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Black Forest High 3 (Black Forest High 3)Black Forest High 3 (Black Forest High 3)

Black Forest High 3 (Black Forest High 3)

Nina MacKay
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Ghostkiller

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Black Forest High 3 (Black Forest High 3) — Inhalt

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wo Geisterjäger, Exorzisten und Geistermedien zur Schule gehen? Auf die Black Forest High!

Nichts ist mehr wie es war an der Black Forest High und dieser Umstand geht größtenteils auf Sevens Konto. Während sie noch versucht herauszufinden, was mit ihren Geisterfreunden los ist, steht die Geisterwelt plötzlich Kopf. Geister verschwinden spurlos, während ausgerechnet der Poltergeist die Welt der Lebenden betritt, den Seven mehr als alle anderen gefürchtet hat. Kann Seven sich selbst überwinden und alles wieder geraderücken? Nova und Sylva finden? Und dann wäre da noch das Liebeschaos mit Parker und Crowe. Dagegen verblassen selbst Poltergeistangriffe und Natalias Gemeinheiten, oder nicht?

Der spannende Abschlussband der Black Forest High rund um die Ersatz-Auserwählte Seven und die gutaussehenden Zwillinge Parker und Crowe!

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 01.09.2021
288 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-70583-7
Download Cover
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 01.09.2021
288 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-99939-7
Download Cover

Leseprobe zu „Black Forest High 3 (Black Forest High 3)“

Kapitel 1
Varla


Wie festgefroren verharrte Varla am Treppenabsatz. Ihre Finger umklammerten das Geländer, als wäre es der sprichwörtliche letzte Strohhalm für sie. Octa, der kleine niedliche Geist mit den Zöpfen, schwebte an ihr vorbei. Grimmig zusammengekniffene Lippen, ein Körper aus grauem Rauch. Octa war ein Poltergeist. Kein schüchterner, normaler Geist mehr. Sie hatte sich verwandelt. Eindeutig und in der Dunkelheit klar auszumachen.
Die Erkenntnis traf Varla hart wie die Glaskugel aus der Mediums-SU. Hatte es so etwas schon jemals gegeben?
Octa [...]

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Kapitel 1
Varla


Wie festgefroren verharrte Varla am Treppenabsatz. Ihre Finger umklammerten das Geländer, als wäre es der sprichwörtliche letzte Strohhalm für sie. Octa, der kleine niedliche Geist mit den Zöpfen, schwebte an ihr vorbei. Grimmig zusammengekniffene Lippen, ein Körper aus grauem Rauch. Octa war ein Poltergeist. Kein schüchterner, normaler Geist mehr. Sie hatte sich verwandelt. Eindeutig und in der Dunkelheit klar auszumachen.
Die Erkenntnis traf Varla hart wie die Glaskugel aus der Mediums-SU. Hatte es so etwas schon jemals gegeben?
Octa fauchte, beachtete Varla aber nicht weiter. Und dann war sie fort. Im Flur verschwunden.
Varla biss sich auf die Unterlippe. Die Mutter der Drillinge war ebenfalls außerhalb ihres Blickfelds im Erdgeschoss abgetaucht.
Varla zwang sich auszuatmen. Später würde sie mit dieser Begegnung fertigwerden, doch genau jetzt musste sie weiter. In den Kunstraum. Zu Seven. Ihre Vision … Allein beim Gedanken daran wurde Varla schlecht. Sie durfte nicht noch mehr Zeit verlieren.

Die Flachwitz-Tür gab sich erst mit dem zweiten gemurmelten Witz zufrieden. Der erste war ihr nicht flach genug. Doch nachdem Varla „Was ist grün und steht vor der Tür – ein Klopfsalat“ geflüstert hatte, schwang die Tür auf, wofür Varla überaus dankbar war. So lautlos wie möglich sprintete sie den Flurtrakt entlang. Sie mussten hier sein, außer sie hatten die hintere Treppe genommen …
Kaum dass sie den Gedanken voll erfasst hatte, flog die Tür von Mr Orbys Kunstraum auf.
Vor Schreck sprang Varla zur Seite, presste sich hinter einer Statue, die schon vor ihrer Zeit von Schülern aus Pappmaschee geformt worden war, gegen die Wand. Damit das Glöckchen an ihrem Hals sie nicht verriet, schloss sie eine Faust darum. In Varlas Ohren rauschte das Blut, während sie vorsichtig um die ausladende Oberweite der Statue herumlugte. Es war Seven, die da den Kunstraum verließ. Tatsächlich. Aber wo waren die Zwillinge? Seven schritt zügig den Flur entlang, glücklicherweise in die andere Richtung, weg von Varla.
Das musste bedeuten … sie war zu spät gekommen.
Sobald Seven um die nächste Ecke verschwunden war, drückte sich Varla von der Wand ab. Sie musste wissen, was in Mr Orbys Klassenraum vorgefallen war.
Obwohl sie sich für den Anblick gewappnet hatte, fiel Varlas Mut augenblicklich in sich zusammen, kaum dass sie in den Raum geschlüpft war. Mondlicht fiel auf die grausige Szene am anderen Ende des Klassenzimmers. Der Boden schien näher zu kommen und komischerweise auch die unfertigen Bilder, die auf ihren jeweiligen Staffeleien auf die vierte Stunde am Montag warteten. Es wirkte fast, als wären die Bilder lebendiger als die Zwillinge, die am Boden lagen.
„Nein“, keuchte Varla. Ihre Finger zitterten. „Eleonor!“ Sie stürzte nach vorn. Noch im Laufen zog sie sich ihren Schal vom Hals.
Parker starrte ihr entgegen. Im Gegensatz zu seinem Bruder war er bei Bewusstsein. Allerdings schien alles Leben aus seinen hellblauen Augen verflogen zu sein.
„Eleonor!“ Ohne nachzudenken, kniete sie sich zwischen Parker und Crowe, aus deren Kehlen Blut floss, das sich neben den Brüdern zu einer Lache sammelte. Eilends drückte Varla die Enden ihres Schals auf die Wunden der Jungs, wofür sie in ihrer knienden Position beide Arme ausstrecken und sich weit nach vorn lehnen musste.
Parker röchelte etwas, das stark nach Seven klang, doch Varla sah ihn scharf an. „Du sagst nichts, sondern konzentrierst dich darauf, nicht zu sterben, verstanden?“
Schweiß rann Varla in die Augen. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Wenn die Irving-Zwillinge starben … und Seven sich später die Schuld dafür geben würde … Dieses Szenario wollte sie sich gar nicht erst ausmalen.
Endlich, endlich tauchte Eleonor auf in ihrer flackernden Geistergestalt. Sobald sie bemerkte, weswegen Varla nach ihr geschrien hatte, quiekte sie los.
„Schweb da nicht so rum. Geisterplasma, schnell! Oder hol Mrs Lebron.“
„Ich … ich“, stotterte der Geist. Ihre sonst so intelligent dreinschauenden Augen flitzten von links nach rechts. Der Dutt an ihrem Kopf schwankte.
„Reiß dich zusammen!“
Zitternd schob Eleonor eine Hand in ihre Hosentasche. „Ich hab geübt.“
Varla sah auf. Direkt auf die glühende Masse Geisterplasma in Eleonors rechter Hand. Dem Himmel sei Dank. Immerhin ein Geist an dieser Schule, der von einem Menschen gefördert worden war.
„Fang mit Crowe an.“ Mit dem Kinn deutete Varla auf den bewusstlosen Zwilling. Geisterplasma. Das Wort hallte wie ein Echo in Varlas Kopf nach.
Parkers Füße zuckten. Der Schal an seinem Hals hatte sich schon komplett mit Blut vollgesogen und um ihn herum sickerte immer noch Blut auf den Boden. Den beiden Jungs blieb keine Zeit mehr.
Varla biss sich auf die Zunge. Es durfte nicht zu spät sein. Wenn sie die falsche Entscheidung getroffen hatte und nun beide Jungs sterben würden? Hätte sie doch besser Parker zuerst behandeln lassen sollen, damit wenigstens einer der beiden überlebte?
„Seven“, röchelte Parker schon wieder. „Hilf ihr.“
„Sofort. Und jetzt halt die Klappe“, fuhr Varla ihn an. „Ich versuche gerade, dein Leben zu retten.“
Auf ihrer rechten Seite betupfte Eleonor Crowes Wunde. Wie hatte Seven das bloß bewerkstelligt? Zwei Jungen verletzt? Mit was? Einem Messer? Etwas blitzte im Mondlicht hinter Crowes Kopf. Eine achtlos weggeworfene Schere, voll mit Blut. Eine Schere …
Der Dämon, der Seven umsessen hatte, musste wirklich sehr mächtig sein. Warum hatten sie nicht besser auf Seven aufgepasst? Es hatten sich doch genug Jäger auf dem Herbstball herumgetrieben? Wieso hatte keiner …? Und was war mit dieser Therapie, die die Hatties Seven aufgebrummt hatten? War das alles umsonst gewesen? Würden nach Sylva und James nun auch die Zwillinge sterben? Varla legte den Kopf in den Nacken und stieß einen frustrierten Schrei aus.
Kurz schielte Eleonor zu ihr rüber, sichtlich erstaunt, unterbrach jedoch nicht Crowes Behandlung.

In Varlas Herz schien sich ein Knoten zu lösen, als sich die Wunde an Crowes Hals schloss. Und einen Augenblick später zuckten seine Fingerspitzen.
„Er wird wieder“, wisperte Eleonor.
„Gut, und jetzt Parker.“ Varlas Kopf flog herum.
Hastig folgte der Schulgeist ihrer Aufforderung.
Warum war eigentlich noch niemand anderes auf sie aufmerksam geworden? „Remi! Wo steckst du?“
„Es ist nicht genug Plasma für eine zweite Person übrig, fürchte ich.“ Eleonors Blick schoss zwischen Parker und Varla hin und her. Der Schnitt schloss sich nicht, hatte sich allerdings verengt.
Was? Zu wenig? Frustriert biss sich Varla auf die Unterlippe. Vermutlich hatten sie ihr Glück schon verbraucht an diesem Abend.
Ehe Varla darauf antworten konnte, löste sich ein Geist aus Parkers Körper. Offenbar hatte er sich so weit im Griff, dass er auf die Geisterebene wechseln konnte. Ganz schön clever.
„Varla, verschwende keine Zeit. Du musst Seven stoppen. Schnell, ich begleite dich.“
„Parker …“
„Eleonor besorgt mehr Plasma für meinen Körper und in der Zwischenzeit komme ich mit dir mit. Für Seven.“ Seine Gestalt flackerte.
„Nein, das ist viel zu gefährlich. Dein Körper wird noch schwächer ohne seinen Geist sein als sowieso schon.“ Fahrig fuhr sie sich über die Stirn.
„Das bedeutet also, ich gehe vor.“ Parker straffte die Schultern und schwebte in Richtung Tür. „Seven ist besessen und im Begriff, irgendetwas Schreckliches zu tun.“
Varla hastete ihm hinterher. Nach einem Blick zurück auf Eleonor war sowieso klar, dass sie hier nichts mehr ausrichten konnte. Wie sehr sie es hasste, wenn die Irving-Zwillinge recht hatten.
Parkers Geist erhellte mit seinem blauen Schein den Flur.
„Nein, im Ernst, Parker!“
Aber das schien er schon gar nicht mehr zu hören. In seiner durchscheinenden Gestalt schoss er durch den Flur in Richtung der hinteren Treppe, die Seven vermutlich ebenfalls genommen hatte. Für Seven, er tat das alles für sie.
Wenn die Situation weniger dramatisch gewesen wäre und sich Varla nun nicht zusätzlich noch um Parker hätte sorgen müssen, wäre das ja ganz süß gewesen. Aber so? Ohne weiter darüber nachzudenken, sprintete Varla Parker hinterher.
Durch die Seitentür schlüpften sie aus dem Schulgebäude. In ihrem Herzen hämmerte es. So viel war geschehen an diesem Abend. Wenn es so weiterging … was konnten die Poltergeister mit Seven vorhaben? Ausgerechnet heute während des Herbstballs. War das von langer Hand geplant gewesen?
Parkers blauer Schein leuchtete nicht weit entfernt.
Sie hatte keine Wahl. Varla hastete ihm über den Kiesweg hinterher, dann über den Rasen direkt auf die Turnhalle zu. Dort, wo die anderen ahnungslos feierten … Erst jetzt begriff Varla, dass sie jemanden anrufen musste. Wenn sie doch nur an ihr Handy gedacht hätte! Aber das lag in ihrem Zimmer. Sie hatte lediglich ihre Notfalltasche mit Pflastern, Siliziumspray und etwas Weihwasser bei sich. Das war’s.
Glücklicherweise entdeckte sie nicht weit entfernt Trent und Bayle unter einer Weide mit tief hängenden Ästen. Ein stark würziger Geruch schlug ihr entgegen. Die zwei rauchten. Natürlich.
„Hey, ich brauche eure Hilfe!“ Keuchend deutete sie im Laufen auf die Jungs. Während Trent verwirrt in die entgegengesetzte Richtung starrte und sich einen seiner Dreadlocks über die Schulter strich, erwiderte Bayle ihren Blick. Er stieß einen Kringel Rauch in die Luft.
Das Zeug kitzelte in Varlas Nase.
„Schreibt in den Klassenchat, dass Poltergeister auf dem Weg in die Turnhalle sind. Mit Seven. Die anderen müssen gewarnt werden!“
Auf die Schnelle wusste Varla nicht, wie sie es sonst hätte erklären können, ohne dass sie Seven noch mehr bloßstellte als sowieso schon. Und tatsächlich nickte Bayle, noch ehe sie ganz an ihm vorbeigesprintet war. Immerhin. Er war einer der cleversten Schüler im Internat. Bayle würde sich um das Problem kümmern. Mit seinen Hackerfähigkeiten hatte er schon alles Mögliche mehr geregelt.
Letztendlich holte Varla Parker ein, als der vor der Turnhalle einmal nach links und dann wieder nach rechts schwebte. Keuchend und kurz davor umzukippen, fasste sie sich an die Brust. Bloß war ohnmächtig werden keine Option.
„Drinnen ist sie nicht“, rief Parker ihr entgegen. „Aber die anderen wissen Bescheid und sammeln sich.“
Wahrscheinlich sah Varla deshalb keine Schüler vor der Tür oder im Vorraum zur Turnhalle.
„Gut, dann …“ Varla drückte gegen die Eingangstür. Doch die gab kein Stück nach, weshalb sie verstummte. Energisch rüttelte sie an den Plattengriffen. „Abgesperrt, was soll das?“
Ganz und gar ungewöhnlich. Nicht, wie es an einem Ballabend sein sollte. Sie wirbelte zu Parker herum. „Du bist durch die Wand rein?“
Parkers Geistergestalt flackerte. „Genau. Vermutlich hat jemand – und damit meine ich mindestens einen Poltergeist – die Tür manipuliert. Es gibt keinen Geisterabwehrschutz hier. Verflucht. Daran hat niemand gedacht.“
Sofort spürte Varla ihre Fingerspitzen taub werden. Alles in ihr schien zu erkalten. Zu leichtsinnig. Wie hatte niemand daran denken können? Weil sonst nie etwas geschah und Seven als beinahe therapiert galt? Und nun? Was ging hier vor? Ihr Kopf schnellte von links nach rechts.
„Riecht ihr das?“ Gerade als sich Trent und Bayle ihnen näherten, kroch ein scharfer Geruch in Varlas Nase.
Zunächst antwortete ihr niemand. Nur Trent hob einen Arm und schnüffelte an seiner Achsel. „Nö.“ Dann zupfte er an seinem zerknitterten Anzug. Seine Fliege hatte er bereits gelockert.
Varla beachtete ihn nicht weiter.
„Rauch. Es brennt? Nur wo?“
Nachdem Parkers Geisterkörper noch ein wenig blasser geworden war, stieg er in die Höhe, wohl um sich einen besseren Überblick zu verschaffen.
„Parker, du solltest zurückfliegen. Du bist schon zu lange von deinem Körper getrennt, wenn man bedenkt, dass du geschwächt bist und noch den Rückweg vor dir hast“, bemerkte Varla. Natürlich ging er nicht darauf ein.
„Auf der Rückseite der Turnhalle bildet sich Rauch. Ungefähr da, wo so viel Gestrüpp über den Weg reicht. Liegt da nicht auch der Hinterausgang? Genau da?“
Rauch. Also wirklich Feuer. Was …? Innerhalb einer Millisekunde begriff Varla, was das hieß. „Die Poltergeister! Sie steuern Seven und sie muss das Feuer gelegt haben.“
Varla fing Parkers Blick auf. „Und vorher hat sie alle Ausgänge verriegelt. Bloß wie?“
„Wenn die Poltergeister das geplant hatten … müssen sie es vorbereitet haben. Irgendwie haben sie sich die Schlüssel besorgt, nehme ich an, oder die Schließzylinder im Schloss manipuliert.“ Wieder rüttelte Varla an der Tür. Sie mussten handeln, schnell. „Bayle, sag allen Bescheid, dass sie da rausmüssen. Vielleicht über das Toilettenfenster. Beeil dich!“
In der Zwischenzeit flog Parker mit gesenktem Kopf am Rand der Turnhalle auf und ab, als suchte er einen weggeworfenen Schlüssel.
Varla wirbelte herum. „Ich kümmere mich um Seven. Ihr kommt nach.“
Da sich Parker schon wieder in Bewegung setzte, warf sie im Laufen den Kopf zurück. „Du nicht. Du musst zurück in deinen Körper, sonst stirbst du ganz bestimmt.“
Parker gab vor, sie nicht gehört zu haben. Aber da Varla keinen Nerv übrig hatte, um einen bockigen Parker-Geist zu seinem Körper zurückzuschicken, lief sie ohne ein Wort weiter keuchend über den Rasen, den Kopf voll wirrer Gedanken, die alle nicht so recht Sinn ergeben wollten.
Aus Richtung der Schulauffahrt näherte sich ihr ein Geist. Houston, dieser grimmige Freund von Remi, wie Varla am Rande registrierte.
„Houston, wir haben ein Problem.“ Bayle machte sich noch ein wenig größer, als er ohnehin schon war. „Das wollte ich schon immer mal sagen!“
„Hast du keine anderen Sorgen?“, zischte Varla.
„Doch, aber die Geister könnten uns doch helfen?“
„Leise!“, flüsterte Parker ihnen zu. „Seven ist dahinten. Helft mir, sie zu überwältigen.“
Varla wusste, dass Parker in dieser Situation absolut nichts tun konnte und Houston auch nicht. Nur die beiden zugedröhnten Geisterjäger an ihrer Seite. Eventuell … Nicht mal ein Exorzist war hier. Wie sollten sie da Seven … helfen? Es gab nur eine winzige Chance.
„Parker, du musst Sevens Programmierung umkehren.“ Sie waren fast da.
„Glaubst du, das weiß ich nicht?“, fragte Parkers schimmernder Geist zurück. „Wenn sie es uns so einfach machen …“
Das hätte Varla auch nicht vermutet.
Den Anblick, der sich ihnen auf der Rückseite der Turnhalle bot, ebenso wenig. Varla konnte es Houston nicht verdenken, dass er innehielt und direkt wieder kehrtmachte.
Seven, blutbeschmiert, mit zerfetztem Ballkleid und weggetretenem Blick, fixierte den Hintereingang. Von innen rüttelte jemand daran. Allerdings kokelte vor der Hintertür ein aufgeschichteter Haufen an Zeitungspapieren vor sich hin, weswegen Varla lieber Abstand hielt. Oben aus dem Dach drang ebenfalls Rauch nach außen. Ein Brand und verriegelte Türen. Eine tödliche Kombination, die Varla den Atem verschlug. So etwas passierte doch nur in Büchern und Filmen, niemals in ihrer Welt. Doch genauso war es. Knisternd breitete sich das Feuer vor Varlas Augen weiter aus.
Adrenalin fuhr durch ihren Körper und auf einmal bewegte sie sich wie im Automodus.
„Parker, tu was. Ich lenke Seven ab. Trent, hilf du den anderen, aus dem Toilettenfenster zu klettern. Geh als Geist rein, erklär allen, was sie tun sollen, und komm zurück, verstanden? Und stell deinen Körper in sicherer Entfernung vom Rauch ab.“
Schon schwebten die Geister von Emerson und Natalia durch das Dach. Obwohl Seven sie längst bemerkt haben musste, beachtete sie weder Varla noch die Jungs an ihrer Seite. Doch sobald ihr Blick auf Natalia fiel, knurrte sie.
„Seven? Ich bin’s“, versuchte es Varla mit so viel Nachdruck in der Stimme wie möglich. „Warst du das?“ Sie wies auf den vor sich hin schwelenden Papierhaufen. Rauch schlängelte sich wie dunkle Schnüre daraus empor. Nur das Knistern der Blätter war zu hören neben den geflüsterten Worten von Emerson.
Neben ihr stimmte Parker das Itsy Bitsy Spider-Lied an, weswegen Varla gespannt auf Sevens Reaktion wartete. Einmal, zweimal sang er es mit zittriger Stimme, während Seven wie in Trance an Parker vorbeistarrte.
Nichts geschah. Seven stand genauso steif da wie zuvor.
Fast hatte Varla es geahnt. Bloß warum funktionierte es dieses Mal nicht? Immer noch fixierte Seven Natalia, die die Lage wohl bereits sondiert hatte.
Natalias Lippen verzogen sich. Bitterkeit und Triumph sprachen aus ihren Gesichtszügen. „Gib den Lehrern Bescheid, Emerson. Ich kümmere mich um diese Irre.“
„Sie ist besetzt“, bemerkte Varla. „Umsessen“, korrigierte sie sich. „Seven kann nichts dafür.“ Hoffentlich würden das die anderen auch so sehen. Und warum funktionierte das Itsy Bitsy Spider-Lied nicht mehr? Varlas Blick fand Parkers, der nur mit den Schultern zuckte. Doch offensichtlich hatte er ihr etwas mitzuteilen, denn er schwebte auf sie zu. Hoffentlich, um ihr zu versprechen, nun endlich zurück in seinen Körper zu fahren.
„Etwas stimmt hier nicht, und damit meine ich nicht das Offensichtliche.“ Er nickte in Richtung Seven.
„Was glaubst du, haben die Poltergeister mit ihr vor?“, fragte Varla, die ähnliche Gedanken hegte. Doch bevor Parker antworten konnte, schoben sich ein paar Gedankenfetzen zu ganzen Sätzen in Varlas Kopf zusammen. „Die Poltergeister wollen dich und Crowe ausschalten, weil ihr Seven durchschaut, ihr glaubt und sie aufhalten könntet. Deshalb der Angriff eben im Kunstraum.“ Die Worte in Varlas Mund verhakten sich, als so viele Bilder auf einmal an ihrem inneren Auge vorbeizogen. Es war noch nicht mal eine Vision. Bloß eine Feststellung. Zugegeben, eine wirre Feststellung. Doch Parker verstand bestimmt, was sie meinte. Sie sah ihn fest an. Was hatten die Poltergeister mit ihrer neuen besten Freundin vor? Varlas Herz schlug so schnell, als wollte es sich von ihr losreißen und ohne sie davongaloppieren.
Bilder aus der Vergangenheit schossen ihr durch den Kopf. „Die Schule zu schließen, ist ihr Ziel. Sie wollen die Ausbeutung der Geister beenden. Dafür haben sie Seven als ihr Werkzeug ausgewählt.“ Das Gekreische der Poltergeister, die sich über Geisterforscher aufregten, zerrte an Varlas Erinnerungen.
Während sie sprach, wirkte Parker von Sekunde zu Sekunde alarmierter. „Als Nächstes müssen sie den Weg frei räumen. Indem sie die Jäger töten zum Beispiel. Die Talentiertesten von euch. Um freie Bahn zu haben. Niemand anderer kann ihnen etwas entgegensetzen.“ Gut, abgesehen vielleicht von ein paar Tricks der Geisterforscher, aber so ein bisschen Geisterabwehrspray würde einem Angriff nicht lange standhalten.
Varlas Blick fiel auf Natalia, ehe sie ihren Satz vervollständigte. „Ich würde mit Natalia anfangen, wenn ich dieser Poltergeist-Anführer wäre. Wenn sie stirbt, gibt es auch keine Ersatz-Geistlenkerin mehr für Seven.“ Sie starrte in Richtung Dach, von wo aus Natalia Seven mit Worten provozierte.
Nach einem Blick über die Schulter bemerkte Varla, wie Bayle und Trent Yoko aus dem Toilettenfenster zogen. Das ging viel zu langsam. Irgendjemand musste die Eingangstüren öffnen oder der Großteil der Ballgäste würde lebendig verbrennen.
„Die Feuerlöscher …“ Yoko hustete, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. „Sie funktionieren nicht. Wurden manipuliert.“
Irgendjemand keuchte.
„Warum tun die Hotties denn nichts?“, hörte Varla Bayle fragen.
Mittlerweile stand der erste der überhängenden Dachbalken in Flammen und das Feuer fraß sich aggressiver vorwärts. Der Rauch kratzte in Varlas Kehle, weswegen sie einen Schritt zurücktreten musste. Hastig ging sie im Kopf die Standorte von weiteren Feuerlöschern auf dem Schulgelände durch. Ein ganz kleiner befand sich innen am Haupteingang. An den würde sie nicht rankommen und bis die anderen in der Schule ihn erreichten, würde das Feuer schon zu hoch lodern. Die großen Feuerlöscher befanden sich allesamt zu weit entfernt im Inneren der Schule. Aussichtslos, dort in weniger als fünf Minuten dranzukommen.
„Die anderen haben sich drinnen in der Mitte des Basketballfelds versammelt, weil sie einen Poltergeist-Angriff erwarten“, flüsterte Yoko. Sie vollführte eine Handbewegung, die deutlich machte, dass sie geschickt worden war, um den Ersatzschlüssel zu holen.
Ein gewagter Plan der Schulleiterinnen.
Varla biss sich auf die Zunge. Ob dieser Plan aufgehen würde? Und wenn nicht? Wenn die Poltergeister auch dagegen vorgesorgt hatten? Wenn das Schloss blockiert war? Schon im nächsten Moment raste Yoko davon.
„Komm schon.“ Wie in einem Karatefilm winkte Natalia Seven zu sich. Unter ihr knisterte das Feuer. „Wechsel auf die Geisterebene und dann werden wir ja sehen, wie du dich gegen mich behaupten kannst.“
„Natalia, nicht!“, sagte Varla. „Die Poltergeister wollen dich aus dem Weg räumen.“
Für diese Warnung hatte Natalia nur ein müdes Lächeln übrig. „Welcher Poltergeist will das nicht? Schon seit ich geboren wurde.“
Da hatte die vormals mächtigste Geistbegabte wohl recht. Natalia starrte Seven an, wobei sie Varla an eine wütende Vampirprinzessin erinnerte.
Dennoch …
„Parker, geh zurück zu Seven. Sag ihr, dass sie sich gegen die Besetzung behaupten muss. Sag, dass du sie liebst!“
„Das hat bei Crowe schon nicht funktioniert in der Nacht, als James …“
Varla verstand. Bloß musste das einfach klappen. Wenn das Itsy Bitsy Spider-Lied keine Wirkung zeigte, was konnte ihnen dann noch helfen?
„Parker, du bist nicht Crowe.“ Es kam härter über ihre Lippen als beabsichtigt und sie konnte erkennen, wie Parkers Kopf nach oben ruckte. Ob ihn dieser Fakt getroffen hatte oder er einfach nur gegen den Drang ankämpfte, zurück in seinen Körper zu fahren, war ihr nicht unbedingt klar.
Nach kurzem Zögern nickte Parker ihr zu. Gut, welche Wahl hatten sie schon?
Varla fixierte Seven mit den Augen. Gleichzeitig ertönten Rufe aus dem Inneren der Turnhalle. Sie war sich nicht vollkommen sicher, aber es hörte sich so an wie „Poltergeister!“.
Was zur Hölle …? Noch ehe Varla den Gedanken ganz zu Ende gefasst hatte, schoss Sevens Geist aus ihrem Körper. In einer fließenden Bewegung und so, als hätte sie das von langer Hand geplant, griff sie sich in den Nacken, zog das Geisternetz aus ihrem Tattoo und warf es auf Natalia.
Die versuchte zwar noch auszuweichen, doch es war zu spät. Das Netz nagelte sie auf dem Dach der Turnhalle fest und Sevens Geist verschwand wieder in ihrem Köper. Seelenruhig.
„Du kleine Kröte!“ Natalias Geist hatte sich komplett im Netz verhakt. Seven hatte mit diesem Spezialequipment wirklich gute Arbeit geleistet. Nur war das nicht ganz das, was sich Varla erhofft hatte.
Immerhin setzte sich nun Parker in Bewegung. Er schwebte ganz nah an Seven heran, wobei seine Geisterbrust bebte. Der Anblick löste ein dumpfes Ziehen in Varlas Magengrube aus.
„Seven? Hörst du mich?“
Nichts.
Widerwillig blickte Varla auf ihre Hand, tippte dann übertrieben auffällig mit ihrem Finger auf ihr linkes Handgelenk, wo eine Uhr hingehörte, um Parker zur Eile anzutreiben. Warum trödelte er so herum?
„Seven, bitte schüttle sie ab. Du kannst es“, fuhr Parker fort. „Denk an heute Abend, deine starke Rede beim Ball. Eigentlich wollte ich danach in Ruhe mit dir reden …“
Mehr bekam Varla nicht mit, denn ein Grollen bewegte sich auf sie zu, als handle es sich dabei um ein lebendiges Wesen, was sie vom direkten Geschehen vor ihr ablenkte.
„Mrs Sukarno?“ Auf einmal stand sie vor ihnen. Wutentbrannt. Mit zusammengezogenen Augenbrauen. Die Mutter der indonesischen Drillinge.
Was wollte eine Mutter beim Ball? Eltern waren nicht eingeladen. Doch das war nicht mal das Seltsamste. Denn einen Atemzug später verließ Mrs Sukarno ihren Körper. Nur für einen Moment und im Rahmen eines Hicksers, wie bei einem Schluckauf. In Varlas Innerem gingen sofort mehrere Warnlampen an. Mrs Sukarno war auf die Geisterebene gewechselt. Das … sollte normalerweise nicht möglich sein. Nicht nur, dass Mrs Sukarno deutlich älter als fünfundzwanzig war und damit zu alt für geistbegabte Fähigkeiten, sie musste ihren Erzählungen nach zu ihrer Schulzeit Teil der Forscher-SU gewesen sein. Wie konnte sie da Jägerfähigkeiten zeigen?
„So war das nicht abgemacht! Da drin sind meine Kinder!“ Sie stürzte sich geradezu auf Seven, rüttelte an ihrer Schulter. „Lass die Kinder da raus.“
„Sie werden dafür bezahlen. Für alle Blutschuld und all die Folter …“, sagte Seven. Ihre Stimme klang viel zu tief …
Mrs Sukarno holte aus und schlug Seven mit der flachen Hand ins Gesicht. „Was habt ihr mit den Türen gemacht?“
Seven grinste. Ein diabolisches Grinsen, das Varla noch nie zuvor bei ihr gesehen hatte.
Die Türen!
Rasch sah sie sich um. Parker flackerte, bemühte sich immer noch um Sevens Aufmerksamkeit.
Natalia kämpfte mit dem Netz.
Durch eins der beiden schmalen Toilettenfenster zogen Bayle und Trent ein Mädchen mit Dutt und gelbem Ballkleid heraus. Marie aus Varlas Mediums-SU.
Das ging viel zu langsam. Das Feuer … Varla hob den Kopf. Mittlerweile fraß es sich durch die Balken. Der Geruch nach Lagerfeuer und die Hitze, die in Varlas Gesicht brannte, kitzelte an ihren Nervenenden. Adrenalin schoss durch ihre Adern. Wo blieb denn nur die Feuerwehr? Die Hatties hatten sie sicher bereits gerufen. Sie musste los. Selbst einen Feuerlöscher holen oder noch besser … – eine Idee blitzte in Varla Kopf auf.
Ohne den anderen zu sagen, was sie vorhatte, preschte Varla in Richtung Schule.
Ganz offensichtlich hatten inzwischen ein paar Geister mitbekommen, was los war, denn eine Handvoll von ihnen schwebte ihr entgegen, und zwar auf die Turnhalle zu. Ruben mit seiner halben Brille war unter ihnen. Einer der Geister, der schon am längsten in der Schule spukte. Ruben! Vielleicht war er die Lösung.
„Ruben!“ Wie eine Ertrinkende ruderte sie mit den Armen, während sie die letzten Schritte auf ihn zusprang. „Du musst mir helfen!“
„Wie bitte, Darla?“, fragte er, wobei er perplex über seine Brillenränder hinweg zu ihr nach unten schielte.
Varla verzichtete darauf, ihn zu korrigieren.
„Wenn du ein gutes Herz hast, begleite mich zur Turnhalle. Du könntest alle eingesperrten Schüler retten.“
Der Geist wirkte, als müsste er über jedes Wort von Varla einzeln nachdenken.
„Alle würden dich als Helden feiern.“
Ruhig bleiben, ermahnte sich Varla. Sie konnte ihn schlecht dazu drängen. Die anderen Geister schwebten nun näher an ihn heran.
„Du, ein Held?“, fragte Leah-Belle, ein Geistermädchen mit niedlicher Stupsnase.
„Ja, ja, das bin ich.“ Von einem Augenblick auf den nächsten reckte Ruben die schmale Brust. „Wie kann ich helfen, Mylady?“ Da er sich in einer Verbeugung übte, rutschte ihm die Brille von der Nase. Kein Wunder, denn sie hing ja nur an einem Bügel. Gerade noch rechtzeitig gelang es ihm, sie aufzufangen. Doch mit den eigenartigen Geistergesetzen konnte sich Varla jetzt nicht befassen.
„Mitkommen. Schnell.“ Sie winkte ihm zu, wandte sich um und sprintete zurück.
Auf den Anblick der Turnhalle war sie nicht vorbereitet gewesen, ebenso wenig wie auf die Schreie. Mittlerweile musste Panik unter den Ballgästen ausgebrochen sein, denn das halbe Dach stand in Flammen. Neben Trent und Bayle hatte sich erst ein Dutzend Schüler versammelt. Ein Pärchen versuchte das zweite Toilettenfenster aufzubrechen, das offensichtlich klemmte.
„Okay, hör mir zu.“ Sie erklärte Ruben in einfachen Worten den Plan, damit er möglichst schnell begriff. Das musste einfach funktionieren!
„Ich werde dahinten gebraucht. Du kriegst das schon hin, Ruben. Ich glaube an dich.“ Es kribbelte Varla in den Fingern, sie musste sehen, was am Hintereingang los war. Vielleicht gab es eine Möglichkeit, die Tür dort aufzubrechen? Hatte Parker Seven schon zurückholen können? Wenn ihnen das gelang, musste heute Nacht niemand qualvoll verbrennen.

Nina MacKay

Über Nina MacKay

Biografie

Nina MacKay, irgendwann in den ausgeflippten 80er-Jahren geboren, arbeitet als Marketingmanagerin (wurde aber auch schon im Wonderwoman-Kostüm im Südwesten Deutschlands gesichtet). Außerhalb ihrer Arbeitszeiten erträumt sie sich eigene Welten und führt imaginäre Interviews mit ihren Romanfiguren....

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„Was aber den Stil (...) auszeichnet, sind ihre grandiosen und oftmals durchgeknallten Ideen, die das Buch zu etwas besonderem werden lassen.“

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