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Blamage! — Inhalt

Den Berühmten und Mächtigen ist heute gar nichts mehr peinlich, im Fernsehen singen Teenager schiefe Ständchen, pöbelt Charlie Sheen betrunken vor einem Millionenpublikum und zwischendurch essen C-Promis Insekten. Und dennoch: Uns Normalbürgern ist nach wie vor nichts peinlicher, als

peinlich zu sein. Doch warum? Christian Saehrendt geht den häufigsten Fettnäpfchen der Gegenwart und den berühmtesten Blamagen vergangener Jahrhunderte auf den Grund. Doch während den einen jegliches Schamgefühl abgeht, flüchten sich andere aus Angst vor Bloßstellung in die gesellschaftliche Isolation - wie die sogenannten Hikikomori in Japan. Nicht zuletzt ist Blamage! ein mitfühlendes Kompendium für alle peinlich Berührten - denn am Ende steht die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, immer »cool« zu sein, oder ob es nicht viel mehr Spaß macht, sich ab und zu einmal richtig danebenzubenehmen.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 03.03.2012
200 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7521-5

Leseprobe zu »Blamage!«

KAPITEL 1
PANORAMA DER PEINLICHKEITEN I –
FLIRTEN & FEIERN
Flirtdebakel – Pannen auf dem Feld der Liebe
Der Flirt, das Werben, die erste zarte Kontaktaufnahme –
hier lauern unzählige Gelegenheiten, sich lächerlich zu machen.
Auch die Promis kennen das. Harald Schmidt etwa
beschrieb in der Zeitschrift Stern sein Jugend-Dilemma:
»Scheiße ausgesehen und nichts draufgehabt, was den Mädels
imponiert hätte. Die Dates hatten die Sportstars der
Schule. Hätte ich bei den Bundesjugendspielen 4000 Punkte
gemacht und keine Akne gehabt, hätte ich keine Witze machen
müssen.« Die [...]

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KAPITEL 1
PANORAMA DER PEINLICHKEITEN I –
FLIRTEN & FEIERN
Flirtdebakel – Pannen auf dem Feld der Liebe
Der Flirt, das Werben, die erste zarte Kontaktaufnahme –
hier lauern unzählige Gelegenheiten, sich lächerlich zu machen.
Auch die Promis kennen das. Harald Schmidt etwa
beschrieb in der Zeitschrift Stern sein Jugend-Dilemma:
»Scheiße ausgesehen und nichts draufgehabt, was den Mädels
imponiert hätte. Die Dates hatten die Sportstars der
Schule. Hätte ich bei den Bundesjugendspielen 4000 Punkte
gemacht und keine Akne gehabt, hätte ich keine Witze machen
müssen.« Die britische Schauspielerin Gemma Arterton
(Bondgirl in Ein Quantum Trost) erinnert sich in einem
Interview: »Als Teenie war ich dicklich und verschroben, die
Jungs schwirrten immer um andere Mädchen herum. Auch
heute bin ich eher diejenige, die nervös wird, sobald sie einen
Mann attraktiv findet. Generell bin ich ein Blindfisch,
wenn es ums Flirten geht.« Besonders heikel sind die ersten
Annäherungsversuche in der Jugend. Barack Obama
etwa denkt in seiner Autobiografie Dreams from my father
an ein Mädchen in seiner Schulzeit zurück: »Coretta, so
hieß sie, war bisher die einzige Schwarze in der Klasse gewesen.
Sie war dick und hatte wohl nicht viele Freunde.«
Nach einem harmlosen Fangspiel mit ihr auf dem Pausenhof
zeigten plötzlich die Kinder auf das Paar und riefen Barry
zu: »Coretta hat einen Freund! Warum küsst du sie nicht,
los, mach schon!« Barack, dem die Sache mit dem uncoolen
Mädchen nun höchst peinlich war, erklärte laut: »Ich
bin nicht ihr Freund!« und stieß Coretta von sich. Dennoch
fühlte er sich wie ein Verräter: »Den ganzen Nachmittag
musste ich an Corettas Gesichtsausdruck denken, diese Mischung
aus Enttäuschung und Vorwurf.« Auf den folgenden
Seiten finden Leserinnen und Leser zahlreiche Beispiele desaströser
Flirtunfälle.
Peinliche Anmachsprüche
Primitive, veraltete oder affektierte Anmachsprüche sind
hochgradig lächerlich. Routinierte Womanizer sind allerdings
davon überzeugt, dass es auf den Inhalt der Sprüche
eigentlich gar nicht ankommt. Wenn die Chemie stimmt, ist
per Blickkontakt bereits alles klargemacht; was man sagt, ist
dann egal, Hauptsache, man sagt irgendwas.
Allzu routinierte Galanterie
Blumenstrauß, Tür aufhalten, Küss die Hand, gnädige Frau –
Formvollendung alter Schule kann beeindrucken, muss aber
gekonnt sein: Nichts ist schlimmer, als beim Handkuss die
Lippen sabbernd aufzusetzen oder beim Feuergeben den
Fransenpony der Dame zu versengen. Oder ihr noch unbeholfen
in den Mantel hineinhelfen wollen, während sie schon
patzig sagt: »Das kann ich selber!«
Im Übrigen: Der perfekte Galan hat ja auch etwas
Langweiliges, geradezu verdächtig Routiniertes. Stattdessen
gehören zu einem wirklich überzeugenden Flirt paradoxerweise auch einige wohldosierte Peinlichkeiten, die der
Angebeteten die Authentizität einer aufgewühlten Gefühlswelt
suggerieren: Erröten, Stammeln, lächerlich unpassende
Komplimente oder mit ungelenken Worten formulierte Einladungen.
Fehlleistungen können eben auch eine charmante
Seite haben.
Angeber am Tresen, eitle Affen und Aufreißer
zeichnen sich u. a. dadurch aus:
• den Ferrari direkt vor der Bar im absoluten Halteverbot
zu parken
• den Barmann lautstark mit Vornamen zu rufen und quer
durch den Laden zu dröhnen: »Charles, machste mir ’n
Pils?!«
• die teure Uhr penetrant in Szene zu setzen
• Ladys unaufgefordert Hochprozentiges via Barmann zu
spendieren (»Der Drink kommt von dem Herrn da drüben!
«) und tiefe Dankbarkeit zu erwarten
• extreme Eitelkeit: »Ich kann an keinem Spiegel vorbeigehen,
ohne mein Aussehen zu überprüfen«, gibt Beau Justin
Timberlake unumwunden zu, um in Sachen peinliche
Eitelkeit noch eins draufzusetzen: »Meine Hose sitzt so
eng, dass es sich anfühlt, als hätte ich Sex mit mir selbst.«
Nicht tanzen können
Früher gingen noch ganze Jahrgänge in die Tanzschule, um
dort mannigfaltige Peinlichkeiten durchzustehen (der Autor
erinnert sich noch an seine eigenen, ungelenken Schritte in
der Tanzschule, an die schwitzigen Hände auf dem Rücken
der Partnerin, den buchstäblichen Mangel an Taktgefühl,
den verbissen zu Boden gesenkten Blick, weil er sich voll auf
die Schritte konzentrieren musste, furchtbar, furchtbar). Der
Paartanz, traditionellerweise die einzige legitime, weil streng
ritualisierte Möglichkeit, körperlich zu flirten, wird heute
nur noch von einer Minderheit beherrscht. Kommt man
doch einmal zu einer Veranstaltung, wo alle Walzer, Salsa
oder Tango tanzen, steht man peinlich isoliert am Rand und
muss sich im gefürchteten Fall einer Aufforderung irgendeine
Ausrede ausdenken (»Richtige Kerle tanzen nicht«, »Bin
total fertig, brauche jetzt eine Pause!« usw.).
Allerdings bedeutet Tanzfreude nicht zwangsläufig,
als attraktiv wahrgenommen zu werden – dies musste auch
der spätere US-Präsident Bill Clinton in jungen Jahren feststellen:
»Ich liebte Rock ’n’ Roll und tanzte überhaupt sehr
gerne, auch wenn ich immer noch dick, uncool und bei den
Mädchen nicht gerade angesagt war« – so Bills O-Ton in seiner
Autobiografie Mein Leben.
Schlecht tanzen
Überaus peinlich ist es generell, seine Fähigkeiten auf dem
Parkett zu überschätzen, sowie im Besonderen:
• aus dem Takt zu kommen, bzw. nie in den Takt hineinzukommen
• ohne Kenntnis der Schrittfolgen die Führung zu übernehmen
• der Partnerin auf den Kleidsaum zu treten (der dann mit
lautem Krachen reißt)
• mangelnde Schrittfolgen durch wildes Herumwirbeln zu
kompensieren
• andere Paare anzurempeln (der gefürchtete Autoskooter-
Modus; auch Robocop-Tanzstil genannt).
Zu eng tanzen
Rettung für alle, die keine Schrittabfolgen beherrschen, Höhepunkt
manch einer Jugendtanzveranstaltung, unangenehm,
wenn einem der Tanzpartner eigentlich gar nicht behagt.
Schauspieler Jan-Josef Liefers erinnert sich in seiner
Autobiografie Soundtrack meiner Kindheit an peinliche Teenager-
Feten: »Jungs und Mädchen hängten sich aneinander
und hielten sich fest, als würden sie sonst auf der Stelle umfallen.
Dann begannen sie, mehr oder weniger im Takt hin
und her zu schwanken wie in dem Film Nur Pferden gibt man
den Gnadenschuss …«
Beim Date versetzt werden
Schlimm für all diejenigen, die im Restaurant allein am
Tisch sitzen bleiben, oder in diesem Zustand von Freunden
gesehen werden, tapfer, mit den Tränen ringend oder verzweifelt
alle paar Minuten aufs Telefondisplay oder zur Tür
blickend. Dass es sich bisweilen zu warten lohnt, bewies
Tennis-Legende Boris Becker. Beim zweiten Date verspätete
sich Barbara um schlappe 90 Minuten. Boris erinnert
sich in seiner Autobiografie Augenblick, verweile doch daran:
»Ich wartete – sie war die Frau, die ich haben wollte.«
Ihre notorische Unpünktlichkeit soll später ein wesentlicher Grund dafür gewesen sein, dass sich das Traumpaar
Boris & Babs wieder trennte.
Online top – im echten Leben: flop
Peinlich wird’s, wenn man sich online viel jünger, schlanker,
gesünder gemacht hat und nun die erste echte Face-to-face-Begegnung
ansteht. Wie soll man sich dann herausreden (»Hatte
nur ein altes Foto zur Hand/Habe letzte Woche 30 kg zugenommen/
Hab gestern angefangen, Kette zu rauchen«)?
Date-Desaster
Ein desaströs verlaufendes Date verursacht, wer
• immer wieder von der oder dem Ex erzählt
• das Leiden an der eigenen Einsamkeit dauern hervorhebt
• beim ersten Date von Heirat spricht
• sexistische Sprüche klopft
• unaufhörlich von den eigenen beruflichen oder persönlichen
Heldentaten spricht
• ausufernde Monologe über die politische Weltlage hält
• sich am Ende des Treffens in die Wohnung der Begleitung
bettelt.
Alibianrufe nach verpatztem Date
Durchsichtige Alibitreffen oder -telefonate nach einem Date,
bei dem schon alles (zum Schlechten hin) entschieden wurde,
zwingen zu quälenden Gesprächen, obwohl man eigentlich
lieber flüchten möchte.
Plumpes Fishing for compliments
Zu viel falsche Bescheidenheit, ständiges Sich-selbst-Schlechtmachen
und Kleinreden wirkt affektiert und erweckt nur den
unangenehmen Eindruck, Sie gierten geradezu nach Komplimenten.
Besonders peinlich, wenn diese dann ausbleiben.
Den Helden spielen
Missratene Macho-Performance: sich in Gegenwart der
Dame besonders gockelhaft und aggressiv aufführen, wegen
Nichtigkeiten mit anderen Streit anzetteln und dann auch
noch ordentlich was auf die Birne kriegen, bis die Freundin
dazwischengeht und Schlimmeres verhindert. Anschließend
von ihr verarztet und getröstet werden müssen.
Abgeschmackte Verführungs-Szenarien
• IKEA-Teelichter-Kerzenmeer im Treppenhaus, anschließend
Candle-Light-Dinner mit Bon-Jovi-Sounduntermalung
• Vortragen selbst verfasster Gedichte
• private amateurhafte Stripteasevorstellung
• bündelweiser Abwurf roter Rosen aus dem Helikopter
• öffentlicher Heiratsantrag (im Fernsehen, in der Südkurve
des Stadions, vor versammelter Verwandtschaft).
Sabbernde Knutscher
Nicht die feine Art: übermäßig feuchte Schmatzer auf Wange
oder Mund. Doch was sagt Experte Justin Timberlake dazu:
»Man sollte nicht mit dem Mund küssen, sondern mit dem
Herzen. Manchmal geraten Küsse zu nass, aber ich mag diese
kleinen Makel, weil sie authentisch sind.«
Sexprotzereien
Oversexed & underfucked – ein Slogan, den sich diejenigen
auf ein Motto-Shirt drucken lassen könnten, die unentwegt
mit anzüglichen Bemerkungen, Witzchen, Blicken oder Gesten
auf ihre Libido verweisen müssen, jene, die demonstrativ
stets Großpackungen XXL-Kondome mit sich herumtragen
und den Playboy auf dem Couchtisch auslegen, wenn
Besuch kommt. Paradebeispiel ist der alternde Lüstling Silvio
Berlusconi, der auch mal laut herumposaunt: »Nach drei
Stunden Schlaf bin ich fit für drei Stunden Sex!«
Auch schwer daneben:
• beim Akt eine pornomäßige Show abziehen
• lächerlich aufgesetzter Dirty-Talk
• übertriebene Stöhnerei, animalisches Schreien oder Grunzen,
überhaupt: die Mitmenschen durch »zufällig« aufgelassene
Zimmertüren und hohen Geräuschpegel am eigenen
Vergnügen teilhaben zu lassen, um sie verlegen oder
neidisch zu machen.
Nicht können
Während Frauen im Notfall Lustlosigkeit durch schauspielerische
Leistungen überdecken können, ist bei Männern
eine Flaute unübersehbar und umso peinlicher, je draufgängerischer
sie sich zuvor benommen haben. Die tote Hose
macht in Windeseile den Kerl zum Kind, schrumpft ihn zum
Neutrum, from hero to zero. Rockbarde Udo Lindenberg
erlitt dieses Fiasko im zarten Alter von sechzehn: »Sie gibt
sich Mühe, ist nicht unkundig. Ich sehe ihre großen Brüste
über mir. Den verächtlichen Ausdruck in ihrem Gesicht.
Sie meint nur: ›Sag’ mal, bist du schwul?‹ Die Frage bohrte
sich in meine Seele wie ein Pfeil mit unzähligen Widerhaken.
War ich schwul? Musste wohl so sein. Wie sonst konnte
ein Junge im besten Zeugungsalter so erbärmlich wegschlaffen?
«3 Doch nicht nur vor der Partnerin hat man sich damit
blamiert – es treibt einen auch noch die berechtigte Angst
um, sie könnte dieses »Geheimnis« bei Freundinnen und,
oh Gott, Freunden ausplaudern. Dann weiß bald die ganze
Clique, Schulklasse oder die ganze Stadt Bescheid. Anekdoten
dieser Art werden gerne noch nach Jahren oder gar Jahrzehnten
hervorgekramt, denn Sex-Pleiten vergisst man nicht
so schnell.
Hässliche oder verschmutzte Unterwäsche
Glaubt man aktuellen Umfragen, wechseln 13 Prozent der
Männer ihre Unterhose nur jeden zweiten Tag, einige von ihnen
sogar noch seltener. Pfui! Mit dem Tragen hässlicher Unterwäsche
zeigt man zudem an, dass man sich selbst für so
unattraktiv hält, dass man nicht mehr mit erotischen Begegnungen
rechnet.
Körperliche Problemzonen
Nicht wenige Zeitgenossen und Zeitgenossinnen entsprechen
nicht den gängigen Schönheitsidealen – oder bilden sich das
jedenfalls ein. US-Talkshowlegende Oprah Winfrey quälte
sich öffentlich mit ihren Gewichtsproblemen und wurde auch
dadurch zur Identifikationsfigur für Millionen. So beichtete
sie dem Publikum im Winter 2008, nunmehr 90 Kilo auf die
Waage zu bringen: »Ich bin wütend auf mich selbst. Es ist mir
peinlich. Ich kann nicht glauben, dass ich nach all diesen Jahren
immer noch über mein Gewicht rede. Ich schaue mich
an und denke: ›Wie habe ich das wieder so weit kommen lassen?‹
« Viele haben eine Problemzone oder mehrere Körperteile,
mit denen sie unzufrieden sind, die sie verstecken oder
optimieren wollten, wenn sie könnten. Schlimm, wenn hier in
der Jugend prägende Zurückweisungen und Hänseleien stattgefunden
haben, die manche erst im Erwachsenenalter, manche
nie völlig überwinden können. Sex-Pannen und körperliche
Eigenarten werden auch gerne herausposaunt, wenn sich
die Partner im Streit getrennt haben. So bekannte Kimberley
Scott freimütig, dass ihr langjähriger Ehemann Eminem nicht
besonders gut bestückt gewesen sei und für Sex überdies
die Hilfe von Viagra und Co. benötigt habe. Keith Richards
rächte sich in Kapitel sieben seiner Autobiografie Life am
Rolling-Stones-Kollegen Mick Jagger, indem er über ihn und
seine damalige Freundin Anita Pallenberg schrieb: »Jedenfalls
hatte sie mit dem winzigen Pimmel keinen Spaß.«

Christian Saehrendt

Über Christian Saehrendt

Biografie

Christian Saehrendt, geboren 1968, hat Geschichte studiert und in Kunstgeschichte promoviert. Als freiberuflicher Publizist hat er zahlreiche Bücher über historische und gesellschaftliche Themen und über Kunst verfasst. Seine Gebrauchsanweisung für moderne Kunst «Das kann ich auch!» (mit Steen T....

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