihnen noch ganz andere Dinge ab!«, tönte Tanngrid, und die Krieger lachten noch lauter.
»Tod den Mördern unserer Familien!«, rief jemand am südlichen Ende der Mauer.
»Tod den Mördern!«, brüllte Oglan gemeinsam mit tausend Männern und Frauen.
Nur Hlewar blieb stumm, denn er begriff, was die Thebaner dort unten taten. Sie bahnen den Weg für etwas. Warum war er nicht gleich darauf gekommen? Es lag wohl daran, dass er sich nicht vorzustellen vermochte, wofür die Bäume beseitigt werden mussten. Schließlich gingen die weitaus meisten Drakonen zu Fuß, und selbst ihre berittenen Truppen, die überwiegend aus den verräterischen Sewenen bestanden, hatten genügend Zeit gehabt, um sich durch den unwegsamen Wald zu nähern.
Gerade fiel der Baum am Waldrand. Ein Pferdegespann schleppte ihn zur Seite, wo er unbeachtet liegen blieb. Eifrige Sklaven, die Hlewar an den fehlenden Rüstungen erkannte, führten die Tiere davon. So weit er blicken konnte, hatten die Thebaner im Abstand von ein bis zwei Speerwürfen Schneisen geschlagen. Nun schienen sie zu warten.
Stille senkte sich erneut über die Festung der Andanen. Selbst der zornigste Krieger spürte, dass etwas Unerwartetes vorging. Dass sich etwas näherte, dem die Drakonen Respekt erwiesen.
Hlewar nahm seinen Schild auf, der neben den Speeren an der Brustwehr lehnte. Sofort ahmten es alle nach, die ihre Schilde nicht schon längst aufgehoben hatten. Kriegerinnen wogen ihre Speere in der Hand, Krieger beschworen Harass und Wahena, ihnen den Sieg zu schenken. Der Mann mit der Fackel und die Schützen vollendeten ihre Runde auf der Mauer. Auf Hlewars Befehl flogen weitere Brandpfeile hinab, bohrten sich einen halben Speerwurf vom Waldrand entfernt in den Boden und entfachten neue Feuer.
Plötzlich merkte Hlewar, wie sich Tanngrid neben ihm versteifte. Im nächsten Augenblick hörte er es auch: ein Rumpeln wie ferner Donner. Hatte sich Rúl entschlossen, in den Kampf der Menschen einzugreifen? Doch der Himmel war klar. Keine Wolke verbarg die Sterne – die funkelnden Eisenspäne, die der Wind aus Rúls Schmiede ans Firmament geweht hatte.
»Sie kommen«, knurrte Oglan.
Immer mehr Thebaner traten aus den Schatten des Waldes. Drakonen mit Speeren und großen, rechteckigen Schilden, auf denen Beschläge aus Eisen glänzten, und leicht gerüstete Schützen und Schleuderer, die angeblich aus noch ferneren Ländern stammten. Ohne jede Eile bildeten sie vor den Bäumen geordnete Reihen. Zuvorderst Drakonen, um die Nachrückenden mit ihren Schilden zu schützen, dann Schleuderer oder Bogenschützen, um den Vormarsch durch einen Geschosshagel zu decken, und dahinter weitere Drakonen, die vorstoßen würden, sobald sich die vorderen Reihen im Nahkampf befanden. Widerwillig musste Hlewar anerkennen, wie gut sie aufgestellt waren. Aber er hatte einen hohen, mit Steinmauern und Balkenwänden verstärkten Wall. Es gab keinen Grund, diese Männer zu seinen Füßen zu fürchten. Unwillkürlich reckte er sich, um größer zu wirken, und hob seine Waffe. »Für jeden Feind steht hier oben ein Speer bereit! Genug, um sie alle zu durchbohren! Ihr Blut wird den Hang hinabfließen – bis zurück nach Theban!«
Jubelnd und drohend zugleich schüttelten seine Leute ihre Speere, trommelten mit den Schäften auf die Schilde, als wollten sie sich zu einem Angriff aufstacheln. Einen Moment lang bangte Hlewar, ob sie alles vergaßen, was er ihnen in den vergangenen Tagen eingeschärft hatte, doch sie blieben auf dem Wehrgang. Und weil der Gegner immer noch außer Reichweite zu zaudern schien, überschütteten sie ihn mit weiteren Flüchen und Spott. Ihr Toben übertönte die Geräusche aus dem Tal, aber Hlewar behielt die nächstgelegene Schneise im Auge. Weitere Drakonen tauchten dort aus der Dunkelheit auf. Sie flankierten Sklaven mit Pferden, die etwas Schweres zogen. Hlewar sah, wie sehr sich die Tiere in die Geschirre stemmen mussten. Was war hinter ihnen? Ein großer Wagen? Hölzernes Gestänge und dicke Scheibenräder kamen in Sicht. Heftig wankend rollte das Gefährt über Baumstümpfe und unebenen Boden. Je deutlicher Hlewar es sah, desto fremdartiger kam es ihm vor. Es handelte sich nicht um einen Karren, sondern um ein großes Gestell aus dicken Balken, das vorne höher war als hinten. Ein einzelner Pfahl, an dem etwas baumelte, ragte an der Rückseite darüber hinaus.
»Was zur Urschlange ist das?«, staunte Tanngrid.
Immer mehr Krieger verstummten, blickten verwundert und misstrauisch auf die großen Gerätschaften hinab, die in jeder der Fällgassen auftauchten und an deren Ende abgestellt wurden. Weitere Gespanne zogen schwere Karren herbei, deren Ladung Hlewar auf die Entfernung nicht erkennen konnte. In der eintretenden Stille hörte er erneut die Stimmen der thebanischen Anführer. Auf ihre Befehle hin machten sich Drakonen an den Gestellen zu schaffen, rückten sie herum und bewegten irgendwelche Stangen. Dann hoben sie etwas Schweres aus dem Karren und trugen es zu dem überstehenden Pfahl. Vielleicht ein Stein? Auf jeden Fall legten sie den Brocken in eine Art Schlinge oder Netz am Ende des langen Pfostens. Hlewars Herz setzte einen Schlag aus, dann raste es umso schneller. »Es ist eine Schleuder!«, entfuhr es ihm im gleichen Moment wie Oglan. Eine Schleuder, wie Hirten sie benutzten, um Raubtiere zu vertreiben, nur dass diese hier ungleich größer war.
Die Bronzehörner der Thebaner erklangen. Im nächsten Augenblick sah Hlewar nur noch eine verwischte Bewegung. Mit einem dumpfen Knall prallte der vorschnellende Pfosten gegen das Gestell, das unter der Wucht bockte wie ein widerspenstiges Pferd. Weitere Schläge folgten so rasch hintereinander, dass sie fast zu einem verschmolzen. Alle Geschütze schleuderten zugleich.
»Deckung!«, brüllte Hlewar. Hastig ging er in die Knie und riss den Schild dabei empor. Ein leises Pfeifen wie von einer Windböe, die ums Haus strich, drang an sein Ohr, dann krachte es plötzlich so laut, dass er zusammenzuckte. Unter seinen Füßen spürte er die Mauer erzittern. Holzsplitter regneten auf seinen Schild. Weitere Einschläge erschütterten die Festung. Menschen schrien vor Angst oder Schmerzen. Wie schnell konnte dieses Dämonenwerk nachgeladen werden? Vorsichtig lugte Hlewar über die Brustwehr. Mit geübten Handgriffen bedienten die Drakonen das Gerät, ohne dabei besondere Eile zu zeigen. Ließ sie der Kampf etwa völlig kalt?
Wütend blickte Hlewar den Wehrgang entlang. Nur ein paar Schritte von ihm entfernt klaffte eine Lücke zwischen den schenkeldicken Balken. Das Holz an den Rändern war geborsten wie unter dem Schlag eines gewaltigen Hammers. Ein Verwundeter hielt sich den Arm, aus dem ein Splitter ragte, doch sein besorgter Blick galt dem Kameraden, der von der Mauer gestürzt war. Schon eilten Helfer mit einer Fackel herbei. In ihrem Licht entdeckte Hlewar die hingestreckte Gestalt, deren Oberkörper nur noch ein blutiger Haufen Fleisch und gebrochener Knochen war. Die Wucht, mit der das Geschoss die Balken durchschlagen und den Krieger vom Wehrgang gefegt hatte, bereitete Hlewar eine Gänsehaut.
»Runter!«, brüllte er. »Runter von der Mauer!« Viele hatten sich bereits aufgerappelt, zogen andere auf die Beine oder stützten die Verletzten. Einige starrten Hlewar ungläubig an.
»Die Mauer aufgeben?«, rief jemand empört.
»Kommt nicht infrage!«, blaffte Tanngrid.
Waren sie denn blind? »Diese Brocken verwandeln Balken in Späne und eure Schädel zu Brei! Glaubt ihr, sie werden damit auf die eigenen Leute schießen? Wenn die Bastarde kommen …« Unten am Hang knallten die Geschütze. »… besetzen wir die Mauer wieder, aber jetzt runter mit euch!«
Vergeblich versuchte er, Tanngrid niederzustarren. Wenigstens Oglan drängte sich an ihnen vorbei zur Treppe, und mit ihm hasteten viele die Stufen hinab.
»Los!«, brüllte Hlewar. Als sich Tanngrid endlich abwandte, warf sie der Aufprall eines Geschosses fast von den Füßen. Schwankend kämpfte auch Hlewar um sein Gleichgewicht und versuchte, sich zugleich mit dem Schild zu schützen. Doch dieses Mal trafen ihn keine Splitter. Der Stein musste unterhalb der Brustwehr in die Mauer gekracht sein. Auf Händen und Knien gelangte Tanngrid zur Treppe und krabbelte rückwärts hinunter, während Einschläge den Wall erschütterten. Hlewar hörte Schreie, denn längst nicht alle hatten rechtzeitig die Stufen erreicht. Weitere Balken barsten. Größere Trümmer landeten polternd vor der Mauer, kleinere flogen auf den Wehrgang und darüber hinaus. Manche Krieger dachten nur daran, die eigene Haut zu retten, aber andere schleppten auch Verwundete in Sicherheit. Hinter seinen Schild gekauert, beobachtete Hlewar, wie sie die Mauer verließen.
Von einem Lidschlag auf den anderen kehrte trügerische Ruhe ein. Die Thebaner luden nach. Nur noch das Stöhnen der Verletzten und das beruhigende Murmeln der Helfer war zu hören. Um die Wunden versorgen zu können, entzündeten sie immer mehr Fackeln. In ihrem Licht sah Hlewar, welche Schäden die Geschosse bereits angerichtet hatten. Obwohl einige vor oder gar hinter der Mauer niedergegangen sein mussten, war die Brustwehr an mehreren Stellen durchbrochen. Breschen, die es den Angreifern erleichtern würden, das Hindernis zu erklimmen. In einem Fall war der Brocken durch eine bereits vorhandene Lücke geflogen und hatte einen Krater in den Wehrgang geschlagen. Diese Stelle ließ sich nun viel schwieriger verteidigen.

Über David Falk

Biografie

David Falk, geboren 1972, ist Historiker, Bassist und paranoider Facebook-Verweigerer. Wenn er nicht gerade phantastische Welten baut oder seiner Computerspielsucht frönt, reist er am liebsten auf den Spuren seiner Vorfahren durch Europa – was ihn wieder zu neuen Romanwelten inspiriert ...

Kommentare zum Buch

Toller Auftakt einer neuen Serie
cyrana am 29.11.2017

Das Buch beginnt mit einer Schlacht. Das Volk der Andalen wird von Thebanern angegriffen, es sterben fast alle. Die Kinder werden versklavt. So auch die Söhne von Hlewar, dem Häuptling. Kayo dient als Sklave einer thebanischen Familie und möchte sein Schicksal in die Hand nehmen, nachdem seine Herren ihm etwas Furchtbares angedroht haben. Seran ist von Astur in seine Familie aufgenommen worden. Als Ziehsohn hat er fast alle Privilegien wie seine Ziehbrüder. Er erhält eine Ausbildung zum Soldaten, bewährt sich in seinem ersten Kampf gegen Piraten und wird bald darauf vom Kaiser zum Offizier im thebanischen Heer berufen, dass gegen aufständische Mataver vorgehen soll, die die Thebaner daran hindern, genug Holz für eine neue Flotte abzuholzen. Doch schon bald gerät Seran mit seiner Vergangenheit in Kontakt und sein Weltbild gerät ins Wanken.   David Falk ist mit „Blutsbande“ ein im doppelten Sinn phantastischer Auftakt einer neuen Serie gelungen. Die Kämpfe werden nicht beschönigend beschrieben, sondern realistisch. Die unterschiedlichen Weltsichten regen den Leser zum Nachdenken an. Eine komplexe Götterwelt auf beiden Seiten und eine Geschichte, die sich erst nach und nach entfaltet und viele überraschende Wendungen birgt. Interessante und vielschichtige Charaktere erhöhen den Lesegenuss und lassen trübe Herbsttage um einen herum vergessen.   Eine tolle Karte sowie ein Personenregister sind für die Orientierung hilfreich. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Packender Auftakt einer neuen High-Fantasy-Saga aus der man nur ungern wieder auftauchen möchte
Pink Anemone am 08.11.2017

Die Brüder Seran und Kayo entstammen einer Linie nordischer Krieger. Als Kinder wurden sie ihrer Familie entrissen, nachdem ihr Dorf vom Volk der Thebaner erobert wurde, aber daran erinnern sie sich kaum. Während Kayo als Sklave niederste Dienste verrichten muss, macht der junge Seran Karriere als Offizier im thebanischen Heer. Doch dann wird sein Bruder ermordet, und die Stämme des Nordens erheben sich zum Aufstand gegen das Kaiserreich. Seran muss sich entscheiden: Will er als Feldherr in die Fußstapfen seines thebanischen Ziehvaters treten oder sein Volk befreien? (Klappentext)   --------------------------------   Eines gleich vorweg – für schwache Gemüter ist dieser High-Fantasy nichts, denn kaum schlägt man das Buch auf, befindet man sich schon in einem wilden Gemetzel. Und wenn bei David Falk gemetzelt wird, dann richtig. Kampfszenen werden hier so bildhaft beschrieben, dass man fast meinen könnte man selbst stehe zwischen den Kriegern, hört das Kampfgebrüll und die Pfeile an den Ohren vorbeipfeifen. Hier könnte eine Kampfszene nicht lange genug sein, denn während sich bei so manch anderem High-Fantasy-Autor dabei Längen einschleichen, wird es bei David Falk von Seite zu Seite spannender bis man sich am Ende, wie die Krieger selbst, erschöpft zurücklehnt.   Doch dieser Fantasy-Epos beinhaltet nicht nur Kämpfe und Gemetzel, sondern auch einen ebenso spannenden Plot bei dem man den Hauptprotagonisten Seran begleitet. Dieser wurde einst als Kind, nach dem Krieg zwischen den Nordländern und dem Kaiserreich Theban, vom damaligen Heerführer adoptiert, fern von seiner Heimat als Thebaner erzogen und somit seinen Erinnerungen bezüglich seiner Herkunft beraubt. Nun soll er als Offizier wieder in den Norden marschieren und die aufmüpfigen Nordländer ein weiteres Mal unterwerfen. Je tiefer er in seine ehemalige Heimat vordringt, umso größer werden seine Zweifel, dass dieser Krieg das Richtige ist. Die Fragen bezüglich seiner Herkunft und seiner Ahnen beschäftigen ihn immer mehr und er begibt sich schließlich auf Spurensuche. Was er auf dieser erfährt steigert seine innere Zerrissenheit und dann kommt der Punkt an dem er sich entscheiden muss, für wen er letztendlich in die Schlacht zieht.   Wie der Hauptprotagonist selbst, erfährt auch der Leser hierbei nur Stück für Stück etwas über dessen Vergangenheit, Herkunft und die Magie die in ihm wohnt. Hier werden der fest verankerte Glaube der jeweiligen Stämme, sowie die Opferungen und Huldigungen an diese ebenso bildhaft wie auch authentisch beschrieben. Dies gibt dem Ganzen den letzten Schliff und bringt dem Leser diesen intensiven Götterglauben mit all seiner Magie näher und somit auch diese ganz spezielle Fantasy-Welt. Dieser Roman weist dabei viele Parallelen zur germanischen Mythologie auf, sowie zu den einstigen Kämpfen zwischen den Römern und Nordländern. Im Fantasy-Genre ist dies nichts ungewöhnliches und doch schafft es der Autor hier etwas gänzlich Neues zu erschaffen.   Die Figuren sind durchwegs authentisch gezeichnet und lässt einen mit ihnen mitfiebern. Doch sollte man sich bei David Falk nicht zu sehr an gewisse Charaktere gewöhnen, denn bei ihm ist keiner vor dem Tode sicher. Dies verleiht der Geschichte die gewisse Würze und den ein oder anderen zusätzlichen Überraschungseffekt.   Der Schreibstil selbst ist flüssig, äußerst bildhaft und packend. Die Story wird mit jeder Seite rasanter, spannender und im letzten Abschnitt wird nochmal ordentlich an Tempo zugelegt. Langweilig wird es einem hier als Leser als nicht.   Fazit: Mit dem Auftakt dieser neuen High-Fantasy-Reihe konnte mich David Falk ein weiteres Mal von sich überzeugen und begeistern. Ein packender High-Fantasy aus dem man nur ungern wieder auftaucht und sich wünscht der 2. Teil würde schon vor einem liegen, um sofort wieder eintauchen zu können. Tolle Geschichte mit fantastischen Figuren und Spannung von Anfang bis Ende. Jedoch nichts für Zartbesaitete, denn hier wird auf sehr anschauliche Weise gemetzelt, wie es eben bei einem High-Fantasy-Roman nun mal ist. Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung!   © Pink Anemone

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